ZOO iGS~Z fiZfsbound / HARVARD UNIVERSITY. L. 1 13 13 A R Y <>F THE MUSEUM OE COMPARAT'IVE ZOÖLOGY. Der Zeitschrift für Beobachtung, Pflege und Zucht der Tiere. Gemeinsames Organ für Deutschland und angrenzende Gebiete. Herausgegeben von der »Neuen Zoologischen Gesellschaft« in Frankfurt a. M. Redigiert von Prof. Dr. F. C. Noll, Oberlehrer am Gymnasium. XXV. Jahrgang. Mit 1 Tafel und 15 Abbildungen. Frankfurt a. M. Verlag von Mahl a. u & W aldschmi d t. 1884. * 1 / Inhalt des tlinfundzwanzigsten Jahrganges. I. Aufsätze. Seite Rückblick. Von dem Herausgeber . 1 Die Wachstumsverhältnisse des indischen Elefanten. Von Dr. Max Schmidt. Mit 1 Tafel . 4 Ein neuer Strauß. Von Dr. A. Reich enow . 19 Der Schwanz- und Langschwanzhirsch. Von Damian Gronen . . . . 20 Das Nilpferd des Zoologischen Gartens in Hamburg. Mit 4 Abbildungen. Von Inspektor W.L. Sigel . 33 Der spanische Sandschlüpfer und seine Fortpflanzung in der Gefangen¬ schaft. Von Joli. v. Fischer . 38. 75 Ein Besuch des Zoologischen Gartens in Köln. Von L. Wunderlich 44,69,241 Unsere Frösche und Kröten sind Nachttiere. Von H. Fischer-Sigwart 50 Aus dem Berliner Aquarium. Mit 1 Abbild. Von Gustav Schubert . 52 Eine Zahntaube, Bidunculus sirigirostris , im Zoologischen Garten in Ham¬ burg. Von Dir. Dr. Bolau . 65 Die Tierpflege des Zoologischen Gartens zu Hamburg. Von dem Inspektor W. L. Sigel . 82. 208 Bericht über den Zoologischen Garten in Hannover 1882 — 83 .... 89 Die Beschädigungen der oberirdischen Telegraphenanlagen durch Vögel 97 Neues aus der Tierhandlung von Karl Hagenbeck, sowie aus dem Zoo¬ logischen Garten in Hamburg. Mit 4 Abbild. Von Dr. Th. Noack 100. 326 Einige Bemerkungen zu meinem Aufsatze über »Die deutschen Wald¬ hühner«, in den Jahrgängen 1879 — 81 der »Z. G.« Von Dr. W. Wurm . 115 Aus dem Zoologischen Garten in Berlin. Von L. Wunderlich . . . 123 Texas und seine Tierwelt. Von H. Neh rli ng . . 129. 172. 197. 225. 259 Die Feinde unserer Singvögel. Von H. Schacht . 137. 161 Die Girondenatter in der Gefangenschaft ( Coronclla girundica Baad) Von J oh. v. Fischer . . 145 Bericht des Verwaltungsrats der Neuen Zoologischen Gesellschaft in Frank¬ furt a. M. an die Generalversammlung der Aktionäre vom 20. März 1884 . 148. 181 Der punktierte Schlammtaucher ( Pclodytes punctatus Baudin) in der Ge¬ fangenschaft. Von Jo h. v. Fischer . 177 Ein neuer Durchlüftungsapparat für Aquarieu. Mit 1 Abbildung. VonDr. E. R ey in Leipzig . . Schwarze Eichhörnchen. Von Oskar v. Loewis 193 202 — IV Seite Bericht über den Zoologischen Garten in Dresden über das Geschäftsjahr vom 1. April 1882 bis 31. März 1883 . 217. 278 Die wissenschaftlichen und die praktischen Aufgaben bei der Aufstellung unserer Naturaliensammlungen. Von Leopold Martin .... 234 266. 302 Noch einige Bemerkungen über das Nahoorschaf. Von Dr. Th. Noack 247 Eine Mißbildung an Federn. Von G. Simmermacher . 250 Gelungener Wiederbelebungsversuch an einer ertrunkenen grünen Eidechse. Von H. Fischer-Sigwart . 251 Eine Augenoperation an einem Lämmergeier des Zoologischen Gartens in Hamburg. Von Dr, med. et phil. L. Kote 1 mann . 257 Das Fliegen der Fledermäuse am Tage. Von Pfarrer Jäckel . . . . 273 Die Springmäuse. Nach Lataste von A. Senouer . 276 Zur Ornithologie Jamaika’s. Von I). Gronen . 280 Haftapparate bei Wirbeltieren. Von G. S im m er mach er . 289 Ein hyperpneumatischer Sperling. Von Prof. Dr. H. Land ois . . . 309 Namen einiger asiatischer Wildschafe. Von Dr. B. Laugkavel . . . 311 Die Zwergschleiche (Ablepharus pannoniciis Fitzinger)m der Gefangenschaft. Von J oh. v. Fischer . 314 Luftgeschwülste bei Vögeln. Von Dr. M. Schmidt . 321 Einiges über die Tiermärkte in Bahia und Rio de Janeiro. Von Alex. v. Svertschkoff . 323 Der gemeine Stachelfinger, Acanthodactylus vulgaris , in der Gefangen¬ schaft. Von Jo h. v. Fischer . 338 Das Nilpferd des Zoologischen Gartens in Hamburg. Mit 2 Abbildungen. Von dem Inspektor W. L. Sigel . 353 Ein amerikanischer Olm. Von Dr. A. Zipperl en . 360 Nordgrenze des Tigers in Asien. Von Dr B. Langkavel . 361 Die Treppen- oder Sprossennatter, JRhinechis scalaris, in der Gefangen¬ schaft. Von Job. v. Fischer . 364 Die Herstellung von Abbildungen für unsere Zeitschrift. Von dem Heraus¬ geber . 369 II. Nachrichten. a) aus den Zoologischen Gärten. Rechuungs- Abschluß des westfälischen Zoologischen Gartens in Münster für das Jahr 1882 . 22 Nachrichten aus dem Zoologischen Garten in Hamburg . 26 Das Nilpferd des Zoologischen Gartens in Hamburg. Von W. L. Sigel 33 Ein Besuch des Zoologischen Gartens in Köln. Von L. Wunderlich 44. 69. 241 Zoologischer Garten zu Prag. Von E. Friedei . . 55 Im Parke Beaujardin in Tours lebende Tiere. Von Noenty . . . . 56 Die im Berliner Zoologischen Garten verbrauchten Futtermengen ... 61 Eine Zahntaube im Zoologischen Garten in Hamburg. Von Dir.Dr. H. Bol au 65 Die Tierpflege des Zoologischen Gartens in Hamburg. Von W. L. Sigel 82. 208 Bericht über den Zoologischen Garten in Hannover 1882 — 83 .... 89 V Seite Zoologischer Garten in Liverpool . 94 Neues aus der Tierhandlung von Karl Hagenbeck, sowie aus dem Zoo¬ logischen Garten in Hamburg. Von Dr. Th. Noack . 100 Aus dem Zoologischen Garten in Berlin. Von L. Wunderlich . . . 123 Bericht des Verwaltungsrats der Neuen Zoologischen Gesellschaft in Frankfurt a. M. an die General-Versammlung der Aktionäre vom 20. März 1884 . 148. 181 Aus dem Berliner Zoologischen Garten . 155 Verzeichnis der im Dresdener Zoologischen Garten geborenen Tiere . . 157 Nachrichten aus dem Hamburger Zoologischen Garten . 158 Übersicht der Geburten im Zoologischen Garten in Hamburg 1882 . . 158 Tierzuwachs im Kölner Zoologischen Garten ...... * .... 186 Geburten im Zoologischen Garten zu Cincinnati . 190 Bericht über den Zoologischen Garten zu Dresden über das Geschäfts¬ jahr vom 1. April 1882 bis 31. März 1883 . 278. 217 Westfälischer Zoologischer Garten in Münster. Von Prof. K. Landois . 223 Eine Augenoperation an einem Lämmergeier des Zool. Gartens in Ham¬ burg. Von Dr. med. et phil. L. Kotelm an n . 257 Nachrichten aus dem Hamburger Zoologischen Garten . .• . 285 Aus dem Berliner Zoologischen Garten. Von L. Wunderlich .... 317 Das Nilpferd des Zoologischen Gartens in Hamburg. Mit 2 Abbildungen. Von dem Inspektor W. L. Sigel . 353 b) über Aquarien. Aus dem Berliner Aquarium. Von Gustav Schubert . 52 Speisekammer und Küche des Berliner Aquariums . 156 III. Korrespondenzen. Eine Ehrenrettung des Grasfrosches. Von I}. Fische r-Sig wart . . 23 Zoologischer Garten in Prag. Von E. Friedei . 55 Im Parke Beaujardin in Tours lebende Tiere. Von Noenty .... 56 Kreuzung gewöhnlicher grauer Mäuse mit weißen Mäusen. Von Dr. K. Kraepelin . 58 Episode aus dem Leben einer Schwarzamsel. Von Hedwig Müller . 59 Zoologisches aus Bremen. Von Ernst Friedei . 59 Die Frühlingsboten sind da! Von L. Buxbaum . 60 Wie ich Meister Reinecke beim Honignaschen überraschte. Von L. Bux¬ baum . 93 Können die Hühnereier, ohne Schaden zu nehmen, während der Brut öftere Bewegung und Abkühlung vertragen? Von L. Buxbaum . 126 Gänserichs Liebe. Von Fr. Schäfer . 152 Die Natur bleibt selbst im kleinsten ehrwürdig. Von Dr. W. Wurm . 154 Hausente ohne Schwimmhäute. Von Prof. Dr. M. Braun . 154 Abnorme Brutzeit des amerikanischen Silberreihers und des Nachtreihers. Von L. Wunderlich . 154 Künstliche Hornbildungen auf dem Kopfe von Haushähnen. Von Carl van Beers . . . 155 VI Seite Instinkt oder Überlegung? Von Eduard Härter . 185 Tier-Zuwachs im Kölner Zoologischen Garten . 186 Über die Nasenmilbe der Kegelrobbe. Von Prof. Dr. Nehring . . . 186 Ein weißer Häher. Von H. Schacht . , . 187 Die Meisen im Dienste der Rosenkultur. Von L. Buxbaum . . . . 221 Zur Wanderung der Vögel. Von H. Fresenius . 222 Heim eines Steinschmätzers. Von B. Wiemeyer . 222 Seltsame Tötung eines Adlers. Von Baron A. v. Kr ü den er . . . . 253 Tierbeobachtungen aus dem Mannheimer Stadtpark. Von Prof. Dr. L. Glaser . 341 Über Varietäten des schwarzen und des Grizzly-Bären. Von Dr. A. Zip perlen . 344 Abnorme Schnabelbildung eines weiblichen Haussperlings. Von Dr. Alfred Walter . 346 Bemerkungen zu dem Artikel Seebohm von Dr. Langkavel. Von E. F. v. Homeyer . 347 Die Adler Livlands. Von E. F. v. Homeyer . 369 Eier exotischer Vögel. Von Ed. Rüdiger . 370 Albinismus einer Ringelnatter. Von H. J. Wiese . 372 Verändertes Benehmen einer Hündin. Von Prof. Dr. M. Fl e sch . . . 372 Pneumaticität bei Tritonen. Von Max Kruel . 373 Zur Fauna des Somalilandes. Von Dr. Th. Noack . 374 IV. Miscellen- Überwinternde Schwalben. Von Dir. Dr. Krause . 25 Vom Fluß-Aal. Von Dir. Dr. Krause . . . 25 Der Salm im Main . . . 26 Sammelplatz der weißen Bachstelzen. Vom Herausgeber . 26 Nachrichten aus dem Zoologischen Garten in Hamburg . 26 Gezüchtete Perlhühner. Von B. Langkavel . 27 Künstliche Austernzucht . 27 Fischottern . 27 Fünf See-Elefanten. Von Damian Grone n . 27 Die Würfel natter in Nassau . 28 Ermatteter Kranich. Von H. Schacht . 28 Faug eines Siebenschläfers. Von H. Schacht . 29 Die im Berliner Zoologischen Gärten verbrauchten Futtermengen ... 61 Der afrikanische Strauß in Amerika. Von Damian Gronen . . . . 62 Die europäische Sumpfschildkröte. Von C. Struck . 63 Ein sechsbeiniger Molch. Von Prof. Dr. H. Landois . 94 Zoologischer Garten in Liverpool . 94 Der Abschuß von Raubzeug in Norwegen . 155 Aus dem Berliner Zoologischen Garten . 155 Speisekammer und Küche des Berliner Aquariums . 156 Verzeichnis der im Dresdener Zoologischen Garten geborenen Tiere . . 157 Nachrichten aus dem Hamburger Zoologischen Garten . 158 VII Seite Übersicht der Geburten im Zoologischen Garten zu Hamburg 1882 . . 158 Wachtelkönig im Stalle. Von H. Schacht . 158 Ein junges Walroß in Gefangenschaft. Mit Abbild . 187 Fledermaus am Tage. Von H. Schacht . 190 Geburten in dem Zoologischen Garten zu Cincinnati im Jahre 1883 . . 190 Die wilden Büffel in Dakota. Von D. Gronen . 190 Die Schwammfischerei . 223 Westfälischer Zoologischer Garten in Münster. Von Prof. Dr. H. Landois 223 Die Herkunft des Kettenbandwurmes. Vom Herausgeber . 254 Künstliche Fischzucht in Holstein. Von H. B . 254 Ein Kapjbara . 255 Geburt eines Yak-Sanga-Bastardes. Von Prof. Dr. Julius Kühn . . . 283 Straußenzucht in Südafrika. Von H. B . 285 Verluste durch wilde Tiere in Indien . 285 Nachrichten aus dem Hamburger Zoologischen Garten . 285 Über Eintagsfliegen. Von D. Gronen . 286 Ein achtbeiniger Laufkäfer. Von Prof. Dr. H. Landois . 288 Überwinternde Amphibienlarven. Von Prof. Dr. H. Landois . . . . 288 Produktion der Korallen. Von Sr . 288 Aus dem Berliner Zoologischen Garten. Von L. Wunderlich . . . 817 Der Wildstand Skandinaviens . 319 Betragen männlicher Wölfe gegen die Jungen. Von Prof. Dr. H. Landois 319 Ein zweifüßiger Fuchs. Von Prof. Dr. H. Landois . 320 Kampfweise der Edelhirsche mit Bastgeweih. Von Prof. Dr. H. Landois 348 Ameisen. Von B. Langkavel . 348 Abändern der Gewohnheiten des Großfußhuhnes. Von Dr. B. Langkavel 349 Eierlegende Säugetiere. Von dem Herausgeber . 349 Benehmen eines Wiesels. Von D. Gronen . 350 Zahl der in Florida getöteten Alligatoren. Von D. Gronen . . . . 375 Junge Iltisse. Von Prof. Dr. H. Landois . 375 V. Litteratur. Die Säugetiere in Wort und Bild von Carl Vogt und F. Specht. Vom Herausgeber . 29 Leunis Synopsis der drei Naturreiche. Erster Teil. Zoologie. I. Band. 2. Abteilung. Vom Herausgeber . 64 Der Kanarienvogel, seine Naturgeschichte, Pflege und Zucht von Dr. Karl Ruß. Vom Herausgeber . 64 Das Terrarium, seine Bepflanzung und Bevölkerung von Joh. v. Fischer. Vom Herausgeber . 95 Die Erde und ihre Völker. Ein geographisches Hansbuch von Friedrich von Hellwald. Von D. Gronen . 96 Unsere modernen Mikroskope und deren sämtliche Hülfs- und Neben¬ apparate für wissenschaftliche Forschungen von Otto Bachmann. F. N. 127 Chile, Land und Leute von Karl Ochsenius. F. N . 128 VIII Seite Die Hausgenossen des Menschen unter den Gliedertieren von Prof. Dr. W. Heß. Vom Herausgeber . . . 159 Die Vögel der Zoologischen Gärten von Dr. Ant. Reichenow. 2. Teil. Vom Herausgeber . 159 List of tlie vertebrated animals now or lately living in tbe gardens of the Zoological Society of London. 8the edition. Vom Heraus¬ geber . 160 Die Wirbeltiere Deutschlands in übersichtlicher Darstellung von Prof. Dr. Hub. Ludwig. Vom Herausgeber . - . 191 Die Reptilien Kur-, Liv- und Estlands von 0. v. Loewis. VomHeraus- g eher . 191 VII. Jahresbericht (1882) des Ausschusses für Beobachtungsstationen der Vögel Deutschlands; I. Jahresbericht des Komitees für ornithologische Beobachtungsstationen in Österreich und Ungarn. Vom Herausgeber . 191 Die Fasanen, ihre Pflege und Aufzucht von C. Cronau. Vom Heraus¬ geber . . . 223 Lepidopteren von Madagaskar von M. Saalmiiller. Vom Herausgeber 255 Aus der Vorzeit der Fischerei von Ernst Friedei. Vom Herausgeber 350 Paul Mosers Notizkalender. Vom Herausgeber .• . 350 VI. Eingegangene Beiträge . 32. 64. 96. 128. 160. 192. 224. 256. 320. 852. 376 Bücher und Zeitschriften . 32. 64. 95. 128. 160. 192. 224. 286. 320. 352. 376 Todesfälle: Dr. Hermann Schlegel . 160 Dr. Leop. Jos. Fitzinger . 351 Dr. A 1 f r e d E. B r e h m . 351 Dr. K. A. Heinrich Bodin us . 851 Dr. EduardRüppell . 376 Berichtigungen . 256 Bemerkung des Redakteurs . 320 Personal Veränderungen . 376 Zoologischer Garten XXV. lieft 1. ■'■yyy1 Wm£>- i . ' , vir j-'s.i . iäliSI mm • .*. . wmmm «i ■ ; \ Ä« • \ wmxt V' Die Wachstanisverhältnisse des indischen Elefanten Zeitschrift für Beobachtung, Pflege und Zucht der Tiere. Herausgegeben von der „Neuen Zoologischen Gesellschaft“ in Frankfurt a. M. Itedigiert von Professor Dr. F. C. Noll. Verlag von Mali lau & Walds chm idt in Frankfurt a. M. No. 1. XXV. Jahrgang. Januar 1884. Inhalt. Rückblick; von dem Herausgeber. — Die Wachstums Verhältnisse des indischen Elefanten; von Dr. Max Schmidt. Mit einer Tafel. — Ein neuer Strauß; von Dr. A. ßeichenow. — Der Schwarz- und Langschwanzhirsch; von Damian Gronen. — Rech¬ nungs-Abschluß des westfälischen zoologischen Gartens zu Münster für das Jahr 1882. — Korrespondenzen. — Miscellen. — Litteratur. — Eingegangene Beiträge — Bücherund Zeit¬ schriften. — Rückblick. V on dem Herausgeber. Am 8. August 1883 waren es 25 Jahre, daß auf der Bocken- lieimer Landstraße dahier der Frankfurter Zoologische Garten eröffnet wurde. Er war das zweite derartige Institut in Deutschland. Der Berliner Garten war zwar schon am 1. August 1844 dem Publikum übergeben worden, ließ aber in seiner Einrichtung und Bedeutung viel zu wünschen übrig, so daß der hiesige Garten sich die blühenden Anstalten von London, Amsterdam und Antwerpen zum Muster nehmen mußte. Trotzdem der neue Garten nur ein Gebiet von 14 Vs frankfurter Morgen und dieses nur mietweise zur Verfügung hatte, konnte er sich die ersten Jahre seines Bestehens eines guten Erfolges rühmen, bis die wiederholt eingetretenen Kriegsereignisse seine Existenz bedrohten. Dazu kam der Umzug auf ein neues 34 Morgen (= 7 Hektare) großes Terrain, wodurch Schwierigkeiten aller Art entstanden. Unter guter Führung aber hat der Garten die schweren Zeiten überwunden und er wird hoffentlich auch weiterhin blühen und gedeihen. Zoolog. Gart. Jalirg. XXV. 1 SS4. 1 2 Bei Gründung desselben im Jahre 1859 hatte die Zoologische Gesellschaft von vornherein die Absicht, nicht nur für das Vergnügen und die Unterhaltung der einheimischen und fremden Besucher zu sorgen, sie stellte sich vielmehr eine höhere Aufgabe. In erster Linie sollte eine Anstalt geschaffen werden für die Belehrung und Bildung des Volkes, alt und jung sollte Gelegenheit finden, die einheimischen Tierformen neben denjenigen der fremden Länder lebend beobachten zu können, damit sollte der Sinn für Naturbetrachtung geweckt, der Anschauungskreis der Besucher erweitert werden. Es sollte ferner der Versuch gemacht werden, die Tiere so zu halteu, daß sie nicht nur sich wohl fühlen, sondern auch sich fort¬ pflanzen würden, daß auch womöglich die Acelimatisation nützlicher Geschöpfe gefördert werde. Es war letzteres ein Ziel, das bei den gebotenen kleine^ Verhältnissen allerdings nicht in großem Maße erreicht werden konnte. Aber doch hat der Garten dank der sorg¬ samen Pflege seiner Bewohner in der Zucht derselben manches er¬ freuliche Resultat zu verzeichnen. So wurden von den Muflons in 24 Jahren 76 Junge erzielt, für hier gezüchtete Zebra wurden 11000 Mark eingenommen, und Yak, Hirsche, Antilopen, Bison, graubriistige Sittiche, schwarze Schwäne u. a. haben sich in ähnlicher Weise dankbar erwiesen. Aber die Gesellschaft stellte zugleich in der Person des Herrn Dr. Weinland einen wissenschaftlichen Sekretär au und zeigte damit, daß es ihr Ernst war, das schöne Material au lebenden Ge¬ schöpfen auch wissenschaftlich zu verwerten, mit den anderen An¬ stalten in regen Verkehr zu treten und durch Schrift und Wort be¬ lehrend in die Nähe und Ferne zu wirken. So entstand 1860 der »Zoologische Garten« als Organ der Zoo¬ logischen Gesellschaft in Frankfurt a. M., unsere Zeitschrift, die mit dieser Nummer ihren 25. Jahrgang beginnt. Sie fand Anklang und entwickelte sich bald zu einer »Zeitschrift für Beobachtung, Pflege und Zucht der Tiere«, womit sie zugleich gemeinsames Organ für Deutschland und angrenzende Gebiete wurde. Damit ist ihr Ziel bezeichnet, über das wir unseren Lesern keine Belehrungen mehr zu geben nötig haben. Sie kennen dasselbe ja hinreichend und beweisen durch ihre fortdauernde Zuneigung, daß sie mitWolleu und Streben des Blattes einverstanden sind. Unser Blatt ist, das dürfen wir ohne Anmaßung sagen, das einzige in seiner Art. Es bildet vor allem ein Bindeglied für die zoologischen Gärten, in welchem sie sich gegenseitig die Erfahrungen 3 und Fortschritte auf dem Gebiete der Tierhaltung mitteileu, und es liefert zur Geschichte dieser Institute reichstes Material. Außerdem aber hat es auch zahlreiche Freunde sowohl unter den Männern der strengen Wissenschaft, die sich freuen, »wenn sie das grüne Heft auf ihrem Schreibtische finden«, wie unter den praktischen Tier¬ züchtern der verschiedenen Zweige, unter Lehrern, Liebhabern und Jüngern der Zoologie. Ist es ja doch das lebende Tier, das ihnen die Zeitschrift vorführt, und das Leben in seinen Erscheinungen, in seinen wirkenden Ursachen, in seinem Zusammenhang mit der übrigen Lebewelt kennen zu lernen, welchen gesunden Sinn sollte das nicht reizen ? Der Zoologische Garten hat sich Freunde erworben weit über Deutschland hinaus, auch aus anderen Ländern Europas, aus Amerika, aus Afrika und Australien kommen ihm Beweise der Teilnahme und Anerkennung zu, und so ist er in der That mehr geworden, als »das Organ der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft« . Und welch reiches Material zur Kenntnis des Tierlebens hat er im Laufe von 24 Jahren in seinen Spalten augesammelt, er ist zu einem Archiv geworden, in welchem man sich gern Rat und Belehrung holt, aus dem selbst größere Werke die neusten Erfahrungen und Beobachtungen in Fülle schöpfen. Auch die Zeitschrift hat schwierige Zeiten und Lagen über- o Ö winden müssen, sie hat zweimal den Redakteur gewechselt, aber ihrer vorgezeichneten Aufgabe ist sie treu geblieben und wird es auch in der Zukunft bleiben. Wenn sie nun sich einigen Erfolges erfreuen zu dürfen glaubt, so dankt sie dies einzig und allein den zahlreichen Freunden und Mitarbeitern, von denen eine ganze Anzahl zu der Zeitschrift von deren Begründung an steht, deren Kreis sich in erfreulichster Weise stets ergänzt und erweitert hat. Ihnen gebührt darum der Dank der Unternehmer und der Leser, und an sie richten wir die Bitte, wie seither so auch ferner dem »Zoologischen Garten« zur Seite stehen zu wollen. Dann kann es auch für die Zukunft nicht fehlen! 4 Die Wachstum sverhältnisse des indischen Elefanten. Von Dr. Max Schmidt. Mit einer Tafel. Es ist für den Tierpfleger immer hoch erfreulich, wenn seine aufgewendete Mühe und Sorgfalt durch lange Lebensdauer seiner Zöglinge belohnt wird, und selbstverständlich ist es nicht lediglich der materielle Vorteil, der hierbei in Betracht kommt, sondern in mindestens gleichem Grade ist der in wissenschaftlicher Hinsicht sich ergebende Gewinn in Anschlag zu bringen. Wie beim Menschen treten auch bei den Tieren im Laufe der Jahre ganz allmählich und fast unmerklich Veränderungen ein, sowohl in der äußeren Er¬ scheinung, als auch im Verhalten jedes Exemplares, durch deren Beobachtung und Vergleichung das Gesamtbild des einzelnen Tieres sowie seiner Gattung an Abrundung und Vertiefung nur gewinnen kann. In dieser Beziehung hat der indische Elefant, den unser Garten seit jetzt gerade zwanzig Jahren besitzt, zu recht interessanten Wahr¬ nehmungen Gelegenheit gegeben, und ich will nicht versäumen, hier einiges über dieselben mitzuteilen. Zunächst sollen uns die Größe sowie das Wachstum des Tieres innerhalb des erwähnten Zeitraumes beschäftigen. Es mag wohl kaum ein Geschöpf geben, welches so sehr zur Vornahme von Messungen auffordert als gerade der Elefant, denn die gewaltigen Formen und die lange Dauer der Wachstumsperiode lassen es wünschenswert erscheinen, die Dimensionen des mächtigen Körpers festzustellen und die Zunahme desselben von Zeit zu Zeit nachzuweisen. Während dies nun bei den meisten anderen Tierarten wegen der Unruhe, Widersetzlichkeit und Scheu derselben nicht leicht zur Ausführung gebracht werden kann, läßt sich in* der Regel der Elefant mit seinem menschenfreundlichen, ruhigen und gesetzten Wesen ein derartiges Manipulieren gern gefallen, und mau kann sich leicht eine Reihe von Maßen verschaffen, welche die Größen¬ zunahme des Tieres klar erkennen lassen. Eine derartige Erwägung ist es gewesen, welche mich veranlasst hat, alsbald nach Eintreffen des Tieres bei uns dasselbe nach allen Richtungen zu messen und das Ergebnis in dieser Zeitschrift be¬ kannt zu geben. (IV. Jahrgang, 1863. S. 172 — 173.) Im darauf- folgenden Jahre habe ich die Messung wiederholt und beide Resul¬ tate zusamrnengestellt. (V. Jahrgang, 1804. S. 823.) Eine Fortsetzung meiner Beobachtungen von Jahr zu Jahr schien mir indes für die Folge nicht nötig, im Gegenteil wollte es mir zweckmäßig erscheinen, zwischen je zwei Messungen einen längeren Zeitraum verstreichen zu lassen, um ein auffallenderes Ergebnis zu gewinnen. So habe ich denn das Tier im Juni 1870 und im Mai 1883 nochmals gemessen und stelle die gewonnenen Ziffern hier nebeneinander. Zu den Messungen selbst bediente ich mich einer einfachen Latte mit Centimeter-Einteiluug, . ferner eines verschiebbaren Winkel¬ maßes und endlich eines ebensolchen Apparates mit einem fest¬ stehenden und einem verschiebbaren Schenkel von geeigneter Länge, welcher sich besonders für die Feststellung der Querdurchmesser an Kopf, Hüften etc. eignete. Höhe vom Boden bis zur höchsten Stelle des Rückens . Höhe vom Boden bis zum Bauch (in der Mitte des Tieres) . Senkrechter Durchmesser des Körpers vou der höchsten Stelle des Rückens bis zum Bauche . Schulterhöhe . Höhe vom Boden bis zum Ellenbogen . Höhe vom Boden bis zum Kreuz (innerer Darmbeinw'inkel) . Höhe vom Boden bis zum Knie . Länge von der Stirn in der Gegend der Rüssel basis bis zum Sitzbeinhöcker . Länge des Rumpfes vom Bug bis zum Sitzbein . Breite des Kopfes an der Ohrbasis . Breite des Kopfes au den Augen bogen . Höhe des Kopfes vom Winkel des Unter¬ kiefers bis zum Scheitel . Breite vom Winkel des Unterkiefers bis zur Stirn am Übergang in die Rüsselbasis 1863. 1864. 1870. 1883 m. ein. m. cm. m. cm. m. cm. o LU 12 2 35 2 63 2 82 — 87 - - 92 1 9 1 9 1 35 1 41 1 54 1 73 — — 2 20 2 43 2 60 — — - 94 1 — 1 14 — — 2 12 2 35 0 40 — — - - 80 1 — 1 2 9 Li 45 2 61 2 88 3 12 1 75 1 87 2 5 2 16 — 58 59 - - 65 75 48 — 49 — 54 — 55 84 87 92 1 10 59 — 60 — 66 — 76 6 1863. 1864. 1870. 1883. m . cm. m. cm. m . cm. m. cm Breite des Rüssels an der Basis . — 25 — 25 — 30 - 34 Länge des Rüssels . 1 10 i 10 i 12 1 31 Breite des Körpers au der Hüfte (vom äußeren Darmbein wiukel der einen bis zu dem der anderen Seite) .... — 96 — 98 l 1 25 Vom äußeren Darmbein wiukel bis zur Kniescheibe . . — 90 l — l 39 1 40 Vom äußeren Darmbeinwiukel bis zur Schwanzwurzel . — 60 — 70 — 78 — 78 Breite des Hinterfußes am Kniegelenk (von der Seite gesehen) . — 50 — 50 — 52 57 Sohle des Hinterfußes Querdurchmesser — 23 — 24 — 36 - 37 » » » Längendurchmesser — 36 — 37 — 40 - 41 » v Vorderfußes Querdurchmesser — 30 — 30 — - 30 — 36 » » » Längendurchmesser — 31 — 31 — 35 41 Länge des Schwanzes ...... 1 — i - — — 1 33 Höhe vom Boden bis zur Schwanzwurzel 1 44 i 55 l 55 1 73 Schon ein oberflächlicher Blick auf diese Tabelle läßt erkennen, daß die Entwickelung des Tieres nach allen Richtungen in gleich¬ mäßiger Weise stattgefunden hat. Nicht minder deutlich spricht sich dies in der beigegebenen Zeichnung aus, welche den Elefanten in den verschiedenen Stadien des Wachstums darstellt. Die Konturen des Tieres sind genau in ein Netz eiugezeichuet, welches in Meter und Decimeter eingeteilt ist. Dies findet ferner bei Betrachtung des Elefanten selbst seine volle Bestätigung und wir dürfen somit an¬ nehmen, daß wir hier eine völlig normale Größenzunahme vor uns haben. Unser Exemplar war etwa 14 Jahre alt, als es in den Besitz unseres Gartens kam, und zwar dürfte dies mit ziemlicher Sicher¬ heit als richtig anzusehen seiu. Bei seiner Ankunft in Europa galt der Elefant als siebenjährig sowohl auf Grund der über denselben in Indien gemachten Angaben als auch nach dem Urteil des Händlers, in dessen Hände er gelangte. Sein Verweilen im Besitz verschiedener Menageristen, bevor er zu uns kam, beziffert sich ebenfalls auf sieben Jahre, was seiner Zeit leicht nachzuweisen war, und wir haben somit in obigen Ziffern eine übersichtliche Darstellung des Wachstums eines Elefanten vom 14 — 34 Lebensjahre. Wir wollen nunmehr mit Hülfe dessen, was sonst noch über die Größenzunahme bei derartigen Tieren bekannt ist, versuchen — 7 *— festzustellen, in welchem Verhältnisse chis Wachstum derselben in den verschiedenen Altersstufen erfolgt. Hierbei stoßen wir leider auf eine auffällige Armut der ein¬ schlägigen Litteratur an Beobachtungen überhaupt und namentlich an längere Zeit hindurch fortgesetzten genauen Aufzeichnungen. Aus der neuesten Zeit liegen uns überhaupt nur zwei Messungen von vier Elefanten des Londoner Gartens vor, und wir sind daher immer noch in der Hauptsache auf ältere Arbeiten angewiesen. Um mit dem Anfang zu beginnen, empfiehlt es sich zunächst, die Größe des neugeborenen Tieres festzustellen, und dies führt uns auf eine Arbeit, welche ohnehin verdient, hier in erster Linie er¬ wähnt zu werden. Es ist dies »Observations on the Manners, Habits and Natural History of the Elephant, by John Corse, Philosophical Transactions of the Royal Society of London 1799. S. 31 — 55. Corse hat, wie er im Eingang seiner Arbeit mitteilt, mehr als zehn Jahre in »Tiperah, einer Provinz von Bengalen an der öst¬ lichen Grenze der englischen Besitzungen in Asien« gelebt, wo all¬ jährlich Herden von Elefanten gefangeu wurden, und von 1792 bis 1797 standen die Elefantenjäger gänzlich unter seiner Leitung. Er hat dabei unter auderm mehrfach Gelegenheit gehabt, Geburtsfälle zu be¬ obachten und giebt die Größe eines in Gefangenschaft gebornen Ele¬ fanten auf 35 1/2 Zoll englisch = 90 Centim. an. Ein anderer, eben¬ falls in Jndien geborner Elefant war 35 Zoll = 82 Centim. hoch. Corse bemerkt ausdrücklich, daß die Jungen von trächtig einge¬ fangenen wilden Weibchen selten die Höhe von 34 Zoll = 8(3 Centim. überschritten hätten. Die einzige Beobachtung, welche mir hierüber weiter vorliegt, gehört der neuesten Zeit an und wird von George Arstingstall »Elephant Trainer for ßarnum, Bailey and Hutchinson« (Besitzer großer Menagerien in Amerika) initgeteilt. (Journal of comparative Medicine and Surgery, Vol. III. Heft 2. New- York, April 1882 S. 14(3 — 153.) Hiernach war ein am 2. Febr. 1882 in Amerika ge¬ borenes Junges im Alter von zwei Stunden 7(3 Centimeter hoch und sein Gewicht betrug 145 ft. Corse berichtet ferner über die Beobachtungen, welche an einem den 16. Oktober 1879 gebornen, einem Mr. Stephen Harris gehörigen Elefanten, bezüglich seines Wachstums mehrere Jahre hindurch regel¬ mäßig gemacht wurden. Dieses betrug: 8 im 1 Jahr 00 CM Centimeter und das Tier war nun 1,17 Meter hoch » 2 » 21 » » » » » » 1,38 » » » 3 » 15 » » » » 1 » » 1,53 » » » 4 » 12 1 k » » » . » » » 1,65 x\‘i » » » 5 » 12 1 ll* » » » » » » 1,78 » » » 6 » 9 » » » » » » 1,87 » » 7 » 5 » » » » » » 1,92 » » Bei einer gelegentlichen Messung des Tieres im November 179(3, als dasselbe noch nicht zwanzig Monate alt war, fand sich, daß seine Höhe 1,36 Meter betrug. Uieses Exemplar werden wir in der folgenden Zusammenstellung mit Nr. 1 bezeichnen. Ein weiblicher Elefant, welcher 2,06 Meter hoch war, als Corse ihn bekam, und dessen Alter dieser auf etwa elf Jahre schätzte, wuchs im Laufe der nächsten fünf Jahre 15 Centimeter. Das Tier, welches wir weiter hin kurz als »Corse Nr. 4« anführen werden wurde nun zur Zucht verwendet und wuchs während der 22 Monate dauernden Tragezeit 13 Centimeter. In den hierauf folgenden 17 Monaten betrug dagegen seine Höhenzuuahme nur IV2 Centimeter. Es war damals 19 Jahre alt und nach Corse’s Ansicht ausgewach¬ sen. Seine Höhe bezifferte sich jetzt auf 2,35 ^2 Meter. Eine weitere Arbeit, welche für unseren Zweck brauchbare Mit¬ teilungen enthält, ist Houel, Histoire naturelle des deux Elefants, male et femelle du Museum de Paris, venus de Hollande en France en Pan VI. Paris. An XII. (1803) Fol. Der Verfasser hat die Tiere längere Zeit hindurch sehr genau beobachtet und seiue Wahrnehmungen in einer Reihe von präch¬ tigen Kupferstichen mit Text veröffentlicht. Bezüglich des Alters und der Größe der beiden Elefanten entnehmen wir seiner Arbeit folgendes : Sie waren 1788 sieben Jahre, also 1796, wo sie nach Paris kamen, fünfzehn Jahre alt. Ihre Höhe betrug zu jener Zeit, am Widerrist gemessen 2,37 Meter beim Männchen und 2,27 Meter beim Weibchen. Das männliche Tier starb 1801 zwanzig Jahre alt, seine Höhe am Widerrist belief sich auf 2,48 Meter. Zwei Jahre später, im Jahre 1803, ergab eine Messung des nunmehr zweiund- zwanzigjährigen Weibchens eine Höhe von 2,46 Meter. Wir bezeich¬ nen das Männchen als »Houel Nr. 5«, das Weibchen als »Houel Nr. 6.« Wir haben nun noch der einzigen Mitteilung über Messungen von Elefanten aus der neuesten Zeit zu gedenken, welche vier Exenn 9 plare des zoologischen Gartens zu London betrifft. (Proceedings of the Zool. Soc. of London 1879 8. 385 und 1881 8. 450.) Es wird nur die Höhe der Tiere an der Schulter und der Umfang eines Vorderfußes angegeben und zwar in englischen Fußen und Zollen, welche wir im weiteren Verlauf auf Metermaß reduzieren werden. Messung im Mai 1879. April 1881. Name des Tieres: Schulterhohe. Umfang Schulterhöhe. Umfang des des Vorderfußes Vorderfußes Jung Pershäd M. 7'0 » 3'8 » 8'0 » 4'0 » Suffa Culli W. 6' 10 » 3'8 » 7'6 » 3'9 » Bus tu m M. 6'0 » 2'1 1 » 6'4 » 3'2 » Omar M. 6'2 » 3'2 » 7'0 » 5' 6 » Die Zunahme innerhalb zwei Jahren beträgt somit bei: an der Schulter. Umfang des Vorderfußes. Jung Pershäd PO » (VI Suffa Culli 0'8 » O'l Rustum 0'4 » 0'3 Omar 0'10 » 0'4 Bezüglich des Alters der Tiere erfahren wir, daß Suffa Culli am 23. April 1871 von einer wild eingefangenen Mutter geboren wurde und daß man Jung Pershäd 1876 auf sechs Jahre schätzte. Da wir über die beiden anderen Tiere bezüglich des Alters ohne auch nur annähernde Mitteilungen sind, können dieselben auch nicht weiter in Betracht kommen. Das Männchen Jung Pershäd führt in nachfolgendem die Bezeichnung »London Nr. 2« und das weibliche Tier Suffa Culli »London Nr. 3.« Seltsam mag die Messung des Umfanges eines Vorderfußes er¬ scheinen, aber wir werden wohl nicht irren, wenn wir anuehmeu, daß dieselbe zur Berichtigung einer falschen Ansicht vorgenommen worden ist. Von Händlern und Menageriebesitzern kann man näm¬ lich sehr häufig die Behauptung aussprechen hören, daß der Um¬ fang eines Vorderfußes beim Elefanten doppelt genommen der Höhe des Tieres entspreche. Daß in einem gewissen Alter dies wohl richtig ist, ergiebt die Vergleichung vorstehender Maße, aber ebenso liefert dieselbe den Beweis, daß dieses Verhältnis nicht allgemein als zutreffend angesehen werden darf, sondern im Laufe des weiteren Wachstums erhebliche Veränderungen erleidet. Es mag hierbei Erwähnung finden, daß der Umfang eines Vorderfußes bei dem Elefanten unseres Gartens 1,17 Meter beträgt, was also einer Schul- 10 terhöhe von 2,34 Meter entsprechen würde, während diese sich in Wirklichkeit auf 2,60 Meter beziffert. Es dürfte hier der Ort seiu, uni die Frage, an welcher Stelle überhaupt am geeignetsten die Höhe eines Elefanten gemessen werde, etwas näher zu berühren, da mitunter Zweifel darüber obwalteu, ob der höchste Punkt des Rückens oder der Widerrist den Vorzug verdiene. Offenbar ist die Schulter der richtige Punkt, um die Höhe eines Elefauten zu bestimmen, da hier ein fest gefügtes Knochengerüste, welches keiner erheblichen Schwankung fähig ist, die Grundlage bildet. Hoher ist der Elefant im Rücken, der mehr oder minder gewölbt erscheint, dessen Bildung aber immerhin von der ver¬ hältnismäßig sehr beweglichen Wirbelsäule abhängig ist, deren Biegung aber auch außerdem durch Alter, Stellung und äußere Ein¬ wirkung mannigfachen Veränderungen unterworfen ist. Corse be¬ richtet mit Bezug hierauf, daß die Elefanten, welche für die ostin¬ dische Compagnie als Arbeitstiere gekauft wurden, an der Schulter gemessen wurden, und wir liabeu daher auch die von ihm ohne nähere Angabe mitgeteilten Höhenmaße als an dieser Stelle genom¬ men aufzufassen. Er bemerkt ferner, daß bei dem ausgewachsenen Elefanten die Aufwärtskrümmung des Rückens allmählich abnehme. Eine teilweise Einsenkung der Rückeulinie kommt nach seiner Be- obachtuug auch bei jüngeren Elefanten vor und zwar, wie er glaubt aunehmen zu dürfen, infolge von äußeren Einwirkungen. Er hat gesehen, daß bei frisch eingefangenen Elefautenherden die älteren Tiere, sowohl Männchen als Weibchen, mit der Basis der Stoßzähne den jüngeren Exemplaren heftig auf den Rücken drückten, so daß diese sich stark einbogen und vor Schmerz brüllten. Ich lasse nun eine übersichtliche Zusammenstellung der in vor¬ stehendem mitgeteilten Höhenmaße von Elefanten nach dem Lebens¬ alter der Tiere geordnet hier folgen. Aus den durch Messung fest- gestellten Höhenangaben habe ich die Wachstumsquote der einzelnen Jahre ermittelt und diese durch Berechnung gefundenen Größen zur Unterscheidung von den mit dem Maßstabe nachgewiesenen durch * ausgezeichnet. 11 Alte r. B e z e i c h 11 u n g d e s E x e in p 1 a r e s. geboren. Nach Arstingstall, 2. Februar 1882 in Neuge¬ llöhe an der Schulter rn. cm. Wachstum in Prozente u. » Amerika geboren . nach Corse, Männchen, geh. in Indien 0 76 16. März 1795 . 0 90 » nach Corse (Mr. Harris’ s Elefant), geh. in Indien 16. Oktober 1789, (Nr. 1.) 0 89 1 Jahr. , Corse Nr. 1 . 1 17 31,16 20 Mon. Ein am 16. März 1795 gebornes Manu- eben, gemessen . 1 36 9 imJ ' Jahre. Corse Nr. 1. November 1790 1 37 17,09 o o » Corse, Nr. 1 . Houel, von einem Gaukler in Paris 1 52 10,95 gezeigt . . 1 53 4 » Corse, Nr. 1. . . 1 64 ha 8,22 K O )) Dasselbe. . 1 77 7,60 6 » Dasselbe. . 1 86 5,08 7 » Dasselbe. . 1 91 2,69 8 » Zoologischer Garten London, Weibchen Sulla Culli (Nr. 2.) . 2 9 9 » Zoologischer Garten London, Männchen Jung Pershäd Nr. 3 . 9 LJ 14 Zoologischer Garten London, Nr. 2. . *9 LJ 19 4,78 10 » » .v » Dass. o LJ 29 4,57 » » » Nr. 3. . *9 LJ 29 7,01 11 » . ;> » » Dass. 9 t-i 44 6,55 Corse, wild gefangenes Weibchen (Nr. 4.) 9 6J 6 12 » Dasselbe. * 9 Lj 9 1,46 13 » Dasselbe. * 2 12 1,44 14 » Dasselbe. *2 15 1,42 » » Zoologischer Garten in Frankfurt Weib- ehen, Rücken höhe 2 12 15 » Zoologischer Garten in Frankfurt Weib- eben, Rückenhöhe 2 35 .... 2 20 » » Houel, Männchen (Nr. 5.) .... 2 37 » » » Weibchen (Nr. 6.) .... 2 27 » » Corse (Nr. 4.) . *9 Lj 18 1,40 16 Dasselbe. 2 21 1,38 12 A 1 ter. Bezeichnung des E x e in p 1 a r e s. Höhe Wachstum an der in Schulter Prozenten. rrr. cm. 1 6 Jahre Houel Nr. 5. . . . * o 37,6 2,53 » » » Nr. 6. . . . * 9 29,7 1,19 » ' » Frankfurt *9 23,8 1,73 17 » Houel Nr. 5. . . . >K 9 38,2 2,53 » » » Nr. ü. . . . *2 32,4 1,18 » » Corse Nr. 4 . . *2 27,5 2,94 » » Frankfurt * 9 27,6 1,70 18 » Houel Nr. 5 . . *2 38,8 2,52 » » » Nr. 6 . * 9 35,1 1,16 » » Corse Nr. 4 . 9 34 2,86 » » Frankfurt . 2 31,4 1,67 10 » Houel Nr. * 9 2,51 » » Nr. 6 . * 9 37,8 1,15 » » Corse Nr. 4 . * 9 35,5 0,64 » Frankfurt . . . *2 35,2 1,64 20 » Houel Nr. 5 . . 2 40 2,51 » » » Nr. 6 . . *2 40,5 1,14 » » Frankfurt • . ♦ *2 39,0 1,61 21 » Houel Nr. 6 . . . *2 43,2 1,12 » » Frankfurt . 2 43 1,67 22 » Houel Nr. 6 . . 2 46 Lll » » Frankfurt . *2 44,3 0,53 23 » » . *2 45,6 0,53 24 » » . . *2 46,9 0,53 25 » » » . *2 48,2 0,53 26 » » . . *2 49,5 0,52 27 » *9 50,8 0,52 28 » » . *2 52,1 0,52 29 » » * 9 53,4 ' 0,52 30 » » *2 54,7 0,51 31 » *2 56,0 0,51 32 » » * 9 57,3 0,51 33 » » * 9 0,51 34 » » . • • . . 2 60 0,54 Vorstehende Liste bietet durch ein glückliches Zusammentreffen der vorhandenen Angaben, welche einander ergänzen, eine fast un- unterbrochene Reihe von Zahlen, welche die jährliche Größeuzunahnie des Elefanten von der Geburt bis zum 34. Lebensjahre erkennen lassen. Sind auch nicht alle darin aufgenommenen Ziffern durch Messung am lebenden Tiere gewonnen, so bewegen sie sich doch innerhalb so fester, auf dem genannten Wege ermittelter Grenzen, daß sie sicherlich nicht so weit von der Wirklichkeit abweichen können, um dadurch eine Änderung des Ergebnisses zu bedingen. Zunächst zeigt uns vorstehende Tabelle, daß das Wachstum im ersten Lebensjahre des Tieres am bedeutendsten ist (31, 46°/o) und im weiteren Verlaufe stets abnimmt, so daß es in dem vorliegenden Fall im siebenten Jahre nur noch 2, 69 °/o beträgt. Die Londoner Elefanten, welche in unserem Verzeichnis das 8 — 11 Lebensjahr darstelleu, lassen ein weit rascheres Wachstum erkennen, so daß die Ziffern sich nicht glatt der bisher gewonnenen Skala einreihen. Es führt uns dies auf eine Eigentümlichkeit, welcher wir später bei einem anderen Exemplare nochmals begegnen (0. 4. 17 und 18 Jahr) und welche darin zu bestehen scheint, daß die Tiere innerhalb eines gegebenen Zeitraumes plötzlich weit rascher wachsen, als vor- und nachher. Es dürfte dies zum Teil durch äußere Verhältnisse, wie besonders reichliche Ernähruug und gute Pflege bedingt sein. Die Londoner Elefanten, welche vom Prinzen von Wales aus Indien mitgebracht wurden, sind ohne Zweifel als die schönsten und besten, welche zu ermitteln waren, ausgewählt worden und mochten sich wohl schon in ihrer Heimat vorteilhaft vor anderen ausgezeichnet haben. Eine Vergleichung der Höhe des mit Nr. 2 bezeichneten achtjährigen Londoner Weibchens mit der des als Nr. 1 angeführten Exemplares im Alter von sieben Jahren ergiebt eine Differenz von 18 Ceutimeter. Dies würde einem Wachstum von 9, 42 °/o im achten Lebensjahre entsprechen, was namentlich auch im Verhältnis zu den später erwähnten Exemplaren viel zu hoch erscheint. Wir sind daher wohl berechtigt, hier ein außergewöhnlich vorangeschrittenes Wachstum anzunehmen, und wir haben nun abzuwarten, ob die Tiere des Londoner Gartens in ähnlicher Progression weiter wachsen und eine über das Gewöhnliche hinausgehende Größe erreichen, oder ob die jährliche Höhenzunahme sich später auffallend rasch vermin¬ dern wird, so daß sie die durchschnittliche Elefantengröße nicht wesentlich überschreiten werden. Der Corse’sche Elefant (Nr. 4.) bietet ein sehr frappantes Bei¬ spiel eines periodisch vermehrten Wachstumes. Er hatte von seinem ]] — iß Jahre nur 5 Ceutimeter an Höhe gewonnen und nahm nun 14 plötzlich im Laufe der nächsten 22 Monate um 13 Centimeter zu, in den darauffolgenden 17 Monaten dagegen nur um 1,5 Centimeter. Das rasche Wachstum fiel in die Trächtigkeitsperiode, und mau sollte erwarten, daß dieser Umstand das Wachstum weit eher beein¬ trächtigen als vermehren würde, wie man dies ja auch bei anderen Tierarten häufig genug beobachtet hat. Da aber, wie uns Corse ausdrücklich mitteilt, das trächtige Tier mit ganz besonderer Sorg¬ falt gepflegt und sehr reichlich genährt wurde, so haben wir wohl hierin den Anlaß zu dem auffallend raschen Wachstum zu suchen. In der Zeit vom 7 — 11 Jahre hat das in Rede stehende Exemplar offenbar in sehr normaler Weise au Größe zugenommen. Wenn wir anuehmen, daß es mit sieben Jahren 1,91 Meter hoch gewesen sei, wie Nr. 1., so ergiebt sich ein jährliches Wachsen um ca. 3,7 Centimeter, welches eiuem Prozentsätze von 2,04 bis 1,83 entspricht. Diese Zahlen schließen sich ziemlich genau an die für frühere und spätere Altersstufen gewonnenen an. Für das 16 — 22 Lebensjahr enthält unsere Aufstellung ein ver¬ hältnismäßig reichhaltiges Material, bei welchem namentlich das gleichmäßige Wachstum des Pariser Weibchens (Houel 6) und des hiesigen Exemplares auffällt. Die durchschnittliche jährliche Zu¬ nahme dieser beiden Tiere vom 16 — 21 Jahre beträgt 3,2 Centimeter, was eiuem Prozentsätze von 1,45 — 1,39 per Jahr gleichkommt, und für das 22 Lebensjahr finden wir 2 Centimeter — 0,82% jährliche Zunahme. Für die Zeit vom 22 — 34 Jahre beziffert sich die jähr¬ liche Wachstumsquote bei dem hiesigen Elefanten, welcher hier nur allein in Betracht kommt, auf ca. 1,3 Centimeter, welches etwa ein halbes Prozent darstellt. Während die iu unserer Tabelle mitge¬ teilten Zahlen eine ununterbrochene Skala des Wachstums der weib¬ lichen Elefanten geben , welche, wie wir anzunehmen allen Grund haben, die wirklichen Verhältnisse sehr richtig wiedergiebt, geben die lückenhaften Mitteilungen über das Wachstum männlicher Exem¬ plare noch kein klares Bild. Soviel dürfte indes schon als fest¬ stehend angenommen werden können, daß die jährliche Wachstums¬ quote beim Männchen eine weit beträchtlichere ist als beim Weibchen. Dieselbe betrug bei den Londoner Elefanten im 9 und 10 Jahr 4,78, resp. 4,57 °/o beim Weibchen, beim Männchen dagegen im 10 Jahre 7,01 und im 11 Jahre 6,55 °/o . Ein ähnliches Verhältnis er¬ gebt sich bei den Pariser Elefanten, von denen das männliche Exemplar (Houel 5) im 16 — 20 Jahre um je 2,53 — 2,51 °/o wuchs, während dasWeibchen (Houel 6) im gleichen Alternurum 1,19 — 1,14 °/o au Höhe zu nahm. Ein männlicher Elefant des zoologischen Gartens in Amsterdam, von dem noch später die Rede sein wird, hatte mit 23 Jahren eine Höhe von 2,77 Meter, während der hiesige weibliche Elefant im gleichen Alter nur 2,45,6 Meter hoch war und das Pariser Weibchen (Houel 6) mit 22 Jahren 2,46 Meter. Es kann uns das ausgiebigere Wachstum beim männlichen Tiere nicht befremden, da, wie wir noch sehen werden, wie bei anderen Tierarten auch beim Elefanten die Männchen durclmehends größer werden als die Weibchen. Wir gelangen nun zu der Frage, bis zu welchem Alter das Wachstum beim Elefanten überhaupt fortdauert. Nach der allge¬ meinen Annahme gilt ein solches Tier mit etwa zwanzig Jahren o Ö als ausgewachsen. Corse schließt sich auf Grund seiner Beobach¬ tungen im allgemeinen dieser Anschauung an, erwähnt aber gleich¬ wohl ein Exemplar, welches im Alter von zweiundzwanzig Jahreu noch immer gewachsen sein soll. Das Skelett eines männlichen Elefanten, welcher dem zoologi¬ schen Garten in Amsterdam angehörte und am 7 August 1849 im Alter von etwa 23 Jahren dortselbst getötet wurde, zeigt — soweit mir erinnerlich — noch keine Verwachsung der Epiphysen der Röhrenknochen, woraus wir zu schließen berechtigt sind, daß das Tier zur Zeit seines Todes noch keineswegs ausgewachsen war. Schließlich haben wir allen Grund zu der Annahme, daß das Exemplar unseres zoologischen Gartens mit 34 Jahren entweder noch nicht oder doch erst seit ganz kurzem ausgewachsen ist. In den sechs Jahreu von 1864 — 1870, welche etwa das 15 — 20 Lebens¬ jahr des Tieres umfassen, ist dieses au der Schulter um 23 Centi- meter höher geworden und in den 13 darauffolgenden Jahren 1871 — 1883 vpm 21 — 34 Lebensjahre um 17 Centimeter. Die auf die einzelnen Jahre dieses Zeitraumes entfallende Wachstumsquote von 1,3 Centimeter scheint mir immer noch zu hoch, als daß das Wachstum schon beendet sein sollte, aber wir werden uns wohl bis zu dem 25jährigen Jubiläum des Tieres in unserem Garten gedulden müssen, ehe wir ein endgültige Entscheidung in dieser Angelegenheit erzielen können. Einstweilen haben wir allen Grund anzunehmen, daß der Ele¬ fant mit zwanzig Jahren noch keineswegs ausgewachsen ist, soudern vielleicht erst gegen das dreißigste oder gar noch später. Es mag hier noch besonders betout werden, daß unser Tier noch immer den gewölbten Rücken hat, den man als Jugendform zu betrachten ge- 16 wohnt ist, während andere gleichalterige Elefanten in der Regel an der Schulter am höchsten sind, während ihr Rücken eine mehr ge¬ rade Linie bildet und gegen hinten etwas abfällt. Sollte diese Ge¬ staltung vielleicht noch auf Fortdauer des Wachstums hindeuten? Daß die Elefanten fortpflanzungsfähig sind, bevor sie vollkom¬ men ausgewachsen sind, ist außer allem Zweifel. Es wird dies be¬ wiesen durch den mehrerwähnten weiblichen Elefant (Corse Nr. 4) und außerdem durch die verschiedenen männlichen Exemplare, welche längst vor gänzlich vollendetem Wachstum wegen Brunftwut getötet werden mußten. Wie hoch überhaupt ein Elefant werden kann, ist eine Frage, deren Beantwortung bei Besprechung der Wachstumsverhältnisse dieser Tiergattung in Betracht gezogen werden müßte. Leider scheint diese indeß noch nicht weiter gekommen zu sein, als sie zu Ende des vorigen Jahrhunderts stand, wenigstens sind mir neuere Nach¬ weise nicht bekannt geworden. Corse teilt uns bezüglich dieses Gegenstandes etwa folgendes mit. Die Größe der Elefanten wird vielfach überschätzt und beträgt in Indien im allgemeinen nicht über 7 — 8 Fuß englisch (2,23 — 2,44 Meter) beim Weibchen, und nicht über 8 — 10' (2,44 — 3,05 Meter) beim Männchen, au der Schulter gemessen. Unser Gewährsmann fand nur einen Elefanten, welcher dieses letztere Maß überschritt. Es war dieses ein Männchen, welches am 18. Juni 1796 gemessen wurde, wobei sich folgende Dimensionen ergaben : Von einem Vorderfuß zum anderen über die Schulter gemessen . ' . 22'10 V = 6,98 Meter. Schulterhöhe . 16' 6" = 3,20 » Vom Boden bis zum höchsten Punkte des Kopfes bei gewöhnlicher Haltung . 12' 2" = 3,69 » Ganze Länge von der Stirn bis zur Schwanz¬ wurzel . 1 5 ' 1 1 " = 4,38 » In einem anderen Fall handelte es sich um einen Elefanten, der 14' hoch sein sollte und den Corse selbst, als er ihn sah, auf 12' schätzte, dessen Messung aber nur eine Höhe von 10' — 3,05 Meter ergab. Von 150 in Bengalen benützten Elefanten war nicht einer 10' hoch, und nur gauz wenige Männchen hatten eine Höhe von 9 '/2 ' = 2,88 Meter. Die Norm für die Gebrauchselefanten der ostiudischen Compagnie war auf 7' = 2,14 Meter, an der Schulter gemessen, festgesetzt. 17 ' - Daß auch bei den Varietäten des indischen Elefanten eine die angedeuteten Grenzen überschreitende Körpergröße nicht beobachtet wird, teilt Corse auf Grund einer Vergleichung von indischen Eie- fanten mit solchen aus Ceylon mit. Hierbei ergab sich, daß die letzteren, einer allgemein verbreiteten Ansicht entgegen, weder größer noch gebrauchstüchtiger waren als die ersteren. Haben wir in vorstehendem den Gang des Wachstums beim indischen Elefanten im allgemeinen einer eingehenderen Betrachtung unterzogen, so sei uns noch gestattet, auf die Wachstumsverhältnisse einzelner Partieen des Körpers unter einander aufmerksam zu machen. Wenn wir bei dem hiesigen Exemplar die Höhenznnahme an der Schulter mit der am höchsten Punkt des Rückens sowie mit der am Kreuze vergleichen, so bemerken wir, daß das Wachstum an den beiden zuerst erwähnten Punkten ein weit lebhafteres gewesen ist als am letztgenannten. Im Laufe von 19 Jahren (1863 ist die Höhe an der Schulter und dem Kreuze nicht gemessen worden) stellte sich das Wachstum wie folgt: Die Höhe des Tieres betrug: an der Schulter am Rücken am Kreuz 1864 2,20 Meter 2,35 Meter 2,12 Meter 1870 2,43 » 2,63 » 2,35 1883 2,60 » 2,82 » 2,40 » Es ergiebt dies eine Zunahme für die Jahre an der Schulter am Rücken am Kreuz 1864 — 1870 von 23 Centim. 28 Centim. 23 Centim. 1871 — 1883 » 17 19 » 5 » 40 » 47 » 28 » Das durchschnittliche Wachstum per Jahr belief sich sonach für den Zeitraum an der Schulter am Rücken am Kreuz 1864 — 1870 auf ca. 3,8 Centim. 4,6 Centim. 3,8 Centim. 1871—1883 » » 1,3 1,6 0,38 *» Wir sehen hieraus, daß die Höhenzunahme in den Jahren 1864 — 1870 an Schulter, Rücken und Kreuz fast gleichen Schritt hielt, während dieselbe in der Zeit von 1871 — 1883 nur noch an Schulter und Rücken ein annähernd gleichmäßiges Fortschreiten zeigt, wogegen die Kreuzgegeud nur noch ein verschwindend geringes Wachstum erkennen läßt. Zoolog-. Gart. Jahrg-. XXV. 1884. 2 18 Welchen Anteil beim Wachstum des Tieres, soweit es sich um die Höhe handelt, die Gliedmassen nehmen, ergiebt sich aus der Höhe des Ellenbogenhöckers resp. der Kniescheibe über dem Boden. Diese betrug : am Ellenbogen am Knie 1864 0,94 Meter. 0,80 Meter. 1870 1— » 1— » 1883 1,14 » 1, 2 » Dies ergiebt ein Wachstum fffr die Zeit von am Ellenbogen am Knie 1864—1870 6 Centim. 20 Centim. 1871—1883 14 » 2 » Die Höhenzunahme setzt sich somit nach ihren je auf den Rumpf und die Gliedmaßen entfallenden Anteilen wie folgt zu- sammen : Schulterhöhe ) 17 Centim. Rumpf. 1864- — 70 Wachstum 23 Centim. ) 6 » Gliedmaßen. 1871—83 » . 17 » ! 3 » Rumpf. ) 1 » Gliedmaßen. Kreuzhöhe \ 3 » Rumpf. 1864 — 70 Wachstum . . 23 » j 20 » Gliedmaßen. 1871—83 . 5 » \ 3 » Rumpf. 2 » Gliedmaßen. Aus den hier zusammengestellten Ziffern läht sich ersehen, daß das Wachstum des Hinterteils weit eher sein Ende erreicht hat als das der Vorhand. Letztere ist innerhalb 19 Jahren um 40 Centi- meter höher geworden, während in derselben Zeit das Hinterteil nur ein Wachstum von 28 Centimeter aufzuweisen hat. Innerhalb des Zeitraumes von 1864 — 1870, welcher dem 15 — 21 Lebensjahre des Tieres entspricht, ist der Rumpf in bedeutendem Maße gewachsen, denn auf ihn entfällt eine Höhenzunahme von 17 Centimeter, während die Beine in der gleichen Zeit uur um 6 Centimeter höher geworden sind.- Der Körper selbst hat damit offenbar im wesentlichen seine vollständige Entwickelung erreicht, denn im Laufe der 13 folgenden Jahre, von 1871 — 1883 (22 — 34 Lebensjahr des Tieres) zeigt derselbe nur eine Zunahme von 3 Centimeter in der Höhe, während die Beine bis zum Ellenbogen um 14 Centimeter gewachsen sind. Das Hinterteil hatte mit 15 Jahren dagegen bereits sein volles Wachstum erreicht, soweit es sich um die Beckenpartie handelte, 19 denn von da bis zum 21 Jahre ist der Rumpf nur um 3 Centimeter höher geworden, indeß die Beine um 20 Centimeter gewachsen sind. Wir haben also hier gerade das umgekehrte Verhältnis wie beim Vorderteil während derselben Zeit. Damit kann auch das Wachstum der Nachhand im weseutlichen als beendet angesehen werden, denn die Zunahme um 5 Centimeter, welche während der folgenden 13 Jahre nachgewiesen worden ist und welche sich auf den Rumpf und die Extremitäten ziemlich gleichmäßig verteilt, kann ihrer Gering¬ fügigkeit wegen wohl kaum in Betracht kommen. Das Alter, in welchem nach vorliegender Wahrnehmung das Becken und offenbar kuch die in demselben gelagerten Eingeweide als vollständig ent¬ wickelt zu betrachten sind, fällt also ziemlich genau mit demjenigen zusammen, in welchem erfahrungsgemäß die Fortpflanzungsfähigkeit einzutreteu pflegt. Dieser Hinweis mag genügen, um anzudeuten, welche Anhalts¬ punkte über das Wachstum der Elefanten aus den Ergebnissen von Messungen zu erhalten sind. Bei der Geringfügigkeit des bis jetzt vorliegenden Materials wäre es übereilt, daraus jetzt schon Schlüsse auf allgemeine Verhältnisse ziehen zu wolleu. Der Zweck vorliegen- o o der Darlegung ist in dieser Hinsicht erreicht, wenn dieselbe zur Ausnützung des Materials, welches sich in anderen zoologischen Gärten findet, Anlaß giebt. Ein neuer Strauss. Von Dr. A. Eeichenow. Die vielen Expeditionen, welche während des letzten Jahrzehntes von allen Seiten die Erforschung Afrikas in Angriff genommen, haben vorzugsweise in ornithologischer Beziehung reiche Ergebnisse geliefert. Durch die Entdeckung zahlreicher bisher unbekannter, zum Teil höchst auffallender Vogelformen ist unsere Kenntnis der äthiopischen Fauna bereichert worden und jede neue Reise überrascht uns mit ungeahnten Neuheiten. Daß aber auch noch ein neuer Riesenvogel in Afrika gefunden werden sollte, übertrifft die kühnsten Erwartungen. Bis jetzt galt der afrikanische Strauß oder Kamelvogel (Struthio camelus L.) als der einzige Vertreter seiner Gattung. Man hat wohl versucht, auf Grund geringer Größen Verschiedenheiten zwei Abarten oder Rassen', 20 eine nördliche und eine südliche zu unterscheiden, welche letztere von Guruey mit dem Namen Struthio australis belegt wurde, indessen erwiesen sich die scheinbaren Unterschiede als so wenig stichhaltig, daß diese Trennung der Art wieder aufgegeben werdeu mußte. Nun ist aber doch eine zweite Art des Geschlechtes und zwar eine höclist ausgezeichnete Form entdeckt worden. Ein kürzlich, angeblich aus dem Somaliland, durch Vermittluug des Tierhändlers Hagenbeck nach Europa gelangter Tiertransport hat diesen neuen Strauß uns zugeführt. Ein Exemplar gelangte in den zoologischen Garten in Berlin, andere sollen nach Köln, Hannover und Paris gekommen sein. Der im Berliner Garten befindliche Vogel, ein altes männliches Individuum, hat schwarzes Gefieder und weiße Flügel- und Schwanz¬ federn wie sein altbekannter Vetter, unterscheidet sich von diesem aber sehr auffallend dadurch, daß alle nackten, unbefiederten Körper¬ teile, wie Kopf, Hals und Beine, nicht hellrot wie bei Struthio camelus, sondern graublau gefärbt sind, während der Schnabel sowie die Horntafeln an der Vorderseite des Bauches durch blaß mennig¬ rote Farbe grell sich abheben. Auch scheinen dem Vogel geringere Körpermaße eigen zu sein. Mit Bezog auf die blaugraue Hautfarbe hat der Verfasser Dieses dieser neuen Art den Namen Struthio molybdophanes gegeben (Sonntagsblatt der Norddeutschen Allgem. Zeitung Nr. 37, IG. September 1883). Die Verbreitung des Somali¬ straußes dürfte sich über die Ebenen des Somali- und westlichen Gallalandes an der Ostküste Afrikas vom 10 Grad nördl. Breite bis zum Äquator erstrecken. Der Scliwarz- und Laugscliwanzhirscli. Von Damian Gronen. Nordamerika kennt sechs wohl unterschiedene Arten von Hirschen, von denen selten mehr als zwei als Bewohner desselben Bezirkes gefunden werden obgleich die einzelnen Bezirke immer in einander greifen. Das Renntier, das Moosetier, der Elchhirsch und der gewöhnliche Edelhirsch (Rotwild) sind schon hinreichend hekannt, weniger die Schwarz- und Langschwänze, weil diese beiden Arten nur in Gegenden des tiefsten Binnenlandes Vorkommen, welche bisher noch wenig von Männern der Wissenschaft erforscht worden sind. Beide sind nämlich nur in der westlichen Hälfte des nordamerikanischen Festlandes 21 heimisch, nämlich in den wilden Regionen, die zwischen dem Mississippi und dem stillen Ocean liegen. Der Schwarzschwanzhirsch ( Cervus macrotis, Langohr der Jäger) kommt mehr nach Süden hin vor, in Kalifornien, in den Thälern der Felsengebirge bis nach Texas hinunter; nordwärts findet man ihn im Oregongebiet und auf dem östlichen Abhang der Felsengebirge bis zum 54. Grad n. Br. Der Langschwanz ( Cervus leucurus) ist der gewöhnlichste Hirsch im Oregongebiet und am Columbiafluße und sein Verbreituugsbezirk erstreckt sich ebenfalls ostwärts von den Felsengebirgen, jedoch nicht ganz in das Stromgebiet des Mississippi herunter. Diese beiden Hirscharten werden häufig mit einander verwechselt, obschon sie wirklich in mancher Beziehung einander total unähnlich sind. Vom Schwarzschwanzhirsche giebt es zwei Spielarten, beide mit den langen Ohren heißen sie bei den Jägern manchmal auch Maul¬ tierhirsche; allein Schwarzschwänze ist die gewöhnlichste und beste Bezeich¬ nung für sie, weil das Haar an ihren Schwanzspitzen glänzend tiefschwarz und sehr deutlich sichtbar ist. Die Schwarzschwänze sind größer als die Lang¬ schwänze, ihre Läufe sind kürzer und der Körper stämmiger und gedrungener gebaut. Beim Rennen springen sie mit allen Vieren zumal, während der Gang der Langschwänze eher dem des gewöhnlichen Damhirsches gleicht, in¬ dem diese erst einige Schritte weit traben, dann einen Sprung thun und wieder traben wie zuvor. Der Langschwanz ist einer der kleinsten Hirsche und wiegt selten mehr als 100 Pfund. An Gestalt und Lebensweise gleicht er dem gewöhnlichen Damhirsche und das einzige Unterscheidungszeichen ist der Schwanz, der bei diesem Hirsche oft gegen 45 cm. lang wird, beim Damwild aber bekanntlich sehr kurz ist. Ist der Langschwanzhirsch flüchtig, d. h. läuft er rasch, so trägt er den Wedel aufrecht und schlingert ihn immer von einer Seite zur andern, was einen eigentümlichen und etwas komischen Eindruck auf den Beschauer ausübt. Auch sein Gang ist eigentümlich; erst macht er zwei tänzelnde Schritte, wie ein Pferd im Paßgang, dann einen weiten Sprung, welcher eine zweimal so große Entfernung zurücklegt, als jene Schritte, und • dann verfällt er wieder in den Trott. Wird er auch noch so hartnäckig ver¬ folgt, so ändert er doch diesen Gang nicht. Die Hinde des Langschwanzes setzt im Frühjahr gefleckte Junge wie das Damwild, aber die Farbe derselben spielt schon nach Vollendung des ersten Jahres in die des erwachsenen Wildes hinüber. Im November thut sich das Langschwanzwild in Rudel zusammen und bleibt so bis zum April, wo sie wieder auseinander laufen und die Hinden sich absondern, um zu setzen. Das Langschwanzwild wählt vorzugsweise waldreiche Gegenden zum Aufenthalt; sein Lieblingsstandort dagegen ist nicht der Hochwald der gewal¬ tigen Forste, sondern vielmehr die parkartigen Lichtungen (Openings) mit einzelnen Baumgruppen, welche mannigfach in den Thälern der Felsengebirge Vorkommen. Bisweilen trifft man in diesen Regionen ganze Landstriche, deren Oberfläche eine anmutige Abwechslung von Wald und Prairie zeigt- abschüssige Hügel erscheinen mit Gebüschen auf ihren Kronen und am Ge¬ hänge ihrer Seiten. In diesen natürlichen Hainen kommt der Langschwanz- hirsch rudelweise vor, weidet längs der Hügelabhänge und belebt durch seine zierlichen Bewegungen und seine anmutige Haltung die Landschaft nicht wenig als eine höchst malerische Staffage. 22 Rechnungs- Abschluss des westfälischen zoologischen Gartens zu Münster für das Jahr 1882. Es betragen : I. Die einmaligen außerordentlichen Einnahmen : Mark Mark a. Kassenbestand aus dem Vorjahr . 261.80 b. Nachträglich Reingewinn der Lotterie . 395.54 c. Geschenke . 329.00 d. Teilzahlungen auf Aktien . 55.50 Zusammen . . . 1041.84 II. Die laufenden Einnahmen: a. Pacht der Restauration . 3000.00 b. Beiträge der Mitglieder . 5107.00 c. Eintrittsgeld an den gewöhnlichen Besuchstagen . 4428.90 d. Anteil an den Eintrittsgeldern der Theaterbesucher 26.30 e. Eintrittsgeld während der Konzerte . 925.60 f. Aus der Ausstellung . 122.62 g. Für verkaufte Tiere etc. . . 205.65 Zusammen . . . 13,816.07 Im ganzen betragen die Einnahmen . 14,857.91 III. Die einmaligen außerordentlichen Ausgaben und zwar: Zu Neubauten \md dauernden Einrichtungen . . . 1154.88 Zusammen . . . 1154.88 IV. Die laufenden Ausgaben: a. Verwaltungskosten . 1637.80 b. Zinsen von angeliehenen Kapitalien . 3451.57 c. Für angekaufte Tiere . 507.64 d. Unterhaltung der Gebäude, Utensilien etc., Steuern und Feuerversicheruugs- Beiträge . 3400.39 e. Fütterungskosten . 4686.27 Zusammen . . . 13,683.67 Im Ganzen betragen die Ausgaben . 14,838.55 Die Einnahmen betragen . . . 14,857.91 V. Danach ergiebt sich ein Bestand von . 19.36 VI. Die Gegenüberstellung der laufenden Einnahmen . 13,816.07 mit den laufenden Ausgaben . 13,683.67 ergiebt eine Mehreinnahme von . 132.40 VII. Das Vereinsvermögen wird dargestellt: A. Aktiva. Mark Mark 1) Der Wert der Grundstücke und Gebäude einschlie߬ lich der im Jahre 1882 neu errichteten beträgt . . . 190,900 2) Wert der Tierbehälter, Volieren etc . 3600 3) Wert des Wirtschaftsmobiliars etc . 6300 4) Wert der lebenden Tiere . 3900 , 5) Wert der naturwissenschaftlichen Sammlungen .... 750 Zusammen . . . 205,450 23 ß. Passiva. 6) Hypothekarisch eingetragene Schulden .... 70,700 7) Darlehu auf Handscheine . 3400 8) Sonstige Rückstände . 100 Zusammen . . . 74,200 Hiernach ergiebt sich ein reines Vermögen von . 131,250 gegen 1592 bisher verausgabten Aktien ä 30 Mk. . 47,760 sodaß . 83,490 als Erwerb des Vereins sich darstellen. Zusammen . . . 131,250 balanciert. Prof. Dr. H. Laudois. Kor respon denze n. Zofingen, den 22. Oktober 1883. Eine Ehrenrettung des G r a s f rösches, llcina temporaria. Wenn man über einen Freund, oder auch nur über eine näher stehende Person eine Ver¬ leumdung hört, so berührt es schmerzlich im Innern, und man nimmt den Angegriffenen in Schutz. So ergeht es dem Schreiber dieser Zeilen, wenn er, noch dazu von sachkundiger Seite, dem Grasfrosch Fischräuberei vorwerfen hört, und er fühlt sich verpflichtet, ein früher gegebenes Wort zu halten und als Verteidiger des Braunrockes aufzutreten. Man wird zuerst fragen, wie kann ein Dilettant gegen Männer der Wissenschaft auftreten ? Die Kompetenz dazu läßt sich bestreiten; wenn aber ein solcher Dilettant aus Liebhaberei sich jahrelang mit diesen Tieren näher abgegeben und sie beobachtet hat, wenn er dadurch gelernt hat, sie von eiuer andern Seite zu beurteilen, als dies gewohnheitsgemäß geschieht, wenn er endlich jahrelang eine ganze Kolonie derselben zu seinen Mitbewohnern im gleichen Hause gemacht hat, indem er ihnen der Freiheit angepaßte Aufent¬ haltsorte unter seinem Dache anwies, in denen sie leben und sich sogar fort- pflanzen wie im Freien, so darf gewiß angenommen werden, er stehe mit ihnen in so intimem Verkehr, daß er sich über ihre Gewohnheiten auch ein Urteil er¬ lauben darf gegenüber solchen, die sonst naturgemäß in wissenschaftlicher Beziehung hoch über ihm stehen, die aber wohl schwerlich die Frösche in ihrem Leben und Treiben so lange, täglich, und so genau zu beobachten die Gelegenheit hatten. Ein solcher Liebhaber, der bisher glaubte, den Grasfrosch nur gegen Laien verteidigen zu müssen, und die Gelehrten und Naturbeobachter seien gleicher Meinung mit ihm, ist der festen Überzeugung und glaubt nach- weisen zu können: der Grasfrosch ist kein Fischräuber, er ist nicht schädlich durch Fischvertilgung. Die gegenteilige Behauptung ist eine Verleumdung, welche auf einer falsch verstandenen Beobachtung beruht, nämlich auf der, daß er kleine Fische wirklich frißt, wenn er ihrer mit Leichtigkeit hab¬ haft werden kann. 24 Die Möglichkeit, daß er sich kleiner Fische bemächtigen kann, kommt aber sehr selten vor und beschränkt sich auf Gelegenheiten, bei denen die Fische so wie so zu Grunde gehen müßten. Es muß hier in erster Linie beachtet werden, daß der Grasfrosch unter den Lurchen der Proletarier ist, dazu ein arger Fresser und Schlemmer, der alles frißt, was sich vor ihm bewegt, dessen er sich bemächtigen kann ; aber eine Hauptbedingung ist die, daß sich die Beute bewegt. Vor ihm liegender Fischlaich oder ein vor ihm liegender toter Regenwurm oder toter Fisch bleibt unberührt, nicht, weil er tot ist, sondern einzig, weil er sich nicht bewegt; denn wenn man den toten Regenwurm oder Fisch, ja sogar ein Stück Kalbfleisch, vor ihm vom Verborgenen aus bewegt, so greift er zu und verschlingt den Bissen, auch wenn er schon in Fäulnis übergegangen ist. Ebensp wird ein lebender, kleiner Fisch, der vor ihm auf dem Boden zappelt, ergriffen und verschlungen. Hierauf beruht die Verdächtigung und Anklage. Es ist aber zweitens zu beachten, daß der Grasfrosch niemals eine Beute unter Wasser ergreift. Ein Insekt, das auf dem Wasser zappelnd schwimmt, wird erfaßt, aber seine Art und Weise des Fressens befähigt ihn nicht dazu, eine Beute unter Wasser zu erfassen, auch wenn er wollte; denn die klebrige Zunge, welche er nach der Beute auswirft, um sie an sich zu ziehen und ins Maul zu bringen, würde wohl unterWasser an der Beute nicht haften bleiben; und nur sehr selten benützt er die Kinnladen, um ein größeres Tier, z. B. einen größeren Regenwurm , der direkt vor seinem Maule sich bewegt, zu packen; aber dies geschieht daun auf so ungeschickte und plumpe Art, daß unter Wasser die Möglichkeit auf Erfolg ebenfalls höchst zweifelhaft wäre; die Möglichkeit selbst zugegeben, so macht er doch niemals auch nur den Versuch. 1 Es wird also nur in sehr seltenen Fällen Vorkommen, daß ein Grasfrosch sich eines kleinen, lebenden Fisches bemächtigen kann, nämlich dann, wenn ein solcher durch Zufall außerhalb des Wassers geraten ist und sich vor ihm bewegt. Und wirklich kam es auch jedesmal auf diese Thatsaehe heraus, wenn jemand behauptete, er habe selbst gesehen, wie ein Frosch einen Fisch verschlungen habe, und wenn dann näher nachgeforscht wurde. Viele Male wollte Schreiber dieser Zeilen sich über eine solche Behauptung Gewißheit verschaffen, und jedesmal zeigte sich die gleiche Thatsaehe, nämlich, daß irgendwo ein Weiher oder ein Teich ausgelassen worden war, und daß dann einige kleine Fische, welche nach Ablauf des Wassers im Schlamm oder auf dem Boden zappelten, von Grasfröschen erbeutet worden waren. Natürlich wurde dann au Ort und Stelle, oft im Beisein von »Sachverständigen«, die sich die Sache nicht genau überlegten und klar machten, das Verdammungsurteil über ihn gesprochen: »Seht den Beweis, er ist ein Fischräuber«. Die hier angeführten Beweise dürften den Grasfrosch wohl wieder in seinen früheren guten Ruf bringen ; denn gewiß ist er von eminenter Nützlichkeit durch Vertilgung von Nacktschnecken und Gewürm, auf das er an Orten Jagd macht, wo Vögel oder andere Tiere nicht leicht hin gelangen; und wenn er zur Seltenheit ein Mal einen kleinen Fisch unter den angegebenen Umständen, wo er doch dem Verderben geweiht ist, verschlingt, so ist ihm das nicht ins Sündenregister einzutragen. Daß sich auch hie und da eiuraal ein Grasfrosch in Verirrung des Ge¬ schlechtstriebes an einen großem Fisch anklammert, und als »Karpfenreiter« verschrieen wird, wird ihm wohl niemand hoch anrechnen, sondern das wird in Anbetracht, daß es so selten vorkommt, mehr als Kuriosum betrachtet werden müssen. Als arger Fresser und Schlemmer ist er eben in diesem Punkte auch nicht sauber, und es könnte ihm da noch manches ausgebracht werden, da aber der Geschlechtstrieb sich jährlich nur einmal und nur kurze Zeit geltend macht, und da ferner solche Verirrungen nicht die Regel sondern seltene Ausnahmen bilden, so wird es besser sein, sie nicht an die Öffentlich¬ keit zu bringen. Er ist also kein Fischräuber, sondern als den Fischen ungefährlich anzu¬ sehen, wenigstens so lange, bis bewiesen ist, was bis jetzt schwerlich jemand gesehen haben wird, daß er Beute auch unter dem Wasser ergreift. H. Fischer-Sigwart. Miscellen. Überwinternde Schwalben. Die Nächte vom 21. zum 22. und vom 22. zum 23. Oktober 1880 waren Frostnächte, trotzdem zeigte sich am 25. beim Kriegerdenkmal vor dem Gymnasium in Rostock eine Schwalbe. In der Nacht vom 29. zum 30. fror es, und vom 2. zum 3. November hatten wir — 3 0 R . Trotzdem war am 3. in der warmen Sonne vor dem Schulhause wie¬ der eine Schar von circa 100 Schwalben, anscheinend ein verspätet abziehen¬ der, vielleicht vom Norden gekommener Schwarm. Am 17. November waren wieder Schwalben vor der Schule; es stellte sich nun heraus, daß eine Anzahl sich in einem Pferdestalle an der Georgsstraße einquartiert hatte. Sie ist dort den ganzen Winter hindurch geblieben, es wurden davon an sonnigen Tagen wiederholt einzelne auch vor der Schule gesehen, doch nicht mehr notiert. Bei schlechtem Wetter und scharfer Kälte kamen sie nicht hervor. Die von mir gesehenen waren Hirundo urhica. Gymnasialdirektor Dr. K r a u s e. Archiv d. Ver. für Freunde d. Naturgeschichte in Mecklenburg 1883. Vom F 1 u ß - A a 1. Die Meinung, daß der Aal, der in die See zum Laichen gegangen ist, absterben möge, stimmt nicht mit den hiesigen Erfahrungen. Zunächst sieht man nie angetriebene Massen von Aalleichen, was doch not¬ wendig wäre, ja man findet eigentlich fast nie einen toten Aal, während andere Fische doch in Menge angetrieben werden. Andererseits kennt man an der Unter-Warnow sehr gut das Hinaufziehen großer Aale aus dem salzigen ps frische Wasser und erkennt die von dort kommenden an der Farbe sehr sicher. Direktor Dr. K r ause in Rostock. Archiv d. Ver. für Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg 1883. 26 Ein Salm im Main von 17 Pfund Schwere wurde am 25- August 1883 von Fischern aus Volkach unterhalb Köhler in den ausgeworfenen Netzen ge. fangen. (Nach der Würzburger Presse, 29. August 1883). Sammelplatz derweißen Bachstelzen. Das »Hospital zum heiligen Geist« dahier in der Langenstraße ist nur durch die Stadtbibliothek von dem Main getrennt; sein Garten stößt teils an den der Bibliothek, teils an die städtische Promenade und enthält zwischen den Zelten, in welchen Typhus¬ kranke u. a. liegen, Gänge, die mit niedergehaltenen breitkronigen Platanen bepflanzt sind. Die Dächer der Spitalgebäude nun wie auch die Kronen der Platanen bilden jedes Jahr, einmal im Frühlinge, noch mehr aber im Herbst, den Aufenthaltsort zahlreicher weißer Bachstelzen, Motaciüa alba. Bei ihrer Ankunft im Frühlinge treiben sie sich einige Zeit gesellig hier umher, bis sie sich an ihre Brutplätze verteilen; im Herbste aber sammeln sie sich zu vielen Hunderten hier an, sonnen sich und ruhen auf den Dächern und Blitzableitern wie die Schwalben vor ihrem Abzüge, und kommen zum Schlafe in das dichte Laubwerk der Platanen, aus dem ihr Gezirpe allenthalben hervortönt. So treiben sie es, wie ich mich selbst überzeugt habe, mehrere Wochen bis zu ihrem Wegzuge. Dasselbe Gebahren wird nach Aussage des Chefarztes, Herrn Dr. med. Wiesner, jedes Jahr um dieselbe Zeit beobachtet, und er selbst hat es seit dem Jahre 1869 zu sehen Gelegenheit gehabt. Auch dem Spital¬ meister ist diese Gewohnheit der Bachstelzen seit vielen Jahren bekannt. Es scheinen die Bachstelzen zu sein, die im Sommer die Mainufer in großer Zahl beleben, die sich hier vor ihrer Abreise zusammen thuu. Interessant ist es aber zu sehen, wie das Benutzen desselben Sammelplatzes bei den Bachstelzen hiesiger Gegend traditionell geworden ist. Frankfurt a. M., 30. September 1883. N. Nachrichten aus dem Zoologischen Garten in Hamburg. Ein junger Gorilla, Eigentum des Tierhändlers Carl Hagenbeck, ist auf kurze Zeit mit einem kleinen Chi m pansen in dem Hamburger Zoologischen Garten ausgestellt worden. Er hat dasselbe Phlegma wie die meisten seiner Art¬ genossen: würdevoll sitzt er mit gekreuzten Armen da und verfolgt mit Ruhe die Bewegungen seines kleineren Gefährten. Beide Tiere sind über Liverpool bezogen. Unter anderem sind noch als neu angekommen erwähnens¬ wert: 1 mexikanischer Greifstachler, Cercolabes mexicanus Shw.; 3 Kuduanti¬ lopen, Antilope strepsiceros Pall.; 2 Simbil - Störche, Ciconia Abdimii Licht.; 3 tasmanischc Schleiereulen, Strix castanops. Geboren wurden: 1 Paka, Coelogenys paca L. ; 2 Hirschziegen - An¬ tilopen, Antilope cervicnpm Pall.; 1 Kaffernbüffel, Bubalus caffer Gr.; 1 Sam- burhirsch, Cervus Aristotelis Cuv.; 1 mexikanischer Greifstachler, Cercolabes mexicanus Shw.; 3 Biberratten, Myopotamus coypu Mol.; 2 Gazellen, Antilope Boreas Pall.; 3 Mähnenhirsche, Cervus Busa Müll. 27 Gezüchtete Perlhühner. Juan Maria Schuver traf in der Nähe des Koma-Dorfes Boscho (auf seinen Reisen im Quellgebiete des Tumat, Tabus und Jäl, in Petermanus Ergänzungsheft No. 72, S. 64) bei einem Weiler mehrere Dutzend Perlhühner, die wie Hühner gezüchtet werden. „Die blaßblaue Farbe ihres Kammes und Bartes ließ erkennen, daß sie im Hühnerhofe auf¬ gewachsen waren, denn es ist ein merkwürdiges Naturspiel, für welches ich keine Erklärung weiß, daß die in Gefangenschaft aufgezogenen Perlhühner die scharlachrote Farbe ihrer Kopffedern verlieren, welche einen Vorzug ihrer im Walde lebenden Brüder bildet. Das war das einzige Mal, daß ich einen Versuch zur Züchtung dieser Tiere beobachtet habe.« B. Langkavel. Künstliche Austernzucht. Mr. Ryder, der Embryologe der ameri¬ kanischen Fischerei-Kommission, hat junge Austern aus künstlich befruchteten Eiern erzogen. Am 4. August 1883 befanden sich in der Regierungsstation in Stockton, Maryland, viele Millionen junger Austern von 3/-t Zoll im Durchmesser, welche 46 Tage vorher aus künstlich befruchteten Eiern ausgeschlüpft waren. Wenn daran weitere Aufzucht möglich, dann würde dies eine Thatsache von großer Tragweite sein. Fischottern. In der Provinz Hannover wurden in der Zeit vom November 1882 bis Juni 1883 314 Ottern erlegt, wofür an Prämien 2064 Mark bezahlt wurden. Es ergiebt sich daraus, daß monatlich im Durchschnitt 43 erlegt und dafür 248 M. Prämien gegeben wurden. Davon erhielten die »Otternjäger« im Lüneburgischen den Löwenanteil, nämlich in acht Monaten 1000 Mark. Der Waidmann. XIV. Bd., No. 51. Fünf See-Elefanten wurden kürzlich für den New-Yorker Tierhändler Reiche an der Küste Kaliforniens gefangen. Es sind die ersten derartigen Tiere, welche je in Gefangenschaft gerieten, und sie kamen glücklich in New-York an. Der See-Elefant oder die Elefanten-Robbe, Cystophora probu- scidea, ist hinsichtlich der Gestalt den anderen Robben gleich, unterscheidet sich von diesen aber doch wesentlich nicht nur durch ihre alle übrigen über¬ treffende Größe, sondern hauptsächlich durch die eigentümliche Verlängerung der Nase, welche bei ausgewachsenen Männchen eine Länge von zwei Fuß erreicht und deutlich an den Rüssel eines Elefanten erinnert. Das Tier erreicht oft eine Länge von 24 Fuß und wird bis zu 10,000 Pfund schwer. Der Kopf ist o-roß und breit und schließt sich ohne sichtbaren Abschnitt an den etwas langen, jedoch massiven Hals an; das große runde Auge ist von einem Kreis steifer Borsten umgeben, die Ohren sind kleine Löcher, welche sich unterhalb des Auges befinden. Die Backenzähne sind verhältnismäßig klein, rund und spitzig, die Eckzähne dagegen sind sehr stark entwickelt. Reiche füttert seine See-Elefanten mit Häringen und andern Fischen, welche sie, nach Art der Seelöwen, immer mit dem Kopf voran, ganz verschlucken. Die Vorderfüße 28 sind im Verhältnis zu dem riesigen Körperbau kurz, jedoch sehr kräftig, wäh¬ rend die Hinterfüße, denen der Seelöwen ähnlich, durch die Verlängerung der Seiten ein starkes und wirkungsvolles Ruder bilden. Der Schwanz ist sehr kurz und spitzig. Die Farbe sowie Beschaffenheit des Felles wechselt nach der Härung von einem bläulichen Grau der kurzen straffen Haare zu einem glänzenden Braun, wobei die untere Seile jedoch stets heller als der Rücken bleibt. Die Füße sind kurz, behaart und fast schwarz. Die Weibchen haben eine dunklere Farbe als die Männchen. Wegen seines ausgezeichneten Thranes von den Menschen aut’s schärfste verfolgt, wird dies wunderbare Tier immer seltener, und man findet nur noch vereinzelte Exemplare an den Küsten Kaliforniens. Auf dem Lande bewegen sie sich schwerfällig, im Wasser jedoch sehr gewandt. Das Gebrüll, das sie im Zorne ausstoßen, ähnelt dem des Löwen. Die Männchen führen gegenseitig hauptsächlich während der Brunftzeit, er¬ bitterte Kämpfe, wobei sie sich dann durch ihr Gebiß schrecklich, verwunden und verstümmeln. Die Sinne der See-Elefanten sind sehr schwach entwickelt. Auf dem Lande sehen sie nur auf sehr kurze Entfernungen hin. Ihr Gehör ist wegen der eigentümlichen Beschaffenheit der Ohren sehr mangelhaft und das Gefühl ist durch die dicke Fettlage, welche den Körper umgiebt, sehr ge¬ schwächt. Es sind träge faule Tiere, aber sehr gefährliche Geguer, wenn gereizt. D. Gr. Die Wiir fei n atter , Tropidonotus tessellatus , in Nassau. Bei Diez an der Lahn, am Zollhaus bei Hahnstätten, wurden in einer nur 0,1 m breiten, mit Löß ausgefüllten Spalte im Dolomit interessante Knochenfunde gemacht über welche Prof. Sandberger Mitteilung macht. Darunter waren auch die Kiefer und ein großer Teil der Wirbelsäule der Würfelnatter. Die gefundenen Stücke wurden direkt mit der lebenden Form verglichen, und die Würfel¬ natter, die wie auch die gelbliche Natter längere Zeit als von den Römern eingeführt galt,*) stellt sich somit als »uralter Bewohner der Lahngegend« dar. Neues Jahrb. f. Mineralogie 18S3. Ermatteter Kranich. Als im März 1883 unsere Zugvögel wieder von Süden her ihrer Heimat zustrebten, zog in der Nähe der Stadt Lemgo auch eine Kranichschar hoch durch die Luft mit lauten Rufen dahin. Plötz¬ lich zweigt sich einer der Wanderer ab, bleibt etwas zurück und siukt dann mit mächtigem Flügel rauschen zum Erdboden nieder. Ei;i paar Arbeiter, die ge¬ rade auf dem Felde beschäftigt sind, sehen erstaunt dem Falle zu, eilen her¬ bei und nehmen den sich mit Schnabel und Füßen hartnäckig Sträubenden in Empfang, fesseln ihn, so gut es gehen will, und tragen ihn im Triumphe der Stadt zu. Für einige Reichsmark wird das schöne Tier einem mir bekannten Vogel freunde überantwortet, der ihm in einem großen Scheunenraume bereit¬ willigst ein Unterkommen gewährte und wo ich bald darauf Gelegenheit fand, den stattlichen Vogel zu beobachten. Er war, wie sich bei genauerer Unter¬ suchung herausstellte, völlig unverletzt, hatte gesegneten Appetit und begrüßte den bei ihm Einkehrenden mit einem tiefen Kur, kur! War kein Mensch in - - I *) Vergl. Jah rg. X, 18G9. 8. 299; XI, 1870. S. 161 und 274; XV, 1874. 8. 480. 29 der Nähe, so trat er oft ans Fenster und sah hinauf zum Himmel, wo die Wolken zogen oder die Dolen dem alten Stadtturme zustrebten. Daun aber ergriff ihn jedesmal die Sehnsucht und er schmetterte gewaltige Trompeten¬ töne in die Luft empor. Der Vogel lebt heute noch und erfreut sich unter der Pflege eines alten verständigen Vogelwirtes, des Herrn Sanitätsrat Dr. Meyer, des besteu Wohlseins. H. Schacht. Fang eines Siebenschläfers ( Myoxus glis). Es ist eine bekannte Sache, daß sich in den Dohnen, außer den Krannnetsvögeln, auch mancherlei andere Vögel als Spechte, Häher, Meisen, Grasmücken u. s. w. fangen; daß aber selbst von unsern Nagern hin und wieder einer darin sein Leben lassen muß, dürfte seltener der Fall sein. So fing im vorigen Herbste hier ein mir befreundeter Forstmann in einer in einem jungen Stangenholze angebrachten Hängedohne einen Siebenschläfer. Die Schlinge war dem Tiere regelrecht um den Hals gelegt und es schwebte frei am unteren Bügel der Dohne. Gewiß hatte sich der arme Schelm der Vogelbeeren gelüsten lassen und mußte diese Kühnheit mit dem Galgentode büßen. H. Schacht. L i 1 1 e r a t u r. Die Säugetiere in Wort und Bild, von Carl Vogt und F. Specht. Mit 40 Vollbildern und zahlreichen Holzschnitten. 4°. 440 Seiten. München. Verlagsanstalt für Kunst und Wissenschaft. 1883. Kartonn. 45 Mark, gebunden 48 Mark. Voriges Jahr bereits, nach dem Erscheinen der ersten Lieferungen des viel¬ versprechenden Werks haben wir auf dessen Bedeutung hingewiesen. Jetzt nachdem es wie versprochen mit Schluß des Jahres 1883 vollendet ist, kommen wir mit Vergnügen darauf zurück, um es unseren Lesern auf das wärmste zu empfehlen. Wir haben es hier mit einer außergewöhnlichen Erscheinung der zoologischen Litteratur in populärem Gewände zu thun. Sprechen wir zunächst von den Illustrationen, die zuerst in das Auge fallen, so dürfen wir sagen, sic gehören zu dem Besten, was überhaupt bis jetzt auf diesem Gebiete geleistet wurde, und bei vielen Vollbildern legen wir uns die Frage vor, ob wir es hier wirklich mit Holzschnitt zu thun haben. Diese Feinheit und Zarte der Zeichnung und des Tones, dieses Kolorit, möchten wir sagen, ist bis jetzt durch die Xylographie kaum erreicht worden, und die Bilder er¬ scheinen auf den ersten Blick wie feine Kupferstiche. Auch die Menge der in den Text gedruckten Abbildungen überrascht und erfreut durch die Auffassung und Ausführung, Man sieht diesen Zeichnungen au, daß sie nicht in Museen nach gestopften Bälgen sondern durch Studien an dem lebenden Tiere ent¬ standen sind, und den Zoologischen Gärten haben wir es mit zu danken, daß die deutsche Tierzeichnung sich zu einer solchen Höhe erhoben hat. Daß wir Der Yack Der Schabrackentapir. nicht übertreiben, lehrt ein Blick auf die beiden dem Werke entnommenen Abbildungen von dem Yack und dem Schabrackentapir. Würdig au die Illustrationen schließt sich der Text aus der Meisterhand Vogt’s an. Man lese die Einleitung mit ihrer lichtvollen Darstellung des Charakters der Säugetiere, ihrer Beziehungen zu den übrigen Wirbeltieren, ihres Körperbaues, der Bedeutung des Zahnsystems, der geographischen Ver¬ breitung u. s. av. , man prüfe die klare Schilderung der Ordnungen soavoIiI Avie die der einzelnen Tiere, und man erkennt überall den erfahrenen Forscher, der mit vollen Händen in das Material greift und das Wichtige und Unent¬ behrliche herauszugreifen versteht, Avie den geAviegten Schriftsteller, der zu belehren und anzuregen weiß. Freilich, Anekdoten und schöne Jagdstückchen bekommen Avir nicht zu hören, wohl aber lernen Avir die Geschöpfe nach ihrer eigentümlichen Organisation sowie im Lichte ihrer Verwandtschaft und Ab¬ stammung und in ihren Lebensverhältnissen kennen, so daß man Avirklich sagen darf, nach der Lektüre eines Kapitels hat man auch etwas gelernt. Wie allen Freunden der Zoologie müssen Avir es besonders den Lehrern der Natur¬ kunde empfehlen; sie werden sowohl hinsichtlich des Stoffes als auch der Methode Avesentlicheu Gewinn durch das Studium des gediegenen Werkes erlangen. N- Eingegangene Beiträge. H. L. in II.: Ihre Postkarte Avar hei 4 Postämtern herumgekommen, ehe sie hei mir anlangte. — H. F.-S. in Z.: Es Avar nicht mehr möglich, Ihrem Wunsche zu willfahren. A. S. in W. — II. B. in W. N. : Die Notiz über die Bastarde erscheint uns doch zu un¬ glaublich. Schade, daß Sie nicht seihst die betr. Tiere in Augeuschein nehmen konnten. — E. F. in B : Besten Dank für die mancherlei Notizen. — W. L. S. in II.: Korrektur geht Ihnen zu. — Dir. II. in B.: Besten Dank. ,, Bücher und Zeitschriften. Dr. Wilh. Retzcr. Die deutschen Süßwassersclrwämme. Inaugural- Dissertation. Mit 2 Taf. Tübingen. L. F. Fues 1883. Die Arbeit enthält Abbildungen der von dem Herausgeber im Zoolog. Garten 1870 aufgestellten Arten Spongillu Lieberkühnii und Sp. contecta nach dessen Präparaten. Otto Bachmann. Unsere modernen Mikroskope und deren sämtliche Hilfs- und Neben¬ apparate. Mit 175 Abbildungen. München u. Leipzig. II. Oldenbourg 1883. 6 Mk. Dr. K. Müllen hoff. Über die Entstehung der Bienenzellen. Sep.-Abdr. Pflüger’s Archiv f. d. ges. Physiologie. XXXII. Bonn. Emil Strauß. 1883. Jahrbücher der Deutschen Malakozool ogischen Gesellschaft. Redig. von Dr. W. Kobelt. 10. Jahrg. 1883. Heft IV, Oktober 1883. Frankfurt a. M. Moritz DiesterAveg. 188:3. Nachrichtsblatt der Deutschen Malakozoologisclien Gesellschaft. 15. Jahrgang. No. 9 u. 10. Septbr. u, Oktbr. 1883. Redig. von Dr. W. Kob eit. Frankfurt a. M. Moritz Diester av eg. Karl Vogt und F. Specht. Die Säugetiere in AVort und Bild. 28 Lieferungen mit 40 Vollbildern und 206 Holzschnitten im Text, Friedr. Bruckmann. München 1883. 45 Mk. Dr. Karl Ruß. Der Kanarienvogel, seine Naturgeschichte, Pflege u. Zucht. 4. Auflage. Magdeburg. Creutz’sche Buch- u. Musikalienhandlung 1883. Humboldt, Monatschrift für die gesamten Naturwissenschaften. Herausgegeb. von Prof. Dr. Krebs. 2. Jahrg. 11. Heft. Stuttgart. F erd. Enke. 1883. Prof. Dr. II. Ludwig. Leunis Synopsis der drei Naturreiche. I. Teil. Zoologie. 3. Auflage, l. Band, 2. Abteilg. (Schluß). Hannover, II ahn’ sehe Hofbuchhandlung 1883. 8 Mk. Prof. Dr. W. Blasius: 1) Über, den Orenburger Ziesel, Spennophilm rufescens. 2) Über die letzten Vorkommnisse des Riesenalks, Alca impennis. 3) Über eine kleine Sammlung von Vögeln aus Java. 4) Über Fälschungen von Vogelbälgen aus Ecuador. 5) Über groß- Libellenzüge im Sommer 1881. Separ.-Abdr aus 111. Jahresbericht d. Ver. f. Naturwissenschaft zu Braunschweig. Nachdruck verboten. Druck von Mahlau & Waldschmidt. Frankfurt a. M. 3er Zoologische Garten. Zeitschrift für Beobachtung, Pflege und Zucht der Tiere. Herausgegeben von der „Neuen Zoologischen Gesellschaft“ in Frankfurt a. M. Redigiert von Professor Dr. F. C. Noll. Verlag von Mahlau & Wal d s ch r\i d t in Frankfurt a. M. No. 2. XXV. Jahrgang. Februar 1884. Inhalt. Das Nilpferd des Zoologischen Gartens in Hamburg; von dem Inspektor W. L. Sigel Mit 2 Abbildungen. — Der spanische Sandschlüpfer ( Psammodromus hispanicus Fitz.) und seine Fortpflanzung in der Gefangenschaft; von Joh. von Fischer. — Ein Besuch des zoologischen Gartens zu Cöln; von L. Wunderlich. Unsere Frösche und Kröten sind Nachttiere; von II. F isc her-Sig wart in Zofingen. — Aus dem Berliner Aquarium; von Gustav Schubert. Mit einer Abbildung. — Korrespondenzen. — Miscellen. — Litteratur. Eingegangene Beiträge. - Bücher und Zeitschriften. — Das Nilpferd des Zoologischen Gartens in Hamburg. Von dem Inspektor W. L. Sigel. Mit 2 Abbildungen. Im Anschlüsse an meine früheren das Nilpferd behandelnden Aufsätze (siehe Jahrgang XXIII, S. 129 u. 289, — Jahrgang XXIV, S. 10) fahre ich fort, auch diejenigen Beobachtungen hier uieder- zulegen, zu denen dasselbe im Laufe dieses Jahres Veranlassung gab. Die mit dem Wachstu me des Tieres gefundenen Veränderungen genügen allein schon, das Interesse für dasselbe in ungeschwächter Höhe zu erhalten. Wenn wir den Bachit vom 20. August 1883, in einem Alter von etwa 21/2 Jahren stehend, mit dem vom 20. August 1881, dem Tage seiner Ankunft, vergleichen, so muß man über die in einem so kurzen Zeiträume erfolgte Zunahme seiner Körpermaße, deren Ausdehnung in die Länge geradezu unverhältnismäßig genannt werden könnten, staunen. Zoolog. Gart. Jabrg. XXV. 1884. 3 Die Dachstehende Tabelle, in der ich die Messungen von dem genannten Datum in 1881, 1882 und 1883 aufführe, wird dem oben Gesagten zur Erklärung dienen. 20. August 20. August 20. August 1883, circa 1882, circa 1881, circa 21/2 Jahr alt. i»/a Jahr alt. J/2 Jahr alt. Länge des Kopfes, von der Schnauzen- spitze bis zwischen die Ohren .... 49 cm. 42 cm. Breite des Kopfes zwischen der Basis beider Ohren . . 27 » 24 » Breite des Kopfes zwischen den beiden höchsten Punkten der Augenbogen . . 21 18 » Länge des Körpers von der Schnau- Abstand der Mitte beider Nasenlöcher 12 » 9 » zenspitze bis zur Länge des Nackens zwischen den Ohren bis zum Rumpf . 49 » 41 » Schwanz- 1 Ä 1 Z ® » V)ie größte Breite der Schnauze (bei wurzel in §j0 den Eckzähnen) . 30 » 27 » der gewöhn- u a > © 5° Länge des Rückens, vom Nacken- liehen Hai- ^ F o ^ T3 Sh ^ <£> u O -pH rande bis zur Schwanzwurzel . 1,42 1,15 tung des •2 S'5 co Die Höhe des Rückens vom Fuß- Tieres ge- e« J2« •s o .-s boden bis zum Widderrist . . 94 » 83 » messen 1,36 cm. Ä L, r- o®dS Die Höhe des Rückens vom Fuß- ■ öuq o r8 ß cn w— 1 _ , boden bis zur höchsten Stelle . 1,03 » 91 » 66 cm. ^ ö .5 o ® Die Höhe des Rückens vom Fuß- .SSü Q «2 35 ^ boden bis zur Schwanzwurzel . 87 » 78 >:• Länge des Schwanzes . Entfernung der gesenktesten Stelle des 32 » 29 » Bauches vom Fußboden . 22 » 15 » > Weiteste Ausdehnung des Unterkiefers in der Breite . 38 » 35 a/2 » Länge der Nasenöffnungen . 5 */2 — Länge der Ohren . 10 » — Ein solches Wachstum mußte sich natürlich auch in den Nahrungsansprüchen geltend machen. Konnte noch nach den vom Oktober des Vorjahres gestellten Angaben Bachit’s täglicher Nahrungsunterhalt mit reichlich M. 1 bestritten werden, so läßt es sich am Ende dieses Jahres, wo sich die täglichen Rationen auf circa 18 bis 20 Pfund gekochten Reis, 4 — 5 Pfund Weizenkleie, 9— 10 Pfund gelbe Wurzeln oder Steckrüben und 15 — 20 Pfund Heu feinster Qualität belaufen, nach hiesigen Verhältnissen nicht mehr unter M. 1 50 Pf. beschaffen. Wurzeln oder Rüben, welche man anfäng¬ lich mit dem Mengfutter vermischt verabreichte, werden, seitdem die Gewichtserhöhung des letzteren thunlich wurde, dem Tiere als Mittagsmahlzeit separat gegeben. Bachit’s Vordergebiß hat durch das Fortschreiten des Wechsels einige Veränderungen erfahren. Wie wir gesehen, waren bis zum 20. August vorigen Jahres die Milchzähne des Oberkiefers noch in ihrer weiteren Entfaltung be¬ griffen, während sich in den beiden Eck- und den beiden mittleren Schneide-Zähnen des Unterkiefers, bereits der Wechsel vollzogen hatte. Vordergebiß des Oberkiefers. Vordergebiß des Unterkiefers. Die die Zähne umgebende Linie stellt den ungefähren Umriß der Kiefergerüste dar. Am 20. August dieses Jahres, nachdem erst im Anfänge des gedachten Monats die fernere Umwandelung begonnen, gestaltete sich das Vordergebiß, dessen beigegebene Skizze die nachstehende Beschreibung verständlich machen wird, wie folgt: Im Oberkiefer haben die 4 Schneidezähne gewechselt. Von 2, welcher am 18. August ausfiel, 3 und 5 kommen eben die gerundeten Spitzen des Nachwuchses zum Vorschein ; 4 dagegen, der vermutlich ganz im Anfänge des August gewechselt war, war jenen au Größe schon ziemlich überlegen. Im Unterkiefer sind 8 und 11 verschwunden — ersterer in den Tagen vom 5. — 11. August, letzterer im Laufe der darauffolgenden Woche -, doch gab sich in deren Unterlassenen schwachen Ver¬ tiefungen der Nachwuchs noch nicht zu erkennen. Dieser kam erst gegen Ende des Jahres zum Vorschein. Es zeigte sich der Ersatz für 8 in der Mitte des November, der für 11 am Anfänge des Dezember. Somit harren also in dem Vordergebiß des Wechsels nur noch die beiden oberen Eckzähne, welche bei einer etwas nach auswärts gehenden Stellung jetzt etwa eine Länge von 2 x/a cm erreicht haben. Bezüglich seiner Stärke steht das Milchgebiß des Oberkiefers hinter dem des LTiterkiefers wesentlich zurück. In wie weit dieses der Fall bei unserem Tiere ist, läßt sich aus der beistehenden Abbildung erkennen, welche zwei Milch-Schneidezähne, je einen aus Milchzahn 2 aus dem Oberkiefer, ausgefallen am 18. August 1883. dem oberen und unteren Gebiß in natürlicher Größe darstellt, deren Originale mir gleich nach Ö O dem Ausfallen derselben von dem Wärter eingehändigt wurden. Milchzahn 11 aus dem Unterkiefer, ausgefallen in der Woche vom 12—18. August 1883. Natürl. Gröf3e. Was die fernere Entwick¬ lung der in dem vorigen Jahre gewechselten Zähne an betrifft, so ragen die Eckzähne des Unterkiefers als etwa 9 cm lauge, ein wenig in das Maul hineingebogene, schmutzig gelbliche Haken aus dem Zahn¬ fleische, an dem sie eine Dicke von etwa 3 cm haben, hervor. Die beiden mittleren, in ihren Spitzen abgeschliffenen Schneidezähne, von hellerer Färbung als die erstgenannten, sind zu etwa 2 cm langen und 1 ^2 cm dicken cylindrischen , fast nach vorwärts geneigten Stummeln herangewachsen. Von der Rillung, wie wir solche an den Zähnen älterer Nilpferde wahrnehmen, zeigt sich nirgends eine Spur. An den kegelförmigen Liickenzähuen und den Backenzähnen, die bis auf den ersten, ebenfalls noch kegelförmigen, mit mindestens 2 Paar Spitzen gezackt sind , haben wesentliche Veränderungen nicht stattgefunden. Da es endlich gelungen, die Anzahl der Backen¬ zähne mit Sicherheit zu ermitteln, so ist es mir auch möglich ge¬ worden, die vollständigen Zahnformeln, die ich hier mit Rücksicht auf den Wechsel in einer den Altersstufen des Tieres entsprechenden Übersicht zusammengestellt habe, zu liefern. Bachit’s Gebiß ergab demnach am: März 1., 1882, 4 Vdz. M 1 Eckz. M 2 Lckz. M 3 Bckz. M circa 1 J. alt 4 » Ml » W 2 » M 3 » M August 20., 1882, circa l1/2 J- alt August 20., 1883, circa 21/2 J. alt Die beiden mittleren oberen Vorderzäkue und die oberen Eckzäbne sind eben zum Durchbruch ge¬ kommen. — Hinter den gewechselten Eckzähnen be¬ merkt man noch die lose sitzeuden Milchzähne. 4 Vdz. M 1 Eckz. M 2 Lckz. M 3 Bckz. M 2 M u. 2 W 1 » W 2 » M 3 » M Der Anfang Juni stattgehabte Wechsel der beiden unteren Schneidezähne betrifft die mittleren. Die unteren Eckzähne verloren im April die ihnen bisher verbliebenen Milchzähne. 4 Vdz. W 1 Eckz. M 2 Lckz. M 3 Bckz. M 2 W 1 » W 2 » M 3 » M Der Wechsel, der 4 oberen Vorderzähne vollzieht sich im Laufe desselben Monats. — Die beiden neben den Eckzähnen befindlichen unteren Vorderzähne sind zwar im Laufe dieses Monats ausgefallen, doch ist ein Ersatz nicht bemerkbar. Dezember 9., 1883, 4 Vdz. W 1 Eckz. M 2 Lckz. M 3 Bckz. M circa 2 3/r J. alt 4 » W 1 » W 2 » M 3 » M Die beiden unteren, neben den Eckzähnen be¬ findlichen Schneidezähne sind Mitte November, resp. Anfang Dezember zum Vorschein gekommen.*) I Bezüglich der höchst eigentümlichen Schweißabsonderung des Nilpferdes haben sich unsere Kenntnisse insofern erweitert, als durch die an dem hiesigen chemischen Staats-Laboratorium vorgenommeue Analyse des Secretes nachgewiesen wurde, daß die blutig erscheinende Färbung desselben nicht durch Blut oder Hämatin verursacht ist. Der sowohl vor dem Betreten des Bades, wie auch kurz nach Verlassen desselben erhaltene und zur Untersuchung gesandte Schweiß wurde dem Nacken und Hinterkopfe des Tieres entnommen und, nachdem er, separat gehalten, in Röhrengläschen gelassen war, mit einigen Tropf- Seewassers untermischt. In der etwas größeren Masse zeigte ersterer in dem Glase eine sehr dunkele, dem Portweinsatze ähnliche, letzterer eine trübe hellbräunlich-rote Färbung. In der Voraussetzung, daß das Ergebnis obiger Untersuchung auch anderweitig Interesse erregen dürfte, erlaube ich mir das End¬ resultat des sehr ausführlichen Berichtes wörtlich wiederzugeben. »Der rote Schweiß enthält in beiden Formen: Fette (in Äther löslich, in Alkohol unlöslich) Albumiuate, kein Mucin. Tyrosin, kein Blut. Roten, in Wasser löslichen Farbstoff ohne erkennbare spectroskopische Charaktere, Eisen, Kali und andere unorganische Massen, deren Herkunft aus dem See¬ wasser, mit welchem die Substanz versetzt war, wahr¬ scheinlich ist. Sonach liegt in der That kein »Blutschweiß«, sondern einer jener mehrfach beobachteten Fälle von Chrombydrose vor, in denen gerade auch rote Pigmente wahrgenommen *) Erklärung' der Abkürzungen: Vdz. = Vorderzähne; Eckz. = Eckzähne; Lckz. = Lückenzälme; Bckz. = Backen¬ zähne; M. — Milchgebiß; W. = überstandener Wechsel. 38 wurden , die aber , soweit ich mich aus der Litteratur informieren konnte, gleichfalls nicht näher erkannt zu werden vermochten. gez. Dr. F. Wibel, Direktor.« Bei der mikroskopischen Betrachtung des Schweißes ließen sich zahlreiche Vibrionen, Schleimzellen, bräunliche Epithelfragmente und Luftblasen erkennen. Zur Vervollständigung meiner Mitteilungen rücksichtlich der Be¬ wegung unseres Tieres habe ich mich noch mit einigen W orten über das Niederlegen und das Sich wiederaufrichten desselben auszusprecheu. Bachit' bewerkstelligt das erstere, indem er unter einem leichten Rückwärtsschieben des Oberkörpers, wodurch den Beinen die Richtung nach vorwärts gegeben wird, sich in der Regel gleichmäßig auf allen Vieren uiederläßt. Im Liegen, wobei Bachit sich nicht selten teilweise oder gar völlig auf die Seite legt, sind auch recht oft, in letzterer Haltung natürlich immer, Kopf und Hals noch auf dem Boden ausgestreckt. Das Aufstehen geschieht, dem Niederlegeu in umgekehrter Weise entsprechend, ebenfalls mit allen Viereu zugleich. Vielfach erblicken wir Bachit und zwar, sowohl nachdem er längere Zeit gelegen wie auch gestanden, in der den Nilpferden eigenen sitzeuden Stellung, der er sich dadurch hiugiebt, daß er auf dem Hinterleibe ruht, während die Vorderbeine gerade nieder¬ gestellt sind. Hamburg, den 9. Dezember 1 883. Der spanische Sandschliipfer ( Pscimmodromus hi Spaniens. Fitz.) und seine Fortpflanzung in der Gefangenschaft. Von Joh. von Fischer. Der spanische Saudschlüpfer bewohnt die pyrenäische Halbinsel sowie das mediterrane Litoral des südlichen Frankreich. Er hält sich in den mit spärlicher Vegetation bedeckten Dünen, die sich längs des Mittelmeerstrandes hiuziehen. Zwischen den Dünen und dem Meere selbst findet man ihn nie oder höchst selten und dann sind es nur versprengte Individuen; jedoch dort, wo sich die 39 holperigen, spärlich mit dürren und stacheligen Pflanzen bewachsenen Dünen hinziehen, findet er sich zu Tausenden vor. Man kann oft kaum den Fuß setzen, ohne eine Anzahl dieser hübschen Saurier aufzuscheuchen. Sie stieben nach allen Richtungen hin, sich bald zwischen Grasbüscheln verbergend oder sich unter dem Schutze der zahlreichen Dorngestrüppe duckend, die Gefahr abzuwarten, um ihren pfeilschnellen Lauf zu verfolgen. Gewöhnlich ducken sie sich unter Dünenpflanzen und erwarten das Vorübergehen der Gefahr. Oft jedoch vergraben sie sich zolltief in den lockeren, trockenen Sand, und man kann dann von den dürren Pflanzen Büschel für Büschel ausreißen, ohne irgend eine Aussicht zu haben auch nur ein Tier zu erbeuten. Auf freiem Felde d. h. auf einer Stelle, wo sich keine Gras¬ büschel befinden, hat man noch die meisten Aussichten ihrer habhaft zu werden, aber da heißt es schnell bei der Hand zu sein, denn hat der Sandschlüpfer einmal eine, wenn auch nur quadratfußgroße Grasinsel erreicht, so ist jedes Mühen vergeblich. Er verbirgt sich zunächst zwischen den Grashalmen oder Stengeln und danu unter dem lockeren Sande des Seestrandes. Kein Stoßen mit dem Fuß, kein Stöbern mit dem Stocke oder selbst das Ausreißen der hindernden Gräser vermögen ihn aus dem ihm sicheren Schutz bietenden See¬ sande hervorzuscheuchen. Man kanu ihn nur dann mit einiger Sicherheit fangen, wenn man ihn, nachdem er sich unter den Busch einer Stachelpflanze oder drgl. geflüchtet und der nicht zu groß sein darf, sofort wieder hervorscheucht. Dann eilt er in heftigem Lauf der nächsten Gras¬ insel zu, an denen die Dünen des Mittelmeerstrandes so unendlich reich sind , um in dieser vielleicht auf Nimmerwiedersehen zu ver¬ schwinden. Trotzdem, daß der Sandschlüpfer in seinem Vaterlande zu Tau¬ senden vorkommt, ist es keineswegs leicht, seiner habhaft zu werden, wenn man seine Gewohnheiten und seine Schliche nicht ganz genau kennt. Um ihn in einer gewissen Anzahl fangen zu können, gehören zwei Personen, deren Hauptaufgabe ist, nebeneinander lautlos zu gehen. Sie müssen beide gute Augen haben, denn die zahlreichen, in den Dünen lebenden Heuschrecken und Gottesanbeterinnen (Mantis religiosa) trügen nur zu oft und wiederum verschwinden die kleinen sandfarbenen Eidechsen den Blicken des ungeübten Fängers. 40 Ich habe die Sandschlüpfer zu vielen Hunderten selbst gefangen, gestehe. aber, daß ich es nicht erreicht haben würde, wenn ich nicht von einer zweiten, ganz nach meinen Angaben handelnden Person kräftigst unterstützt gewesen wäre. Das Dahinschießen ist so rasch, die Wendungen des kleinen Tiers sind so geschickt und die ihm Deckung bietenden Grasbüschel und -iuseln so zahlreich, daß, wenn man noch die dem Boden ange¬ paßte Körperfärbung in Betracht zieht, der Fang nicht nur ein sehr schwieriger sondern ein mehr als problematischer wird. Wer diese niedlichen Saurier selbst fangen will, dem dienen folgende Vorschriften : Zwei oder drei Personen, die zu schweigen und zu sehen ver¬ stehen, gehen nebeneinander in einer Entfernung von etwa 1 — \1k Schritt, in möglichst langsamem Tempo, aber mit recht offenen Augen, da man bei Nichtbeachtung der ersten Bedingung die Tiere vor dem Gewabrwerden leicht verscheucht, bei der zweiten leicht übersieht. Hat einer von den Fängern einen Psammodromus erblickt und ihn nicht sofort erwischt, so muss der betreffende Grasbusch, in den er sich geflüchtet hat, sofort umstellt und mit der Spitze des Fußes sowie eines soliden Stockes durchstöbert werden. Ge¬ wöhnlich schießt der Sandschlüpfer, seine Richtung mannigfaltig ändernd, in den möglichst großen und nächsten Dornbusch hinein, wo er für wenige Augenblicke eine abwartende Stellung eiunimmt. Oft ist er in diesem letzteren Falle gerettet, für den Fänger in den meisten Fällen verloren. Mau muß ihn gerade auf dem Wege zwischen zwei Grasbüschen oder -insein fangen, ehe er in denselben verschwindet. Weil das Bücken des Oberkörpers wegen der großen Schnellig¬ keit, der Gewandtheit und der Kleinheit des Tieres zu viel Zeit in Anspruch nimmt, so muß man sich (und ich habe es stets ange¬ wandt) der Länge lang auf den Boden hinstürzen und das Tier mit einer oder mit beiden Händen zu erwischen suchen. Dabei geschieht es oft, daß sich der Sandschlüpfer sofort in den trockenen, folglich äußerst lockeren Seesand vergräbt oder durch die fangende Hand in denselben gedrückt wird , infolge dessen er oft entschlüpfen kann. Dazu kommt noch die Gewohnheit des Saud¬ schlüpfers ins Spiel, sich tot zu stellen, und mancher Psammodromus ist mir, dank dieser List, entschlüpft. Wartet man bei seinem Einschlüpfen in einen Grasbüschel zu lange, so verliert mau ihn oft, weil er Zeit gewinnt, sich in den 41 Meeressaud einzuwühlen, wo er dann in wagerechter Richtung oft einen Meter und mehr weiter schlüpft. Weil der Sand gleich hinter ihm zulallt i nd keine Röhren- öffnung hinterläßt, ist er dem Fänger unauffindbar verloren. Ich habe oft ganze Grasinseln zerstört, die Büschel mit den Wurzeln herausgerissen, den Sand mit dem Spaten umgegraben und doch keinen Saudschlüpfer gefunden, bis ich sein spitzes Köpfchen mit seinen lebhaft blickenden Augen in einer Entfernung von 1 — 2 Metern aus dem Sande hervorlugen sah. Um die Sandschlüpfer zu jagen, muß es gänzlich wolkenlos und warm seiu. Zu jeder andern Zeit sind sie außerhalb des Sandes nicht zu sehen. Sie verbringen dann den Tag (und selbstverständlich auch die Nacht) in demselben zu, und weil kein Einfuhrloch be¬ merkbar ist, glaubt mancher, daß es in der abgesuchten Lokalität keine gäbe. Der Sandschlüpfer lebt, wie ich bereits erwähnt habe, nur in absolut trockenen Orten. Ueberall, wo die See den Sand befeuchtet, ist er nicht zu finden. Daher findet man ihn ausschließlich hinter den Dünen, hier aber auch zu unzähligen Tausenden. Die Nahrung des Sandschlüpfers im Freien besteht aus kleinen Koleopteren, (namentlich Cicindelen) und einigen Alten am Meeres¬ strande häufiger Dipteren, sowie deren Larven. Ich sagte oben, daß der Sandschlüpfer am Seestrande vorkommt, also vornehmlich ein ausgesprochenes Küstentier sein muß. Man würde aber gewaltig irren, wenn man annehmen wollte, daß nur der Meeresstrand diesen schmucken Saurier produciere. Er findet sich auch in großer Entfernung von demselben vor, auf Bergen z. B., deren Grundboden sandig und trocken ist. Abrr hier findet er sich nur vereinzelt vor. Auch trägt er hier ein ganz abweichendes Kleid. Das Grau (die Grundfarbe) des Seesaudes weicht bei solchen Stücken dem Lehmgelb des gleichfarbenen Bergbodens, und es unterscheiden sich die auf Bergen, etwa 18 — 20 Kilometer vom Meere gefangenen Individuen durch besagte (lehmfarbene) Färbung und verwischte Zeich¬ nung von den unweit der Küste gefangenen auf den ersten Blick. Mit dem Beginn der Periode der Nachtfröste zieht sich der Sandschlüpfer unter den ihn jederzeit schützenden Seesand zurück und hält meist am Fuße eines Büschels irgend einer Dünenpflanze seinen Winterschlaf, der mit dem Beginn des warmen Frühlings¬ wetters endigt. Man soll ihn in diesem Zustande ausgraben können, wenn man den Sand etwa handlief am Fuße einer größeren Gras- insei nmgräbt, wo er dann mit dem Spaten im lethargischen Zustande zu Tage gefördert wird. Alle meine Versuche nach dieser Richtung hatten negative Resultate erzielt. Vielleicht, weil ich die Lokalität die er zu seinem Winterschlaf wählt, nicht zu finden wußte. Die Sandschlüpfer sind zarte Tiere, die bei unzweckmäßiger Verpackung unterwegs leicht zu Grunde gehen. Am zweckmäßigsten ist es, die Tiere gleich nach dem Fauge in steife .Leinwandsäcke zu bringen, in denen man sie bequem stunden¬ weit transportieren und auch in eine Kiste mit Moos oder Heu ver¬ packt samt dem Sack verseuden kann. Der Behälter, in dem sie gefangen gehalten werden, muß ein temperirtes oder warmes, absolut trockenes Terrarium sein*), dessen Bodenfüllung aus einer starken Lage absolut trockenen Seesandes bestehen muß. In Ermangelung des letzteren kann man auch recht fein durchgesiebten Flußsand verwenden. Die Hauptbedingung ist, daß dieser ausgesprochen trocken und locker sei, also hinter dem sich vergrabenden Sandschlüpfer sofort zu- und beim Verlassen des¬ selben leicht abfalle und nicht au dessen Körper kleben bleibe. Eine zweite Kardinalbedingung ist ein möglichst heller Stand, also au einem Fenster, durch welches die Sonnenstrahlen ungehindert einfallen können, denn der Sonnenschein ist dem Sandschlüpfer ein nothwendiges Attribut, ohne das er nur kümmerlich gedeiht, wenn¬ gleich er ausnahmsweise auch in nur hellstehenden, der Sonne ent¬ behrenden Terrarien, welche gut erwärmt werden, leben kann. Außer diesen beiden Lebensbedingungen ist noch das Bedürfnis nach möglichst frischer Luft hervorzuheben. Gewohnt, die erquickende Seebrise oder die reine Bergluft zu genießen , geht er in schlecht ventilierten Terrarien bald ein , er sucht hier auch stets die Stellen auf, wo die Luft einströmt. Aus diesem Grunde wird man wohl thun, an einer der Seiten¬ wände des Behälters ein Drahtgazefenster anzubriugen. Um den Gefangenen Gelegenheit zu bieten, sich vor den allzu sengenden Sonnenstrahlen zu schützen, lege man einige mit ihrer Konvexität nach oben gekehrte größere Muschelschalen hinein, unter die sie sich mit Vorliebe zurückziehen. In Ermangelung letzterer können auch hohle Dachziegel, die man lose auf den Sand legt, denselben Zweck erreichen. *) Ueber die verschiedenen Terrarienarten und deren innere Einrichtung siehe mein Specialwerk über Terrarien: Das Terrarium, seine Bepflan¬ zung und Bevölkerung. Frankfurt a. M. Mahlau und Waldschmidt. 43 Zuletzt muß ich bemerken, daß ein flaches, bequem zu erreichen¬ des Wassergefäß nicht fehlen darf, denn die Sandschlüpfer trinken zwar wenig aber desto regelmäßiger und öfter. Jedoch darf dieses nicht zu tief seiü, denn die Tiere ertrinken in tiefen oder zu steilen Becken leicht, indem sie sich in dieselben legen und dann erstarren. Es scheint, daß diese Art im Freien nur eine geringe Lebens¬ dauer hat, denn merkwürdigerweise trifft man im Frühjahr nie ganz große oder ganz kleine Exemplare, sondern nur mittelgroße an. Im Herbst dagegen sehr große neben ganz kleinen, etwa 1 — 2 Monat alte. Aus dieser Erscheinung schließe ich, daß die Sandschlüpfer nur ein Jahr oder wenig länger leben, daß die alten, erwachsenen Tiere zum Winter eingehen und nur die im Sommer ausgeschliipfteu Tiere überwintern, das kommende Frühjahr erleben, die Mittelgröße er¬ reichen und dank der in dieser Jahreszeit reichlichen Nahrung rasch wachsen, geschlechtsreif werden, die Eier ablegeu,.um zum Winter abzusterben. Die angeführten Daten lassen wenigstens diesen Schluß ziehen. ln der Färbung variiert der Sandschlüpfer nicht unbedeutend, teils nach Alter und Geschlecht, teils nach der Bodenfärbung, die ihn umgiebt (siehe oben). Einige Stücke besitzen ausgeprägte, gelb¬ weiße Längsstreifen und wenn nicht die Gestalt des Kopfes mit seinen hochstehenden Augen und Orbitalkonvexitäteu das sicherste Merkmai der Stachelfinger (Acanthodactylus vulgaris) wären, würden sie auf den ersten Blick von jungen Tieren letzterer Art kaum zu unterscheiden sein. Geschlechtsreife Männchen besitzen auf den Flanken eine Reihe matthimmelblauer runder Tupfeu, bekanntlich eine Neigung vieler Lacertiden , diese geschlechtliche Zierde anzunehmen, welche bei Lacerta ocellata zur vollsten Entwickelung gelangt. Die Häutung geschieht nach Art der meisten Eidechsen stück¬ weise; dabei suchen die Tiere durch Reiben des Kopfes an dürre Gräser, Steine, Muscheln etc. die abgestorbene Kopfhaut zu sprengen, worauf sie oft mit einem Hinterfuße nach Hundeart die lose anhaften¬ den Hautpartikel einzeln abstreifen. Man findet hie und da Exemplare mit gegabeltem Schwanz, dessen Entstehung ich hier bereits früher*) und an andern Orten**) erklärt habe, vor. *) B. XXI. S. 16 ff. **) v. Fischer. Das Terrarium etc. S. 256. 44 Abgebrochene Schwänze ersetzen sich bei guter Pflege (Wärme, Licht und absoluter Trockenheit) und reichlicher Nahrung in äußerst kurzer Zeit. Im Juni findet mau in den Dünenhügeln, etwa 40 cm in vertikaler Richtung von der Oberfläche, auf dem südlichen Abhange derselben, etwa 15 — 20 cm in horizontaler Richtung von der Ebene des Abhanges entfernt, die rein weißen, pergamentschaligen, zwischen den Fingern federnden Eier der Sandschlüpfer zu Haufen von 4, 5 und 6 (Gelege je eines Weibchens) vereinigt. Manche kleben schwach aneinander, die meisten jedoch liegen frei von einander. Die Längen- und Breitemaße derselben variieren nach deren Alter, denn wie wir später sehen werden, wachsen die Eier nach ihrer Ablage nicht' unbedeutend. Die angeführten Tiefmaße der Stelle, wo die Eier abgesetzt werden, sind für die Zeitigung derselben von großem Belang. Denn würden die Tiere sie minder tief ablegen, so würden sie verdorren. Man findet daher stets die Eier in einer Tiefe, wo 'der Sand sich zwischen den Fingern feucht anfühlt, noch aber leicht von der Haut abfällt. Die Mittagslage der Eier ist denselben unerläßlich, um die zur Entwickelung des Fötus nothwendige dunstende Wärme zu er- o O zeugen. Ende Juli oder Anfang August schlüpfen die jungen Tiere aus und werden zu Myriaden zwischen den Dünen angetroffen. Ihre Nahrung besteht in den ersten Tagen aus kleinen, winzigen Dipteren und ihren Larven, von denen der Strand wimmelt. (Schluß folgt.) Ein Besuch des zoologischen Gartens zu Cöln. Von L. Wunderlich. Wenn ich es, nachdem ich bisher über den Berliner Garten be¬ richtet habe, heute wage, auch über das Cölner Institut eine Skizze zu liefern, so thue ich es nicht ohne genaue Kenntnis desselben. Seit 1870 habe ich den Garten von meiner nahe bei Cöln gelegenen Heimat oftmals besucht und auch im Jahre 1880 ein halbes Jahr als Volontär darin gearbeitet. Im August vorigen Jahres verweilte ich wiederum mehrere Tage in demselben, und da in dieser Zeitschrift längere Zeit hindurch keine ausführlicheren Berichte über ihn ge- 45 geben sind, so mag es mir vergönnt sein, den jetzt 23 Jahre alten Garten wieder einmal näher zu betrachten. Die erste Anregung zur Gründung eines zoologischen Gartens in Cöln ging von Herrn Ernst Müller aus und zwar durch einen Artikel in Nr. 114 der Cölner Ztg. vom 24. April 1856. Herr Dr. Garthe nahm sich der Idee eifrig an und ihm , in Verbindung mit anderen Männern, ist es wohl zu danken, daß sie verwirklicht wurde. Die Notiz an der Sonnenuhr im Cölner Garten, wonach der Artikel von Dr. Garthe in Nr. 223 der Cölner Ztg. vom 13. August 1857 die erste öffentliche Anregung ist, bedarf demnach einer Berichtigung. Durch Ausgabe von Aktien wurde das nötige Kapital aufgebracht und der als Geflügelzüchter rühmlichst bekannte Herr Dr. Bodinus als Direktor berufen. 1860 begann man den Garten anzulegen und noch in demselben Jahre wurde er eröffnet. Der oben erwähnte Herr Müller wurde an demselben als Inspektor augestellt. Ich will die unerquicklichen Verhältnisse übergehen, welche seine Entlassung nötig machten. Er ging von Cöln, nachdem ihm mehrere Unter¬ nehmen mißglückt waren, nach Brüssel, konnte sich aber auch hier nicht halten und kam dann nach einer Reihe von Jahren hülfe- suchend nach Berlin, wo er von dem inzwischen nach hier versetzten Herrn Direktor Bodinus eine Anstellung als Wärter im Vogelhause erhielt. Er bekleidete dieselbe bis zu seinem am 2. Juni 1882 er¬ folgten Tode. Da ich aus sicherer Quelle weiß, daß er der eigent¬ liche Gründer des Cölner Gartens ist, sein Name somit eine Stelle in der Gerschichte desselben finden muß, so glaubte ich diese wenigen Zeilen über ihn hier einfügen zu müssen. Die ganze Anlage des Gartens ist das Werk des Herrn Dr. Bodinus, der in wenigen Jahren aus der baumlosen Heide einen prachtvollen Park zauberte und ihn mit einer so reichen Tierwelt bevölkerte, daß sein Nachfolger es als seine Hauptaufgabe betrachten mußte, diese auf der gewonnenen Höhe zu erhalten. Die eigent¬ liche Sorge des Herrn Direktor Funk richtete sich auf den Garten als Park und man kann wohl sagen, daß kein zweiter deutscher Garten dem Cölner an Pracht und Sauberkeit gleichkommt. Besonders die Pflege der Teppichbeete hat er stark kultiviert und dadurch dem Garten einen äußerst freundlichen und gewinnenden Anstrich ge¬ geben. Auch ist die Mehrzahl der Sträucher mit ihrem wissenschaft¬ lichen Namen bezeichnet und so eine Verbindung von zoologischem und botanischem Garten hier angestrebt. Der Garten liegt rheiuabwärts von Cöln und ist in einer guten 4G halben Stunde zu Fuß zu erreichen. Außerdem ist durch Dampf¬ schiffe und zwei Pferdebahnlinien für bequeme Verbindung gesorgt. Auch an das Telephonnetz ist er angeschlossen und wird die Be¬ nutzung dieser Einrichtung seitens des Publikums gern gestattet. Der Eingang liegt im südlichsten Winkel des Gartens zwischen zwei freundlichen Häuschen, deren Parterreräume links als Kasse, rechts als Bureau dienen. Der Oberstock beider ist zu einer Beamten - wohnung eingerichtet. An der Hand eines an der Kasse käuflichen Führers, der durch¬ schnittlich jedes Jahr neu aufgelegt wird, wollen wir den Garten durchwandern. Was zunächst den Führer selbst betrifft, so ist dieser nur eine Namenzusammenstellung der gewöhnlich vorhandenen Tiere. Eine Charakteristik der Tiere, nach der mau sie erkennen kann oder eine kurze Skizze ihres Lebens fehlt vollständig. Dies ist meiuer Ansicht nach nicht richtig, denn gerade durch die Führer der zoolo¬ gischen Gärten , welche ihrer Billigkeit wegen von reich und arm gern gekauft werden, kann Interesse für die Tierwelt erweckt werden. Aber dies geschieht keinenfalls durch die nakten Namen, während man einen Führer, der uns außerdem interessante Momente aus der Lebensgeschichte bringt, immer wieder liest und dadurch das einmal gewonnene luteresse wach erhält. Einen Vorzug besitzt der Cölner Führer, daß er außer dem lateinischen und deutschen Namen auch den englischen und französischen aufführt und dies ist gerade für den Cölner Garten, der mit den durchreisenden Ausländern rechnen muß, von Bedeutung. Zu loben ist ferner noch der Plan, auf welchem der einzuschlagende Weg derart deutlich angegeben ist. daß mau ohne Umwege und Zeitverlust sicher den ganzen Garten zu sehen bekommt. Wenden wir uns gleich nach dem Eintritt rechts, so treffen wir auf die zwischen dem jetzigen und dem alten Thor liegende Papa¬ geien -Voliere, deren drei Abteilungen den ganzen Raum vom Erd¬ boden bis zum Dache ausfülleu. Vorne sind sie durch ein Draht¬ gitter geschlossen, über welches im Winter Strohmatten gehängt werden zum Schutz der darin verbleibenden härteren Vögel. Außer¬ dem befinden sich au den beiden Kopfenden noch Abteilungen, welche nach außen durch Bretterwände dicht geschlossen sind und durch Glasthüren von dem übrigen inneren Raum getrennt werden könuen. In der Mitte der Voliere wohnen die Wellensittiche, die sich hier in jedem Jahr reichlich vermehren. Außerdem bemerkte ich eine Euphema pulchella unter ihnen. Rechts von ihnen wohnen durch 47 Gitter von einander getrennt Nymphicus Novae- Hollandiae, Platycercus eximius , Pl. scapulatus , PL Barrabandi , Gonurus jendaya , Tricho- glossus Novae- Hollandiae und ein Paar Rhamphastus dicolorus. Die Abteilungen sind so groß, daß die Vögel im Fluge nicht beschränkt sind. Ebenso bewohnen links von den Wellensittichen 2 Dacelo gigantea und 1 Paar Barita tibicen hinreichend große Räume. Vor diesem Hause liegt die sogenannte runde Voliere so, daß durch sie der Einblick durch das Thor in den Garten vollkommen verdeckt wird. Der Name drückt schon die Form des ganzen Hauses aus. Im Centrum befindet sich ein heizbares Holzgebäude, welches entsprechend den äußeren in eiuem Ringe darum liegenden Läufen in 6 Abteilungen zerfällt. Vorzüglich sind es ausländische Hühner und Tauben, welche hier Unterkommen finden, daneben auch einige seltenere Stelzvögel. Bei meinem letzten Dortsein beherbergte das Haus Exemplare von Rhynchotus rufescens , Crax globicera , C. Dauben- toni , C. Mitu, Phasiamis pictus, Goura Victoriae , Galoenas nicobarica , Phaps picata, P. lophotes, Vancllus cristatus , Oedicnemus crepitans , Porphyr io hyacinthinus , Machetes pugnax , Phs rubra , Cancroma cochlearia, ferner Gorvus fregilus und P/c« caadata. Links vom Eingänge und der runden Voliere liegt die Vogel¬ stellage, eine Sammlung gut bezeichneter, meist einheimischer Vögel, die gewiß ihres Gleichen sucht. Sie wurde von dem früheren Kassier des Gartens angelegt und dank der guten Pflege halten selbst weich¬ lichere Vögel hier Jahre lang aus. Nach Arten getrennt haben sie in einfachen Bauern Platz gefunden und geben dem Nichtkenner ein Mittel an die Hand, die einheimische Vogelwelt kennen zu lernen. Daneben finden sich hier auch solche Vögel, welche das Geschlecht in anderen Kontinenten vertreten. Im Winter werden die Bauer zum größten Teil in der gleich zu beschreibenden Vogelgalerie unter- «•ebracht. Die Aufzählung aller Arten würde zu weit führen, ich er- wähne deshalb als die wichtigsten nur folgende : Turdus musicus, T. merula , T. viscivorus , T. migratorius, T. carolinensis , T. cyaneus , Yunx torquilla , Gitta europaea , Sylvia sibilatrix , Lusciola luscinia , Upupa epops, Oriolus galbula (prachtvoll ausgefärbtes Männchen), Picus viridis, P. major , P. auratus , Stryx noctaa. Nur wenige Schritte von dieser Stellage entfernt liegt die Vogel¬ galerie. Dieselbe, ein langgestreckter Fach werk bau, gehört keines¬ wegs zu den Zierden des Gartens. Das Haus stammt aus der ältesten Zeit des Gartens und hat nacheinander als Restauration, Direktor¬ wohnung und Vogelgalerie gedient. Gewiß wäre es schon ver- 48 sch wunden , wenn nicht die Festung Cöln im Wege stände. Aber der Garten liegt im Festungsgebiet und muß sich den Gesetzen desselben fügen. Den Namen Vogel Valerie führt dies Haus mit unrecht, denn nur ein kleines heizbares Zimmerchen dient als solche, ln dem größeren Raum befinden sich die alten Inueukäfige des großen Raubtierhauses, welche während dessen Umbau samt den Tieren hierhin versetzt wurden. Als diese in das umgebaute Raub¬ tierhaus zurückgebracht wurden, ließ man die alten Käfige hier, um im Winter Platz für die während der warmen Jahreszeit im Freien untergebrachten Tiere zu haben. Beschränken wir uns also auf das kleine Zimmerchen, so müssen wir sagen, daß dieses trotz der zahl¬ reichen und seltenen Vögel, die wk hier finden, keineswegs den Er¬ wartungen entspricht, welche wir an einen zoologischen Garten stellen. Nach Art einer Menagerie stehen hier Papageien und Finken in ihren engen Käfigen in Reih und Glied da, während Flugkäfige gänzlich fehlen. Für eine gute Etikettierung, welche in Cöln aller¬ dings. nichts zu wünschen übrig läßt, ist diese Aufstellung zu sehr vorteilhaft. Aber um nur die Artunterschiede kenuen zu lernen, geuiigt es ja, wenn man in einem Museum ausgestopfte Tiere be¬ trachtet. In einem zoologischen Garten hingegen will mau die Tiere in einer solchen Lage sehen, welche der Freiheit möglichst gleich¬ kommt, welche sie womöglich zur Fortpflanzung geneigt macht. Wie gewöhnlich, so sind auch hier die großen Papageien auf Bügeln angekettet und zwar 2 Plictolophus molucccnsis, 1 P. Goffmi, 1 P. galeritus , 1 Sitlace hycicinthina , 1 S. cliloroptera , 1 S. ararauna, 1 S. Illigeri , 1 Chrysotis aestiva, 2 Oh. ochrocephala. Doch ist die Sitzstauge aus Holz, so daß die Vögel Arbeit für ihre Schnäbel haben. Bei gutem Wetter werden die Bügel vor dem Hause im Freien' aufgehängt. In der Galerie selbst verzeichnete ich folgende Papageien : Licmetis ncisicus, Plictolophus roseicapillus , P. Leadbeateri , Calyptorliynchus Banksi , Euphema venusta , Platycercus pulcherrimus , Trichoglossus Novae- Hollundiae, Pdlaeornis eupatrius , P . torquatus, P. fa.sciatus , Tanygnathus albirostris , Agapornis cana , Conurus nanday , Pyrrhura cruentata , Chrysotis aestiva , ferner zahlreiche exotische- Finken, Weber, Fasänchen, Amadinen u. s. w., Cyanocitta cyanopogon und die kalifornische Wachtel. Die nächsten drei Häuser, resp. Häusergruppen , dienen den Hühnern, Pfauen, Fasanen und Tauben. Zunächst kommen wir an ein langgestrecktes Rechteck, welches auf drei Seiten von 15 Bretter¬ häuschen und 16 Läufen geschlossen ist, während die vierte lauge 49 Seite von einer prachtvollen Wiesentläche mit schönen Beeten und Ziersträuchern eingenommen ist. Die genannten Häuschen sind zwei¬ stöckig. Das Erdgeschoß bewohnen die Hühner, welchen auch die Außenläufe dienen, der Oberstock beherbergt mehrere Taubenrassen, wie Eistaube, Pfauentaube, Indianer, Montauben, Mövchen und andere. Eine durch Drahtgitter geschlossene Galerie an der Vorderseite des Hauses dieut ihnen als kleiner Ausflug und nur die Bewohner des mittleren Hauses, geringere Sorten, erfreuen sich vollkommener Frei¬ heit. Vod Hühnern fand ich vor: Cochinchina, Bralimapootra, Gold-. Silber- und Viktoriabrabanter, schwarzes und blaues La Fleche, Creve- Coeur, Paduaner, belgische Kämpfer, Dorking, Malayen und diverse Bantamrassen, Im allgemeinen läßt sich von den Hühnern sagen, daß die verschiedenen Rassen nur in einzelnen Stämmen gehalten werden, um den Besucher mit ihnen bekannt zu machen, vielleicht auch nur, um die Häuser nicht veröden zu lassen. Die Eier werden verkauft, Junge gar nicht oder doch nur von sehr wenigen Rassen gezogen. Ob mit dieser Vernachlässigung, welche sich auch auf die Tauben erstreckt, das richtige getroffen ist, möchte ich bezweifeln. Die große Mehrzahl der Besucher hat mehr oder weniger Interesse an dem Hühuer- und Taubenvolk. Da fällt denn den zoologischen Gärten die Aufgabe zu, zu untersuchen, welche Rassen die wirt¬ schaftlich einträglichsten sind. Sie müssen dieselben dem Publikum vorführen, wenn sie ihre Aufgabe erfüllen wollen, und es ist ihnen so auch das Material zu weiteren Kreuzungsversuchen gegeben. Diese gewinnen auch noch ein wissenschaftliches Interesse, da durch das fort- gesetzte Experiment mit Hühnern und Tauben das Feld, aus welchem Darwin so reiche Früchte gezogen hat, weiter ausgebeutet werden kann. Auf der Wiese, welche vor den Hühnerhäusern liegt, treffen wir einen kleinen umzäunten Teich an, der zur Aufzucht junger Schmuck¬ enten dient und jenseits desselben das Pfauenhaus. Dasselbe ist ein einfaches Bretterhaus, welches in mehrere Abteilungen zerfällt. Vor demselben befinden sich 7 große Gehege, von denen die drei mittleren rings geschlossen sind. Gemeine und weiße Pfauen, Truthühner und Hühner der verschiedensten Rassen bevölkerten dieselben. Hinter diesem Hause liegen die Fasanenhäuser, 7 an der Zahl. Es sind kleine Holzhütten, welche mit 8 vollkommen geschlossenen Außen¬ läufen verbunden sind. Von Fasanen befand sich hier nur der Silber¬ fasan, außerdem Numida cristata , Ccithetunis Lathami , verschiedene Zwerghühner und das Seidenhuhn. (Fortsetzung folgt.) Zoolog. Gart. Jahrg. XXV. 1884. 4 50 Unsere Frösche und Kröten sind Nachttiere. Von H. Fischer-Sigwart in Zofingen. Im Anschluß an meine Mitteilung »Ehrenrettung des Gras¬ frosches« erkläre ich es auch für unrichtig, wenn die Frösche und Kröten als Tagtiere erklärt werden. Es beruht dies wieder auf einer Beobachtung, nämlich auf der, daß sie, namentlich in der Ge¬ fangenschaft, zu jeder Tageszeit bereit sind, Nahrung zu sich zu nehmen. Dies rührt aber zum Teil daher, daß sie dort selten genügend er¬ nährt werden ; denn es ist unglaublich, wieviel diese Tiere, voran der Grasfrosch, verschlingen können. Auch in der Freiheit kommt es aber vor, daß sie am Tage, vom Hunger getrieben, der Nahrung nachgehen, und daß z. B. eine Kröte vor einem Bienenstand an günstiger Stelle auf der Lauer sitzt. Sie hat begriffen, daß es ihr wenig Mühe kostet, die Bienen wegzuschuappen und daß ihr Magen auf diese Art bald gefüllt ist. Die Kröte darf aber deshalb nicht zu den schädlichen Tieren gerechnet werden in anbetracht dessen, daß sie ja leicht vom Bienenstand entfernt werden kann und daß sie dann wieder auf Schnecken und schädliches Gewürm Jagd machen wird. Nur die gute Gelegenheit, welche sich einzig am Tage bietet, hat sie veran¬ laßt, sich um diese Zeit vor dem Bienenstand auf die Lauer zu legen. Wenn man genauer beobachtet, so wird man bald einseken, daß der Tag nicht die Zeit der Frösche und Kröten ist. Sie sitzen stets an demselben Platze oder bewegen sich doch nicht weit vou diesem weg, höchstens etwa, wenn sie auf einige Distanz etwas sich bewegen sehen. Man kann sie auch leicht dazu bringen, daß sie, auf die flache Hand gesetzt, erschnappen, was man ihnen in der andern Hand vorhält; und bei einem Krötenweibchen, das bald sehr zahm und zutraulich wird, kann mau dann beobachten, wie weit und wie ungeheuer schnell es die Zunge hinausschnellt und sich einen vorgehaltenen Mehlwurm holt. Die Distanz geht bis auf 6 Centim., selbst darüber, und das Herausschnellen geschieht so schnell, daß der Zuschauer gewöhnlich nur den Mehlwurm verschwinden sieht, ohne sich recht erklären zu können, wohin er gekommen ist. — Aber die Vorbereitungen, die es braucht, bis eine Kröte oder ein Grasfrosch eine Beute am Tage packt, ihr schlechtes, blödes Auge, das sie dabei zeigen, so daß sie sogar öfters fehl schießen, so wie der Umstand, daß sie meist auf dem einmal erwählten Standorte bleiben, deuten schon darauf hin, daß sie Nachttiere sind. Wenn man nun gar in einer warmen Frühlings- oder »Sommer¬ nacht das Terrarium, worin sie sich aufhalten, betritt, da zeigt sich die Sache ganz anders. Da sind sie überall zerstreut, weit entfernt von den Plätzen, die sie am Tage innen hatten, auf der Lauer oder schwärmen umher. Aufmerksam späht die Kröte nach vorn, iu An- griffsstellung. Sie hat auf ziemliche Distanz einen Regenwurm ent¬ deckt, und bewegt sich nun, man möchte sagen, katzenartig schleichend darauf hin. Das ist nicht mehr das stupide Tier vom Tage. Und eine ganze Anzahl Grasfrösche hüpft in dem schmalen Wege herum, der sich quer durch das Terrarium zieht und wo sie am Tage nie zu sehen sind. Sogar die Laubfrösche, jedoch diese nur während der Brunft¬ zeit, schwärmen emsig umher zu nächtlichem Stelldichein. — Der grüne Wasserfrosch aber, der doch schon den ganzen Tag über im Froschteich spektakelt hat, gurgelt und quakst bei Nacht mit doppeltem Eifer und erhöhter Kraft. Grasfrösche und Kröten kann man zu jeder Zeit der Nacht so antreffen ; doch am Morgen mit Tagesanbruch begeben sie sich wieder in ihr Tagquartier zur Ruhe. Der Tag ist ihre Ruhezeit, und wenn sie dann auch fressen, so sind sie doch phlegmatischer und scheinen gauz andere Tiere als bei Nacht. Sogar noch im Spätherbst, wo die Temperatur doch schon kühl ist und wo die meisten Lurche am Tage verborgen bleiben, wo höchstens noch bei Sonnenschein aus dem Steinhaufen im größten Wasserbassin das wohlige Grunzen des Grasfrosches ertönt, welches er nur hören läßt kurz vor dem definitiven Beziehen des Winter¬ quartiers und dann wieder im Frühling kurz vor dem Verlassen desselben, treiben sie ihr nächtliches Wesen. In einem Zimmer neben dem Terrarium ist ein Ofen aufgestellt worden zur Heizung desselben, dessen Rohr durch das stets offene, nach dem Terrarium führende Fenster in dieses geht. Schon in der ersten Nacht waren zwei Grasfrösche und auch ein Wasserfrosch durch das offene Fenster in das Zimmer geraten, in der zweiten sogar acht und seither jede Nacht einige. Sie gingen der vom Ofen ausströmeuden Wärme entgegen, und das führte sie in das Zimmer. Am Tage aber geschah dies auch nicht ein einziges Mal. — Diese Beobachtungen, die sich nun seit Jahren immer gleich darbieten, beweisen doch gewiß zur Genüge: Frösche und Kröten sind Nachttiere ! 52 Aus (lern Berliner Aquarium. Von Gustav Schubert. Mit einer Abbildung. Nach dem vielfach angewendeten Citate »Habent suafata libelli« haben »Büch¬ lein« ihre Schicksale; ich behaupte kühn, daß außer den Menschen auch die zoologischen Nachbarn derselben, die Affen ihre »fata« haben. In meinem letzten Berichte schilderte ich die gefahrvolle Winterreise unseres Gorilla, wie er unter bangenden Herzen (seitens des Direktor Dr. Hermes und der zu diesem Ereignis geladenen Corona) dem Beisekasten entstieg, der leicht hätte können für ihn zum Sarg werden. Nun, der Affe hat alle an sein Leben geknüpften Hoffnungen Der Gorilla des llerliner Aquariums. und Erwartungen glänzend erfüllt, er hat sich auf das prächtigste entwickelt und ist in den Berliner tierfreundlichen Kreisen persona grata; sein Gewicht ist in den verflossenen 10 Monaten von 4 Kilo auf 7,45 Kilo gestiegen, das Gebiß hat sich uru 2 Eck- und 8 Backenzähne vermehrt. Von der Wildheit und Furchtbarkeit seiner Eltern ist bei dem jungen Tier noch keine Spur zu Tage getreten, es zeigt sich vielmehr gutmütig, freundlich, dankbar und kind¬ lich, spielt mit Trommel und Wagen wie ein Büblein und würde keinem Menschen etwas zu leide thun. Anders gestaltet sich jedoch das Verhältnis zu seinem Gefährten, dem Chimpansen, den ich Ihnen als zweiten Anthropomorphen - Vertreter in unserm Institut vorstelle. Wir haben die verschiedensten Versuche gemacht, diese beide Vierhänder*) zu befreunden, aber ein unbesiegbarer und un¬ erklärlicher Abscheu, der dem Nationalitätshasse gewisser »Menschenbrüder« nicht unähnlich ist, hat bisher jede Annäherung vereitelt. Mit großem Ge¬ schrei wendet sich der Gorilla von dem Chimpansen ab, die leiseste Berührung mit diesem versetzt ihn in hochgradige Aufregung. Das feindliche Verhältnis ist um so auffallender, als der Chimpanse ein überaus friedfertiger Gesell ist und mit dem Kumpan nur eine kleine Balgerei beginnen würde. Ein be¬ merkenswerter Zug tritt recht deutlich bei dem Chimpansen zu Tage. Seine größte Freude besteht in dem »Umgang mit Menschen«, er begrüßt jeden mit den lustigen Sprüngen und nimmt Liebkosungen gern entgegen. Wehe aber unserm Ohr, wenn der Besuch den Käfig verläßt, der Affe erhebt in diesem Augenblick ein jämmerliches, fast menschenähnliches Geschrei, wälzt sich vor Seelenschmerz auf der Erde und ist nicht eher beruhigt, als bis der menschliche Freund aus dem Gesichtskreis entschwunden ist. Der dritte Anthropomorphe ist ein halberwachsener Orang-Utan, der in affensocialer Beziehung zur »Mittelpartei« gerechnet werden muß. Er hält mit jedem Frieden und wird nur mißvergnügt, wenn man ihm sein höchstes Kleinod, eine wollene Decke, entreißen will. Der rothaarige Gesell hat ein fast bläuliches Gesicht und steht bei der Vergleichung mit dem Chimpansen in Betreff der Menschenähnlichkeit sehr zurück. Damit die Reihe dieser seltenen Affen vollständig werde, nenne ich als vierten im Bunde einen reizenden Gibbon, so daß das Berliner Aquarium augenblicklich im Besitz von vier Anthropomorphen ist, alle lebenslustig und frisch; es ist begreiflich, daß sich die deutsche und auslän¬ dische Gelehrtenwelt die seltene Gelegenheit nicht entgehen läßt, an dem Vierblatt Studien nach der Natur zu machen. Ein entschiedener Menschen¬ feind ist der zuletzt genannte Affe, schon die klappernden Schlüssel des in¬ spizierenden Direktors setzen ihn in Schrecken, er flieht in fabelhaften Sprüngen und hockt in den höchsten Regionen, von wo er ängstlich auf seine vermeint¬ lichen Peiniger herabsieht. Die ihm angeborene Fähigkeit aufrecht zu gehen, bethätigt er nur, wenn er sich unbeobachtet glaubt. — In unmittelbarer Nähe der seltenen Vierhändergruppe haust eine große Schar fliegender Hunde (Kalong, Pteropus edulis). Diese von den ostindischen Inseln stammenden Handflügler sind überaus dankbare Bewohner des Aquariums; bei rationeller Pflege halten sie lange aus und ergötzen das Publikum durch ihr munteres Treiben. Neu eingelieferte Kalongs machen sofort von ihrer Flughaut Gebrauch, stellen aber die Übungen bald ein, da ihnen der Raum nicht groß *) ich gebrauche das alte Wort, obgleich die hinteren Extremitäten zwar nach ihren Leistungen, nicht aber nach dem anatomischen Baue „Hände“ sind. 54 genug zu sein scheint. Sie beschränken sich schließlich auf die Anwendung der Krallen an den Hinterfüßen und des hakenförmigen scharfen Daumens, mit dessen Hülfe sie an glatten Flächen leicht emporklimmen. Während des Schlafens und Fressens hängen die fliegenden Hunde mit dem Kopfe nach unten, klugerweise wechseln sie jedoch bei Ausscheidungen diese Stellung mit der umgekehrten. Von sonstigen »höheren« Aquariumbewohnern sind zu nennen: ein wohl entwickeltes Biber paar und eine kleine Gesellschaft Lummen (Uria troile), auch Trottellumme und dumme Lumme genannt. Diese Tauchervögel entzücken durch ihre Schwimmkünste unter dem Wasserspiegel, hierbei gebrauchen sie die Flügel, als schwebten sie in der Luft, während des »Fluges« in dem leuchten Element schließen sie die Augen nicht und finden daher den Weg zwischen den Fel sgruppen und den zah lreichen Riesenschildkröten, welche ver¬ wundert auf die ungewöhnlichen Gäste schauen. Besonders groß ist unser »Reptilienfonds«. Dr. Hermes überbrachte vor kurzem von Hamburg eine Sammlung (-10 Stück j hinterindischer Riesenschlangen (Python bivittatus) und 10 Stück Tigerschlangen (Python molurus tigris ) welche einen ausgezeichneten Appetit entwickeln und unter den Meerschweinchen-, Kaninchen- und Taubenbeständen tüchtig aufräumen. In der Kunst des Hungerus hat eine Riesenschlange (Boa murina ) den vielgenannten amerikanischen Kost¬ verächter Tanner weit übertroffen, das Reptil hat es in der freiwilligen Fastenzeit bis auf f iiu fh u n d e r t T ag e gebracht, jetzt bequemt es sich wenigstens wöchent¬ lich ein Täubchen zu verzehren. Die sonst in träger Unbeweglichkeit verharren¬ den Schlangen entwickeln bei der Jagd nach ihrer Beute ungeahnte Energie und Schnelligkeit, ein für unser Auge kaum fixierbarer Moment- und der ahnungslose Nager befindet sich im Rachen des Reptils, das nun im langsamsten Tempo zu schlingen beginnt. Jener vielverbreitete Glaube an den bannenden Schlangenblick kleineren Tieren gegenüber erweist sich hier als ein Märchen. Stundenlang stiert der Python sein Opfer an, ohne daß dieses irgend welche Befangenheit verrät, ja die Kaninchen- und Meerschweingesellschaft tummelt sich vergnügt auf den Leibern und Köpfen der Schlangen, wobei es sich nicht selten ereignet, daß eine derselben dem springenden Kaninchen ausweicht — verschwiegen soll allerdings nicht werden, daß am andern Morgen von den armen Nagern jegliche Spur verschwunden ist. Im Vergleich mit den Atfeugruppen , der Vogel- und Fischwelt unseres Aquariums führen die großen »Saurier« ein stummes bewegungsloses Dasein, sie rauschen weder »in den Schachtelhalmen«, noch in den Wasserfluten, nur bei der Fütterung erheben sie die Rachen zum leckerbereiteten Mahle. So verzehrt der große Alligator (Champsa luciusj ein kräftiges, über 2m langes Tier, wöchentlich 10 Pfund Fleisch, das er sich, jede Anstrengung scheuend, von dem Wärter reichen läßt. Viel beobachtete Aquarienbewohner sind die See- Schildkröten, in deren Bewegungen die ganze Praxis und Theorie des Ruderns und Schwimmens zum Ausdruck gelangt. Dank der vervollkommneten Transportmethoden ist die Fauna der Nord- und Ostsee und des mittelländischen Meeres zu allen Zeiten auf das reichhaltigste vertreten, das vou Dr. Hermes bereitete künstliche Seewasser bietet den oft so empfindlichen Tieren einen vortrefflichen Ersatz für das heimatliche Element, ich nenne außer den Polypen, Seerosen, Holothuricn u. s. w., die prachtvoll schillernden Brassen, Torpedos und Engelhai. ( Squalus sqiiatina.) Es erübrigt nur noch mitzuteilen, daß das Berliner Aquarium in neuester Zeit einen gediegenen äußerlichen Schmuck erhalten hat. Nach künstlerischen Grundsätzen sind viele sonst leere Wände mit bunten Gemälden und Land¬ schaften bedeckt, die in bestimmten Beziehungen zu der ausgestellten Tierwelt stehen, so daß dem nun einmal verwöhnten Publikum auch hier nur »stilvolle« oder vielmehr »stilgerechte« Dekorationen entgegentreten. Korrespondenze n. Berlin, im November 1883. Zoologischer Garten in Prag. Aus der »Wiener Presse« vom 6 Dezember 1878 hatte die Redaktion des Z. G. Jahrgang XX. 1879, S. 30 die Nachricht übernommen, daß sich in Prag ein Komite gebildet habe, welches mit Dr. Alfred Brehrn wegen Gründung eines Zoologischen Gartens Beratungen pflege. Dieser Umstand veranlaßte mich bei meinem kürzlichen Aufenthalt in der Stadt des heiligen Nepomuk nach der Sachlage zu fragen. Die Antwort von sehr kompetenter Seite lautete so ungünstig wie möglich. Weder vom Zoologischen Garten noch vom Aquarium sei mehr die Rede, die unglücklichen inneren politischen Verhältnisse, der unüberwindliche Rassenhaß zwischen Deutschen und Czechen in der Hauptstadt der Wenzelskrone mache jede Ein¬ richtung eines solchen Instituts unmöglich. Wer, gleich mir mit angesehen hat, wie wohl erhaltene zweisprachliche Straßenschilder von den Ecken abge¬ nommen und durch rein czechische ersetzt wurden, muß allerdings zur Über¬ zeugung gelangen, daß der klassische Vers »Quidquid delirant reges, plectuntur Achivi« nicht bloß von »rasenden« Königen, sondern auch von böhmischen Stadtmagistraten gilt. In der Stadt Posen, woselbst sich Deutsche und Polen mitunter auch schroff gegeuüberstehen, ist es doch gelungen, einen recht an¬ sehnlichen »zweisprachlichen« Zoologischen Garten viribus unitis zu gründen. Sollte das in Prag, wo, nach Max von Schenkendorf, »Heil’ge von den Brücken schauen«, nicht auch möglich sein? Den schwachen Anfang eines Zoologischen Gartens fand ich in dem neuen, unter Benutzung der alten Wallanlagen nicht . übel eingerichteten Stadtpark. Auf den Gewässern desselben tummelten sich Wasserhühner, Enten und Gänse, woruuter fremdländische Arten, am Rande bemerkte ich außer Störchen einen Jungfern - Kranich ( Grus numidicci). Die Tiere erfreuten sich ersichtlich der Teilnahme des Publikums, namentlich der Kinderwelt. Sollte sich aus diesem bescheidenen Versuch ein wirklicher Tierpark entwickeln, wir Deutsche würden die Ersten sein, den Prager Czechen ein: Na zdar! — Gut Heil! — zuzurufen. E. Friedei. 56 Tours, 16. November 1888. Anbei erhalten Sie eine Liste der gegenwärtig im Parke Beaujardin in Tours lebenden Tiere. Die mit * bezeichneten haben sich vermehrt, die mit E. leg. haben Eier gelegt. Die neuen Kudu -Antilopen, Strepsiceros imberbis , sind prächtige Tiere und so sanft, wie ich noch nie Antilopen sah. Leider ging das Männchen an einem Geschwüre an dem Backen ein. Die 2 Weibchen scheinen sich gut einzugewöhnen, werden aber nachts eiugesperrt. Die Bleß bocke, 3 Stück, bleiben immer im Freien und wissen sich hier gut vor dem Regen zu schützen ; sie stellen sich unter dicht belaubte Bäume stets hinter den Wind. Sonderbarer Weise lassen sich diese starken Tiere von schwächeren ein¬ schüchtern. Ein amerikanischer Strauß, Rhea , der auf einer anderen Seite des Parks zu fressen bekommt, eilt stets, wenn die Antilopen gefüttert werden (Gelberüben und Kleie), mit geöffnetem Schnabel herbei, treibt die Antilopen fort und tliut sich nun an den Gelberüben gut. Die schlimmsten Störenfriede sind aber die Gazellen, deren Bock alles jagt und plagt und selbst die Alpakas in Furcht hält. Um ihn unschädlich zu machen, ist ihm ein Stück Holz quer über die Hörner befestigt worden. — Für die allerliebsten Pudu- Hirsche, 8 Weibchen, konnte ich leider noch kein Männchen beschaffen, aber die chinesischen Zwerghirsche, Cervulus lieevesii, vermehreu sich hier wohl ebensogut wie in ihrer Heimat; eiuige Weibchen werfen wenigstens alle 6 Monate ein Junges. Die chinesischen Rehe, Hydropotes inermis, waren auch hier sehr fruchtbar ; einigemale fanden wir sogar 5 bis 6 Junge von einem Weibchen. In der Brunftzeit aber (September) tötete der Bock einige Junge in dem zu kleinen Park (8 Hectar) und die überlebenden 9 Stück wurden dem König vou Italien geschenkt. — Die Schneehasen, Lepus vciriabilis, wollten nicht gut gedeihen ; einigemal brach eine Seuche unter ihnen aus und von 60—70 Stück blieben nur etwa 6 oder 7 übrig. — Alpaka, große und kleine Känguru leben frei im Parke und ver¬ mehren sich regelmäßig. Seit drei Jahren sind hier allein 11 Riesen- Känguru geboren, und wenn nicht ein großes Weibchen, das nicht gleich ersetzt werden konnte, an Eingeweidewürmern zu Grunde gegangen wäre, hätte ich wohl ein Dutzend Geburten mehr zu verzeichnen. — Fasanen wurden auch viele erbrütet, obwohl voriges Jahr auch viele unfruchtbare Eier gefunden wurden. Die Argusfasanen legten 4 Eier in 2 Gelegen, der Hahn schien aber zu jung zu sein. — Ein Paar Spiegelpfauen, Polyplectron Germaini , ergab in 5 Gelegen 10 Eier, wovon 10 Junge auskamen; ein einziges ging davon durch Ertrinken ein. — Papageien, Platycercus, brüteten ver- schiedenemal ; junge P. cornutus , uvaeensis u. a. kamen auf. Auch dieses Jahr schlüpften Junge aus, aber entweder ließen die Alten sie verhungern wenn sie schon ganz befiedert waren, oder bissen ihnen iu die Köpfe. — Die Ibis, Ibis melanopis , brachten glücklich ein Paar Juuge auf. Voriges Jahr lebten sie in einem Gehege, durch welches die Wärter ihren Weg nehmen mußten, um in eine andere Voliere zu kommen ; und da ließen sie ihre Jungen umkommen. Diese Vögel müssen einsam gehalten werden, wenn sie ihre Jungen aufbringen sollen ; dieses Jahr war ihnen eiu Stück Garten eingeräumt, wo niemand hinkommt, und die Zucht gelang. Das Nest wurde von unten erhöht, die Nahrung bestand in Pferdefleisch, Brot und Würmern. Jedes Jahr brüten die Jungfer n kr an iche ; ihr Nest ist sonderbarer Weise immer mit kleinen Steinen ausgelegt. — Bastarde wurden gezogen von der Fuchs ente, Casarca rutila , und der ägyptischen Gans, Chenalopex aegyptiacus. — CeplicilopJius rufdatus lebte lange hier und vermehrte sich im Freien : zuletzt aber ging doch die ganze Gesellschaft durch die Einwirkung des Klimas zu Grunde. — Der Laubenvogel, Ptilenorhynclius violaceus , ahmt andere Stimmen nach, sehr treu das Flöten der Amsel, den Schrei der Pfau¬ fasanen und selbst den Ruf der Wärter, wenn abends gefüttert wird. Viele junge Ochsenfrösche machten sich bemerkbar. Voriges Jahr, bei dem Vergrößern eines Teiches fanden die Arbeiter 0,G0 m tief in harter Erde Junge und 2 Eier von Schildkröten, es ließ sich aber nicht bestimmen, von welcher Art. Die ausgegrabenen Jungen lebten aber nicht lange mehr. Sciurus maximus. Dasyprocta acouchy. Lepus variabilis *. Strepsiceros imberbis. Tragelaphus scriptus *. » dccida. Gazella subgutyurosa. Alcelaphus albifrons. Cervulus Reevesii*. » Sclateri. Hydropotes inermis. Pudua Ivumilis. Lama Paca *. » Vicugna. Macropus giganteus *. Halmaturus Bennetti *. » Derbyanus. » thetidis. » brachyurus. Trichoglossus ornatus. » Novae hollandiae E. » concinnus. » chlor olepidotus. Palaeornis cyanocephalus. Platycercus Barrabandi *. » erythropterus *. » scapidatus E. » Pennantii. > ßaveolus. > ßaviventris. » palliceps. -> Barnardi *. » semitorguatus. » zonarius *. v cornutus *. Platycercus uvaeensis *. » Novae Zelandiae E. » auriceps. Lathamus discolor. Euphema elegans. » pulcliella. Pyrrhulopsis per sonata . » splendens. Ceriornis Satyra *. » melanocephala. » Temmincld *. » Caboti. » Blythi. Lophophorus refulgeus *. Polyplectron chinquis *. » Germaini *. » bicalcaratum. Argus giganteus E. Pucrasia macrolopha *. Euplocamus Sivinhoi rar. flava*. » Vieilloti *. Crossoptilon mantschurium E. Pavo cristatus var. alba *. » spicifer. Bambusicola thoracica *. Eupsycho rtyx Sonnini. Pipile jacutinga. Geopelia cuneatci. Porphyrio melanotus. Grus Virgo *. » paradisea E. Theristicus caudatus * (Ibis melanopis), Chenalopex jubata. Bernicla jubata. » dispar. E. 58 Bernicla sandvicensis *. Cygnus nigricollis *. Dendrocygna major. » circucita. Sarcidiornis melanotus E. Tcidorna tcidornoides. Anas castanea *. » gibberifrons *. Querguedida cyanoptera *. » brasiliensis *. Mareca chiloensis.*. Aix galericulata *. Metopiana peposaca *. Fuligula rufana. Khca macrorhynchci. Peristera GeofJ'royi E. Ocyphaps Lophotes *. Chalcophaps indica. Phaps cludcoptera *. G-eophaps scripta *. Ptilonoi hynchus violaceus. Testudo graeca E. » marginata. Terrapene carinata. Emys europaea *. Clenvmys picta *. » t er rapin. Trionyx japonicus. Bana mugiens*. » Catesbiana. N o e n t y . Hamburg, den 1. Dezember 1883. Kreuzung gewöhnlicher grauer Mäuse mit weissen Mäuseu. Soviel mir bekannt, sind systematische Kreuzungsversuche zwilchen grauen und weißen Mäusen bisher noch nicht angestellt, obwohl die Frage nicht ohne Interesse scheint, was als Resultat derartiger Versuche herausspringen werde.*) Von vornherein sind entschieden folgende Möglichkeiten vorhanden : 1) die Färbung des normalen, grauen Tieres behauptet so sehr das Überge¬ wicht, daß die Nachkommen sämtlich dieser Färbung folgen. 2) Die ver¬ schiedene Färbung der Eltern kommt bei den Jungen in der Weise zur Geltung, daß sie zweifarbig, etwa grau und weiß gefleckt werden. 3) Ein Teil der Jungen ist rein weiß, ein anderer einfarbig grau. — Meine Versuche, welche an einer ziemlichen Anzahl von Tieren unternommen und durch ein Jahr fortgeführt wurden, ergaben nun zunächst das Resultat, daß die zweite Even¬ tualität so gut wie nicht eintrat : Die im Laufe der Zucht (5 Generationen) gewonnenen Tiere waren entweder rein weiß oder fast normal grau, indem die letzteren nur durch eine etwas hellere Bauchseite und einen helleren Ring um die Augen von gewöhnlichen grauen Mäusen sich unterschieden. Dagegen scheint das Überwiegen der grauen Färbung, wie ich es unter 1) als wahrscheinlich hiugestellt, bei der ersten Generation in der That die Regel zu sein. Wenigstens lieferten zwei gewöhnliche, weiße, weibliche Mäuse mit einem wilden grauen Männchen nur graue Junge (resp. 6 u. 8). Da Inh¬ aber ein wildes graues Weibchen nicht zur Verfügung stand, um es mit einem weißen Männchen zu paaren, so bleibt meinen Versuchen der Einwurf offen, daß das zu Tage getretene Vorwiegen des Grau nicht sowohl auf die Tendenz zum Rückschlag in die Normalfärbung als auf den stärkeren Einfluß des männlichen Geschlechtes zurückzuführen sei. Doch ist mir bei meinen übrigen Versuchen ein solches Vorwiegen des männlichen Einflusses auf die Jungen nicht aufgefallen. Anders war das Verhalten, wenn ein normales weißes Weibchen nicht mit einem wilden grauen Männchen, sondern mit einem grauen *) Vergl. Jahrgang XIV, 1873, S. 108. — XV, 1874, S. 361. 59 ß 1 e n cl 1 i n g aus weiß und grau, also etwa mit einem Jungen der eben er¬ wähnten Zucht gepaart wurde. In diesem Falle war der Einfluß des grauen Männchens nicht mehr stark genug, ausschließlich graue Junge zu erzielen, sondern es zeigte sich in 3 Parallelversuchen die Erscheinung, daß die Hälfte der Jungen weiß, die andere Hälfte grau wurde. Indem ich diese Versuche noch durch mehrere Generationen mit verschiedenen Variationen fortsetzte, ge¬ langte ich zu dem aus Obigem von vornherein schon abzuleitenden Schluß, daß die grauen Mäuse der späteren Generationen nun nicht mehr im Stande sind, die Hälfte der Jungen grau zu färben, sondern nur einen geringeren Bruchteil (etwa 2 von 6 od. 8), mit andern Worten, daß die Intensität, mit welcher die Farbe eines der Eltern auf die Jungen einwirkt, in einem be¬ stimmten Verhältnis zu dem Grade der »Verdünnung«, wenn ich so sagen darf, steht, in welchem ihm selbst die graue Färbung durch die Reihe seiner Vorfahren übermittelt ist. Selbstverständlich wurde dieser Satz nicht bloß an weißen Weibchen und grauen Männchen, sondern auch umgekehrt an grauen Weibchen und weißen Männchen erhärtet. — Ein Versuch, zu konstatieren ob auch der frühere Vater noch von Einfluß auf die Färbung der späteren Jungen derselben Mutter sei — ich dachte an die bekannten Beobachtungen der Pferdezüchter — , führte zu einem negativen Resultat, indem ein weißes Weibchen, das erst 6 graue Junge geboren, nach Paarung mit einem normalen weißen Männchen 7 rein weiße Junge zur Welt brachte. Dr. K. Kraepelin. Frankfurt a. M. im Dezember 1 883. Vielleicht interessiert Sie folgende Episode aus dem Leben einer Schwarzamsel. Dieses Tier pflegte schon längere Zeit mit unsern Haus- hühnern während ihrer Fütterung Mahlzeit zu halten, was sich die Hühner auch ganz ruhig gefallen ließen. Als die strengere Kälte eintrat, flog die Amsel ganz gemütlich mit in den Hühnerstall und saß nachts bei den Hühnern auf der Stange. Morgens flog sie mit ihnen herunter und fraß mit ihnen. Gestern Morgen fand ich das arme Tier tot und zerpickt im Stalle liegen, jedenfalls hatte sie ihren Platz neben dem Hahn '■gewählt, der das zahme Tierchen auf solche Weise tot gebissen.*) Hedwig Müller. Berlin, im Dezember 1883. Zoologisches aus Bremen. Zu meinem Artikel S. 266 Jahrgang 1883 d. Z. teilt mir Herr A. Poppe, Bremen, Krefting Str. 14 folgendes mit. »Was die Gründung eines Zoologischen Gartens in Bremen betrifft, so ist dieselbe schon seit längerer Zeit geplant worden, doch hat man, wie ich glaube mit Recht, davon abgesehen, weil Bremen zu wenig Fremdenverkehr hat, ohne den sich eine solche Anlage wohl nicht rentieren dürfte.**) Übrigens wird i. .1. *) Die tote Amsel, ein wohlgenährtes Männchen, wurde mir überbraeht. Der hintere Teil des Rückens war stark zerhackt, das rechte Bein abgerissen. **) Kann ich nicht gelten lassen: vergl. Münster und Posen, die obwohl erheblich kleiner, ärmer und weniger von Fremden besucht als Bremen, dennoch sehenswerte Zoologische Gärten besitzen. E. Fr. GO 1884 ein Anfang gemacht werden in Gestalt eines ornithologischen Gartens, zn welchem Zweck ein Bremer, Herr Gräving, 10,000 Mark geschenkt hat. Vorerst soll dafür östlich vom Parkhause im Bürger-Park ein Gebäude errichtet werden, das sicher bald durch im Anslande lebende Bremer bevölkert werden wird. Nach der im nächsten Jahre zu erwartenden Fertigstellung des Bürgerparks werden voraussichtlich diesem ornithologischen Garten mehr Mittel zufließen, so daß sich möglicher Weise daraus im Laufe der Zeit ein Zoologischer Garten entwickeln wird.« — Ich hoffe dies nicht bloß, sondern halte es außer allem Zweifel, denn keine deutsche Handelsstadt, selbst nicht Hamburg, hat in so vielen entlegenen Teilen der ganzen Erde intelligente und unternehmende, patriotische Geschäftsleute verbreitet, wie die alte Königin der Weser. Einem interessanten Artikel des genannten Herrn S. A. Poppe (Zur Säuge¬ tier-Fauna des nordwestlichen Deutschland; Abhandlung des Naturwissenschaft- ichen Vereins zu Bremen. Band VII. 1882. S. 301 —309) entnehme ich folgende Ergänzungen meines vorgedachten Artikels. Der Walfisch von 1669, Gerippe in der städtischen Sammlung, ist Hypcroo- don rostrat us Pontoppidan. Vielleicht gehört zu dieser Art ein bei Hammelwarden in der Weser 1691 erlegter Walfisch, der in den »Blättern vermischten Inhalts, Oldenburg 1792, V. Band II. Heft. S. 185 fl. erwähnt wird. Wahrscheinlich war auch ein bei Gelegenheit von Grenzstreitigkeiten mit den Richtern der Börde Lesum 1608 erwähnter Walfisch ein Dögling. Tote Finnwale ( Balcienoptera musciüus L.) stranden mitunter an der Küste bei Bremerhaven. So (nach Dir. Wiepkeu vom Oldenburger Museum) zu Anfang der 30. Jahre des Jahrhunderts ein Stück von ca. 30 Fuß Länge bei Hooksiel. Im Dezember 1870 strandete ein männlicher Finn cal 60 Fuß lang an der Insel Juist, 3 Wochen vorher ein gleich großer in der Jade, Ge¬ rippe in Berlin. Im Jahre 1882 befand sich, leihweise, das Gerippe (nach Prof. Peters) wahrscheinlich derselben Specis im Berliner Aquarium, ange¬ trieben vor der Weser-Mündung. Im Mai 1883 sah ich im Wiener Prater eben dieses Skelett in einer Menagerie. Ernst Fried el. Raunheim, den 1. Febr. 1884. Die Frühlingsboten sind da! Der seit einigen Wocheu vorherrschende Süd- und Südwestwind hat offenbar unsere kleinen Zugvögel veranlaßt, sich auf den Weg zu machen und ihre alte Heimat viel früher aufzusuchen, als dies o-ewöhnlich der Fall ist. Der Hausrotschwanz kam am 12. Januar hier an und am 20. Januar sah ich eine Familie Bachstelzen von 6 Stück am Main auf dem Genist herumlaufen. Durch die gelinde Witterung sind die Stare in diesem Winter überhaupt gar nicht weggezogen und die Buch¬ finken sah ich noch nie in solcher Anzahl wie in diesem Winter, denn ein Flug von mehreren Tausend trieb sich seither täglich auf den Feldern herum. Möge denn auch das Wetter nun so bleiben, daß diese Frühlingsboten nicht aus Mangel an Nahrung zu Grunde gehen. L. Buxbaum, Lehrer. 61 M i s c e 1 1 e n. Die im Berliner zoologischen Garten verbrauchten Futter- mengen. Nicht alle Besucher unseres Zoologischen Gartens mögeu sich da¬ rüber klar sein, welch riesige Mengen und welch mannigfaltige Arten von Nahrungsmitteln und Futterstoffen zur rationellen Erhaltung der vielen Hunderte von Tieren erforderlich sind. Einer der Hauptartikel ist das Fleisch. Die Vorratskammer für dasselbe ist der Stall für die »Schlachtpferde«, deren immer zehn bis zwanzig Stück bereit stehen. Die armen Rosinanten erhalten als Henkersmahlzeit noch einige fette Rationen und dann werden sie — eins oder zwei täglich, je nach ihrer Qualität — geschlachtet und den wilden Tieren verfüttert. Außerdem muß jeden Tag ein Hammel ans Messer, um den an die Pferdefleischkost noch nicht gewöhnten Sprößlingen der Raubtiere als zarter Leckerbissen zu dienen. Beim gegenwärtigen Raubtierstande werden täglich etwa 190 Kilo Fleisch verbraucht, wovon etwa hundert auf die In¬ sassen der Raubtierhäuser, sechzig auf die Adler und Geier und die Restbestände auf Kr^codile, Alligatoren etc. entfallen. Merkwürdigerweise tritt an einem Tage in der Woche, nämlich am Mittwoch, ein starkes Minus im Fleischkonsum ein. Der Mittwoch ist der ärztlich augeordnete Fasttag für die Raubtiere. An diesem Tage werden insgesamt nur je 20 Kilo Fleisch, und zwar an solche Tiere, welche Junge haben, und an die Jungen selbst verfüttert. Die übrigeu haben, wie gesagt, »Fasttag«. Der Lärm und das Hungergebrüll der Über¬ gangenen, die sich jeden Mittwoch Nachmittag zur Fütterungsstuude im Raubtierhause erheben, sind denn auch ganz entsetzlich. Erfolg hat das Ge¬ brüll freilich keinen denn die Erfahrung hat gelehrt, daß die Tiere im Inte¬ resse ihres Wohlbefindens und zum Ausgleich der mangelnden Bewegung eines Fasttages in der Woche bedürfen. Außer dem Fleisch werden auch Fische in beträchtlichen Mengen konsumiert: (JO Kilo See- und Flußfische kommen in täglich frischer Sendung iu den Garten. Hauptliebhaber dieses schmackhaften Gerichts sind die Pelikane, die Kraniche, die Störche, die Reiher, Ibise und andere Wasservögel, außerdem die gefräßigen Fischottern und der Seelöwe. Der letztgenannte verlangt als richtiger Gourmand außer den übrigen Fisch¬ sorten täglich noch eine erkleckliche Anzahl kleiner, etwa halbpfündiger Aale. Sehr bedeutend ist der .Vorrat von diversen Getreidesorten. 70 Kilo Weizen, 40 Kilo Gerste, 130 Kilo Hafer, 40 Kilo Buchweizen und 25 Kilo Mais gehen als Tagesportion auf. Eine Mischung von all diesen Getreidesorten dient den Hühnern, Enten, Gänsen, Tauben, Flamingos und anderen Vogel¬ arten zur Nahrung, außerdem erhalten davon die Maulesel, Zebra, Antilopen und Känguru ihre Haferportionen; spezielle Maisfreunde sind die Fasauen; auch Antilopen und Giraffen erhalten welchen, und zwar in geschrotetem Zu¬ stande. Als Vogelfutter stehen ferner noch 30 Kilo Hanf, 2 x/a Kilo Spitzsameu, l1/ 2 Kilo Hirse und ebenso viel Rübsamen auf der täglichen Speisekarte. 10 Kilo Reis wandern täglich in die Magen der Affen und der Kakadu. Der täg¬ liche Bx-od verbrauch beträgt etwa 60 Kilo, wovon allein die Hälfte auf die Elefanten entfällt; auch Bären, Strauße und Hunde helfen beim Brodkousum wacker mit. Die täglich verzehrten 1 0 1 / 2 Kilo Semmeln sind in eingeweichtem Zustande, und mit Mohrrüben, Obst und Kartoffeln vermischt, für die Vögel und Alten bestimmt. SchifFszwieback erhält nur eine Tiersorte, nämlich die Giraffen, die nebst ihrer sonstigen Nahrung (Kleeheu, Hafer, Mais) etwa 4 Kilo davon täglich verzehren. Ein Schock Kohlköpfe (im Winter), oder Salatstauden (im Sommer) werden den Vögeln täglich vorgeworfen und von diesen mit Vorliebe verspeist. Auch Kartoffeln spielen eine bedeutende Rolle im Haushalt des Zoologischen Gartens. Nicht weniger als 170 Kilo werden täglich ver¬ braucht ; 50 davon verschwinden in den Riesenmagen der Elefanten, in den Rest teilen sich Hunde, Affen, Strauße und kleinere Vögel. Runkelrüben sind die Liebhaberei der Büffel, Hirsche und Rhinozerosse. Die erstgenannten ver¬ zehren allein 6 Scheffel täglich. Sodann liegen, und zwar in kolossalen Quan¬ titäten, drei Sorten Heu im Vorrat, nämlich Kleeheu mit einem täglichen Ver¬ brauch von 170, Militzheu (vom Flattergras) mit einem solchen von 450 und Hirschheu mit einem solchen von 350 Kilo. Die erstgenannte Sorte ist für Giraffen, große Antilopen und Nilpferde, die zweite für Elefanten, Büffel und Kamele, die dritte für Hirsche, Zebra und kleine Antilopen bestimmt. 25 Kilo Mohrrüben werden täglich teils als Vogel- und Affenfutter verbraucht, teils von den Fischottern verspeist. Von Weizen- und von Roggenkleie werden täglich 52 bezw. 94 Kilo dem übrigen Futter für Elefanten, Nq^hörner, Büffel etc. beigemischt. Auch der Tagesverbrauch an Stroh, nämlich 240 Gar¬ ben, die als Streu dienen, sei erwähnt. Nach Besichtigung der Vorräte en gros harrt unser noch eine kleine Überraschung: das Vorratskämmerchen für die*Leckermäuler ; denn auch unter den Bewohnern des Zoologischen Gartens giebt es solche. Und für diese sind denn auch in der That »alle Delikatessen der Saison« aufgespeichert. Da ist hübscher Würfelzucker für artige Vögel und Zwergäffchen (Verbrauch etwa 5 — 6 Kilo monatlich); da sind Rosinen (wöchentlicher Verbrauch 1 Kilo) für die Wellensittiche und andere Papageiensorten; da sind Miereneier (2 Kilo täglich) für Vögel aller Art; Bohnen für die wählerischen Giraffen, die davon 5 Kilo täglich zu sich nehmen; Äpfel und Nüsse für Affen, Eichhörnchen und Vögel, und endlich auch große Bottiche mit Milch (täglicher Vei'brauch über 30 Liter). Die Milch ist zumeist für die Wochenstube, für Tiere, welche geworfen haben, und für die Jungen; das meiste davon konsumieren die Raubtiere. Berliner Tageblatt. 30. September 1883. Der afrikanische Strauß in Amerika. In Kalifornien sind in der letzten Zeit Versuche mit der Straußen-Zucht gemacht worden, über dereu Resultate wir amerikanischen Blättern folgendes entnehmen. Den 22 Straußen, welche der Engländer Dr. Sketchley nach Anaheim unweit Los Angeles im Staate Kalifornien, gebracht hat, scheint das kalifornische Klima besser zuzusagen als selbst dasjenige ihrer Heimat Afrika. Anaheim ist eine deutsche Ansiedlung, die gut gedeiht; Orangen, Trauben, Oliven und alle Getreidearten werden mit Vorteil kultiviert, und die freundlichen, durchwegs von Blumengärten umgebenen Häuser verraten die glückliche Lage der Be¬ wohner. Die Tiere, welche der Engländer von Afrika nach Kalifornien brachte, hatten in ersterem Lande einen Wert von 1000 Dollar pro Stück, werden aber jetzt, nachdem sie das Risiko der Reise überstanden und sich akklimatisiert haben, unter Zurechnung der Transportkosten auf 4000 Dollars pro Stück be¬ rechnet. Zur Zeit bieten die Strauße keinen schönen Anblick dar, da sie fast alle Flügel- und Schwanzfedern während der langen Reise verloren haben. Die neuen Kolonisten werden, um die Annäherung Unberufener zu verhindern, innerhalb doppelter Draht-Umzäunungen gehalten. Bevor dies geschah, haben die Tiere Personen, die bis unmittelbar an den Draht hinangetreten waren, durch Schläge mit den Beinen schwer verletzt; ein solcher Schlag ist gefähr¬ licher als der Hufschlag eines Pferdes. Die Strauße sind zu Kämpfen unter sich und zu Angriffen auf den Menschen stets geneigt, scheinen aber gegen Chinesen eine besondere Abneigung zu besitzen. Die Tiere werden mit Bohnen, Rüben und Alfalfa-Gras oder Luzerne gefüttert und verschlingen zum Dessert Steine, Wurzeln, Muschelschalen und wasv sonst in ihren Bereich kommt. Dr. Sketchley erzählt, daß in dem Mageu eines Straußes, der in Afrika getötet, werden mußte, sich 930 Steine verschiedener Größe vorgefunden haben. Die Straußeuhenne legt dreimal im Jahre je 14 Eier; werden ihr diese genommen, um im Brütofen ausgebrütet zu werden, so legt sie kurz darauf weitere 10 bis 12 Eier. Jedes Ei hat die Größe eines Mannskopfes, wiegt 8 bis 4 Pfund und enthält so viel Substanz wie 24 Hühnereier. Im Ofen erfolgt die Ausbrütung der Eier in 42 Tagen. Alle sieben Monate werden den Vögeln, denen zu diesem Zwecke die Augen verbunden werden, die Flügel- und Schwanz¬ federn 2 bis 3 Zoll über den Wurzeln abgeschnitten. Die Kielreste trocknen dann ein und werden nach 2 bis 3 Wochen mit Zangen ausgerissen; gleich darauf bilden sich neue Federn, die schnell wachsen. Wegen der schon er¬ wähnten Bösartigkeit der Tiere ist das Geschäft der Federgewinnung mit Ge¬ fahr verbunden. Die Federn des männlichen Straußes sind weiß oder schwarz und größer und schöner als die der Weibchen. Dr. Sketchley sagt nicht nur dem Unternehmen, dem er vorsteht, sondern der kalifornischen Straußen - Zucht im allgemeinen einen bedeutenden Erfolg voraus und ist überzeugt, daß Kalifornien bald einen großen Teil der Straußenfedern auf den Weltmarkt liefern wird. Im südlichen Afrika wurden 1865 nicht mehr als 80 Strauße behufs Federgewinnung in Einzäunungen gehalten; 1882 betrug die Zahl der¬ selben über 50,000, und der Wert der exportierten Federn belief sich auf 5,000,000 Dollars. Eine großartige Straußen Zucht in den Vereinigten Staaten wird billigere Federn und diese werden kleinere Putzmacher-Rechnungen im Gefolge haben, eine Wohlthat, die gar mancher zärtliche Gatte und Vater mit Freuden begrüßen wird. D. Gr. Die europäische Sumpfschildkröte. In der Woche vom 3. bis 9. Juli 1882 wurde im Warnker See bei Waren eine JEviys lutaria gefangen. Ihr Rückenschild war 17 cm lang und außerordentlich lebhaft gefärbt, das Tier selbst ungemein kräftig und lebendig. Durch Geschenk kam sie nach Röbel, wurde dort in einem Garten ausgesetzt, entwischte aber bald darauf aus demselben. C. Struck, Archiv d. Ver. f. Freunde d. Naturgeschichte in Mecklenburg 1883. 64 L i 1 1 e r a t u r. Leunis Synopsis der drei Naturreiche. Erster Teil. Zoologie. 3. Auf¬ lage von Prof. Dr. H. Ludwig. I. Bd. 2. Abteilg. (Schluss.) Hannover. Hahn 1883. Wir haben schon nach Erscheinen der ersten Hälfte des Bandes I auf ftie neue Auflage des weitverbreiteten und verdienstlichen Werkes hingewiesen, das für alle Freunde und Studierende der Zoologie ein brauchbares und an¬ genehmes Handbuch ist. Die Schlusshälfte des ersten Bandes mit Register enthält die Reptilien, Amphibien, Fische und den großen Kreis der Mollusken. Der Beschreibung der Klassen folgt in analytischer Übersicht die Zu¬ sammenstellung der Ordnungen und eine ebensolche der Gattungen. Alsdann sind die Gattungen mit den wichtigsten Arten eingehend beschrieben, so daß die Bestimmung der nicht allzu seltenen Tierformen ermöglicht ist. Zahlreiche, gut gezeichnete Abbildungen bilden für diesen Zweck eine wesentliche Stütze. N. Der Kanarienvogel, seine Naturgeschichte, Pflege und Zucht. Von Dr. Karl Ruß. 4. Auflage. Magdeburg. Creutz’sche Buch- und Musikalien¬ handlung 1883. Die Zucht des Kanarienvogels soll nach dem Verfasser in Deutschland jährlich einen Ertrag von 450- bis 500,000 Mark liefern, was dafür spricht, daß mau diesem Gegenstände größere Aufmerksamkeit zuzuwenden be¬ rechtigt ist. Der Verfasser war in der vierten Ausgabe seines Werkchens bestrebt, die neusten Erfahrungen über den gelben Sänger zu verwerten, und das ist ihm gut gelungen. Nach einer Schilderung des wilden Vogels behandelt er die gezüchteten Tiere in drei Rassen, die deutsche, holländische und englische. Besondere Darstellung findet der Harzer Vogel, der als Meister des Gesangs unerreicht dasteht und deshalb die meiste Aufmerksamkeit verdient. Über Handel, Käfige, Pflege, Zucht, Krankheiten und anderes folgen dann eingehende Kapitel, so daß das Buch mit gutem Gewissen allen Freunden des Kanarien¬ vogels empfohlen werden kann. N. Eingegangene Beiträge. A. S. in W — H. B. in H. — L. W. in B. — J. W. in B. : Ihren Brief habe an Herrn Direktor Dr. M. Schmidt abgegeben, der am besten in der Lage ist, Ihren Wunsch zu erfüllen. — II. Sch. in F.: Besten Dank. — L. B. in ß. : Gern benutzt. — Bücher und Zeitschriften. Carl Ochsenius. Chile, Land und Leute. Mit vielen Abbildungen und 2 Karten. Das Wissen der Gegenwart, 22 Bd. Leipzig, G Frey tag. Prag, F. Tempsky. 1884. geh. 1 M. Bronn’s Klassen u. Ordnungen des Tierreichs. 1 Bd. Protazoa. Neu bearbeitet, von Prof. Dr. O. Bütschli. 20— 25 Lieferg. Leipzig u. Heidelberg. C. F. Winter. 1883. Nachdruck verboten. Druck von Malilau & Waldsclimidt. Frankfurt a. M. 3er Zoologische Garten. Zeitschrift für Beobachtung, Pflege und Zucht der Tiere. Herausgegeben von der „Neuen Zoologischen Gesellschaft“ in Frankfurt a. M. Redigiert von Professor Dr. F. C. Noll. Verlag von M a h 1 au & Waldschmidt in Frankfurt a. M. No. 3. XXV. Jahrgang. März 1884. Inhalt. Eine Zahntaube, Didunculm strigirostns , im Zoologischen Garten in Hamburg; von Dir. Dr. H. Bolau. — Ein Besuch des Zoologischen Gartens zu Cöln; von L. Wunderlich. (Fortsetzung.) — Der spanische Sandschlüpfer (Psnmmodromus hispcinicus Fitz.) und seine Fortpflanzung in der Gefangenschaft; von Joh. von Fischer. (Schluß.). — Die Tier¬ pflege des Zoologischen Gartens zu Hamburg; von dem Inspektor W. L. Sigel. — Bericht über den Zoologischen Garten zu Hannover pro 1882 — 8:s. — Korrespondenzen. — Miscellon. — Litteratur. — Eingegangenc Beiträge. — Bücher und Zeitschriften. — Kine Zalintaube, Didunculus strigirostris, im Zoologischen Garten in Hamburg.*) Von Dir. Dr. H. Bolau. Die Zalintaube gehört als Uebergangsform von den Tauben zu der ausgestorbeneu Dronte, Didus ineptus L., za den interessantesten Arten der ganzen Vogelklasse. Jede Mitteilung über sie und ihre Lebensweise dürfte um so mehr willkommen geheißen werden, als auch sie bei ihrem beschränkten Vorkommen auf den Samoa-Tnseln und der heftigen Verfolgung, der sie von Mensch und Tier ausge- • setzt ist, leider in nicht ferner Zeit zu den ausgestorbenen Formen wird zu zählen sein. Das mag es erklären, wenn ich im Nachfolgenden ergänzend und berichtigend einige Mitteilungen zu Dem mache, was namentlich durch englische Forscher über unseren Vogel bekannt ge- worden ist. Dr. Dorn er bat 1872 in dieser Zeitschrift, p. 97 ff. das wichtigste des bis dahin Bekannten zusammengestellt. o n Meine Beobachtungen sind an einem männlichen Didunndus gemacht worden, der als Geschenk des Herren Aug. Godeffroy *) Vgl. hierzu die Abbildung Bd. XIII, 1872, Seite 104. Zoolog. Gart. Jalirg. XXV. 1884. 5 am 14. Septbr. 1883 in unseren Besitz kam. Es war das zweite Tier der Art, das in unserm Garten ausgestellt wurde. Herr Aug. Godeffroy bat von drei Zahntauben, die er im August 1881 auf den Samoaiuseln einschiffte, nur unser Exemplar Ende Januar 1882 glücklich in Europa gelandet und es dann zunächst mehr als 1 Jahr lang in seiner privaten Pflege bis zum obengenannten 14. Septbr. behalten ; der Vogel war im besten Futterzustande, als er in meine Hände gelangte und schien wohl und munter zu sein, so daß ich hoffen durfte, ihn recht lange zu erhalten. Die Hoffnung war leider trügerisch ; ohne daß sich besondere Krankheitssymptome gezeigt hatten, starb unsere Zahntaube bereits am 7. Octobr. Sie hatte also im Ganzen reichlich 2 Jahre in der Gefangenschaft gelebt. Eine hochgradige Tuberkulose hatte ihr den Tod gebracht; in der Brust¬ höhle fänden sich mehrere Tuberkelmassen, von denen die größte den Umfang einer kleinen Wallnuß hatte. An dem Kadaver machte ich folgende Beobachtungen : der all¬ gemeine Futterzustand war auch jetzt noch ein recht guter, nament¬ lich waren die großen Brustmuskeln kräftig entwickelt. Die Länge des ganzen Vogels beträgt 33 cm ; Schwanzlänge 13 cm ; Tarsus 4 cm; Mittelzehe ohne Nagel 3 cm, der Nagel 1,4 cm; Hinterzehe in der Höhe der Vorderzehen eiugelenkt, ohne Nagel 1,7 cm lang, der Nagel 0,9 cm. Die Mittelzehe beträchtlich länger als die seit- liehen ; der Lauf ist hinten und an den Seiten nackt, vorn mit einer Reihe von 8 dünnen Schildern bedeckt. Lauf und Zehen sind lebhaft zinnoberrot. Die Basis des Schenkels ist mit einer korallroten Wachshaut überzogen, die am Zügel und um die Augen in eine feinwarzige Haut von gleicher Farbe übergeht , das Nasenloch liegt in der Wachshaut, ist länglichrund, schräge von hinten und oben nach vorn und unten gestellt und im öbern Teil von einer weichen glatten, etwas geschwollenen Haut überkleidet. Der Oberschuabel greift mit einem kräftigen Haken über den Unterschnabel hinaus; dieser ist vorn stumpf und hat am Seitenraude jederseits zwei größere Zähne, vor denen ganz vorn noch ein kleinerer stumpferer steht. Die Ohröffnung ist sehr weit, rotrandig und nur spärlich mit Federn bedeckt. Die Befiederung unsers Didunculus ist trocken und enthält eine ziemlich reichliche Menge puderartigen Staubes, der die untersuchen¬ den Finger weißlich färbt; der Vogel ähnelt in dieser Hinsicht den Kakadu’s und anderen Papageien. Die Bürzeldrüse fehlt der Zahn- taube. Eine Beziehung zwischen dem Mangel dieser Drüse und dem 67 Vorh andensein der Puderdunen ist übrigens nicht anzunehmen, da die Kakadu’s z. B. mit der Oeldrüse versehen sind. Ueber den anatomischen Befund möchte ich nur das Folgende hervorheben : Die Leber ist sehr groß, mehr als um die Hälfte größer als bei einer Haustaube von der Größe des Didunculus. Die Gallen¬ blase fehlt. Blinddärme fehlen ; der Darm selber hat die ungewöhn¬ liche Länge von 188 cm, gemessen vom Magen bis zur Kloake . rechnet man dazu die Länge von 14 cm vom Schlund bis zum Pylorus, so erhält mau für den ganzen tractus intestinalis eine Länge von 202 cm. Bei einer Haustaube von gleicher Länge waren die resp. Maße: 90 cm + 14 cm = 104 cm für den ganzen tractus, der also bei der Zahntaube fast doppelt so lang ist. — Garrod fand — Proc. Zool. Soc. 1874, p. 256 — die Länge des Darms vom Magen bis zur Kloake bei einem Didunculus gar gleich 7 Fuss engl. = 213,5 cm, während er bei einer Gourci coro- nata nur 5' 1" — 155 cm, bei einer Goura victoricie 4' 0" = 122 cm, bei Carpophaga aurora l1 10" = 56 cm und bei Carpophaga aenect 1' 6" = 46 cm maß. Der Magen unseres Vogels hat eine sehr wenig entwickelte Muskellage, auch ist der innere hornartige Beleg viel weniger dick als bei der Haustaube. Die regelmäßigen Falten auf ihm verlaufen in der Längsrichtung des Magens und erstrecken sich als Drüsen¬ schicht reichlich 1 cm weit in den Vormagen hinein ; sie setzen sich auch noch in den Anfang des Darms fort. Der Vormagen ist vom Magen minder scharf abgesetzt als bei der Haustaube. Trotz der schweren Krankheit, die unser Vogel mitbrachte, war er durchaus nicht so scheu und furchtsam, wie Ben nett das von den Zahntauben, die er gefangen hielt, angiebt. Proc. Zool. Soc. 1864, p. 139. Er hielt sich zwar meistens in den hinteren Teilen seines Käfigs auf und zeigte keine besondere Munterkeit; so wie ihm aber eine Hand hingehalten wurde, ging er in augenscheinlicher Erregung auf sie los und biß kräftig zu. Unser Wärter wurde jedesmal, wenn er das Futter in den Käfig setzte, angegriffen, so daß seine Hand schließlich mit zahlreichen, etwa nadelknopfgroßen Bißstellen be¬ deckt war. In der Erregung, wenn ihm z. B. neues Futter gegeben oder er durch die hingehaltene Hand gereizt worden war, stieß er ein langgezogenes tiefes guh-uh-uh aus. Dabei senkte er den Kopf wie eine girrende Taube und richtete den Schwanz in die Höhe. Er saß stets auf der Erde und ist nie auf der Sitzstange be¬ obachtet worden. Sein Lieblingsfutter waren gekochte Kartoffeln ^ außerdem fraß er Brot und wen io- Früchte. Daß er Sand gefressen hat, ist nie he- ohachtet worden ; da aber heim Fressen stets Teile seiner Nahrung auf den mit Sand bedeckten Boden fielen, die der Vogel nachher verzehrte, so hat er auf diese Weise vermutlich die genügenden Mengen Sand in den Magen eingeführt. Er nahm das Futter in der Weise der Papageien, d. h. er riß mit dem Schnabel die Bissen aus den größeren Stücken heraus und schleuderte dann Teile derselben, die außen am Schnabel haften geblieben waren, schüttelnd von sich. Nie hielt er größere Stücke Futter mit den Füßen fest, um sie mit dem Schnabel zu bearbeiten, wie Ben nett das an seinen Vögeln be¬ obachtete, Proc. Zool. Soc. 1864, p. 140. — Von Sämereien, Hanf, Hirse, Reis, Weizen, Kanariensaat und geschroteneni Mais — die ich ihm geben ließ, hat unser Vogel nichts gefressen. Beim Trinken benahm er sich wie jede andere Taube. Das Futter nahm er zu jeder Zeit, auch in Gegenwart von Be¬ suchern und selbst abends beim Lampenschein in einer Sitzung des hiesigen naturwissenschaftlichen Vereins, wo ich ihn vorzeigte. Meine Beobachtungen, die also wesentlich von denen Bennett’s abweicheu, stimmen im ganzen mit denen Whitmee ’s, der seine Zahntaube durchaus nicht scheu und dumm, sondern außerordentlich wild nennt und wiederholt von ihr gebissen wurde. Whitmee hatte Gelegenheit, einige interessante Beobachtungen über eine neuerdings eingetretene vorteilhafte Aenderung in der Lebensweise der Zahntauben zu machen, die ich hier, da seine Mit¬ teilungen darüber, — Proc, Z. S. 1874, p. 184 und 1875, p. 495 — manchem unserer Leser entgangen sein könnten, hersetzen möchte. — Vor hingen Zeiten sorgten die Insulaner für den Schutz der Zahntauben; diese waren daher sehr zahlreich und sehr zahm. Die Einführung von Katzen (und vermutlich auch von Ratten) durch europäische Schiffe führte dann nahezu zur Ausrottung der interes¬ santen Vögel, die sich erst neuerdings wieder beträchtlich vermehrt haben. Die Ursache dieser erfreulichen Erscheinung liegt darin, daß sie ihre Lebensweise den veränderten Verhältnissen augepaßt haben. Früher hielten sie sich nämlich fast ausschließlich auf dem Erd¬ boden auf und suchten dort ihre Nahrung ; dort bauten sie auch ihr Nest; sie wurden dort aber leicht den wilden Katzen und ihre Eier den Ratten zur Beute, bis eine Aenderung eintrat: Noch 1871 er¬ hielt Whitmee ein Ei aus einem auf dem Boden erbauten Neste; bereits 1874 bauten die Vögel auf den sichreren Aesten der Bäume. Ein Eingeboruer sagte, ohne daß der Berichterstatter ihn durch Fragen dazu veranlaßt hätte: »Das Nest war in der Astgabel eines Baumes. Der Manmnea (einheimischer Name des Diäunculus) scheint jetzt auf Bäumen zu bauen; ich vermute, daß es wegen der wilden Katzen und Ratten geschieht. Er baute früher auf dem Erdboden gleich einem Huhne.« — Ihre Nahrung suchen die Zahntauben jetzt auf den höchsten Zweigen der Bäume,' auch schlafen sie nachts in den höheren Teilen der Bäume, während sie früher auf niedrigen Baumstümpfen die Nacht zuzubringen pflegten. — Whitmee schreibt überhaupt unsern Vögeln einen hohen Grad von Intelligenz zu; dem mag es zu verdanken sein, dass sie ihre Lebensgewohuheiten so vor¬ trefflich den veränderten Verhältnissen anzupassen wußten. Hoffen wir, daß nicht die Habsucht der Sammler nur allzu bald den merk¬ würdigen Vögeln trotz alledem den, wie es scheint jetzt noch hinaus¬ geschobenen Untergang bringe! Ein Besuch des Zoologischen Gartens zu Cöln. Von L. Wunderlich. (Fortsetzung.) Wir sind auf unserem Gange jetzt in der westlichen, stumpi- wiukligen Ecke des Gartens, am Kängurupark augelangt. Im Hinter¬ gründe befindet sich eiue kleine, in drei Abteilungen zerfallende, schmucke Holzhütte, von der fächerförmig drei Läufe ausstrahlen. Der eine derselben ist nochmals quergeteilt. Bewohnt wurde der Park von Macropus rufus , M. giganteus , ‘ Ilalmaturus derbianus u. II. brachyurus (nicht Phascolomys , wie wohl irrtümlich auf den Schildern steht) in ein oder mehreren Exemplaren. Früher waren an dieser Stelle die Hundezwinger, doch hat man von der Ausstel¬ lung dieser Haustiere gänzlich Abstand genommen. Ob Mangel an Platz dies nötig gemacht hat oder ob irgend ein anderer Grund vorliegt, weiß ich nicht. Jedenfalls gehört, wie ich nach Beobach¬ tungen im Berliner Garten behaupten kann, ein gut besetzter Hunde¬ zwinger mit zu den Hauptanziehungspunkten für das Publikum, ganz abgesehen von den materiellen Vorteilen, die eine gut ein- schlao-ende Zucht mit sich bringt. Doch wird in Köln der Be- sucher in anderer Weise entschädigt, iudem ihm, wie wir später 70 sehen werden, mehrere der wildlebenden Verwandten unseres Haus¬ hundes vorgeführt werden. Au der nordwestlichen Grenze des Gartens weitergehend, kommen wir zuerst an das Stelzvogelhaus, ein langes schmales, außen mit Weiden beschlagenes Holzgebäude. Nur die drei mittleren Räume haben eine größere Tiefe und sind die entsprechenden Läufe vor denselben ebenfalls größer, als die übrigen und oben offen. Die beiden Flügel enthalten noch je drei Räume mit längs geschlossenen Ausflügen vor denselben. Im Hintergrund des Hauses vermittelt ein Wärtergang die bequeme Verbindung aller Räume, außerdem sorgen im AViuter zwei Öfen für die nötige Wärme. In jedem Außenlauf befindet sich ein Bassin, das von dem größeren des mittelsten Laufes gespeist wird. Dieses diente vorübergehend den Seehunden und einem Stör als Aufenthaltsort, der hier sehr lange ausgehalten hat und daun in einen Teich gesetzt wurde. Aus der Reihe der Stelz¬ vögel finden wir hier : Grus cinerea, G. australcisiana , G. virgo , G. paradisea , G. regulorum , G. pavonina, Giconia leucocephala , Lepta- tilus marabu , L. argala , Ardea Goliath und außerdem Gypogeramus serpentarius. Die große Voliere, früher ein Muster ihrer Art, macht, seitdem die Restauration dicht neben ihr gebaut ist, lange nicht mehr den imposanten Eindruck. Sie ist ganz aus Eisen konstruiert. Ihr Grundriß ist eine Ellipse, die parallel der kürzeren Diagonale durch die Umfassungsmauer des Gartens abgestumpft ist. An dieser stehen Häuser mit Glasthüren zum überwintern und zahlreiche Schläge für Brieftauben. Der Boden bildet einen kleinen Garten für sich, in dessen Mitte aus Krotzen ein Springbrunnen gebaut ist, dessen überströmen¬ des Wasser in ein daruntergelegenes Bassin fließt. Ardea cinerea , Nycticorax griseus , Platalea leucorodia , Raematopus ostralegus , Fulica atra , Bastarde von Gold- und Amherstfasau, Zwerghühner u. s. w. erfreuen sich der Freiheit, welche diese A^oliere ihnen bietet. Wir gehen von hier zwischen der Terasse der Restauration und dem neuen Musikpavillon hindurch und gelangen bald zu dem Flamingoteich, auf dessen zoologische wie botanische Ausstattung ein besonderes Gewicht gelegt wird, damit der hier länger ans¬ ruhende Besucher nur das Schönste sieht. Der kleine Teich, der vou einer kräftigen Fontäne gespeist wird, ist von AA'iesen eingefaßt, deren Grün mit dem von Agaven, Koniferen, Trauerweiden und sonstigen Ziersträuchern auf beste harmoniert. Außerhalb des Gitters ist der Teich von Teppichbeeten umgeben, an anderen Stellen finden 71 sich Gruppen von Blattpflanzen oder ein Beet schöner Rosen ; kurz alles ist darnach angethan, um den Aufenthalt hier so angenehm wie möglich zu machen. Dazu trägt denn auch die Bevölkerung des Teiches — zahlreiche Flamingos, Phoenicopterus antiquorum und ruber, Ciconia alba und nigra , Ans er magelhanicus und canadensis — nicht das wenigste bei. Dem, Musikpavillon ungefähr entsprechend befindet sich auf der anderen Seite der Terasse die tropische Voliere, ein heizbarer Kiosk mit goldverziertem Dache und Türmchen, welcher von seltenen Hühnervögeln bewohnt wird. Auf drei Seiten ist er von einem rings geschlossenen Gehege umgeben, das in neun Abteilungen zer¬ fällt, entsprechend den Räumen im Innern des Hauses. Grasplätzchen, Koniferen, Cypressen u. s. w. tragen viel zur Verschönerung der Außeuläufe bei, die durch Springbrunnen frisches Wasser erhalten. Doch ist die Besetzung keine derartige, wie sie nach den von Herrn Direktor Bodinus überkommenen Traditionen wohl zu erwarten war. Auch wird auf Züchtung dieser prachtvollen Hühnervögel gar kein Gewicht gelegt und es ist deshalb nicht zu verwundern, wenn eine Art nur in einem Exemplar, sei es Männchen oder Weibchen, ver¬ treten ist, ein wegen der großen Geschlechtsverschiedenheit dieser Vögel kaum zu entschuldigender Mangel. Die Arten Numida vul- turina , Ceriornis satyra , Polyplectron bicalcaratus, Euplocomus linea- tus , E. Sivinhoei , E. Vieilloti , Phasianus Reevesü und Thaumalea Amherstiae waren vorhanden. Außerdem befand sich in einem Käfig eine Kanarienvogelhecke. Hinter der Fasauenvoliere liegen zwei Läufe, in denen früher die Kängurus lebten. Jetzt wird der eine von einem weiblichen Hyänenhund, Lycaon pictus, bewohnt, in dem anderen waren Ka¬ ninchen uutergebracht. Kleine Holzhütten dienen ihnen bei schlechter Witterung zum Unterschlupf. Im Winter bezieht der Hyänenhund einen Käfig im Hause der Vogelgallerie. Das nächste Tiergebäude ist die Schmuckvogelvoliere, eine kleine schmucke Voliere, die nur während der warmen Jahreszeit einer Anzahl durch ihr Federkleid ausgezeichneter Vögel, wie Weber, Witwen, Kardinälen , Stärlingen etc. zur Wohnung dient. Der ganze Raum zerfällt in 5 Abteilungen, von denen die an beiden Seiten gelegenen etwas vorspringen. Jede derselben läßt sich durch eine Glasthür noch in eine hintere dicht, geschlossene und eine vordere vergitterte teilen. In den vorderen befindet sich je ein kleiner Springbrunnen. Der Fuß der Voliere ist von schönen Blumen 72 uud Blattpflanzen verdeckt, die Seiten sind von dichtem Gesträuch verhüllt. Vor ihr, durch den Gang für das Publikum von ihr ge¬ trennt, liegt ein von Rasen eingefaßtes reizendes RI innen parterre, wie denn in dieser Gegend überhaupt die Kunstgärtnerei ihre besten Stücke aufweist. Wir gehen am Maschinenhaus vorüber, in welchem sich die Dampfpumpe befindet, die das Wasser in das auf dem Dach befind¬ liche Reservoir treibt. Von diesem aus werden dann sämtliche Teiche und ein ausgebreitetes Röhrennetz versorgt. Gegenüber liegt ein ^kleiner, mit Blumen, Ziersträuchern und Gras geschmückter Berg, von dessen Spitze ein schön angelegter Wasserfall herab¬ stürzt, der sein Wasser zunächst in den Berg weiher ergießt. Dieser wiederum giebt es au die übrigen Teiche, mit Ausnahme des Fla¬ mingoteiches ab. Nur wenige Schritte von dem Wasserfall und wir sind am großen Raubtierhause, einem der Hauptgebäude des Gartens, das durch den Umbau im Jahre 1880 sehr gewonnen hat. Wie ge¬ wöhnlich, so ist auch dieses gallerieförmig angelegt. Es hat acht Außenkäfige, von denen vier weit nach außen vorspringen und so den Tieren größeren Spielraum gewähren. Von den beiden Kopf¬ enden können wir das Haus betreten; Doppelthüren verhindern einen starken Luftzug. Innerhalb der beiden Thiiren befinden sich die Eingänge zu den in der Zweizahl vorhandenen Winterstuben. In dieseu befinden sich die W urfkäfige und von hier aus gelangt man auf die Gallerie, die sich über den Iunenkäfigen hinzieht und von wo aus die Schieber zwischen diesen und den Außenkäfigen regiert werden. Wer das Innere des Hauses vor 1880 kannte und es jetzt betritt, wird erstaunen ob der Veränderung. Die Luft ist bedeutend besser geworden und die dunklen Holzkasten, die nur vorne ein Gitter hatten, sind verschwunden. Nur Boden, Rückwand und Seiten der zwölf neuen Käfige sind aus festgefügtem Eichenholz, während der Verschluß vorne und oben durch Eisengitter bewerkstelligt ist. Über ihnen befinden sich Fenster in der Decke, welche zur Venti¬ lation dienen. Doch führen diese nicht direkt in’s Freie, sondern münden auf den Bodenraum , so daß ein zu heftiger Luftwechsel vermieden wird. Vor den Käfigen her läuft eine Rinne mit fließen¬ dem Wasser. Der Raum für das Publikum, welches selbstverständ¬ lich durch eine Barriere in geziemender Ferne von den Tieren ge¬ halten wird, ist mit Mosaikplatten gepflastert, ebenso die den Käfigen gegenüberliegende, mit Fenstern versehene Wand mannshoch damit belegt. An dieser stehen drei eiserne Regulieröfen, von denen bis jetzt zwei zur Erhaltung der nötigen Temperatur genügten. Folgende Katzen waren vorhanden : 4 Felis leo, 2 F. concolor , 2 F. tigris , 2 F. leoparclus , 2 F. melas , 2 F. onca (immer Paare) und 1 F. guttata. Den Tieren selbst müssen die alten Käfige indessen viel besser zugesagt haben, wie die Geburten beweisen. So wurden, wie mir Herr Direktor Funk mitteilte, in den Jahren 1870 — 79 unter anderen 32 Löwen und 5 Jaguars gezogen, während nach dem Um- bau noch kein Tier Junge gebracht hat. Ebenso gut wie das große ist das dicht daneben liegende kleine Raubtierhaus besetzt. Der Kölner Garten nimmt, was die kleinen Katzen anbelangt, unstreitig eine der ersten Stellen ein. Das Haus ist nicht mehr das alte, welches durch seinen penetranten Geruch die ganze Umgegend verpestete, sondern an seine Stelle ist 1883 ein freundlicher, massiver Neubau getreten, dessen vordere Seite mit Holz verschalt ist. Hinter großen aufschiebbareu Glasscheiben be¬ finden sich in zehn Käfigen 1 Felis serval, 2 F. pardalis , 1 Para- doxurus typ us, 1 Viverra civetta , 1 Ganis Cerdo , 1 Phalangista vul- pina , 2 Dasyurus ursinus. Bei diesen entdeckte der Wärter am 11. August 1883 zwei Junge. Für die ganzen Tiere war der Beutel der Mutter nicht groß genug; nur der Kopf befand sich in dem¬ selben, während der übrige Körper nach außen hervorragte. Hinter den Käfigen liegt noch ein größerer Raum, in dem sich auch der Ofen befindet. Die Schweinebucht zerfällt in vier mit Eisenstangen umfriedigte Gehege, die mit geräumigen und warmen Ställen in Verbindung stehen. Sus scrofa, S. pliciceps und Dicotyles torquatus fanden sich hier. An die Schweinebucht schließt sich der Wirtschaftshof mit Küche, Heuboden, Kastenschuppen etc. dicht an. Von hier aus ge¬ langt mau auch in die neue Anlage, an welcher im Sommer 1888 noch fleißig gearbeitet wurde. Dieselbe umfaßt ein Areal von sechs preussischen Morgen, so daß dadurch der Garten auf ca. 30 Morgen anwächst. Zu bedauern ist nur, daß kein inniger Zusam¬ menhang zwischen der neuen und alten Anlage besteht. Zwischen beiden führt nämlich ein Privatweg hindurch, wegen dessen Erwerb sich die Gesellschaft mit dem Besitzer nicht einigen konute. Man mußte denselben deshalb überbrücken, muß so aber die Nachteile erfragen, welche eine schlechte Übersicht und erschwerte Kontrolle mit sich bringen. Der neue Park ist rings von einer Mauer um- 74 schlossen und so hoch gelegt, daß er vorn Rhein nicht überschwemmt werden kann. In ihm befindet sich ein großer Teich, welcher haupt¬ sächlich dem Schlittschuhsport dienen soll. Außerdem werden wahr¬ scheinlich die Känguru nach hier übersiedeln. Wir gehen einige Schritte zurück und gelangen durch eine schattige Lindenallee zu dem in maurischem Stil gebauten Elefanten¬ haus. Dasselbe hat durch die letzte Rheinüberschwemmung eine gewisse Berühmtheit erlangt und ist in seinen Teilen in vielen Journalen abgebildet. Im großen und ganzen ist der Grundriß ein Rechteck, dessen eiue Seite und zwar die der Thür gegenüberliegende durch einen Halbkreis ersetzt ist. Hier befindet sich in der Mitte der Giraffenkäfig und rechts und links davGii vier Käfige mit schweren Eisenstäben für Elefanten und Nashörner. In den Elefautenkäfigen hat mau eine Erhöhung gemauert, auf welche sich die Tiere bei einer neuen Überschwemmung zurückziehen können und sie werden jetzt schon für diesen Notfall eingeschult. In dem Rechteck be¬ finden sich 15 Käfige für Antilopen und Pferde, doch sind sie nicht genügend beleuchtet. Die über den Ausgangsthüren angebrachten Oberlichter reichen nicht aus, zumal der Beschauer sehr hell steht. Giraffen waren nicht vorhanden; in ihrem Raum lagerten zwei amerikanische Tapire. Die Nachbarn derselben waren ein indischer und ein afrikanischer Elefant und eiu indisches Nashorn. Antilopen notierte ich folgende : 2 Catoblepas Gnu , 1 BuselapJms Oreas, (ein schönes Weibchen , das mit einem Stier zusammeugebracht dem Garten gewiß manches Junge bringen würde.) 4 Onyx leucoryx , 1 Hippotrcigus Baker i, 1 P. Antilope Imbalis mit einem Juugeu von 1883 und 6 Antilope cervicapra , die meisten im Garten gezogen. Von den Pferden war nur Equus BurciieUii in 3 Exemplaren ver¬ treten. Bei ihnen, besonders beim weiblichen Tiere, fiel mir die auf der Außenseite der Beine fortgesetzte Streifung auf, doch kann ich nicht angeben, ob vielleicht Bastardierung mit einer anderen Zebraart stattgefunden hat. Die Heizung liegt in der Mitte des Zuschauerraunies, in dem sich außerdem noch ein großer Bauer mit Kanarienvögeln be¬ findet. Interessant ist die Art und Weise, wie die Antilopen während des Hochwassers untergebracht waren. Mau hatte angefangen Flöße zu bauen, welche auf den Boden der Käfige gelegt wurden, war aber erst mit einigen fertig, als plötzlich das Wasser kam. Der Wärter trieb schnell entschlossen alle Antilopen auf die wenigen Flöße mul sie vertrugen sich, die gemeinsame Gefahr erkennend, ausgezeichnet. Nur eine ging, nachdem das Wasser wieder allge¬ laufen war, zu Grunde. Um das Haus herum befinden sich 11 Außenläufe für Antilopen und Pferde, einer für Giraffen, zwei für Elefanten und einer mit flachem Wasserbecken für das Nashorn. (Fortsetzung folgt.) Der spanische San tischlüpf er (Psammoclromiis hispanicus. Fitz) und seine Fortpflanzung in der Gefangenschaft. Von Joli. von Fischer. (Schluß.) Der spanische Sandschlüpfer kommt neuerdings häufig und regel¬ mäßig in den Handel und kann von jeder Tier- oder Aquariumhandlung zum Preise von 0,80 — 1,00 Mk. pro Stück bezogen werden. Sein munteres Wesen, seine zierliche Gestalt und sein schmuckes Kleid haben ihn rasch zum Liebling eines jeden Terrariumbesitzers gemacht. Bei zweckmäßiger Haltung und guter Nahrung lebt er auch länger als in der Freiheit, in der die vom Fortpflanzungs¬ geschäft erschöpften Tiere bald den Unbilden der Herbstwitterung erliegen. Die Bewegungen der Sandschlüpfer sind rascher als die irgend einer europäischen Eidechse, und wenn man ihn auf dem gleichfarbenen Sande dahinhuschen sieht, glaubt man weit eher den Schatten eines fliegenden Insekts als eine Eidechse zu erblicken. Die größten Feinde dieser Eidechsenart sind die Kälte und die Nässe, und die Tiere müssen vor beiden sorgfältig geschützt werden. In warmen, trockenen, recht sonnig stehenden Terrarien haben sie keines von beidem zu befürchten. So lauge die Sonne scheint oder die Heizung in vollem Gange ist, sind sie sehr beweglich oder lagern sich oft zu Dutzenden über¬ und nebeneinander, um sich auf dem souuebeschienenen Sande zu wärmen. Erst, wenn die Sonnenstrahlen allzu stark zu sengen be¬ ginnen, verkriechen sie sich unter Schatten spendende Gegenstände. Mit dem Sinken des Tagesgestirns vergraben sie sich in den trockenen, recht lockeren Seesand, in dem sie vollständig verschwinden. Nur wenn die Sandschicht nicht genügend hoch ist, sieht man ihre Schwänze herausragen. Der Körper ist jedoch stets im Sande 76 vergraben. Auch lieben sie es, unter dem Sande oft streckenweise fort zu schlüpfen. Mit dem Wärmen der Morgeusonne erscheinen die spitzen Köpfe dieser hübschen Tiere, die ausgesprochene Tagtiere sind. Nur all¬ mählich verlassen sie, in dem Mähe als sich der Sand erwärmt, die sie schützende Sandschicht, bis der ganze Körper auf der Oberfläche derselben erscheint. Daß Seesand allen andern Sandarten vorzuziehen ist, davon genüge nur ein Beispiel: Ich erhielt zuerst 36 Stück Sandschlüpfer, die ich in ein trockenes warmes, mit trockenem sogenanntem »weißen« Sande gefülltes, gut durchlüftetes Terrarium setzte. Nach 14 Tagen starb mir der letzte Psammodromus. Später erhielt ich zuerst 18 und dann 46 Stück, nebst einer Ladung Seesandes vom Mittelmeerstrande, welchen ich zur Füllung desselben Terrariums benutzte. Bis heute, nach Monaten, ist mir auch nicht ein einziger gestorben. Die Tiere sind sehr munter, fressen gut und besitzen stets klare, nie verklebte Augen, was bei der andern Füllung durchweg der Fall war. Dadurch erklärt es sich auch, warum mau diese Art nie in großer Anzahl auf sandigen Bergen etc., also weit vom Meere ent¬ fernt, antrifft. Die Lebeusbedingungen sind hier olfenbar ungünstig, und nur die robustesten Individuen , die sich an die Bodenart au- passen konuteu und angepaßt haben , haben sich erhalten können. Auch sind in solchen, isoliert vorkoinmeudeu Fuudorteu die Be¬ dingungen zur Entwickelung der Eier und zum Gedeihen der Brut wahrscheinlich noch weit ungünstiger als am Meeresstrande. Denn während mau hier in ein paar Stunden bequem 50 — 60 Stück und mehr Sandschlüpfer erbeuten kann, findet man dort in 4 — 5 Tagen kaum 3. Auch hat sich die Bewegungsart der weit vom Meere lebenden Sandschlüpfer total verändert. Während der am Meeres¬ ufer lebende Sandschlüpfer pfeilschnell von Grasinsel zu Grasinsel eilt, ist er hier langsamer und bedächtiger geworden. Mit Vorsicht und nicht allzu schnell läuft er zwischen den Büscheln des wilden Thymians und des krüppelicheu südeuropäischen Wacholders herum, jede Steinspalte oder jedes Geröll benutzend, um in derselben lang¬ samer als die Mauereidechse zu verschwinden. Ob nun diese etwa 18 — 20 Kilometer vom Meere lebenden kleinen Saurier noch von den Zeiten nachgeblieben sind, als dieses die Höhen umspülte oder ob eine Wanderung stattgefunden hat, ist nicht leicht zu entscheiden. Wahrscheinlicher scheint mir erstere Annahme zu sein. Der Sandschlüpfer besitzt eine wirkliche Stimme, d. h. nicht nur das den meisten Reptilien eigene Zischen, was ja nur eine Athemerscheinung ist. Ergreift man einen laufenden Sandschlüpfer oder drückt man ihn sanft zwischen den Fingern, so hört man seine Stimme deutlich. Es ist ein ziemlich lautes, kurz nacheinander zweimal, seltener dreimal ausgestoßenes Piepen, das wie tsi-tsi klingt und dem abgeschwächten Ruf der Blaumeise nicht unähn¬ lich ist. Derselbe Laut wird auch bei der Paarung gehört, wobei sich das Männcheu nach Eidechsenart im Nacken des Weibchens, welches heftig schreit, festbeißt. Hier wird das Piepen viel lauter und werden die Silben mehreremal hintereinander ausgestoßen. Die Sandschlüpfer sind äußerst friedliebende Tiere, dessenunge¬ achtet streiten brünftige Männchen nicht selten mit einander, wobei sie sich gegenseitig verfolgen und zu beißen suchen. Meist beißen sie in den Schwanz, der auch oft zwischen den Kiefern des Gegners bleibt und nach Anolis- und Lacerta- Art verzehrt wird. Übrigens ist der Schwanz des Sandschlüpfers bei weitem nicht so brüchig wie z. B. bei Lacerta muralis. Im Zorn bewegen die Sandschlüpfer den Schwanz konvulsorisch schlängelnd wie Lacerten u. a., wobei sie ihren Vorderkörper (bis zur Achsel) langsam nach Gecko-Art bald nach rechts, bald nach links schwenken. Ob der Sandschlüpfer viele Feinde hat, vermag ich nicht zu sagen. Ich glaube es nicht. Vielleicht wird er von den großen südeuropäischen Smaragdeidechsen ( Lacerta viridis), die ich oft beim Fang der Sandschlüpfer zwischen dem Dünengrase aufgescheucht habe, gefressen. Die mit dem Sandschlüpfer heimische Girondennatter (Coroncüa girundica ) weigerte sich diese Tiere zu fressen , sie zog Mauer¬ eidechsen diesen vor. Auch glaube ich nicht, daß sie sie in der Freiheit verzehrt. Die Girondennatter jagt überwiegend in der Abend- und Morgendämmerung oder in mondhellen Nächten, wo die Sandschlüpfer tief unter dem Sande geborgen liegen. Da dieser hinter ihnen sofort zufallt, kann sie sie nicht finden und aus dem¬ selben hervorscheuchen, wie sie es bei der Mauereidechse thut, die sie abends aus ihren Schlupfwinkeln heraustreibt, indem sie in die¬ selben kriecht. 78 Schutzmittel sind dem Sandschlüpfer nur zwei eigen : die schnelle Flucht und das Sichtotstellen. Letzteres bringt er bis zu einer groben Virtuosität, und ich selbst habe mich öfters täuschen lassen, wenn ich einen frischgefangenen Sandschlüpfer in ein Glas setzte und denselben wie leblos mit eingehaltenem Athem liegen sah, bis er mir entwischte. Zahm wird diese Art kaum. Sie begnügt sich, Fliegen, Mehl¬ würmer etc. aus der Hand zu fressen, wenn diese unbeweglich bleibt. Das Auge ist scharf und geübt, das Gehör nicht schlecht ent- wickelt. Der Geruch ist schwach, der Geschmack mäßig, indem die Sandschlüpfer alles Lebende fressen. Der Tastsinn, welcher seinen Hauptsitz in der Zunge hat, wird wenig geübt. Man sieht fast nie oder nur äußerst selten die Tiere im Gegensatz zu andern Lcicertiden züngeln. Als Futter reiche ich meinen Gefangenen den ganzen Sommer durch ausschließlich Fliegen, die sie sehr lieben und die ich mit dem Fliegensack fange und vor dem Reichen durch Schlagen gegen den Boden betäube, worauf ich den Sack im Behälter umstülpe. Sofort eilen die kleinen Eidechsen herbei, um die zappelnden Fliegen auf- zn lesen. Die Sandschlüpfer würden die herumfliegendeu Fliegen nicht fangen können, da sie fast gar nicht springen können. Ihre Nahrung- bestellt ja in der Freiheit aus kriechenden, laufenden oder doch nur niedrig fliegenden Insekten. Sie lernen jedoch bald die auf einem Stück Zucker sitzenden Fliegen zu beschleichen und zu fangen, indem sie dieselben von oben herab erfassen. Zucker lieben sie sehr wie alle Eidechsen und bleiben oft viertel- stundenlang um ein Stück gruppiert, welches sie begierig belecken. Außer Fliegen fressen sie auch kleine Mehlwürmer (größere würgen sie oft am andern Tage wieder heraus), allerlei Kerfe, Maden etc. Es sieht ungemein possierlich aus, wenn sich zwei Sand¬ schlüpfer um einen Mehlwurm streiten. Der größere schüttelt den kleineren oft derart, daß der letztere weit fortgeschleudert wird, während er selbst auf den Rücken fällt. Das Trinken geschieht lappend. Am 13. und 14. Juni 1883 begannen unter meinen Gefangenen die ersten Paarungen. Diese geschahen unter vielem Schreien. Ich setzte ein Paar in ein Separatterrarium ab. 79 Am 1. Juli, also nach 17 — 18 Tagen legte das Weibchen in den Saud G weihe, an beiden Enden gleich breite länglich -ovale Eier mit pergamentartiger Schale. Ihre Mähe waren folgende : Länge : 12,75 mm; Breite 7 mm. Ich legte sie mit andern ziemlich zu gleicher Zeit gelegten und mit einem Zeichen versehenen Eiern in geräumige, 20 — 25cm hohe Einmachegläser, von denen einige mit weihem, durchgesiebtem, kalk¬ freiem Saude, die andern mit Seesand folgen der weise gefüllt wurden. Der Boden der Gläser beider Kategorien wurde leicht ange¬ feuchtet, darauf eine 3 cm hohe Lage noch trockenen Sandes ge- bracht. Auf diese letzte legte ich die Eier, jedoch so; dah sie sich gegenseitig nicht berühren konnten, damit eine etwaige Schimmel- bildung auf dem einen nicht das Nachbarei anstecken könne. Die Zwischenräume wurden mit feiugesiebtem, trockenem Sande aus- gefüllt. Der Rest des Inhalts der Gläser wurde ganz lose mit trockenem Sande nachgefüllt. Statt eines Stöpsels wurde ein Pfropf stark durch¬ nähten, in Leinwand eingewickelten Sphagnummooses auf die Mün¬ dungen der Gläser gebracht und mit einem Stück Tüll zugebunden. Das Ganze stellte ich in ein temperiertes, trockeues, von der Sonne stark beschienenes und gut gelüftetes Terrarium. Die Gläser wurden, täglich beobachtet, ob sie den gehörigen Feuchtigkeitsgrad der Sandfüllung besähen. Als Mahstab diente mir das Vorhandensein winziger, au den Glaswänden zwischen den Sandporen haftender Wasserpartikelu (Schwitzen der inneren Wände), sowie das Beschlagen der Innenwand der Gläser zwischen dem Pfropf und der Sandschicht. Sobald dieses »Schwitzen« zu schwinden begann oder nur stellen¬ weise auftrat, befeuchtete ich den Moospfropf vermittelst eines Zer¬ stäubers so lauge, bis die durchgehende Wassermenge auf die Sand¬ schicht herabzutropfen begann und sich diese dunkler färbte. Darauf wurde das Glas einem grellen aber durch Sandaufhäufung gedämpften Sonnenlicht in dem Terrarium ausgesetzt. Am 14. August sah ich die Gläser, jedes einzeln, nach, entfernte die Saudschicht und die Eier aus denselben vermittelst eines kleinen Löffels. Die bei weitem grollte Anzahl der Eier war stellenweise grau, d. h. durchscheinend geworden und fühlte sich bedeutend praller an als die frischgelegten. Sie hatten an Umfang zugenommen, waren demnach g e w achs e n. Ihre Malle waren folgende : 80 — Länge: 20,75 mm — 17 nun. Breite: 11 mm — 10 mm. Sie hatten eine solche Größe erreicht, daß kein Sandschlüpfer im Staude gewesen wäre, auch nur eins zu legen. Beim Aufschneiden eines, solchen gewachsenen Eies fand sich ein lebensfähiger fast fertiger Fötus vor. o ö Die übrigen nicht gewachsenen Eier waren teils u n 1) e- O o fruchtet, teils faul und ließen nur verweste Embryoneureste im ersten Stadium ihres fötalen Lebens erkennen. Ich entfernte die verdorbenen Eier nebst dem sie umfüllenden Sande und brachte die unverdorbenen in ihre ursprüngliche Lage, genau beobachtend, daß sic weder gerüttelt noch gewendet wurden. Hier muß ich ein für Reptilienzüchter wichtiges Kriterium und eine Verhaltungsmaßregel einschalten, die, wenn sie nicht beobachtet wird, ganze Reiheu Ausbriitungsversuche in Frage stellen kann. Alle pergameutschaligeu Eier der Reptilien, als Eidechsen und Schlangen, sind gegen die Schwankungen des Feuchtigkeitsgrades sehr empfindlich. Werden sie zu trocken gehalten, so schrumpfen sie ein und sterben ab. Werden sie dagegen zu stark angefeuchtet, so verfaulen sie, worauf der Schimmel stark um sich greift und bald das ganze Ge¬ lege zerstört. Daher muß man das richtige Mittel zu finden wissen, was man nach einiger Übung bald erreicht. Der Sand oder die Erde darf an den Eiern nicht teigig an haften sondern muß von denselben bei ihrer Herausnahme aus der sie umgebenden Schicht körnerweise abfalleu, so daß das Ei jederzeit rein erscheint. Wer Reptilieneier selbst ausgegraben oder gezeitigt hat, wird wissen, daß alle in der Freiheit gefundenen, gesunden Eier voll¬ kommen rein oder doch leicht von dem anhängenden Sande oder der Erde zu befreien sind. Auch sind nie Beulen oder Runzeln vor¬ handen. Würde die Umgebung das Ei krustenartig umschließen, so würden die Poren desselben verstopft und der Fötus erstickt werden. Am 17. August sah ich nochmals in den Gläsern nach und fand auf der Oberfläche der Sandschicht, welche die am 1. Juli ab¬ gelegten Eier enthielt, zwei ausgeschlüpfte Sandschlüpfer. Sie hatten sich von unten nach oben gewühlt und lageu auf dem Sande im Sonnenscheine. Sie fühlten sich noch feucht an und hatten beide Augen vom weißen (nicht See-) Sande verklebt. Auch überzog eine krustenartige Schicht den größten Teil des Kopfes. Bei den später 81 ausgeschlüpften, im Seesaude gezeitigten Jungen war diese Erscheinung nicht zu bemerken. Der Seesand verklebte zwar hie und da die Augen, wurde aber leicht durch Reiben au harten Gegenständen abgestreift. Offenbar liegt darin die Ursache, warum der Sandläufer an Orten mit Seesandboden häufiger ist als dort, wo dieser fehlt und die jungen Tiere gleich in den ersten Lebenstagen hilflos mit jener Kruste, die den Kopf oft kappenartig umgiebt, umherlaufen und umkommen. Zur Entfernung dieser Kruste mußte ich die Hülfe des Messers in Anspruch nehmen, mit dem ich den Kopf reinigte, was den jungen Tieren offenbar Schmerzen verursachte, denn sie schrien ziemlich laut. Die Längenmaße waren bei den ausgeschlüpften Tieren folgende: Länge des Gesamtkörpers (von der Schnauzenspitze bis zum Schwauzende) 53 — 54 mm. Länge des Schwanzes: 31 — 32 mm. Bei genauerer Betrachtung des Glasinhaltes hörte ich ein Scharren o o an den Glaswänden und fand im Sande noch fernere 4 vom Gelege am 1. Juli stammende Sandschlüpfer. Die Eischalen waren der Länge nach halbiert und zum Teil bereits eingerollt, was auf den Beginn des Eintrocknens schließen ließ. Die Dauer der Tragzeit ist demnach 17 Tage, die Dauer der Brutzeit 48 Tage. Spätere Brutresultate bestätigen die Daten mit einer Variante von 1 — 3 Tagen. Ich setzte die neugeborenen Tierchen in kleine Zuchtterrarien, denen ich einen warmen, recht sonnigen Staud gab. Nun wurde die Fütterungsfrage eine sehr heikle. Vor Fliegen, Ameisen fürchteten sie sich und nur einer fraß einen winzigen Regenwurm. Kleine Dipteren, welche die Fisch-, Muschel- und Krustaceenkadaver am Meeresstrande myriadenweiße umschwärmen, konnte ich mir nicht beschaffen. Kleine Mehlwürmer erwiesen sich zu hart. Auf diese Weise lebten sie 14 Tage, jede gebotene Nahrung verschmähend, obschon sie häufig genug auf eine Motte, eine Mücke etc. losstürzten, sie anstierten, dann aber im nächsten Moment in panischer Furcht davonjagten, sobald sich das Insekt bewegte. Sie wurden immer magerer und in der Magengegend fast durchsichtig, bis einer nach dem andern eingiug. Im kommenden Frühjahr werde ich die Zuchtversuche im großen anstellen und mich rechtzeitig mit am Seestrande lebenden Dipteren Zoolog. Gart. Jahrg. XXV. 1884. G und ihren Larven versehen, indem ich mir verwesende Krustaceen- kadaver kommen lassen werde, die die winzigen Maden in Hülle und Fülle enthalten und aus dem umgebenden Sande bequem herausge¬ graben werden können. Die etwaigen Erfolge werde ich in diesem Blatte niederlegen. F ä r b u n g de r j u n gen Tie r e. Die Färbung der Oberseite der jungen Tiere ist ein mehr oder minder helles Gelblich-brauu-grau. Der Schwanz ist einfarbig horn¬ gelb mit leichtem bräunlichem Anfluge. Die Unterseite ist weiß, die des Schwanzes sehr hell hornfarbig. Auf der Oberseite des Körpers laufen, vom Nacken bis zum Beginn des Schwanzes, (etwa bis zur Kreuzgegend), sechs schmale, weiße, leicht gelblich angehauchte Längsstreifen, von denen ein jeder mit dem zunehmenden Alter des Tieres in regelmäßigen Abständen durch die Grundfarbe unterbrochen wird, wodurch Längsreihen kleiner, gelblicher- oder bräunlicher- oft weiher Tupfen entstehen, die jederseits von einem kleinen, schwarzen, viereckigen, gleichgroßen, gemeinschaftlichen Fleck flankiert werden. Da alle diese Reihen überall an korrespondierenden Stellen unterbrochen werden, so entstehen parallellaufendeQuerreihen schwarzer, kleiner viereckiger Tupfen, in deren Zwischenräumen die besagten gelblich-weißen Flecke liegen. Der Kopf ist einfarbig dunkel hornbraun. Die Extremitäten sind auf der Oberseite von der Färbung der Grundfarbe des Körpers, tragen aber deutlich abgegrenzte gelblich- öder bräunlich- weiße Tropfenflecke wie junge Acanthodactylus vulgaris. Mit dem zunehmenden Alter verwischt sich die Tropfenzeichnuug bis auf eine schwache Andeutung. Überhaupt wird die Gesamtzeichnung der Körperoberseite mit dem Alter eine mehr unregelmäßige, individuell mannigfach variierende. Die Tierpflege des Zoologischen Gartens zu Hamburg. Von dem Inspektor W. L. Sigel. Unter diesem Titel beabsichtige ich, Mitteilungen aus dem Tierleben zu geben, die sich sowohl auf einzelne probat befundene Fütterungsweisen, wie auch auf solche Mittel, die in bemerkens¬ werten Vorfällen mit Erfolg angewandt wurden, ferner auf solche 83 Ereignisse, deren Erfahrung uns für die Folge zur Richtschnur dienen könnte, erstrecken. Es sollte mich sehr freuen, wenn auch einige unserer Schwester¬ anstalten sich dazu verstehen könnten, ihre Beobachtungen auf diesem Felde zur Veröffentlichung zu bringen. Der Nutzen, den solch gegenseitiger Austausch in sich trägt, ist zu einleuchtend, um noch erst näher erörtert zu weiden. I. Operation einer Löwenkralle. Eine unserer Löwinnen war durch die Entartung einer Kralle an der rechten Vorderpranke, in deren Sohlenballen sie einzudringen drohte, erheblich am Gehen behindert. Um das Tier aus seiner üblen Lage zu befreien, wurde das Stutzen der fraglichen Kralle unerlässlich. Diese Prozedur konnte auf folgende Weise rasch, sicher und durchaus gefahrlos ausgeführt werden. Vermittelst einer auf dem Fussboden des Käfigs ausgelegten Hanf¬ schlinge, welche derart angebracht war, daß das Zuziehen derselben in dem Gitter erfolgte, wurde die leidende Tatze durch den zwischen Gitter und Fußboden bestehenden freien Raum hervorgeholt und die verwachsene Kralle sodann mit einer kräftigen Schere soweit wie thunlich beseitigt. Die Leine, welche hierbei zur Verwendung kam, war von 1 cm Durchmesser Dicke, ungebraucht und zu dem Zwecke, daß die Schlinge ohne Hemmung durch die geflochtene Öse laufen konnte, glatt, d. h. so glatt wie es eben eine gut gedrehte Leine sein kann. Ferner mußte letztere, wie sich von selbst versteht, eine solche Länge haben, um den vier Leuten, die beim Anziehen derselben dem kräftigen Tiere Widerstand entgegen zu setzen hatten, hinreichend Platz zu gewähren. Die Länge der unsrigen belief sich auf ca. 4,75 m. Die Schere, wenn auch nicht für diesen Zweck extra angefertigt, eio-nete sich vermöge ihrer besonderen Konstruktion vortrefflich zu solcher Operation. Die nur kurzen Schneiden bildeten ein paar halbmondförmige starke Blätter, waren somit nach aussen hin überall abgerundet und sicherten das Tier iu dieser Form vor einer etwaigen Stichwunde. Die sehr langen geraden Arme der Schere ermöglichten die Ausübung eines starken Druckes. Noch an demselben Tage hatten wir die Freude, unsere Löwin ohne Schonung des Fußes einherschreiten zu sehen. 84 II. Ein kleines Mißgeschick unseres Giraffeuhengstes. Inwiefern kleine Ursachen große Wirkungen veranlassen können, haben wir bei unserem Giraffen hengste erfahren müssen. Die unseren Giraffen zur Aufnahme des Kleeheus gegebenen Futterraufen sind, wie man sie fast allgemein auch in den Pferde¬ ställen im Gebrauch hat, aus Eisen konstruierte Gestelle, die in ihrer äußeren Form etwa dem Geviert einer Kugel gleichen und unter deren Sprossen, welche sich von der Mitte aus nach den Seiten zu mehr und mehr verjüngen, die jederseits letzte ein durch die Einfassung begrenztes, infolge der Sprossenkrümmung nicht ganz vollkommenes Viereck bildet, dessen offenes Feld, von unseren Raufen gemessen, in der Mittellinie sowohl 8 cm hoch wie breit ist. In eine solche Ecke hatte nun der erwachsene Hengst im Laufe der Nacht den Vorderteil seines Unterkiefers hiueiugezwängt, und das Aufschwellen der Lippenteile verhinderte ihn daran, sich dieser fatalen Situation zu entheben. Durch Abhauen der fraglichen Sprosse wurde rasch die Erlösung herbeigeführt. Um ähnlichen Ereignissen ein für allemal vorzubeugen, sind an unseren sämtlichen Giraffenraufen diese kleinen Offnungeu durch das Entfernen der verdächtigen Ecksprossen in der gehörigen Weise erweitert worden. Das Tier ist ohne weiteren Schaden davon gekommen. — Wie aber wäre die Sache ausgefallen, wenn es bei der fortwährenden Anstrengung, die es zu seiner Befreiung machte, gestürzt wäre ? III. Uber das erstmalige Insfreielassen der Känguru. o O Das erstmalige Hinauslassen neu angekommener Känguru auf den Außenplatz macht infolge der oft großen Scheuheit dieser Tiere und bei deren Nichtbeachtung der ihnen unbekannten Gitter¬ einfriedigung recht häufig große Sorge. Um ihnen eine Gelegenheit zu geben, sich vorerst mit dem für sie bestimmten Terrain vom Stalle aus möglichst zu befreunden und sie dadurch vor etwaigem Unglück zu bewahren, sind kleine Gitter angefertigt worden, die der Größe der zu den Ausläufern führenden eisernen Falltliüren genau entsprechen und durch Keile unmittelbar vor diesen befestigt werden. Nach einem 4 bis Otägigen, durch die beständig aufgezogen gehaltenen Schieber gestatteten Ausguck wird das provisorische Gitter wieder entfernt und den Tieren freier Lauf gelassen. Diese Einrichtung hat sich als vortrefflich bewährt. Zu bemerken ist nur, daß die Befestigung des Vorsatzgitters mit Rücksicht auf die nicht zu unterschätzende Kraft dieser Tiere eine solide sein muß. IV. Uber Einfriedigung; der Känguru. Ö o O An der Einfriedigung der den Känguru reservierten Plätze, die sich für diese Tiere seit nahezu 18 Jahren als vollkommen ausreichend erwiesen, hat sich im Jahre 1881 für die größeren Arten, mit Rücksicht auf die Entfaltung ihrer Sprungtalente, eine bemerkennswerte Abänderung nötig gemacht. Das solide 1,43 m hohe Gitterwerk, welches sämtliche Plätze einhegt und in dieser Größe auch wohl allen kleineren Känguru stets ein uniibersteigliches Hindernis bleiben wird, trug d. Z. au den Stellen, wo es größeren Arten zu dienen hatte, noch einen 29 cm hohen Aufsatz, der aus einer Reihe den einzelnen Gitterstiickeu an ihren oberen Enden eingeschobenen und von zwei starken Drähten durchlaufenen Eisenstäbchen bestand. Wälirend der eine Draht diesen Aufsatz nach oben hiu begrenzte, halbierte der andere den sich zwischen jenem und dem Gitter gestaltenden Raum. Am 13. April 1881 gefiel es dem Rotkänguru, welches ver¬ mutlich durch das Herabfallen eines später in seiner Nähe gefun¬ denen Papierdrachens außer Fassung gebracht worden war, seinen Weg durch diesen nicht eben weiten, aber elastischen Drahtschutz hindurch zu nehmen und seinem auf dem Nebenplatze befindlichen Verwandten, einem Riesenkänguru, ei neu Besuch abzustatten. Die Tiere wurden mit Leichtigkeit wieder getrennt, dann aber wurde auch sofort auf eine zweckmäßige Abänderung des Aufsatzes Bedacht genommen. Noch ehe diese zur Ausführung gelangte, hatte schon das Riesenkänguru, indem auch ihm hierbei die Drähte kein großes Hindernis waren, dem roten den Besuch erwidert. Wir hatten hier also zwei Fälle, die uns sowohl durch ihre Neuheit wie auch durch ihre schnelle Aufeinanderfolge überraschten. Au die Stelle der einfachen Drähte ist eine 47 cm hohe kräftige mit dem Gitterwerk fest verbundene Drahtnetzeinfassuug getreten, durch welche hoffentlich ähnlichen unwillkommenen Wagestücken entgegen gewirkt ist. V. Behandlung einer Entzündung unter dem Hornstumpfe unseres Nashorns. Unser Nashorn hatte sich durch verschiedentlich heftiges Anrennen gegen das Mauer- und Eisenwerk seines Käfigs eine Verletzung am vorderen Ende des bis zu einer dicken Platte ab- 86 geriebenen Hornes . zugezogen. Die unter dem Stumpfe um sich greifende, gegen Ende des vorigen Jahres auf der Verwundungsstelle zutage tretende Eiterung machte, um dieser Abfluss zu verschaffen, das Entfernen eines großen sich bis über die Hälfte hinaus er- streckenden Teiles des Stumpfes erforderlich. Diese durch ihren Anspruch au gute Geduld und an Vorsicht nicht ganz leichte Arbeit hat unser Wärter Flöring innerhalb dreier Wochen zu einem befriedigenden Abschluß gebracht. Die Hornmasse wurde bis zu einer letzten dünnen Schicht vermittelst einer nach aufwärts ge¬ bogenen Raspel — sog. Holzuägel- oder Speilraspel der Schuhmacher — beseitigt, der Rest aber, in welchem eben der Schwerpunkt der Behandlung lag, da man sich zu hüten hatte, dem Tiere nicht in das wunde Fleisch zu fahren, mit einem Steingallenmesser heraus¬ geholt. Geeignete Laune und Stellung des weder durch Zwang noch durch Güte zu regierenden Riesen spielten die Bestimmer der Arbeit. Glücklicherweise ist es bei unserem Tier Sitte, nachdem es seinen gereinigten Stall wieder betreten, ein wenig auszuruhen, wobei es sich dann derart niederzulegen pflegt, dass die Schnauze hart das Gitter berührt oder zu diesem herausgestreckt wird. Diesem günstigen Umstande, dem man durch Streicheln des Tieres am Kopfe und Rumpfe des weiteren zu Hilfe kam, war es zu danken, daß man sich der Sache fast täglich, wenn auch nicht selten nur auf kurze Zeit, widmen konnte. Ein tägliches, zweistündliches, -f- 15° R haltendes Bad reinigte die Wunde, welche, wenn trocken geworden, mit Aloetinktur nach allen Seiten hin bepinselt oder auch begossen wurde. Das Abfeilen der oberen Horufläclien hatte wenig Einfluß auf das Empfindungsvermögen des Tieres, die Beseitigung der letzten Schicht aber sowie die Behandlung mit der Aloe waren ihm un¬ angenehm. Die Neubildung des Hornes erfolgte ziemlich rasch. Leider hemmt der Bursche den Heilungsprozeß nur gar zu sehr durch das ihm zur lieben Gewohnheit gewordene Nasengescheuer. VI. Zur Pflege des borstigen Gürteltieres, JDasypus villosus Desm. Die borstigen Gürteltiere haben sich seit einer Reihe von Jahren beständig bei uns fortgepflanzt (bis ultimo 1883 zogen wir deren 49). Wir haben daher diese eigentümlichen Geschöpfe in den verschiedenen 87 Altersstufen kennen gelernt und können über eine zweckmäßige Behandlung derselben einige Winke geben. Unsere Gürteltiere verbringen, soweit es die Umstände erlauben, ihr Dasein unter einer in der sog. großen Voliere untergebrachten Gesellschaft kleiner und mittelgroßer Alfen. Gegen den Unbill der letzteren sind sie einerseits durch den kräftigen Panzer, anderseits durch ihre Schwere geschützt. In der Morgen- und Abendmahlzeit der Affen — abgerahmte, aufgekochte Mich und darin eingeweichtes Weizenbrot — befriedigen sie, nicht selten mit einer au Frechheit grenzenden Unbefangenheit ihre Nahrungsbedürfnisse. Das weibliche Gürteltier unterliegt natürlich aufmerksamster Beobachtung und wenn der Zeitpunkt herannaht, der eine Nach¬ kommenschaft erwarten läßt, so wird es aus der Voliere entfernt und in einen mit besonders reichlicher Strohschütte versehenen Seiten¬ käfig des Affenhauses gebracht. Hier haben wir nun Gelegenheit zu beobachten, wie das Tier die ihm zu Gebote stehenden Mittel seinem Naturtriebe anpasseud zu verwenden weiß. Es wühlt sich, um der Außenwelt entrückt zu sein, vollkommen in die Strohschütte ein und bringt in der Verborgenheit gewöhnlich zwei — selten ein — blinde Junge zur Welt, auf deren dünner und weicher Rückeuhaut die spätere so kräftige Gürtlung durch schwache Linien angedeutet ist. Hauptbedingung ist es, das also bereitete Lager bis zu dem etwa in der vierten W’oche nach der Geburt eintretenden Zeitpunkte, wo mit dem Erwachen des Augenlichtes die Kleineu mit mütter¬ licher Erlaubnis im Käfig umherzuwandern beginnen, möglichst wenig zu berühren. Haben sich vor dieser Zeit die Jungen je einmal zu einem Spaziergange außerhalb ihres Versteckes verirrt, so ist die Mutter eitrigst bemüht, sie wieder, solche mit dem Maule erfassend, dahin zurück zu schleppen. Unvorsichtige Eingriffe in die Häuslichkeit der jungen Brut können, indem sie zur Vernach¬ lässigung der letzteren seitens der beunruhigten Mutter führen, recht folgenschwer werden. Eine Reinigung des Schlupfwinkels vor der gegebenen Zeit wäre der größte Fehler, der gemacht werden kann. Solche ist aber auch deshalb schon unnötig, weil die Alte ihren eigenen Kot in dem freien Vorderteile des Käfigs absetzt, während sie anderseits dafür sorgt, daß ihre Kleinen trocken liegen. Ein sich am 27. Februar 1881 ereignender Geburtsfall wird uns für die Behandlung dieser Tiere insofern stets ein wertvoller Fingerzeig bleiben, als wir bei unglücklicher Sachlage der Dinge mit unerwartet günstigem Erfolge operierten. 88 Ara frühen Morgen des gedachten Tages fanden wir zu unserer großen Überraschung zwei während des Nacht geworfene Junge inmitten der Affenvoliere liegend vor, die von der Mutter, welche auch nicht eine Miene machte, sich ihnen zu nähern, gänzlich ver¬ lassen waren. Letztere hatte offenbar unter dem Affenge wühle keine passende Lagerstelle für ihre Kleinen finden können und mußte dieselben unter diesen Umständen wahrscheinlich doch für verloren halten. Unsere erste Sorge war es, die Mutter mit den Jungen aus der Voliere zu entfernen, unsere zweite, ein geeignetes Unterkommen zu suchen, in dem die Entfremdeten gezwungen waren, sich un¬ mittelbar zusammen zu halten. Ein solches Unterkommen gewährte ein kleiner Kasten, in welchem die Alte, jeder größeren Bewegung unfähig, den ihr zugesellten Jungen nicht entwischen konnte. So blieben die Insassen, die überdies durch das Zudecken des Kastens im Dunkelu gehalten wurden, einstweilen ihrem Schicksale überlassen. Am nächsten Tage bemerkten wir zu unserer großen Freude au dem munteren Wesen der Kleinen, daß sie Nahrung erhalten haben mußten. Am 1. März gestatteten wir der Mutter, den in einen Käfig gestellten und in die Seitenlage gebrachten Kasten zu ver¬ lassen. Sie lief ein Weilchen umher, kehrte aber bald wieder zu ihren Sprößlingeu zurück, ein Zeichen, daß die Jungen auch ohne ferneren mütterlichen Zwang ihr Fortkommen finden würden. Bei einem anderen Falle, wo eine Mutter ihre schon 15 Tage alten Jungen vielleicht infolge des mullig gewordenen und daher sehr zusammengefallenen Strohes in bedenklicher Weise fortwährend im Käfig umherschleppte, erzielten wir günstigen Erfolg durch eine Strohzugabe und nachherige Verdunklung des Käfigs vermittelst eines vor denselben gehängten Lakens. Noch an dem nämlichen Tage trat in der kleinen Familie die frühere Ruhe wieder ein. Eine dritte Geburt verdient ihrer Abnormität wegen erwähnt zu werden. Ein Weibchen, welches am 28. Februar 1882 zwei Junge geworfen, brachte nämlich 18 Tage später, am 17. März, abermals zwei Junge zur Welt. Leider waren aber diese vier Tier¬ chen schwach, außerdem verfügte die Alte nur über wenig Milch, so daß sie sämtlich bald wieder zu Grunde gingen. In den ersten Tagen nach der Geburt pflegen die Wöchnerinneu, welche trotz ihrer großen Sorge um die Jungen ihre Mahlzeit außerhalb des Versteckes verspeisen, wenig oder gar nicht zu flössen. 89 Der Wurf geschieht zweimal im Jahre. Die Tragzeit ist daher dementsprechend eine nur kurze und dreht sich nach unseren Beobachtungen um zwei Monate. Ein Weibchen, welches man nach Aufzucht seiner Jungen am 25. März wieder iu die Voliere zu seinen Verwandten setzte, wurde am 23. Mai bereits wieder glückliche Mutter. Bei einer anderen mußten wir den Termin auf 70 Tage schätzen. Bis zu einer Temperatur von + 6° R. herab vermag das borstige Gürteltier im Freien auszudauern ; sinkt dieselbe aber tiefer, so giebt es sein Unbehaglichkeitsgefühl darüber dadurch zu erkennen, daß es sich anhaltend in dem nestförmig zusammengescharrten Streumaterial aufhält. So gute Erfahrungen uns im allgemeinen über die Lebensdauer des Dasypus villosus zur Seite stehen, so schlechte haben wir mit anderen Arten gemacht. I). hybridus und D. septemcinctus , die beide wiederholt im Garten vertreten waren, vermochten wir trotz aller angewandten, zum Teil gut acceptierten Nahrungsmittel, als Milch und Weizenbrot, geschabtes oder geschnittenes Fleisch in gekochtem oder rohem Zustande, Regenwürmer, Mehlwürmer, kleine Vögel, Eier, immer nur kurze Zeit am Leben zu erhalten. (Fortsetzung folgt.) Bericht über den Zoologischen Garten zu Hannover pro 1882— 83. Das abgelaufene Jahr 1882 — 83 war in seinen äußeren Verhältnissen für unser Unternehmen nicht sonderlich günstig. Das Wetter sowohl im Sommer 1882 als auch in den Frühjahrs-Monaten Februar und März 1883 ließ sehr zu wünschen übrig. Namentlich aber zeichnete sich das Jahr 1 882 — 83 gegen¬ über seinem Vorgänger durch den außergewöhnlich schwachen Fremden -Ver¬ kehr in unserer Stadt höchst unvorteilhaft aus. Während im Jahre 1881 die landwirtschaftliche Ausstellung und die großen Kaiser-Manöver einen bedeu¬ tenden Fremdenverkehr herbeiführten, entbehrten wir im vorigen Jahre jedes außergewöhnlichen Ereignisses, so daß wir außer den Erträgnissen unserer Sommerfeste keine nennenswerte Extra-Eutree-Einnahmen zu verzeichnen haben- Wenn nichtsdestoweniger der seit 1879 stetige Aufschwung des Zoologischen Gartens gerade im abgelaufenen Jahre die glänzendsten Resultate ergab, so daß die Einnahmen an Abonnements- und Eintrittsgeld von M. (55 (>07. 45 pro 1881 — 82 auf M. 77 345 pro 1882—83, also um beinahe — Zwölftausend Mark — gestiegen sind, so dürfen wir wohl eine um so größere Befriedigung hegen. Der Abschluß der Rechnung stellt sich infolge dessen und auch um des¬ willen recht günstig, weil es gelungen ist, unserer im vorigen Geschäftsberichte ausgesprochenen Erwartung gemäß eine weitere Steigerung der Ausgaben zu 90 vermeiden. Wie die nachgefügte Übersicht der Einnahmen und Ausgaben er- giebt, sind die laufenden Betriebsausgaben einschließlich der Kosten für die Unterhaltung und Ergänzung des Tierbestands, der Anlagen, Baulichkeiten und des Inventars, welche im Jahre 1881 — 82 M. 73 549. 86 betrugen, auf M. 68 579. 88 zurückgegangen. Diese* Ersparnis von ca. M. 5000 in Verbin¬ dung mit den oben erwähnten Mehreinnahmen von M. 12 000 äußert sich in der Bilanz in entsprechender Weise, namentlich im Vorschnß-Conto II und im ehemaligen Conto pro Diverse, welches diesmal wegen Mangels an diversen Kreditoren überhaupt nicht in der Bilanz erscheint. Das Gewinn- und Ver- lust-Conto schließt mit einem Gewinn-Saldo von M. 16 581. 54,' den wir zu Abschreibungen verwendet haben. Der größte Teil dieser Abschreibungen entfällt mit M. 11 477. 48 auf das Bauten-Conto, was mit Rücksicht auf die in früheren Jahren etwas knapp bemessen gewesenen Abschreibungen bei diesem Couto angezeigt sein dürfte. Indem wir uns im Übrigen auf die nachgedruckten Übersichten beziehen, gestatten wir uns noch einige besondere Bemerkungen: Die im vorigen Jahre eingeführte Änderung respective Erhöhung des Sonn¬ tags-Entrees hat sich sehr gut bewährt. Vielleicht haben wir zum Teil auch dieser Maßregel die bedeutende Vermehrung der Zahl unserer Abonnenten zu-- zuschreiben, die noch in keinem Jahre zuvor eine solche Zunahme erfahren hat, wie im abgelaufenen. Wenn unsere Schätzung richtig ist, so waren pro 1882 88 ca. 15 000 Personen, also der zehnte Teil der etwa 150 000 Seelen zählenden Bevölkerung Hannovers auf den täglichen Besuch des Zoologi¬ schen Gartens abonniert. Bei dem notorisch schwachen Fremdenverkehr in Hannover im Vergleich zu den anderen Großstädten ist aber auch unser Institut mehr als andere Zoologische Gärten vorwiegend auf den Lokal¬ verkehr angewiesen, für dessen Hebung und Konservierung wir das Abonne¬ ment als den wichtigsten Faktor betrachten. Von diesem Gesichtspunkte ausgehend, haben wir schon seit einigen Jahren für ratsam gehalten, den aus den heutigen Bedürfnissen und Gewohnheiten entspringenden Wünschen der großen Mehrzahl unserer Abonnenten nachgebend auf die musikalische und sonstige Unterhaltung unser ganz besonderes Augenmerk zu richten. Der Erfolg lohnte unser Bemühen in ausgedehntestem Maße, so daß der Zoolo¬ gische Garten immer mehr der besuchteste und beliebteste Aufenthaltsort der Einwohner Hannovers geworden ist. Mit dem steigenden Verkehr sind aber naturgemäß auch unsere Aufwendungen gewachsen, welche zunächst namentlich für dringend nötige Erneuerungen und Ausbesserungen gemacht werden mußten, so daß eine Wiederherstellung der früheren Höhe der Abonnementspreise not¬ wendig ward. Diese Maßregel bezieht sich zwar erst auf das jetzige neue Rechnungsjahr 1888 84, indes haben wir geglaubt, bereits an dieser Stelle da¬ von Mitteilung machen zu sollen und freut es uns, daß der Erfolg die Erwar¬ tungen fast übertroffen hat, indem bereits jetzt, Ende Mai, die Abonnements- Einnahme pro 1883/84 auf M. 40 000 gestiegen, eine fernere Zunahme im Laufe dieses Jahres aber bestimmt zu erwarten ist. Ein ganz besonders cha¬ rakteristisches Kennzeichen für unsere von denen anderer zoologischen Gärten abweichenden Verhältnisse und bei der jetzigen Lage von außerordentlicher Wichtigkeit ist der Umstand, daß auch im Winter, wo sonst die Frequenz zoologischer Gärten ;mf ein kaum nennenswertes Maß zurückzugehen pflegt, 91 der Besuch unseres Etablissements ein sehr bedeutender war. Die vorhandenen Räumlichkeiten, in anderen Zeiten entstanden und für andere bescheidenere Verhältnisse berechnet, reichten schon seit einigen Jahren bei weitem nicht mehr aus. Die Vermögensverhältnisse des Unternehmens, namentlich die etwa M. 30 000 betragenden Betriebsvorschüsse, konnten aber den Gedanken an größere Bauten nicht eher aufkommen lassen als bis zum Eintritt der jetzigen Besserung. Wir sind nun dem Andrängen nach einer Vergrößerung des Restau¬ rationshauses in Verbindung mit der Herstellung einer größeren Veranda in Rücksicht darauf gefolgt, daß nicht allein während der Wintermonate, son¬ dern auch während der Übergangszeiten im Frühling und Herbst, bei ein¬ tretendem Regen auch im Sommer, die Konzerte im Saal abzuhalten, auch geeignetere Räume für geschlossene Gesellschaften und ferner bessere Küchen und sonstige Wirtschaftsräume notwendig sind. Ein aus der Mitte unserer Abonnenten und Aktionäre gemachtes Anerbieten, die für die Bauten notwen¬ digen Geldmittel vorzuschießen, ist von uns dankbarlichst angenommen und haben wir den Bau auch bereits beginnen lassen. Diese Anleihe ist mit dem 1. Juni d. J. perfekt geworden, wird aus einem Pachtzuschlage mit 5°/o jähr¬ lich verzinst und binnen zwölf Jahren abgetragen. Letzteres wird um so we¬ niger Schwierigkeiten finden, als die städtischen Kollegien unseren Antrag ftuf Stundung fast der ganzen Abtragung des Restes der Prioritätsanleihe vom Jahre 1860, während der Dauer der Abtragung dieser neuen Schuld gütigst genehmigt haben. Der Tierbestand hat durch den Tod der beiden prächtigen Bisons, für welche noch kein Ersatz gefunden ist, und anderer Tiere eine Abnahme nicht erfahren, weil durch Ankäufe ein Ausgleich eingetreten ist. Namentlich war unser Affenhaus noch uie so bevölkert wie gegenwärtig, unsere Sammlung von Straußen ist kompletiert, und auch das Kamelhaus vermag die Zahl der Tiere kaum zu fassen. Die früher mangelhaften Wasserverhältnisse des Gartens sind wesentlich gebessert worden, und für die Beseitigung von Ausdünstungen ist durch Aufhebung der Pferdeschlachterei und teilweise noch in der Aus¬ führung begriffene Bauten Sorge getrageu. Überhaupt wird noch im Laufe dieses Sommers eine große Thätigkeit im Garten herrschen, um den aus der Zunahme des Besuches uns erwachsenen Verpflichtungen zu genügen. Im Übrigen bleibt zu erwähnen, daß der Ver¬ einfachung wegen die Pachtsumme des Wirtes um den Betrag der früher be¬ sonders berechneten Zinsen für Leitungen etc. erhöhet ist, und daß die Minder¬ einnahme für Häute mit dem schon erörterten Aufgeben der Pferdeschlachterei im Zusammenhänge steht. Einnahme und Ausgabe vom 1. April 1882 bis 31. März 1883. E i n n a h in e. M, Pf. An Kassenbestand am 1. April 1882 . 563. 4(3 » Entree . 39485. — » Abonnementsgeld . . . . 36751. — NB. Die Gesamt-Abonnements-Einuahme für das Rechnungsjahr 1882/83 beträgt M. 378(30. Transport 76799. 46 92 Transport An barer Erlös aus verkauften Tieren . » Restaurationspacht . » Zuschuß aus dem Provinzial fonds . » do. von der C’alenberg-Grubenhagenschen Landschaft . . » Restzahlung von G. L. Kuhlmann alsNetto-Erlösaus der zum Besten des Affen-Fonds verfaßten humoristischen Erzähluug »Molly« » Beitrag des Restaurateurs zu den Konzertkosten . » Vergütung des Restaurateurs für seinen Wasserkonsum aus der städtischen Wasserleitung . » Zahlungen aus dem Vorschuß-Conto II . » diverse Betriebs-Einnahmen: für Pferdehäute . M. 347. — » Dünger . » 497. — » Knochen . » 89. 37 »Eier . » 380. 85 » Hundefutter . » 500. — » altes Eisen, Tierbälge etc . » 64. 80 • - - - — M. Pf. 76799. 46 1551. 95 4998. 90 900. — 600. — 10. — 4492. — 60. — 7822. 14 1879. 2 Summa der Einnahmen M. 99113. 47 Davon ab die Ausgabe » 97160. 40 Bleibt Kassen-Bestand, übereinstimmend mit dem Kassa-Conto der Bilanz . 1953. 7 Ausgabe. Per Zahlungen an Kreditoren der vorigen Bilanz . » Laufende Betri ebs- Ausgaben: » Gehalt und Dienstkleidung . M. 7862. 80 » Arbeitslöhne . » 7079. 2 » Futtergegenstände . » 30271. 76 Heizung und Beleuchtung . 1457. 20 » Wasser aus der städtischen Wasserleitung . . » 424. 30 y> Konzerte, Illuminationen, Sommerfeste etc. . (Der Beitrag des Restaurateurs zu diesen Kosten » 10021. 50 beträgt M. 4492 S. Einnahme.) » Drucksachen, Inserate, Plakate . » 1721. 2 Porto, Fracht, Büreau-und sonstigekleineAusgaben » 751. 85 Feuer-Versicherung . » 320. 46 » Steuern und andere öffentliche Abgaben . . . 165. 8 » Für den Ankauf von Tieren . 3286. 16 » Ergänzungen und Reparaturen der Anlagen, der Baulichkeiten und des Inventars . » 5218. 73 » Extra-Schaustellungen (Seelöwen und Australier) . . . . » Rückzahlungen an das Vorschuß-Conto II . » Amortisation der Prioritäts-Anleihe . » Zinsen . » Aktien-Coupons, beim Abonnement, in Zahlung genommen . 2932. 77 68579. 88 400. — 17000. — 311. 25 4192. 50 3744. — Summa der Ausgabe M. 97160. 40 93 Bilanz vom 31. März 1883. Aktiva. jVJ. | >f An Kassa-Conto . 1958. 7 » Bauten-Conto . 218072. 25 » Wasserleitungsanlage -Conto . 2213. 11 » Gasanlage-Couto . 2187. 57 » Inventar-Conto . 3637. 57 » Maschinen-Conto . 1775. 75 » Bibliotbek-Conto . 219. 19 » Tier- Conto . 53751. 24 » C. Hagenbeck, Hamburg . 58. 14 » Vorschuß-Conto . 2520. — (840 Stück Aktien-Coupons Nr. 8 pro 1883/84.) Summa M. 286387. 89 Passiva. Per Abonnenten-Conto . (pro 1883/84 vereinnahmte Abonnementsgelder) » Aktienkapital-Conto . » Prioritätsanleibe-Conto . » Zinsen-Conto . » Vorschuß-Conto II (Betriebs-Vorschüsse) . . . . . Rekapitulation der Abschreibungen: An Bauten-Conto . M. 11477. 48 » Wasserleitungsanlage-Coute ... » 245. 90 » Gasanlage-Conto . » 243. 6 » Inventar-Conto . » 404. 17 » Maschinen-Conto . » 443. 93 » Bibliothek-Conto . » 24. 35 » Tier-Conto . » 3742. 65 M. 16581. 54 M. Pf. 18163. - 148740. — 92088. 75 7724. 40 19671. 74 S um m a M. 286387. 89 Korrespondenze n. Raunheim, den 1. Februar 1884. Wie ich Meister Reineke beim Honig na sehen überraschte. In dem trockenen Sommer 1883 waren die Hummeln ganz besonders wohl geraten, und man konnte deren Nester in größerer Anzahl auf Wiesen, in Feld und Wald antreffen. Bei meinen Streifzügen habe ich nun öfter ge¬ funden, daß solche Hummelnester herausgescharrt und die Honigwaben ver¬ zehrt waren. An einem schönen Herbsttage ging ich im Walde auf einer Schneiße ruhig meines Weges, als ich auf einmal, vielleicht 150 Schritte vor mir, eine Bewegung neben am Wege bemerkte. Ich glaubte zuerst, ein Eich- - 94 Hörnchen sei dort gehüpft, allein bald sah ich dieselbe Bewegung an der vorigen Stelle. Als ich näher kam, sah ich, daß dies der Schwanz eines Fuchses war, welcher sehr eifrig an der Stelle grub und dabei öfter mit seiner Ruthe schlug. Ich schlich mich nun immer näher, und der Fuchs war so sehr im Eifer, daß er mich nicht gewahrte. Als ich ganz nahe war, warf ich nach ihm mit einem Holzbrocken, der auch dicht neben ihm niederfuhr. Der Fuchs machte einen gewaltigen Sprung in die Höhe, blieb einen Augen¬ blick stehen, und als ich ihm zurief, schlug er sich seitwärts in die Büsche. Er hatte ein Hummelnest aiisgegrabeu und zum größten Teil auch schon ver¬ zehrt. Ich war erstaunt, daß der Fuchs die Stacheln der kleinen Brummbären nicht fürchtete, allein ein alter Ameisenpuppen-Sammler, ein Mann, der den ganzen Sommer den Wald durchstreift und jeden Yogel am Schlage erkennt, der mir begegnete und dem ich die Beobachtung erzählte, meinte, die Hum¬ meln seien ziemlich harmlos und lange nicht so bös wie die Hornisse. Er selbst habe schon einige Nester wegen des Honigs ausgegraben, wobei die Hummeln sich gar nicht zur Wehre gesetzt hätten. Auch auf dem Felde und den Wiesen habe ich später ausgescharrte Hummelnester gefunden. So ist denn Meister Reineke ein rechtes Leckermaul. L. Buxbaum, Lehrer. M i s c e 1 1 e n. Ein sec hsbeiniger Molch. Im Sommer 1883 wurde in der Nähe des Gutes Diekburg bei Münster i/W. ein sechsbeiniger Molch uud zwar ein Männchen der Art Triton taeniatus, des kleinen oder gefleckten Wassermolches, gefangen. Es ist ein kleines Exemplar von 53 mm Länge. Die beiden Vorder¬ beine und Hinterbeine haben eine ganz normale Stellung. Vor dem rechten Hinterbeine sprossen die beiden überzähligen Beine hervor. Dieselben sind etwas kürzer (11 mm) als das normale Hinterbein (14 mm). Ihre Oberschenkel sind mit gemeinsamer Haut überzogen; der vordere überzählige Fuß trägt 5, der hintere nur 4 Zehen. — Wir bemerken noch, daß uns vor Jahren bereits ein ähnliches Exemplar eiugehändigt wurde; auch dieser kleine Molch besaß ein doppeltes Hinterbein, ebenfalls an der rechten Seite. Prot. Dr. LI. Landois. Zoologischer Garten in Liverpool. In Liverpool hat sich eine »Liverpooler Zoologische Garten-Gesellschaft« gebildet, welche die Einrichtung t t D eines Zoologischen Gartens beabsichtigt. Dieselbe hat die Architekten W. Sugden und Son in die Gärten von Berlin, Hamburg, Dresden, Amsterdam, Antwerpen und London gesandt, um daselbst die Einrichtungen und Pläne der Gebäude zu studieren. 95 L i 1 1 e r a t u r. Das Terrarium, seine Bepflanzung und Bevölkerung. Ein Handbuch für Terrarienbesitzer und Tierhändler. Von Joh. v. Fischer. Mit 40 Holz¬ schnitten. Frankfurt a. M. Mahl au & Wald Schmidt. 1884. Terrarien d. h. Behälter, in welchen Erde, Wasser und lebende Pflanzen enthalten sind, die also gewissermaßen einen Garten im Kleinen darstellen, um kleineren Tieren die Bedingungen zu ihrem Gedeihen zu gewähren und ihre Beobachtung zur ermöglichen, sind Einrichtungen der neuesten Zeit, die ja in Bezug auf Haltung und Beobachtung der lebenden Tierwelt so gewaltige Fort¬ schritte gemacht hat. Vielleicht mit einer der Ersten hat der Herausgeber dieser Blätter ein Terrarium beschrieben , in welchem er kleine Säugetiere, Amphibien und Reptilien im Zimmer halten konnte. Herr Joh. v. Fischer ist es nun, der diesen Apparat zu einer bedeutenden Vollkommenheit gebracht hat, so daß derselbe allen möglichen Anforderungen entspricht und für die Bedürfnisse der Bewohner der Tropen wie der gemässigten Klimate eingerichtet werden kann, ohne daß er große Kosten veranlaßte. Welche Resultate Herr v. Fischer damit erzielt, ist den Lesern unserer Zeit¬ schrift aus zahlreichen lehrreichen Aufsätzen wohl bekannt; hat er doch z. B. das schwer zu haltende Chamäleon nicht nur längere Zeit lebend beobachtet sondern sogar zum Eierlegen gebracht und diese Eier bis zum Ausschlüpfen der Embryonen gereift. Nach solchen Proben bedarf es wahrlich keines Beweises mehr, daß Herr v. Fischer der Mann ist, berufen zur Abfassung eines Werkes über Terrarien. Und wir dürfen uusern Lesern auch mitteilen, daß dasselbe vortrefflich ausge¬ fallen und wirklich im Stande ist, eine mehrfach vorhandene Lücke auszufüllen. Denn erstens beschreibt es die verschiedenen Arten der Terrarien, von der einfachen Glasglocke an bis zum komplizierten heizbaren Glaskasten. Alle Werkzeuge, die nebenher gebraucht werden, sind in gleicher Weise besprochen und durch Zeichnungen erklärt. Zweitens ist der Pflanzen Erwähnung gethan, die zur Besetzung des Terrariums geeignet sind, wie sie zu den zu haltenden Tieren passen und dem Zimmer zugleich zum Schmuke dienen können. Be¬ sonders sind die insektenfressenden Pflanzen berücksichtigt, die in letzter Zeit so vielfach die Aufmerksamkeit in Anspruch genommen. Der Hauptteil des Buchs ist aber drittens die Naturgeschichte aller der kleineren Reptilien und Amphibien, die bis jetzt in Gefangenschaft gehalten und in den Handel gebracht worden sind. Der Freund derselben findet in dem Buche vor allein die Möglichkeit, seine Tiere genau zu bestimmen, was seither bei der Zerstreutheit der betreffenden Litteratur keine leichte Aufgabe war und manchem die Lust an ihrer Haltung benahm. Er hört aber dann be¬ sonders, wie die Tiere zu halten, zu pflegen, zu überwintern sind und kann sich auf diese Weise vor beständigen Verlusten bewahren. Zahlreiche Mit- *) Vgl. Band Vif, 186G, Seite 14 u. f. teilungen der an den Pfleglingen gemachten Beobachtungen belehren ihn schließlich über das Wesen und Leben derselben. Das Buch ist durchaus eine Originalarbeit des Verfassers, wie wir solche ja von ihm gewohnt sind. Es wird als das Erste seiner Art mit Freude be¬ grüßt werden und der Tierpflege und der Tierkunde bedeutenden Gewinn bringen. Das wird ein jeder sagen, der dasselbe kennen lernt. N. Die Erde und ihre Völker. Ein geographisches Hausbuch von Fr. von Hellwald. 3te gänzlich umgearbeitete Auflage mit vielen Illustr., Karten und Tabellen. Stuttgart, W. Spemann, 1884. Pr. gebd. M. 16,20. Dieses vortreffliche Werk liegt bereits in dritter Auflage vor uns. Den Inhalt desselben auch nur annähernd vollständig andeuten zu wollen, wäre hier ganz unmöglich. Es mag daher die Angabe genügen, daß gegenwärtig auf dem deutschen Büchermarkt kein Handbuch der Erdbeschreibung zu finden ist, welches sich durch solche Vollständigkeit, Neuheit und Klarheit des In¬ halts empfiehlt. In dieser völlig neuen Gestalt erscheint dasselbe als ein un¬ schätzbares Kompendium, würdig der vollsten Beachtung deutscher Lehrer, gleich wertvoll für die Bereicherung des Wissens wie für die Veredelung in der Naturanschauung bei Jung und Alt. Bringt man diese Vorzüge mit dem äußeren Schmuck zusammen, der dem stattlichen Bande durch die vielen er¬ läuternden Illustrationen von der rühmlichst bekannten Verlagshandlung zuge¬ wendet wurde, dann kann man es sich nicht versagen, dieses Werk als ein ganz vorzügliches warm zu empfehlen. Druck und Papier stehen im Einklang mit der Ausstattung, der Preis ist thatsächlich ein sehr mäßiger D. Gr on e n. Eingegangene Beiträge. v. Tsch. Schm, in H. : Für die freundliche Gratulation meinen herzlichsten Dank. Ihre Beiträge für die Zeitschrift nehme ich gern entgegen. — H. in P. C. (Mo.): Die erste Sendung ist angekommen. Der Aufsatz ist sehr hübsch, nur fürchten wir, da ß er zu umfangreich wird. Er läßt sich vielleicht in einige Teile zerlegen. Ihre Wünsche werden durch die Verlagshandlung erfüllt werden. — H. B. in EL: Die Sendungen werden benutzt. — D. Gr. in C. — Dr. Th. N. in' B. : Besten Dank für die Zusendung. Der Aufsatz ist willkommen. Wegen der Abbildungen werde ich Ihnen Mitteilung machen. — B. L. in H.: Die Antwort wird Ihnen wohl durch die Verlagshandlung zugegangen sein. - G. E. in C. : Es hat mich gefreut, daß Ihr Wunsch so in Erfüllung gegangen ist. Die Aufträge sind besorgt. — L. B. in R. — F. S. in F. — Bücher und Zeitschriften. Job. v. Fische r. Das Terrarium, seine Bepflanzung und Bevölkerung. Mit 40 Holzschnitten. Frankfurt a. M. Mahl au & Waldschmidt. 1884. 10 Mk. Geb. 12 Mk. Will. Marshall, Agilardiella radiata , eine neue Tetractinellidenform mit radiärem Bau. Mit 1 Taf. Berlin 1884. Verlag der Kön. Akademie der Wissenschaften. Dr. K. Ruß. Die fremdländischen Stubenvögel, ihre Kaffurgeschichte , Pflege und Zucht. 4. Band, 4. Lieferg. Magdeburg. Kreutz’ sehe Buch- u. Musikalienhandlung. 1884. Jahrbücher der Deutschen Malakozoologi sehen Gesellschaft. Herausgegeben von Dr. W. Kobelt. 11. Jahrg. , Heft h Frankfurt a. M. Mo r. Diester weg. 1884. E. Friede]. Märkisches Provinzial -Museum der Stadtgemeinde Berlin. Einteilungsplan der geologischen Abteilung Ab 2. Aufl. Berlin 1883. A. B. Meyer. Eine in Sachsen erlegte Rackellienne. Wien 1884, Separ.-Abdr. Mitteilungen des Ornithol. Ver. in Wien. Jahresbericht der Ornithologischen Gesellschaft in Basel für das Jahr 1883. Nachdruck verboten. Druck von Mahl au & Wuldschmidt. Frankfurt a. M. Der Zoologische Garten Zeitschrift für Beobachtung, Pflege und Zucht der Tiere, Herausgegeben von der „Neuen Zoologischen Gesellschaft“ in Frankfurt a. M. Redigiert von Professor Dr. F. C. Noll. Verlag von Mahlau & Waldsclimidt in Frankfurt a. M. No. 4. XXV. Jahrgang. April 1884. 1 ii !i a I i. Die Beschädigungen der oberirdischen Telegraphenanlagen durch Vögel. — Neues aus der Tierhandlung von Karl Hagenbeck, sowie aus dem Zoologischen Garten in Hamburg; von Dr. Th. Noack in Braunschweig. — Einige Bemerkungen zu meinem Aufsatze über „die deutschen Waldhühner“, in den Jahrgängen 1879 -81 des „Z. G.“ ; von Dr. W. Wurm. — Aus dem Zoologischen Garten in Berlin; von L. Wunderlich. — Korrespondenzen. — — Litteratur. — Eingegangene Beiträge. — Bücher und Zeitschriften. — Die Beschädigungen der oberirdischen Telegraphenanlagen durch Vögel.*) Seitens der Reichs-Post- und Telegraphenverwaltung sind im Laufe des Sommers 1881 Ermittelungen darüber angestellt, inwie¬ weit Vögel einen schädlichen Einfluß auf die oberirdischen Telegraphen¬ linien auszuüben vermögen. Die stattgehabten Erhebungen haben nun zwar ergeben, daß die von den Vögeln an den Telegraplienlinien hervorgebrachten Beschädigungen nicht derartig sind, daß durch sie eine besondere Gefahr für die Telegraphenlinien zu befürchten wäre. Immerhin dürfen diese Beschädigungen nicht als ganz unbedeutend hingestellt oder vernachlässigt werden; es sind vielmehr bei den an- *) Im Aufträge des Herrn Staatssekretärs des Reiclispostamts wurde uns mit Bezug auf die in dem Jahrgänge 1882 unserer Zeitschrift erschienenen Auf¬ sätze »die Telegraphenleitangen und die Vögel« unter dem 5. März 1884 eine Nummer des »Archiv für Post- und Telegraphie« mit obigem Aufsatze über¬ sandt. Wir bringen letzteren hiermit gern zum Abdruck, weil er das Ver¬ hältnis der Vögel zum Telegraphen vom technischen Standpunkte aus be¬ handelt. N. Zoolog- Gart. .Tabrg’. XXV. 1884. i 98 gestellten Ermittelungen verschiedene Erscheinungen zu Tage ge¬ treten, auf welche die Verwaltung ihre Aufmerksamkeit auch weiter zu richten haben wird. Zunächst sind hier die Beschädigungen der Telegraphen¬ stangen durch die Spechte zu erwähnen. Die Spechte hacken in die Telegraphenstangen Löcher von G, 9, 12 und mehr Centimeter äußerem Durchmesser, welche 7 bis 8 Centimeter tief gegen die Staugeuaxe konisch zulaufen, nicht selten sogar die ganze Stange durch- dringen, so daß deren Festigkeit beeinträchtigt wird. In einzelnen Ober-Postdirektionsbezirken sind infolge solcher Beschädigungen Aus- O o o Wechselungen von Telegraphenstaugen notwendig geworden. Weitere Beschädigungen entstehen dadurch, daß die Spechte die von der Sonnenhitze herrührenden Längsrisse in den Telegrapheustangen durch Anhacken erweitern, und zwar häufig derartig, daß man einige Finger in die erweiterten Spalten legen kann. Die gedachten Beschädigungen werden vorzugsweise dem Bunt¬ specht (Ficus major) zugeschrieben; es sind indes auch der Schwarz¬ specht (Ficus martius) und der Grünspecht (Ficus viridis) bei dem Anhacken von Telegraphenstangen betroffen worden. Derartig angehackte Stangen werden vorwiegend in waldreichen Gegenden aufgefunden, wo also die Spechte sich in größerer Zahl aufhalten ; dagegen kommen diese Beschädigungen wenig oder gar nicht in den freien Ebenen und namentlich nicht an der Küste vor. In zwölf Ober-Postdirektionsbezirken sind gar keine Beschädigungen bemerkt worden , während in anderen Ober-Postdirektiousbezirkeu eine große Zahl solcher an gehackter Stangen — in einem einzigen Bezirke z. B. allein 32 Stück — gefunden worden ist. Der Specht greift nicht allein unzubereitete kieferne und eichene Stangen an, sondern auch mit Kupfervitriol, Zinkchlorid oder Queck¬ silbersublimat zubereitete Stangen; selbst kreosotierte Stangen läßt er nicht verschont. Denn der von einigen Seiten ausgesprochenen Be¬ hauptung, daß kreosotierte Telegraphenstangen von den Spechten nicht angehackt werden, steht die Thatsache gegenüber, daß ganz neu aufgestellte, vor nicht langer Zeit mit Kreosot zubereitete Stangen aufgefunden worden sind, welche von Spechten angehackt waren. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß der Specht nur bei dem Suchen nach Nahrung veranlaßt wird, die Telegraphenstangen in der beschriebenen Weise auzugreifen, da in den Rissen der Telegraphen¬ stangen, sowie in den Astlöchern oder in den von den Isolatorstützen herrührendeu alten Schraubenlöchern häufig Insekten in sehr großer 90 Anzahl sich aufhalten. Von einer Seite ist behauptet worden, daß die Spechte durch das Summen der Leitungsdrähte bz. der Stangen angelockt würden, indem sie dieses Summen für das Summen von Insekten hielten. Diese Behauptung läßt sich wohl schwer begründen; eher dürfte die Annahme berechtigt sein, daß die Spechte klug genug sind, das Summen der Telegraphenstaugen von dem der Insekten zu unterscheiden. Als weitere Beschädigungen der oberirdischen Telegraphenaulagen sind die Betriebsstörungen zu nennen, welche durch das Aufliegen der Vögel gegen die Telegraphenleitungen entstehen.*) Im allgemeinen vermögen nur größere Vögel, wenn sie gegen die Telegrapheuleitungen fliegen , diese so in Schwingungen zu versetzen, daß ein Drahtbruch oder eine Verschlingung mehrerer Leitungsdrähte eintreten kann. Man hat dergleichen Betriebsstörungen durch gegenfliegende Schwäne, Störche, Trappen, wilde Enten und andere Vögel beobachtet. Namentlich aber sind es die Gänse, welche in den Gegenden mit starker Gänsezucht zu einer wahren Plage für die Telegraphenleitungen werdeu können. Die jungen Gänse, wenn sie auf die Weide getrieben werden oder von dieser nach Hause zurückkehren, fliegen sehr häufig gegen die Telegraphenleitungen und besonders dann, wenn diese sich vor einem dunklen Hintergründe befinden, so daß sie von den Gänsen nicht gut gesehen werden können. In mehreren Ober-Postdirektions- bezirkeu werdeu alljährlich häufige, durch Gänse verursachte Be¬ schädigungen der Telegraphenanlagen, als Zerreißen der Bindedrähte, Drahtbrüche, Verschlingungen der Leitungsdrähte, beobachtet. Kleinere Vögel, selbst Rebhühner werden beim Gegenfliegen gegen die Telegraphenleitungen durch den Auprall in der Regel ge¬ tötet, ohne daß die Leitungen einen besonderen Schaden erleiden. Auch die sich oft in großen Scharen auf die Leitungsdrähte nieder¬ lassenden Stare, Schwalben, Sperlinge und anderen kleinen Vögel vermögen in der Regel einen besonders nachteiligen Einfluß auf den Telegraphenbetrieb nicht auszuüben. Das Gewicht dieser Tiere ist zu gering, als daß durch dasselbe der Durchhang der Leitungen ver¬ größert werden könnte; andererseits vermögen diese kleineren Vögel auch selbst beim gleichzeitigen Auffliegen die Leitungsdrähte in der Regel nicht in so große Schwingungen zu versetzen, daß dadurch Verschlingungen der Leitungen entständen. Allerdings ist in einem Falle beobachtet worden, daß eine große Zahl Stare, welche sich auf eine Telegraphenleituug niedergelassen hatte und mit großer *) Vergl. hierzu Jahrg. XXIII, 1882, Seite 125 und 257. — 100 Heftigkeit plötzlich und gleichzeitig aufflog, eine Verschlingung von vier Leitungen hervorbrachte; und in einem anderen Falle soll eine große Anzahl von Staren, welche gegen die Telegraphenleitungen flog, zwei Leitungen zerrissen haben. Diese Fälle müssen indes zu den Ausnahmen gerechnet werden ; in der Regel wird den oberirdischen Telegraphen anlagen durch das Gegen fliegen kleinerer Vögel ein wesentlicher Nachteil nicht zugefügt. Iu einzelnen, namentlich baumlosen Gegenden werden weiter¬ hin Telegrapheustangen vielfach und mit Vorliebe von kleineren Raub¬ vögeln, Krähen, Elstern u. s. w. als Ruhepunkte benutzt, und, wie bereits erwähnt, setzen sich Stare, Schwalben und andere kleine Vögel nicht selteu in großen Scharen auf die Telegraphendrähte. Bei dieser Gelegenheit werden die Telegraphenlinien durch den U n- rat der Vögel beschmutzt; besonders die Telegrapheustangen erhalten häufig ein Ansehen, als wenn sie mit einem Kalkanstrich versehen wären. Solche Verunreinigungen haben im allgemeinen keinen besonders nachteiligen Einfluß auf die Telegraphenlinien, da die letzteren in der Regel durch den nachfolgenden R.egen wieder abgewaschen werden. Es könnten höchstens die scharfen Exkremente der Vögel die Fäulnis der Zopfenden der Stangen beschleunigen. Schließlich möge noch erwähnt werden, daß Schwalben und Sperlinge sich gern die vor sp ringenden Schutzdächer au den Einführungen der Telegraphen leituugen in die Häuser und an den zur Verbindung der versenkten mit den oberirdischen Leitungen dienenden Uberführungssäulen aussuchen , um unter ihnen ihre Nester zu bauen. Es ist offenbar, daß durch solche Nester Nebenschließungen in den Telegraphenleitungen hervorgebracht werden können. Neues aus (1er Tierhandlung von Karl Hagenbeck^ dem Zoologischen Garten in Hamburg. Von Dr. Th. Noack iu Braunschweig. Mit 4 Abbildungen. sowie aus Die Tierhandlung von Herrn Karl Hagenbeck iu Hamburg ist heute wohl das erste Geschäft der Art in der Welt. Als Beweis dafür möchte u. a. die Thatsache gelten, daß Herr Hagenbeck iu diesem Winter gegen 70 Jungfernkraniche ( Grus virgo) lebend erhalten hat, die er in Südrußland hat ausbrüten lassen, daß er 101 augenblicklich nicht weniger als 32 indische Elefanten von den ver¬ schiedensten Altern und Größen besitzt, darunter ein erwachsenes Weibchen mit einem Jungen, von denen er die meisten dressieren läßt, um sie im nächsten Sommer zunächst im ludustriepalast in Hamburg vorzuführen. Das Institut hat sich zu dieser Höhe auf¬ geschwungen durch die außerordentliche Thätigkeit und Einsicht des Herrn Chefs, der sich auch um die Förderung der wissenschaft¬ lichen Zoologie durch Einführung seltener, ja noch gar nicht be¬ kannter oder beschriebener Tierspezies die größten Verdienste erworben hat. Ich habe seit Jahren Gelegenheit gehabt, bei Herrn Hagenbeck, dessen bereitwilliges Entgegenkommen auch in wissenschaftlicher Beziehung den größten Dank verdient, zoologische Studien zu machen und Tiere nach dem Leben zu zeichuen. Der Zweck folgender Zeilen ist nicht, für das Geschäft Reklame zu machen, welche dasselbe gar nicht nötig hat, sondern einiges über von ihm eingeführte Tierspezies zu berichten. Von besonderer Wichtigkeit sind mir seit ein paar Jahren Sendungen von der Somaliküste und vom Himalaya erschienen, weil die von dort eingeführten Tiere, besonders die aus dem Somalilaude, neue Arten oder wenigstens Unterarten repräsentieren. Bekanntlich hat Herr Hagenbeck den von dort eingeführten Strauß als eine neue Varietät erkannt, ich habe selbst Gelegenheit gehabt, an einer ganzen Anzahl von Exemplaren, von denen die letzten zwölf nach Kalkutta verkauft worden sind und die alle übereinstimmend waren, die erheblichen Differenzen zwischen Struthio camelus Africanus und Somctliensis besonders in der’ Färbung der Beine zu bestätigen, doch da über den Somalistrauß schon von Herrn Reichenow eine Arbeit publiziert ist,1) will ich nicht näher darauf eingehen. Auch das neue Zebra von der Somaliküste ( Eqims Grevii ) weicht erheblich von den übrigen Zebra-Arten ab ; ich habe es indessen noch nicht selbst gesehen. Sehr bedeutende Abweichungen von Asinns taeniopus Africanus zeigt der zuerst von Herrn Hagenbeck eingeführte A. taeniopus var. Somaliensis , welchen Namen ich für den neuen Wildesel des Somalilandes vorschlagen möchte. Das Tier, ein seit einem halben Jahre im Besitz des Herrn Hagenbeck befindliches Männchen, hat ungefähr die Größe des mir aus dem Berliner Zoologischen Garten bekannten As. taeniopus Africanus, nur ist es kräftiger gebaut, besonders hat es einen ziemlich starken ff Seite 19 dieses Jahrgangs. 102 Bauch und ähnelt darin mehr dem Hausesel ; der Kopf ist schmal wie bei dem Steppenesel, die Stirne stark hervortreteud, die Haare bilden auf demselben einen Wirbel ; der Hals ist ziemlich stark und kürzer als bei taeniopus Afr ., die Beine elegant, ebenso die ziem¬ lich gerade Rückenlinie ; die Behaarung ist sehr weich und locker, die Färbung ein zartes rötliches Aschgrau, Schnauze grau, hinter derselben eiu breites hellgraues Band von der Nase bis hinter den Mundwinkel, wie bei As. taen. Afr., dagegen um die Augen ein heller Ring, die langen feinen Ohren innen aschgrau, mit schwarzem Rande, außen an der Spitze und mehr nach der Innenseite schwarz¬ braun breit umsäumt, über die gelbrote Außenfläche des Ohres geht grade über dem Ohrknorpel eine braune Binde, unter der Ohr Wurzel liegt ein heller Fleck. Die nach vorn gesträubte Mähne ist an der Wurzel hellgrau, oben schwarzbraun. Das Kreuz auf dem Rücken und den Schultern fehlt absolut, nur über die Lendenwirbel zieht sich ein dunkler aber nicht sehr intensiver Streifen über den Schwanz, welcher auch innen einen dunklen Streifen zeigt und in eine kleine Quaste ausläuft. Brustbein und Bauchlinie sind scharf abgegrenzt hellgrau, die Beine weichen in der Färbung erheblich von As. taen. Afr. ab, die Vorderbeine sind vorn gelbgrau, hinten scharf abgegrenzt hellgrau, die Schenkel bis zum Sprunggelenk vorn heller. Um die Beine laufen bis zur Brust- resp. Bauchhöhe dunkle Binden, von denen die unter dem Kniegelenk und über dem Unterfuß besonders intensiv dunkel gefärbt sind, während die Binden mehr nach oben matter werden. Die Vorderfüße sind uuteu nach hinten zu dunkel, die Hinterfüße nicht. Über den eleganten Hufen liegen vorn und hinten parallele Bänder, bis zum Knie ziehen sich vorn die Bänder nur durch die dunklere Vorderseite der Vorder¬ beine, nicht nach hinten und inuen ; au den Hinterbeinen laufen sie ganz herum, unten mehr parallel, nach oben zu in sförmigen Kurven. Vorne und hinten läuft je eine Binde in einem Winkel mit der andern zusammen. Wenn nun auch die Art der Bänderung im einzelnen vielleicht individuell ist, was sich nach dem einen bis jetzt überhaupt bekannten Exemplar nicht entscheiden läßt, so berechtigen doch die Intensität der Bänderung an den Beinen, das fehlende Rückenkreuz, der weiße Fleck unter dem Ohr, der kürzere Hals, der kräftigere Bau, den A. taeniopus Somaliensis als eine von taeniopus Africanus erheb¬ lich abweichende Varietät zu bezeichnen. Auch ein von der Somaliküste stammender Gepard des Herrn 103 Hagenbeck zeigt eine Abweichung von Cynailurus guttatus in der erheblich helleren Färbung. Demnach bieten verschiedene Säuge¬ tiere des Somalilandes bemerkenswerte Abweichungen von den entsprechenden afrikanischen Arten, wodurch die Frage berechtigt erscheint, ob nicht dieser Teil der ostafrikauischen Küste in früheren Erdperioden von dem übrigen Afrika getrennt und mit Arabien verbunden gewesen ist. Die Beantwortung könnte erst nach ein¬ gehender Vergleichung der Somalifauna mit der gegenüberliegenden arabischen erfolgen, aber bei der Abgeschlossenheit Arabiens dürfte es schwer halten, von dort das nötige Vergleichsmaterial zu beschaffen. Von anderen ostafrikanischen Tieren erwähne ich noch die Bergantilope (. Antilope montana), von Rüppell entdeckt und früher meines Wissens nur einmal lebend nach Europa in die Menagerie des Lord Derby gebracht. Ich habe das Tier im Ham¬ burger Zoologischen Garten gezeichnet, wohin es von Herrn Hagen¬ beck verkauft wurde und wo es nach kurzer Zeit eingegangen ist. Wenn Brehm »Tierleben« III, S. 262 sagt, alle Bergantilopen zeichneten sich durch ihren gedrungenen Leibesbau und kurze Beine aus, so palst das durchaus auf diejenigen Arten, die wie Oreotragus scdtatrix und der unten zu besprechende Nemorlioedus Goral auf Felsen leben, aber nicht auf Antilope montana , die sich mehr, wie die Tragelaphus- Arten in bergigen Waldregionen auf halten. A. mon¬ tana hat die schlanken Formen und zierlichen Beine, nur viel längere als Tragelaphus scriptus uud schließt sich in der Gestalt am nächsten an die Calotragus- Arten an, auch ist das von mir gezeichnete Tier, ein Weibchen, durch den Mangel der Hörner den Zierböcken und manchen Zwergantilopen ähnlich (nicht alle 9 der Zwergantilopen sind, wie Brehm sagt, hörnerlos, vergl. unten Cephalolophus Max- ivellii). Das Tier war etwa 85 cm lang und 45 cm hoch, doch bemerke ich, daß ich auf die Messungen, welche manche Balg¬ forscher zu ihrer Hauptaufgabe machen, kein großes Gewicht lege, bei lebenden Tieren, die neu beschrieben werden, nicht, weil man nicht weiß, ob sie schon ausgewachsen sind und man sie aus ver¬ schiedenen Gründen, z. B. bei Herrn Hagenbeck wäre das unmög¬ lich, nicht messen kann, am Balge erst recht nicht, weil sich da alle Proportionen verschieben und die Angaben doch immer ungenau bleiben. Antilope montana hat den gebogenen Rücken der oben verodichenen Arten, sehr schlanke hohe Beine, einen ganz kurzeu, kurzhaarigen Stummelschwanz, langen schlanken Hals, große löffel- ruude Ohren, innen mit der gestreiften Zeichnung, wie die Gazellen, 104 der Kopf ist ausgezeichnet durch eine starke Ramsnase, wie sie bei keiner ähnlichen Art vorkommt, durch schlanke nach hinten wie bei der persischen Gazelle zurücktretende Schnauze und große dunkle Augen. Sehr eigentümlich sind die starken Vertiefungen hinter den Ohrwurzeln. Die Färbung ist ein dunkles Zirnmetbraun, Unterseite, Schwanz, Beine und Hals vorn heller, um den Hals gehen vor der Schulter ein paar dunklere Bänder, Stirn dunkler, Hufe sehr schlank. Das Tier zeigte das ängstliche schüchterne W esen der Gazelien- Arten. Die Maxwell’ sehe Schopfantilope ( Gephalolophus Max- ivellii ) vou der afrikanischen Westküste, nicht von Herrn Hagen- beck importiert, wurde vor 2 Jahren von mir im Hamburger Zoo¬ logischen Garten gezeichnet. (Vergl. die Abbildung.) Das reizende Pärchen, welches auch im Garten ein Junges geworfen hat, ist nach kurzer Zeit eingegangen. Das Tier gehört zu den Schopf¬ antilopen {Ceplialölophus) , aber auch zu den Zwergantilopen, denn die beiden ausgewachsenen Tiere des Pärchens (auch das Weibchen trug Hörner und unterschied sich äußerlich in nichts vom Männchen) Cephalophus Maxwellii. West- Afrika. erreichten kaum die Größe von Neotragus Hemprichii , also etwa die eines 14 Tage alten Zickleins. Die Körpergestalt ist gedrungen, der dunkle Schwanz ziemlich kurz, aber lang behaart, die mittelhoheu Läufe sehr zart, der Hals kurz, der Kopf ziemlich gedrungen, aber mit feiner Schnauze, die beiden graden Hörnchen sind gereifelt und etwa 6 cm hoch, der Schopf zwischen denselben bemerkbar, aber nicht ganz so hoch wie die Hörnchen, die Ohren mittellang, innen weißgrau, aber rosa durchscheinend. 105 Die Färbung ist ein ziemlich dunkles Umbra-Graubraun, während die Unterseite, also Kinn, Vorderhals, Unterseite des Bauches, vor¬ derer Rand und Innenseite der Schenkel und Beine weißgrau gefärbt sind ; um die Augen zieht sich ein scharf markierter, heller rosarot durchscheinender weil dünn behaarter Ring, denselben trennt ein dunkler Streifen, der mit der gleichgefärbten Stirn und dem Nacken zusammenhängt, von den hellen Wangen. So ist die Färbung des Kopfes von dem des Cephalolophus mergens doch wesentlich ver¬ schieden, welcher nur einen schmalen Ring um die Augen und dunkle Wangen besitzt, Cephalolophus Maxwellii zeigte das mun¬ tere aber ängstliche Benehmen der Zwergautilopen, der Geschlechts¬ trieb bei dem Männchen war ziemlich stark entwickelt. Das Junge erreichte fast die Größe seiner Eltern, ist dann aber auch ein¬ gegangen trotz der Sorgfalt, die der Wärter der Antilopen in Hamburg, ein in seinem Fache sehr erfahrener uud ergrauter Mann, den Tieren zu Teil werden läßt. Die Schwierigkeiten, die zarteren Antilopen, z. B. auch Antilope Dama , Tragelaphus scriptus u. a. längere Zeit zu erhalten, sind sehr groß, da z. B. schon einmalige Durchnässung durch Regen den Tieren deu Tod bringt. Die Vansire, Antilax oder Atilax Vansire ,*) schon von Buffou bestimmt, aber sehr selten lebend beobachtet, wurde vor 2 Jahren von mir im Hamburger Zoologischen Garten gezeichnet und gehört zu der Gruppe südwestafrikanischer Mangusten, der auch Herpestes penicillatus, JRhycaena tetradadyla, Crossarchus obscurus, mit welchem die Vansire äußerlich am meisten Ähnlichkeit hat, angehören. Jedoch muß ich bemerken, daß Antilax Vansire vorn und hinten 5 Zehen hat, nicht, wie jene, hinten vier. Das Tier hat etwa die Länge eiues Steinmarders, nur erscheint es auch wegen des dichteren Pelzes massiger. Der Kopf ist gedrungen, die Stirn ziemlich stark hervor¬ tretend und von der Nasenwurzel scharf abgesetzt, hinten am Schädel eine ziemlich bemerkbare Crista, die Schnauze schlank zu¬ gespitzt, der Unterkiefer unter der Oberlippe versteckt, die Ohren kurz mit bemerkbarem Ohrläppchen, Hals ziemlich laug und stark, die kurzen ziemlich schlanken und unten dünn behaarten Beine haben je fünf fingerartige ziemlich lange Greifzehen (Daumen vorn und hinten kurz) mit hundeartigen fleischfarbenen Nägeln, Rücken¬ linie wie bei anderen Mangusten stark gekrümmt, Schwanz mittel¬ lang stark behaart, am Ende schlank zugespitzt. Die Färbung ist *) Ygl. Bd. XVI, 1875, S. 10 u. Bd. XVII, 1876, S.381. 100 ein tiefgläuzendes dunkles Schwarzbraun, der Pelz hat etwas fisch¬ otterähnliches, die Schnauze ist hell fleischfarben, Nase dicht an der Schnauze auch hell, dann dunkelbraun, um die Augen ein gelber Ring, Augenlider dunkel, Iris gelbbraun, Augen lebhaft und beweglich. Wangen, Backeu, über die sich ein dunklerer Streifen zieht, Kehle hellgelbbraun, Lippenränder und Unterkiefer hell fleisch¬ farben, ebenso das Ohr, Beine tief braun, Bauch dunkel braungrau , Weichen etwas heller, Schwanz tief schwarzbraun. Der Kopf zeigt besonders von vorn deu rattenartigen listigen Ausdruck, der die Mangusten charakterisiert, das Tier war außerordentlich unruhig und beweglich und zeigte die beständige Neigung, mit den Fingern an den Stäben des Käfigs empor zu greifen und zu klettern, setzte sich auch wohl wie ein Hund auf den Hintern; es erscheint mir daher zweifellos, daß es wie ein Marder häufig auf Bäume klettert. Ich schließe die Reihe der seltenen afrikanischen Tiere mit dem Brillentaucher ( Spheniscus demersus ), dem einzigen in Süd- Afrika lebenden Pinguin. (Vgl. die Abbildung.) Lebende Pinguine nach Europa zu bringen, hat seine großen Schwierigkeiten; ein Versuch, den Herr Hagenbeck vor einigen Jahren mit dem Pinguin der Falklands¬ inseln machte, mißglückte, indem die Tiere, die man ja au Ort und Stelle leicht genug fangen kann, im biskayischen Meerbusen bei einem Sturme alle zu Grunde gingen. Der afrikanische Pinguin, von dem ich bis dahin noch nichts gesehen oder gelesen hatte, wurde 1882 von Herrn Hagenbeck glücklich importiert und war in kurzer Zeit sein Liebling geworden, denn er wurde außerordentlich zahm und war ebenso drollig im Wasser wie auf dem Lande. Lang gestreckt auf oder unter dem Wasser auschwimmend, mit Flügeln und Füßen rudernd, glich er einem kleinen Seehunde, auf dem Lande watschelte er aufrecht einher, folgte seinem Herrn wie ein kleiner Hund, apportierte allerhand Sachen, ließ sich gerne krauen, aufasseu und liebkosen, stieß auch wohl, wenn er sich behaglich fühlte, ein esel¬ artiges Gebrüll aus. Leider starb der Vogel, 8 Tage nachdem ich ihn gezeichnet hatte, in den heißen Julitagen des Sommers, an¬ scheinend am Herzschlage, zum großen Leidwesen seines Herrn. Der Brillentaucher ( Spheniscus demersus) weicht von den süd¬ amerikanischen Pinguinen sehr erheblich ab. Er hat die Größe einer starken Ente, ist aber erheblich korpulenter und hat einen ganz kurzen Hals. Der runde Kopf zeigt eine ziemlich starke Ent¬ wickelung der Stirn und des Hinterhauptes, der starke Schnabel ist raben artig gekrümmt und hat mit dem der anderen Pinguine 107 $Pijp IHÜ .’ ' •>y<-'\'k\.y ;K^$s$*V‘ Der Brillentaucher, Spheniscus dem er aus. Süd-Afrika. keine Ähnlichkeit, an der Basis ist er stark gefurcht, die nackte Haut an seiner Wurzel genarbt, Oberschnabel schwarz, Uuterschnabel in der Mitte horngrau, Basis und Spitze dunkler. Das Auge steht schräger als bei anderen Vögeln und bekommt dadurch und durch das gequetschte obere Augenlid einen kamel- und mongolenartigen Ausdruck; die Iris gelbbraun, um das Auge geht ein heller, kahler, fleischfarbener Ring, Färbung des Kopfes dunkelumbrabraun, Wangen heller, unter dem Ohr und auf der Stirn einige mattweihe Tüpfel, Kehle dunkel, doch zieht sich um dieselbe ein hellgraues Halsband bis gegen den Nacken, auf beiden Seiten mit je zwei dunklen Tüpfeln geziert. Brust gelbrot, Bauch hellgelb Sepia. Über Brust und Bauch ziehen sich einige Reihen von dunkelumbrabraun ver¬ waschenen Tüpfeln, die nach unten immer matter werden. Flügel wie bei anderen Pinguinen gestaltet, mit feinen schuppeuförmigen Federn bedeckt, keine Schwungfedern, Farbe duukelumbra mit ver- 108 einzelten weißgrauen Tüpfeln, hinterer Rand hell, innen hellgrau, Weichen und Schenkel grauumbra, Rücken tief umbrabraun, unter den Deckfedern lieget ein feiner gelbbrauner Flaum. Schwanz mit starken Federn zugespitzt, unterstützt den Vogel beim Stehen und Gehen, Federn unten zerschlissen, Beine kurz und kräftig, Haut genarbt, hinten dunkelgrau, vorn heller, Füße lang mit starken Nägeln dunkelgrau mit fleischfarbenen Flecken, die hintere Zehe steht nach innen seitwärts. Das ganze Gefieder ist stark fett¬ glänzend und fühlt sich an, als ob es mit einem noch nicht ganz trockenen Firniß überzogen wäre, ist also etwas klebrig. Sphen. dem. ruht sitzend wie z. B. RJiea americana, liegend platt auf der Brust mit nach hinten ausgestreckten Beinen, auch hierin dem See¬ hund ähnlich. Von asiatischen Tieren möge zunächst besprochen werden : Die persische Gazelle (. Antilope dorcas var. persica ), eiu noch nicht ganz ausgewachsenes Weibchen. Wenn das Tier auch im allgemeinen den Gazellenhabitus zeigt, so sind doch die Differenzen in der Färbung, besonders aber in der Bildung des Kopfes und der Hörner erheb¬ lich. Die Färbung des Halses ist hellumbra, an der Kehle weißlich¬ grau, der Leib dunkelumbra, besonders nach dem Rücken hin, wie bei der afrikanischen Gazelle trennt ein dunklerer Streifen an beiden Seiten des Leibes und hinten an den Schenkeln die helle Unterseite und die hellen Spiegel (nicht reinweiß, sondern hellumbragrau). Die Beiue sind vorn gelbumbra, hiuten scharf abgeschnitten weißlich, die Ohren außen gelbumbra, innen weißgrau, der Schwanz dunkel- braunschwarz. Der Kopf zeigt eine starke Ramsnase, über welche sich mehrere Falten hinziehen ; die ziemlich starke Schuauze, beson¬ ders der Unterkiefer, tritt nach hiuten sehr zurück, so daß die Bildung der Schnauze etwas nagetierartiges hat und der ganze Kopf etwas an den der Saiga (Colus tataricus) erinnert. Die auf beideu Seiten bis gegen die Spitze hin gereifelten Hörner zeigen von vorn nicht die elegante Lyraform der afrikanischen Gazelle, sondern sind erst nach hinten, im letzten Drittel etwas nach vorn und wie bei manchen Ziegen stark nach außen gebogen, nicht wie bei Dorcas africana nach innen. Die Differenzen erscheinen also bedeutend genug, um die persische Gazelle als eine erheblich abweichende Varietät erkennen zu lassen. Vom Himalaya hat Herr Hagenbeck seit einer Reihe von Jahren eine Anzahl sehr bemerkenswerter Tiere erhalten, unter denen ich zuerst erwähnen möchte: Das Moschustier (. Moschus wiosckiferus). 109 Ich habe den jungen Bock vor 2 Jahren gezeichnet (Vgl. die Abbildung) und bemerke, daß, wenn auch das Tier sonst genug beschrieben und gezeichnet worden ist, doch die mir bekannten Abbildungen, weil schwerlich nach dem Leben gezeichnet, unrichtig sind, indem sie einen rehartigen Habitus zeigen, den das Moschustier doch nicht hat. Das von mir gezeichnete Tier hatte eine dunkelzimmetbraune Färbung mit Reihen von verwaschenen Flecken und war noch nicht ausgewachsen. Das Gesicht ist auffallend schmal, die großen löffel- förmigen Ohren werden meist lauschend, da das Tier auffallend furchtsam war, so eng aneinander gehalten, daß schon dadurch jede Rehähnlichkeit am Kopfe verschwindet. Die Stirnhaare bilden zwi¬ schen den Ohren einen Schopf, die großen dunklen Augen sehr lebhaft, die Nase schmal, die Schnauze dagegen sehr breit, von den Eckzähnen war noch nichts zu sehen, die Kehle zeigte eine hellere Färbung, die Beine zierlich, die Vorderläufe hinten bis zum Knie 110 stark behaart, der Moschusbeutel und der Schwanz kaum angedeutet. Von Moschusgeruch war an dem Tiere nichts wahrzunehmen. Der Goral, Nemorhoedus Goral ist bei Brehm so unrichtig ge¬ zeichnet, daß man das Tier absolut nicht erkennen kann. (Vgl. die Abbildung.) Die noch jetzt im Besitz des Herrn Hagenbeck befindliche und trotz ihrer außerordentlichen Seltenheit seit einem halben Jahre nicht verkaufte Goralziege hat die Größe eines etwa halbjährigen Merinolammes und ist noch nicht ganz ausgewachsen, obwohl das Tier seit einem halben Jahre auch in Bezug auf Gehörn sich nicht wesentlich weiter entwickelt hat. Die Gestalt erscheint auch durch die kräftige und dichte Behaarung sehr gedrungen, auch die Läufe, die unten nach hinten zu stark behaart sind; das entspricht durch¬ aus dem hohen Gebirgsaufenthalte des Goral, während die Ab¬ bildung bei Brehm mit den schlanken Beinen auf eine Steppenan¬ tilope schließen läßt. Die Kopfbildung weicht außerordentlich von der der bekannten Ziegen und Schafe ab, die rostgelbe Stirn ist ziemlich breit, das Ohr fein, aber größer als bei Ziegen und Schafen, innen hellgrau mit duukeren Streifen, dem vieler Antilopen und der Gazellen ähnlich; die kleinen schwarzen bis zur Spitze tein gereifelten Höruer sind schwach lyraförmig gebogen, die dunkel¬ gelbbraunen Augen stehen sehr schräg und verleihen neben der tiefschwarzen Nase und den stark glustrigen Backen dem Tiere das eigenartige, von Antilope, Capra, Ovis ganz abweichende Aussehen. Die Kehle ist scharf abgegreuzt weißlich. Der Körper gelbbraun behaart, die Rückenlinie schwarz, die Haarspitzen überhaupt schwarz, ebenso die Beine dunkel, die Klauen kurz und scharf wie bei den Gemsen , auch der gazellenartige Schwanz dunkel. Das Tier ist ziemlich scheu, macht daher, weil es sich rasch in einen geschlosse¬ nen Raum zurückzieht, Schwierigkeiten beim Zeichnen, doch ist meine Zeichnung ganz porträtgetreu, weil ich den Goral längere Zeit studiert habe. Das Nahoorschaf, Pseudois Nahoor , vom Himalaya wurde vor 1 ljs Jahren in 4 Exemplaren von Herrn Hagenbeck über Indien nach Hamburg gebracht. Die Tiere befinden sich noch im Ham¬ burger zoologischen Garten, der ein Exemplar angekauft hat. Pseu¬ dois Nahoor ist ein kleines Wildschaf, welches in den Hochgebirgen des Himalaya nach Przewalski (Petermanns Mitteilungen I., 1884 S. 20.) auch in Nordtibet im Karakorum neben dem seltenem und mir nicht bekannten Ouis Hodgsoni in klippenreichen Gebirgs- partieen lebt, aber verhältnismäßig leicht gezähmt werden muß, da Der Goral, Nemorhoedns Qorctl vom Himalaya 111 112 die Tiere, obwohl auf der ihnen angewiesenen Felspartie munter uinherkletternd und als echte Kinder des Hochgebirges sich be¬ weisend, doch nicht scheu sind und offenbar schon in Indien zahm gehalten wurden ; das eine Tier hatte in dem einen durchlöcherten Ohr einen roten Lappen hängen, der als Amulet gedient haben mag. Der Körperbau von Pseudois Nahoor ist gedrungen, aber doch elegant, die Größe etwa die des schottischen Bergschafes, etwas größer als die der Heideschnucken. Ich hatte im vorigen Sommer Gelegenheit, auf der Hamburger Viehausstelluug die beiden genannten Schafrasseu , die von den iibrigeu Hausschafen schon durch die Hörner erheblich abweichen, neben einander zu sehen und mit Pseudois Nahoor zu vergleichen, und es erscheint mir nicht un¬ wahrscheinlich, daß wir im Nahurschafe einen Ahnen dieser beiden abweichenden Schafrassen kennen lernen, von denen das schottische Bergschaf noch heute seine Gebirgsnatur nicht verläugnet, während die Heidesclmucke nur in der Lüneburger Heide keine Gelegenheit dazu hat, beide aber in Bezug auf deu Körperbau, den halblangen Schwanz, die Hörnerbildung entschieden an den Nahur erinnern. Ich w7eiß nicht, ob mau schon das Skelett vom Nahurschaf in deu landwirtschaftlichen Akadeinieen hat, bin aber überzeugt, daß eine anatomische Vergleichung der drei Schafrassen meine Vermutung bestätigen würde, daß die Ileidesehnucke wie das schottische Berg¬ schaf eine uralte, von den Celten, dem ersten in Mitteleuropa aus Asien eingewanderten Volke, eingeführte Schafrasse repräsentieren, deren Stammvater vielleicht das Nahurschaf oder ein ähnliches Wild¬ schaf im Himalaya ist. Vergl. bes. Dr. Th. Studer: die Tierwelt in den Pfahlbauten des Bieler Sees. Mitteil, der naturforsch. Gesellsch. in Bern 1883, S. 17—115. Der Kopf des Nahurschafes zeigt durchaus den Wildschaf¬ charakter: kurz, Stirn breit, nach der Schnauze hin verschmälert, Ohr klein und schlank, die halblaugen gereifelten Hörner nach hinten gebogen, wie beim Heideschnuckenschaf, um das lebhafte kluge Auge ein heller Ring, die Nase wie bei Goral dunkler, dunkel umbra Nasenspitze, Wangen und Schnauze hell umbragrau, Kehle wie beim Goral hell, ziemlich scharf abgegrenzt, die übrige Behaarung umbrabraungrau, auf dem Rücken dunkler, Beine und Bauch hell umbragrau, der Schwanz halblang, dünn, mit längeren dunklen Haaren. Die Behaarung, die bei dem einen Nahurschaf abweichend war, w^eil sie mehr ins Gelblichbraune wie bei Nemorhoedus Goral überging, ist ziemlich stark und straff wie bei den übrigen Wildschafen. 113 Aus dem Himalayagebiet von Nepal möchte ich noch drei Tiere erwähnen, die ich bei Herrn Hagenbeck beobachtet habe, zwei Viverren und eine Taube. Die Kr a b b e n- Mang us t e, Herpestes cancrivorus, ist in der Abbildung bei Brehm kaum zu erkennen, auch vermag ich nicht, Analogien zwischen ihr und dem Vielfraß zu erkennen. Ich habe das Tier im Sommerpelz gezeichnet, es aber später im Winterpelz im Hamburger Zoologischen Garten gesehen, wo es durch die starke Behaarung mehr als sonst an Herpestes griseus erinnert. Das Tier erscheint im Sommerpelz recht schlank, im Winterpelz gedrungen und ist etwas größer als ein Marder. Der breitere Kopf spitzt sich zu einer schlanken fleischroten Schnauze, Ohren kurz, Augen rattenartig dunkel, schräg gestellt mit listigem Ausdruck, Gesicht gelbgrau mit durchscheinender Fleischfarbe, vom Ohr zieht sich an beiden Seiten des Halses ein heller, bei Brehm falsch gezeichneter Streifen hin, nicht bis zu den Schultern; unterhalb derselben ist die Kehle dunkelumbra, ebenso die Beine, die Behaarung gelb und grau mit weißgestichelt, auf dem Rücken dunkler, der Schwanz im Sommerpelz an der Wurzel meist sehr stark behaart, die untere Hälfte gelbrot mit ziemlich langen Haaren. Das Tier ist ziemlich beweglich und unruhig, hat sich übrigens ohne Krabben- und Krebs¬ nahrung ganz gut gehalten. Die nepalsche Zibethkatze, Viverra Zibetha var. nepa- lensis weicht von V. Z. indica und natürlich von Viverra civetta nicht unerheblich ab. Ich habe in Hamburg Gelegenheit gehabt, alle drei Tiere neben einander zu sehen und vergleichen zu können. Es handelt sich hier natürlich nur darum, die Unterschiede zwischen V. Zibetha nepalensis und Indien anzugeben. Die beiden Geschlechter des von Herrn Hagenbeck importierten Pärchens unterschieden sich äußerlich nicht von einander; bei Tage zeigten sie wie die übrigen Zibethkatzen ein schläfriges Wesen und waren nur beim Fressen munter. Die Zibethkatze von Nepal ist langge¬ streckt und schleicht mit dem gekrümmten Rücken der Viverren, die Ohren sind klein, viel kleiner als bei der indischen, die dunkel¬ braunen von hellen Ringen umsäumten Augen stehen schräg und geben dem Tiere den listigen Ausdruck, der Kopf verjüngt sich stark zu der weißen Schnauze mit brauner Nasenspitze und weißen Schnurrhaaren, über die Nase zieht sich bis zu den Mundwinkeln Zoolog-. Gart. .Tahrg-. XXV. 1684. 8 114 ein schwarzes Band; Hals laug, an beiden Halsseiten ziehen sich drei wellige, hinten nach unten gekrümmte schwarze Streifen, zwischen denen je 2 weilsgelbe liegen, ebenso ist die Kehle weidlich gelbgran. Füße kurz mit feinen dunklen Querbäudern, Schwanz mittellaug nach der Spitze zu stark verjüngt, mit je 7 breiten schwarzen und, weißen Ringeln und schwarzer Spitze. Grundfärbung ein mit weiß gesticheltes Gelbgrau, vorn mehr grau, von den kurzen Rippen au mehr gelb, unten hell braungrau. Uber den Rücken zieht sich ein schwarzer, länger behaarter Streifen, unter welchem auf jeder Seite je ein weißgrauer Streifen liegt. Schultern matt verwaschen, dunkler gebändert, ebenso die Seiten matt gebändert mit breiten verwasche¬ nen Streifen, desgleichen die Hinterschenkel, die nach hinten zu weißliche Ränder zeigen. Hinterschenkel unten gelblich. Eine Vergleichung mit der indischen Zibethkatze im Hamburger Zoologischen Garten ergab sehr bedeutende Unterschiede. Die Grundfärbung der ostindischen Zibetha ist viel heller, die Zahl der Bänder viel größer, letztere viel feiner und schärfer markiert, auch der Schwanz der ostindischen Art hat viel mehr und feinere Ringel, die schwarzen Ringe bei Z. ncpalensis gehen ganz um den Schwanz herum, überhaupt erinnert die Bänderung des Leibes und Schwanzes bei Z. nepalensis mehr an den unserer Wildkatze auch hinsichtlich der Zahl der Bänder und Ringe; Kopf bei der indischen Art viel gelber, Färbung unter dem Bauche heller. Die Bänderung der indischen Viverre war nicht, wie in der Zeichnung bei Brehm II., 22 in Flecken aufgelöst sondern eine wirkliche Querstreifuug. Wie weit Differenzen im Skelett beider Arten vorhanden sind, ist mir nicht bekannt, jedenfalls erscheint die nepalensische Zibetha auf den ersten Blick als eine dem Himalaya-Gebiet anhörige stark abweichende Varietät, die sich natürlich von der afrikanischen Givetta noch viel weiter entfernt ; so ist letztere viel plumper gebaut, erscheint mehr gefleckt als gestreift, der Schwanz ist kürzer, während die kurzen Ohren, die mähneuartigen Streifen auf dem Rücken mit unterem hellem Saume allerdings wieder die afrikanische Art näher an die des Himalaya rücken. Ich schließe diese Zeilen mit der weißriickigen Taube, Columba leuconota , aus Nepal, die Herr Hagenbeck in etwa einem Dutzend Exemplar erhalten hatte. Beide Geschlechter sind äußer¬ lich nicht verschieden und haben die Größe unser Haustaube, Kopf und Schnabel grau umbrabraun, Iris gelb, Kehle, Nacken, Brust, Bauch gelblich weiß, Füße korallenrot, Rücken weiß, Kreuz dunkel 115 graubraun, Flügel gelbgrau, die dunkle Färbung zieht sieh noch nach den Seiten des Nackens in die Höhe, Schwungfedern grau¬ braun, dreimal dunkel gebändert. Die Taube war ziemlich zahm, jedoch waren die meisten Exemplare stark augegriffen uud sind meist eingegaugeu. o o Ö Einige Bemerkungen zu meinem Aufsatze über „die deutschen Waldhühner“, in den Jahrgängen 1879 — 81 des „Z. G.“ Von Dr. W. Wurm. Die Frage, ob Birk- und Haselwild stets (oder doch fast stets) auf dem Erdboden oder zu Baume übernachte, harrt leider, trotz Hru. 0. v. Loewis uud meinen hierüber ausgetauschten Mitteilungen, noch immer ihrer Lösung; bis jetzt läßt sich, glaube ich, nur konstatieren, daß im höheren Norden das übernachten auf dem Boden überwiegend öfter beobachtet und daher dort als allgemeine, ja als ausschließliche Übung angenommen wird, während im übrigen Europa der »Glaube« an den Baumschlaf vorherrscht, ohne zu viele überzeugende Thatsachen dafür stellen zu können. Eine solche Verschiedenheit in der Lebensweise mag ja recht wohl bestehen und es fehlt auch keineswegs an zahlreichen Analogien im ganzen Tierreiche. Vorhandener oder fehlender Baumwuchs, Be¬ schaffenheit des Unterwuchses und der Bodenoberfläche, Schutz vor Wind oder Temperaturextremen oder exponierter Stand, tiefer Schnee oder Schneemangel, vorkoinniende Raubtierarten uud deren Ver¬ teilung über die Bodenfläche, endlich vererbte Gewohnheit, — • alle diese Momente werden wohl für die Wahl der Schlafstätten ma߬ gebend sein. Neuerdings möchte ich Ornithologen uud Waid¬ männer um Bethätigung irgend möglicher Beobachtungen in dieser Richtung und um Mitteilung derselben angelegentlich er¬ suchen. — Endlich, nachdem ich mich und befreundete Seelen lange Jahre hindurch vergeblich bemüht hatte, brachte mich die große Freundlichkeit eines Herrn in Christiania in Besitz von gleich zwei Rackeihähnen. Den ersten derselben hatte er, meine Intentionen mißverstehend, leider ausstopfen lassen, sodaß er für die anatomische Untersuchung verloren war. Trotzdem war schon die äußere Be- sichtigung dieses wunderschönen, zu Ende Oktober erlegten, frisch o O ' o • 11(3 vermauserten und offenbar von einem mit dem Tiere, wie es aus der Hand der Natur hervorgegaugcn, bekannten Präparator couser- vierten Exemplares sehr interessant. Alle Rackeihähne, deren ich nachgerade ziemlich viele (ausgestopfte) in Händen gehabt, zeigen kleinere oder bedeutendere Abweichungen von einauder, und in sehr vielen Fällen ist, was Grolle, Umfang, Haltung, Rose, Insfärbung, Federbart, Achselfleck, Fliigelbiuden betrifft, mehr der Präparator als Mutter Natur verantwortlich zu machen, da die allermeisten als leere, trockne Bälge versandt und erst im Atelier des betreffenden Museums nach Abbildungen ausgearbeitet werden. Von reinem Be¬ trüge, der z. B. den Schwanzfedern durch Brennen jede beliebige Krümmung zu geben vermag, welche freilich in feuchter Luft als¬ bald wieder schwindet, — siehe die auf Tyroler Straffen um ein Spottgeld verkauften »Birkhahnstöße« aus Haushühnerfedern! — will ich ganz schweigen. Ein einigermaßen eingeweihter Beobachter oder Sammler ist ja nach einem Blicke auf die für die Mischlings¬ form charakteristischen Kennzeichen sofort und sicher orientiert. Dieses Exemplar ziert nun die Tübinger Universitätssammlung, welcher ein solches bisher fehlte und der ich dasselbe überließ, weil ich keine ausgestopften Tiere mehr habe. Am 10. Februar d. J. erhielt ich einen zweiten, bei warmem Wetter seit dem 1. unterwegs befindlichen und vielleicht auch schon in Norwegen weit transportierten, daher bereits in Fäulnis übergegangenen Rackel- hahn. Die Untersuchung desselben konnte sich deshalb, trotz reich¬ licher Zuhilfenahme von Karbol etc., nicht mehr über feiuere Ver¬ hältnisse, z. B. der Testikel, der Blinddärme, oder selbst nur auf Gewicht, Umfang etc., erstrecken. Auch diese beiden Hähne differierten recht wesentlich, wie folgende Übersicht zeigt. I. (ausgestopft). Lauge: 68,0 cm. (?). Höhe: 43 (V). Nur im linken Flügel doppelte weiße Binde angedeutet. Schwanz birkhahnähnlicher, mehr ge¬ rade abgeschnitten, rein schwarz, äußerste Federn verlängert und leicht gekrümmt. Unterstoß blendend weiß. Violetter Metallglanz. Kleine weiße Achselflecken. II. (im Fleische). 68,3. Flügelspannweite : 100. Tarseuhöhe: 6,3. Zwei weiße, jedoch mehr als bei T. tetrix verwischte Flügelbinden. Schwanzfedern gerade, schwarz, die mittleren verkürzt, beim Aufrichten ein kleines Rad bildend. Unterstoß weiß, aber reichlich schwarzgefleckt. Ebenso. Ebenso. 117 1. H. Schnabel Schieferfarben, minder ge¬ krümmt, relativ länger als bei T. Ebenso. urogallus. Kleine Kosen, kaum am untern Augen¬ lide. Vollständige Zehenstifte. Rose merklich größer. Ebenso. An Nr. II. notierte ich ferner: Zunge im Munde, nicht wie in der Regel beim toten Auerhahne, tief znriickgesunken ; Zung'en- beinhörner bis hinter das Ohr zurücklaufend ; Kehlkopfeingang sehr wenig und fein gezähnt; Luftröhre ohne alle Biegung; Weiß- tannennadeln, Heidelbeeren und einige Preiselbeeren im Kropfe und Magen ; 16,4 Gramm mittelgroße, durch die Beeren gebläute Magen¬ kiesel; endlich maß der von mir zuerst untersuchte » Processus auri- cularis maxillae inferioris «, von der Spitze des Unterkieferwinkels an gemessen, hier: 14 mm. (bei T. wog. cf: 23 — 25, bei T. urog. Q: 16, bei T. tetrix : 6). Von den drei sich daran anheftenden Mus¬ keln ist meines Wissens nur der Muse, digastricus schon genannt und beschrieben worden. Der geschilderte Fortsatz hebt bei Oeff- nung des Scdinabels in situ deutlich noch den Boden des Gehör¬ ganges, muß also, wenn er bei allen Rackeihähnen diese Länge besitzt - — was fraglich ! — auch deren Hörfähigkeit während des Balzens durch Kompression bei aufgesperrtem Schnabel, wenn nicht aufheben, so doch beschränken. Diese Beeinträchtigung erscheint um so plausibler, wenn man sich die schwellbare Sncculenz der Häute des Gehörganges im Leben vergegenwärtigt. Daß dem so sei, lehren zwei Waidmaunserfahrungen des Kronprinzen Rudolf von Österreich, der, trotz hellen Sonnenscheines und Mangels an Deckung, wie beim Auerhahne, erfolgreich an Rackeihähne anspriugen konnte.*) Gleichwohl geht der Fortsatz etwas minder steil und mehr aus¬ wärts gebogen in die Höhe als beim großen Hahne. Wenn das Os quadratum der Vögel (und Amphibien) als eine Versetzung und Umbildung des Amboses, des Os articulare aber als eine solche des Hammers zu deuten ist, so bildet unser Fortsatz morphologisch eine Transformation des Processus spinosus 'mallei. — Wegen fort¬ geschrittener Fäulnis fielen leider die gebrühten Schädelknochen gänzlich auseinander. *) Allerlei gesammelte ornithologische Beobachtungen, Wien 1880. S. 122. Nicht im Buchhandel.) Vgl. weiter unten. 118 Auch aus diesen, zu meiuem Bedauern durch die Umstände zu Fragmenten herabgedriickten Beobachtungen erhellt die Hybriden¬ natur unsres Vogels, der bald mehr vom Auerhahne, bald mehr vom Birkhähne zeifft. So lange indessen nicht seine Testikel zur Balzzeit und die wegeu ihrer großen Ähnlichkeit mit der Birkhenne außerordentlich selten entdeckte Rackeihenne und ihr Ovarium gründlich mikroskopisch untersucht sind, so lange vermag die Frage nach seiner Fortpflanzung, sei es durch Paarung mit einer der Hauptarten und unter Zurückfallen der Produkte in die eine oder andre ursprüngliche Form, sei es durch Paarung unter sich und unter allmählicher Ausbildung einer stehenbleibenden neuen Art, oder die Behauptung seiner Sterilität über bloße Vermutungen nicht hinauszukommeu. Nur so viel läßt sich mit Bestimmtheit behaupten, daß T. medins zur Zeit keine eigene Art darstelle, was u. a. namentlich die verschiedenen Divergenzen der Raekelhühuer unter sich, welche nach Kronprinz Rudolfs schätzbaren Untersuchungen selbst im Skelette, in der Zahl der verschiedenen Wirbel etc., auf- treten, schlagend darthun. Also, ihr Naturfreunde und Waidmäuner des Nordens, denen, wenn nicht Hubertus und Diana, so doch der lettische, russische, norwegische, schwedische Bauer oder der Lappe derartige Vögel auf die Märkte Eurer Städte nicht gar selten bequem entgegenbringt, versorgt uns Forscher mit Material, um diese hochinteressanten Fragen zum befriedigenden Abschlüße bringen zu können ! Im Tesiner Reviere (Böhmen) erlegte Fürst A. J. von Sch warzen- berg im Frühjahre 1882 einen, aller Wahrscheinlichkeit nach von einer einzigen, als früher angeschossen, dort verbliebenen und nur Birkhahngesellschaft vorfindenden Auerhenne abstammenden Rackeihahn. Denn diese hatte, wie beobachtet worden, dort vor mehreren Jahren trotzdem Junge ausgebrütet. Er balzte sogar auf einer Gartenmauer, auch unter Haushühnern, wobei er eine lahme Haushenne, die ihm nicht enteilen konnte, faktisch betrat. Er hatte zweimal Mädchen von 10 — 12 Jahren heftig attaquiert. Uber etwaige Nachkommenschaft von der Hausheuue erfahren wir leider nichts. (Wiener »Jagdzeituug«, 1882. S. 657.) In demselben Blatte (1883. S. 226) berichtet uns ein vieler¬ fahrener Waidmann — wie zu vermuten, der erlauchte Ornithologe Kronprinz Rudolf von Österreich, — von 4 au einem Morgen im fürstlich Camillo Rohan’schen Reviere am Musky-Berge balzen¬ den Rackeihähnen, von welchen er, wie auch sein Schwager, je einen 119 schoß. Es folgte ein Vers des Balzens auf den andern, sodaß man sich dem Vogel viel rascher nähern konnte als einem Auerhahn; auch überstellte er sich mehrmals unhörbar leise, »eine charakteris¬ tische Eigenschaft des immer unruhigen Rackeihahnes.« Ein andrer Aufsatz daselbst (1882. S. 179) hebt die auffallend starke Entwicklung der Zehenstifte (fälschlich »Balzstifte« genau nt), wie sie sich weder bei der Auer- noch bei der Birkhenne jemals finde, als ein bisher unbeachtetes Charakteristikum der Rackel- henne hervor. Was den Tetrao M 1 okos ie wi cz i betrifft, so möchte ich mir die Anfrage gestatten, ob einer Ihrer Leser den Vogel bereits frisch oder doch noch unabgebalgt gesehen habe? An dem einzigen aus¬ gestopften Exemplare, welches ich bis jetzt in Händen gehabt und welches, ebenfalls als getrockneter Balg nach Stuttgart gekommen, fiel mir nicht nur die besondere, »hühnerwidrige« Schlankheit, sondern auch die schwarze, matt bläulich überlaufene Gesamtfär¬ bung auf, zumal, da es mir leicht gelang, demselben gelblichweiße Achselflecken durch Hervorziehen der dortigen Unterfedern zu ver¬ leihen. Ist das Tier von Natur aus kleiner und schlanker als unser Birkhahn? Besitzt es Achselflecken oder nicht? Sind diese gelblich oder rein weiß? Ist die Rose wirklich sehr klein? Ist die Iris dunkelbraun? Fehlt der Federbart gänzlich? Sind die Tarsen wenig befiedert? Wie verhalten sich die Zehenstifte? Ist der Schwanz immer fast mähnenartig eingerollt, einer kleinen gelockten Perücke ähnlich? Wie erscheint die Henne? Hat die Erforschung der ganzen © © Lebensgeschichte dieses kaukasischen Waldhuhnes in den letzten © zehn Jahren irgend Fortschritte gemacht? Bezüglich des Leucismus beim Aue r h ahne habe ich nachzutrageu, daß ich seitdem selbst einen ausgewachsenen, minde¬ stens 2 — 3 Jahre alten Hahn mit einer schneeweißen Feder in der Wangengegend nahe bei Teinach schoß und daß, wie Forstmeister v. Türcke auf einem thüringischen Reviere, so Forstmeister Geyer in Oberösterreich eiuen reichlich weißgefleckten Hahn erlegte. Wahr¬ scheinlich ist letzterer derselbe, welcher aus der fürstlich Starhem- berg’schen Sammlung zur Ausstellung des »Oberösterreichischen Schutzvereines für Jagd und Fischerei« nach Linz (1883) als » Tetrao maculatus« gesandt worden. Auch erinnere ich an den von mir erwähnten, ganz schmutzigweiß kostümierten Auerhahn aus dem badischen Murgthale und an die viel häufigeren, ebenso gefärbten Birkhähne. Bedenken wir, daß die Tierwelt des hohen Nordens 120 überhaupt ausgesprochene Tendenz zum Weißwerden zeigt (wegen gesteigerten Fettverbrauches uud größerer Lufttrockenheit, v. Midden dorff), und (wegen häufiger Spätbruten, Herbstmauser, Futtermangel, Hartwerden der Futterpflanzen, Witterungskontrasten, welche Einflüße den jugendlichen Körper zur Frühreife nötigen, Ders.) zur Kleiuwüchsigkeit neigt, und ziehen wir die sonstige Über¬ einstimmung, namentlich der Hennen, mit den Waldhühnern unsrer Breiten iu Betracht, so finden wir die annehmbarste Brücke von unserm T. urogallus zu dem T. urogattoides, v. Midd., T. kumt- schaticus , v. Kittlitz, T. maculatus uud T. crassirostris, Brehrn, ohne daß wir zu neuen Artaufstellungen abirren müßten. Alle die letzteren sind — mit Einschluß der Hahnenfedrigkeit der Hennen, der stellenweisen Hennen — oder vielmehr Jugeudkleidfärbung der Hähne — in unsren Augen lediglich geographische, juvenile, senile oder atavistische Varietäten. — Seit meinen ersten Mitteilungen über die S chnabelmauser beim Auerhahne haben sich so vielfache gleiche oder ähnliche Prozesse bei andern Vögeln, ja selbst bei Säugern konstatieren lassen, daß dieser Vorgang weit allgemeiner vorzukommen scheint als bisher angenommen. Folgende kurze Zusammenstellung dürfte darum von Interesse sein. Dieselbe Schnabel mauser kam zur Beob¬ achtung bei sehr vielen Zimmervögeln, namentlich beim Zeisige, dann beim Buntspechte (Obf. A. Müller) und bei Fratercula arctica L., uud ich rechne unbedenklich jene chilenische Lerche hierher, welche v. Kittlitz, weil er an drei im März geschossenen Exem¬ plaren jedesmal den Schnabel an der Spitze etwas klaffen sah, zu einer eigenen Art »Älauda fissirostris « stempeln wollte. Hierher gehört ferner: die auffallende Verfärbung des Schnabels beim Star, beim Kirschkernbeißer u. a., die lokale Abänderung von Form uud Farbe der Waldhühnerschnäbel, die Abschilferung und Einrißbildung an den Schnäbeln zur Mauserzeit, die stärkere Pigmentierung der tieferen Hornschichten der Schnäbel (Zusammenhang mit dem Ka¬ pillarblutgefäßsystem), der Krallen Wechsel der Waldhühner, die Abstoßung und Regeneration ihrer Zehenstifte, das Ausstößen der hornigen iunern Magenhaut bei Körnerfreßern , das partielle Ab¬ werfen bei Antilocapra für cif er, die Sohlenweichheit des Bären im Februar, die allgemeine Abstoßung und Erneuerung von Epidermis. Hufen, Nägeln, von Haaren und Federn, vom Baste der Geweihe, die Häutung der Schlaugen u. A. Die Cerviuen wechseln bekanntlich nicht nur ihre Horngebilde, sondern selbst regelmäßig ihre, aus 121 Knochensubstanz gebildeten Geweihe. Man wird also die Thesis aufstellen dürfen, daß die hornige Schnabelbedeckung als ein lebendes und später absterbendes Gebilde zu betrachten sei, das von der Schnabelbasis aus nachwächst und sich teils allmählich und uumerk- lich, teils in größeren oder kleineren Platten auf einmal losstößt, beziehungsweise erneuert, demnach an dem allgemeinen Stoffwechsel im Organismus teilnimmt. Besonders dürften es die hellgefärbten Schnäbel sein, welche in größeren Stücken auf einmal abgeworfen werden, wogegen die dunkelfarbigen wegen inniger Verbindung* mit den Blutgefäßen einer uumerklicheren, aber beständigen Ab¬ nützung und Erneuerung unterliegen möchten. — Die Zehenstifte der Waldhühner deutet 0. Horn in seinem vortrefflichen »Handbuch des Jagdsport« als die natürlichen Schnee¬ reifen, welche diesen Vögeln das Laufen über den Schnee erleich¬ tern, indem sie das Einsinken verhindern, und dieser Gedanke gefiel mir bei der Betrachtung solcher Fährten im Schnee recht wohl. Im Pfälzer Walde hat sich der seither fast auf Null reduzierte Stand an Auerwild in den letzten Jahren recht erfreulich wieder gehoben. Ein herzliches »Waidmannsheil!« den dortigen echten Jägern und Hegern ! Hr. Ster ge r in Krainburg, dem wir bekanntlich die ersten sehr eingehenden und zuverlässigen Beobachtungen an lebendem, von ihm gezüchtetem und liebevollst gepflegtem Auerwilde verdanken (s. meine früheren Mitteilungen!), hält nun auch einen lebenden jungen Rackeihahn, sowie einen älteren Birkhahn. Seine Berichte darüber sind um so wertvoller, als er, ein vortrefflicher alter Hoch¬ gebirgsjäger, das Freileben seiner Lieblinge ebenfalls gründlich kennt. Da nun eine genauere Beschreibung der Birkhahn balze allgemein interessieren dürfte, entnehme ich ihrer Schilderung durch den¬ selben (W. Jagdztg. 1883, S. 417 ff.) das Nachstehende. Auer- und Birkhahn balzen im gezähmten Zustande viel eifriger als in der Freiheit, doch bleibt letzterer stets wilder und intoleranter gegen menschliche Berührung, obwohl auch er aus der Pfand seines Pflegers die Äsung nimmt. Er beginnt seine Balze am Morgen minder zeitig als im Freien. Das erste »Tschioschi« macht er hier wie dort, ohne dabei geräuschvoll aufzuhüpfen ; erst bei dessen Wieder¬ holungen tritt das Aufhüpfen und der laute Flügelschlag hinzu. (Darum hörte ich selbst einst dieses erste und zweite Blasen, als den ersten Frühlaut des Vogels, von der Höhe einer Kiefer herab, ehe er nach seinem Balzplatze abstrich. Dieser Ton ist nur dann ein eigentlicher Zorneslaut, wenn er gegen sich nähernde Menschen, Hunde etc., und dann immer minder laut und viel kürzer ausgestoßen wird. Man nennt dies das »Anblasen«; der Hahn »bläst den Hund an«. Das energische »Tschioschi« dagegen ist Äußerung der Standesbehauptung. Hs sagt : »Ich bin da ; hat ein anderer Hahn Lust, mit mir anzubinden ?« Deshalb lockt der Gebirgsjäger nur mit dem gut nachgeahmten »Tschioschi« eines jüngeren Hahnes, nicht mit dem Rodeln, den eifersüchtigen Platzhahn vor seine Flinte. Bei den gesellschaftlicheren und ver¬ träglicheren Moorhähnen des Tieflandes ist solches Reizen sowohl unnötig als erfolglos. (Dr. W.) Dabei, fährt Sterger fort, sind die Federn noch ungesträubt, die Flügel etwas gelüftet, das Spiel fächerartig erhoben, der Hals mäßig aufwärts gestreckt, der Schnabel sehr weit geöffnet und die Zunge nicht sichtbar. Beim Rodeln (Kollern) werden der Hals gerade vorwärts gestreckt, die Riickeu- federn gesträubt und die Schwingen so sehr gesenkt, daß sie oft den Boden streifen, sich mit den Endsichelfedern des Stoßes ver¬ fangen und die Füße fast ganz bedecken. Dabei bläst sich der Hals wie beim rucksenden Tauber bedeutend auf, und zw’ar nicht durch Federsträuben wächst dessen Umfang, sondern durch ein¬ getretene Luft, welche sofort mit Auf hören des Rodeins, doch un¬ bemerkt, wieder entweicht. Steht der Hahn zwischen der Sonne und dem Beobachter, so erblickt dieser eine vom Halse bis zum Kopfe reichende große, rosenrote und durchscheinende Blase, inner¬ halb welcher die Halswirbelsäule erkennbar ist (offenbar den von •• •• den bekannten Öffnungen der Vogellunge aus auf das Äußerste aufgeblasenen ersten Luftsack. Dr. W.). Diese Transparenz wird durch die kahlen Halsstellen und durch die Dünnheit der Halshaut erhöht. Der Schnabel ist dabei geschlossen und der ganze Vogel vom Kopfe bis zum Schwanzende in zitternder Bewegung, als ob diese, allerdings sehr weit vernehmbaren Laute nur mit bedeutender Anstrengung hervorgebracht würden. Sterger nennt darum das Rodeln: »einen Paroxysmus«, die Blase aber: »einen Lampion«. Die beim Beginne der Balzzeit überhaupt schon sehr hervortretende Rose erlangt während des Rodeins ihre größte Ausdehnung und Schönheit. (Ich wies schou früher auf die erectile Natur dieses Gebildes hin, sowie darauf, daß der Birkhahn während des Rodeins zwar keineswegs taub, aber doch achtloser und darum manchmal beschleichbar wird. Dr. W.) Dabei marschiert der Hahn gleich einer Schildwache, nur in etwas beschleunigtem Tempo, hin und her, so daß er (wie sogar im Freien) immer wieder auf dieselbe Stelle zurückkommt ; deshalb wird er während dieses Manövers leicht gefehlt. Er macht so 20 bis 30 Stückchen nach einander. Am Anfänge und am Ende des Balzens kommt auch ein abgekürztes und unvollkommenes Rodeln vor, dann ein gleichsam Verwunderung ausdrückender Ton, wie »Ou Ou Ou«, wobei sich der Schnabel beim »0« öffnet und beim »U« wieder schließt. Endlich ist ein im Freien wie »Kijieu« lautender, an ein heiseres Krähen eines Haus¬ hahnes erinnernder Ton zu erwähuen, den St er ge r als Zorneslaut auffaßt, andere Jäger jedoch als »Symptom der besten Balze« be¬ trachten, und den der Hahn bei gesträubten Hinterhalsfedern und offenem Schnabel öfter wiederholt. Des gleichfalls beobachteten »Anblasens« habe ich bereits oben gedacht. Bei Besuchen und namentlich solchen von zahlreicher Gesellschaft und buntgekleideten Damen balzt dieser Hahn sehr animiert, während der Auerhahn die letzteren unverkennbar haßt. In solchen Augenblicken haut der Birkhahn gegen die sich nähernde Hand seines Herrn mit dem übrigens recht harmlosen Schnabel. Lustige Luftsprünge und ge¬ räuschvolles Uberfliegen beendigen die Balzproduktion. Sterger schließt seine Mitteilung wörtlich : »Unfehlbar ist der Spielhahn als Wetterprophet. Wenn er im Herbste und Winter, somit außer der Balzzeit, oft beim schönsten Wetter zu balzen beginnt, so ist dies ein sicheres Zeichen, daß in 12, längstens 24 Stunden ein Witterungswechsel oder gar eine Wetterkatastrophe ein tritt« . Ich habe letztere Behauptung mehrfach auch von bayerischen und von skandinavischen Jägern gehört, ohue sie durch eigene Beob¬ achtungen vertreten oder widerlegen zu können, da ich leider nur selten Gelegenheit gefunden, mit Birkwild zu verkehren. o o 7 Ans dem zoologischen Garten in Berlin. Von L. Wunderlich. (Erwerbungen. — Struth in scmaliensis nov. sp. — Ethnologische Schaustellungen. — Bauliche Veränderungen.) In den Monaten Januar bis Oktober 1883 hat dieses Institut folgende wichtigere Erwerbungen zu verzeichnen: A. Reptil ia. 1 Riesenschlange, Boa constrictor, schönes, über 2 m langes Exemplar. B. A v e s : 1 Somali-Strauß, Struthio somaliensis (n. sp.) masc., 1 chilenische Möwe, Larus Belclieri, 2 Zwergsäger, Mergus albdlus, 1 Kolbenente, Fuligula 124 — rufina weise., 3 Paar australische Bramlenton , Anas tadomoides, 1 Paar Sch wanengär.se, Anscr eygnoides, 1 Paar schwarze Schwäne, Cygmis atratus, 8 Feuerflamingos, 1 'hoenicopterus ruber , 2 Austernfischer, Hacmatopus ostralegus, 2 grosse Trappen, Otis tarda , 2 Paradieskraniche, Grus paradisea, 2 ameri¬ kanische Sultanhühner, Porphyrio wartiuicus , 4 schwarze Ibisse, Ibis fuliginosus, 1 junger Marabu — wahrscheinlich der indische, Leptoptilus dubius. Leider erlag derselbe den Schnabelhieben eines im benachbarten Gehege unterge¬ brachten amerikanischen Jabiru und wurde so die genaue Artbestimmuug unmöglich. 2 Tigerdommein, Botaurus brasiliensis, 1 Paar Kragentauben, Caloenas nicobarica , 1 Paar Bronzefltigeltauben, Phaps clialcoptera, 1 Paar chilenische Turteltauben, Tartar auriculata , 1 Paar Jamaicatauben, Peristena jamaicensis, 1 Bronzeflecktaube, P. chalcospila , 8 Tamburintauben, P. tympanistria, 1 Paar Kuptbrnacken tauben, Pctopistes humcralis, 2 Paar Malakka-Täubchen, P. striata, 8 Glanzfasanen, Lophoplwrus impeyanus (2 masc., 6 fern.), 1 Paar Satyrtrago- pane, Ceriornis satyrus, 1 Paar blasse Tragopane, C. Blytlii , 1 Paar gelb- bäuchische Tragopane, C. Caboti — mit Erwerbung der beiden letztgenannten Tragopanpaare sind jetzt sämtliche bekannte Arten dieses Geschlechts im Garten vertreten, nämlich C. satyrus , Temmincki , Hastingi, Blytlii und Caboti. Die ersten drei haben sich auch schon hier fortgepflanzt. — 1 Paar Arguspfauen, Argus giganteus, 1 Paar Sömmering-Fasanen, Pliasianus Soemmeringi , 1 Paar Prälat -Fasanen, Puplocomus praelatus , 1 Paar Haubenperlhühner, Nwnida cristata , 8 Paar Rothühner, Perdix rufa , 1 Paar Weißohrwachteln, Orfyx leucotis , 1 virginianischer Uhu, Bubo virginmnus , 1 schwarzhalsiger Star, Gracupica nigricollis wasc. — Die nackte Augengegend ist gelb, während sie beim Weibchen blau ist — , 1 Paar Braunmeinas, Acridotheres fuscus, 1 Paar Glanzstare, Lamprotornis splendidus , 1 Paar rotbrüstige Stare, Sturnella militaris , 2 Orangekopftrupiale, Amblyrlmmplius holozericas aus Südamerika, 1 brauner Sfärling, Leistes frontalis aus Südbrasilien, 1 Cassicus persicus , 2 C. liacmorrhous , 1 wilder Canarienvogel, LYingilla canaria, 3 P. oryzivora alba, 1 Trauerwitwe, Pcnthetria macroura, 1 Doppelnashornvogel, Buccros bicornis , 3 Ariel-Tukane, Bhamphastus Temmincldi, 1 kielschnäblicher Tukan, P. carinatus , 1 Arassari, Pteroglossus ivscriptus, 1 Paar Nympliicus Norae- Hollandiac, 1 Paar Platycercus eximius , 1 Paar Barfsiitiche, Palaeornis fasciatas, 1 Paar Trichoglossus Novae-Hollandiae. 0. Mammalia. 1 Paar Giraffen, Camelopardalis giraff'a , 1 Elenn, Alces pahnatus, 1 Paar Steppenantilopen, Antilope saiga , 1 Paar Antilope beisa , 1 Schraubenantilope, Antilope addax fein.; 3 Ovis aries strepsiceros, 1 Steinbock, Capra ibex fein , 8 Anoa depressicornis (1 masc., 2 fern.), 1 Sangastier, Bos africanus, 1 Paar amerikanische Biber, Castor canadensis, 1 Seehund, Phoea vituliua, 1 Wickelbär, Cercoleptes caudivolvulas, 1 Paar Cynocephalus Gelada, 1 Paar Schweinsaffen, Bhesus nemestrinus , 1 Weißschulteraffe, Cebus hypoleucus. Von den genannten Vögeln sind viele zum erstenmal im Garten ausgestellt, einige wie Larus Bclcheri und Pteroglossus inscriptus , so viel mir bekannt, überhaupt die Erstlinge in Europa. Doch will ich mich nicht auf die Diagnose dieser Tiere einlassen, da sie z. T. in Museen aufgestellt oder doch in systema¬ tischen Mitteilungen beschrieben sind. Nur auf den oben als neue Specie8 angegebenen Somali-Strauß sei es mir erlaubt näher einzugehen. Meines Wissens wurde in diesem Jahre von Hagenbeck eine Herde dieser Strauße 125 aus dem Somalilande nach Paris gebracht. Von hier aus erhielt der zoologische Garten zu Cöln ein Paar, der hiesige ein altes Männchen. Pie Federfärbung desselben gleicht vollkommen der seines altbekannten Vetters, des Struthio camelus. Pie nackten Körperteile dagegen sind nicht rot, wie bei diesem, sondern schmutzig blau; der Schnabel und die Horntafeln auf der Vorderseite des Laufes sind rot. Pas Weibchen des neuen Straußes unter¬ scheidet sich, wie ich mich in Cöln überzeugen konnte, nicht von dem des St. camelus. Zur wissenschaftlichen Bezeichnung dieser neuen Straußart — denn es fehlen noch die Zwischenglieder, welche ihn mit St. camelus verbinden — bediente ich mich eben des in Cöln und auch hier eingeführten Namens St. somalieusis und beschrieb unter diesem unseren Strauß in Nr. 216 C. der Staatsbürgerzeitung vom 16. Sept. 83. An demselben Tage erschien in der Sonntagsbeilage der Nordd. Allg. Zeit. Nr. 37 ein Artikel von Pr. Reichenow, worin er für diese neue Art den Namen St. molybdophanes vorschlägt. *) An die definitiven Erwerbungen schließen sich direkt die vorübergehenden an und zwar meine ich hier die anthropologischen. Per Garten hat sich in vorigem Jahre nicht auf das zoologische Gebiet beschränkt, sondern auch ethno¬ logisch gearbeitet. Prei verschiedene Völkerstämme wurden dem schaulustigen und Belehrung suchenden Publikum vorgeführt: die Kalmücken aus dem äußersten Süden Rußlands, die Singhalesen aus Ceylon und die Araucanen aus Chile. Pie ersteren hatten eine Herde von 18 zweihöckerigen Kamelen, 12 Steppenpferden und 10 Fettschwanzschafen, die zweiten 12 Arbeitselefanten der verschiedensten Größe mitgebracht und boten hierdurch auch dem Zoologen reichlichen Stoff zur Belehrung. So konnte er z. B. kennen lernen, dass auch nicht zwei Elefanten sich vollkommen glichen, sondern zahlreiche individuelle Verschiedenheiten aufzuweisen hatten. Pie Araucanen dagegen waren nur von ethnologischem Interesse. Piese sind von Gebrüder Fritze aus Stettin, deren einer längere Jahre in Chile gelebt hat, die beiden erstgenannten Truppen von Hagenbeck nach Europa gebracht. Schließlich will ich noch über die Veränderung der Anlagen, resp. Gebäude etwas hinzufügen. Per westliche Eingang, dessen Einrichtung die Stadtbahn nötig machte, hat das Provisorium überstanden. An die Stelle des¬ selben ist ein massiver Bau getreten. Rechts und links dienen zwei Türmchen mit je drei Kassenfenstern zum Verkauf der Billets. Zwischen denselben liegen 5 Thiiren, eine große mittlere mit zwei Flügeln, die als Ausgaug bei starkem Besuch benutzt wird und vier kleinere, zwei an jeder Seite. Pieses mit wenigen Worten die Einrichtung des aus Ziegelsteinen und Eisen konstruierten Baues. Zn bedauern ist nur, daß die Seitengebäude nicht größer angelegt sind, um eventuell als Wohnung für Kassierer und Kontroleur zu dienen, wie es beim Haupteingang der Fall ist. Eine weitere Veränderung vollzieht sich auf dem Hofe. Pie alten bau¬ fälligen Gebäude, die als Speicher, Hundeküche, Atfenküche u. s w. dienten, werden niedergerissen und alle diese Räume iu dem neuen massiven Wirt¬ schaftshaus untergebracht. Hierdurch wurden die Hundezwinger, welche den Hof an einer Seite begrenzen, hier unmöglich und man verlegte sie deshalb nach dem unbenutzten Terrain im Nordwesten des Gartens. Pie Zwinger *) Vgl. Seite l!) und 101 dieses Jahrgangs. N. 126 haben hier den Vorteil, daß sie geräumiger angelegt werden können und der Eingang vom Kurfürstendamm, vor dem dieselben früher lagen, gewinnt auch, indem an Stelle der früheren Zwiuger Pflanzengruppen kommen. Ich will diese Mitteilung mit der freudigen Nachricht schließen, daß nun endlich der Bau des neuen Affenhauses begonnen hat. Vor zehn Jahren schon war dasselbe geplant, doch wurde die Ausführung durch den Bau des Elefanten¬ hauses in den Hintergrund gedrängt. Wer das alte Affenhaus, das ursprüng¬ lich von Lichtenstein als Raubtierhaus benutzt wurde, kennt, wird sich freuen, daß die Affen unseres Gartens eudlicli einer besseren Zukunft entgegensehen. Da Herr Direktor Bodinus mir die Benutzung der Pläne bewilligt hat, so hoffe ich den geehrten Lesern dieser Zeitschrift nach Vollendung des neuen Hauses eine genaue Beschreibung desselben liefern zu können. K o r r e s p o 11 d e n z e 11. Raunheim, den 10. Febr. 1884. Können die Hühnereier, ohne Schaden zu nehmen, während der Brut öftere Bewegung und Abkühlung v e r t r a g e n V Seither war ich der Meinung, daß die Hühnereier während der Brut so wenig wie möglich berührt und abgekühlt werden dürften; dieselben sind aber gar nicht so empfindlich, wie ich glaubte. Im vorigen Sommer kamen zwei meiner Hühner zu gleicher Zeit zum Brüten. Dem einen wurden 14 Eier uuter- gelegt und zwar in dem mit Heu ausgefütterten Troge eines leeren Schweiue- stalles, das andere sollte nicht brüten und wurde deshalb zwei Tage in Isolier¬ haft gehalten. Nachdem es aber wieder freigelassen war, setzte es sich an das andere Ende des 0,60 m laugen Troges. Am andern Tage wurde es her- ansgejagt und da fanden sich 6 Eier in diesem Neste, während in dem ersten nur noch 8 Eier lagen. Wie die Eier dahin gekommen, war mir unbegreiflich. Beide blieben nun neben einander sitzen. Am andern Tage, als die erste Henne herauskam, sah ich nach, und nun lagen wieder 11 Eier in ihrem Neste. Darauf wurden die Hennen beobachtet, und da fand sich, daß sie sich gegenseitig ihrer Eier beraubten. Wenn nämlich eine herausging, um sich durch Speise und Trank zu stärken, nahm die andere jedesmal von den Eiern der ersten hinweg, welche sie mit dem Kopfe herbei holte. Ging dann die andere heraus, so machte es die erste ebenso. Dadurch war der Bestand der Eier in beiden Nestern fast täglich ein anderer und ich hielt die Brut für ver¬ loren. Zuletzt hatte die erste Henne 11 und die andere 8 Eier unterliegen, denn merkwürdiger Weise war dabei nicht ein einziges Ei zerbrochen worden. Die erste Henne brachte 9 und die zweite 3 Küchlein aus. Diese 12 Hühnchen sollten nun durch eine Henne geführt werden, während die andere bald wieder zum Legen gebracht werden sollte. Die erste kam deshalb mit den 12 Jungen in den Stall und die zweite wurde in den Hof gejagt. Nun aber erlebte ich eine Scene, die mich tief ergriff. Die ihrer drei Kinder beraubte Henne lief an dem Stalle hin und her und rief beständig nach ihren Jungen. Als sie dieselben nicht erlangen konnte, legte sie sich mit ausgebreiteten Flügeln vor die Stallthüre und scharrte ein Loch in die Erde, ein Bild der reinsten Ver¬ zweiflung. Diesen Jammer konnte ich nicht länger mit ansehen und ging hin, um die Stallthüre zu öffnen. Zu meiner größten Überraschung sah ich, daß die 9 Jungen unter den Flügeln ihrer Mutter verborgen waren, während die 3 Jungen der abgesperrten Henne in einer anderen Ecke kauerten und sich geradezu vor der Stiefmutter zu fürchten schienen, denn sie schrieen gar ängst¬ lich. Da beide Hennen schwarze Italiener waren, die sich nur am Kamm unterschieden, so ist es mir unbegreiflich, warum die 3 Kleinen nicht auch unterschlüpften, zumal sie ihre eigentliche Mutter noch nicht gesehen hatten, da sie unter derselben weggeuommen worden waren. Sobald die zweite Henne in den Stall kam, liefen ihr die 3 Hühnchen entgegen und schlüpften sofort unter, als sie sich in eine Ecke gesetzt hatte. So führte nun jede Henne ihre Jungen, bis sie der mütterlichen Flügel nicht mehr bedurften. Es ist bei mir auch schon zweimal vorgekommen, daß ein sogenanntes Nestei, welches gar nicht regelmäßig bebrütet wurde, ausging. Im vorigen Sommer wurde ein solches Ei, um die Hühner vom Brüten abzuhalten, herausgenommen und in den Garten gelegt, wo es 18 Stunden lag und sogar beregnet wurde. Nachdem es nun wieder in das Nest gelegt worden war, entschlüpfte demselben nach' 5 Tagen ein ganz gesundes Küchlein, welches als Waise aufgezogen wurde. L . Buxbaum, Len rer. Litteratur. Unsere modernen Mikroskope und deren sämtliche Hilfs- und Nebenapparate für wissenschaftliche Forschungen. Ein Handbuch für Histologen, Geologen, Mediziner, Pharmaceuten, Chemiker, Techniker und Studierende von Otto Bachmann. Mit 175 Abbildungen im Text. München und Leipzig. Druck und Verlag von R. Oldenburg 1883. Gr. 8°. 344 pag. Über das Mikroskop und seine Behandlung bestehen schon längere Zeit und auch in neueren Auflagen vorzügliche Werke, wie besonders von Dippel, Frey, Harting und Merkel. Wenn das vorliegende Buch noch hinzu¬ kommt, so ist es keineswegs ein neues Konkurrenzunternehmen, welches sich obigen Werken an die Seite stellen möchte. Eine tiefere wissenschaftliche Behandlung, wie sie die ersterwähnten Autoren sich zur Aufgabe gemacht haben, wird hier nicht angestrebt, es liegt vielmehr in dem neuen »Hand¬ buch« ein Nachschlagebuch über eine große Auswahl mikroskopischer In¬ strumente aller bedeutenderen Fabriken vor. Nach eiuer kurzen theoretischen Einleitung werden zunächst die Beleuchtungsvorrichtungen beschrieben, ihnen folgt der Tubus mit seinen mechanischen Einrichtungen und Nebenapparateu. Die nächsten Kapitel sind dann dem Begrenzungs- und Auflösungsvermögen, der Vergrößerung, den mikroskopischen Messungen, Zeichenapparaten etc. gewidmet. Nachdem dann auf die Eigenschaften aufmerksam gemacht ist, welche bei der Wahl eines Mikroskopes hauptsächlich zu beachten sind, wird eine große Zahl der jetzt gebräuchlichen Instrumente mit den nötigen Angaben über Hilfsapparate, Preis etc. angeführt. Viele Illustrationen, zumeist aus den Katalogen der betreffenden Fabrikanten entnommen, sind diesem Teile beige¬ geben, so daß derselbe eigentlich einen großen General-Katalog über Mikroskope und deren Nebenapparate darstellt. Wenig instruktiv ist das Kapitel über Mikro¬ tome, wo wichtige Neuerungen unberücksichtigt blieben, während ältere Instru¬ mente, die heute fast ganz außer Gebrauch sind, eine detaillierte Schilderung erfahren. Nach einigen Bemerkungen über das mikroskopische Sehen wird noch eine Reihe von Reagentien, Farbstoffen etc. und deren Anfertigung angegeben, welche für den Mikroskopiker von Wichtigkeit sind. Dem Anfänger kann das Buch zur Orientierung recht wohl empfohlen werden. F. N. Chile, Land und Leute. Nach zwanzigjährigen eigenen Beobachtungen und denen anderer kurz geschildert von Karl Ochsenius. Mit 29 Vollbildern, 58 in den Text gedruckten Abbildungen und 2 Karten in Holzstich. - XXII. Band von »Das Wissen der Gegenwart« Leipzig, Prag. Freytag und Tempsky 1884. Preis 1. Mark. In vorliegendem Werkchen giebt uns Verfasser einen durch Lebendigkeit der Schilderung sowie durch Gediegenheit des Inhaltes gleich wertvollen Bei¬ trag zur Kenntnis des Landes, wie es eben nur ein so aufmerksamer und all¬ gemein naturwissenschaftlich gebildeter Beobachter zu thun vermag. Bei streng wissenschaftlicher Objektivität in dem geologischen, floristischen, f^unistischen und statistischen Teile finden wir warme Empfindung für die landschaftlichen Schönheiten, sowie ein tiefes Verständnis für das Volksleben und die volkswirtschaftlichen Fragen des eigenartigen Landstriches. Von be¬ sonderem allgemeinem Interesse dürfte die Auffassung sein, welche Verfasser als praktischer Kauf- und Weltmann von dem reichen Lande hat, so daß das Buch als Musterschilderung eines Landes allen Gebildeten, Gelehrten wie Kaufleuten, auf das Beste empfohlen werden kann. Die Schilderung der chilenischen Tierwelt wird speciell die Leser dieses Blattes fesseln. F. N. Eingegangene Beiträge. W. W. in T. — I,. S. in II.: Besten Dank für die neue Sendung. Die Mitteilungen sind wie die vorigen gleich willkommen und werden baldigst abgedruckt. — J. v. F. in B. : Sie klagen darüber, daß Ihre Originalbcobachtungen aus dem Zoologischen Garten in gewissen Blättchen umgearbeitet wiedergegeben werden, ohne daß man Ihren Namen oder die Quelle nennt, aus der geschöpft wurde. Gegen eine solche Art des Plagiatentums ist leider nichts zu machen. Wer Gelegenheit hat, einen Vergleich anzustellen, wird den Ursprung jener ,, Originalartikel“ leicht herausfinden. - I). G. in C. — Bücher und Zeitschriften. llronn’s Klassen und Ordnungen des Ti erreich s. Leipzig u. Heidelberg. C. F. W inter 1884. 2ter Band. Porifn-a. Neu bearbeitet vod Dr. G. C. J. Vosmann. 3—5 Lieferung, ater Band, 3te Abteil. Reptilien von Prof. Dr. L. K. H offmann. 41. Lieferung. Prof. Dr. W. Heß. Die Hausgenossen des Menschen unter den Gliedertieren. .Mit iy Ab¬ bildungen. Hannover, Philipp Cohen 1884. Dr. Ant. Reicheno w. Die Vögel der Zoologischen Gärten. Zweiter Teil. Leipzig L. A. lvittler 1884. List of the vertebrated animals now ov lately living in tlie gardens of the Zoological Society of London. 8 Edition 1883. London. Longmans, Green, Reader & Dyer. Archiv des Vereins der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg. 37 Jahrg. Mit C 'lafeln. Güstrow, Opitz & Co. 1883, 7 M. 7. Jahresbericht des Ausschusses für Beobachtung^- Stationen der Vögel Deutschlands. Naumburg a. S. G. Pätz. Sep-Abdr. Cabanis Journ. für Ornithologie 1884. 1. Jahresbericht des Comites für ornithologische Beobachtungs-Stationen in Österreich und Ungarn. Redigiert von Victor Ritter von Tschusi-Schmidhofen. Wien, Ornitho- logischer Verein 1883. Nachdruck verboten. Druck von .Valilau Walilscl uiidt. Frankfurt a. il. Der Zoologische Garten. Zeitschrift für Beobachtung, Pflege und Zucht der Tiere, Herausgegeben von der „Neuen Zoologischen Gesellschaft“ in Frankfurt a. M. Redigiert v-on Professor Dr. F. C. Noll. V erlag vou Mahlau & Wald schmidt in Frankfurt a. M. No. 5. XXV. Jahrgang. Mai 1884. I n k a 1 1. Texas und seine Tierwelt; von H. Nehrling. — Die Feinde unserer Singvögel; von II. Schacht. — Die Girondennatter in der Gefangenschaft (Coronella girundica Daud); von Joh. von Fischer. — Bericht des Verwaltungsrats der Neuen Zoologischen Gesellschaft zu Frankfurt a. M. an die Generalversammlung der Aktionäre vom 20. März 1884. — Korrespondenzen. — Miscellen. — Litteratur. — Todesanzeige. — Eingegangene Beiträge. — Bücher und Zeitschriften. — Texas und seine Tierwelt. Von H. Nehrling. Texas umfaßt in seinen Grenzen einen ungeheueren Flächen¬ raum. Es erstreckt sich durch elf Breiten- und dreizehn Längen¬ grade und ist größer als das ganze Deutsche Reich. Nächst Florida ist es der südlichste Staat der Union. Seiner physischen Beschaffen¬ heit nach zerfällt es in drei von einander verschiedene, sich an manchen Stellen scharf abgrenzende Gebiete. Um die Verbreitung der texanischen Vögel und anderer Tiere verstehen zu können, möge es mir gestattet sein, diese drei Regionen etwas genauer zu cha¬ rakterisieren. Das erste Gebiet ist die an den mexikanischen Golf angren¬ zende Küstengegend. Es erstreckt sich dieselbe vom Rio Grande bis zum Sabine. Dieses Gebiet variiert in der Breite sehr, denn während es am Sabine nur dreißig englische Meilen breit ist, steigt es am Kolorado bis zu hundert Meilen und nimmt dann bis zum Nuecos allmählich wieder ab. Die Erhebung dieses flachen Küsten- Zoolog. Gart. Jalirg. XXV. 1884. 9 130 strichs über das Meer ist gleichfalls wechselnd. Die Insel Galveston und die an die Bai gleichen Namens grenzenden Landstriche liegen kaum ein paar Fuß über dem Wasser, während das kaum fünfzig Meilen entfernte Houston schon fünfzig Fuß über den Meeresspiegel erhoben ist, also eine Steigung des Bodens von einem Fuß per Meile eintritt. Den bei weitem größten Teil dieses niedrigen Küsten¬ striches bilden offene, nur von schmalen Waldstreifen längs der Flüsse und Bäche durchzogene Prairieen. welche zum Teil recht fruchtbar, während des Winters und im Frühling aber sehr naß sind. Viele dieser Striche stehen den ganzen Winter über unter Wasser und sind dann großen Seeen vergleichbar, auf welchen sich Millionen von Wasservögeln tummeln. Kraniche waten gravitätisch an den seichten Rändern umher, wilde Gänse und Enten, gewöhn¬ lich außer dem Bereich der meisten Schußwaffen, schwimmen in ungeheueren Scharen auf dem Wasser, das wegen seiner Seichtheit auch selten mit Kähnen passierbar ist. Im angrenzenden Golf durchfurchen große Schwärme von Schwänen und wilde Gänse die Wellen. Reiches Land befindet sich besonders in der Niederung des Brazos, welches sich vorzüglich zum Zuckerrohr- und Reisbau eignet. Bambusartiges Rohr ( Arundinaria macrosperma ) von 20 bis 25 Fuß Höhe bedeckt an sumpfigen Stellen der Flußniederungen oft große Flächen. Selten wagt sich ein Mensch tiefer hinein in diese Rohr wälder, aus Furcht, sich in denselben zu verirren. Ver¬ schiedene Grasarten gedeihen in der ganzen Küstengegend von Texas fast überall gleich gut, so daß man allerwärts große Rindvieh¬ herden und Scharen halbverwilderter Pferde, Mustangs genannt, weiden sieht. Nach Matamores, oder vielmehr nach Brownsville zu nimmt dieser Strich an Fruchtbarkeit bedeutend ab und wird fast zur öden , nur von Kakteen und stacheligen Sträuchern besetzten Sandwüste. Die an der Küste sich hinziehenden Inseln sind sandig, unfruchtbar und mit nur einigen Ausnahmen unbewohnt. Die Vegetation dieses Gebietes ist nur in den Flußniederungen und an den Bayous schön. Magnolien ( Magnolia grandifloro ), Tulepos (Nyssa uniflora), Amberbäume, Sykomoren, Ulmen, Cypressen, Kirsch¬ lorbeer u. s. w., welche alle oft von der Spitze bis zu den untersten Ästen sehr dicht mit Tillandsien bedeckt sind, bilden hier die Wälder. Eigentümlich sind die sehr üppig wachsenden prächtigen Lianen, die sich nicht nur über das Uutergebüsch lagern, sondern die sich auch oft bis in die höchsten Spitzen der Bäume winden. Die Bignonie ( Bignonia capreolata ) und die Trompetenliane ( Tecoma 131 radicans ), ferner wilder Wein und einzelne Stechwinden ( Smilax laurifolia und S. rotundifolia ) nehmen in diesem feuchten Humus¬ boden wahre Riesenformen an, denn sie klettern 50 bis 60 Fuß hoch empor. Ein sehr liebliches Bild, ein echtes duftendes Frühlings¬ kind Floras ist der immergrüne Karolinajasmin ( Gelsemiuni semper- virens ), der sich über kleine Baume und Dickicht schlingt. Auch eine sehr wohlriechende Jelängerjelieberart ( Lonicera grcita), eine Waldrebe ( Clematis cylindrica) und Giftsumach (Rhus toxicodendron) winden sich durchs niedrige Gebüsch. Besonders häufig ist im dumpfen Walde die sehr wertvolle Scuppernongrebe ( Vitis vulpina), welche sich dachartig über kleine Bäume legt. Der Boden ist mit einem dichten Wuchs kleiner Fächerpalmen ( Sabal Adansoni ) bedeckt und im mehr sandigen Boden des Waldrandes zeigt sich aller wärts die Bandpalmenlilie ( Yucca flamentosa). Auf die Küstengegend folgt das wellenförmige Hügelland mit seinen Lebenseichenprairieen und Pfosteneichenwäldern. Dieses begreift den größten und schönsten Teil von Texas in sich. Es dehnt sich von dem niedrigen Küstenstreifen bis zum bergigen Hochland des Westens aus. Zwischen den Flüssen Brazos, Kolorado und Guade- lupe erreicht dieser Landstrich eine Breite in der Richtung von Nordwest gegen Südost von 150 bis 200 Meilen. Im nordöstlichen Teile, von Trinity bis zur Grenze von Louisiana, ist dieses Hügel¬ land meist mit Wäldern, teilweise mit ausgedehnten Kiefernwaldungen bedeckt und der ganze Landstrich trägt hier mehr das Gepräge des angrenzenden Arkansas und Louisianas. Im mittleren Teile dagegen wechseln offene wellenförmige Prairieen mit Eichenwäldern ab. Diese Waldstriche, welche man mit dem Namen Pfosteneichenwälder (Post- oak) bezeichnet, finden sich namentlich zwischen dem Brazos und Kolorado und sind für Texas höchst charakteristisch. Sie bestehen fast ausschließlich aus Pfosteneichen (Quercus obtusiloba) ; finden sich aber hie und da einige Hickorybäume dazwischen, so ist das ein Anzeichen, daß der Boden gut und fruchtbar ist ; zeigen sich dagegen in größerer Anzahl die überaus häßlichen, verwirrten und halbvertrockneten Formen der Schwarzeiche ( Quercus nigra , Black Jack), so weiß man ebenso bestimmt, daß sich der Boden hier nicht zur Kultur eignet. Diese Pfosteneichenwälder machen durch¬ aus nicht den Eindruck des Schönen und Abwechselnden, sie sind im Gegenteil höchst unromantisch und langweilig. Überhaupt kann man den texanischen Wald nirgends mit dem unseres Nordens und Ostens vergleichen, der jahrein jahraus majestätisch und prächtig 132 erscheint. Die Hemlock-, Balsamtannen- und Weißkiefernwaldungen* die wohl aus zwanzig verschiedenen Baumarten bestehenden Laub- wälder darf man hier nicht erwarten. Urwaldsriesen wie im Norden sah ich nirgends in Texas und nur hie und da eine Sykomore des Tieflandes trägt den Charakter des Gigantischen. So öde und lang¬ weilig aber der Pfosteneichenwald während des größten Teiles des Jahres auch aussieht, so unbeschreiblich prächtig ist er in den Monaten April und Mai. Mit unzähligen Blumen in den grellsten Farbentönen ist der Boden jetzt bedeckt. Hier sammelte auch Drummond die ersten Samen der nach ihm benannten Flammen¬ blume ( Phlox Drummondi ) und anderer schöner Arten, welche jetzt zu den beliebtesten und prachtvollsten Blumen der Gärten zählen. Gaillardien (namentlich Gaillardia amblyodon ), J) prächtige blaue Lupinen ( Lupinus subcarnosus Hooker), Monarden ( Monarda citrio- dora und M. punctata), Calliopsis (C. Drummondii) Oenotheren, Verbeuen, Ranunkeln und Hunderte verschiedener anderer Blumen bedecken ringsumher den sandigen Waldboden. Allerwärts sieht man prächtige Gilien ( Grilia coronopifolia ) über die übrigen "Wald¬ blumen stolz hinwegragen. Hie und da gewahrt man in der Ferne leuchtendrote Blütenbüschel und beim Hinzutreten bemerkt man, daß es die Erythrine ( Erythrina herbacea ) ist, welche diese Stelle ziert. — Sehr üppig ist die Pflanzenwelt an den feuchten Stellen der Niederungen an Flüsseu und Bächen entwickelt, und hier ist auch der Ort, wo sich die meisten Vögel dieser Region finden. Riesigen Tauen gleich wiuden sich wilde Reben ( Vitis labrusca , V. cordifolia, V. bipinnata ) bis iu die Spitze der höchsten Waldbäume. Der ganze Wald ist zur Blütezeit dieser Weinstöcke mit dem herrlichsten Duft erfüllt. Andere Lianen klettern vermittelst ihrer Saugwurzeln au den Stämmen empor, namentlich die Jungfernrebe ( Ampelopsis quinquefolia) und die schon genannte Trompetenbignonie und lassen ihre Zweige und Blüten in schönen Gewinden herabhängen. Ein besonderes Gepräge verleiht die letztgenannte Bignonie dem Walde, nicht nur, weil sie so häufig ist, sondern hauptsächlich durch ihre prachtvollen orangegelben Blütenbüschel, welche von weitem gesehen einer Tangara oder einem roten Kardinal gleichem Schon Ende fl Für das Bestimmen vieler Pflanzen bin ich besonders Herrn Thomas Meehan, Verfasser des Prachtwerks: »The Native Flowers and Ferns of the United States«, ferner Herrn Dr. G, B. Loring, unserem jetzigen Ackerbau- Kommissär, Herrn G. Vasey, Botaniker des Ackerbau-Departements und Herrn Th. A. Brüh in zu Dank verpflichtet. April, wenn die schönen Waldsänger nördlich ziehen, blüht sie und ihre Blütezeit dauert bis in den Juni hinein. Diese Auwaldungen bestehen meist aus Sykomoren, Ulmen, Eschen, Sumpfeichen ( Quercus palustris ), Pecannuß ( Carya olivaeformis ) und schwarzen Maulbeer¬ bäumen. Wo das Gebüsch in diesen Wäldern dichtverschlungen und stachelig ist, finden sich während der Brutzeit, namentlich aber im Winter, Tausende von kleinen Vögeln ein. Wo sich Stech¬ winden, wilder Wein, Giftsumach, Mondsamen ( Menispermum cana- dense) dachartig über Dickichte lagern, wo der groteske Berchemia (. Berchemia volubüis , engl. Supple Jack) sich durcheinanderwickelt, wo Stechpalmen {Ilex opaca und I. myrtifolia ), mexikanische Maul¬ beeren (Callicarpa americana ), Brombeersträucher, Weißdornbüsche nu den Rändern des Waldes einen dichten Saum bilden, da ist die eigentliche Heimat der Kardinale, Papstfinken, Bischöfe, Busch- und Prairierireos, Schwätzer und anderer kleiner Vögel. Mehr nach dem Innern zu zeigen sich mit Passifloren ( Passiflora incarnata ) überwucherte Gebüsche, die prächtigen, fast beständig blühenden Lantanen (. Lantana camara ) und schöne Abutilon- ähnelnde rot¬ blühende Sträucher ( Malvaviscus Drummondii). Ganz am Uferrande zeigen sich brillante Lobelien ( Lobelia cardindlis ) und in mattes Blau gehüllte Ageratum mexicanum. An solchen allerwärts an Flüssen und Bächen vorkommenden Örtlichkeiten wimmelt es im Winter von unzähligen nördlichen Vögeln, namentlich wenn sich in der Nähe Baumwollen- und Maisfelder finden. Meine Beobach¬ tungen in dieser Region machte ich zum größten Teil an der West-Yegna und am Bluff Creek in See County; sie zeigen, daß hier Wander-, Einsiedler- und Braundrosseln, Goldhähnchen (zwei Arten), Meisen (drei Arten), verschiedene Spechte, Winter-, Busch-, Krön-, Fuchs-, Sänger-, Sumpf-, Gold- und Erdfinken, ferner Kardi¬ nale, Waldsäugerarten und viele andere Vögel hier überwintern. Ich habe nirgends so verschiedenartige Vögel in so ungeheueren Scharen beisammen gesehen wie hier. Sie sind hier nicht nur vor den Krallen vieler Raubvögel sicher, sondern sie finden auch vor den eisigkalten, im Winter oft auftretenden »Northers« den besteu Schutz und auch au reichlicher Insektennahrung gebricht es ihnen hier nie. Diesem Gebiete eigentümlich sind auch die allerwärts in den Pfosteneichenwald eingestreuten Mezquitprairieen. Diese bestehen aus¬ schließlich aus dicht zusammenstehenden Mezquitsträuchern (. Algarobia glandulosa ), sind sehr fruchtbar und kennzeichnen sich schon in der 134 Ferne durch ein helles freudiges Grün. Zwischen diesen Sträuchem finden sich viele breitblätterige, mit furchtbaren Stacheln bewaffnete Kakteen ( Opuntia frutescens Engelm.) und dichtstehendes nahrhaftes Mezquitgras ( Aristida aequiramea Scheele), dessen reife, mit einem Stachel versehene Samenkörner sich durch das stärkste Zeug ar¬ beiten. Diese kleinen Prairieen sind nur von wenig Vögeln bewohnt und wir gewahren hier nur in größerer Anzahl den Scherenschwanz¬ tyrannen ( Milvulus forficatus ) oder den »texanischen Paradiesvogel« der Ansiedler, den mau allerdings als die schönste und auffallendste Erscheinung der texanischen Ornis bezeichnen muß. Auch der Gartentrupial und der Nonpareil zeigen sich in diesen Mimosen. — Einen gauz anderen Eindruck briugen die großen Lebenseichen- prairieen hervor, welche man erreicht, sobald der Kolorado passiert ist. Die herrlichen, dunkelimmergrüneu, nur mittelhohen aber breiten Bäume stehen teils einzeln, teils gruppenweise in der sanft "wellen¬ förmigen Prairie umher. Diese inselartigen runden oder länglich¬ runden Gruppen von Lebenseichen nennt man »Bosquets«, und es gehörte früher, als noch keine Ansiedelungen vorhanden waren, die Ortskenntnis eines alten Texaners dazu, um sich in den fast gleich¬ großen, ähnlichgeformten Lebenseichenbosquets zurecht zu finden. Oft reiht sich eine Gruppe an die andere und das dichte, dunkel¬ grüne Laub verleiht namentlich im Winter der Landschaft ein reizendes Gepräge. Das Romantische, die Poesie der nördlichen Wälder fehlt freilich auch hier. Nirgends erblickt man Farnkräuter,. Erikaceen und Erdmoose, welche der Landschaft des Nordens und Ostens, namentlich auch den Gebirgsgegenden der Alleghanies, einen so hohen Reiz verleihen. Diese Lebeuseichenprairieen sind nicht nur sehr gesund, sie sind auch äußerst fruchtbar, weshalb sie besonders gesucht sind, nicht nur um das Hauptprodukt von Texas, Baumwolle, sondern auch Mais, Weizen und andere Getreidearten auf ihnen zu kultivieren. Hier und in den reichen Niederungen des Pfosteneichenwaldes finden sich die meisten Ansiedelungen. Noch ein ganz anderes Ansehen gewinnt das Hügelland zwischen dem Nueces und Rio Grande. Der ganze weite Landstrich zwischen dem unteren Laufe beider Flüsse ist eine wasserarme, unfruchtbare Wüste, welche mit Opuntien, Mamillarien und eigentümlichen stache¬ ligen, starren Sträuchern, welche man, wenn sie dicht zusammen¬ treten, mit dem Namen »Chaparral« bezeichnet. Dieser von un¬ zähligen Klapperschlangen bewohnte Landstrich, das Paradies des Viehzüchters und Hirten (Cow-boys), wird sich stets der ackerbau- 135 treibenden Bevölkerung wegen seiner Wasserannut entziehen, und er bildet fast eine natürlichere Grenze zwischen Texas und Mexiko als der Rio Grande selbst. Auf der ganzen, mehrere hundert Meilen langen Erstreckung von Presidio Rio Grande bis zur Mündung erhält der Rio Grande kaum den geringsten Zufluß auf seinem linken Ufer, ein Umstand, der hinlänglich die Wasserarmut des angrenzenden Landes andeutet. Bis hierher dringen viele mexi¬ kanische Vögel vor, gehen aber nur selten über diesen Landstrich hinaus. Der Vogelreichtum des unteren Rio Grande ist trotz der dortigen armen Vegetation überraschend und die hier vorkommende Ornis trägt ein durchaus tropisches Gepräge, wie uns das die Mit¬ teilungen Herrn G. B. Sennetts und Dr. Merrills, zweier aus¬ gezeichneter Ornithologen, beweisen. Das dritte Gebiet ist das felsige Tafel- oder Gebirgsland des Westens mit Einschluß der Llano Estacado. Die Grenze gegen Osten bildet das eben beschriebene Hügelland. Bei Presidio Rio Grande beginnend, läuft sie iu nordöstlicher Richtung, überschreitet oberhalb San Antonio den Fluß gleichen Namens, die Guadelupe bei dem romantisch gelegenen Neu- Braunfels, den Kolorado bei der Staatshauptstadt Austin, den Brazos bei seinen Fällen, den Trinity in der Nähe des Vereinigungspunktes seiner Hauptzweige, erreicht dann den Red River und erstreckt sich bis hinein ins Indianer- Territorium und Kansas. An manchen Stellen, z. B. bei Austin und namentlich bei Neu-Braunfels ist die Grenze gegen das wellen¬ förmige Hügelland scharf hervortretend. Einen eigentlich gro߬ artigen Charakter zeigt dies Gebirgsland durchaus nicht und es steht in dieser Hinsicht dem wunderschönen romantischen Alleghany- gebirge in Nordkarolina, Virginien und Pennsylvanien, ferner dem bis auf die Spitze bewaldeten Cumberlandgebirge im südlichen Tennessee weit nach. Die Fluß- uud Bachthäler sind freilich dicht bewaldet und auch manche Höhenzüge sind von einem dichten Wuchs Bergcedern (< Juniperus montana ) bestanden. Es könuen in diesem trockenen Landstrich, wo während der heißen Jahreszeit nur wenig Regen fällt, nur solche Pflanzen fortkommen, welche natur¬ gemäß einen hohen Grad von Trockenheit ertragen können. Dies sind Bergcedern, Mezquitsträucher (die hier so häufig sind und so dicht stehen, daß sie der vor wenigen Jahren verstorbene verdienst¬ volle Botaniker Lindheimer*) geradezu Mimosenregion nennt), *) Ferdinand Lindheimer aus Frankfurt a. M. wirkte zuerst daselbst an einer höheren Lehranstalt, zog dann nach Mexiko und später nach Texas> Pfosten- und Schwarzeichen und namentlich Kakteen, von denen man hier wohl über ein Dutzend Arten nahe beisammen findet. Schön ist die Flora an den Ufern der Guadelupe und des Comal- baches bei Neu-Braunfels ; man findet hier die Bäume schon dicht mit Tillaudsien und grünlichen Bartflechten ( Usnea barbata) behängen und auch immergrüne Sträucher, Lantanen, selbst zwergartige Fächer¬ palmen zeigen sich. Wie reich und üppig die texanische Flora sein würde, wenn die regelmäßig im Sommer bis zum Herbste hinein auftretende Trockenheit nicht wäre, sieht man aus den frischen und üppigen Pflanzen dieser oft auch noch ziemlich trockenen Fluß- und Bacbthäler. Dieses Hochland eignet sich kaum zum Ackerbau, ist dagegen schon seit Jahren seiner Wollproduktion wegen berühmt. Die Schafweiden nehmen oft Tausende von Ackern ein und sind nicht selten mit heckenartig angepflanzten stacheligen, etwa vier Fuß hohen Kakteen umzäunt. Unter den Schafzüchtern und Hirten findet man nicht selten hochgebildete Leute, selbst solche, denen in dieser öden Einsamkeit noch Sinn für Poesie und schöne Künste geblieben ist. Manchen alten Knaben trifft man, der in dieser Einsamkeit beim Schafehüten Homer, Cicero, Schiller und Goethe fleißig liest, fleißiger vielleicht als einst drüben auf dem Gymnasium. Eine eigentümliche Erscheinung des Hochlandes sind die vom Brazos bis zum Arkansas etwas in nordwestlicher Richtung lau¬ fenden »Croß Timbers«, welche etwa vierhundert Meilen laug sind und deren Breite zwischen fünf bis dreißig Meilen schwankt. In ihrer ganzen Ausdehnung zeigen die Croß Timbers denselben Cha¬ rakter. Die Bäume, hauptsächlich niedrige Eichen von verkrüppeltem Aussehen, stehen in solchen Zwischenräumen, daß man bequem zwischen ihnen hindurchfahren kann. Sie bilden gewissermaßen die Greuze zwischen den Länderstrecken, welche sich zur Kultur eignen und den unfruchtbaren Steppen westlich. Westlich von ihnen findet sich nämlich einer der eigentümlichsten, ödesten, berüch¬ tigtsten Landstriche ganz Amerikas, nämlich die Llano Estacado, d. h. die abgesteckte Ebene (engl. Staked Plains), eine Hochebene, die 4500 Fuß (der höchste Punkt 4707 Fuß) über dem Meere liegt und auf der kein Baum, kein Strauch, kein hervorragender Punkt dem Reisenden als Landmarke dienen könnte. Mexikanische Tausch¬ händler hatten deshalb vormals, als dieser Landstrich noch zu wo er hochbetagt als eifriger Botaniker in Neu-Braunfels starb. »Aufsätze und Abhandlungen« von ihm, herausgegeben von einem seiner Schüler, sind 1879 in Frankfurt a. M. erschienen. N. Mexiko gehörte, durch lange, in gewisser Entfernung von einander aufrecht in den Boden gesteckter Stangen die vorteilhafteste Rieh- tung des Weges bezeichnet, daher der Name Llano Estacado. Ein¬ förmig und doch erhaben ist dieses wald- und wasserlose Hoch¬ plateau. Kein Berg zeigt sich dem schmachtenden Auge, an dessen Fuße er eine sprudelnde Quelle vermuten könnte, keine Baum¬ gruppe erfreut das ruhelos umherirrende Auge, um den Müden in seinen Schatten einzuladen. Dieses Hochplateau erstreckt sich über 4 Längen- und ebensoviele Breitegrade und ist etwa 400 Meilen lang und 200 Meilen (englische) breit. Daß hier, wo die beiden Hauptfaktoren, welche das Vorkommen der Vögel bedingen : Wasser mit Waldland und Gebüschen, fehlen, selten ein Vogel angetroffen wird, ist selbstverständlich. Der Graswuchs ist spärlich und selbst Kakteen scheinen in dem festen Sandboden nur mühsam Wurzel schlagen zu können. Diese Llano Estacado übt einen ungeheueren Einfluß auf das texauische Klima aus, wie wir gleich sehen werden. (Fortsetzung folgt.) Die Feinde unserer Singvögel. Von H. Schacht. Es ist eine bekannte Thatsache, daß die nützlichsten unserer Vögel — die Singvögel — gleichzeitig auch die angenehmsten sind. Im ersten Falle treten sie auf, ausgerüstet zum Gewerbe, vom Scheitel bis zur Zehenspitze, mit den vollkommensten Organen, um dem offen oder versteckt lebenden Geziefer, das in Feld und Flur, in Forst und Garten seine verderbenbringende Thätigkeit entfaltet, unerbittlich den Garaus zu machen. Im zweiten Falle sind sie die Beleber der Natur, die Kinder der Lust, die Bringer der Freude, die Herolde des Lenzes, deren farbenprächtiges Gefieder unsere Sinne entzückt, deren Tongebilde unser Gemüt erheben und deren Leben und Treiben uns anregenden Stoff zur Unterhaltung und Belehrung bietet. Aber gerade diese, dem Menschen so höchst interessante Vogelfamilie ist es, die leider in der Neuzeit an Individuenmenge in bedeutender Abnahme begriffen ist, wofür der nächste Grund zwar nicht in den fortgesetzten Nachstellungen seitens ihrer Feinde, sondern in der alles nivellierenden Kultur zu suchen ist, welche die trauten Heimstätten der gefiederten Sänger : die 138 dichten Feld- und Wallhecken, die alten Eichenhaine mit dem dicht verwachsenen Unterholze, die rauschenden Rohrteiche, die so viele Verstecke bildenden Reisigzäune u. s. w. unnachsichtig zerstört, so daß Gegenden, in denen noch vor Jahrzehnten Hunderte der sangeslustigen Bewohner u mhersch wirrten , heute stumm daliegen wie das Grab. Daß aber auch ein bedeutendes Conto auf die unausgesetzten Verfolgungen, welche die Singvögel erleiden, zu schreiben ist, hoffe ich im nachfolgenden dem freundlichen Leser darlegen zu können. Eingedenk des Btirgerschen Wortes : Ei, zupfte sich Herr Erdenkloß doch nur an eigner Nase! müssen wir die Verfolgungen, die vom Menschen ausgehen, gerechterweise obenan stellen. Es ist bekannt und schon unzähligemal öffentlich gerügt, daß die südeuropäischen Völker, die Spaniolen, Franzosen und Italiener zur Zeit des Herbst- und Frühlingszuges unseren Sängern mit den raffiniertesten Fangapparaten auflauern, sie unbarmherzig mit ihren Pulverstaken niederdonnern und so die großartigsten Niederlagen unter denselben anrichten. Ein Freund von mir sah, daß in Unteritalien im Frühlmge viele Hügel und Berghänge mit Sprenkelu besetzt waren, daß Knaben Nachtigallen und Schwalben für wenige Pfennige feilboten und in allen Gasthäusern »kleine Vögel« ein stehendes Gericht waren. Als vor einigen Jahren auch in unserem Walde eine Anzahl lombardischer Arbeiter in den Steinbrüchen Beschäftigung fand, war im Frühjahr kein Vogelnest vor ihnen sicher, da man die Jungen ohne weiteres in die Pfanne beförderte. Die Leidenschaft, kleinere Vögel zu morden, ist bei den romanischen Nationen so tief eingewurzelt, daß selbst der Staat mit seinen Gesetzen nicht viel ausrichten kann. Die Liebe zur Tierwelt muß den Kindern von der Familie und Schule eingeimpft werden, aber unsere Lombarden hatten, wie sie offen gestanden, in der Jugend nur beten gelernt, jedoch die Elemente der Wissenschaft waren ihnen ein versiegeltes Buch geblieben. Aber wie sieht es denn nun in unserem schönen Deutschland aus ? Hier auch stehen die Massenmorde, die in den Dohnenstiegen getrieben werden, wo alljährlich Tausende und Abertausende unserer herrlichen Amseln und Drosseln eines erbärmlichen Todes sterben müssen, noch in voller Blüte. Von den Hüten unserer Damen nicken nicht nur, wie bei Schillers Mina »stolze Federn«, nein, wohlpräparierte Bälge farbenglänzender Sänger. Im Wald und auf der Heide üben sich die Forsteleven in ihrer waidmännischen Kunst 139 und jagen gleichgültig der auf dem Fichtenwipfel schlagenden Drossel oder der gen Himmel steigenden Lerche das tödliche Blei in die lustgeschwellte Brust. Tu der Nähe der Städte und Dörfer sind Tausende von Bruteu alljährlich dem Untergänge geweiht und wenn auch die schulpflichtige Jugend, die, wie Matthison, in dem gestrengen Herrn Küster gewöhnlich den Weltgebieter sieht, sich von den Raubzügen fernhält, so werden die kleinern Buben und Mädchen vorgeschoben, welche Eier und junge Vögel als artige Spielzeuge annektieren müssen. Und nun gar die Hirtenbuben, die im Sommer überall an Hecken und Zäunen herumlungern ? In ihrer Trösteeinsamkeit verfallen sie gar zu leicht auf allerhand unnütze Streiche. Kein Vogelnest, und sollte es noch so hoch und versteckt stehen, ist vor ihnen sicher. Ich habe einen Burschen gekannt, der sich aus Langeweile sogar einen förmlichen Vogel¬ kirchhof in seinem Gebiete augelegt hatte und denselben dadurch zu bevölkern suchte, daß er allerhand junge Vögel ausnahm, mor¬ dete und dann feierlichst zu Grabe trug. Und wie treiben es die Vogelfänger von Profession, jene Herren, die ihren Ärger darüber haben, wenn ein von ihnen gelieferter Vogel bei dem Liebhaber »zu lange steht«, d. h. nicht bald verendet, weil sich ihr Absatz dadurch verringert ? Wie oft versuchen sie, die verbundenen Pärchen der Singdrosseln, Heidelerchen, Grasmücken u. s. w. zu trennen, indem sie das Männchen beim Neste wegfaugen, weil ihm sonst nicht beizukommen ist. Auch die noble Passion der Sountags- schiitzen, die sogenannte Kirschvogeljagd, wobei Stare, Pirole, Amseln, Drosseln und Mönche hingemordet werden und zwar zu einer Zeit, wo das Brutgeschäft der Vögel noch keineswegs beendet ist, trägt mehr als ein Scherf lein zum Ruin unserer Vogelwelt bei und sollte durchaus nicht geduldet werden. Außer dem Herrn der Schöpfung haben unsere Sänger an den verschiedensten Kleinsäugern eine große Anzahl gefährlicher Feinde. Zunächst sind es unsere Katzen — die Wildkatze {Felis catus ) sowohl als auch die Hauskatze ( F . domestica ), — deren Raub- und Wiirglust gerade in der Vogel weit am meisten Befriedigung findet. Wenn auch die Wildkatze heute nur noch sehr sporadisch in unseren Wäldern auftaucht, so ist sie doch noch keineswegs ausgerottet. Sie bewohnt und durchstreift mit großer Vorliebe die jungen und dichten Fichten- und Buchenschonungen, in denen unsere Sängerfamilien so gern ihren Hausstand errichten. Bei Nacht wagt sie sich auch in die angrenzenden Felder und 140 raubt neben Rebhühnern und Wachteln auch manchen am Boden schlafenden Sänger aus der Familie unserer Lerchen und Pieper. Häufiger als die Wildkatzen treiben sich in Feldern und Wäldern, in Hainungen und Gärten hauptsächlich zur Sommerzeit, halb- oder auch ganz verwilderte Hauskatzen umher. Diese sind der wahre Schrecken unserer Vogelwelt und kennzeichnen ihre Fährten überall durch Tod und Verderben. Nicht bloß junge unbeholfene Nestlinge müssen unter ihren Krallen verbluten, nein, ich weiß aus Erfahrung, daß sie selbst alte Amseln, Singdrosseln, Gimpel und Finken fangen. Ihr Geruchsorgan ist zwar nur sehr schwach, aber ihr Gehör und Gesicht aufs feinste ausgebildet. Als ich mich einst auf dem Anstande am Waldessaume befand, sah ich eine Katze am Roggenfelde entlang direkt auf mich zukommen. Alles war still und kein Lüftchen regte sich. Jetzt sah ich, wie plötzlich mitten im Roggenfelde in den Ähren eine kleine Bewegung stattfand, doch konnte ich die Ursache nicht entdecken. Die Katze konnte die Bewegung unmöglich sehen, aber das Geräusch hatte sie vernommen, denn sie wandte sich sofort um und schlich ganz geuau der Stelle zu, wo die Bewegung entstanden war. Ich teile diese Beobachtung nur mit, um den Beweis zu liefern, von welch wunderbarer Feinheit das Gehör der Katze ist, welcher Umstand ihr bei ihrem Raub¬ geschäfte nur zum größten Vorteile gereichen kann. In einer dichten Weißdornhecke meines Gartens hatte ein Hänfling sein Nest erbaut. Das Weibchen brütete ungestört, die Jungen schlüpften aus, aber schon nach drei Tagen war das Nest ausgeraubt. Uber dem Neste fand ich auf der Hecke ein paar grüne Lohden geknickt, ein Zeichen, daß die Jungen von oben herausgenoinmen waren. Es war mir unerklärlich, was für ein Raubtier sich der Jungen bemächtigt hatte, da das Nest sehr ver¬ steckt stand und die Hungerstimmen der Jungen kaum vernehmbar waren. Als ich aber am anderen Morgen Nachbars Katze vorsich¬ tigen Schrittes auf der Dornhecke einherspazieren sah, brauchte ich über den Räuber keine Zweifel mehr zu hegen. Vor den Katzen ist kein Nest sicher, und wenn sie erst einmal das zarte Vogelfleisch gekostet haben, dann hat es mit dem Mäusefange gute Wege. Sehr oft haben es die Katzenliebhaber selbst verschuldet, wenn ihr Mäusejäger zum Vogeljäger wird, weil sie demselben zufällig in ihre Hände geratende tote Vögel als Leckerbissen reichten. Gerade den Katzen ist es zuzuschreiben, daß so viele Hainungen und Gärten, in denen früher die königliche Nachtigall ihre herrlichen 141 Lieder sang, die so manches Menschenherz erquickten und ent¬ zückten, heute stumm und freudlos daliegen. Die Katze kann nur im Hause wirklichen Nutzen schaffen, fern von den Wohnungen der Menschen in Feldern, Gärten und Wäldern darf sie niemals geduldet werden. Ein sehr gefährlicher Feind der Singvogelwelt ist ferner Meister Reineke ( Canis vulpes ), der rote Freibeuter, Buschklepper und wie sonst seine zoologischen Ehrentitel alle heißen mögen. Gerade in der Zeit, wenn seine 6 — 8 hoffnungsvollen Sprößlinge mit den verschmitzten Mongolengesichtern nach Futter verlangen, giebt es schon im Walde junge Amseln, Drosseln, Rotkehlchen, Pieper u. s. w., deren Huugertönen er jederzeit seine volle Aufmerksamkeit zuwendet, um zu erbeuten, was eben zu erbeuten ist. Einst sah ich, wie ein Fuchs am Waldessaume mit dem Fange von Käfern und Regen¬ würmern beschäftigt war. Auf einmal erklang aus dem nahen Dickicht die Hungerstimme einer jungen Amsel. Dieses Signal schien er zu kennen, denn mit hocherhobenem Haupte trabte er eiligst der Gegend zu, aus welcher der Ton erklang. Die alten Amseln zeterten herzzerreißend, doch schien der Fang mißglückt zu sein, denn nach wenigen Augenblicken kehrte er zur vorigen Beschäftigung zurück. Vor einigen Jahren erlegte man eines Tages in unserem Walde eine alte Füchsin am Baue. Tags darauf stellte sich daselbst ein männlicher Fuchs ein und wollte eben der mutter¬ losen Kinderschar ein ganzes Nest voll junger Amseln zutragen, als auch ihn das tödliche Blei ereilte. Bei seinen nächtlichen Streif¬ zügen, die er gewöhnlich auf die Felder ausdehnt, fallen ihm häufig die an den Feldrainen nächtigenden Lerchen und Pieper zum Opfer. Wie sehr ihm aber Vogelfleisch mundet, sehen wir am deutlichsten im Herbst in den Dohnenstiegen, in welchen er sich bei Nacht regelmäßig, aber bisweilen auch am hellen Tage einstellt, um dem Dohnensteller einen Teil der Krammetsvogelbeute wegzukapern. Daß auch der Dachs {Meies taxus ), dieser mürrische, scheue und anspruchslose Troglodyt unseres Waldes, auf seineu nächtlichen Spaziergängen hin und wiede:* ein Vogelnest plündert und sich an den Eiern oder Jungen delektiert, dürfen wir mit Recht annehmen, doch fallen derartige gelegentliche Räubereien keineswegs ins Gewicht. Von den marderartigen Raubtieren, die bei uns durch den Baum- und Hausmarder, Iltis, Hermelin und Wiesel vertreten sind, haben unsere Singvögel durch den Baummarder {Mustela martes) und das Hermelin (M. Erminea ) am meisten zu leiden. 142 Der Baummarder, auch Edelmarder genannt, ist ein äußerst gewandter und gefährlicher Räuber. Wenn sich seine Jagd auch meistenteils auf größere Tiere erstreckt und ihm z. B. ein Eich¬ hörnchenbraten über alles geht, so plündert er doch gern die Nester unserer Höhlenbrüter, hauptsächlich der Stare, geht aber auch den im Gebüsch stehenden Nestern nach. In einem Reviere, in dem ein Baummarder ein Geheck seiner Jungen hatte, fand ich sämtliche Vogelnester zerstört oder ausgeraubt. Als ich einst an eine hohle Buche klopfte, in der ein Star sonst gebrütet hatte, glotzten mir aus dem Flugloche die schwarzen Augen eines Baummarders ent¬ gegen. Vom Star war natürlich jede Spur verloren. Wie der Fuchs, besucht auch der Baummarder gern die Dohnenstiege und leert, dank seiner Geschicklichkeit im Klettern, auch diejenigen Dohnen, die der Fuchs nicht erreichen kann. Noch vor kurzer Zeit gelang es einem meiner Freunde, einen Baummarder im Dohnen¬ stiege vermittels eines unter dem Laube eingesetzten Tellereisens zu erbeuten. Ein anderer hat neben seinem Dohnenstiege eine sogenannte Prügelfalle angebracht und es vergeht keine Saison, in der nicht ein oder zwei der Mörder darunter ihr Leben lassen müssen. Wir kommen nun zum Hermelin oder dem großen Wiesel, welches als der gefährlichste Feind unserer in Busch und Gesträuch, aber auch der in Brutkasten und am Hause nistenden Singvögel angesehen werden muß. Am Saume des Waldes, in dichten Wall¬ hecken, in Hausgärten und Baumhöfen, wo sich im Sommer so gern die kleinen Sänger zum Nestbaue einstellen, schlägt es am liebsten seinen Wohnsitz auf und raubt daselbst mit einer Gier und einem Blutdurste, die es im Verhältnis zu seiner Größe dem Tiger gleichstellen. Als ich einst am Waldrande spazieren ging, vernahm ich schon aus ziemlicher Entfernung die lauten Angsttöne eines Finkenpärchens. Schnell eilte ich hinzu und sah ein Hermelin von einem Heckenstamme springen und eiligst im Gebüsch ver¬ schwinden. Zugleich entdeckte ich auch das Nest der jammernden Vögel, in dem vier erst wenige Tage alte Finken lagen. Das eine lag mit zerbissenem Schädel auf dem Nestrande, ein anderes blutend im Neste, die anderen beiden mverletzt daneben. Ich säuberte das Nest, so gut es anging, von Blut und den beiden kleinen Leichen, entdeckte aber gleichzeitig in nächster Nähe das Nest einer Amsel mit fünf halbflüggen Jungen, die mir ihre offnen Schnäbel bittend entgegenstreckten. Natürlich hegte ich für beide Nester die größte Besorgnis und richtig, als ich eiaen Tag später wieder den Ort 143 besuchte, cla waren beide Nester leer und nur etwas geronnenes Blut bezeichuete genau die traurigen Vorfälle, welche sich in kurzer Zeit hier abgespielt hatten. — In meinem Baumhofe nistete in einem Brutkasten ein Kohlmeisenpärchen. Ein ganzes Dutzend junger Vögel war so weit herangewachsen, daß ich täglich ihrem Ausfluge entgegensah. Da, eines schönen Morgens hatte ein Her¬ melin, das auf dem benachbarten Kirchhofe unter einem Grabsteine seine Raubburg aufgeschlagen, die Brutstätte entdeckt und sämtliche Insassen abgeschlachtet und hinweggeschleppt. Das Innere des Kastens zeigte deutlich , welch blutiges Morden darin vor sich gegangen war. Einst sah ich, daß ein Hermelin am hellen Tage an einer einsamen und verlassenen Scheune, an der ein Starenkasten hing, vom offenen Bodenfenster auf den Kasten sprang und nach und nach sämtliche Jungen des Kastens hinwegschleppte. Wenn man indes behauptet, wie z. B. Professor Giebel, das Hermelin raube nur bei Nacht, so beruht diese Angabe auf Irrtum. Ich habe selbst gesehen, daß es bei Tage die Eier aus einem Hühuer- neste hinwegschleppte, daß es im Garten eine mächtige Hamstermaus fing und dieselbe an der Ecke meines Hauses hinauf auf den Boden trug und daß es selbst im Felde einen halbwüchsigen Hasen überfiel und in wenigen Augenblicken tötete. Marder und Iltis ruhen bei Tage versteckt in ihren Schlupfwinkeln ; das Hermelin dagegen scheut keineswegs das Tageslicht und raubt, wenn es eben Gefallen daran findet. — Ein schreckliches Blutbad hatte einst ein Hermelin in meiner Starenkolonie angerichtet. Auf dem Hausboden befanden sich nämlich 4 freistehende Nester mit Jungen. In 3 Nestern mit je 5 Insassen waren dieselben vollständig befiedert, in dem 4. Neste lagen ebenfalls 5 Junge, die aber erst wenige Tage zählten. Als ich eines Morgens, nach einer stürmischen, regnerischen Nacht, die Nester inspizierte, bot sich mir ein trauriger Anblick dar. Die 15 erwachsenen Jungen lagen alle auf einem Haufen, regelrecht am Halse abgeschlachtet und nur eins war an Kopf und Brust etwas angefressen. In dem anderen Neste lagen die Jungen vollständig unbeschädigt, aber auch sämtlich leblos da. Diese, welche noch der mütterlichen Wärme dringend bedurften, waren erstarrt, da die Alte, als das Verhängnis hereinbrach, jedenfalls noch Zeit zur Rettung gefunden hatte, aber nicht mehr wagte, zu den Jungen zurückzukehren. Seitdem ist es keinem Stare mehr eingefallen, frei auf dem Boden zu nisten. Weshalb die 5 nackten Jungen des einen Nestes nicht abgewürgt waren, bleibt freilich unerklärlich, 144 wenn man nicht annehmen will, daß sie der Mörder einfach über¬ sehen habe. Von anderer Seite habe ich freilich auch schon die Behauptung aufstellen hören, das Hermelin warte erst immer mit dem Abwürgen so lange, bis die Jungen erwachsen seien, um dann ein desto größeres Fleischquantum eiuheimsen zu können. Auch diese Behauptung ist nicht stichhaltig. Meistenteils raubt es freilich die Nester aus, wenn die Jungen erwachsen sind ; dies hat aber nur darin seinen Grund, daß sich die erwachsenen Jungen durch ihre beständige Unruhe und ihre Hungerstimmen nur zu sehr be- merklich machen, was bei den kahlen Nestlingen nicht der Fall ist. Die Vögel kennen das Hermelin als ihren erbitterten Feind nur zu gut und wenn sich dasselbe einmal im Freien zeigt, so wird es sofort mit fürchterlichem Gezeter und Geschrei signalisiert. Recht spaßhaft ist es anzusehen, wenn sich das Hermelin einmal im Hofe blicken läßt und nun die ganze Hühnerschar, Herr Gockel kampfes¬ mutig an der Spitze, den Bösewicht verfolgen, um ihm eins zu versetzen. Aus der Klasse der Nager finden wir in uuserm allbekannten und beliebten Eichhörnchen ( Sciurus vulgaris) einen schlimmen Vogelfeind. In frühem Jahren war man allgemein der Ansicht, der Schaden des Eichhörnchens beschränke sich nur auf die Forst¬ kulturen, heute weiß man, auf Grund der Beobachtungen kom¬ petenter Forscher, daß es als arger Nestplünderer durchaus nicht die Schonung verdient, die man ihm ehedem zuteil werden ließ und haben deshalb verschiedene Forstverwaltungen — unter andern auch unsere lippische -- sich gemüßigt gesehen, Schußgeld auf die Erlegung desselben zu setzen und zwar mit vollem Rechte. So vernahm ich einst von meinem Hause aus im benachbarten Fichten¬ walde die lauten Angstrufe eines Finkenpärchens. Ich ging eilig den Tönen nach und sah, wie hoch im Wipfel einer Fichte das Vogelpaar umherflatterte, doch konnte ich keinen Feind entdecken. Jetzt schlug ich an den Stamm und siehe, ein Eichhörnchen sprang aus dem Dickicht und machte sich eiligst von dannen. Ich ging schnell zurück um die Flinte zu holen. Als ich wieder am Platze war, erklang das Geschrei der Finken noch eindringlicher. Noch¬ mals schlug ich au den Baum, den das Eichhörnchen zum zweiten¬ mal verließ. Ich schoß es herab und fand bei der Sektion den Magen mit Fleischteilen und den Flugfedern junger Finken angefüllt. Der Mörder war ertappt und entlarvt. Einen besondern Gefallen scheint es aber an den Vogeleiern zu finden und es wagt sich sogar 145 dabei an die Nester der Wildtauben und Häher. Noch im ver¬ flossenen Sommer habe ich die Beobachtung gemacht, daß in einem Wäldchen, in welchem mehrere Häherpärchen nisteten, keine einzige Brut glücklich verlief, indem jedesmal die Eierschalen deutlich die Spuren des Eichhörncherfgebisses trugen. Bei dem beständigen Umhertreiben in den Kronen der Bäume entgeht ihm selten ein Vogelnest und bei seiner Geschicklichkeit im Klettern ist es auch imstande, jedes Nest zu erreichen und kann man hiernach leicht seine große Schädlichkeit ermessen. Von den sonst noch in unsern Wäldern und Feldern hausenden Nagern werden ebenfalls alljährlich viele Vogelbruten zerstört. Der Siebenschläfer (Myoxus glis ), der zum Glück nicht sehr häufig auftritt, aber auch ein gewandter Kletterer ist, verschont auf seinen nächtlichen Streifereien kein Vogelnest, das ihm gerade aufstößt. Vor einigen Jahren fing mau in unserm Walde sogar einen Sieben¬ schläfer in der Pferdehaarschlinge einer Dohne. Die großäugige Waldmaus (Mus silvaticus ), welche gern in den Wallhecken umherklettert, ja selbst hohe Bäume besteigt, wie ich schon beobachtete, ist sehr erpicht auf Fleisch und Eier der Vögel und fällt mit wahrer Wut über ihre Beute her. In meiner Voliere tötete einst eine Waldmaus in kurzer Zeit mehrere Vögel. Auch die Waldwühlmaus ( Arvicola glareolus ), eine unserer größten Mäuse, vernichtet sehr viele bodenständige Nester, wie z. B. der Rotkehlchen und Pieper, ja selbst unsere gemeine Feldmaus ( Arv . arvalis), sonst ein stumpfsinniges Geschöpf, läßt sich nur zu oft die Eier und Jungen der Feldlerchen gutschmecken. (Schluf3 folgt.) Die Girondennatter in der Gefangenschaft ( Coronella girundica Daud.). Von Joh. von Fischer. Diese schmucke Natter ist über ganz Italien, Südfrankreich und die pyrenäische Halbinsel sowie das nördliche Afrika verbreitet. Sie findet sich stellenweise sehr häufig, anderorts äußerst selten vor. So ist sie in der Gironde, von der sie ihren Namen hat, wie mir Lataste schreibt, eine äußerst seltene Erscheinung. Sie bewohnt sowohl flache als auch hügelige Gegenden und hält sich mit Vorliebe an Hecken, sowie in Luzernfeldern auf. Oft Zoolog. Gart. Jabrg. XXV. 1884. 10 146 findet man sie unter Steinen oder unter Reisig-, Brennholzhaufen u. s. w. zusammengerollt; auch bewohnt sie nicht selten verlassene Maulwurfsgänge, aus denen sie beim Pflügen au’s Tageslicht gefördert wird. Mit Vorliebe sucht sie Gärten auf, die sie bei Abenddämmerung verläßt, um über die Wege zu kriechen* auf denen man ihre Spur im Staube oder im Sande oft in verschlungenen Arabesken findet. Die Girondennatter ist vorwiegend ein Dämmerungstier. Unter Steinen, Baumrinde, Holzhaufen oder in Mauerspalten zusammen¬ gerollt, bringt sie den Tag schlafend zu, und nur im Frühjahr (aber auch dann nur selten) sieht man sie sonnen, um ihrem erstarrten Blut die notwendige Cirkulation zu geben. Gegen Abend, im Sommer auch während mondhellen Nächten und in der Morgendämmerung verläßt sie ihr Versteck, um auf Saurier aller Art Jagd zu machen. Ihre Hauptnahrung besteht in Mauereidechsen uud Jungen anderer Arten, die sie in ihren Nacht¬ quartieren aufsucht und verzehrt. Sie schlingt sich nach Art ihrer Verwandten, der glatten Natter ( Coronella laevis) um ihr Opfer, welches sie meist am Halse packt und daun erwürgt, worauf der Kopf zuerst verschlungen wird. Hat sie nur den brüchigen Schwanz einer Eidechse erfaßt und reißt dieser, so verschlingt sie den zucken¬ den und sich windenden Schwanz, von einer weiteren Verfolgung ihres Opfers vorläufig ablassend. Besonders hungrige Individuen verschlingen namentlich junge, kleine Eidechsen auch von der Kreuzgegend an, wobei der Schwanz des Opfers durch geschickte Bewegungen der Kieferäste an den Körper der Beute parallel gedrückt wird, so daß Schwanz- und Maulspitze derselben fast gleichzeitig im Rachen der Schlange verschwinden. Diese Art ist diejenige, die man am häufigsten auf Wegen tot antrifft, indem sie nicht sonderlich behend ist und während ihrer Streifzüge in der Dämmerung von Wagen, Vieh etc. leicht überfahren oder zertreten wird. Sie bewohnt absolut trockene Orte und vermeidet streng sumpfige oder nur feuchte Gegenden. Sie muß, wenn sie gedeihen soll, in trockenen, temperierten Terrarien gehalten werden, in denen sie sich jahrelang vortreff¬ lich hält. Man muß ihr genügend Schlupfwinkel bieten, denn sie flieht das grelle Tageslicht. Am besten schafft man diese, wenn man im Terrarium Grottenimitationen aufführt oder an einer warmen Stelle desselben hohle Baumstämme oder gewölbte Dachziegeln auflegt. 147 ln der Färbung variiert diese Art nicht unbedeutend. Einige sind schon matt bleigrau mit scharf gezeichneten schwarzen, schräg laufenden Querbarren, andere zart rosafarben, andere wieder bräun¬ lichgrau bis rotbraun. Ich besitze im Augenblick ein sehr schönes, sehr grosses Exemplar von lebhaft rötlich -gelbbrauner Grundfarbe und deutlichen, fast würfeligen schwarzen Flecken auf dem Rücken, zwischen denen je ein hellgelber, fast gleichgroßer Fleck steht. Auf der Unterseite fast aller Exemplare findet sich jederseits der Bauch¬ mitte eine Reihe dicht stehender, schwarzer, quadratischer Flecken, so daß die Mittellinie des Bauches stets fleckenlos bleibt. Diese Mittellinie variiert in ihrer Breite je nach Alter und Geschlecht. Sehr junge Tiere dieser Art tragen diese Mittellinie in schönem Orangerot, welches nach dem Halse zu in gelb übergeht. In der Gefangenschaft rollt sich die Girondennatter, wenn ihr ein passendes Versteck abgeht, mit Vorliebe um dürre Äste, auf denen sie manch¬ mal in Gesellschaft von ihresgleichen oder verwandten Arten oft tagelang unbeweglich verharrt. Hat sie genügende Gelegenheit sich vor dem Tageslicht zu schützen, so ist sie tagsüber nicht zu sehen. Erst gegen Abend, namentlich, wenn in der Stube das Licht ange¬ zündet wird, kriecht sie äusserst bedächtig herum, um auf Eidechsen Jagd zu machen. Nässe und Kälte flieht sie und trinkt mit großer Vorsicht, um nicht mehr von ihrem Körper zu benetzen, als es der Trinkakt erfordert. Mit dem Eiutritt der rauheren Jahreszeit verkriecht sie sich in Mauerspalten, oft in Düngerhaufen, um ihren Winterschlaf zu halten. Sie ist sanften Naturells und beißt ergriffen äußerst selten. Auch ist sie sehr verträglich. Ich halte sie mit allerlei gleich großen und kleineren Schlangen, z. B. mit ihresgleichen von nur » 12 cm Länge und habe keine Unart ihrerseits zu verzeichnen. Sie wird bald zutraulich, und oft fressen frisch gefangene Exem¬ plare am selben Tage ihrer Gefangennahme. Das Auge nimmt unter den Sinnesorganen, wie bei den meisten Ophidiern, den ersten Rang ein und ist in der Dämmerung schärfer als am hellen Tage. Man ernährt sie in der Gefangenschaft mit lebenden Mauer¬ eidechsen, die sie allem andern vorzieht und die man ihr, damit sie nicht von anderen Schlangenarten weggefressen werden, gegen Abend reichen muß. Übrigens frißt sie zuletzt auch am Tage. Anderes als Eidechsen rührt sie nicht an. Zuletzt fressen die Girondennatteru auch tote Eidechsen, die sie erst lange beschnuppern. 148 Sie bedarf zu ihrem Gedeihen wenig Wasser, welches sie aber in der warmen Jahreszeit zum Trinken regelmäßig aufsucht. Sie ist ungemein lebenszähe undheilen selbst Rippenbrüche, Schnitt¬ wunden etc. im Gegensatz zur Eidechsennatter ( Coelopeltis insignitus ) rasch und vollständig, ja sie fressen schon, noch ehe die Wunde geheilt ist. Bei selbst mittelmäßiger Pflege dauert diese Art im Terrarium jahrelang aus. Diese zierliche Natter empfiehlt sich daher sehr für die Ge¬ fangenschaft und ist leicht durch jede Reptilienhandlung für 3 — 4 Mark das Stück (größere Exemplare teurer) zu beziehen. Bericht des Verwaltungsrats der Neuen Zoologischen Gesellschaft zu Frankfurt a. M. au die Generalversammlung der Aktionäre vom 20. März 1884. • Sehr geehrte Herren! Wir haben Ihnen heute Rechnung abzulegen von dem Geschäfts¬ betrieb des Zoologischen Gartens und dem Stande der Angelegenheiten unserer Gesellschaft im Jahre 1883. Wenn wir in der Generalversammlung des vorigen Jahres die Hoffnung ausgesprochen haben, daß mit der finanziellen Consoli- dirung des Instituts das Vertrauen des Publikums und die Teil¬ nahme desselben sich neu beleben und günstig auf das fernere Gedeihen des Gartens ein wirken werde, so waren wir nicht so sanguinisch, zu glauben, daß dies mit einem Schlage und unmittelbar der Fall sein würde. Es war vielmehr vorauszusehen, daß am Ende des Jahres 1882 und zu Anfang des Jahres 1883 die Zweifel in die Möglichkeit der gedeihlichen Fortentwickelung des Gartens noch nicht vollständig und überall gehoben waren und daß diese Un- Sicherheit namentlich in der Zahl der Abonnements zum Ausdruck kommen würde. Der nicht unerhebliche Ausfall auf dem Abonnements¬ konto war zwar für Ihren Verwaltungsrat eine betrübende aber keineswegs eine überraschende Thatsache, welche wir allerdings nicht allein der Nachwirkung der überwundenen prekären Lage der Ge¬ sellschaft, sondern auch der allgemeinen Ungunst der geschäftlichen Verhältnisse im vergangenen Jahre zuschreiben müssen. Dem vielfach, auch in der letzten Generalversammlung, ge¬ äußerten Verlangen nach Vermehrung der Tage mit billigen Ein¬ trittspreisen haben wir im letzten Jahre Rechnung getragen und eine Reihe von Festlichkeiten mit vermindertem Eintritt veranstaltet. Die Folge hiervon war, daß der Besuch des Gartens gegen das Vorjahr um fast 30,000, Personen zunahm, was jedoch nur eine Vermehruug der Einnahmen um kaum Eintausend Mark herbeiführte, da die Kosten der besonderen Veranstaltungen, welche jene Besucher¬ zahl herbeizogen, die Einnahmen naturgemäß wieder verringern mußten. Dies wird uns jedoch nicht abhalten, auch im kommenden Sommer durch besondere Schaustellungen und Veranstaltungen bei ermäßigten Eintrittspreisen dem großen Publikum Abwechslung zu bieten und dasselbe an den Besuch des Gartens zu gewöhnen. Wir haben die bezüglichen Zahlen diesmal in der vorgelegten Betriebs¬ rechnung besonders aufgeführt, während in früheren Jahren diese außerhalb des Budgets stehenden Unkosten für besondere Veran¬ staltungen zwar in gleicher Weise dem Billetkonto zur Last ge¬ schrieben wurden, in der Rechnungsaufstellung aber nur im Netto¬ erträgnis dieses Kontos ihren Ausdruck fanden. Die Vermietungen der Lokalitäten des Gesellschaftshauses brachten eine etwas höhere Einnahme, während die verschiedenen Einnahmen durch Wegfall einiger Geldgeschenke und wegen des etwas geringeren Überschusses des Maskenballs hinter dem Vorjahr zurückgeblieben sind. Ein früher nicht unter den Einnahmen vorkommender Posten ist das Gewinn- und Verlust - Konto, dessen Betrag sich zu¬ sammensetzt aus dem kleinen Uberschuß des Jahres 1882 und dem Kursgewinn, den wir bei Ankauf der planmäßig im Jahre 1883 zu amortisierenden Prioritätsobligationen erzielt haben. Der Aquariums-Betrieb ergab diesmal keinen Uberschuß, ver¬ ursachte vielmehr eine nicht unerhebliche Ausgabe. Wir hatten gehofft, daß die versuchsweise herabgesetzten Eintrittspreise auf den Besuch des Aquariums günstig eiuwirken würden. Dieser Versuch muß jedoch als mißglückt angesehen werden, da gerade der Billetverkauf sich gegen früher vermindert hat, während der Besuch an den sogenanuten billigen Tagen gewachsen ist. Wir haben daher den Eintrittspreis des Aquariums für Erwachsene auf den alten Satz hinaufgesetzt und hoffen hierdurch und durch Aufstellung eines bedeutend billiger arbeitenden Motors aus dem Aquariumsbetrieb wieder eine Einnahme erzielen zu können. Die Ausgaben für Gehalte, Musik, Wasserversorgung, Gartenunterhaltung, Livreen und Versicherungen sind im Wesentlichen unverändert geblieben, wogegen sich die Fütte¬ rungskosten um etwa M. 3000 verringert haben. Eine Vermehrung der Ausgaben für Heizung und Be leuch- 150 tung wurde einerseits durch Steigerung der Kohlenpreise, andrerseits durch notwendige größere Reparaturen der Heizapparate verursacht. Die Bau-Unterhaltung erforderte dagegen eine Mehrausgabe durch im Anschluß an die großen, aus den Lotterie-Erträg¬ nissen bestrittenen Umbauten der Tierhäuser notwendig gewordenen Instandsetzungen geringerer Art, für welche die Lotterie-Erträgnisse nicht verwendet werden können. An den Druckkosten wurde durch die billigere Herstellung des Gartenanzeigers eine ansehnliche Ersparnis erzielt. Ebenso konnte bei den In s er t i o n s k o st en eine Ersparung eintreten. Die allgemeinen Unkosten reducierten sich durch den Wegfall der Vergnügungssteuer um M. 1500. Das Zinsen-Konto endlich ist Dank den geregelten finanziellen Verhältnissen auf den normalen Stand zurückgeführt worden, hat aber dasjenige des Vorjahrs um M. 8000 überschritten, weil 1882 keine Amortisation stattfand und die Guthaben der Verwaltungs¬ mitglieder in der ersten Hälfte des Jahres nicht verzinst wurden. Aus dem Gesamtresultat des Jahres 1883 ergiebt sich , daß die Einnahmen um nicht ganz M. 20000 gegenüber den Ausgaben zurück¬ geblieben sind. Um für die Zukunft ein besseres Resultat zu erzielen, wird es erforderlich sein , die Einnahmen auf die frühere Höhe zurück zu führen. Das wiedergekehrte Vertrauen des Publikums in den Be¬ stand des Gartens, das Aufblühen des Verkehrs unserer Stadt haben sich bereits im gegenwärtigen Geschäftsjahre fühlbar gemacht, so daß eine Steigerung der Einnahmen auf fast sämtlichen Konti er¬ freulicher Weise konstatiert werden kann. Die Bilanz haben wir der erfolgten Übertragung des gesamten lebenden und toten Inventars in den Besitz der Stadt ungeachtet in der herkömmlichen Weise unter namentlicher Angabe aller Werte aufgestellt. Der Betrag der amortisierten Obligationen ist zum Teil an dem Buchwert der Tiere, zum größeren Teil aber an dem Park¬ konto abgesch rieben worden . Der Ausfall am Betrieb des Jahres 1883 wird sich auf der Aktiv-Seite durch Überweisung eines entsprechenden Betrags der bei der Stadt hinterlegten Prioritätenreserve erledigen , währen d die unbedeutenden Kürzungen, welche an den Effekten und Aus¬ ständen vorgenommen wurden, zur Abrundung derjenigen Beträge dienen, welche zur Ausgleichung auf der anderen Seite an dem Nominalwert des Aktien-Kapitals abgeschrieben werden mußten. 151 Des Weiteren haben wir noch des günstigen Ergebnisses der dritten Serie der uns von der Königlichen Regierung gestatteten Lotterie zu gedenken, welches hinter demjenigen der beiden früheren Serien kaum zurückgeblieben ist. Die reichen Erträgnisse aus der Lotterie setzten uns in den Stand auch im abgelaufenen Jahre eine Reihe von Anschaffungen und Verbesserungen vorzunehmen. Wir schließen diesen Bericht, indem wrir noch an dieser Stelle den gütigen Gebern von Tiergeschenken und anderen Zuweisungen unseren Dank aussprechen und mit der Hoffnung, daß auch fernerhin eine allseitige Teilnahme der Herren Aktionäre die Bestrebungen des Vorstands unterstützen und zu dem Aufblühen der Gesellschaft beitragen möge. Betriebs -Rechnung vom Jahre 1883. Betriebs- Einnahmen. M. 1. Abonnements: a. Aktionäre: 1826 Familien ä M. 15 M. 27,390. — ■ 161 Einzelne ä M. 10 M. 1,610.— b. Abonnenten : 1333 Familien ä M. 30 M. 39,990.— 530 Einzelne ä M. 18 M. 9,540.— 182 Pensionäre u. Monats-Abon¬ nenten M. Pf. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 1,222.50 79,752.50 4032 Abonnements Billete: 70,739 Personen zu vollem Ein¬ trittspreis 85,300 Personen zu ermäss. Ein¬ trittspreis 1,139 Schüler 157,178 Pers. M. 96,406.85 ab: Kosten besond. Veranstaltungen und Einnahme- Anteil der Miß Wanda . M. ■6,789.34 Wein-Nutzen . 10,857.22 Pacht . 5,080. — Vermietungen . 3,966. — Verschiedenes . 1,842.45 Gewinn- u. Verlust-Konto 470.51 IvF. 181,586.19 . » 19,542.34 M. 201,128.53 Betriebs -Ausgaben. M. Pf. 1 Gehalte . 32,215.97 2. Fütterung . 38,110.48 3. Musik . 40,000. — 4. Heizung u. Beleuchtung 11,890.78 5. Wasserversorgung . . . 5,750.17 6. Garten-Unterhaltung . 4,979.70 7. Bau-Unterhaltung . . . 7,251.06 8. Druckkosten . 1,848.07 9. Insertionen . . 789.50 10. Livree . . 1,129.80 11. Versicherungen .... 1,162.30 12. Allgemeine Unkosten . 5,144.97 13. Zinsen und Amortisation 48,435.67 14. Aquarium-Betrieb . . . 2,420.06 M. 201,128.53 Betriebs-Deficit . . 152 Bilanz vom 31. Dezember 1883. Aktiva . Passiva. M. Pf. M. Pf. Gebäude . 2,165,061.95 Aktieu-Kapital M. 1,260,000 Park . . . . M. 156,000. — Abschreibung: Abschreibung » 4,000. — des oni , . ° - 1 - 152 000. _ v. 1880/81 M.49, 801.11 * • ,’qqo V. 1883 . „ 19,542.34 Aquarium. . . . . . . . 4,3o2. auf Effekt. ,, 134.60 Tiere. . . . M. 185,958.85 „Ausständ.„ 521.95 Abschreibung» 1,500. — _o no — — - — 1,190,000. — Pflanzen . . .“7771 . m’™- ■"ff?®, •• . hab.d.StadtM. 1,450,000 ®lbl;,otl:?k . 6,412.5 1883 amortisiert» 5,500 . . Musikalien . o,6<8.21 - - - 1,444,500. — Prioritäten- Reserve bei dem Zinsen-Guthabeu der Stadt 28’000.— Magistrat, zuzüglich auf- Guthaben d. Lotterie-Konto 31,781.32 gelaufener Zinsen . . . 105,250.— Zinsen-Vortrag . 26,116.25 Effekten. . . M. 50,165.50 Abonnenten für 1884 . . 16,418. — Abschreibung » 184.60 ° - 50,030.90 Futter-Vorräthe . 1,046. — Debitoren . . M. 5,735.69 Abschreibung » 521.95 ° - 5,213.74 Frankfurter Bank .... 47,031.11 Kassenbestand . 3,628.66 _ M. 2,968,565.57 M. 2,968,565.57 Frankfurt a. M., 31. December 1883. Der Verwaltungsrat der Neuen Zoologischen Gesellschaft. Heinrich Flinsch, Dr. med. Fr. Stiebei, Präsident. Vice-Präsident. Korrespondenzen. Frankfurt a. M. 12. Februar 1884. Gänserichs Liebe. In der Nachbargemeinde Bonames spielte vor circa 10 Jahren eine Geschichte, die heute um deswillen von neuem erzählt wird, weil ein ganz gleiches Vorkommnis von sich reden macht. Damals hatte mein dort wohnender Vetter einen Gänserich, welcher seiner Stallgenossinnen nicht achtend in heißer Liebe entbrannt war zu einer am andern Ende des Dorfes wohnenden Gans. Bei Tage konnten die Tiere iu der Herde ihren Gefühlen freien Lauf lassen; abends aber trennte sie das Schicksal; der Eigentümer der Gans sperrte die Liebeumworbene ein und der Gänserich mußte heimmarschieren. Doch fand er mehrere Tage hinter einander Gelegen¬ heit, nach eingetretener Dunkelheit zu entwischen, und eilte mit »beflügelten« Schritten vor das Thor seiner Geliebten. Hier machte er seiner Sehnsucht durch stundenlanges lufterschütterndes Schreien Luft. Die Nachbarschaft hörte an¬ fangs neugierig, daun erstaunt, zuletzt unwillig den Störenfried; endlich mischte sie sich, besonders auch aus Rücksicht auf einen totkrank darniederliegenden alten Mann, ein. Aber weder Steinwürfe, noch Schläge mit Prügeln und Peit¬ schen vermochten den stoisch duldenden Liebhaber auf die Dauer zu vertreiben: täglich kam er wieder, um sein kräftiges Ga, Ga, Gaak erschallen zu lassen. Zuletzt drohte man meinem Vetter, den Gänserich erschießen zu wollen. Da beschloß mein Verwandter in einem Anflug menschlichen Rührens, der treuen Liebe ihren Lohn zu geben: er kaufte die Leggans und vereinigte das liebende Paar. Es lebte in seliger Eintracht bis an sein Ende. Noch nach diesem wurden beide in einer hiesigen Restauration als »junge Gänse« von einer Ge¬ sellschaft gemeinschaftlich verspeist. Die ganze Gemeinde Bonames hatte An¬ teil genommen au dieser hartgeprüften Liebe. Wieder hat mein Vetter ein verliebtes Gänsetier, dieses Mal eine Leggans, welche die Aufmerksamkeit eines in der Nähe wohnenden Gänserichs auf sich zog. Nun hat er allabendlich den Besuch und das liebesehnsuchtsvolle Ge¬ schrei vor seinem Hause. Er wird wohl auch dieses Mal die Liebenden durch Ankauf des Gänserichs vereinigen. Sein gutes Herz treibt ihn dazu, aber auch der selbstische Gedanke, die Kinder aus einer solchen ehelichen Vereinigung möchten wohlschmeckendere »junge Gänse« werden. Fr. Schäfer. Bad Tein ach, den 1. März 1884. Die Natur bleibt selbst im Kleinsten ehrwürdig. Da ich fürchte, durch die eigentlich bezeichnende Überschrift dieser Notiz die ver¬ ehrten Leser dieser Zeitschrift förmlich zu erschrecken, so will ich ihnen nur auf Umwegen gestehen, daß ich von Tierchen zu berichten im Begriffe stehe, welche man sonst in guter Gesellschaft nicht zu nennen pflegt. Aber die Sache selbst ist wissenschaftlich und kulturgeschichtlich ganz interessant, sodaß sie sich über das Niveau des »zoologischen Curiosums« erhebt. Somit gestehe ich, daß ich etwas von Filzläusen, Pediculus pubis , er¬ zählen will. Ein in hiesiger Schwarzwaldgegend neuangezogener Wundarzt berichtete mir eines Tages kopfschüttelnd, er habe bei einem sonst kranken Müller¬ burschen zufällig diese Parasiten gefunden, und auf seinen Vorschlag, die¬ selben brevi manu zu töten, die rätselhafte Antwort erhalten: »Das gebe er nicht zu, er habe sie sich eigens gekauft.« Zu weiteren Erläuterungen sei es nicht gekommen. Diese Erläuterungen konnte ich ihm lachend dahin geben, daß die Müller dem Aberglauben huldigen, sie seien durch diese Tierchen gegen die Acquisition von Darmbrüchen beim Heben schwerer Lasten gesichert, doch müßten jene in ungerader Zahl und um ungerades Geld von einem Andern gekauft sein, z. B. um 5, 7 oder 9 Pfennig. Seit langen Jahren von der Richtigkeit der Ti ed ge ’s c he n Verse über¬ zeugt: . . »Der Aberglaube selber ist ein Schatten, Den innre Wahrheit auf das Lebeu warf,« hatte ich mir gleich beim Bekanntwerden mit diesem eigentümlichen Volks¬ mittel die Sache, wie folgt, zurecht gelegt. Bei einseitiger Körperanstrengung, beim Heben schwerer Lasten, bei fortgesetztem Husten u. dgl. wird um so 154 eher eia Darmstück durch die natürlichen Bruchpforten hervortreten, je schlaffer die die letzteren verschließenden Muskeln, Sehnen und fibrösen Häute sind. Nun ist es wohl denkbar, daß der durch die Filzläuse fortwährend ausgeübte Zuckreiz auf dem Wege des Reflexes eine intensivere Anspannung der genannten Gebilde und damit einen erhöhten Widerstand gegen die bruchbefördernde Bauchpresse bewirke, wie das z. B. der bekannte Leipziger Arzt Dr. Schreber durch methodische Gymnastik zu erzielen suchte. Es ließe sich also die durch die Filzläuse gesetzte anhaltende Reizung der Scham- und Leistengegend mit der durch Übung des Woliensimpulses (Gym¬ nastik) oder selbst durch Elektrizität gehobenen Anspannung der betreffenden kontraktilen Elemente in Parallele setzen. Indessen will ich mit meinem Berichte den Bandagisten keineswegs auch nur die geringste Konkurrenz ge¬ macht haben! Dr. W. Wurm. Dorpat, den 1. März 1884. Beim Durchblättern Ihres für das zoologische Museum acquirierten »Zoologischen Gartens« finde ich in Jahrgang XVIII. 3877. p. 223 eine Notiz von Herrn Professor K. Moebius über eine Hausente ohne Schwimmhäute. Dieser immerhin interessante Defekt findet sich auch bei einer weiblichen Hausente, die im Jahre 1855 dem zoologischen Museum hiesiger Universität zuging. In der Einzelheiten-Anordnung der Täfelchen an den Zehen etc. stimmt unsre Ente ganz mit dem Kieler Exemplar überein; die Mittelzehe mit dem Nagel ist 60 mm. lang, die rudimentäre Schwimmhaut von der inneren Winkelspitze bis zum Mittelpunkt des freien Randes am gestopften Tier nur 5 — 6 mm. Auch hier scheint es mir zweifellos, daß der Defekt angeboren ist, wenn auch die Untersuchung der getrockneten Füße allein kein sicheres Ur¬ teil zuläßt. Prof. Dr. M. Braun. Berlin, den 13. März 1884. Als Kuriosum kann ich Ihnen aus unserem Zoologischen Garten noch mitteilen, daß der große amerikanische Silberreih er, Ardea egretta, und der Nacht reiher, Nyeticorax griseus , am 18. Februar angefangen haben zu brüten, während ihre Brutzeit doch in die Monate Mai bis Juli fällt. Letzterer hat am 10. März Junge ausgebracht, während ersterer mit seinen Eiern spielte und sie zuletzt aus dem Neste warf. Beide brüteten in der großen Voliere auf zwei dicht nebeneinander stehenden Bäumen, der Silberreiber auf der Spitze, der Nachtreiher an einer Seite des Stammes. Die Körbe, welche ihnen das Bauen erleichtern sollten, verschmähten sie und bauten ihre Nester frei auf passenden Gabelungen der Zweige. Der Silber¬ reiher beginnt schon jetzt zur zweiten Brut zu schreiten. Der E m u, Dro- maeus Novae- Hollandiae brütet in diesem Jahre auch wieder, nachdem er mehrere Jahre hindurch pausiert und nur Eier gelegt hat. L. Wunderlich. 155 Süchteln b./Crefeld, den 18. März 1884. Im vorigen Jahrgange Ihrer Zeitschrift bespricht Seite 359 Herr G. Simmermacher unter »Abnormitäten von Vögeln und Säugetieren« eine Hornbildung auf dem Kopfe eines Haushahnes. Meiner Meinung nach handelt es sich in diesem Falle nicht um eine besondere Abnormität, sondern mehr um eine künstliche Bildung. In hiesiger Gegend werden den jungen Hähnchen beim Beschneiden zu Kapaunen die Sporen an den Beinen abge¬ schnitten und dann in besondere Einschnitte auf dem Kopfe derselben be¬ festigt. Sie wachsen dort fest, uud es bildet sich später um dieses künstliche Horn, das eine Größe von 2 — 3 Centimeter erreicht, ein fleischiger Wulst, von derselben Farbe und Konsistenz, wie vorher der weggeschnittene Kamm. Sollte es sich im vorliegenden Falle dennoch um eine andere Bildung handeln, so wollen Sie giitigst diese Zeilen entschuldigen. Carl van Beers. M i s c e 1 l e n. Der Abschuß von Raubzeug in Norwegen ist in den letzten Jahren ein sehr bedeutender gewesen, was sich aus folgenden Zusammenstel¬ lungen ergeben dürfte. Es wurden nämlich erlegt: im Jahre 1876 159 Bären, 68 Wölfe, 151 Luchse, 51 Vielfraße? 458 Füchse, 1170 Adler, 4633 Hühnerhabichte; im Jahre 1877 176 Bären, 50 Wölfe, 166 Luchse, 116 Vielfraße, 523 Füchse, 776 Adler, 2428 Hühnerhahichte; im Jahre 1878 134 Bären, 31 Wölfe, 110 Luchse, 147 Vielfraße, 615 Füchse, 838 Adler, 3164 Hühnerhabichte; im Jahre 1879 117 Bären, 61 Wölfe, 127 Luchse, 93 Vielfraße. 1567 Füchse, 980 Adler, 3295 Hühnerhabichte; im Jahre 1880 152 Bären, 29 Wölfe, 50 Luchse, 45 Vielfraße, 10584 Füchse, 1200 Adler, 4339 Hühnerhabichte; im Jahre 1881 85 Bären, 20 Wölfe, 85 Luchse, 63 Vielfraße, 13383 Füchse, 894 Adler, 3190 Hühnerhabichte. Zusammen 823 Bären, 259 Wölfe, 689 Luchse, 515 Vielfraße, 27130 Füchse, 5858 Adler, 21049 Hühnerhabichte. Der Waidmann XV, 6. Aus dem Berliner Zoologischen Garten. Die Herren Dr. Ebers und Genossen beabsichtigen, ein drittes und zwar ganz eigenartiges Pano¬ rama mit Bildern aus dem Tie rieben herzustellen. Der Aufsichtsrat genehmigte die ihm vorliegenden Anträge, und es darf damit die Ausführung des Planes um so mehr als gesichert angesehen werden, als, wie der »B.-C.« meldet, bereits von Seiten der Unternehmer ein Vertrag mit Herrn Paul Meyerheim wegen Herstellung des Bildes zum Abschluß gelangt ist und auch der königliche Fiskus seine Zustimmung zur Errichtung des Gebäudes im Zoologischen Garten (dessen Terrain fiskalisch ist) gegeben hat. Die Unter¬ nehmer verpflichten sich, 10 pCt. des Nettoertrages (für jedes Jahr mit 2000 Mark als Minimalsumme garantiert) an den Aktienverein des Zoologischen Gartens abzuführen und erhalten dafür das Recht zur Erhebung eines beson¬ deren Entrees von den Besuchern des Gartens. Es wird sofort an die Aus¬ führung des Unternehmens, das in ein und einem halben Jahre vollendet sein soll, gegangen werden. — Außerdem beschloß der Aufsichtsrat den Bau eines neuen großartigen Affenhauses, dessen Baukosten auf 200,000 Mark (?) ver¬ anschlagt. sind. Berl. Tagebl. 11. Dez. 1883. Speisekammer und Küche des Berliner Aquariums. Unter dem Dache des Aquariums, den Blicken der Besucher vollständig entzogen, liegen große Räumlichkeiten, in denen für die behaarten, befiederten und be¬ schuppten Bewohner des Instituts die nötige Speise bereitet wird. Bei den ver¬ schiedenartigsten Bedürfnissen der Tiere ist es für den eigens angestellten Küchenmeister keine leichte Aufgabe, allen Ansprüchen gerecht zu werden; da giebt es Fleisch-, Frucht-, Körner- und andere Fresser, welche täglich ihre Rachen, Schnäbel und Mäuler aufsperren und gesättigt sein wollen, während andere Schlinger und Würger nur wöchentliche Rationen erhalten. Für die Vierhänder wird in einem großen Kessel Reis gekocht, neben dem Herde stehen Fässer und Eimer, in denen Semmeln und andere Backwaaren mit Milch aufgeweicht werden, ein Gericht, das viele Liebhaber findet. Große Vorräte an Obst deuten darauf hin, daß in diesem Artikel eine lebhafte Nach¬ frage stattfindet, beträgt doch der monatliche Konsum circa 1000 Liter Birnen, Ae p fei etc. Ein unentbehrliches Nahrungsmittel für eine Reihe von Tieren sind Mohrrüben, von denen täglich einige Körbe geschabt werden müssen und von fliegenden Hunden, Makis und den meisten Vögeln als „Zu- that“ gern genossen werden. Ein rationelles Frikassee für die gefiederte Welt wird zusammengestellt aus Obst, Rüben, Hafer, Kleie, Gerste, Hanf, Hirse und Mehlwürmern. Letztere züchtet der Tierspeisemeister in großartigem Maßstabe, und die dazu gehörigen Kisten füllen einen großen Raum, der nur übertroflfen wird von dem, den die Miniaturstallungen einnehmen, in denen sich Kaninchen und Meerschweinchen der sorgsamsten Pflege erfreuen, um schließlich in Ge¬ meinschaft mit zierlichen Täubchen der Schlange geopfert zu werden. Einige der Reptilien sind indes Feinschmecker und nehmen nur feiste Ratten an; auf dieses im Aquarium häufige Wild wird deshalb zu allen Zeiten die »niedere Jagd« ohne Schonung geübt, dadurch beschafft man nicht allein das Schlangen¬ futter, es wird vielmehr in dem langgeschwänzten Räuber ein grimmiger Feind der Vogelwelt bekämpft, denn wiederholt haben Ratten die schlafenden Sänger überfallen und — angefressen. Eiuige Makis verzehren nur Sperlinge; ein besonders ernannter »Lieferant«, der beiläufig keine Konkurrenz aufkommen läßt, schafft die Sperlinge zu Dutzenden herbei, und wird ihm -das Stück mit 10 Pfennig bezahlt. Die eingelieferten Spatzen ahnen ihr Schicksal nicht, singen vielmehr in der Küche fröhlich ihre Gassenhauer. Unter ihrem Käfig tummeln sich Scharen von Fröschen in einem Bottich; der grünröckige Batrachier ist eine Lieblingsspeise der Eidechsen und kleinen Schlangen, und der ver¬ eidete Froschmann hat wöchentlich 18 Dutzend ä 20 Pfennig zu liefern. Grosse Arbeit verursacht die Ernährung der Frösche, sie leben vorzugsweise von ihres Gleichen und es werden davon wöchentlich 70 bis 80 Pfund in zerkleinertem Zustande gebraucht. (?) Für die mächtigen Saurier, Krokodile und Alligatoren, müssen monatlich 2 bis 3 Zentner Pferdefleisch geschnitten werden, verschlingen doch einige dieser Ungeheuer ca. 20 Pfund auf einmal. Große wirtschaftliche Bedeutung für die Küche des Aquariums hat der Regenwurm, von diesem werden wöchentlich 18 Pfund ä 50 Pf. bei den Seerosen, Seenelken und Po¬ lypen verfüttert; seitdem die Tiergartenverwaltung auf ihrem Terrain das Suchen nach jenen Würmern verboten hat, ist die Beschaffung des genannten Quantums mit gewissen Schwierigkeiten verbunden. Der Wurmlieferant, ein echtes Berliner Original, durchwühlt deshalb die Umgegend von Berlin, und wenn er auch nicht nach Goethes Faust »mit gieriger Hand nach Schätzen gräbt«, so ist er doch immer froh, »wenn er Regenwürmer findet.« Die be¬ scheidensten Tischgäste sind die Biber, außer etwas Brot und Mohrrüben erhalten sie nur — grüne Weidenstäbe, deren Rinde ein Leckerbissen für sie zu sein scheint. Berliner Tageblatt. 16. September 1883. Verzeichnis der im Dresdener Zoologischen Garten ge¬ borenen Tiere. April 1882. 1 Heideschnucke, Ovis brachyceros ericetorum; 2 Mähnenschafe, Ovis trage- aphus; 1 Shetland-Pony, Equus cabcülus var. Mai. 4 Maskenschweine, Sus scrofa pliciceps; 4 Wölfe, Canis lupus. Juni. 2 Mopshunde, Canis dom. var.: 1 weibl. Giraffe, Camelopardalis Girafja, 1 Dromedar, Camelus dromedarius ; 1 Wapitihirsch, Cervus canadensis; 4 Löwen, Felis leo. Juli. 1 Wapitihirsch, Cervus canadensis. A u g u st. 4 Leoparden, Felis leopardus; 1 Rothirsch, Cervus elaphus; 1 Wapitihirsch, Cervus canadensis ; 12 Spanierhühner, 8 Cochinhühner, 6 Dorkinghiihner, 6Laug- Shanhühner, 4 Phönixhühner, diese 5 Arten Gallus domesticus var. Octob e r. 1 Shetland -Pony , Equus caballus var.; 3 Leoparden, Felis leopardus ; 1 Axishirsch. Cervus axis ; 3 Tiger, Felis tigris. November 1 Yack, Bos grunniens; 1 Axishirsch, Cervus axis; 6 Löwen, Felis leo. December, 1 Schweinshirsch, Hyelaplius porcinus. Januar 188 3. 1 brauner Bär, Ursus arctos; 3 Halsbandbären, Ursus collaris. Februar. 1 Kamel, Camelus bactrianus ; 2 Steinbockbastarde, Capra Ibex var. März. 1 Benett. Känguru, Halmaturus Bennetti ; 2 Mähnenschafe, Ovis tragelaphus: 1 Mähnenschaf, Ovis tragelaphus. 158 Nachrichten aus dem Hamburger zoologischen Garten. Von neu in den Garten gekommenen Tieren sind hervorzuheben.' 1 Mangabey oder Mohrenaffe, Cercopithecus fuliginosus , Cuv. ; 1 Mohrenmakak, Macacus ocreatus, Ogilby. ; 1 Zahntaube oder Manu-mea, Didunculus strigirostris Gould, von den Samoa-Inseln, wurde durch Herrn A. Godefroy geschenkt. Sie nährt sich am liebsten von gekochten Kartoffeln und Brot und gehört zu den größten Seltenheiten in den zoologischen Gärten. 3 Doppelhornvögel, Buceros bicornis L ., aus Indien, stattliche Vögel von 4 Fuß Länge, sind nur vorüber¬ gehend ausgestellt. Übersicht der Geburten im Zoologischen Garten zu Ham¬ burg 1882. Säugetiere, Mammalia: 1 Mandrill, Cynoceplialus Mormon, 6 Vis- cachas, Lagostomus tricliodactylus , 3 Löwen, Felis leo, 1 Zebu, Bos indicus, 1 Yak, Poephagus grunniens, 1 Kaffernbüffel, Bubalus caffer, 4 Hirschziegen- Antilopen, Antilope cervicapra, 1 Säbelantilope, Antilope Leucoryx, 1 Elenanti¬ lope, Antilope Oreas, 1 Mähnenhirsch, Cervus Rusa , 2 Axishirsche, Cervus axis, 2 mexikanische Hirsche, Cervus mexicanus (?) , 1 Schomburgkhirsch, Cervus SchomburgM, 1 Isubrahirsch, Cervus Lühdorfii, 1 Schweinshirsch, Cervus por- cinus, 1 Samburhirsch, Rusa Aristotelis, 1 Rentier, Cervus Tarandus , 1 Kamel, Camclus bactrianus, 1 Guanako, Auchenia Huanako, 2 Lamas, Auchenia Lama. 7 Gürteltiere, Dasypus villosus. 40 Säugetiere. Vögel, Aves: 7 Silberfasa¬ nen, Fuplocamus argentatus, 2 Gold-Amherstfasanen, Thaumalea picta X Am- herstiae , 1 Siamfasan, Euplocamus praelatus, 2 Höckerschwäne, Cygnus olor , 5 Nilgänse, Chenalopex aegyptiacus, 8 Karolinenten, Aix sponsa, 2 Mandarinen¬ ten, Dendronessa galericulata, 8 Brandenten, Tadorna vulpanser, 7 Wildenten, Anas boschas, 3 schwedische Enten, Anas boschas var ., 6 weiße Enten, Anas boschas var. 51 Vögel. Wachtelkönig (Crex pratensis) im Stalle. Als am 18. September 1883 ein Einwohner von Feldrom, der am Ende des Dorfes wohnt, in seinen Hüh¬ nerstall trat, sah er in der Mitte desselben einen Vogel stehen, den er für ein junges Hühnchen hielt, das vielleicht aus der Nachbarschaft herübergekommen und in seiner Behausung Zuflucht gesucht habe. Er ging an dem Tiere, das ruhig dasaß, vorbei und schloß die weitgeöffnete Thür. Jetzt erst, als er ernstliche Anstalten traf, um den Vogel einzufangen, erhob sich dieser und flatterte dem hellen Fenster zu. Am nächsten Tage, wo der Vogel in meinen Besitz kam, erkannte ich sofort in ihm einen Wachtelkönig, der, auf der Reise begriffen, gewiß von irgend einem Raubtiere verfolgt, im Stalle eine sichere Zufluchtsstätte gesucht hatte. Alle meine Versuche, ihn an ein Körnerfutter zu gewöhnen, waren vergeblich. Weizen, Hii’se, Glanz, Mohn, die verschie¬ densten Grassämereien verschmähte er hartnäckig, dagegen verschlang er Regenwürmer dutzendweise. Er war bald zahm, ließ, wenn ich an den Käfig trat, einen knurrenden Ton vernehmen und pickte die Würmer aus der Hand. Da er aber bei dem Wurmfutter ersichtlich abmagerte, fand ich es doch für geraten, ihn wieder in Freiheit zu setzen. H. Schacht. 159 Litteratur. Die Haus g enossen des Menschen unter den Gliedertieren. Von Prof. Dr. W. Hef3. Mit 19 Abbildungen. Hannover. Pb. Cohen. 1884 8° 99 Seiten. Es ist eine ganz hübsche Idee und die Ausführung interessant, die Quäl¬ geister des Menschen in ihrer Gesamtheit Revue passieren zu lassen. That- sache ist es ja, daß die Mehrzahl der Menschen von diesen kleinen Feinden so gut wie nichts weiß, daß sie keine Idee davon hat, wie eine Motte lebt und sich verwandelt, wie es sich mit Schaben und Heimchen verhält, und daß sie zur Bekämpfung des Iüsektengeziefers die rationellen Mittel nicht kennt. Wir empfehlen darum das kleine Buch allen Hausvätern und Frauen, zumal, da es klar und anziehend geschrieben ist. Sie werden darin die richtige Be¬ lehrung finden. Auch die Naturgeschichte der Biene und des Seidenschmetterliugs ist im Gegensatz zu den schädlichen Insekten gegeben. Die Übertragung der Nahrungsmenge der Kreuzspinne auf den Menschen nach dem Versuche des »Amerikaners« (S. 37) ist übrigens mehr Scherz als von irgend einem Werte. N. Die Vögel der Zoologischen Gärten. Leitfaden zum Studium der Ornithologie mit besonderer Berücksichtigung der in der Gefangenschaft gehaltenen Vögel. Von Dr. Ant. Reichenow, 2. Teil. Leipzig. L. A. ' Kittier 1884. Wir haben bereits früher *) auf den Zweck und Plan dieses Werkes hin¬ gewiesen, das vor allem den Vogelwirten ein praktischer Führer sein will. Dasselbe liegt nun in seinem zweiten Bande fertig vor mit einem ungemein reichen Inhalt auf kleinem Raume. Behandelt sind 1) die Paarzeher und 2) die Baumvögel, worunter die sonst als Singvögel bezeichueten Vögel ge¬ meint sind. Auch in diesem Bande sind die Familien und Gattungen eingehend cha¬ rakterisiert und die zu jeder Gattung gehörigen Arten so beschrieben, daß man den zu bestimmenden Vogel leicht erkennen kann. Auch die Heimat ist bei jeder Art angegeben. Das Buch wird dadurch um so wertvoller, daß es nicht nur die bis jetzt in den Zoologischen Gärten gehaltenen Vögel, sondern auch die übrigen wichtigeren Formen der Ornis in Betracht zieht. N. List of the vertebrated animals now or lately living in the gardens of the Zoological Society of London. 8th- edition. 1883. London. Longmans, Green, Reader u. Dyer. (Paternoster Row) 8°. 682 Seiten. 1862 erschien zum ersten Male eine Liste der in dem Londoner zoologischen Gaiden gehaltenen Tiere; jetzt liegt nun bereits die achte Ausgabe vor und diese ist zu einem stattlichen Bande herangewachsen. Dieselbe zählt, ohne irgend eine Beschreibung geben zu wollen, alle die Tiere auf, die bis jetzt in dem dortigen Garten gehalten wurden, und wenn wir bedenken, welche Mittel und *) Vergl. Jahrgang XXIII, 1882, S. 287. 160 welches Material dem Garten zu Gebote stehen, dann sehen wir ein, welch große Reihe von Tieren uns vorgefuhrt wird. Oie Liste ist für den Garten und seine Geschichte von großem Interesse; sie wird aber von Wichtigkeit auch für den Fernstehenden, da sie bereits für viele Gattungen einem wissenschaftlichen Katalog gleichkommt, der sämt¬ liche Arten nach wissenschaftlichen und englischen Namen, sowie nach der Heimat aufführt; sie hat besonders für den praktischen Zoologen großen Wert, da aus ihr zu ersehen ist, über welche Tiere hinsichtlich ihres Gefangenlebens Erfahrungen gemacht worden sind, welche zur Fortpflanzung gelangten, von welchen Bastarde erzielt wurden. Sie ist darum vor allem ein Nachschlage- buch für Zoologische Gärten und für Tierzüchter. Nicht unerwähnt dürfen wir die große Anzahl der beigegebenen schönen Abbildungen lassen. • N. Eingegangene Beiträge. H. F. S. in Z.: Angenommen. — L. W. in B. : Erhalten. Für Übersendung der Zeitung mit dem Berichte sage ich Ihnen meinen Dank. — O. v. L. in M. bei W. : Hoffentlich wird mir diesen Sommer das Vergnügen, Sie persönlich kennen zu lernen. — L. M. in St: Den Aufsatz mit Dank erhalten. Der gelegentlichen Fortsetzung sehe gern entgegen. - G. S. in G.: Der Aufsatz ist angenommen. Die Abbildungen aber, die ja auch nicht 'umim- gänglich nötig sind, können wir nicht geben. — A. N. in B.: Die Mitteilung war auch mir höchst interessant. — Bücher und Zeitschriften. lOth annual Report of the Zoological Society of Cincinnati. For the year 1883. Cincinnati 1884. O. von Loewis. Die Reptilien Kur- Liv- und Estlands. Riga. N. Kymmel 1884. Prof. Th, Eimer. Über die Zeichnung der Tiere. 2te Mitteilung. Sep.-Abdr. a. Zoologischer Anzeiger 1883 und 1884. Gust. Prütz, Illustriertes Mustertauben-Buch. Mit Farbendruckblättern von Clir. Förster und Original-Text-Illustrationen. 1 u. 2 Lieferg. Hamburg. J. F. Richter 1884. Erstes österreichisch-ungarisches Lehr- und Lernmittel- Magazin. Herausgeg. von Nickel Kmetitsch & Lochbihler. IT. Jahrg. 1884. No. 5. Graz, Paul Cieslar. (Monatlich 1 Nummer). K. Th. Liebe. Unsere Taucher. Mit Farbentafel. Sep.-Abdr. Monatschrift des Deutschen Vereins z. Schutze der Vogelwelt. 1884, No. 4. 10 Annual report of the Zoological Society of Cincinnati for the year 1883. Nachdruck verboten. Druck von Mahla» & Waldschmidt. Frankfurt a. M. Zeitschrift für Beobachtung, Pflege und Zucht der Tiere. Herausgegeben von der „Neuen Zoologischen Gesellschaft“ in Frankfurt a. M. Redigiert von Professor Dr. F. C. Noll. V erlag von Mahlau & Waldschmidt in Frankfurt a. M. _ _ _ _ \ • _ _ _ _ ' _ _ No. 6. XXV. Jahrgang. Juni 1884. Inhalt. Die Feinde unserer Singvögel; von H. Schacht. (Schluß.) — Texas und seine Tierwelt; von H. Nehrling. (Fortsetzung.) — Der punktierte Schlammtaucher (lelodytts punctatus Daudin) in der Gefangenschaft; von Joh. von Fischer. — Bericht des Verwaltungsrats der Neuen Zoologischen Gesellschaft zu Frankfurt a. M. an die Generalversammlung der Aktionäre vom 20. März 1884. Direktionsbericht. — Korrespondenzen. — Miscellen. — Litteratur. — Eingegangene Beiträge. — Bücher und Zeitschriften. — Die Feinde unserer Singvögel. Von H. Schacht. (Schluß.) Wir kommen nun zu denjenigen Feinden, welche, als die geflügelten Räuber, sich aus der großen Klasse der Vögel selbst rekrutieren. Wir finden darunter die gefährlichsten und geschick¬ testen Vogelmörder, von denen ein großer Teil geradezu darauf hingewiesen ist, Tag für Tag, jahrein jahraus, die Reihen der kleinen Sängerfamilien zu lichten. An der Spitze dieser Räuber stehen die Edelfalken, von denen der Lerchen- oder Baumfalke ( Falco siibbateo) der perso¬ nifizierte Schrecken unserer Lerchen und Schwalben, sich noch häufig in unseren Feldhölzern vorfindet. Wir bewundern den schnellen • Flug unserer Schwalben, wenn sie auf den luftigen Schwingen über Dorf und Stadt dahineilen, aber Staunen erfaßt uns, 'wenn wir gewahren, wie der Lerchenfalke mit rasender Schnelligkeit eine Zoolog. Gart. Jahrg. XXV. 1884. 11 / 162 Schwalbe verfolgt, sie in wenigen Augenblicken überholt und triumphierend mit seiner Beute abzieht. Auch die Lerchen, diese holden Kinder der Flur, fiuden an ihm den erbittertsten Feind, und wenn es ihnen beim Pirscheinen desselben nicht gelingt, sich in die höchsten Regionen des Luftraumes zu schwingen oder sich im wogenden Saatenmeere zu verbergen, so sind sie unrettbar verloren. Aus andern Vögeln scheint er sich nicht viel zu machen, denn ich fand schon in der Nähe seines Horstes ein Finkeunest, bei dem der alte Fink seine helle Strophe lustig in den Wald schmetterte, während hoch oben über den Baumwipfeln der Falke sein helles Kli ! kli ! erschallen ließ. Ich habe schon mehrfach erfahren, daß ein Gebiet, iu welchem der Lerchenfalke hauste, in kurzer Zeit von Lerchen entvölkert war und daß erst, nachdem mau die Räuber beseitigt, sich nach und nach wieder einzelne der trauten Lenzes¬ boten einstellten. Wenn sich die Jagd des Lerchenfalken vorzugsweise auf Lerchen und Schwalben erstreckt, so macht dagegen der Sperber ( Astur nisus ), ein Vogel, au dem auch nicht ein Titelchen Edles ist, in seinem Mordhandwerke den Singvögeln gegenüber durchaus keine Ausnahme. Von den Amseln und Drosseln, diesen Hauptkonzertisten unseres Waldes, bis herab zum winzigen Goldhähnchen, ist kein Sänger vor ihm sicher. Bald fängt er seine Beute in der Luft, bald am Erdboden, bald jagt er im Walde, im PVlde, in den Gärten, in der Nähe der Häuser, bald zerrt er das geängstete Opfer aus Busch und Gestrüpp. Eine ungeheure Panik bemächtigt sich der kleinern Vögel, sobald der Sperber in ihrem Gesichtskreise auftaucht. Viele suchen Zuflucht im Gebüsche, andere in den Kronen der Bäume, andere in hohlen Bäumen und Heckenstämmen, andere retten sich in Stallungen oder auf die Böden der Häuser, noch andere sitzen still und regungslos am Boden oder häkeln sich am Stamme der Bäume fest. Unsere Stare retten sich im Fluge zusammen und steigen, laute Angsttöne ausstoßend, in die Luft ; Schwalben und Stelzen stürzen sich kühn und verwogen auf den Bösewicht herab, indes unsere Spatzen mit fürchterlichem Ge¬ schimpfe im sichern Hinterhalte dichter Dornhecken dem Feinde Hohn sprechen. Ein einziger Sperber raubt alle Jahr mindestens tausend Vögel, der unzähligen Bruten, die durch das Hinwürgen der Alten zu Grunde gehen, gar nicht zu gedenken. Bei seinen Jagden befolgt er stets verschiedene Methoden. Bald streicht er niedrig den Hecken entlang, bald dicht über die Felder hin, I 103 bald stürzt er sich aus hoher Luft zwischen eine arglose Vogel¬ schar, bald sitzt er in nachlässiger Haltung aber wachsamen Auges auf einem Baume und sucht die Gelegenheit abzupassen, einen sich nähernden Vogel zu überrumpeln, bald fliegt er, und zwar nur ifri Sommer, von einer Baumkrone zur andern, weil gerade hier sehr viele Sänger Schutz und Deckung suchen. In der Nähe seines Horstes, den er mehrere Jahre nacheinander bezieht, scheint auch er nicht zu rauben, denn ich hörte noch im vorigen Sommer etwa 50 Schritt von seinem Neste entfernt einen Finken schlagen und unmittelbar unter dem Baume» auf welchem das Sperberweibchen brütete, ein Rotkehlchen singen. Sobald ich in die Nähe des Horstes kam, durchflog das Weibchen mit lauten Angstrufen, die wie kiw, kiw, kiw ! klangen, die Baumwipfel und lieh nicht eher nach, bis ich aus seinen Augen entschwunden war. Als ich einmal einen Blick in das Nest warf, flog der laut schreiende Vogel so dicht an meinem Kopfe vorbei, daß er mir das Gesicht mit den Schwingen streifte. Unter dem Horste fanden sich, sobald derselbe erst Junge enthielt, oftmals die Reste kleinerer Vögel. Einmal entdeckte ich daselbst die bleigrauen Füße einer Finkmeise, ein andermal die Beine eines Goldammers, verschiedentlich auch kleinere blutige Fleischpartikel. Der Sperber ist daher, wann und wo es auch immer sein mag, als der schädlichste aller Raubvögel nachdrücklich zu verfolgen und jedermann, der einen Sperber erlegt, muß seinen Lohn finden in der freudigen Genugthuung, tausenden unserer lieb¬ lichen Säuger das Leben gerettet zu haben. Ein ebenso kühner und verwegener Räuber wie der Sperber ist sein naher Verwandter der Hühnerhabicht (Astur palum- barius ), bei uns Stoßhabicht genannt, doch erstreckt sich dessen Jagd mehr über größere Feld- und Waldvögel wie Hühner, Tauben, Krähen, Häher u. s. w. Am meisten unter den Sängern sind Drosseln und Amseln durch ihn gefährdet, doch verschmäht er, sobald er Junge hat, auch die kleinern Vögel nicht. Ihm gegenüber würde eine Schonung übel angebracht sein, und wir dürfen uns dreist erlauben, auch über ihn den Stab zu brechen und zur Veijr- nichtung desselben alle Hebel in Bewegung zu setzen. Wenn wir auch den niedlichen Turmfalken ( Falco tinnun- culus) als einen Feind unserer Sänger bezeichnen müssen, so hat dies nur darin seinen Grund, weil derselbe zur Sommerzeit, wo er eine ziemlich zahlreiche Kinderschar zu ernähren hat, gelegentlich junge am Boden sitzende Lerchen und Pieper wegschnappt. Alte 104 Vögel verfolgt er nie, und ich habe schon beobachtet, daß er ruhig eine Schwalbenschar durchflog, ja in der Nähe von unzähligen Schwalbennestern seinen Horst errichtete, aber niemals sich die .. _ r geringsten Übergriffe zu Schulden kommen ließ. Daß er aber, wie mir im vorigen Sommer ein jugendlicher Nimrod versicherte, der eiuen alten Turmfalken am Horste erlegt hatte, sogar Rebhühner verfolgen soll, ist eine Behauptung, für welche sich schwerlich ein Beweis erbringen lassen wird. Mag er deshalb ruhig und ungestört auf unsern Feldern und Fluren seine Mäuse- und Insektenjagden betreiben, er wird von Unkundigen ohnehin häufig genug für einen Sperber gehalten und als solcher herunter gedonnert. Dem Turmfalken gleich nährt sich der viel stärkere Bussard ( Buteo vulgaris ), ein scheuer, unbeholfener, täppischer Raubvogel, den größten Teil des Jahres hindurch von Feld- und Waldmäusen,. Lurchen, Käfern und Würmern und überfallt nur zur Brutzeit hin und wieder einen eben ausgeflogeuen Nestling, der ihm gelegentlich in den Wurf kommt. Systematische Yogeljagden, die Wald und Feld entvölkern könnten, betreibt er niemals, ja er füttert seine Jungen lieber mit kaltblütigen als mit warmblütigen Tieren, was folgende Beobachtung illustrieren mag. Als einst in den ersten Junitagen früh morgens die Jungen meiner Starenkolonie die Nester verlassen hatten und am benachbarten Waldesrande auf den Fichten¬ zweigen saßen, erschien daselbst ein beutesuchender Bussard und ließ sich in nächster Nähe der Starenkinder nieder. Die alten Stare riefen zwar ihren Jungen ein warnendes Szet , szet! zu, allein es klang doch lange nicht so durchdringend und ernsthaft, als wenn ein anderer Räuber, ein Habicht oder Sperber, in Sicht gewesen wäre. Der Bussard schaute lange suchend in die Runde. Nach etwa 10 Minuten flog er auf eine freistehende Stange, .die sich inmitten eines angrenzenden Rasenplatzes erhob. Hier schoß eine Rauchschwalbe auf ihn zu, ohne jedoch den geringsten Augst¬ laut hören zu lassen, ein Zeichen, daß auch sie keinen gefahr¬ bringenden Feind in ihm erblickte. Nach längerem Verweilen flog der Bussard weiter auf einen niederen Baum, sah sich plötzlich um, flog au den Erdboden und nach vielfachem Wenden und Hacken vermittels des Schnabels richtete er sich stolz auf und hielt — eine mächtige Blindschleiche hoch empor. Mit einem vernehmlichen Wä, wä ! welches mir Freudenlaute zu sein schienen, entführte er seine Beute. Als ihn aber am Waldesraude ein Paar dort nistende Rabenkrähen belästigen wollten, schwang er sich immer höher \ empor und steuerte dann seinem etwa 2 km entfernten Neste zu. Weshalb aber, frage ich, nahm der Bussard, den nur falsche oder oberflächliche Beobachtung zu einem gemeingefährlichen Bösewichte O o o stempeln möchte, dem unter allen Umständen der Garaus gemacht werden müsse, weshalb nahm er nicht sofort einen der jungen Stare beim Kragen und trug ihn seinen hungrigen Kindern zu ? Sie saßen ihm ja gerade vor dem Schnabel, er sah sie und dennoch wartete er lieber eine Viertelstunde auf — einen Blindschleichenbraten. Die Feld und Wiese, Heide und Sumpf, überhaupt unsere Ebeneu bewohnenden Singvögel haben in den Weihen, von denen bei uns nur zwei Arten, nämlich die Kornweihe ( Circus cyoneus ) und Rohr weihe ( C . rufus ) Vorkommen, sehr gefährliche Feinde. Stundenlang sind diese Raubvögel imstande, mit ihren langen kräf¬ tigen Schwingen über den Erdboden dahinzusegeln, wobei ihrem scharfen Auge nichts Lebendes entgeht. Sie sind arge Nestplünderer und jedes Schutzes unwürdig. Zum Glück haben sie bei uns in der Neuzeit bedeutend abgenommen, was wohl zunächst dem Umstande zuzuschreiben sein möchte, daß sie ihren Horst stets am Erdboden, im Getreide oder Rohre anlegen und derselbe in bewohnten und belebten Gegenden regelmäßig zerstört wird. Wenn auch unsere Eulen, diese für viele Menschen unheim¬ lichen, das Tageslicht scheuenden Spuckgeister, im ganzen als nütz¬ liche Vögel unsern Schutz verdienen, so dürfen dieselben als Vogel¬ feinde keineswegs unerwähnt bleiben. Alle, ohne Ausnahme, überfallen jeden Singvogel, der ihnen bei ihren nächtlichen Streifzügen gerade aufstößt. Die Zahl ihrer Opfer würde weit größer sein, wenn dieselben nicht zur Nachtzeit wohl versteckt im Laubdache, im Fichtengezweig, in Baumhöhlen und sonstigen passenden Schlupf¬ winkeln ein bergendes und sicheres Asyl fänden. Aber trotzdem gelingt es ihnen .doch, manchen Vogel höchst unsanft aus dem Schlafe zu rütteln und als gute Beute zu entführen. Wie sehr alle Eulen auf Vogelfleisch erpicht sind, habe ich zu meinem eignen Leidwesen verschiedentlich erfahren. Am 2. Mai d. J. überbrachte man mir aus einer 2 Stunden von meiner Wohnung entfernten Bruthöhle einen jungen, eben befiederten Waldkauz ( Strix alnco). Ich fütterte ihn eine zeitlang, so gut es gehen wollte, mit Mäusen und Fröschen und brachte ihn dann, weil er durch seine nächtliche Musik etwas lästig wurde, in ein nahes Fichtengehölz und setzte ihn in einer mit dichtem Gestrüpp bewachsenen Mergelgrube nieder. Er versteckte sich, da ihm das Fliegen infolge des engen Gefäng- 166 riisses etwas schwer fiel, sofort im Gesträuche. Am andern Tage traf ich ihn noch daselbst an. Als ich am 3. Tage wieder nach ihm ausschaute, siehe, da flog er schon aufgescheucht auf die untern Aste einer Fichte. Er hat den Ort nicht verlassen und erscheint noch heute allnächtlich beim Hause. Eines Abends hatte ich ver¬ gessen, das Fenster der Vogelstube, welches durch ein starkes Drahtgitter verwahrt wird, zu schließen. Am andern Morgen fehlte mir ein Zeisig und bald sah ich, daß derselbe von außen durch das Gitter gezerrt war. Über den Missethäter konnte kein Zweifel mehr herrschen, denn als ich in der Nacht einmal zum Fenster hinaussah, rief mir der Kauz sein einladendes Komm mit ! ent¬ gegen. — Nach einiger Zeit war wieder in einer mondhellen Nacht das Fenster nicht geschlossen. Der Kauz, der den Braten noch nicht vergessen, hatte sich wieder eingestellt und wieder zwei Zeisige durch das Gitter gezogen und zwei andern die Brust auf¬ gerissen. — Vor längerer Zeit raubte mir ein Waldkauz sogar aus einem am Fenster hängenden Brutkasten ein brütendes Rot¬ schwänzchen. Schon der unbändige Haß, den die kleinern Vögel beim Er¬ scheinen eines Finsterlings au den Tag legen, zeigt uns deutlich, daß alle arge Vogelräuber sind. ThÖricht aber und unverständig würde es sein, unsern geflügelten Katzen dieser unvermeidlichen Übergriffe willen den Krieg zu erklären. Die Eulen sind und bleiben, mit Ausnahme des Uhus (St. bubo ), der seit 40 Jahren hier nicht mehr vorkommt, die größten Freunde der Land- und Forst¬ wissenschaft, die überall und von jedermann geschützt und gehegt werden sollten. Eine andere äußerst gefährliche Sippe bekannter Vogelmörder sind auch unsere Würger. Sie sind um so gefährlicher und verderbenbringender, als sie oft mit anscheinender Harmlosigkeit und scheinheiliger Miene den Vögeln sich nähern, teilnamlos dasitzen, aber plötzlich, den günstigen Augenblick benutzend, sich auf ihre Beute stürzen. Zudem siedeln sie sich gern in Gegenden an, in welchen es viele Singvögel giebt, oft sogar in Parken, Gärten und Obstbaumpflanzungen. Der größte Teil der Würger verläßt uns schon im September, aber vom Raubwürger (L. excubitor ), dem größten und gefähr¬ lichsten Mitgliede der ganzen Gesellschaft, bleiben die alten Männ¬ chen auch den Winter über bei uns und werden dann für unsere Wintervögel, hauptsächlich für Ammern, Meisen, Finken und Sper- 167 linge, ja selbst für Amseln und Drosseln zur schlimmen Geißel. Soeben beim Niederschreiben dieser Zeilen beschäftigt, sehe ich, wie ein Raubwürger auf meinem Futterplatze erscheint, eine Fink¬ meise aufs Korn nimmt, dieselbe durch Gebüsch und Bäume treibt uud eudlich deu Vogel in ein nahes Gehölz jagt, wo beide meinen Augen entschwinden. Ist jedoch die Brutzeit herangekommen und ertönen aus Busch und Gesträuch die Hungerstimmen junger Nest¬ vögel, dann ist der äußerst wachsame Vogel, der auf solche Töne genau acht giebt, sofort bei der Hand, um sein Würghandwerk zu beginnen. Daß er aber auch viele Verdienste hat und manche Maus wegfängt, sehen wir an denjenigen Dornbüschen, welche er zum Aufspießen seiner Beute benutzt. Noch im vorigen Sommer fand ich in seinem Brutreviere an einem dürren Strauche 5 Stück ganz frische Waldwühlmäuse, die er im Verlaufe eines Tages auf¬ gespießt haben mußte. Auch die übrigen bei uns noch vor¬ kommenden Würgerarten : der sch warzstirnige — ( L . minor ), der rotköpfige — ( L . ruficeps ) und der rotrück ige (L. collurio ) Würger sind als Nestplünderer von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Wenn sie auch gegen alte Vögel nichts auszurichten vermögen, so haben sie doch auf junge, kranke und erschöpfte ein höchst wachsames Auge und Ohr. Den in der Brut begriffenen kleinen Sängeru ist deshalb die Gegenwart eines Würgers höchst unlieb und sein Thuu und Treiben wird von ihnen streng überwacht. Einst sah ich, daß sogar die sonst friedfertigen Goldammern einen rotköpfigen Würger stundenlang attaquierten, weil er seine hei߬ hungrigen Sprößlinge in ihr Brutrevier geführt hatte. Der am meisten bei uns vertretene rotriickige Würger, der selbst in Gärten nistet, ist ein äußerst kecker, mutiger und auch mordlustiger Gesell, der mit der gefiederten Sängerschaft auf ewigem Kriegsfuße lebt und mauchem jungen hoffnungsvollen Vogelkinde, das zum ersten¬ mal den Flug aus dem Elternhause unternimmt, den Lebensfaden abschneidet, das Opfer am nächsten Dornbüsche aufspießt, den Schädel zerhackt und sich zuerst das Gehirn gut schmecken läßt. An kalten regnerischen Sommertagen, wo es ihm auf den Fluren an Kerfen mangelt, erscheint er sogar in unmittelbarer Nähe der Häuser, sucht Vögel, die nach draußen gehängt sind, in den Käfigen zu töten und juuge Rotschwänze, Fliegenfänger, Meisen und Sper¬ linge zu fangen. Den kleinen Sängern werden aber die unaus¬ gesetzten Beunruhigungen und Bedrohungen von seiten der Würger zuletzt so verhaßt, daß sie bald freiwillig das Revier verlassen, um sich anderweit ein ruhigeres und gemütlicheres Heim zu gründen. Soll also in den Umgebungen unserer Städte, Dörfer, Güter u. s. w. lustiger Vogel gesang ertönen, so ist allen Würgern ernstlich zu wehren. In Wald und Feld mag ihnen das Recht zu leben nicht o verkümmert werden. V Ebenso räuberisch , mordlustig, kühn uud verwegen wie die Würger sind auch unsere raben artigen Vögel. Fast alle sind auf Vogelfleisch äußerst erpicht uud durchstöbern zur Brutzeit Feld und Wald, Busch und Hain, Flur uud Garten. Vermöge ihrer Klug¬ heit, Schlauheit, List und Verschlagenheit sind sie auch imstande, ihre Raubzüge mit größerem Erfolge zu betreiben. Unbarmherzig Überfällen sie die Eier und federlosen Bruten, jagen selbst nach Raubvogelart hinter den ausgeflogenen Jungen her und erschnappen sie sogar im Fluge. Häher, Elster und Rabenkrähe, sie bilden ein wahres Siugvogel mordendes Kleeblatt unserer Waldungen. Der Häher ( Garrulus glandarius ), welcher als der deutsche Papagei im bunten Federschmucke durch sein Nachahmungstalent und durch seine Wachsamkeit dem Walde zur Zierde gereicht, besonders in den sonst öden Winterwald Leben und Bewegung bringt und dem Auge des Naturfreundes so vielfache Abwechslung bietet, ist leider zur schönen Sommerzeit der abscheulichste und grausamste Tyrann der kleinen Sängerzunft gegenüber. Bei seiner steten Unruhe durchstöbert er den Wald nach allen Richtungen und seinem Diebesauge entgeht auch das versteckteste Nest nicht. Was auch die Nestmulde bieten mag, Eier oder Junge, dem Häher ist zum Verschlingen beides gut. Es ist nur dem Zufälle zu¬ zuschreiben, wenn in einem Revier, wo ein Häher mit seiner gleich- gesinnten Gattin und dem mit ihr erzeugten 5 — 6 Köpfe zählenden Diebsgelichter sein Wesen treibt, das Nest eines Singvogels unberührt bleibt. In der stillen Morgenfrühe der Sommertage wagt es die ganze Sippschaft häufig die Gärten und Baumhöfe der Walddörfer mit ihrer unerwünschten Gegenwart zu beehren, um auch da dem Mordgelüste in ungestörter Ruhe zu fröhnen. Noch im verflossenen Sommer weckte mich eines Morgens das Jammergeschrei eines an meinem Fenster nistenden Rotschwänzchen pärcliens. Schnell eilte ich hinzu und sah eben, wie ein Häher in eifriger Verfolgung eines jungeu Rotschwänzchens begriffen war. Als ich aber in die Lärm¬ trompete stieß, machte er schleunigst kehrt und flog wieder dem Walde zu. Nach einigen Minuten machte er einen zweiten Angriff', der aber, da ich ebenso schnell wie er bei der Hand war, nochmals resultatlos blieb. Nach wenigen Tagen waren aber die jungen Rotschwänzchen allesamt verschwunden und sicher vom Häher weg¬ gekapert, da es mir nicht möglich war, fortwährend zum Schutze der verfolgten Unschuld Wache zu stehen. Die kleinen Vögel kennen den Häher als den Zerstörer ihrer Bruten nur zu gut und erheben, sobald er nur ihren Nistbezirk durchfliegt, einen furchtbaren Lärm. Ist die Brutzeit erst vorbei, da ist auch die Angst vor dem Räuber gewichen und es fällt keinem Vogel mehr ein, beim Er¬ scheinen desselben nur den geringsten Laut des Schreckens zu äußern. Data aber auch im Herbst und Winter sein Appetit nach Vogelfleisch derselbe geblieben ist, sahen wir deutlich in den Dohnen¬ stiegen, wo auch der lüsterne Gesell häufig genug sein Leben lassen muß, wenn er die gefangenen Vögel auslösen will. Einst sah ich ihn sogar im Winter einen Käfig, in welchem ein Lockgimpel saß, gierig, umhüpfen. Auch da, wo einmal im Walde der Schruerzens- laut eines gefangenen oder verwundeten Vogels ertönt, ist der Häher sofort bei der Hand. Zum Glück für unsere Singvögel wird dem Häher von seiten der Forstbeamten jetzt häufiger nachgestellt als früher, wo er als Eichenpflanzer geradezu verhätschelt wurde. Auch in unseren Walde hat man auf die Erlegung desselben neuerdings ein Schußgeld gesetzt. Gänzlich auszurotten, was ich auch nicht wünschen möchte, ist er niemals; eine Beschränkung der ludividuen- menge kann nur mit Freuden begrüßt werden. Dem Häher an List und Verschmitztheit ähnelnd, hält sich die Elster (Pica caudata) mehr in den Umgebungen der Städte, Dörfer und Gehöfte auf, wo fette Wiesen, fruchtbare Äcker und Baumpflauzungen liegen. Wenn sie auch den größten Teil des Jahres hindurch durch Vertilgung von Gewürm und Kerfen sich im Naturhaushalte große Verdienste erwirbt, so wird ihr Nutzen doch sehr gering, wenn man ihn in Vergleich stellt mit den schäd¬ lichen Räubereien, welche sie im Frühjahr an den Nestern der Sänger begeht. Kaltblütig und erbarmungslos macht sie sich über Eier und Junge her, zerrt selbst Meisen aus ihren Höhlungen, Stare aus ihren Brutkasten und Schwalben aus den Nestern. Ihrem Spürsinn entgehen die verborgensten Beuten nicht, weshalb es geboten erscheint, sie überall dort, wo Singvögel ihren Aufenthalt nehmen sollen, energisch abzuweisen. Leiden geschieht dies nicht überall und es giebt auch bei uns noch Gegenden genug, wo man fast auf jedem Gehöfte ein Elsternnest findet, dabei aber vom Besitzer die Klage vernehmen kann, daß der Singvögel immer 170 weniger werden. Neuerdings haben sich einige Vogelscbutzvereine die Ausrottung der Elstern angelegen sein lassen und gewähren bei Ausstellungen dem Vorzeiger zweier Elsterfänge ein Freibillet. Eine gänzliche Ausrottung auch dieses Vogels möchte ich keineswegs befürworten. Im Walde oder fern von menschlichen Wohnungen mag sie immerhin geduldet werden. Wenden wir uns nun dem dritten Räuber der Rabenfamilie zu; es ist dies unsere bekannte Rabenkrähe (Corvus corone), bei uns einfach Rabe oder Krähe genannt. Das Innere des Hoch- waldes vermeidend, siedelt sich die Rabenkrähe am liebsten in Hainungen und Feldhölzern, aber auch in Gehöften und Gärten, neuerdings sogar in den Städten an, von wo aus sie täglich ihre Streifereien nach Wiesen, Feldern und Triften unternimmt. Ihrer Aufmerksamkeit und Wachsamkeit entgeht sobald kein lebendes Wesen und wenn sie auch die meiste Zeit sich an Würmern, Käfern, Engerlingen und Mäusen sättigt, so ist doch die Jagd auf Singvögel im Friihlinge ihre nobelste Passion. Besonders sind die alten routi¬ nierten Krähenpaare, die Winter und Sommer treu vereint zusammen- bleibeu, sehr gefährliche und mordsüchtige Geschöpfe, die in die Reihen der Kleinvögel klaffende Lücken reißen. Dort, wo sie von seiten des Menschen keine Nachstellungen erfahren und sich sicher fühlen, gehen sie mit erstaunlicher Dreistigkeit und Frechheit zu Werk. Ich habe noch kürzlich erfahren, daß in einem Nachbar¬ dorfe, wo man ihnen, ihrer Wachsamkeit dem Hühnerhabichte gegenüber, die Rechte ihrer Niederlassung nicht verkümmern mochte, schließlich kein Küchlein mehr bei der Henne sicher war und die Schwalben allemal ein Zetergeschrei erhoben, weun sich nur ein schwarzrockiger Galgenvogel sehen ließ. Gerade die Gegenden, welche viele Singvögel beherbergen, werden bald von den Krähen ausgekundschaftet und mit Vorliebe bewohnt. Wenn sie sich beobachtet glauben, betreiben sie ihre Vogeljagden mit großer Vor¬ sicht, zeigen sich selten frei und sucheu immer Deckung im Gebüsch und den Kronen der Bäume. Vor dem Knall eines Gewehrs haben alle Krähen heillose Angst und man kann sie schon dadurch leicht in Respekt halten, daß man nur einigemal in ihrer Gegenwart beim Hause schießt. So wagt es z. B. niemals bei uns eine Krähe über mein Haus hinweg¬ zusegeln. Wenn sie auch oftmals direkt darauf zusteuern, so schwenken sie doch immer in einiger Entfernung nach rechts oder links ab. Auch das kleinste Mitglied unserer Rabenfamilie, die Turm¬ krähe oder Dole ( C . monedula ), findet an dem zarten Fleische 171 unserer Singvögel großes Behagen und Vogeleier sind immer ein Lieblingsgericht. Jedoch kommt ihr räuberischer Sinn hauptsächlich nur zur Brutzeit zur Geltung, wenn sie ein halbes Dutzend hei߬ geliebter Schreihälse zu versorgen hat. Um diese Zeit erscheint sie sogar an Brutkasten und reißt ohne Gnade junge Stare, die in dem Räuber die ersehnten Eltern vermuten und die Köpfe empor recken, aus dem Flugloche. Selbst die in Gefangenschaft lebenden Dolen sind sehr begierig auf Vogelfleisch und wenn man ihnen gleich¬ zeitig einen Vogel und eine Maus serviert, so werden sie ersteren unbedingt bevorzugen. In der Stadt Minden rückte man vor einiger Zeit den dort nistenden Dolen, die jedem großem Bauwerke zur lebenden Zierde gereichen, dadurch zu Leibe, daß man Stückchen Fleisch, die mit Strychnin vergiftet waren, an ihren Brutplätzen auslegte. Die Dolen waren aber klüger, als sich die weisen Vogel- schiitzler träumen ließen und warfeu die höllischen Brocken in die Straßen herab, wo sich deren Wirkung bald an verschiedenen Hunden deutlich offenbarte. Nach meinem Dafürhalten ist es keines¬ wegs gerechtfertigt, die Dolen auf diese teuflische Art dem Unter¬ gänge zu weihen, da es feststeht, daß der Nutzen, den sie dem Landwirte erweisen, ihren Schaden bedeutend überwiegt. Wunderbarer Weise hat man neuerdings auch die Stare und Schwarzamseln zu Vogelmördern stempeln wollen. Ich erinnere nur an den sensationellen Würzburger Amselprozeß. Es mag sein, daß sich bei dem einen oder anderen dieser Vögel, denen auf ihrer Nahrungssuche zufällig ein nacktes totes Vögelchen aufstieß, das sie für eine fette Made ansahen und verzehrten und deren Bild sich ihrem Gedächtnisse einprägte, gerade hierdurch die Neiguug entwickelte, auch lebende unbefiederte Vögel zu erbeuten. Doch sind, dies so vereinzelt dastehende Fälle, daß sie nur der Kuriosität willen Erwähnung verdienen. An bereits befiederteu Nestjungen werden sich weder Star noch Amsel jemals vergreifen. Hiermit nun glaube ich gezeigt zu haben, daß das uns so poetisch verklärt erscheinende Leben »der lustigen Bürger in grü¬ nender Stadt« nicht immer einer reizenden Liebesidylle gleicht und daß zwischen Liedesklang, Lebenslust und Lebenswoune die finstere Parze oft in mancherlei Gestalten lauert; dann aber auch, daß der Ausbreitung und Vermehrung unserer Sänger in den überall auf¬ tretenden und unablässig ihrem Raubgelüste fröhnenden Feinden eine hindernde Schranke gezogen ist, deren Beseitigung sich jeder Naturfreund aufs eifrigste angelegen sein lassen muß. Texas und seine Tierwelt. Von H. Nehrling. (Fortsetzung.) Wer glaubt, iu Texas eine ausgeprägte tropische Vegetation wie iu Florida oder selbst in Louisiana zu finden, täuscht sich, wie ich mich täuschte, als ich einst anfangs März des Jahres 1879 nach Texas kam. Die Vegetation ist nicht tropischer als die der Kiisteu- gegend Virginias und Nordkarolinas und nicht entfernt so schön, üppig und mannigfach. Wohl habe ich während meines vierjährigen Aufenthaltes in Texas in der Stadt Houston »im dunklen Laub die Goldorangen glühen« sehen und auch Oleander sah ich häufig im Freien, aber Orangenbäume und Oleander erfroren jedes Jahr, wenn sie nicht an der Südseite der Häuser standen. Ja, wären die Nord¬ stürme (North ers) mit ihrer eisigen Kälte nicht, dann würde sich die Sache freilich anders gestalten. Da diese allgemein als »Northers« bezeichneten Winde sehr viel mit dem Erscheinen und Weiterziehen der Vögel zu thun haben, so sei es mir gestattet, einige Worte über dieselben zu sagen. Diese Nordstürme treten in der Regel so urplötzlich und mit einer solchen Gewalt auf, daß man sich hoch nach dem Norden versetzt glaubt. Fast immer geht diesen Natur¬ erscheinungen mehrere Tage lang eine drückende schwüle Hitze vorher, die zuletzt fast unerträglich ist und welche dann die plötz¬ lich eintretende kalte Temperatur umso fühlbarer macht. Ein anderes Anzeichen der bald eintretenden Kälte sind die Scharen von Zugvögeln, welche plötzlich erscheinen. Die Ränder des Waldes, die Sträucher, selbst das Gras der Baumwollen- und Maisfelder wimmelt von kleinen Vögeln, während hoch oben in der Luft Kraniche laut schreiend und wilde Gänse südlich ziehen. Spechte, Meisen, Hüttensänger und Zaunkönige, selbst Fledermäuse suchen sich in Nistkästen, Baumhöhlungen und Astlöchern zu verbergen. Eine tiefe Ruhe lagert über der Natur, kein Blättchen regt sich. Dunkele bleischwarze Wolken türmen sich im Norden auf und mit großer Schnelligkeit kommen sie näher und näher. Endlich bricht der »Norther« herein, schon vernimmt mau sein Brausen und Toben, sieht den aufgewirbelten Staub und die trockenen Blätter daherjageu. Die Kälte wird gleich so fühlbar, daß mau sich dicht an den fast glühendheißen Ofen setzt und doch kann mau nicht warm werden, denn die nur für den Sommer berechneten leichten Bretterhäuser und Blockhütten lassen den eisigkalten Wind ungehemmt durch die Ritzen pfeifen. Noch unangenehmer ist ein von Regen begleiteter »Norther«, wie er im Winter oft vorkommt.. Oft fällt das Queck¬ silber des Fahrenheit’schen Thermometers nicht nur um 10, sondern 15 bis 20 Grad in einer Stunde. So fiel es einst in Houston im Januar von 70 Grad in einer Stunde auf 50 und sank endlich bis 18 Grad herab. Im Oktober zeigte es 90 Grad, am nächsten Tage 60 und ein kalter Regen brachte es auf 44° herab ; am 2. Februar zeigte es 85°, am 3. nur 50° und am 4. sogar 19°. Selbst am 20. Mai fiel das Quecksilber von 90° auf 60° herab. Ich habe bei diesen Nordwinden mehr gefroren als in Wisconsin bei eiuer Kälte von 30° F. unter Null. Glücklicherweise halten diese »Northers« nur kurze Zeit, in der Regel nur drei, doch auch sechs und selbst neun Tage an. Nachdem sie vorüber sind, herrscht wieder das schönste Frühlingswetter. Trotzdem sie für Menschen und Tiere höchst unangenehm sind, so begrüßt mau den ersten, welcher in der Regel Mitte Oktober eintritt, in Houston und den Küstenstädten doch mit einer gewissen Freude, denn er treibt die schädlichen Miasmen weit in den Golf hinein und erzeugt die Gewißheit, daß in diesem Jahr die Gefahr des gelben Fiebers, dieser schrecklichen Seuche des tropischen Amerika, vorüber ist. — Uber das Entstehen dieser Naturerscheinung ist man noch im Unklaren. Man nimmt allgemein an, daß die Brutstätte derselben in dem oben beschrie¬ benen Hochplateau, der Llauo Estacado, zu suchen sei. Während die Luft südlich von derselben warm und mild ist, bleibt sie auf der Hochebene doch stets bedeutend kühler. Der Unterschied wird endlich so stark, daß sich eine Spannung oder ein Druck der käl¬ teren Luft von der Hochebene herab auf die der tieferliegeuden Landstriche bemerkbar macht. Diese Spannung fühlen Menschen und Tiere und sie ist es auch, welche das höchst unbehagliche Gefühl vor dem Eintritt des »Norther« hervorruft. Zuletzt giebt der Widerstand der wärmeren Luft plötzlich nach und die kalte stürzt sich als Sturm vom Hochplateau herab und treibt unauf¬ haltsam die wärmere vor sich her. Dies ist die Ursache, weshalb man in Texas keine halbtropische Vegetation erwarten darf. Wie schon bemerkt, treten die Nordstürme meistens bereits im Oktober ein, sind aber im Januar und Februar am häufigsten, lassen im März an Kraft und Kälte nach und treten im April und Mai nur 1 noch selten auf. Doch habe ich die Beobachtung gemacht, daß selbst Mitte April die jungen Triebe der Waldbäume und das ganze zarte Laubwerk noch vollständig erfror. — Wahrscheinlich hängt auch die im Sommer regelmäßig einsetzende Trockenheit von diesem Hochplateau wenigstens teilweise ab. An Naturschöuheiten, welche sich durch Großartigkeit und Pracht auszeichnen, ist Texas sehr arm. Nirgends gewahrt der Tourist brausend, donnernd und schäumend von Felsen herab¬ stürzende Wasserfälle, nirgends prächtige Landseeen und herrliche Wälder. Doch sind einige Punkte ganz interessant. Prachtvoll sind beispielsweise die Quellen des Comal, welche kaum eine Meile von Neu-Braunfels entfernt sind. Eine dieser Quellen besteht aus einem etwa 40 Fuß breiten, 2 bis 3 Fuß tiefen Wasserbecken von unvergleichlicher Klarheit. Nicht weit davon finden sich noch etwa fünf andere gleich klare und noch stärkere Quellen, welche sich nahe bei einander vereinigen und den Comalbach bilden. Besonders schön ist auch der Vereinigungspunkt des Comal mit der Guadelupe. Von großer Schönheit ist auch der San Antonio mit seinen Quellen, ferner die Gegend von Sisterdale und einzelne andere Örtlichkeiten des Hochlandes. In der Zeit vom März bis Juni ist es fast überall in Texas schön. Die blühenden breitblätterigen Kirschlorbeerbäume, die dunkelgrünen Lebenseichen, der mit unzähligen Lianen gezierte Wald des Tieflandes bietet während dieser Zeit einen reizenden Anblick. Einen wirklich wunderbaren Eindruck machen die blü¬ henden Magnolien der Küstengegend mit ihrem frischen, immer¬ grünen glänzenden Gelaube und mit ihren großen weißen, die Luft mit lieblichem starkem Wohlgeruch erfüllenden Blüten. Unver¬ gleichlich herrlich ist die Blumenpracht in dieser Zeit, wonnig und erfrischend die beständig vom Golf herüberwehende Südluft, prächtig das tiefe Blau des Himmels, welches kaum durch ein Wölkchen getrübt wird. Mit dem Juli tritt in der Regel Hitze und große, lang anhaltende Trockenheit ein, welche nicht selten bis zum Sep¬ tember anhält. So groß ist die Trockenheit, daß die Erde drei bis vier Fuß tiefe breite Risse bekommt. Durch die von zehn Uhr vormittags an beständig wehende Südluft wird die Hitze gemildert und sie macht sich deshalb nicht so fühlbar wie im Norden. Ich habe in Wisconsin, Illinois und Missouri die Hitze mehr empfunden als in Texas, aber ihre lange Dauer wirkt höchst bedrückend. Das texanische Klima zeichnet sich im Sommer stets durch kühle Nächte vorteilhaft aus, so daß ein erquickender Schlaf stets möglich ist. Eigentümlich ist es, daß es während dieser Zeit, wenn es überhaupt regnet, nie des Nachts, sondern immer am Tage regnet. Da es in dieser heißen Zeit fast nie oder doch nur sehr selten regnet, so wirkt die langanhaltende Trockenheit und die fortwährende Hitze höchst erschlaffend auf Körper und Geist. Die lieblichen Kinder Floras, die noch vor kurzem der Scenerie ein so zauberhaftes An¬ sehen verliehen, sind jetzt verschwunden. Bald ist kein Blümchen, kein Blättchen mehr im heißen Sandboden zu sehen. Jeden Tag zeigt der Himmel dieselbe tiefe Bläue. Schon sind die Regenwasser- cisterneu leer und nur in den Bächen (Creeks) und Regenbächen (Brauches) sind einige Tümpel übelriechenden brackigen Wassers stehen geblieben ; dorthin muß der Farmer fahren, um das nötige Wasser für den Hausbedarf herbeizuschaffen. Endlich zeigen sich einige dunkle Wolken am Himmel und schon freut man sich, daß ein tüchtiger Schauer Menschen, Tieren und Pflanzen die nötige Erfrischung bringen werde. Mau täuscht sich jedoch, denn der ersehnte Regen tritt trotz der am Horizonte täglich sich zeigenden dunkeln Wolken nicht ein. Die Vögel, welche sich im Walde und in der Nähe des Menschen früher fröhlich tummelten, sind fast alle an die Wassertümpel, Flüsse und Quellen gezogen, und der Wald erscheint ganz wie ausgestorben. Nach langem vergeblichem Warten tritt endlich ganz plötzlich der Regen ein, aber er fällt in solchen Strömen nieder, daß man in einem Augenblick völlig durchnäßt ist. Unaufhörlich gießt es aus den wie Blei am Himmel hängenden schwarzgrauen Wolken herab und die schon ganz oder teilweise ausgetrockneten Regenbäche und kleinen Flüsse sind in einigen Stunden zu reißenden gefährlichen Strömen augewachseu, die nie¬ mand ohne Lebensgefahr zu überschreiten vermag. Das brausend und schäumend dahinrauschende Wasser reißt oft 40 bis 50 Fuß hohe senkrechte Uferwände mit. Neue bis zu 15 Fuß tiefe Regen¬ bäche entstehen oft durch einen Regen inmitten fruchtbarer, etwas hochgelegener Felder. Überhaupt nimmt der Regen den Humus des höheren Landes stets mit sich fort und führt ihn hinab in die schon an sich sehr reichen Flußniederungen. — Ebenso schnell aber, wie das Wasser angeschwollen, so schnell ist es auch wieder verflossen. Sobald es einmal mit Regnen angefangen hat, zeigt sich in der Regel das andere Extrem : fast jeden Tag gießt es nun einige Stunden lang in Strömen herab. — Der Boden läßt wieder Gras und Blumen hervorsprossen. Kleine rötlichweise Ama- ryllideen (Habranthus Andersoni Texand) öffnen, den Herbstzeitlosen gleich, ihre Blüten zu Tausenden. Unvergleichlich schön ist, wie in fast allen Gegenden der Union, auch hier der Herbst, die Monate 17(5 - Oktober und November. In großen Scharen ziehen schon Ende September, namentlich aber im Oktober, Waldsänger durch und vor Eintritt des ersten »Norther« erscheinen noch vielerlei andere kleine Vogelarten. Die meisten kommen jedoch erst Ende November und anfangs Dezember aus dem Norden an. Besonders ungesund ist Texas eigentlich nicht. Die Haupt¬ krankheiten sind hitzige Fieber (Malaria) und Wechselfieber. Durch vorsichtige Lebensweise kann man sich aber erfolgreich gegen diese Krankheiten schützen. Während meines dreijährigen Aufenthalts in der Küstengegend (Houston) bin ich und meine Familie gänzlich vom Fieber verschont geblieben, als ich aber später in eine hoch¬ gelegene Gegend der Pfosteneichenregion, an die West Yegua (See County) zog, trat durch den Genuß schlechten Wassers und durch unvorsichtiges Aussetzen in die Sonnenstrahlen in der ganzen Familie Malaria und schließlich Wechselfieber auf. Viele Einwanderer glauben in Texas gerade so anhaltend und fleißig während der heißen Jahres¬ und Tageszeit arbeiten zu können wie in Deutschland oder im Norden der Union, sie müssen ihren Eifer aber nur zu oft mit dem Tode bezahlen. Ein schon länger in Texas angesiedelter Farmer arbeitet während der heißen Tageszeit nur in den frühen Morgen¬ stunden bis etwa 10 Uhr und nachmittags von 3 Uhr an bis zur Abenddämmerung. In den Städten geht niemand ohne aufgespannten Regenschirm auf die Straße. Viele Gegenden der Staaten Indiana, Illinois und Missouri sind bedeutend ungesunder als Texas. Trotz der eisigen Nordstürme sieht man in Texas doch nur selten einmal Schnee. Während der kältesten Tage im Januar kommt es freilich oft vor, daß sich auf dem Wasser eine dünne Kruste Eis bildet und daß die Oberfläche des Erdbodens etwas ge¬ friert, aber es wird nie so kalt, daß dadurch die in Boden bleiben¬ den Wurzeln der Cauna, verschiedener Amaryllis, Amaryllis Hippe- astrum , equestre , reticulatum , vittatum u. s. w.) und Bananen dadurch gefährdet würden. Gardenien ( Gardenia florida ), Aucuben, Skimmia, Pittosporum (P. tobira) , Oleander, Lorbeer (Laurus nobilis), Myrothen, Melaleuca ( Melaleuca hypericifolia), japanesische Pflaumen ( Eryobotrya japonica ), Traubenmyrothen {Lager stroemia indica ), Banksiarosen und andere immergrüne Sträucher leiden in der Küsten¬ gegend an geschützten Stellen wenig durch die Fröste. Diese An¬ gaben beziehen sich allerdings nur auf das südöstliche Texas, wo ich mich meist aufgehalten. Weiter westlich und nördlich dauern die meisten der die Gärten Houstons und Galvestons zierenden Pflanzen nicht aus. — Bedeutend milder ist das Klima in Louisiana unter gleicher Breite. So sah ich im ganzen südlichen Louisiana, bis nach New-Orleans, prächtige Orangengärten, Bananen, Palmen und Eucalyptusbäume, man kennt dort aber auch die eisigen Nord¬ winde nicht. Ohne letztere würde die texanische Flora einen viel südlicheren Charakter zeigen. Diese Winde sind auch die Ursache, daß die Hauptbrutzeit der meisten texanischen Vögel in den Mai fällt, während sie in Louisiana zumeist schon im April brüten. (Fortsetzung- folgt.) Der punktierte Schlammtaucher (Pelodytes punctatus Daudin) in der Gefangenschaft. Von Joh. von Fischer. Der punktierte Schlammtaucher bewohnt das südwestliche Europa d. h. Süd-Frankreich und Spanien. Hier ist er ungemein häufig, namentlich in den Sümpfen von Sevilla und Valencia, in den Tümpeln, in denen man den Hanf röstet. Er hält sich gewöhnlich in unmittelbarer Nähe dieser Gewässer auf, indem er sich dicht am Ufer im Grase duckt, um bei der ge¬ ringsten Gefahr in einem großen Satz ins Wasser zu springen, worauf er sich zwischen Wasserpflanzen oder im Schlamme gut zu ver¬ bergen versteht. Sein Fang ist leicht, wenn man den Aufenthaltsort dieses hübschen Batrachiers kennt. Man muß die begrasten Ufer solcher Wasserflächen im Monat Februar und März absuchen und kann sicher sein, Pelodytes zu finden. Noch bequemer ist es, wenn man sich die sehr hellgefärbten und dadurch von allen anderen Stammesverwandten kenntlichen Kaulquappen dieser Art verschafft und diese in Aquarien erzieht. Selten variiert ein Batrachier so in seiner Färbung wie der Schlammtaucher, sowohl individuell, als temporär. Hat- man einen Schlammtaucher gefangen, der heute grünlich-braun ist, so findet man ihn morgen im schönsten Hellgrau, morgens bakl mit meergrünen Flecken übersät, bald fein puuktirt, um abends ganz einfarbig und fleckenlos zu werden. Die Unterseite ist meist blendend weiß, wie Porzellau, mauchmal jedoch mit einem Stich ins Fleischfarbene. Die Männchen tragen zur Paaruugszeit die bekannten Schwielen ; übrigens findet man hie und da auch Weibchen, die mit ganz den nämlichen Schwielen ausgestattet sind. Zoolog. Gart. Jahrg. XXV. 188t. 11 178 Man übersieht die Schlammtaucher leicht beim Fang, da sie sich im Grase gut zu verbergen verstehen. Mit ziemlicher Sicherheit kann man sie fangen, wenn man an kühlen Tagen im Frühjahr vermittelst eines Hakens die in der Nähe der Gewässer angehäuften, abgestorbenen Baumblätter umwendet, unter denen man sie in geduckter Stellung schlafend vorfindet. Der Schlammtaucher vermag nach Laubfroschart an Pflanzen, Glas- und anderen Wänden emporzuklimmen und daselbst haften zu bleiben, woher man für guten Verschluß der Terrarien za sorgen hat. Die Stimme dieser Art ist ein nicht zu lautes Knarren, das (für mich wenigstens) ungemein gemütlich klingt und während der Paarungs¬ zeit fleißig geübt wird. Dieses Knarren, das, wenn man den Gefangenen die natürlichen Bedingungen widerfahren läßt, im Terrarium regelmäßig gegen die Abend- und Morgendämmerung, mitunter auch nachts oder sogar mitten am Tage (falls das Terrarium im Dämmerlicht steht) gehört wird, ist manchmal ein-, manchmal zweisilbig und klingt dann entweder wie ein einfaches Kerr oder Kerr-Kärr. Der Schlammtaucher paart sich gegen Finde Februar bis Anfang April, je nach der Witterung und Lokalität. In manchen kalten Frühjahren erstreckt sich seine Paarungszeit bis in das erste Drittel des Mai hinaus. Er soll sich in der Freiheit noch zum zweiten Male in den letzten Tagen des Septembers, bis in die Hälfte des Oktobers paaren. Uber diesen letzten Punkt fehlt mir jede Erfahrung, da die von mir in der Gefangenschaft gezüchteten und gehaltenen Individuen im Herbst zu keiner Paarung schritten, wenngleich ich in der letzten Jahreszeit ein regeres Benehmen, sowie ein lauteres Knarren meiner Gefangenen bestätigen muß. Die Eiablage geschieht ganz abweichend von allen anderen europäischen Anuren. Der Laich wird in Traubeu von 6 — 8 cm Länge und 1 — 2 cm Breite abgesetzt, und seine Ablage geschieht nicht immer auf einmal, sondern häufig in mehreren Gelegen, gewöhnlich 2 — 3. Nur selten setzt das Weibchen den ganzen Laich auf einmal ab. Diese Trauben werden stets an schwimmenden Grasstengeln, Holzstückchen etc. der Länge nach angeheftet und zwar derart, daß die Eier und die sie umhüllende, sehr durchsichtige Gallertmasse diese Gegenstände vollständig überziehen, so daß dieselben mit dem Gegen¬ stände schwimmen oder uutergetaucht bleiben. 179 Die im Frühjahr ausschlüpfenden Larven sind zuerst sehr klein, wachsen aber ungemein rasch und fallen selbst dem Laien durch ihre ganz abweichende helle Färbung auf. Sie verlassen das Wasser erst gegen Ende August oder Anfang ja selbst Ende September. Die im Herbst ausschlüpfenden Kaulquappen bedürfen jedoch einer längeren Verwandlungszeit, indem sie winters nur langsam oder nicht wachsen und das Wasser erst im nächsten Jahr, gegen Ende April oder im Laufe des Monats Mai verlassen. Sie sollen keines¬ wegs schlafend überwintern, sondern sich unter dem Eise munter bewegen, aber aus Mangel an Nahrung fast gar nicht wachsen. Man kann den Schlammtaucher in der Gefangenschaft leicht züchten, weil er sich im Terrarium jahrelang vortrefflich hält und sich regelmäßig paart. Zu diesem Behufe müssen den Tieren kleine Aquarien oder ein¬ fache flache Glasschalen mit Wasser zur Verfügung gestellt werden, die mau im Innern der Terrarien aufstellt. Nur muß man für schwimmende Holzstücke, dünne Zweige, allerlei Wasserpflanzen oder doch deren Stengel etc. sorgen, damit sie Gelegenheit haben, ihren Laich abzusetzen. In der Gefangenschaft geht die Verwandlung weit rascher vor sich als im Freien, nur bleiben die in kleinen Behältern ausschlüpfenden Schlammtaucher viel kleiner, ja erreichen oft kaum die Hälfte der im Freien geborenen, wenu man nicht beizeiten dafür Sorge trägt, daß die ausschlüpfenden Kaulquappen in geräumige (nicht allzu tiefe, aber recht breite) sehr pflanzenreiche Aquarien gebracht und reichlich gefüttert werden. Die Fütterung geschieht in den ersten Tagen mit aufgeweichten, verwesenden, abgestorbenen Pflanzenteilen und Oblate oder fein ge¬ stoßenem Zwieback, nachher mit geschabtem Rinder- oder Roßherz oder getrocknetem und zwischen den Fingern zerriebenem Riudsblut, das für zarte Kaulquappen eine ausgezeichnete Nahrung ist. Zuletzt kann man an Drähten Stücke Fleisch, einen toten Regenwurm, etc. aufhäugen, um die sich die Kaulquappen bald sammeln und festsetzen werdeu, um dieselben fleißig zu benagen. Ist das Fleisch, der Regenwurm etc. aufgeweicht, so rühren die Larven diese Futterstoffe nicht mehr au, und mau muß sie von den Drähten wieder entfernen, damit das Wasser nicht verdirbt. Auch muß man (eine Kardiualbediugung für den Amphibienzüchter) für reichliches Vorhandensein kleiner Krustaceen (Daphnia, Cyclops , 180 Cypris) die man aus jedem Wassertümpel oder Graben schöpfen kann, sorgen. Die herauskriechenden Schlammtaucher müssen Gelegenheit haben, leicht und bequem das Wasser verlassen zu können, da der erzwungene Aufenthalt im Wasser sie schwächt und sie bald ertrinken. O Man erleichtert das Verlassen des Wassers am besten durch schwimmende Brettchen, die sehr dünn sein müssen, oder schwache Korkplatten, die man vermittelst eines Drahtes an einem auf dem Grunde liegenden Stein befestigt. Besitzt das Aquarium einen flachen, recht rauhen, leicht erreich¬ baren Felsen, sowie eine reichliche Vegetation (namentlich sind die breiteu, schwimmenden Blätter von Nywiphaea, Nupliar u. s. w. dem Herauskriechen der jungen Schlammtaucher ungemein behülflich), so > wird man fast gar keine Verluste zu verzeichnen haben. Nur muß man beizeiten dafür Sorge tragen, daß die Aquarien von oben ver¬ mittelst einer Drahtgaze oder Tüllkuppel oder Dach bedeckt seien, da die herauskriechenden jungen Frösche sofort das Weite suchen und mau sie überall in der Stube antrifft, wo sie sehr bald eintrocknen. Die jungen Schlammtaucher fressen sofort nach ihrem Heraus- kriechen Mücken und kleine Fliegen. Ich werfe etwa 3 — 4 Tage vor dem mutmaßlichen Verlassen des Wassers meiner Schlammtaucher eine Anzahl Puppen der gemeinen Stechmücke (Culex pipiens), die überall leicht zu erhalten sind, in das Wasser, und die herausgekrochenen Tiere nähren sich fast ausschließlich von den ansschlüpfenden Mücken, weil den kleineren Individuen die gemeine Stubenfliege oft zu groß und zu hart ist. Sie erlassen sie zwar mehrmals, können sie aber nicht verschlingen und müssen sie zuletzt wieder von sich geben, indem sie ein oder beide Vorderbeine auf die zum Maul herausragende Fliege stemmen und den Vorderkörper em¬ porheben, um dieselbe von ihrer klebrigen Zunge zu befreien. Die Schlammtaucher müssen in sehr feuchten , nicht zu hell stehenden kalten Terrarien gehalten werden. Man kann sie auch ohne Futter überwintern, wenn man sie in Holzkisten mit feuchter Erde, feuchtem Sphagnum-Moos und eiuem flachen Gefäß mit Wasser bringt und das Gauze in Keller oder andere Räume, in denen die Temperatur nicht unter + 2° oder + 3° R sinkt, stellt; nur muß man ihnen keinen zu langen Winter¬ schlaf zumuten (höchstens 2 — 3 Monate), an den sie in der Freiheit nicht gewöhnt sind, da sie stark abmagern und zuletzt eingehen würden. 181 Wie die meisten Batrachier vertragen sie sich untereinander sehr gut und werden höchstens von größeren Reptilien und Amphibien gefressen. Ihr Auge ist gut, obschon dessen Sehkraft erst mit der Dämmerung wächst. Das Gehör ist scharf, die anderen Sinne sind mittelmäßig entwickelt. In der Freiheit fressen sie allerlei Insekten. In der Gefangen¬ schaft ernährt man sie am besten sommers mit Stubenfliegen (die man, falls man sich eine Fliegenzucht*) angelegt hat auch winters reichen kann), im Winter mit ganz kleinen, recht zarten (frischge¬ häuteten) Mehlwürmern, Larven von Tinea granella , Asopia farinalis , Anobium paniceum, Trogosita caraboides et. c. alles Tiere, die mau mit etwas Umsicht leicht, nach Mehlwurmsart, in der Gefangenschaft züchten kann und die keinem, der zarte Reptilien oder Amphibien pflegt, fehlen dürfen. Die Schlammtaucher fassen ihre Nahrung nach Art der Laubfrösche mit der herausklappbaren Zunge und helfen sich beim Verschlingen oft mit den Vorderbeinen. Der punktierte Schlammtaucher wird neuerdings regelmäßig in den Handel gebracht und ist durch jede gute Aquariumhandlung leicht und billig zu beziehen. Bel icht des Verwaltungsrats der Neuen Zoologischen Gesellschaft zuFrankfurt a.M.an die Generalversammlung* der Aktionäre vom 20. März 1884. Direktionsbericht. Unsere Tiersammlung besaß zu Anfang dieses Jahres einen Taxationswert von M. 127,001. 50 und bestand aus 1843 Exem¬ plaren, welche 264 verschiedenen Arten augehört'en, gegen 1447 Exemplare von 266 Arten im Werte von M. 135,236. 30 im Vorjahre. Die einzelnen Tierordnuugen sind dabei vertreten wie folgt : Zahl der Wert Exemplare Arten M. Pf. Affen . 36 14 2 100 — Flattertiere . .' . 1 1 75 — Raubtiere . 49 20 27 920 — Transport 86 35 30 095 — *) Über die Einrichtung einer solchen: J. v. Fischer. Das Terrarium, seine Bepflanzung und Bevölkerung S. 209. 182 Zahl der Wert Exemplare Arten M. Pf Transport 86 35 30 095 — Beuteltiere . . 2 2 605 — Zahnarme . 1 1 30 — Nagetiere . 94 10 558 70 Einhufer .... . 13 4 1 1 500 - — Vielhufer . 12 5 21 590 — Wiederkäuer . . 119 27 41 446 — Flossenfüßer . 2 1 2 200 — Raubvögel . . . 25 12 1 359 — Eulen . . 13 3 509 — Papageien . . 70 24 2 445 — Singvögel . 226 65 3 036 — Tauben .... . 72 10 302 — Hühner .... . 112 4 885 — Strauße .... . 3 1 330 — Stelzvögel . . . 63 23 2 471 — Schwimmvögel . 425 34 7 009 50 Amphibien . ...... 6 3 620 — 1343 264 127 001 50 Nachdem im abgelaufeuen Geschäftsjahre die Verhältnisse unseres Gartens in ihre neu geordneten Bahnen eingelenkt worden waren, konnten wir für die Vergrößerung und Vervollständigung unserer Tiersammlung mit größerem Nachdruck als bisher Sorge tragen. Es wurden für M. 5594. 50 Tiere erworben, unter denen wir besonders hervorheben : eine männliche Eleunantilope, einen amerika¬ nischen Strauß, Kraniche verschiedener Arten, sowie eine Reihe von sonstigen Vögeln verschiedener Gattungen aus allen Weltteilen. Auch diesmal gingen uns wieder eine Anzahl von schönen und interessanten Tieren als Geschenke zu, für welche wir den freundlichen Gebern hier wiederholt unseren Dank aussprecheu. Die Geschenke sind : 1 Makak von Hrn. Emil Mertz, hier. 1 gemeines Seidenälfchen von Hrn. E. Gum pr ich, liier. 1 Edelmarder von Hrn. F. Landfried jr. in Heidelberg. 1 Fischotter von Frl. Pauline P et sch in Hemmerten. 3 junge desgl. von Hrn. Direktor W. Drory, hier. 1 Fuchs von demselben. 1 desgl. von Hrn. W. Kirkwood, hier. 2 indische Leoparden von Hrn. A. Blascheck, hier. 1 Wildkatze von Hrn. Freiherrn Max von Gienauth in Hochstein. 1 Angorakatze von Hrn. Carl Volke rt, hier. 8 Meerschweinchen von Hrn. F. W. Qu i Hing, hier. 2 Meerschweinchen von Hm. Th von Fritz sch, liier. 2 desgl. von Hrn. D. Feder 1 in, hier. 1 Hamster von Hrn. J. P. Schneider, hier. 6 gefleckte Ratten von Hrn. Dr. med. F. Stieb e 1, hier. 1 Turmfalke von Hrn. Friedr. Renz in Worms. 1 Bussard von Hrn. Ludw. Metzger, hier. 1 roter Milan von Hrn. F. Metzger, hier. 1 Waldkauz von Hrn. G. T. Kern, hier. 1 Wellenpapagei von Hrn. Schaefer in Sindlingen. I Adelai'de-Plattschweifsittich \ , n n , i • tt i i i von Hrn. Carl Iiarft, hier. 1 großer gelbhaubiger Kakadu ) 1 Star von Hrn. Schwabacher, hier. 1 Nonne von Hrn. Direktor Böhringer, hier. 2 Reisfinken von Frau H. Garn bürg, hier. 1 Eisvogel von Hrn. Herrn. Schilling, hier. 2 Perückentauben von Hrn. Harnischfeger, hier. 6 Brieftauben von Hrn. Sch a eff er in Neustadt a. d. H. 3 Dorkinghühner von Hrn. Baumaun, hier. 1 Fischreiher von Hrn. Franz Eckstein, hier. 1 Zwergdommel von Hrn. Max Winkler, hier. 1 Storch vom Tierschutzverein, hier. I Bläßbuhn von Hrn. Chr. Rothe, hier. 1 desgl. von Hrn. Carl Leuchs, hier. 4 Goldfische von Hrn. F. W. Quilling, hier. 4 Goldorfen von Hrn. A. Halden wang in Baden-Baden. Wir glauben unter diesen Zuwendungen ganz besonders die indischen Leoparden hervorheben zu solleu, welche nicht nur die wertvollsten Stücke derselben bilden sondern sich auch durch ihre Schönheit und kräftige Entwickelung auszeichneu. Die Vermehrung unseres Tierbestandes durch Fortpflanzung war auch im vergangenen Jahre eine recht erfreuliche und zwar wurden Tiere im Werte von M. 3163. 80 geboren. Besondere Erwähnung verdienen die folgenden : Zwei Makaken, ein Halsbandschwein, eine Anzahl Möpse, ein Renntier, ein Wapitihirsch, zwei Axishirsche, zwei Mähnenschafe, vier Muflon, sieben schwarze Schwäne. Der Tierverkauf ergab eine Einnahme von M. 3584. 10, von welchen ein ansehnlicher Anteil, nämlich M. 2114. 10, auf Exemplare entfiel, welche im Garten gezüchtet worden waren. Es befanden sich unter diesen ein schwarzer Panther, eine größere Zahl von Hunden, Dam- und Edelhirsche, schwarze Schwäne etc. Die Verluste durch Tod betrugen 1 2 1j2 °/o des Tierwertes und haben somit die Ziffer des Vorjahres nicht erreicht. Die wichtigsten der verstorbenen Exemplare waren : 184 Eine Löwin, welche an beiderseitiger Rippenfellentzündung ver¬ endete, ein schwarzer Panther, der einer Verletzung erlag, ein Kaffernbüffel und ein Bison, welche beide an Lungenentzündung eingingen. Diejenigen Tiere, welche iufolge hohen Alters verendeten und bei denen sich die Erscheinungen eines allmählichen Rückganges bereits längere Zeit vor dem Tode eingestellt hatten, sind : Ein brauner Bär, welcher 19 Jahre, 5 Monate und 14 Tage im Garten gelebt hatte. Ein indischer Leopard mit 9 Jahren, 5 Monaten, 13 Tagen. Ein Zebra mit 19 Jahren, 11 Tagen. Ein Halsbandsittich mit 21 Jahren, 6 Monaten, 10 Tagen. Ein gelbhaubiger Kakadu mit 19 Jahren, 4 Monaten. Ein rothaubiger desgl. mit 12 Jahren, 1 Monat, 5 Tagen. Ein rotschnabeliger Hornvogel mit 11 Jahren, 1 Monat, 19 Tagen.' Bezüglich des Aquariums sind wir iu der erfreulichen Lage, berichten zu können, daß die Einrichtungen desselben sich stets aufs neue als in jeder Hinsicht zweckentsprechend bewähren. Das Seewasser hält sich klar, die Temperatur ist eine gleichmäßige und infolge dessen erfreuen sich die Tiere jederzeit des besten Wohlseins und einer verhältnismäßig langen Lebensdauer. o o Unsere Tierbauten sind in den letzten Jahren einer gründlichen Wiederherstellung unterzogen worden, deren sie nach fast zehn¬ jähriger Benützung dringend bedurften. Es wurden bei dieser Gelegenheit eine Reihe von Verbesserungen au denselben angebracht, welche im Laufe der Zeit sich als wünschenswert erwiesen hatten, und namentlich für vermehrten Zutritt von Luft und Licht Sorge getragen. Der größere Teil der Tierhäuser, nämlich das Raubtier¬ haus, Vogelhaus, Elefanten- und Straußenhaus ist jetzt fertig¬ gestellt, und an den übrigen wird mit den erforderlichen Arbeiten demnächst begonnen. Im verflossenen Jahre begiug unser Zoologischer Garten die Feier seines 25jährigen Bestehens. Zweien seiner Insassen war es vergönnt, ein gleiches Jubiläum zu erleben, nämlich einer braunen Bärin, welche jedoch inzwischen mit Tod abgegaugen ist, und einem roten Ara. Frankfurt a. M., 20. März 1884. Dr. Max S c h m i d t. 185 K o r r e s p o 11 <1 eine n. Alsfeld, den 19. März 1884. Instinkt oder Überlegung? Zu jener Zeit, wo im zoologischen Garte n zu Dresden die vielbesprochene Mafuca, ein weiblicher Schimpanse, die gelehrte und nicht gelehrte Welt herbeilockte, besuchten auch wir, mein Bruder und ich, den Garten. Im Vogelhause hatte Herr Direktor Schöpf dem Tiere ein geräumiges Zimmer geschaffen, dessen Wände auf zwei Seiten von starkem Eisengitter gebildet wurden. Etwa einen halben Meter von diesem Gitter ent¬ fernt wurde der Käfig nochmals von einer Glaswand umschlossen. Mafuca war an dem Seile, welches von der Decke , herabhing, in die Höhe geklettert und versuchte mit der ihr eigentümlichen Beharrlichkeit den Kloben , an dem das Seil befestigt war, aus der Decke zu reißen. Nach einiger Anstrengung er¬ reichte sie ihren Zweck, wurde aber für dieses Vergehen durch einen gewaltigen Sturz auf den Boden gestraft. Erschrocken und in höchster Verwunderung saß der Schimpanse da und schaute mit überlegender Miene hinauf nach dem Loche, das da oben entstanden war. Plötzlich schien ein Gedanke in ihm aufzu¬ blitzen; rasch wickelte er das ziemlich starke Seil in regelrechten Windungen um den muskulösen Arm, kletterte an einem zweiten Seile, welches vou der Decke herabhing, hinauf und versuchte, von hier aus den angerichteten Scha¬ den auszubessern. Wieder und wieder wurde der Kloben in das Loch ge¬ schoben, blieb aber zum größten Verdruß des Affen niemals stecken. Endlich sah Mafuca die Erfolglosigkeit ihres Beginnens ein und versuchte, sich und die Zuschauer auf andere Weise zu unterhalten. Offenbar fand sie Gefallen daran, wenn das Publikum vor dem Käfig sich über ihre Streiche ergötzte und in lautes Lachen ausbrach. Durch den Käfig zog sich ein quergespanntes Seil, über dieses schleuderte der Affe das eine Ende des herabgerissenen Seiles, ergriff es mit der noch freien Hand und schaukelte sich im höchsten Mutwillen vergnügt hin und her. Mit Spannung erwarteten wir den Augenblick, wo unser Schimpanse ein Ende des Seiles loslassen würde. Und richtig! Dort saß er auf dem Boden ruhig und schaute hinauf nach der Stelle, von wo er herabgestürzt war. Wenn wir je von dem Antlitz eines Menschen einen Gedanken ablasen, so stand hier im Gesichte dieses Affen für uns deutlich geschrieben: »Wie ging das zu? das muß ich nochmals probieren.« Der Versuch wurde wiederholt. Die umstehende Menge jubelte laut. Der Wärter mit einem Reisigbesen bewaffnet, stürzte her¬ bei; Mafuca ergriff die Flucht und zog sich in die höheren Regionen des Käfigs zurück, das Seil ließ sie als corpus delicti herabfallen. Der Wärter entfernte es, vergaß indessen seinen Besen, welchen er zwischen dem Eisengitter und der Glaswand stehen ließ. Der Affe hatte dies sogleich bemerkt, und kaum war der gefürchtete Mann seinen Blicken entschwunden, so kam er herab, um das interessante Ding in den Käfig hereinzuholen. Sein starker Arm war indessen zu dick, er konnte ihn nicht weit genug zwischen den Eisenstäbeu durchzwängen. Nach eifrigem Suchen fand Mufuca im Käfig eine kleine Rute; mit dieser wurde nun der Besen umgeworfen, der Stiel wurde gepackt, Mafuca stammte beide Beine gegen das Gitter und versuchte mit ganzer Gewalt ruck- 186 weise den Besen hereinzuziehen. Er war jedoch am unteren Ende zu dick und leistete unüberwindlichen Widerstand. Wiederum eilte der Wärter herbei; bevor er aber die Qlasthür aufschließen konnte, war der Stiel des Besens ab¬ gedreht. und der Alle hatte denselben mit den starken Zähnen in seine Ele¬ mente zerlegt. _ Eduard Härte r. Köln, 31. März 1884. Unser zoologischer Garten hat einen außergewöhnlich großen Zu¬ wachs erhalten, zusammen ca. 120, meistens seltene Tiere, darunter einzelne, die hier zum ersten Male jetzt zu sehen sind. Wir führen u. a. an : eine Löwin, einen schwarzen Panther, zwei nordamerikanische Stachelschweine, schwarze Baribalbären aus Kanada, ein Wasserschwein, 13 verschiedene Affen, eiuen sardinischeu Muflon. An Vögeln: einen weißköpfigen Seeadler aus Nordamerika, ein Paar Moyellon-Karakora , drei verschiedene Hokkos aus Amerika, ein Paar Hauben-Perlhühner, verschiedene Fasanen und eine große Anzahl neuer Papageien. In der letzten Zeit wurden im Garten geboren: drei Axishirsche, eine Säbel-Antilope, ein sardinischer Muflon und ausgebrütet drei schwarze Schwäne. D. Gronen. Berlin, 12. April 1884. Uber die Nasen milbe der Kegel robbe ( Halarachne Halichoeri Allman). Als ich vor einigen Wochen den Kopf einer alten männlichen Kegelrobbe (Haliehoerus grypus ), welcher mir von der Insel Vilm (im Rügenschen Bodden) im vollen Fleische zugeschickt war, präparierte, entdeckte ich zuerst in den Choanen, dann auch auf den Schleimhäuten des mittleren Teils der Nasenhöhle eine große Menge von eigentümlichen A rach nid en, welche teils zeckenartig in den Schleimhäuten festhingen, teils auf denselben umherkrochen. Außer ihnen fanden sich auch noch etwa ein Dutzend Ascariden als parasitische Bewohner der Nasenhöhle des Haliehoerus. Bei weiterer Untersuchung erkannte ich, daß die erwähnten Arachniden zu den Milben gehören und mit den Ixodiden manche Ähnlichkeit zeigen, sowie daß die frei umherkriechenden sechsbeinigen Exemplare als Larven der grösseren, aclitbeinigen, zeckenartig festhängenden Form zu betrachten seien. Zur näheren Bestimmung der Gattung, resp. Art wandte ich mich an meinen Kollegen, Herrn Dr. Kar sch hierselbst, den bekannten Entomologen, welcher sehr schnell in den von mir gefundenen Milben die von Allman im Jahre 1847 besi hriebene Halarachne Halichoeri erkannte. Bei einer specielleren Vergleichung der von Allman (Annals of. Nat. Hist. 1847, p. 48 tf.) gelieferten, mit Abbildungen versehenen Beschreibung konnte ich mich selbst von der specifischen Übereinstimmung überzeugen. Merkwürdigerweise scheint Halarachne Halichoeri seit 1847 nicht wieder wissenschaftlich konstatiert zu sein; auch ist in deutschen Handbüchern meistens nicht einmal ihr Name zu findeu. Ich erlaube mir deshalb, hier kurz auf meinen Fund aufmerksam zu machen, indem ich mir Vorbehalte, an einer anderen Stelle weitere Mitteilungen über Anatomie und Biologie dieser eigentümlichen Milbe zu publizieren. Prof. Dr. Nehring. 187 Feldrom, 12. April. Vor einiger Zeit machte mir ein Freund die Mitteilung, daß sich in der Nähe von Schölmar in Lippe ein weißer Häher herumtreibe. Heute schreibt mir derselbe Freund, daß der Vogel an einem Flügel durch einen Schuß leicht verwundet, sich iu seiner Hand befinde und fügt die Beschreibung bei. Der Häher ist sehr schön gezeichnet. Der ganze Körper ist schmutzig weiß, die größeren Schwungfedern der Flügel schwarz, braun und weiß gefleckt, die Schwanzfedern teils weiß, teils schwarz mit blauweiß schimmernden Kanten Die blauen Federn an den Flügeln schön ausgebildet. Die Beine ganz hell, ebenso das Auge fast weiß. Falls der Vogel am Leben bleibt, wird er an irgend einen Zool. Garten abgegeben werden. H. Schacht. M i s c e 1 l e ii. Ein junges Walroß in Gefangenschaft. Mit l Abbildung. In der letzen Sitzung der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin sprach Dr. Hermes über das Walroß, das im berliner Aquarium drei Monate lang ausgestellt war. Es ist das erste, welches längere Zeit iu Gefangenschaft gehalten worden ist, und daher zu genaueren Beobachtungen Gelegenheit gab. Der Be¬ sitzer, Herr Farini in London, erhielt es vor 5 Monaten, zeigte es zuerst in London und sodann in Berlin. Das Alter des Tieres mag sich auf etwa ein Jahr belaufen. Es wurde nämlich im Oktober 1883 in der Davisstraße als Säugling bei einem harpunierten Walroß gefunden und als willkommene Beute von den Matrosen an Bord des Dampfers »Polynia« gebracht. Hier erhielt man es durch Fütterung mit geschabtem frischem Fischfleisch, das es saugend verschluckte. Die früher lebend nach England gebrachten Walrosse gingen binnen kurzer Zeit in Folge der ihnen gereichten ungeeigneten Nahrung zu Grunde. Man hielt sie irrtümlicher Weise für Pflanzenfresser, zu welcher Meinung die öfter im Magen gefundenen Seetange Veranlassung gegeben hatten, die indessen zufällig mit der eigentlichen Nahrung verschluckt waren. Das Tier hat sich in den 3 Monaten seines berliner Aufenthaltes außer¬ ordentlich entwickelt. Es ist um das Doppelte schwerer geworden, was er¬ klärlich ist, wenn man berücksichtigt, daß es täglich anfangs 20 dann 30 Pfund frische Schellfische oder Dorsche zu sich genommen und jetzt auch mit50Pfund nicht zufrieden ist. Mit Rücksicht auf diesen ungeheuerlichen Appetit läßt sich ermessen, wie große Massen kleiner Seetiere täglich von den zahlreich im Eismeere vorkommeudeu Walrossen vertilgt werden. Das Gewicht des Walrosses beträgt jetzt 85 Kilo. Die beiden Eckzähne des Oberkiefers, welche sich zu den wertvollen Walroßzähnen entwickeln, haben bereits nach einmonatlicher Gefangenschaft das Zahnfleisch durchbrochen, sind indessen heute äußerlich noch nicht sichtbar. Im Unterkiefer befinden sich an jeder Seite drei Backenzähne. Während des Zahnens hat das Tier drei Wochen lang nicht die geringste Nahrung zu sich genommen, so daß der 188 Besitzer ernstlich für sein Leben fürchtete, das mühsam durch Einflüßen von Leberthran erhalten wurde. Der unangenehme Geruch, den das Tier verbreitet, macht es unmöglich, es dauernd in geschlossenen Räumen zu halten. Unser Walroß bringt länger außerhalb des Wassers als in demselben zu. Nachts schläft es auf dem Trockenen. Auf dem Lande kann es sich recht schnell und ziemlich geschickt fortbewegen, wobei es sich auf die Flossenfüße stellt, deren bewegliche Ilandenden sich bei den Vorderflossen seitlich nach vorne biegen. Eine 189 erstaunliche Intelligenz zeichnet das Walroß aus. Es dürfte kein Tier geben, das mit solcher Schnelligkeit abzurichten ist. Meist war eine Beschäftigung von wenigen Minuten ausreichend, ihm kleine Kunststücke beizubringen. Sein Wärter, ein Mulatte, versteht dies übrigens auch meisterhaft. Seitdem das Walroß sich in Gefangenschaft hefindet, wird es von diesem Wärter gepflegt, an den es eine erstaunliche Anhänglichkeit besitzt. Es versteht seine Stimme und erkennt ihn schon aus weiter Ferne, wenn er für es noch unsichtbar ist, au seinem Gange. Ihm folgt es auf dem Fuße, auch außerhalb des Behälters und es ge¬ horcht ihm auf das Wort. Auf einen Wink des Wärters stellt es sich an das Gitter des Behälters und wirft mit der rechten Vorder flossenliaud dem Publi¬ kum Kußhände zu, dabei einen eigentümlich pruschenden Ton von sich gebend, eine Begrüßung, welche niemals die heitere Wirkung verfehlt. Sodannn folgt das Walroß dem Wärter zu einem beweglichen, etwas hoch angebrachten Brette, mit dem eine Klingel in Verbindung gebracht ist. Dieses Brett bewegt es mit der rechten Vorderflosse so oft und so lange, als der Wärter es ver¬ langt. So wie der nur englisch redende Mulatte ihm zuruft: »ring the bell«, setzt es die Glocke in Bewegung. Folgt das Kommando: »lay down«, stellt sich tot. Sagt er ihm: »go away and corne back», geht es die schiefe Ebene der hölzernen Brücke welche zum Wasser führt, herunter und kehrt zu dem ohen stehenden Wärter zurück. Auf Kommando besteigt es den Stuhl, klettert auf weiteres Zureden auf die Lehne desselben, wirft dem Publikum wieder Kußhände zu und schlägt mit der rechten Vorderflosse ein an der Stuhllehne befestigtes Tambourin. Es steigt herunter und feuert einen Revolver in der Weise ab, daß es an einer am Abzug befestigten Schnur mit dem Maul zieht und selbst bei oft absichtlichem Versagen dies so oft wiederholt, bis der Schuß gefallen. Bei dem Ruf »go in water«, gleitet es auf der schiefen Ebene der hölzernen Brücke in das Wasser, das es auf das Kommando »beat the water« mit beiden Vorderflossen zu schlagen beginnt. Es rollt eine hölzerne Walze mit der Schnauze und apportiert einen ihm hingeworfenen Schwamm. Diese kleinen Kunststückchen brauchen indessen nicht in derselben Reihenfolge statt¬ zufinden, es führt eben zu jeder Zeit das aus, was ihm befohlen wird. Nach jedem Akt erhält es — wie die dressirten Pferde ein Stück Zucker — ein Stück Eisch als Belohnung und während der sich wohl 20 Mal täglich wieder¬ holenden Vorstellung findet eine dauernde Unterhaltung des Wärters mit dem Tier statt. Er nennt es dog oder boy und das Walroß antwortet auf jede An¬ rede mit ähnlichen, an einen Bauchredner erinnernden Tönen, zieht diese sogar länger, wenn die Anrede mit dear dog oder dear boy erfolgt. Für jeden Tier¬ freund, insbesondere aber für jeden das Leben der Tiere beobachtenden Natur¬ forscher muß dieses Walroß das höchste Interesse erregen. Es zeigt in erstaun¬ licher Weise, welch einen das ganze Wesen veredelnden Einfluß die dauernde Beschäftigung des Menschen selbst auf solche Tiere auszuüben vermag, welche nie zuvor in ihrer Wildheit gestört worden sind.4) *) Das Walroß ist dasselbe, das im Monat Mai 1884 auch im hiesigen zoologischen Garten gezeigt wurde und sowohl durch das erstmalige Auftreten eines derartigen Tieres in einem zoologischen Garten als auch durch seine überraschende Gelehrigkeit großes Auf¬ sehen erregte. N. 190 Fledermaus am Tage. Es ist gewiß ein höchst seltener Fall, daß man am Tage und noch dazu heim hellen Sonnenschein, eine Fledermaus um¬ herfliegen sieht; mir ist es wenigstens nur zweimal in meinem Lebeu vorge¬ kommen. Einmal schritt ich au einem heißen Sommermittage durch einen hohen Fichtenbestand, als ich zwischen deu vorderen Baumreihen, woran eine große Heidefläche grenzte, eine Fledermaus munter umherfliegen sah. Mehr als einmal verließ sie den Schatten des Waldes und flog auf die Heide, an¬ scheinend mit dem Fange von Insekten beschäftigt. Nachdem sie dies eine Weile fortgesetzt hatte, rastete sie am Stamme einer Fichte in einer Höhe von etwa 2 m über dem Erdboden. Ich schlich mich näher heran, um sie ge¬ nauer in Augenschein zu nehmen, doch machte sie sich sofort wieder auf und verschwand im Dickicht. — Ein andermal ging ich an einem hellen Nach¬ mittage in der Nähe eines Baches, der mit Erlen und Weiden bewachsen war, spazieren. In der Nähe standen einige Wohnhäuser. Plötzlich kam von den Häusern her eine Fledermaus, anscheinend V. pipistrellus oder noctula , und stellte über dem Spiegel des Wassers im Schattendunkel der Bäume ihre Jagd an. Nachdem sie hier eine Zeitlang ihrem Fange obgelegen hatte, strich sie vom Bache hinweg, umflog das Dach eines Hauses und ließ sich dann oben auf der First nieder, wo sie sich festsetzte. H. Schacht. Geburten in dem Jahre 1883: 2 Grißly-Bären, Ursus horribilis. 3 Waschbären, Procyon lotor. 2 Mähnenschafe, Ovis tragelaphus. 1 Yak, Bos grunniens. 3 Damhirsche, Cervus dama. 1 Edelhirsch, Cervus elaphus. 1 Axishirsch, C. axis. 1 Schweinshirsch, C. porcinus. 3 Ponies, Equus caballus. 17 Säugetiere. Garten zu Cincinnati im 22 Wellenpapageien, Melopsittaciis un- dulatus. 3 Bandfinken, Amadinci fasciata. 9 Goldfasanen, Thaumalca picta. 7 Amhersts-Fasanen, Th. amherstiae. 5 Bastarde zwischen Goldfasanhenue und Bastardhahn von Gold- und Amhersts-Fasan. 45 Silberfasaneu , Euplocamus nycthe- merus. 1 japanischer Fasan, Phasianus versi- color. 9 Waldenten, Aix sponsa. 10 kanadische Gänse, Bernicla cana- densis. 111 Vögel. Zoologischen Die wilden Büffel im Territorium Dakota sind der Schrecken dev Telegraphen-Gesellschaften. Sie reiben sich so lange an den Pfählen — oft auf viele Meilen in der endlosen Prairie das einzige Holz — bis dieselben Um¬ stürzen und der Verkehr gestört ist. D. Gronen. 191 Litterat u r. Die Wirbeltiere Deutschlands in übersichtlicher Darstellung von Prof. Dr. Hub. Ludwig. Mit 64 Holzschnitten. Hannover. H a h n 'sehe Puch¬ handlung 1884. 8°. 200 Seiten. Als Auszug aus der Synopsis des Tierreiches, begründet von Leonis, neu bearbeitet von Ludwig, ist hier eine Aufzählung der deutschen Wirbel¬ tiere geboten. Die einheimischen Gattungen sind bei jeder Ordnung in Be- stinunungstabellen zusammengestellt und ebenso sind die Arten der species- reichen Sippen behandelt. Dann folgt die Beschreibung der Arten, so daß diese leicht bestimmt werden können. Vollständigkeit ist bis auf die Seefische geboten, die nicht alle aufgeführt sind. Das Buch wird gewiß vielen will¬ kommen sein; als ein Mangel muß es aber bezeichnet werden, daß bei keinem Tiere der Fundort angegeben ist. Derselbe wird ja jeder Etikette in den Sammlungen beigefügt, weil er zur Vollständigkeit gehört, und erleichtert das Bestimmen selbst oft wesentlich. Der Name eines Fisches z. B. ist stets leichter zu finden, wenn man von vornherein weiß, ob er dem süßen Wasser oder dem Meere angehört. N. Die Reptilien Kur-, Liv- und Estlands von Oskar von Loewis Riga. N. Kymmel. 1884. 8°. 62 Seiten. In recht hübscher Schilderung sind in dem Büchlein die Reptilien der drei Ostseeprovinzen Rußlands dargestellt. Freilich ist deren Zahl eine ge¬ ringe, da es sich nur um 7 Arten handelt: die Sumpfschildkröte, Cistudo lu- taria, die Zauneidechse, Lacerta agilis , die Wieseneidechse, L. vivipara, die Blindschleiche, Anguis fr agilis. die Kreuzotter, Bipera berus, die Riugelnatter, Tropidonotus natrix , und die Schlingnatter, Coronella laevis. Um so eingehen¬ der kann die Belehrung ausfallen, die, wie der Verf. an dem Beispiele der Blindschleiche zeigt, für die baltische Bevölkerung noch sehr nötig zu sein scheint, und daran hat es der unseren Lesern wohl bekannte Verfasser auch nicht fehlen lassen. Das schön ausgestattete Büchlein wird sicher auch außer¬ halb der Ostseeprovinzen seine Freunde finden. N. VII. Jahres bericht (1882) des Ausschusses für Beo bachtungs - Stationen der Vögel Deutschlands. Sep. Abdr. aus Cabanis Journal für Ornithologie 1884. Naumburg a. S. G. Pätz. 1. Jahresbericht (1882) des Komitees für ornithologische Be¬ obachtungs-Stationen in Österreich und Ungarn. Redigiert von Victor Ritter von Tschusi zu Sch m i d hoff en. Wien. Oruithologischer Verein 1883. Es ist höchst erfreulich und verdient die Unterstützung aller Freunde des Faches, daß sowohl in Deutschland wie in Österreich- Ungarn das Leben und Treiben der Vögel systematisch an möglichst viel Orten beobachtet wird und daß diese Beobachtungen gesammelt und nach bestimmten Gesichtspunkten 192 geordnet herausgegeben werden. Wie manche Frage über das Vorkommen der Vögel ist noch zu beantworten und wie wenig Sicheres wissen wir eigent¬ lich noch über die Wanderungen dieser Tiere. Die fortlaufend ausgegebenen Berichte versprechen demnach mit der Zeit höchst schätzbares Material zur genauen Kunde der heimischen Vogelwelt zu liefern. Die in allen Teilen der genannten Länder gewonnenen Beobachter senden — in Deutschland an Dr. R. Blasius iu Braunschweig, in Österreich an den »Ornithologischen Verein« in Wien oder an Victor Ritter von Tscliusi- Schmid hoffen auf Villa Tännenhof bei Hallein — ihre möglichst genauen Notizen ein über das Vorkommen der in ihrem Gebiete auftretenden Vögel, über ihren Aufenthaltsort, ihre Häufigkeit, ihr Verbleiben in der Gegend oder ihren Wegzug, über den Tag der Ankunft und des Abzugs, ebenso aber auch über Art und Verlauf des Brütegeschäfts und was sonst noch Auffallendes be¬ merkt worden ist. Beide Berichte — der österreichische ist zum ersten Male separat ausge¬ geben worden, — zerfallen iu einen allgemeinen Teil, in welchem Notizen über Lokalitäten, aus welchen Berichte kommen, sowie über den Charakter des Beobachtungsjahres :c. gegeben werden, und in einen speciellen. In letzterem werden die einzelnen Vogelarten aufgeführt und die über dieselben eingelaufenen Notizen beigefügt. Die gewonnenen Resultate sind oft von weitgehendem Interesse, und so möchten wir wünschen, daß vogelkundige Leute, wie Förster, Jagdfreunde, Lehrer auf dem Lande u. s. w. sich recht eifrig an dem Unternehmen be¬ teiligen wollten. N. Eingegangene Beiträge. Dr. E. R. in L.: Der Aufsatz ist gern angenommen, die Abbildung wird ausgeführt. — Th. N. in B. : Besten Dank. — E. H. in A.: Derartige Notizen über das Seelenleben der Tiere, wenn sie wie die eingesandte auf eigner nüchterner Beobachtung beruhen, sind uns stets sehr willkommen. — L. B. in R : Gern benutzt. — L. M. in B. (Schweiz): Die gewünschten Hefte der früheren Jahrgänge kann ich ihnen nicht besorgen. Die Verlagshandlung wird dieselben gern abgeben, wenn dadurch nicht ganze Jahrgänge zerrissen werden. — Dr. H. in B.: Mit Dank erhalten. — W. F. in A.: Angenommen, obgleich auch Ihre Mitteilung die vielerörterte Frage noch offen läßt. — M. B. in D. — L. M. in St. — Bücher und Zeitschriften. Th. Kitt. Die Vorgeschichte des Pferdes. Separ.-Abdr. Österreich. Monatschrift für Tier¬ heilkunde. Prof. Dr. M. Braun, Beiträge zur Kenntnis der Fauna baltica. 11 Die Land- und Süss- wassermollusken der Ostseeprovinzen. Dorpat. Höppe und Karow. Leipzig. K. F. K öh le r 1884. C. Cronau. Die Fasanen, ihre Pflege und Aufzucht. Mit 4 Tafeln. Straßburg. K. J. T r ü b n e r 1 884. G Hl k , Prof. Dr. F. C. Noll. Die Naturgeschichte des Menschen nebst Hinweisen auf die Pflege der Gesundheit. Mit 1 Farbentafel u. 94 Holzschnitten. Breslau. Ferd. Hirt 1884. 1 Mk. Nachdruck verboten. Druck von Mahlau & Waldschmidt. Frankfurt a. M Zeitschrift für Beobachtung, Pflege und Zucht der Tiere. Herausgegeben von der „Neuen Zoologischen Gesellschaft“ in Frankfurt a. kJ. Redigiert von Professor Dr. F. C. Noll. Verlag von Mahlau & Walds cbm idt in Frankfurt a. M. N.. 7. XXV. Jahrgang. Juli 1884. Inhalt. Ein neuer Durchlüftungs-Apparat für Aquarien-, von Dr. E. Key in Leipzig. (Mit einer Abbildung). — Texas und seine Tierwelt; von H. Nebrling. (Fortsetzung.) — Schwarze Eichhörnchen; von Oskar von Loewis. — Die Tierpflege des Zoologischen Gartens zu Hamburg; von dem Inspektor W. L. Sigel. (Schluß.; — Bericht über den Zoologischen Garten zu Dresden über das Geschäftsjahr vom 1. April 1882 bis 21. März 1883. — Korrespon¬ denzen. — Miscellen. — Litteratur. — Eingegangene Beiträge. — Bücher und Zeitschriften. — Ein neuer Durchlüftungs-Apparat für Aquarien. Von Dr. E. Hey in Leipzig. (Mit einer Abbildung.) Soll ein Aquarium seinen Zweck erfüllen, sollen Tier und Pflanze gedeihen zur Freude des Liebhabers oder als Material für die Studien des Forschers, so ist eins der notwendigsten Erfordernisse eine zweck¬ entsprechende Methode der Luftzuführung, weil ohne dieselbe das Wasser bald durch faulende Substanzen verunreinigt und zur weiteren Benutzung untauglich wird. Es bleibt dann nichts weiter übrig, als das Wasser möglichst oft zu erneuern, was nicht nur zeitraubend und unbequem ist und für Tiere und Pflanzen ungemein störend wirkt, sondern demjenigen, welcher sein Augenmerk der höchst in¬ teressanten, eine Fülle von Unterhaltung und Belehrung bietenden Pygmäenwelt der Polypen, Bryozoen, Infusorien etc. zugewendet hat, eine erfolgreiche Beobachtung gradezu unmöglich macht. Da die Luftzuführung einen doppelten Zweck erfüllt, indem sie erstens dem Wasser die gelöst gewesene verbrauchte atmo¬ sphärische Luft wieder zuführt und zweitens der ganzen Wassermasse eine, wenn auch schwache, zirkulierende Bewegung erteilt, so ist es erforderlich, daß die Luft dem Wasser in vielen, möglichst kleinen Bläschen zugeführt wird und daß diese Zuführung eine konstante ist. Zoolog. Gart. Jabrg. XXV. 1884. 13 194 So weit ich nun die Apparate, welche diesen Zwecken dienen sollen, von der einfachen, aber sinnreichen Bunsen’schen Luftpumpe bis zu jenen komplizierten und kostspieligen Maschinen, bei denen eine aufgezogene Feder den Kolben in einem Cylinder herabdrückt, um die Luft zu komprimieren und zum Eiuströmen in das Aquarium zu zwingen, versuchsweise anzuweuden Gelegenheit hatte, mußte ich immer die unangenehme Erfahrung machen, daß sie entweder einen zu schwachen oder ungleichmäßigen Druck ergaben, zu kurze Zeit wirkten oder sonstige Ubelstände mit sich brachten, welche mich bald zwangen, von ihrer weiteren Verwendung Abstand zu nehmen. Ich wurde dadurch gezwungen, mir selbst einen Durchlüftungsapparat zu konstruieren, und da derselbe sich seit einigen Jahren bei mir und bei mehreren befreundeten Liebhabern von Zimmeraquarien, welche ihn nach meinen Angaben zur Verwendung brachten, als in jeder Beziehung zweckentsprechend bewährt hat, überdies sich für weuige Mark herstellen läßt, so hoffe ich doch, diesem oder jenem Aquarium-Besitzer einen kleinen Dienst zu leisten, wenn ich diesen Apparat weiteren Kreisen zugänglich mache. Das Prinzip, welches dabei zur Verwendung kam, ist kurz folgendes: Aus einem Reservoir A (vgl. die Abbildung) fließt Wasser direkt oder durch einen Heber 5 in eine 2 — 3 Meter tiefer stehende luftdicht verschlossene Flasche mit zweimal durchbohrtem Kork. Das zufließende Wasser komprimiert die Luft in der Flasche und treibt dieselbe in das Aquarium. Ist die Flasche voll gelaufen, so preßt man mit dem Doppelgebläse G durch das Tsttick I Luft hinein, die das Wasser wieder in das Reservoir zurücktreibt. Als Reservoir dient jeder Topf, eine Flasche oder ein Zink¬ blechkasten von etwas größerem Inhalte als die Flasche, welche etwa 8 — 12 Liter fassen muß. Es empfiehlt sich, die Flasche so zu wählen, daß der Hals nicht zu weit (etwa 3 — 4 Centimeter) und nicht nach unten verjüngt ist. Man durchbohre dann einen guten, möglichst porenfreien, weichen Kork zweimal mit dem Korkbohrer oder einer Rundfeile, tränke den Kork mit geschmolzenem Paraffin, führe zwei über den Schmelzpunkt des Paraffins erwärmte Glasröhren von ent¬ sprechender Weite in die gebohrten Löcher so ein, daß dieselben nach beiden Seiten 2> — 3 Centimeter über den Kork hinausrag-en, befestige dann mit einem Stückchen Gummischlauch an dem einen Röhrchen eiu Glasrohr so, daß dasselbe, wenn der Kork eingeführt ist, etwa l/2 Centimeter über dem Boden der Flasche mündet. Nun erwärme man den Hals der Flasche durch beständiges Drehen in 195 horizontaler Lage über einer Flamme vorsichtig so lange, bis ein Stückchen Paraffin, welches man daran hält, sofort schmilzt, drücke dann den paraffinierten Kork in den Hals der Flasche und halte ihn so lange fest, bis das an dem erwärmten Flaschenhalse ge- A B Wassergefäße. C Doppelgebläse. 1 'J' stück am Glas. 2 Kautschukrohr , aus dem die Luft¬ blasen in das Aquarium F steigen. •?, 4 Quetschhähne. 5 Glasrohr als Heber dienend. C> Korkpfropf, zweimal durchbohrt. 7 Stückchen Kautschukrohr. schmolzene Paraffin des Korkes fest geworden ist. Dann befestigt man an demjenigen Röhrchen, welches nach dem Boden der Flasche führt, den Gummischlauch, welcher die Verbindung mit dem Reser- 196 voir hersteilen soll, und au dem anderen Röhrchen einen zweiten Schlauch, der an irgend einer, je nach der Stellung des Apparates, handgerechten Stelle durch ein Tstück (von Messingrohr) unter¬ brochen wird und die Luft nach dem Boden des Aquariums führt. Die Einführung dieses Luftweges in das Aquarium geschieht am besten durch ein passend gebogenes Blasrohr, welches in ein Stückchen Gummischlauch ausläuft. Dieser Schlauch wird am Ende luftdicht verschlossen und oberseits bei 2 mit einer feinen Nadel vielfach durchlöchert, bis, wenn der Apparat in Thätigkeit ist, die Luft in ganz kleinen Bläschen perlend austritt. Durch kleine Ände¬ rungen der Lage, Aufdrücken etc. läßt sich die Größe der aus¬ treten den Bläschen wesentlich modifizieren. An den dritten Schenkel des Tstückes wird ein Gummischlauch befestigt, an diesen wieder ein Glasrohr und hieran schließt sich erst das Doppelgebläse. Es ist dies darum nötig, weil, nachdem die Flasche voll gelaufen war, folgendermaßen operiert werden muss: Der Quetschhahn 4 wird geschlossen, der bei 3 dagegen geöffnet und nun mit dem Gebläse Luft nach JB gedrückt, bis der Wasser¬ stand zu einer bestimmten Marke, deren Höhe (3 — -4 Centimeter über dem Boden der Flasche) durch Versuche bestimmt werden muß, ge¬ sunken ist, dann schließt man den Quetschhahn 3, nimmt das Ge¬ bläse von Blasröhrohen ab, um die Luft aus dem Gummiballon zu lassen und öffnet nun den Quetschhahn 4. So umständlich nun diese Operationen auf den ersten Blick er¬ scheinen mögen, so einfach und bequem führen sie sich in Wirklichkeit aus, und es genügt das einmalige Heraufdrücken des Wassers, um das Aquarium — je nach Größe der Flasche und der Austrittsöffnungen bei 2 — zwei- bis viermal vierundzwanzig Stunden mit einer vollständig genügenden gleichmäßig andauernden Durchlüftung zu versehen. Selbstverständlich müssen alle Verbindungen bei diesem Apparate absolut luftdicht sein, und es läßt sich dies bei der Verbindung von Kork und Glas durch Paraffin und bei der Befestigung der Schläuche an den Röhren durch mehrmaliges festes Umwickeln mit gut geglühtem Messingdraht leicht erreichen. Daß die zur Verwendung kommenden Glasröhren an den Enden rundgeschmolzen werden müssen, versteht sich vou selbst. Sollte jemand bei der Anlage, weil er in solchen Dingen etwa wenig bewandert sein sollte, auf Schwierigkeiten stoßen, so wird jeder Chemiker oder Physiker ihm leicht darüber hinweg helfen. Über die weitere Einrichtung des Aquariums selbst werde ich ein andermal* meine Erfahrungen mitteilen. 197 Texas uiul seine Tierwelt. Von H. Nehrling. (Fortsetzung.) Als ich am 4. März 1879 nach Texas kam, begab ich mich zunächst in’s Hochland, nach Austin. Zwei alte bekannte Käfig¬ vögel, nämlich Spottdrossel und Kardinal begrüßten mich bei meiner Ankunft von allen Seiten. Nirgends zeigte sich jedoch die halb¬ tropische Vegetation, wie ich sie erwartet und wie sie von manchen Reisenden und gedankenlosen Zeitungsschreibern geschildert worden war. Nur einige Yuccas oder Palmenlilien und verschiedene Kakteen drückten dem Landscbaftsbilde ein fremdartiges Gepräge auf. Nicht anders wurde der Eindruck, als ich bald darauf in die Region des wellenförmigen Hügellandes kam. Nirgends zeigte sich die strotzende Fülle und Üppigkeit der Flora Wisconsins, nirgends fand ich unter den vielerlei bunten Blumen Ersatz für das die nördlichen und östlichen Wälder zierende duftende Maiblümchen (Epigaea repens), für das Wintergrün und die vielen Farnkräuter. Dagegen erinnerte aller¬ dings das sogenannte »spanische Moos« ( Tillandsia usneoides ), eine Epiphyte, welche in dichten Büscheln von den Bäumen herabhing, an die Tropen. Die Magnolien, der Kirschlorbeer und eine prächtige immergrüne Schlingpflanze, der Karolinojasmin , und Palmettos geben der Küstengegend einen leichten halbtropischen Anstrich. Doch wurden meiue Erwartungen auch hier in Wirklichkeit auf ein sehr bescheidenes Maß herabgedrückt. Auch die Tierwelt, mit Ausnahme der Amphibien und Insekten, zeigt durchaus kein tropisches Gepräge. Wenn ich es unternehme, im engen Rahmen dieser Arbeit einen Teil der Pflanzeu und Tiere aufzuzählen, so geschieht dies nicht, um ein auch nur einiger¬ maßen vollständiges Verzeichnis zu geben, sondern nur um den allgemeinen Charakter, das Auffallende in groben Umrissen zu skizzieren. Die großen Säugetiere sind der schnell voraugescbrittenen Civilisation schnell gewichen. Die ungeheueren Büffelherden, welche einst jeden Herbst vom Norden herabkamen und die weiten gras¬ reichen Prairieen bevölkerten, sind vollständig verschwunden. Jetzt erinnert man sich ihrer nur noch durch einige Namen von Ort¬ schaften und Wasserläufeu. So heißt die Bayou, an welcher die schnell aufblühende Stadt Houston liegt, Buffalo-Bayou ; ebenso er- 198 innert uns das mexikanische Wort Cibolo (Büffel) und Cibolo-Valley au die früher bis hierher vorgedrungenen Bisonherden. Gegen¬ wärtig finden sich die Büffel nur noch zahlreich im ausgedehnten Yellowstonegebiete und in der Gegend des Saskatschawan in Britisch¬ amerika. Ich berühre diesen Gegenstand nur deshalb, weil noch immer hie und da in Zeitungen die Nachricht auftaucht, daß die Büffel noch jetzt bis in’s nördliche Texas südlich wanderten. Noch 1867, als Theodor Kirchhoff die westlichen Prairieen mit der Postkutsche durchreiste, nahm es volle zwei Stunden in Anspruch, um durch die dichtesten Heerscharen der Büffelarmee hindurch zu passieren und während weiterer zwei Stunden kam er bei Tausenden von Seitenschwärmen vorüber. Alte Ansiedler in Texas erzählen, daß sie während ihrer Reisen durch die Prairieen oft tagelang die Büffel¬ herden in Sicht gehabt hätten. Verwilderte Pferde, in Texas Mustangs genannt, durch¬ streiften früher zu Tausenden die Prairieen, sind jetzt aber nur noch in kaum nennenswerter Anzahl im südöstlichen Teile von Texas vorhanden. Es sind kleine, kräftig gebaute, sehr ausdauernde Tiere und stammen ohne Zweifel von den Pferden ab, welche die Spanier zur Zeit der Eroberung Mexikos mitgebracht hatten. Die meisten Pferde, welche man noch heute in Texas sieht, stammen von diesen Mustangs ab. Noch in großer Anzahl trifft man, selbst in den besiedelteren Teilen von Texas, den virginischen Hirsch ( Gervus virginianus). Auf der grasreichen Houstonprairie, zwischen Hampstead und Hou¬ ston sah ich oft ganze Rudel weiden und noch häufiger fand ich ihn an der West-Yegua. Wenn ich einsam den Wald durch¬ wanderte, trabten oft Rudel von 10 bis 12 Stück im Gänsemarsch an mir vorüber. Hirschbraten war damals sehr oft auf meinem Tische. Aber auch diese schönen Tiere werden innerhalb eines Jahrzehnts nur noch in der Erinnerung der Ansiedler existieren. Während des Sommers hallt durch diese sonst friedlichen Wal¬ dungen fast täglich das Jagdhorn des umherstreifenden, von einer Meute räudiger, halbverhungerter Bluthunde begleiteten eingeborenen Texaners. Während die deutschen und aus dem Norden gekomme¬ nen Ansiedler im Schweiße ihres Angesichts arbeiten, lungern diese fast nur von Maisbrot lebenden, in elenden Blockhütten wohnenden rauhen Gesellen oft scharenweise zu Pferde im Walde umher und morden mit der ihnen eigenen Leidenschaft erbarmungslos, was ihnen von Wild in den Weg kommt. Das Geheul der Bluthunde, 199 derselben Sorte, welche einst zum Aufsuchen entlaufener Neger¬ sklaven gebraucht wurde, hallt einem fortwährend in den Ohren. Von d en erlegten Hirschen wird gewöhnlich nur ein kleiner Teil, von alten Böcken gar nichts mitgenommen; das übrige wird den Aasgeiern überlassen. Es bestehen wohl Gesetze zum Schutze dieser Tiere, aber jedermann fürchtet sich, die Übertreter derselben anzu¬ geben. Da die Hirsche auch sehr oft den Süßkartoffel- oder Bata¬ tenfeldern einen Besuch .abstatten, so werden auch viele von den Ansiedlern erlegt. In den noch wenig besiedelten Prairiegegenden des texanischen Nordwestens trifft man noch hie und da die schnellfüßige Gabel¬ antilope ( Antilocapra americana ), der »Savannen Gazelle«, wie sie Theodor Kirchhoff in einem schönen Gedichte nennt. Durch die immer weiter westlich vordringenden »Squatters«, Jäger, und die ihnen nachrückenden Pioniere und Ansiedler wird auch dieses schöne Tierchen bald vertrieben werden. Von wilden Tieren hat man in Texas nichts mehr zu fürchten. Bären ( Ursus americcinus ), die früher überall in den Waldgegen¬ den anzutreffen waren, kommen heute nur noch in den großen Kieferwaldungen des Ostens und ganz im Westen vor. Dagegen sind Wölfe besonders in der Pfosteneichenregion noch sehr zahl¬ reich. Als ich einsam in der Wildnis an der West-Yegua wohnte, hörte ich sehr oft des Nachts das Geheul der Prairie wölfe oder Coyotes ( Canis latravs). Sie wagten sich besonders im Winter bis dicht an das einsam im Walde stehende Haus, und bei meinen Streifereien sah ich sie oft einzeln und in kleinen Gesellschaften. Man nennt sie fast allgemein Coyotes. Dieser mexikanische Name stammt von dem aztekischen Worte »coyotl«, welches der »Wolf oder der Hund der Prairieen« bedeutet. Sie sind sehr schlau und lassen sich nur sehr selten bis auf Schußweite nahe kommen. In Schafherden und unter jungen Schweinen richten sie oft großen Schaden an. Auch an neugeborene Kälber wagen sie sich nach meinen Erfahrungen oft. — Der graue Wolf (G. occidentalis var. rufus ) ist ziemlich selten; doch wurden nicht allzuweit von meiner Wohnung in fast undurchdringlichem Dickicht mehrere Junge dieser Art getötet. — Füchse sind sehr selten. Nur einmal sah ich auf den Knobs (Bergen) bei Serbin einen toten silbergraueu, etwas rötlich angeflogenen Vulpes fulvas var. argentatus. In den großen Waldungen der Flußniederungen, wo sich aus¬ gedehnte Dickichte und fast undurchdringliche Rohrwälder finden, 200 ferner in den Cypressensümpfen und Kiefern Waldungen findet man noch hie und da mehrere Katzenarten. Am häufigsten ist in den östlichen Teilen wohl noch der Rotluchs (Lynx rufus var. macu- latus Aud. & Boch) gewöhnlich »wilde Katze« genannt. Er lebt von Hasen, wilden Truthühnern, Mäusen und in der Nähe des Menschen auch von Geflügel. Das weiche dichte Fell ist sehr ge¬ schätzt und bringt einen guten Preis. Eine wunderschöne, noch hie und da vorkommende Katze ist der Ocelot ( Felis pardalis L.) die »Pantherkatze« der Ansiedler. Früher war sie ziemlich zahl¬ reich, jetzt wird nur noch selten eine erlegt. Sie bewohnt die Dickichte der Flußufer und Sümpfe und scheint noch in den Ge¬ birgsgegenden am zahlreichsten zu sein. Ich sah mit diesem Fell prächtig verzierte Kriegskleider der Comanches. — Im Westen von Texas findet sich noch hie und da der Jaguar ( Felis onca h.), der »Tigre« der Mexikaner. Nächst dem Grizzlibär ist er das ge- fiirchtetste und mutigste Raubtier Amerikas. Das Tier ist jetzt so selten, daß wohl kaum ein Naturforscher Gelegenheit haben wird, das Freileben desselben genügend zu studieren. Dasselbe gilt von dem Puma ( Felis concolor L.) , den man auch Kuguar und Panther nennt; die Mexikaner nennen ihn »Leon«, woraus das Wort »amerikanischer Löwe« entstanden ist. Noch hie und da schießen Indianer und besonders glückliche Jäger einmal eins dieser Tiere und verkaufen das Fell für einen hohen Preis au Pelzhändler. Häufig findet man, namentlich in dem Pfosteneichenwalde, das Gerippe des Peccari {Dicotyles torquatus Cuv.), des »mexikanischen Schweines«, wie es die Farmer nennen. Alle älteren Ansiedler er¬ zählen, daß es noch vor etwa fünfzehn Jahren zahlreich gewesen sei. Trotz des starken Moschusgeruches ist das Fleisch doch häufig gegessen worden. Es soll, wenn gleich nach der Erlegung des Tieres die Moschusdrüse herausgeschnitteu wurde, ganz dem Fleische des gewöhnlichen Schweines ähnlich gewesen sein. Wegen der Schärfe der starken Hauer waren verwundete Tiere sehr gefürchtet. Nicht nur die Jäger selbst, sondern auch die stärksten Hunde er¬ griffen vor einem verwundeten Tiere schleunigst die Flucht. Ich habe trotz eifriger Nachforschungen nicht in Erfahrung bringen können, ob das Bisamschwein noch nördlich vom Rio Grande angetroffen wird. An letzterem Flusse kommt es noch zahlreich vor, ist aber so scheu, daß es nur noch selten gesehen wird. Die amerikanische Zibethkatze (j Bassaris astuta Licht.), ein zierliches Tierchen von der Größe der Hauskatze, ist noch in 201 allen bewaldeten und bergigen Gegenden von Texas vorhanden. Da es aber nur nachts auf Raub ausgeht, am Tage aber in irgend einem hohlen Baume sich verborgen hält, so hält man es für seltener als es ist. Beim Fällen der Bäume findet man es in der Re^el noch am häufigsten und es ist dann so wenig scheu, daß man es mit dem Stocke erschlagen kann. Vögel, kleine Säugetiere und wahrscheinlich auch Schlangen und Eidechseu sind seine Nah¬ rung. — Die Zibethkatze läßt sich, jung eingefangeu, leicht zähmen und verrichtet dann die Dienste der Hauskatze. Auch ein Wiesel (Putorius frenatus Aud. & Boch.) ist mancher¬ orts beobachtet worden; doch habe ich selbst nie eins gesehen. Sehr zahlreich ist noch in allen Teilen von Texas der Wasch¬ bär ( Procyon lotor Storr.), der »Raccoon« der Anglo-Texauer. Dieser drollige, immer heitere Gesell wurde oft von mir bei meinen Streife¬ reien beobachtet. Ich sah ihn Vogelnester plündern, reife Wein- traubeu herabholen, das gerade in Milch stehende Welschkorn seiner Hülle entkleiden, an Bächen auf Fische lauern u. s. w., und alle seine Bewegungen hierbei geschahen mit einer wirklich bewunde¬ rungswürdigen Geschicklichkeit. Wenn man allein, ohne Hund und Schießwaffe in sein Revier kommt, so zeigt er sich keineswegs scheu, ist man aber von einem Hunde begleitet, so springt er mit Blitzes¬ schnelle auf den nächsten Hochbaum. Er ist ein überaus kluges und schlaues Tier, das wohl zwischen Freund und Feind unter¬ scheidet. Durch das Plündern zahlloser Vogelnester wird er sehr schädlich; auch in Maisfeldern und unter Geflügel richtet er großen Schaden an. Gefangene Waschbären werden sehr zahm und zu¬ traulich, wenn man sie frei herumlaufen lassen kann, an der Kette dagegen sind sie in der Regel mürrisch und wissen vor Langweile nicht, was sie anstellen sollen. Als ich im April 1882 ein Nest mit fünf Jungen in einem hohlen Baumstamme au der West-Yegua fand, entschloß ich mich, eins der etwa sechs Wochen alten Jungen aufzuziehen. Das muntere Tierchen gewöhnte sich ohne Schwierig¬ keit an Milch und eingeweichtes Brot, nahm späterhin auch Fleisch, Kartoffeln, Bataten und andere Nahrung an; wenn es satt war, kroch es in seinen Kasten, worin sich ein weiches Lager von Baumwolle befand. Es gewöhnte sich an den Namen »Schupp« und kam sogleich gelaufen, wenn ich es rief. Die Kinder spielten mit ihm wie mit einem Kätzchen, und es ließ sich alles Liebkosen und Schmeicheln gerne gefallen. Wenn ich in den Garten oder Wald ging, so folgte es mir wie ein Hündchen. Je größer es wurde, 202 je größer und unangenehmer wurde auch seine Dreistigkeit. Während des Essens kletterte es schnell und geschickt auf den Tisch und suchte einen guten Bissen zu annektieren. In alle Töpfe und Kannen guckte es, und mit wunderbarer Schnelligkeit verschwand es oft im Innern eines Milchtopfes. Wärme liebte es sehr und nicht selten kroch es unbemerkt zu den Kindern iu’s Bett. Seine Zu¬ traulichkeit, seine stete Beweglichkeit, sein affenartiges Benehmen machten es zu einem sehr anziehenden Geschöpf. Leider zeigten sich auch nur zu offen seine bösen Eigenschaften immer mehr und mehr. Weuu ich einen Vogelkäfig herab nahm, so zeigte es sich sofort als Raubtier: Wie eine Katze sprang es auf den Käfig zu und suchte des Gefangenen habhaft zu werden. Im Garten riß und biß es das Laub meiner kostbaren Amaryllideen ( Pancratium , Hippe¬ astrum , Crinum u. s. w.) ab; als sich junge Hühnchen zeigten, fing es diese geschickt mit einem Sprunge und biß sie tot; im Hause richtete es allerlei Unfug au u. s. w., sodaß ich endlich ge¬ nötigt war, es abzuschaffen. — Wenn man den prächtigen Holz¬ schnitt in Br eh ms »Tierleben« ansieht, so sollte man glauben, Herr Maler Gustav M fitze 1 habe den Waschbär in seinen heimatlichen Wäldern beobachtet und gemalt. Gerade so wie auf dem Bilde dargestellt, sieht man ihn oft in dem texanischen Walde. (Fortsetzung folgt.) Schwarze Eichhörnchen. Von Oskar von Loewis. Im Juui 1879 teilte ich den Lesern des Zoologischen Garten mit, daß »in Livland niemals schwarze Eichhörnchen gefunden worden seien«, sondern daß des Sommers über »alle Eichhörnchen — meines Wissens nach ohne jede Ausnahme — fuchsrot« erschienen. — Des¬ gleichen schrieb auch Middendorff seiner Zeit (pag: 816): »Mir sind keine schwarzeu Eichhörnchen aus dem flachen europäischen Rußland bekannt, wohingegen von Siebenbürgen an westwärts über die Gebirgszüge des mittleren Europa’s fortlaufend bis an den At¬ lantischen Ocean hin schwarze Eichhörnchen Vorkommen, obgleich nirgends so ausschließlich wie in manchen Gegenden Sibiriens.« — Kein Museum baltischer Lande war bisher imstande, auch nur einen Ausnahmefall von dieser Regel aufzuweisen ; weder geschrieben noch mündlich war von einer stark verdunkelten Färbung, wenn auch 203 nur eines einzigen Eichhörnchens irgend etwas überliefert worden. Middendorf f’s und meine spätere Behauptung erschienen unbe- zweifelbar fetstehend zu sein. — Auch noch im Nord-Ural und in Südwest-Sibirien sind die Sommer¬ kleider der Hörnchen stets nur rötlich gefärbt; erst ostwärts vom rechten Ufer des Jenissei au tritt die braunschwarze oder beinahe ganz schwarze Farbe mehr oder weniger auf, bis sie östlich vom Stanowoi-Gebirge und am Amur die allein herrschende wird, indem das Rot gänzlich zurücktritt. — Der Akademiker Dr. Leopold von Schrenck schreibt hierüber: »Das Sommerfell der Eich¬ hörnchen im Amur-Lande scheint vorherrschend von dunkelbraun- schwarzer oder beinahe ganz schwarzer Farbe zu sein. — Rote Eich¬ hörnchen, deren es im Amur-Lande vermutlich eben so selten und ausnahmsweise , wenn nicht noch seltener wie an der Küste des Oehotskischen Meeres bei Ajan welche geben mag, habe ich nicht gesehen.« — Nach Müller sollen die schwärzesten Eichhörnchen im Ner- tschinsker-Gebiete zu linden sein, während L. von Schrenck nach eingehenden Vergleichsstudien den Schluß zieht, »daß das Eichhörnchen des Amur-Landes zu den schwärzesten der bisher bekannten Varietäten gehört.« Dieses gilt auch vom Winterfell, welches in Oberhaar und Wolle stark schwarz gespitzt erscheint, während es im europäischen Rußland bekanntlich weißliche Endspitzen zeigt. — In den Hochalpen und in Italien erinneren ich mich, fast aus¬ schließlich nur das schwarze Sommerkleid gesehen zu haben. — In Skandinavien sollen die schwarzen Eichhörnchen sehr selten, eigent¬ lich mehr nur als Ausnahmen, gefunden werden. — Gloger gab 1833 den Prozentsatz für das Vorkommen der schwarzen Eichhörnchen in Oberschlesien auf circa 20°/o an. — In Mitteldeutschland scheint nach Professor Dr. K. Th. Liebe in Gera die schwarze Sommerfärbung mehr und mehr der roten zu weichen und sich meist auf die Berglande zurückzuziehen. Dieser ausge¬ zeichnete Forscher und fleißige Gelehrte schrieb vor einigen Jahren, daß noch in den Vierziger Jahren im sächsischen Voigtlande und in Südost-Thüringen »etwa ein Dritteil der Hörnchen ein schwarzes Gewand trug,« und dass diese schwarzen Sommerkleider sich im Winter in einen auffallend »dunkeln , grauen Winterpelz mit schwarzem Schweif und schwarzroten Ohrbüschelu« verwandelten. — Vielleicht waren diese dunkleren Winterpelze auch schwarzge¬ spitzt wie in Ostsibirien? — Blasius schreibt endlich pag 274 : 204 »In Körperbau und Lebensweise weichen die italienischen, im ganzen die schwarzen Eichhörnchen in nichts von unseren gewöhnlichen ab. Nur die Verbreitung dieser Varietät scheint eine be¬ sondere Aufmerksamkeit zu verdienen, da man schwarze Eichhörnchen vorzugsweise in Gebirgsgegenden, in den Alpen, im schlesischen Gebirge und im Harz beobachtet hat. In vielen Gegenden der Alpen und des Harzes kommen sie sogar häufiger vor als die roten.« — Ich wünsche hiermit die »besondere Aufmerksamkeit« aller Leser unserer Zeitschrift auf die geographische Verbreitung der schwarzge¬ färbten Eichhörnchen und das Vorkommen schwarzer, schwarzgrau¬ rötlicher und fuchsroter Schwänze bei rötlichen Eichhörnchen, auf das Verhalten der Geschlechter der Färbung, und letzterer den ört¬ lichen Ölfrucht - Nahrungsmengen gegenüber zu lenken, und bitte um baldige Veröffentlichung etwa früher gemachter Beobachtungen. — Kommen schwarze Sommerkleider östlich von der Weichsel, der Oder, oder der unteren Elbe vor? Wurden sie auf Rügen, in Dänemark oder auf den dazu gehörigen Inseln bemerkt? Wie steht es mit der Schwarzfärbung des Hörnchens in Griechenland, Spanien, England und Irlaud? Ist die Zunahme dieser Melanismen zum Atlantischen Oceau hin eine stetige, d. h. schließlich alleinherrscheude, wie z. B. in Italien und auf Sicilien? Wie überrascht und auch ungläublich ich im vergangenen Sommer bei meinem erstmaligen Besuch der Insel Ösel (d. 5. Kreis Livland’s) den Mitteilungen der häufig von mir ausgeforschten Jäger lauschte, als sie wiederholt und mit großer Bestimmtheit erzählten, sie hätten nicht selten des Sommers über ganz schwarze Eichhörnchen ange¬ troffen und auch auf der zu Estland gehörigen Insel Dagden (Dagö) solche noch häufiger gesehen, kann man sich nach dem Oberwähnten leicht denken. - — Nachdem ich einen größeren Ausflug quer durch die circa 40 Kilometer breite und 80 Kilometer lange Insel und längs der Nord- und Westküste, wie auch einige kleinere an der Siidkiiste gemacht, und auf diesen, wenn auch überhaupt nur wenige, aber immer deutlich rötliche Eichhörnchen erblickt hatte, wuchs mein Zweifeln nunmehr zu naheliegendem Unglauben. — Ich ersuchte mehrere Herren um Beschaffung beweisender Exemplare resp. Zusendung solcher an¬ geblich schwarzer Höruchen. — Mein Unglaube ist heute in Glauben verwandelt worden, denn vor mir liegt soeben ein schwarzbräunlicher, an den Extremitäten und der Kreuzgegend sogar maulwurfsschwarzer Balg eines in den 205 letzten Julitagen russischen Stils unweit der Westküste Ösels ge¬ schossenen Eichhörnchens, dessen Schwanz aber nur zum Ende hin tief schwarz erscheint, während er sonst eine untermischt graue, braune und schwärzliche Farbe bei schön schwarzen Haarspitzeu zeigt, und dessen braunschwarze Ohren nur sehr geringe Pinselbildungen be¬ sitzen. — Diesen durch seinen Fundort höchst interessanten Balg sende ich umgehend als eiustweiliges Unikum der Sammlung des Dorpater Naturforscher- Vereins zum Ausstopfen und Ausstellen ein. Wie aber konnte das Vorkommen eines so in die Augen fallenden wenn auch möglicherweise nicht allzu häufigen, immerhin den ört- liehen Jägern bekannten Melanismus der wissenschaftlichen Welt in den Baltischen Provinzen resp. Rußlands bisher unbekannt bleiben? Die insulare Lage Ösels durfte und konnte doch der Forschung kein entschuldigendes Hindernis bieten. Fehlten der ansehnlichen Insel Zoologie treibende Männer? Sollte der bekannte Entoinolog General Baron von Nolckeu aus Ösel diese der Veröffentlichung ungemein wertvolle Thatsache übersehen oder über seinen erfolgreichen süd¬ amerikanischen Schmetterlingsjagden dieses Naheliegende in der Heimat einer wenigstens weiteren Kreisen zugänglichen Kritik zu unter¬ ziehen vergessen haben? — Für die ösel’sche Vogel weit, Reptilien etc. hatte doch der sehr gelehrte General wiederholt anerkennenswertes Interesse bethätigt. Wie erklärt sich nun dieser sporadisch auf der Insel Ösel resp. Dagden vorkommende Melanismus der Hörnchen? — Die Berge d. h. eine bedeutende Höhe über dem Meer sollen nach Ansicht vieler Forscher den Melanismus fördern. Die Fauna der Hochalpen bringt bekanntlich viele Beweise dafür. — - Ösel erhebt sich aber nur wenige Fuß über die Meereshöhe; an einem einzigen Punkte, der sogenannten Mustel’schen Pauk, einem stumpfwinkligen Landvorsprunge wird eine Höhe von circa 100 Fuß erreicht. Sehr ölhaltige Nahrung und große Luftfeuchtigkeit, in Ostsibirien die Nähe des Meeres sollen das Dunkelwerden des Pelzes befördern. So schreibt auch mein berühmter Landsmann Middendorff im An¬ schluß an die bereits citierten Worte: »Ist es in der Tliat die ölige reichliche Nahrung an den Zem- ber-Nüssen*), der wir diese Duukeluug zur Last legen dürfen? gleich wie Singvögel (Dompfaffen und Stieglitze) endlich einfarbig schwarz *) Arve, Zirbelkiefer, Pinus cemhra L. 206 werden, wenn man sie mit öligem Gesäme ernährt. Ich mag das wohl wahr hatten, da die schwarzen Eichhörnchen in der That so ziemlich mit der Verbreitung der Zembern zusammen fallen.« (Es war nur von Sibirien die Rede ; in Italien geben die öligen Pinien¬ kerne ein fast gleiches Futter ab, wo bekanntlich nur schwarze Hörn¬ chen gefunden werden). Warum aber kommt der Melanismus im Nord-Ural, wo die Zembern ungemein häufig sind, die Höhe beträchtlich und die Luft¬ feuchtigkeit recht groß ist, nicht vor? Die direkt maßgebenden Ursachen für die Schwarzfärbung aufzufinden, scheint denn doch nicht so leicht zu sein. Auch Rad de behauptet ganz entschieden den Zusammenhang der dunkeln Färbung mit dem Vorkommen »der Zirbelkiefern und der großen Luftfeuchtigkeit, welche dieselben verlangen.« Der Akademiker Dr. L. v. Schrenek hat wiederholt darauf hingewiesen, daß in Ost-Sibirien die dunkeln und schwarzen Farben an den Küstengegenden zunehmen und im allgemeinen vorherrschend sein dürften, und speciell über die Hörnchen nachstehendes geschrieben: »Am schlechtesten endlich und von rötlicher Färbung soll das Nußeichhörnchen (russ. orjechoivaja bjellm) sein, dessen Nahrung aus Haselnüssen und dergl. besteht. Ich teile diese Ansicht be¬ obachtender Jäger deshalb mit, weil sie gewiß mit vielem Rechte dem Einflüsse der Nahrung auf die Färbung der Eichhörnchen große Rechnung trägt, wie solches ja auch an anderen Tierarten durch direkte Beobachtungen erwiesen ist. Dennoch vermag sie nicht, uns die allmähliche, von West nach Ost stattfindende Zunahme an Schwärze am Eichhörnchenfelle zu erklären. Gewiß dürften daher neben den Nahrungsbedingungen auch andere physische und namentlich klimatische Verhältnisse dabei im Spiele sein.« Aber welche? Auffallend — und ebenso unerklärlich ist auch die Zunahme der schwarzen Hörnchen in Europa in der nahezu umgekehrten Richtung, nämlich nach Südwesten zu, bis in Italien das Schwarz alleinherrscheud wird, wie auch der gänzliche Mangel des Melanismus zwischen dem Jenissei und der Weichsel! — und noch mehr das soeben konstatierte sporadisch unvermittelte Auftreten in Ösel und Dagden ! — Im Jahrgang 1867 unserer Zeitschrift schrieb der Apotheker G. Brucklacher über Hühner und andere Vögel folgende Ansicht pag. 275 nieder: »Dunkle Färbung und Gesundheit gehen Hand in Hand, und je einfacher die Nahrung, desto eher tritt der Mangel 207 an Farbe und ein helleres bis weißes Kleid auf« uud weiter: »je verschiedenartiger die Nahrung, um so dunkler die Farbe.« Das Winterhaar der roten Eichhörnchen hat weißliche Spitzen , der sommerschwarzen Hörnchen aber schwarze Enden. — Man fand aber in demselben Neste, von derselben Mutter gesäugt bereits schwarze und rote Hörnchen gleich stark, gleich lebenskräftig und munter bei¬ sammen. Es hält schwer aus dem Gebotenen einen »richtigen Vers« zu machen. Es liegen uns nach allem Obigen nicht weniger als vier ver¬ schiedene Gründe, die aber dennoch nicht genügen, für das Schwarz¬ werden der Hörnchen vor : 1. Geb irgsh öhe. 2. Reichtum an Ölfrüchten. 3. Große Luftfeuchtigkeit und 4. wenigstens für Ostsibirien zweifellos gültig, die Meeresküste. Was bedingte • • •• aber in Osel die schwarze Färbung? Auf Osel finden sich unsere Haselnüsse ungewöhnlich häufig vor, aber keine Zirbelnüsse etc. In Sibirien sind aber die Nußhörnchen im Sommer rötlich, während in Ösel ein Teil schwarz sein soll. — Der Haselnußstrauch bildet auf • • Osel in den meisten Waldungen das gemeine Unterholz, alle Weg¬ ränder, Zäune, viele Viehtriften sind davon besetzt und geben reiche Nußerträge. Die Eichhörnchen dürften dort vom August bis in den Wintersanfang fast ausschließlich von Nüssen ihr Leben fristen. Vielleicht mehrt auch unser Meeresgestade die dunkleren Farben¬ pigmente mancher Tierarten? Nirgends fand ich z. B. so viele sammetschwarze Kreuzottern, wie in feuchtgriindigen Laubwaldungen an unserer livländischen Küste; auch erschienen mir die Kröten und Eidechsen am Strande etwas dunkler als im Binnenlande gefärbt zu sein. (?) Mir »kam es vor,« als ob die Sperlinge in Ösel und im wasser- umspülten, meeresnahen Riga ein dunkleres Grau zeigten, als sonst gewöhnlich, was aber bei den rigaschen Spatzen meist mit vermehrtem Rauch, Staub und anderen großstädtischen, dunkelfärbenden Schmutz¬ stoffen in allerdings naheliegenden Zusammenhang gebracht wurde. Ich denke, im rauchschwangeren London werden die Spatzen auch etwas rußig ausseh en.*) Wie sich nun das Verhältnis der schwarzen zu den roten Sommer¬ kleidern bei den Ösel’schen und Dagö’schen Hörnchen stellen mag, wäre sehr interessant zu erfahren; die Lösung dieser Frage könnte eine dankbare Ferienaufgabe für einen fleißigen Studenten der Zoologie *) Vgl. Jahrg. XVII. 1877, S. 65. 208 werden. Einstweilen hoffe ich, daß es bei Einsendung nur dieses einen schwarzen Exemplares sein Bewenden nicht haben dürfte. Bei dem Dunkel, welches noch über die geographische Ver¬ breitung und die maßgebenden Ursachen der Schwarzfärbung herrscht, drängen sich uns unwillkürlich manche Fragen auf, deren teilweise Lösung möglich werden könnte: z. B. 1. Ist das schwarze Sommerkleid die ursprüngliche Farbenform? 2. Geht sie gleichzeitig mit dem Reichtum an Ölfrüchten überall zurück, verdrängt die Kultur die Schwarzfärbung? 3. Verteilt sich das schwarze Sommerhaar auf beide Geschlechter überall ganz gleich, wo beide Farben zusammen auftreten? 4. Ist die Nahrung, die geographische Lage, die Feuchtigkeit oder Berglage mehr beeinflussend; welche Ursachen noch? 5. Sind die schwarzen Schwänze baltischer, vorzugsweise männ¬ licher Hörnchen vielleicht Reste früherer allgemeiner Schwarz¬ färbung ? 6. Kommen schwarze Schwänze bei rotem Haar etwa in Ost¬ preußen, Pommern etc. noch vor — oder sonst wo ? Die Tierpflege des Zoologischen Gartens zu Hamburg. Von dem Inspektor W. L. Sigel. (Schluf3). VII. Eine nervöse Tigerin. Nach Auszügen aus meinem Tagehuche. 1882. Juni 3. Am 27. Mai a. c. erhielten wir von Herrn Chr. Jamrach, London, eine erwachsene zahme Tigerin, welche uns durch ihr selt¬ sames Gebahren recht viel zu schaffen macht. Man hat es hier mit einem Geschöpfe zu thun, über dessen Zustand man sich faktisch keine Klarheit zu schaffen vermag. Schon in dem Herauslassen des Tieres aus dem Transportkasten in die betreffende Zelle unsres Raubtierhauses lag; etwas Auffälliges, denn erst nach längerem Widerstreben ermannte sie sich, das dunkle enge Gelaß mit der geräumigen hellen Wohnung zu vertauschen. Kaum hatte sie deren Schwelle überschritten, als sie mit einem Satze in eine hintere Ecke des Käfigs flog und sich, scheu überall um- sehend aber vorzugsweise den Blick auf die Oberlicht-Dachung rieh- 209 tend, unter einem anhaltend heftigen Kauchen auf dem Boden niederkauerte. Es schien kaum einem Zweifel zu unterliegen, daß die Neu- envorbene in diesen höchst erregten Gemütszustand nur durch das Ungewohnte der ihr völlig fremden Umgebung versetzt worden war, und wir waren daher überzeugt, unser Tier werde sich schon nach wenigen Stunden heimisch fühlen und damit seine Ruhe wiedererlangen. Da beabsichtigt wurde, die Tigerin günstigenfalls schon am nächsten Tage, dem ersten Pfiugsttage, mit dem in der Nachbarzelle befindlichen Männchen zusammen zu lassen, so hatte man den beiden alsbald Gelegenheit gegeben, sich durch ein vor die Schieberöffuung der Trennungswand angebrachtes Gitterwerk kennen zu lernen. Das Männchen begrüßte seine neue Gefährtin sofort mit einem traulichen »for for«, und es lag in diesen Lauten das Willkommensein zur Genüge ausgesprochen; diese aber, wenngleich sie sich dem Gitter auch einige Male näherte, blieb, in ihrer Affektion verharrend, jeder sympathischen Regung ferne. Wider Erwarten hatte sich am nächsten Morgen in dem Wesen der Tigerin noch nichts geändert, und die Sache mußte jetzt, wo sie das Maß des Erklärlichen überschritt, wirklich einige Bedenklich¬ keit erregen. Das heftige oberflächliche Atmen, wobei der Rachen halb geöffnet war und die Zunge aus diesem herabhing — wir zählten 70 bis selbst 100 Atemzüge in der Minute — der gesträubte Pelz, das apathische Verhalten der angeboteneu Nahrung gegenüber, das häufige Wasserschlappen — alles dieses waren Erscheinungen, denen in der Regel nichts Gutes zu Grunde liegt. Hierzu kam noch eine erstaunliche Schreckhaftigkeit, denn jedes plötzlich hervorgerufene Geräusch, beispielsweise verursacht durch das xAufziehen eines Zellen¬ schiebers, das Zuschlägen eines Fensters und dgl. ließ das Tier in sich zusammen fahren. Dem Schrittgeräusche herannahender, ihr noch unsichtbarer Personen lauschte sie, den Körper lang ausdehnend, mit gespanntester Aufmerksamkeit. Dahingegen unterließ sie es wiederum nicht, sich fleißig zu putzen, behaglich zu strecken oder auf dem Fußboden umherzuräkeln. Ferner ließ sie sich augenschein¬ lich gerne streicheln und krauen, indem sie den ihr Nahenden durch Anlehuen und Reiben des Kopfes und Rumpfes an dem Gitter förm¬ lich dazu aufforderte. Auch der Gesichtsausdruck war ein solcher, wie er nur gesunden Tieren eigen zu sein pflegt. Um der Rätselhaften einstweilen möglichste Schonung angedeihen zu lassen, schaffte man sie in die nächst gelegene Wurfzelle, eine Zoolog, Gart. .Talirg. XXV, 1884, 14 210 Räumlichkeit, die durch Thürverschluß dem Publikum verschlossen gehalten und überdies, indem sie nur durch ein paar seitlich ange¬ brachte hochgelegene Fenster den Tag empfing, auch nicht so stark beleuchtet war, wie die durch Oberlicht erhellten, zur Schau stehen¬ den Käfige. Gerade das letztere galt uns von besonderer Wichtig¬ keit, da es schien, als wenn dem Tiere die Lichtfülle ein Dorn im Auge wäre. Dieses Verfahren zeigte sich als ein probates, denn als wir unsrer Tigerin nach einigen Stunden des Alleinseins eineu Besuch abstatteten, ließ sich schon eine erhebliche Verminderung der Atem¬ züge konstatieren. Am folgenden Tage, den 29. Mai, nahm sie, einen Teil des ihr vorgelegteu Fleisches verzehrend, zum ersten Male bei uns Nahrung zu sich, doch geschah es erst dann, als sie sich unbeobachtet sah. Nachdem sie fünf Tage lang ununterbrochen in der Wurfzelle verweilt, hatte sich ihr Befinden, welches freilich noch keineswegs ein zufriedenstellendes genannt werden dürfte, doch soweit gebessert, daß man heute (Juni 3.) wiederum daran denken konnte, sie mit dem ihr auch hier nahe gebrachten Männchen zu vereinigen, hieran die Hoffnung knüpfend, daß das Zusammenleben schließlich einen wohlthuenden Einfluß auf die Gemütsstimmung der Tigerin haben würde. Der die beiden Verwandten von einander getrennt haltende Schieber wurde, um das Weibchen nicht zu erschrecken, äußerst vorsichtig gelüftet, doch nur bis zu einer solchen Höhe, daß sich die Tiere zwar beriechen aber nicht zu einander gelangen konnten. Doch auch dieses Mal stand der gewünschten Vereinigung das Betragen der Angsterfüllten entgegen, denn unmittelbar nach der Begegnung mit dem Männchen zog sie sich fauchend unter dem sich wieder einstellenden heftigen Flaukenschlagen mit einem Sprunge an das entgegengesetzte Ende ihrer Zelle zurück. Juni 4. Das auffalleude Benehmen der Tigerin dauert an. Heute Nach¬ mittag, wo sie in den Käfig neben der Geburtszelle versetzt war und somit dem Publikum wieder zu Gesicht stand, zog die Art und Weise ihrer Bewegungen selbst die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich. Sie befand sich zu der Zeit, wo ich sie beobachtete, fast beständig im Gange. Während des immer nur kurz andauernden Biegens wurde der Schwanz des öfteren auf und nieder bewegt. Die Atmung war heftig — wir zählten wieder 72 Züge in der Minute. 211 Ein mehrfach wiederholtes Schlenkern mit dem Kopfe und dem einen oder dem anderen Hinterbeine, ferner das zeitweilige schonende Auftreten mit dem linken Hinterfüße beim Wiederaufstehen, das In- dieluftschnappen mit dem Maule, sowie das Ausholen mit der Tatze, gerade als wenn sie nach umherschwärmenden Insekten hasche, trugen nur dazu bei, die Aufregung des Tieres um so stärker her¬ vortreten zu lassen. Als man ihr die Geburtszelle wieder zugängig machte, flüchtete sie eiligst in diese hinein. In der Abgeschlossen¬ heit wurde sie bald erheblich ruhiger. Die heutigen Beobachtungen waren hinreichend gewesen, unsre Vermutung, daß dem Tiere ebensowohl das Oberlicht wie auch der Verkehr mit dem Publikum unleidlich waren, zu bestätigen. Eine fernere Isolation hatte aber keinen Zweck, da unter den obwaltenden Umständen dadurch nichts zu erreichen war. So wurde denn be¬ schlossen, das Tier für die Folge durch den täglichen, wenn auch nur kurzen Besuch des Schaukäfigs allmählich an die Hindernisse zu gewöhnen. Juni 5. Die Tigerin frißt heute Morgen sofort ihre Fleischration in unser m Beisein auf. Ihr Zustand ist immer noch ein sehr gereizter. Sie will die Wurfzelle durchaus nicht verlassen und fährt den sie dazu bewegen wollenden Wärter mit einem starken Gebrüll an. Hernach kauert sie sich knurrend in eine hintere Ecke des Käfigs nieder. Der kräftige Ton ihrer Stimme gewährt uns' eine freudige Überraschung, da hiermit ein Zeichen gegeben war, daß die Atmungs¬ organe nicht gelitten hatten. Im Laufe des Nachmittags wagt sie es doch noch, und zwar ungezwungen, den Nebenkäfig einige Male zu betreten. Juni 0. Während sich die Tigerin im Laufe des Morgens, wo sie über Geburtszelle und Schaukäfig freiwillig verfügen konnte, verhältnis¬ mäßig gut machte, traten am Nachmittage, als ihr die Zuflucht zu ersterer einstweilen genommen wurde, die bekannten Erscheinungen wieder ein. Das Ziehen der Scheidewandschieber belästigt sie eben¬ falls in einem hohen Grade. Das arme Geschöpf wird dadurch förmlich außer sich. Als der Wärter heute Abend den zu der Geburtszelle führenden Schieber plötzlich hochstellte, da wandte sie dem beliebten Aufenthaltsorte entsetzt den Rücken, doch rasch wurde uuserm Wunsche dadurch Folge gegeben, daß man den entgegengesetzten Schieber des Schaukäfigs rührte. 212 Juni 7. Heute Mittag wird die Tigerin zum ersten Male in einen der Außeukäfige gelassen. Die Verbindung mit dem inneren Raume wird dem Tiere nicht abgeschnitten, so daß es also nach Belieben aus- uud einwandern kann. Der dunklen Eisenblech-Bedachung der Außenzelle muß man es entschieden zu gute halten, daß sich das Tier hier im Freien, trotz gegebener Neuerung, weit ruhiger ver¬ hält, als erwartet wurde. Die in schräger Richtung dem Raubtier¬ bause gegenüber untergebrachten Kamele bleiben eine Zeit lang Gegenstand ihrer Beobachtung. Am Abend begiebt sich schließlich unser Tier beim bloßen Andeuten zum Ziehen des geeigneten Schie¬ bers mit gewohnter Schnelligkeit in den Innenraum hinein. Juni 13. Heute mittag fand, nach einer mehrtägig gestatteten Annäherung durch das den Trennungsschieber ersetzende Gitterwerk, endlich das Zusammenlassen der viel besser gewordenen Tigerin mit dem Männchen statt. Letzteres, welches sogleich die Zelle des Weibchens betrat, kam dieser mit größter Zärtlichkeit, ein fortwährendes »for for« ausstoßend entgegen, doch wurden ihm die Gunstbezeugungen seitens seiner Schönen übel verlohnt, denn im Liegen verharrend wies sie jede Berührung, ihn anfauchend, energisch ab. Der Tiger zeigte ob solcher Behandlung nicht die geringste Unzufriedenheit und begnügte sich vorläufig damit, den Urin des Weibchens unter dem diesen Tieren bei solchem Geschäfte eigenartigen Grinsen ein¬ gehend zu beschnüffeln. Dann streckte es sich auf dem Fußboden nieder, ohne gegen sie noch weitere Zeichen von Aufmerksamkeit zu verschwenden. Jetzt wurde, um in die Scene eine Veränderung zu bringen, der zu dem Außenkäfige führende Schieber aufgestellt. Dem vorangehenden Tiger folgte alsbald das Weibchen nach, doch da jener auch hier bei erneuerten Anträgen eine gleiche Abfertigung wie vorhin erfuhr, so zog er sich sehr bald wieder in den inuern Raum zurück, den er, der Ruhe pflegend, für heute auch nicht wieder verließ. Trotz aller widersprechenden Anzeichen mußte unsrer Tigerin der Gesellschafter doch recht gut gefallen haben, denn nach einer Weile des Umherstolzierens in dem Sommerkäfige hielt sie es eben nicht für überflüssig, sich einige Male nach ihm umzusehen. Ver¬ geblich seiner Wiederkunft wartend, wanderte sie nun gleichfalls in den Innenkäfig hinein, woselbst sie dem Verschmähten gegenüber, diesen in zuthnnlicher Weise fast beständig anschauend, Platz nahm. Für die Nacht hielten wir die Tiere vorläufig wieder getrennt. 213 Juni 21. Unsere Tigerin darf man jetzt, da sieb seit mehreren Tagen nichts weiter Auffälliges in ihrem Wesen zu erkennen gegeben, als eingewöhnt betrachten. Die Atmung, 14 bis 16 Züge in der Minute bei ruhigem Liegen, ist durchaus befriedigend. Allerdings vermögen gewisse Erscheinungen immer noch das Blut des einmal von Haus aus lebhaften und leicht erregbaren Geschöpfes in Wallung zu bringen, doch da solche lediglich in die Kategorie des Außergewöhn- liehen versetzt werden müssen, so dürfen sie hier, wo es eben nur gilt, das Tier nach alltäglichen Verhältnissen zu beurteilen, nicht weiter veranschlagt werden. Eine solche exeeptionelle Erscheinung bildete beispielsweise ein kleiner Wagen, in dem sich am gestrigen Nachmittage eine kränk¬ liche Dame umherfahren ließ. Als unsere nunmehr in einem der großen Eckzwinger hausende Tigerin des sich nähernden Fuhrwerkes o o v o ansichtig wurde, fuhr sie plötzlich, in gewaltigen Sätzen den weiten Raum umkreisend und das Sandgedecke desselben in einer starken Welle vor sich her schleudernd, mit erhobenem Schwänze unter fort¬ währendem Gebrüll auf den Gegenstand ihrer Wut los. Sobald der Wagen stille stand, kehrte sie zu ihrem früheren im Hintergründe des Zwingers erwählten Ruheplatze, in sprungbereiter Lage auf diesem verharrend, zurück, doch als jener, solange er sich noch im Gesichts¬ kreise der Tigerin befand, nur von der Stelle gerührt ward, wieder¬ holten sich ihre Angriffe vou neuem. VIII. Über Fütterung des Vielfraßes, Gulo borealis Nilsson. Die drei Vielfraße, welche in unserm Garten vertreten waren, haben sich auffallender WTeise mit der Pferdefleischfütterung nicht vertragen wollen. Bei dem zuletzt erworbenen, der im Jahre 1878 hier eintraf und über dessen Lebensweise ich aus eigener Erfahrung sprechen kann, beobachteten wir, daß er nach einem 7 tägigen Füttern mit Pferdefleisch den Appetit verlor und wiederholt schaumig schleimige Massen auszuwerfen begann. Die Annahme, daß die Ursache des Erbrechens lediglich auf die nicht geeignete Nahrung zurückzuführen war, fand darin Berechtigung, daß wir auch an seinen beiden Vor¬ gängern dieselben Erscheinungen, bei diesen noch mit Durch¬ fall begleitet, wahrgenommen hatten. Wie bei den letzteren erwies sich auch bei jenem in der Folge die Fütterung mit Hammel- 214 fleisch — per Tag 1|-2 ß — , dem zuweilen in Kalb- oder Ochsen-Fleisch eine Abwechslung gegeben wurde, und neben diesem einige Scheibchen mit Milch durchtränktes Weizenbrot, sowie etwas Frucht, als eine zweckmäßige, da wir hinfürder ähnlichen Fällen nicht mehr begegneten. Während dem Leben der beiden ersten Vielfraße nach 8^2, resp. 43/4 jährigem Verweilen in unserm Garten ein Ziel gesetzt wurde, hatten wir uns des Besitzes unsres letzten Exemplares nur etwa 23/4 Jahre zu erfreuen. Das sonst prachtvolle und jederzeit muntere Tier war leider zu Krampfanfällen geneigt und hat in einem solchen ein jähes Ende gefunden. IX. Geburten der Elenantilopen, Taurotragus orecis Pall. Am 8. Mai 1882 gegen Mittag brachte unsre 6jährige, im Garten geborne Elenantilope ein kräftiges Junges, ihren Erstling, zur Welt, welches alsbald eitrigst bemüht war seinen Nahrungsquell aufzusuchen. Trotzdem nun die Mutter dasselbe in der erforder¬ lichen Weise gereinigt hatte, trotzdem ihr strotzendes Euter einen allen Anforderungen genügenden Milchvorrat versprach, weigerte sie sich dennoch standhaft, ihr Gehörn als Abwehr benutzend, dem Verlangen des Jungen nachzukommen. Da sich nach einer vierstündlichen Beobachtung die Alte noch ganz konstant in ihrem absonderlichen Betragen verhielt, so sahen wir uns genötigt, dieselbe vermittelst Festhaltens zur Annahme ihres Jungen zu zwingen. Von mehreren Leuten ergriffen, wurde unter anderem der Kopf des starken Tieres dadurch in eine sichere und ruhige Lage gebracht, daß die Schnauze auf der Schulter eines Mannes ruhte, welcher gleichzeitig mit gekreuzten Armen die Hörner gefesselt hielt. Der im Stehen gehaltenen Kuh leitete mau alsdann das Junge au das Euter, an dem es sich jetzt unbeanstandet erlaben konnte. In zweistündlichen Zwischenräumen wurde dieses Verfahren an dem nämlichen Tage noch zu.zweien Malen wiederholt. Am nächsten Morgen bedurfte das Kleine unsrer Fürsorge nicht mehr, da die Alte sich nunmehr bequemt hatte, ihre Obliegenheiten freiwillig zu erfüllen. In einem Falle wie dem obigen, wo einerseits das durchaus gut geartete Junge imstande ist, nach seiner Nahrung zu forschen, wo andererseits die Mutter auch befähigt ist, ihm diese im reichlichen Maße zu geben, könnte es fast als ein Mißgriff erscheinen, daß man dem, wie man glauben sollte, sich endlich doch geltend machenden Naturtriebe durch Zwangsmittel zuvorzukommen suchte, um so mehr noch, da es eben nicht zu den Seltenheiten gehört, daß Tiermütter 215 bei Erstlingen, unbeschadet deren Gesundheit, eine geraume Zeit ver¬ streichen lassen, ehe sie sich anheischig machen, dieselben zu versorgen. Doch bei Elenantilopen läßt uns die gemachte Erfahrung anders urteilen. Eine unsrer ersten Elenantilopen, welche sich bei gleicher Sach¬ lage der Dinge genau ebenso geberdete, wie es in dem vorbeschrie¬ benen Falle dargelegt ist, mußte nach mehr denn 12 ständigem Warten, als bei beginnender Ermattung des Jungen jede Aussicht auf eine Änderung des mütterlichen Charakters schwand, schließlich ebenfalls zur Nahrungsabgabe gezwungen werden. Unser Garten steht übrigens in dieser Beziehung nicht vereinzelt da, denn aus London ist uns ein Bericht bekannt, demzufolge eine Oreas sich auch erst durch Gewaltmaßregelu zur Aufzucht des Kälbchens herbeiließ. Eine Erklärung für das unter den Wiederkäuern von uns einzig nur bei dieser Tierart beobachtete auffällige abnorme Betragen weiß ich nicht zu geben. Daß Mütter, wie es wohl hin und wieder vor¬ kommt, sich von ihren Jungen zurückziehen, wenn es ihnen au Milch¬ ergiebigkeit für dieselben gebricht oder wenn deren Sprößlinge aus Lebensschwäche nicht imstande sind ihnen folgen zu können, läßt sich mit dem Mangel einer günstigen Naturanlage immerhin entschuldigen. In den vorliegenden Fällen ist aber, wie wir gesehen haben, solches nicht zutreffend gewesen. Zur Ehrenrettung der sich im übrigen uns durch ihre Geburten sehr dankbar beweisenden Elenantilopen darf ich nicht unerwähnt lassen, daß sechs weitere im Garten gezüchtete Junge, von denen allein fünf ein und derselben Kuh angehörten, ohne menschliche Beihülfe gediehen sind. X. Der Schabracke n- Tapir als Enten vertilger. Eine ehemals nicht gekannte Geschmacksrichtung unsres Scha¬ brackentapirs gab Veranlassung, die Einfriedigung seines von einem schmäleren Arme der Teichanlagen durchschnittenen Terrains gegen das Durchschlüpfen des sich hierher verirrenden Wassergeflügels zu sichern. Das Tier begnügte sich nicht damit, die Eindringlinge wieder zu vertreiben, es begann selbst darnach zu haschen, und es gelang ihm trotz aller von uns erhobener Abwehrungsversuche drei von den erst einige Wochen alten Entchen, denen es noch an der Gewandtheit älterer Vögel gebrach, zu erfassen und vor unseren Augen zu verspeisen. 216 XI. Fütterung des Doppelhornvogels, Buceros hicornis Liun. Im verwicheneil Spätsommer gelang es uns, drei dieser höchst anziehenden Geschöpfe vorübergehend zu erwerben. Gefräßig im hohen Grade, waren deren Nahrungsansprüche demgemäß recht er¬ hebliche. Die täglichen Rationen, in welche sich unsre drei Gäste zu teilen hatten, beliefen sich auf: 1 Pfund gekochte Wurzeln 11 2 » in Milch eingeweichtes Weizenbrot F utterzeit : morgens und nachmittags je zur Hälfte. 1 » gekochte Pellkartoffeln 2^2 » halb gekochten Reis (gekocht gewogen) > 6 hart gekochte Eier • 11 2 Pfund Apfel oder Birnen 1/4 Pfund Weintrauben 3 Mäuse. Dieses in Stückchen geschnitten. Aus der ihren Käfig deckenden Grandschütte haben sie sich verschiedentlich größere Steiuchen zum Verschlucken auserlesen. Da die Vögel mit ihren Schnäbeln äußerst gewandt die ihnen in ange¬ messener Entfernung stückweis zugeworfene Nahrung aufzufangen verstanden, so hatten sich die Futterzeiten zu einer bleibenden An¬ ziehung für das Publikum gestaltet. XII. Fütterung der Aasgeier. In dem Bestreben, den Tieren die Nahrung in möglichst natur- gerechter Weise zukommen zu lassen, wurde unsern beiden Gallinazos , Gathartes atratus Bartr — um diese Aasvertilger auf ihr Gelüste nach wirklichem Aase zu erproben, neben frischem Fleische wieder¬ holt auch solches verabreicht, welches bereits der Fäulnis nahe war. Beide Vögel gaben aber ersterem den entschiedenen Vorzug. Letzteres blieb allemal unberührt liegen. XIII. Gefährliche Eigenschaft der Elstergänse, Anseranas mel anoleuc ci Lath. Diese Vögel haben sich bei uns als Eierdiebe erwiesen. Wie mir der Wärter versichert, lassen es sich dieselben sehr angelegen sein, zur Brutzeit der Enten deren Nistkästen aufzusuchen und die darin Vorgefundenen Eier herauszuschleppen; daß sie auch von den Eiern etliche vertilgt haben werden, ist wahrscheinlich, gesehen worden ist es jedoch nicht. Bericht über den Zoologischen Garten zu Dresden über das Geschäftsjahr vom 1. April 1882 bis 31. März 1883. Es gereicht uns zur besonderen Freude, diesmal in der Lage zu sein, ein wesentlich besseres Geschäftsresultat vorlegen zu können, als uns seit langen Jahren möglich gewesen, und nicht minder angenehm ist es für uns, damit weitere erfreuliche Mitteilungen verbinden zu können. Denn nicht nur, daß die Detriebs-Einnalnnen des Geschäftsjahres 1882/83 gegen das vorhergegangene ein Plus von Mk. 17S85. 81 aufweisen, während die Betriebs-Ausgaben ein¬ schließlich der Hypothekenzinsen nur um Mk. 1925. 54 gestiegen sind, ist es uns auch nach vielen Mühen und langen Verhandlungen gelungen, die auf dem Areal des Gartens lastende Hypothek der Süddeutschen Boden-Kreditbank zu München von Mk. 300,000. — , nachdem wir solche bis auf den Betrag von Mk. 240,000. — vollends zurückgezahlt haben, bis auf diesen Betrag löschen zu lassen und nur noch mit verzinsen und 1/2°/o amortisieren zu müssen, so daß die Annuitäten jetzt nur noch Mk. 12,000. — (5°/« von Mk. 240,000. — ) anstatt bisher Mk. 21,000. — (7°/o von Mk. 300,000. — ) betragen, wir somit eine dauernde jährliche Ersparnis von Mk. 9000. — genießen. — Dieses Abkommen mit der Süddeutschen Bodenkreditbank zu erreichen, ist uns aber nur durch die Munificenz der Dresdner Stadtgemeinde möglich geworden, indem uns letztere in nicht dankbar genug anzuerkennender Weise die seit¬ herige Subvention von jährlich Mk. 5000. — vom 1. Januar 1888 an für die nächsten fünf Jahre auf jährlich Mk. 10,000. — erhöht und somit die von der gedachten Bank für ihre zu machende Konzession gestellte Bedingung er¬ füllt hat. Die frühere große Zinsenlast von Mk. 21,000. — war aber für unsern Garten eine Klippe, an der er früher oder später zu scheitern drohte. Durch die bedeutende Reduzierung dieser Last hat der Garten eine dauernd gesunde Basis gewonnen und darf in Anbetracht der für fünf Jahre gewährten erhöhten Subvention der Dresdener Stadtgemeinde, vor Allem aber mit Rücksicht auf die erhöhten Betriebs-Einnahmen, die auch in diesem Sommer ein erneutes Plus von circa Mk. 10,000. — wiederum aufweisen, mit Vertrauen der Zukunft entgegensehen. Daß die Betriebs-Einnahmen aber trotz der nicht besonderen Gunst des Wetters, speziell im Sommer 1882, so bedeutend gestiegen, glauben wir hauptsächlich dadurch erreicht zu haben, daß wir einmal bestrebt gewesen sind, unsern Tierbestand mehr und mehr zu ergänzen, dann aber auch, daß wir unsere Aufmerksamkeit darauf gerichtet haben, unsern Garten in seinen Bauten, Anlagen und Einrichtungen zu verbessern, zu verschönern und zu vervollständigen und Hand in Hand damit das Publikum durch die Presse, der wir für die uns dabei gewährte Unterstützung unsern Dank sagen, auf die Neuheiten und Schönheiten unseres Gartens wiederholt und regelmäßig hinzu¬ weisen. — So wie es eine Reihe von Jahren in unserm Garten hatte gehen müssen, wo wegen Mangel an Mitteln nur das Notwendigste bewirkt werden konnte, durfte es nicht fortgehen, sollte der Garten nicht schließlich allen Reiz verlieren. Um das Interesse des Publikums nicht erlahmen zu lassen und den Besuch und damit die Einnahmen unseres Gartens mehr und mehr 218 zu heben, war es durchaus geboten, immer Neues zu bieten und auf fortge¬ setzte Verbesserungen und Verschönerungen, die der verwöhntere Geschmack heute bedingt, bedacht zu sein. Natürlich konnten und können wir in dieser Beziehung nur konform mit den vorhandenen Mitteln vorwärts gehen und müssen zunächst möglichst nur solche Aufwendungen machen, von denen wir überzeugt sind, daß sie einen erhöhten Besuch des Gartens bewirken und sich somit über kurz oder lang bezahlt machen. Heute ist jedenfalls unser Tierbestand so reichhaltig, wie er je gewesen ist und wird derselbe noch fortgesetzt vermehrt. Der Zucht junger Tiere, die ja eine Hauptanziehungskraft auf das Publikum ausüben und nebenbei ge¬ wissermaßen die Zinsen vom Kapital repräsentieren, ist die ganz besondere Aufmerksamkeit der Verwaltung gewidmet und haben wir sehr erfreuliche und nutzenbringende Resultate aufzuweisen. So sind z. B. die hier geborenen 3 jungen Tiger in diesem Sommer für 4000 Mark verkauft worden. Weiter ist in den letzten zwei Jahren ein Teil der vorhandenen Bauten, Einfriedi¬ gungen etc. ganz oder teilweise renoviert und angestrichen und in diesem Frühjahr im oberen Teile des Gartens eine teilweise Verschönerung der alten Gartenanlagen, sowie eine Verbesserung der Wege vorgenommen worden. Aber auch Neues zu schaffen sind wir bemüht gewesen. Schon lange mußte das vollständige Fehlen eines größeren massiven Vogelhauses, in dem die Tiere auch den Winter über verbleiben können, als eine sehr fühlbare Lücke in unserm Garten betrachtet werden. Der Verwal¬ tungsrat erachtete es als im Interesse desselben, mit der Aufbesserung der finanziellen Verhältnisse nach jener Richtung Abhilfe zu schaffen und beschloß deshalb die Erbauung eines solchen Hauses auf dem eigenen Terrain, indem er gleichzeitig zur möglichsten Schonung der eigenen Mittel für iu den nächsten Jahren noch weiter beabsichtigte Neubauten und Umänderungen, bei Gönnern, Freunden und Aktionären des Gartens eine Sammlung freiwilliger Beiträge zu den erforderlichen Kosten wiederholt in’s Werk setzte. — Diese Sammlung ist von erfreulichem Erfolge begleitet gewesen. Bis zum Schluß des vergangenen Geschäftsjahres sind uns zu dem gedachten Zwecke Mk. 3644. — in Baar und Mk. 1050. — in 7 Aktien der Gesellschaft, darunter von Seiner Majestät dem Könige Mk. 300. — in Baar und 6 Aktien überwiesen und auch im neuen Jahr weitere ansehnliche Beiträge bewilligt worden. Die Sammlung ist noch nicht geschlossen. — Seit dem Frühjahr dieses Jahres ist das gedachte Haus, nachdem man die Vogelhäuser im Berliner Zoologischen Garten speziell in Augenschein genommen und sich außerdem genaue Kennt¬ nis von denen anderer Gärten verschafft und die dabei gemachten Erfahrungen zu Grunde gelegt hat, in entsprechenden Größenverhältnissen im Bau begriffen und soll noch in diesem Herbste vollendet werden. Als nächstes haben wir den Umbau des alten Atfeuhauses, resp. eiuen Neubau an Stelle desselben in 2—3 mal so großen Raumverhältnissen in’s Auge gefaßt. — Die Betriebseinnahmen betrugen im Geschäftsjahre 1882/83 Mk. 94,452. 84 gegen „ 77,067. 03 in 1881/82 mithin 1882/83 mehr Mk. 17,385. 81. Während an Eintrittsgeldern und Zehnerkarten Mk. 67,952. 10 gegen „ 58,167. 25 in 1881/82 somit mehrMk. 9,784. 85 und aus Reitkasse „ 3,140, 20 eingenommen wurden, ergab das Abonnement eine Einnahme von Mk. 7,277. — gegen „ 3,615. — in 1881/82 demnach mehr Mk. 3,662. — . In diesem Sommer ist das Abonnement bis zum Schluß dieses Berichts bis auf nahe Mk. 12,000. — gestiegen ! Wir verdanken dies neben den obenerwähnten Gründen dem von uns eiugeführten billigen Familien- Abonnement. Das Abonnement bildet eine ganz wesentliche Grundlage für den Bestand und das Gedeihen eines Zoologischen Gartens. Es macht denselben zum Teil unabhängig von den Chancen der Witterung und schafft ihm eine sichere Basis in seinen Einnahmen. Deshalb muß aber auch unser Bestreben dahin gehen, dem Umlange unseres Abonnements eine immer größere Ausdehnung zu geben und wir können unsere Aktionäre nicht dringend genug ersuchen, in befreundeten Kreisen nach dieser Richtung zu Gunsten unseres Gartens nach Möglichkeit zu wirken. — Wir wissen, daß das Publikum die durch das billige Familieu-Abonnement gewährte Erleichterung mit Freuden begrüßt hat, was sich ja auch aus der regen Beteiligung ergiebt, und daß unser Garten in weiteren Kreisen immer mehr und mehr beliebt und heimisch wird. Das im Frühjahre 1882 bei uns neu eingeführte Pony-Reiten hat eine Brutto-Einnahme von Mk. 3140. 20 an Reitgeld ergeben. — Tst schon der direkte Reingewinn, der sich ziffermäßig schwer genau feststellen läßt, ein ganz erfreulicher, so dürfte der indirekte Nutzen, den dieses Pony-Reiten dem Garten gebracht hat und heute noch bringt, ungleich höher zu veranschlagen sein. — Dasselbe hat zweifelsohne mit zu den bessern Einnahmen und speziell dein höhern Abonnement beigetragen, da viele Eltern nur ihrer Kinder wegen den Garten besuchen. — Leider ist in diesem Sommer die Einnahme in Folge der allenthalben aufgetauchten Konkurrenz um ein geringes znrückge- gangen. Von Schaustellungen fand in diesem Geschäftsjahre nur eine kleinere der uns im Monat August von Herrn Hagenbqck zugeführten Australneger statt. Die auch in diesem Geschäftsjahre festgehaltenen sogenannten billigen Sonntage waren durch ganz besondere Gunst der Witterung ausge¬ zeichnet. Die Betriebs- Ausgaben beliefen sich einschließlich der Hypotheken¬ zinsen auf Mk. 88,236. 35 gegen „ 86,310. 81 in 1881/82. somit auf mehr Mk. 1,925. 54. 220 Während die Kapitalzinsen mit Rücksicht auf die bereits zum Teil in diesem Geschäftsjahre eingetretene Zinsenherabsetzung eine Abminderung gegen das Vorjahr von M. 2306. 13 ergeben, stellt sich die Fütterung um Mlc. 2140. 66 höher, was seine Erklärung in dem großem Tierbestand findet. Besucht wurde der Garten in dem verflossenen Geschäftsjahre von 164,254 Personen gegen . . 124,801 „ in 1881/82, somit von 39,453 Personen mehr als in 1881/82, ungerechnet die Aktionäre und Abonnenten. — Außerdem hatten von den Dresdner öffentlichen Elementarschulen 603 Lehrer und 20,496 Kinder gegen 577 „ „ 19,383 „ in 1881/82 unentgeltlichen Zutritt, während 76 Volksschulen mit 132 Lehrern und 3866 Kindern ermäßigte Eintrittspreise bewilligt wurden. Tier bestand: . Stückzahl Geldwert i O <£> Cf. Sm 3 V :0w Ta X 0} QL :0 Amplii- i bien Mark Pf. Bestand am 31. März 1882 . 198 525 92 84412 16 Inventur wert. Zugang durch Ankauf .... 66 221 64 10247 15 Selbstkosten. » Geschenke . . . 27 60 15 255 25 Schätzung. » » Geburten . . . 56 60 — 2023 60 Summa 347 866 171 96938 16 Abgang durch Verkauf . . . 44 123 — 8400 56 Inventurwert. 7> » Tod . 97 215 27 3343 45 » » Wertabsetzung . — — — 680 — Schätzung. » » Frachtvergütung — — — 103 SO Bestand am 31. März 1883 . . 206 528 144 84410 35 Inventurwert u Schätzung. Summa 347 866 171 96938 16 • Geboren wurden 56 Säugetiere und 36 Hühner. Darunter 3 Tiger, 10 Löwen, 7 Leoparden, 3 Halsbandbären, 1 Giraffe, 4 Wölfe, 2 Mopshunde, 1 Känguru, 1 Kamelhcngst, 3 Mähnenschafe, 1 Yak, 2 Shetland-Ponys, div. Hirsche und Andere. Die Ti er Verluste beliefen sich auf nur Mk. 3343. 45 oder ungefähr 4 Prozent des Inventurwertes. Darunter befanden sich auch 33 Affen. (Schluß folgt.) 221 K o r r e s p o n (l e n z e n. Raun he im, den 25. April 1884. Die Meisen im Dienste der Rosenkultur. In jedem Frühjahre leiden die Knospen meiner Roseubäumchen und Heckenrosen durch kleine Raupen, welche die Blütenknospen durchbohren und ausfressen. Um einen Teil der ersten Rosen zu retten, unterziehe ich mich stets der mühsamen Arbeit, diese Räupchen mit einer Piucette zu entfernen. Nun habe ich aber ein Mittel gefunden, wodurch ich dieser langweiligen Arbeit überhoben werde, und glaube dasselbe allen Gartenbesitzern und Rosenzüchtern empfehlen zu dürfen. Durch ausgehängte Nüsse und Speckstückchen habe ich während des Winters einige Meisen augelockt, die täglich in den Garten kamen, um diese Leckerbissen zu kosten. Dadurch wurden die Tierchen mit der Örtlichkeit genau bekannt, fühlten sich bald heimisch und trieben sich auf den Bäumen und Hecken herum, beständig nach Insektenlarven ausspähend. So sind sie auch jetzt noch täg¬ lich Gäste in meinem Garten. Durch den sehr gelinden Winter und das schöne Wetter im Februar und März gab es nun eine große Menge Ungeziefer, und auch die Rosen waren voller Rümpchen. Vor einigen Tagen sah ich nun zu meiner größten Freude, wie zwei Kohlmeisen sämtliche Roseuknospen durch¬ suchten und mit ihren spitzen Schnäbelchen die Raupen herauszogen, ohne dabei die Knospen zu zerstören. In einer halben Stunde hatten sie alle Roseu abgesucht und gereinigt. An dem einen der ausgehängten Nistkästchen scheinen diese beiden Meisen großen Gefallen zu finden, und es ist möglich, daß sie denselben als Wohnung ausersehen. Für die dargereichte Nahrung leisten diese Vögelchen gute Dienste, denn sie befreien Bäume und Sträucher meines Gartens vom Ungeziefer. Es wird sich demnach für Obstgärten und Rosenzücbtereien besonders empfehlen, die Meisen durch ausgehängte Lieblings¬ nahrung anzulocken und sie dadurch, sowie durch angebrachte Nistkästen, als Gäste im Garten zu behalten. L. Buxbaum, Lehrer. Assen heim, den 8. Mai 1884. Zur Wanderung der Vögel. An dem hellen, sonnigen Nachmittag des 16. März 1. J. beobachtete ich von einer mäßigen Anhöhe aus einen nach Norden steuernden starken Zug Kraniche , ohne etwas besonders Auffälliges gewahren zu können, 'während ein in der Nähe befindlicher schlichter Mann mich mit der Frage überraschte, ob ich nicht auch das deutliche Gezwitscher und Pfeifen der die Kraniche begleitenden, meist auf deren Rücken befind¬ lichen kleinen Vögel wahrnehme, was ich jedoch der inzwischen eingetre¬ tenen größeren Entfernung der Krauiche wegen nicht mehr von dem Rufe der letzteren zu unterscheiden vermochte. Meinem wegen dieses Hinweises geäußerten Zweifel begegnete der Mann mit der bestimmten Behauptung, daß er — vielfach im Freien beschäftigt - schon seit Jahren bemerkt habe, wie beim Niederfallen eines Zuges Kraniche gleichzeitig eine Menge kleiner Vögel — wie aus den Federn der Kraniche geschüttelt — sich am Boden bewegten und ebenso beim Aufsteigen der Kra¬ niche spurlos verschwunden seien. Die Gattung dieser kleinen Passagiere 222 wußte er nicht bestimmt zu bezeichnen, — zumeist beständen solche, wie er glaube, aus »schwarzen Lerchen.« Bei dieser Begegnung entsann ich mich nun, wie ich vor einigen Jahren im Frühjahr — • die Büchse in der Hand — einen großen Trupp Kraniche, eine Wiesenfläche in gemessener Distanz abweidend bemerkte und mit dem Glas beobachtete, wie diese in auffallender Weise von einer Menge hellfar¬ biger kleiner Vögel umflattert* wurden , ohne daß ich damals einer solchen ge¬ selligen Vereinigung eine besondere Knusalverbindung beizumessen versucht war. — Ebenso versichert mich der hiesige Gemeindeschäfer Kopf, wie er seit länger denn 50 Jahren, von frühester Jugend an, bei den Zügen der Kraniche, namentlich bei den Herbstzügen, in deren Umgebung aufs deutlichste den Gesang und den Lockruf . virginianus , As io capensis und eine Maskeneule, Giceaba torquata. Unser Weg führt uns weiter nach einem Gehege, in dem Angoraziege und Zackeischaf untergebracht sind. Darauf am so¬ genannten Verbindungsteich vorbei, dessen untere Hälfte von Pele- canus crispus und P. onocrotalus , dessen obere von Anser torquatus , A. leucopsis , A. indicus, A. segetum und einigen der schon ge- nanuten Enten bevölkert wird. Auch der Seehund verweilt hier während der warmen Jahreszeit. Hinter diesem Teil des Teiches erhebt sich ein mit Blumenterrassen geschmückter Hügel, auf dem das Haus des Direktors steht. Das Straußenhaus vorläufig links liegen lassend, gelangen wir zu dem mittleren Teich, einer Reihe zusammenhängender und um¬ friedigter Wasserbecken, die ebenfalls so dicht mit Laubbäumen umpflanzt sind, daß kein Sonnenstrahl sie treffen kann. Fuligula rufina , Anas cJiiloensis , Aix sponsa , A. galericulata, Vulpanser varie- gata , Cygnus atratus mit drei halbwüchsigen Jungen und G. nigri- collis fand ich hier vor. Der Bergweiher, den ich oben bei der Speisung der Teiche 243 schon erwähnt habe, ist ebenfalls vollkommen im Schatten gelegen. Er beherbergt außer einigen schon genannten Enten : Fuligula clan - gula, Anas penelope , A. crecca , A, circia und Vulpanser tadorna. Über eine Brücke, welche uns zwischen den beiden letzt¬ genannten Teichen hindurchführt, gelangen wir an dem geräumigen, rings geschlossenen Fischotterbassin vorbei an das hinter dem Affen¬ hause gelegene Gänsegehege. Es sind sieben große, mit Gras be¬ wachsene Läufe, die vom Abflußkanal des Flamingoteiches durchzogen werden. Außer Cervas capreolus und Phascolomys Wombat fanden sich hier von Schwimmvögeln : Larus marinus, Gracidus carbo , Vulpanser variegata , Ghenalopex aegyptiacus , Anser sandvicensis, Pledropterus gambensis, Choristopus melanoleucus und Cereopsis Novae- Holla 1 1 diae. Nur wenige Schritte weiter und wir stehen vor dem Grotteu- Bärenzwinger, so genannt nach dem größten Käfig dieses Gebäudes. Dieser, von ausnahmsweise großen Dimensionen, ist im Hintergründe grottenartig angelegt, doch leidet er au dem Fehler, daß er zu hoch liegt und die etwa am Boden liegenden Tiere schlecht zu sehen sind. Lauge Zeit wurde er von den amerikanischen schwarzen Bären bewohnt. Jetzt enthält er 1 Ursus ardos masc. und 1 U. ferox fern., die sich zuweilen recht ernsthaft um die Herrschaft streiten. Unter diesem Käfig liegen kleine Gewölbe, die von Steinmarder, Edelmarder, Dachs, Prairiehund, Hamster und Angorameerschweinchen bewohnt wurden. Hinter dem großen Zwinger befinden sich rechts vier größere, oben offene Käfige mit Innenkäfigen, die mit Hyaena crocata , II. striata , H. brunea und Ursus labiatus besetzt sind. Diesem entsprechend finden wir links hinter dem Zwinger niedrige rings mit Eisenstäben geschlossene Käfige, deren Innenkäfige unter denen der rechten Seite liegen. Hier sind außer dem Fuchs auch einige wildlebende Verwandte des Hundes untergebracht, nämlich : Canis primaevus , C. aureus , C. lupus und C. Dingo. Die Vielfraße, welche sich hier mehrere Jahre hindurch wohl befanden, sind leider nicht mehr am Leben. Dem Grottenzwinger entsprechend, am anderen Ende des Ge¬ bäudes, liegt der erst wenige Jahre alte, in Ziegelrohbau ausgeführte kleine Bärenzwinger. Es sind drei Räume, deren Tnnenkäfige von hinten bequem zu erreichen sind. Prachtvolle Exemplare von Ursus tibetanus , U. ornatus und U- malciyanus bewohnen sie. Dieselben ‘werden ausschließlich mit Brot und Milch gefüttert, und ich glaube 244 wohl mit Recht annehmen zu dürfen, dafä diese Ernährungsweise solch einen vorteilhaften Einfluß auf ihr Haarkleid hat. Dicht neben diesen Zwingern strebt eine Felseupartie, die aus Lavabruchsteinen ausgeführt ist, mit grotesken Formen in die Höhe. Mittels einer Treppe gelangt man auf die Plattform, von wo man einen schönen Blick auf den Garten und den vorbeifließenden Rhein hat. Ein Wasserfall, rankender Epheu und wilder Wein tragen nicht wenig zur Verschönerung der Felsengruppe bei. Umgeben wird sie von sechs Gehegen, iu denen Ccipella rupicapra , Capra Ibex , C. hircus angorensis , C. h. reversa , Ovis tragelaphus, dessen prachtvoller Bock eine besondere Erwähnung verdient, und 0. musi- mon ein passendes Unterkommen gefunden haben. Als Stallungen dienen ihnen, wenn ich mich recht erinnere, luftige Holzhütten und nicht gemauerte Gewölbe, wo eiu Luftwechsel fast unmöglich ist. Das zwischen der Felsenpartie und der Direktorwohnung ge¬ legene Straußenhaus ist ein kleines, massives, heizbares Gebäude, rings von Läufen umgeben. Neben Struthio camelus sah ich hier zum erstenmal ein Paar des St. somaliensis aus dem Somalilande. Außerdem Jlhea americana , Casuarius gcileatus und Dromaeus Novae-Hollandiae. Im Winter finden hier die wertvolleren Kraniche ihr Unterkommen, bei meinem Dortsein war hier nur Gras mexicana zurückgeblieben. Die Felsenpartie rechts liegeu lassend, kommen wir an der Gärtnerei vorbei, darauf an einer kleinen Stellage mit zwei Reihen Käfigen, in denen einheimische Raubvögel zur Schau gestellt sind. Das sich eng daranschließende kleine Raubtiergehege zerfällt in vier größere und drei kleinere Räume. Im Hintergründe sind Hallen, in denen noch kleine Kasten stehen, die den Tieren als Versteck dienen. Procyon Lotor , Canis pallieeps aus Indien, C. argentatus , C. lagopus , Lynx rufus aus Mexiko und Myopotamus Coypu fand ich hier vor. Unseren Weg au der südöstlichen Grenze des Gartens fort¬ setzend, gelangen wir jetzt zu dem großen Bärenzwinger. Der Einblick in die drei geräumigen Außenkäfige ist wie gewöhnlich von vorn und oben. Im Hintergründe des mittleren ist eine Terrasse aus Krotzen gebaut, von der das Wasser in das am Fuße derselben gelegeue Bassin strömt. Hier wohnt ein prachtvolles Eisbärenpaar. In den Käfigen rechts und links befindet sich ebenfalls je ein Bassin, an Stelle der Felsmasse sind Kletterbäume getreten. Als Bewohner konstatierte ich ein Paar braune und ein Paar Grisli- baren. Hinter jedem Außenkäfig befinden sich zwei Innenkäfige, deren Thüren von dem Gang hinter denselben geführt und gesichert werden, so daß es den Bären unmöglich ist, dieselben zu heben. Die Innenkäfige waren früher aus Holz gebaut, sind jetzt aber massiv und von dem Wärtergang hinter denselben leicht zugänglich. An der anderen Seite dieses Ganges liegen verschiedene Räume, die zur Aufbewahrung der Futtervorräte, als Schreinerwerkstätte u. s. w. dienen. In der einmal eingeschlagenen Richtung weitergehend, kommt man in eine Allee, an deren linker Seite die Wiederkäuerparks gelegen sind. Acht Häuser, zum Teil aus rohen Balken, zum Teil aus Brettern und mit Borke oder Weidengeflecht beschlagen, liegen im Hintergründe der sechzehn geräumigen Läufe, welche von einem künstlichen Bach durchflossen werden. Bewohnt wurden sie von 3 Rem gif er tarandus, 6 Cervas cixis , 3 C. Russct , 4 C.'-moluccensis , 3 Ros grunniens , 2 B. Bison, 6 B. americanus, 1 B. Indiens , 3 B. caffer (1 masc ., 2 fern., schöne Tiere), 4 B Kerabau , außerdem von mehreren Exemplaren des schottischen Ponys, die im Garten Fahr¬ dienste verrichten müssen. Wir sind jetzt nahe am Eingang und wenden uns wieder zurück, die kommenden drei Parksysteme umgehend. Das erste beherbergt in zwei sich gegenüberliegenden Häusern, die durch sieben Läufe verbunden sind, das Trampeltier, (Jamelns bactrianus , mit einem Jungen und von Lamas Vertreter der Arten Anchenia Lama , A. Faco und Ä. Vicunna. Im nächsten Parksystem, einem größeren Hause, welches auch zur Aufbewahrung der Cerealien dient, mit fünf Läufen finden wir Cervus canadensis , C. Aristotelis , C. sika und C. porcinus. Den dritten Park endlich, der durch mehrere Gitter in kleine Läufe geteilt wird, bewohnen verschiedene Farben¬ varietäten des Damwildes und der Edelhirsch in dem gewöhnlichen roten Haarkleide und in einer weißen Varietät. Zum Schutz gegen die Unbilden der Witterung dienen ihnen zwei offene Hallen. Das Affenhaus, zu dem wir nun gelangen, ist ein freundlicher, zweckentsprechender Bau. Seine Hauptfront liegt nach Süden. An dieser befinden sich außen ein großer Sprungkäfig und rechts und links davon sechs kleinere. Die von diesen ins Innere führenden Thürchen für die Affen befinden sich etwa IV2 rn hoch über dem Boden, sind jedoch durch kleine Leitern leicht erreichbar. Man betritt das Haus von der westlichen Seite, wo ein Windfang zur Verhütung von Zugluft angebracht ist. Das Innere ist äußerst 246 reinlich und hell, da es außer großem Oberlicht auch noch au der westlichen und östlichen Seite Fenster hat. Au den beiden anderen Seiten befinden sich die Innenkäfige, an der südlichen ein großer und sechs kleine, an der nördlichen sechs gleichgroße. Uber diesen sind noch kleinere angebracht, die zum Absperren der Alfen behufs Reinigung oder sonstiger Arbeit in den Käfigen dienen. Jeder Käfig der südlichen Seite ist durch einen kurzen Gang mit einem Außenkäfig verbunden und der Verschlußmechanismus derart, daß nicht leicht ein Affe entweichen kann. Die Innenkäfige jeder Seite stehen selbstverständlich untereinander in Verbindung, der Schieber wird von dem hinter den Käfigen herlaufenden Wärtergang regiert. Vor den Fenstern sind Tische angebracht, auf welchen zwischen Blumen und Blätterpflanzen Terrarien stehen, in denen auch die Krallenäffchen Unterkommen finden. Die übrigen werden von Eidechsen, Chamäleons und verschiedenen Schlangen bevölkert. In der nordwestlichen Ecke des Hauses liegt ein cemeutiertes Wasser¬ becken, worin Krokodile und Schildkröten herbergen. Herr Direktor Funck strebt darnach, ein Reptilienhaus anzulegen und hat den Wechsel warmen Tieren vorläufig im Affenhaus einen Platz angewiesen. Die Besetzung desselben mit Affen ließ bei meinem letzten Dortsein zu wünschen übrig, doch sah ich dort schon von altweltlichen Affen : Cercopithecus cynosurus , G. sabaeus, C. Diana, C. mona , G. cephus , G. ruber , G. fuliginosus, Macacus cynomolgus, M. sinicus , M. Rhesus , M. nemestrinus , M. Inuits, Gynocephalus porcarius, C. Babuin , C. Sphinx, G. Hamadryas , C. Mormon ; von neuweltlichen Affen: Gebus capucinus , G. hypoleucus, G. apella; von den seltenen Kral len affen : Hapale Rosalia, II. Oedipus und II. penicillata; von Halbaffen : Lemur ruber und L. catta. Außerdem haben hier zeitweilig Pteropus edulis , Gercolabes prehensilis, Dasypus sexcinctus, Myrmecophaga jubata. Hcrpestes Ichneumon , Nasua solitaris und andere mehr Unter¬ kommen gefunden. An der Nordseite liegt das Zimmer für den Wärter und die Heizung und zwar eine Wasserheizung, welche sich anscheinend ganz gut bewährt. Das Affenhaus war vor einigen Jahren in Gefahr, vom Blitz in Brand gesteckt zu werden. Man hat die Lehre beherzigt und alle größeren Gebäude mit Blitzableitern versehen. Nun noch au einem kleinen Kiosk vorbei, in dem sich Sciurus vulgaris, S. griseus und S. dorsalis befinden, und zu den Stachel¬ schweingrotten mit Hystrix cristata und Cavia cobaya und wir haben den ganzen Garten durchwandert. Gewiß ist es kein Zufall, daß 247 unser Führer den Weg gerade vor der Restauration enden läßt, aber gern lassen wir uns verführen, hier noch einen Augenblick zu verweilen. Von der Terrasse aus sehen wir den Flaniingoteich, weiter eine grünende Wiese. Links wird unser Auge von den Sprüngen der Alfen gefesselt, rechts von dem Treiben der Hirsche und ganz im Hintergründe erblicken wir den Bärenzwinger mit seinen unruhigen Bewohnern. Wir können so ein gutes Stück des eben durchwanderten Gartens nochmals in aller Bequemlichkeit betrachten und, wenn wir Glück haben, auch einem Konzerte lauschen, die hier wöchentlich zweimal stattfinden. Wir se.heu, daß der Garten gut besetzt ist, daß er gut gehalten ist und infolge dessen auch gut besucht wird. Der Zoologische Garten in Cöln steht finanziell wohl am besten unter den gleich¬ artigen Instituten Deutschlands, seine Abschlüsse sind, wie z. B. der Bericht im Jahrg. XXII, pag. 123 dieser Zeitschrift zeigt, sehr günstig und nach allen Abschreibungen ist noch immer ein Über¬ schuß vorhanden. Hollen wir, daß bei gleicher Verwaltung und Direktion der Garten noch lange auf der erlangten Höhe verbleibe. Noch einige Bemerkungen über das Nahoorschaf, JPseudois Nahoor. Von Dr. Th. Noack. Nachdem ich in meinem früheren Artikel *) unter verschiedenen bemerkenswerten Tieren der Hagenbeck’schhn Sammlung resp. des zoologischen Gartens in Hamburg das Nahurschaf kurz beschrieben hatte, habe ich jüngst in Berliu Gelegenheit gehabt, durch die Güte des Herrn Professor Dr. Nehring Einsicht in das Material zu nehmen, welches die dortige landwirtschaftliche Akademie in osteologischer, graphischer und litterarischer Beziehung über das Tier besitzt und mich dadurch selbst so genau über das Nahurschaf zu informieren, als das augenblicklich nach dem noch sehr mangel¬ haften Stande unserer Kenntnisse möglich ist. Die zoologische Samm¬ lung besitzt 3 Schädel, 2 von erwachsenen Männchen (einen mit voll¬ ständigem Gehörn, die andern mit den Knochenkernen) und den eines jungen Lammes. Dazu kommt eine ganze Kollektion von Abbildungen, die aus verschiedenen Publikationen gesammelt sind. Das vorhandene *) Seite 110 dieses Jahrgangs. 248 Material ist vortrefflich dargestellt in dem Werke von Nathusius über die Schafzucht und übersichtlich in einer Abhandlung von Pro¬ fessor Peters in den Berichten der Berliner Akademie der Wissen¬ schaften aus den 77er Jahren. Das Resultat meiner Vergleichung ist, daß die Hamburger Schafe mit dem, was man bisher als Nahur- schaf bezeichnet hat, nicht stimmen und daß mau nach dem wissen¬ schaftlich unter sich sehr abweichenden Material sich nur eine mangel¬ hafte Vorstellung vom Nahurschaf bilden kann. Bekanntlich hat man die Gattung Pseudois benannt, weil die als Nahurschaf bezeichueten Bockschädel, welchen außerdem ein auf¬ fallend steiler Abfall des Hinterhaupts eigentümlich ist, der aber an dem Lammschädel nicht in dem Maße vorhanden ist, sich durch den Mangel an Thränengruben auszeichuen , während die eigentlichen Schafe dieselben besitzen, und z. B. das Argalischaf dieselben hirschartig vertieft. Nun finde ich aber in meiner vor 1 3/r Jahren bei Herrn Hagenbeck genommenen Zeichnung ausdrücklich die Thränengruben angedeutet, und ein besonders steil abfallendes Hinterhaupt habe ich an den Hamburger Exemplaren auch nicht bemerkt. Ebenso wenig stimmt meine Zeichnung mit den von mir in Berliu verglichenen Abbildungen , die allerdings meist unzureichend und offenbar nach mangelhaft dargestellten Bälgen gezeichnet sind. Nur eine vou M i 1 n e Edwards publizierte Abbildung ist gut gezeichnet und stellt das Tier so dar, wie der Maler Hu et es (ob lebend ist aus der Zeichnung nicht ersichtlich) gesehen hat. Aber auch hier finden sich erhebliche Abweichungen von den Hamburger Tieren Zwar stimmt die Färbung im allgemeinen, aber die Wangen der Hamburger Tiere sind viel heller, der helle Rand um die Augen ist viel schärfer markiert, die helle Kehle scharf abgegrenzt, während Hu et eine dunkle Mähne am Halse zeichnet. Ebenso wenig hatten die Hamburger Tiere, als ich sie zeichnete, dunkle Streifen au der Vorderseite der Beine sowie ein dunkles Querbaud um das Fesselgelenk, ähnlich wie am Fuße der Nilgau-Antilope. Indessen ist dabei zu bemerken, daß die Bänderung der Beine sich besonders zur Zeit des Haarwechsels bei längere Zeit in der Gefangenschaft gehaltenen Tieren fast ganz ver¬ wischt. Bei Equus hemionus und Asinus taeniopus des Berliner Zoologischen Gartens ist augenblicklich fast nichts davon zu bemerken. Auch die Hornspitzen au den von mir gezeichneten Nahurschafen zeigten nicht oder noch nicht die am Nahurschaf charakteristische Windung nach außen und nach hinten, sondern waren nur im flachen Bogen nach hinten und oben etwas nach außen gekrümmt. o o 249 Man mußte also entweder annelimen, daß die Hamburger Schafe gar nicht Pseudois Nahoor sind, sondern einer neuen noch nicht be¬ stimmten Art angehören, oder daß das Nahurschaf sich im Laufe der Jahre so außerordentlich verändert, daß es schwer hält, über¬ haupt einen konstanten Typus von Pseudois Nahoor aufzustellen. Für meine subjektive Überzeugung erscheint allerdings vorläufig das von mir lebend beobachtete Tier, das doch als Nahurschaf aus Indien importiert ist, wichtiger als die nach einzelnen Schädeln und Bälgen gemachten Beschreibungen . Eine Vergleichung der berliner Nahurschädel mit denen der Heidschnucke und des schottischen Bergschafs führte zu keinem Resultate, weil das Pseudois Nahoor , welches die berliner Schädel repräsentieren, ein sehr großes Wildschaf sein muß, mit dem die Hamburger Tiere sich bis jetzt nicht zusammenbringen lassen, und weil die Vergleichung von Schädeln erwachsener Mänuchen mit denen der Männchen und der jungen Tiere bei Schafen so gewaltige Diffe¬ renzen aufdeckt, daß man vorläufig ohne ausreichendes Material ganz davon abstehen muß. Es giebt keine Tierspecies, wo die Männchen so außerordentlich verschieden und die Weibchen so sehr ähnlich sind, wie ovis und capra. Es scheint fast, als ob wir in der weiblichen Form der Wild¬ schafe; Wildziegen und Steinböcke noch eine Urform erkennen können, aus welcher sich erst später die großen Differenzen der 3 Arten, wie sie der Bock repräsentiert, herausgebildet haben. Unser brauu¬ schweiger Museum besitzt z. B. ein vortrefflich präpariertes Paar des Kaukasus-Steinbocks, Capra Ihex caucasica , der übrigens eher zu ovis als zu capra gehört, bei welchem niemand die Ziege a priori als zu dem Bock gehörig erkennen würde, so groß sind die Differenzen in jeder Beziehung. Gerade bei den Wildschafen aber haben die Forscher hauptsächlich die männliche Form zur Arten¬ bestimmung berücksichtigt, wie auch in den Sammlungen meist männliche Schädel sich finden. Gewißheit erlangt man erst, wenn man von einem Wildschaf die Jugendform, das erwachsene Weibchen und das erwachsene Männchen kennt. Demnach kann ich mir sagen, was ich schon in meinem früheren Artikel ausgesprochen habe, daß mir die Hamburger Nahurschafe Ähnlichkeit mit der Heidschnucke, dem schottischen Bergschaf und, wie ich in Berlin gesehen habe, besonders mit der graubündner Bergrasse zu haben scheinen. Zum Schluß möchte ich noch bemerken, daß als eine der wichtigsten Aus¬ gangsformen für unser Hausschaf Ovis Vignei Blyth bezeichnet 250 gute werden muß, von welchem die Berliner Sammlung mehrere Schädel besitzt. Dieses Wildschaf lebt in Birma, wo es noch heute den Namen Scha oder Schapn trägt (vergl. auch das Werk v. Nathusius); der Schädel zeigt nach Größe, anatomischen Verhältnissen und Hörnerwuchs eine entschiedenere Ähnlichkeit mit unserem grob¬ wolligen Laudschaf als irgend eine andere Art der Wildschafe. Eine Missbildung an Federn. Von G. Simmermacher. Im Anschluß an die von mir im Heft 12 des vorigen Jahr¬ gangs gegebenen Notizen über einige Mißbildungen bei Vögeln und Säugetieren möchte ich hier noch eine eigentümliche Verbildung au Federn zur Sprache bringen. Die betreffenden Federn stammen von einem im Zoologischen Garten zu Hamburg gestorbenen und von da ins Zoologische Institut zu Leipzig gekommenen gehaubten Schreier, Ghauna chavaria (111. Ordnung: Grallatores , Watvögel, Farn. Alectoridae, Hühuer- stelzen) aus Südamerika. — An mehreren in meinen Besitz gekommenen Federn treten am Schaft mehrmals eigentümliche Verdickungen (in die Breite und in die Höhe) auf; dieselben sind bei der einen Feder stärker, bei der anderen schwächer. Außerdem ist der untere Teil (die Pose) bei keiner der 4 in meinem Besitz befindlichen Schwung¬ federn gerade, sondern mehr oder weniger durch Krümmung verbildet. Die Ursache dieser eigentümlichen Erscheinung kann ich leider nicht angeben. Auf meine briefliche Anfrage bei Herrn Inspektor W. L. Sigel in Hamburg erwiderte mir derselbe iu liebenswürdigster Weise, vermochte mir aber meine Frage, ob der Vogel an einer Krankheit gelitten hätte, nicht zu beantworten. Herr Inspektor Sigel schrieb mir: »So viel ich mich dessen erinnere, hatte der letzgenannte Vogel, den wir über 4 Jahre besaßen, auffällige Krankheitssymptome nicht gezeigt, der eine Flügel war allerdings, um das Tier an dem Entweichen zu hindern, etwas gestutzt worden, doch war dies ohne jeden Einfluß auf denselben geblieben«. — Sollte nicht vielleicht doch das Stutzen mit der Mißbildung des Flügels im Zusammenhang stehen? Leider besitze ich keine Federn vom anderen Flügel, um zu sehen, ob dort die Mißbildung auch auftritt oder nicht. — (Dies ließe sich aber leicht durch Untersuchung analog behandelter Vögel — 251 teststellen). Der innere Bau des Schafts zeigt an den verdickten Stellen keine Veränderung. Mikroskopische Querschnitte zeigen dieselben Verhältnisse, wie ich solche auf Querschnitten durch normale Federn (von Buteo vulgaris) sah: Ein weitmaschiges Mark, begrenzt von einem schmalen Ring einer dichteren Außenschicht. - Die Quer¬ schnitte durch den normalen und verbildeten Schaft gleichen sich völlig. Gelungener Wiederbelebungsversuch an einer ertrunkenen grünen Eidechse. Von H. Fischer-Sigwart in Zofingen. Wenn im Terrarium im Frühling die grünen Eidechsen die Winterquartiere verlassen, so sind sie im Anfang noch sehr schlaf¬ trunken und ungelenkig und gehen dann zuerst der Wärme ent¬ gegen, erklettern ein von der Sonne beschienenes Plätzchen, um sich zu erwärmen und dadurch ihre frühere Gelenkigkeit und Lebhaftig¬ keit wieder zu erlangen. Unbeholfen und langsam in ihren Be¬ wegungen, kommt es dann vor, daß eine ins Wasser fällt, sich nicht mehr herausarbeiten kann und ertrinkt, während sie im Sommer ausgezeichnet schwimmt und pfeilschnell eine Wasserfläche durch¬ schneidet, die ihr den Weg versperrt. — So lauge in meinem Terrarium keine Vorrichtungen angebracht waren, um das Hiueinfallen von grünen Eidechsen in ein Wasser¬ bassin zu verhindern, verunglückten auf diese Weise in zwei Früh- lingen mehrere. Dreimal aber gelang es, scheinbar ertrunkene durch Wiederbelebungsversuche mit vieler Mühe ins Leben zurückzubringen, auch wenn sie schon über eine Stunde im Wasser gelegen waren. Der dritte Fall war der schwierigste, und da frühere Fälle geglückt waren, so wurde diesmal mit der daneben gelegten Uhr gearbeitet. Es folgen hier die gemachten Beobachtungen. Leider konnte nicht genau festgesetzt werden, wie lange die Eidechse unter Wasser ge¬ wesen war, als sie herausgezogeu wurde ; doch war dies derjenige Fall, wo dies am längsten stattgefunden batte und wo am wenigsten Hoffnung vorhanden war, sie zu retten. Die künstliche Atmung wurde in der Weise eingeleitet, daß nachdem die Eidechse abgetrocknet war, sie auf den Rücken gelegt wurde. Nun faßte ich sie hinter den Vorderbeinen da, wo die Lunge sich befindet, zu beiden Seiten an der Haut, erweiterte durch ab¬ wechselndes sorgfältiges Ziehen und Zusammendrücken den Brust¬ kasten und verengerte ihn wieder, so daß abwechselnd Luft in den¬ selben ein- und dann wieder austreten mußte; ich ahmte so die künstlichen Atembewegungen nach, wie sie in ähnlicher Weise bei erstickten Menschen angewandt werden. Nach zwanzig Minuten war noch kein Erfolg sichtbar. Da ich von den früheren Versuchen her wußte, daß sich die ersten Anzeichen des wiederkehreuden Lebens an der Zungenspitze zeigen, öffnete ich ihr den Mund, konnte aber lauge keine Bewegung wahrnektnen und wollte sie eben als tot in Spiritus setzen, als ich an der Zungenspitze ein kaum bemerkbares Zucken wahrzunehmen glaubte, so schwach, dass ich nicht einmal sicher war, ob es wirklich eine Bewegung war oder ob eine Täuschung obgewaltet habe. Doch fuhr ich nun mit meinen Bemühungen fort. 25 Minuten nach Begiun der Behandlung hielt ich die Eidechse am Ofen in die ausströmende, ziemlich starke Wärme und frottierte sie. Hierbei zeigte sich eine sehr schwache, aber deutliche Bewegung am rechten Vorderfuß. Nach 30 Minuten war hie und da ab¬ wechselnd au eiyem Vorderfuße eine langsame Bewegung sichtbar. Die Augen, die vorher geschlossen waren und beim Offnen glanzlos, wie gebrochen erschienen, öffneten sich etwas und waren glänzend geworden. Es erfolgte nun die erste natürliche Atmungsbewegung, indem der Brustkasten hinter den Vorderbeinen sich krampfhaft er¬ weiterte, fünf Sekunden lang aufgeblasen blieb, sich dann wieder krampfhaft zusammenzog und in diesem Zustande verblieb. — Ich ließ nicht nach mit meinen Bemühungen, indem ich fort und fort die Atmungsbewegungen des Brustkastens nachahmte, die Eidechse frottierte und der Wärme aussetzte. Nach 45 Minuten erfolgte die natürliche Atmung auf die angegebene Cj O O O Weise alle 12 Sekunden, etwas später alle 10 Sekunden, nach 00 Minuten alle 0 Sekunden. Die Augen öffneten und schlossen sich hie und da lang¬ sam, und nun erst, nach einer Stunde, war die erste Bewegung an den Hinterbeinen sichtbar, am Schwanz erst nach 75 Minuten.' — Die Lebenszeichen verbreiteten sich also von vorn nach hinten über den Körper und zeigten sich in folgender Reihenfolge: Zuerst Zucken an der Zungenspitze, dann Bewegung atir rechten Vorderfuß und Offnen der Augen, dann Bewegung am linken Vorder¬ fuß, etwas später erste Atmungsbewegung des Thorax, dann Be¬ wegung der Hinterbeine und schließlich Bewegung des Schwanzes- «D o O O 253 Erst nach 75 Minuten unablässiger Behandlung war die Eidechse so weit hergestellt, daß sie sich selbst überlassen werden durfte. Sie wurde auf ein Stück Flanell auf den warmen Ofen gelegt und mit einem Siebclien überdeckt. Alter nur nach und nach, innerhalb drei Stunden, verlor sich die allgemeine Lähmung so weit, daß wenn sie ergriffen wurde, sie mit allen Gliedern willkürliche Bewegungen machen konnte. Erst vier volle Stunden, nachdem sie aus dem Wasser gezogen worden war, konnte sie ihre Glieder so gebrauchen, daß sie selbständig sich von der Stelle bewegen konnte, worauf sie wieder zu ihren Gefährten ins Terrarium gesetzt wurde. Andern Tages zeigte sie keine Zeichen ihres Unfalles mehr. c!> © K o r r e s p o n <1 e n z e n. Livland, im Mai 1884. Seltsame Tötung eines Adlers. Auf dem freiherrl. v. K.’schen Gute Neu-Karkell wurde am 28. Januar d. J. eiu Seeadler auf merkwürdige Weise vom Leben zum Tode befördert: er wurde mit dem Beile erschlagen! Ein Bauer war in den Wald gegangen, um sich Reißig heimzuholen. Er tritt an einen bereits früher zusammengelesenen Dürrholzhaufen heran, da huscht unter demselben eiu großes graues Tier, halb flatternd, halb laufend, hervor, und sucht aus dem dichten Unterholz des Bestandes das Freie zu gewinnen. Der Bauer, der nicht einmal unterscheiden konnte, was für ein Tier er vor sich hatte, schleuderte, schnell entschlossen, wie ein Indianer sein »Tomahawk«, sein Beil dem Flüchtling nach, und trifft. Da wendet sich das edle, todes¬ mutige Tier gegen seinen Feind, und diesem gelingt es nur mit Mühe, die Waffe noch einmal zu ergreifen, und dem Vogel vollends den Garaus zu machen. Es war ein etwa öjähriges Weibchen, welches jetzt, ausgestopft mit ausge¬ breiteten Schwingen, die Decke eines Gemaches im Herrenhause oben genannten Gutes schmückt. Durch den ungewöhnlich milden Winter war der Adler wahrscheinlich veranlaßt worden, entweder hier zu bleiben oder zu früh heim¬ zukehren. Wenn man auch annehmen muß, daß er durch Nahrungsmangel entkräftet war, und außerdem durch den dichten Unterwuchs am Entfalten der Schwingen behindert wurde, so muß man sich doch über das sonderbar gewählte Versteck des „Königs der Lüfte“ billig wundern. Leider wurde nicht konstatiert, ob er daselbst eine Beute verzehrt hatte, oder nur Schutz vor plötzlich eingetretener Kälte mit Schneefall gesucht hatte. — Ich erwähne hierbei, daß in Livland 4 Adlerarten brütend angetroffen werden: 1. Der Steinadler (aquila fulva Br.), ist sehr selten geworden. Auf der ornithologischen Ausstellung in Wien im Frühling a. c. ist aufs deutlichste erkennbar gewesen, daß Steinadler und Goldadler ( aquila chrysaetos Br.) ein und derselbe Vogel sind. 2. Der Seeadler (aquila albicilla Br., haliaetos Savigny) wird häufiger gefunden, nicht nur in den Ostseeküsten- 254 Wäldern, sondern auch im Binnenlande. 3. Der Fluß- oder Fischadler, ( Pandion haliaetos Savigny) nicht sehr zahlreich. 4. Der Schreiadler [aquila naevia Br.) fehlt fast keiner größeren Waldung, und baut seinen Horst (im Widerspruch zu Brehm’s Behauptung) oft nur 12 — 15 Fuß über dem Erd¬ boden. Mehr als 2 Eier habe ich nie in seinem Horst gefunden. Brehm will deren sogar bis 4 gefunden haben. Der Kaiseradler ('aquila imperialix) wird dann und wann gesehen, ich glaube aber nicht und habe auch nicht erfahren, dass er in Livland nistet. Baron A. v. Kr ii den er. M i s c e 1 l e n. Die Herkunft des Kettenbandwurms, Lothriocephalus latus , war lange unbekannt insofern, als man nicht wußte, in welchem Geschöpf dieser Schmarotzer, der an den Schweizer Seen, sowie an den Seen und langsam fließenden Wassern Norddeutschlands und Rußlands bei dem Menschen vor¬ kommt, seinen Jugendzustand verlebt und in welcher Weise er auf den Menschen übertragen wird. Unserem Mitarbeiter, Prof. Dr. M. Braun in Dorpat, ist es nun gelungen, diese für die genannten Gegenden wichtige Frage zu lösen. Fast alle in Dorpat zu Markt kommenden Hechte nämlich beherbergen in ihrer Muskulatur, iu den Geschlechtsdrüsen, der Leber, Milz und anderen Eingeweiden junge Bothriocephalen von 2 — 3 cm. Länge, und zwar im Mittel 20 — 30 Stück auf den Fisch. Noch massiger kommen die Jugendzustände dieses Wurms in der Quappe, Lola vulgaris, vor. Beide Fische aber werden in Dorpat sehr viel, und gerade auch von der ärmeren Bevölkerung, gegessen, sind wohl nicht immer sorgsam durchgesotten oder werden auch schwach ge¬ räuchert verspeist. Fütterungsversuche an Hunden und Katzen, die mit der größten Vorsicht angestellt wurden, haben auf das Bestimmteste ergeben, daß die Wurmlarven aus Hecht und Quappe sich zu dem Kettenbandwarm, wie er in dem Menschen lebt, entwickeln. Aber es erboten sich auch drei Studenten, den Versuch an sich selbst vornehmen zu lassen. Nachdem festgestellt war, daß sie keine Bandwürmer hatten, verschluckten sie je drei Finnen aus dem Hechtfleische. Nach füuf Wochen zeigten sich hei allen die deutlichen Belege, daß sie infiziert waren , und nach angewandten Mitteln ergaben sich fünf ganze Bandwürmer und Bruchstücke von einem oder mehreren weiteren. Als mittlere Größe der Würmer fand man eine Länge von 339,3 cm. bei einer Gliederzahl von 1209. Auf den Tag berechnet wächst ein Bothriocephalus also 8,9 cm., wobei er um 31 — 32 Glieder zunimmt. Es ist das ein ganz erstaunliches Wachstum. N. Künstliche Fischzucht in Holstein. Der Schleswig- Holsteinische Fischereiverein hat beobachten können, daß in jeder Au und in jedem Bache, wo seit 1878 regelmäßig Lachsbrut eingesetzt wurde, im Jahre 1883 Lachse iu verhältnismäßig großem Maßstabe aufgestiegen sind; so hat man z. B. in der Wehrau bei Alt-Mühlendorf, wo früher gar keine Lachse vorkamen, in diesem Winter Rheinlachse im Werte von 400 M. gefangen. Während man bis zum Jahre 1879 aus ganz Schleswig-Holstein keine Lachs- und Forellen¬ eier gewinnen konnte, weil es an passenden Fischen fehlte, sind in diesem Winter in der Brutanstalt zu Alt-Mühlendorf 900 000 Eier untergebracht, die sämtlich in der Provinz selbst gewonnen wurden; Beweis genug für den heilsamen Erfolg der Bestrebungen des Central-Fischereivereins. LI. B. Ein Capybara, Hyclrochoerus capybara, das in dem Londoner zoologi¬ schen Garten geboren wurde, starb, nachdem es 8 Tage alt geworden war. Bei der Untersuchung stellte es sich heraus, daß es bereits alle bleibenden Zähne hatte uud daß diese in Gebrauch gewesen waren. (Report of the Zoological Society of London, 6. Mai 1884.) Litteratur. Lepidopteren von Madagaskar. Neue und wenig bekannte Arten, zu¬ meist aus der Sammlung der Senckenbergischen naturforschenden Gesell¬ schaft. Von M. Saalmüller, k. preußischer Oberstlieuteuant a. D. Erste Abteilung: Rhopalocera, Heterocera ( Sphinges et Bombyces). Mit 7 chromo¬ lithographischen Tafeln. Frankfurt a. M. 1884. Im Selbstverlag der Ge¬ sellschaft, gr. 4°. 246 Seiten. 40 Mark. Noch immer ist Madagaskar ein Gebiet, aus dem die Forschung, die ja bis jetzt erst die Küstenregionen und auch diese nur unvollständig umfaßt hat, neue Formen des Pflanzen- und Tierlebens an das Licht der Wissenschaft bringt. Um so mehr ist ein Werk zu begrüßen, das in sorgfältiger Weise die Schmetterlinge jenes Wunderlandes bekannt macht und neben der Beschreibung einzelner Arten auch die großen Gesichtspunkte im Auge hält. Als Eiuleitung erhalten wir einen Überblick über die Flora und Fauna der Insel, soweit dieselben bis jetzt bekannt sind, und wir ersehen daraus, wie wenig verhältnismäßig bis jetzt darin geschehen. Madagaskar hat in Bezug auf seine Tierwelt manches nur ihm Zukömmliche wie die Halbaffen etc.; außerdem zeigt es sowohl Beziehungen zu dem benachbarten Afrika wie auch zu dem südöstlichen Asien. Bei den Schmetterlingen finden wir eine große Verwandtschaft mit der afrikanischen Fauna, indem »sich fast alle Arten, ohne besonders auffällig abweichende Formen aufzuweisen, den afrikanischen Gattungen anschließen.« Dieselben Familien, die dem Kontinente fehlen, sind auch in Madagaskar nicht vertreten, eigentümliche Gattungen besitzt die Insel nur wenige. Diese Verwandtschaft der Lepidopteren Madagaskars mit denen Afrikas anderen Behauptungen gegenüber bestimmt nachgewiesen zu haben, ist ein Verdienst des Verfassers. Er führt uns in dem systematischen Teile seines Werkes 577 Arten von Schmetterlingen vor, worunter eine gute Anzahl seither unbe¬ kannter Formen. Mehrere derselben sind der verstorbenen Gräfin Luise 256 Bose zu Ehren benannt, die sieh durch materielle Förderung naturwissen¬ schaftlicher Studien ein bleibendes Denkmal gesetzt hat, der auch das Werk gewidmet ist. Noch besonders müssen wir auf die Farbendrucktafeln hinweisen, die aus dem Atelier Werner und Winter dahier hervorgegangen sind. Wir sagen nicht zuviel, wenn wir behaupten, daß die Schmetterlinge wohl schwerlich jemals in solcher Schönheit in wissenschaftlichen Werken dargestellt worden sind. Unerreicht ist die Darstellung des Metallglanzes, Grün in Blau, bei dem prachtvollen Falter auf dem Titelbilde. Da die Tafeln zu der zweiten Abteilung des Werkes fertig vorliegen, so dürfte das Erscheinen der Schlußlieferung wohl nicht lange auf sich warten lassen. N. Eingegangene Beiträge. H N. in P. C. — W. : Für das Packet mußte 1.00 Mk. Porto nachgezahlt werden, weil es nicht genügend frankiert war. — II. B. in H. — R. Bl in B. : Zwei Mitteilungen; die eine wird benutzt. — A. J. J. in W. : Es hat mich sehr erfreut, nach längerer Zeit wieder eine Mitteilung von Ihnen zu erhalten. — K. Th. L in G. - Gr. S. in 6.: Angenommen. Die Abbildungen werden wir nicht ausführen können. — A. v. K in L: Wird benutzt. Die Antwort werden Sie erhalten haben. — L. K. in H. und H. B. in H.: Besten Dank für den schönen Bericht über die Operation. — Dr. L. W. in B. : Dank für die Sendung. - 0. v. L. in D. — J. v. F. in B. : Die für das Museum der S. n. G. angebotenen Exemplare werden gern angenommen. — Bücher und Zeitschriften. Bulletin of the Buffalo Society of natural Sciences. Buffalo. Vol. IV, No. 4 Buffalo 1883. 22. Bericht der Zoologischen Gesellschaft in Hamburg. Hamburg 1884. Prof. Dr. D. B Klunzinger. Über die Felsenarten des Bodensees. Sep.-Abdr. Jahres¬ hefte der Ver. f. vaterländ. Naturkunde in Württemberg. 1884. Gustav Prütz, Illustriertes Mustertauben-Buch. In 30—35 monatlichen Lieferungen ä 1,20 Mk. 3. u. 4. Lieferung. Mit Farbentafeln und Holzschnitten. Hamburg. J F Richter. 1884. S. Clessin. Deutsche Excursions-Mollusken-Fauna. 2. Aufl. 2. Lieferg. Nürnberg. Bauer und Raspe. 1884. Dr. R. Blasius. Erster internationaler Ornithologen-Congreß in Wien. 1884. Sep.-Abdr. Monatsschrift d. Deutsch. Ver. zum Schutze der Vogelwelt. Erstes Österreich - ungarisches Lehr- und Lernmittel-Magazin. II Jalirg. No. 8. Graz, Paul Oieslar. 1834. Ernst Krause Hermann Müller von Lippstadt. Mit dein Porträt. Müllers. Lippstadt. P. R e m p e 1 1884. C. A. L. von Binzer. Instinkt, Verstand und Geist bei Menschen und Tieren. fZeitfragen des christlichen Volkslebens. Bd. IX, Heft ö). Heilbronn Gebr. Henning er. 1881. l Mk. Humboldt, Monatsschrift für die gesamten Naturwissenschaften. Herausgeg. von Prof. Dr. G. Krebs. 3. Jalirg. 6. Heft. Stuttgart. Ferd. Enke. 1884. Insektenbörse. Centralorgan zur Vermittlung von Angebot, Nachfrage und Tausch. Exped. und Redaktion: Ed. Wartig, Leipzig. I. Jahrg. No. 1. Preis 75 Pf. pro Quartal. Verslag van het Koninklijk Z o ol og isch -B o tan i s ch Genootschapte’s Graven- hage over het Jaar 1883. M. Saalmüller. Lepidopteren von Madagaskar. Neue uud wenig bekannte Arten zumeist aus der Sammlung der Senckenbergisclien naturforschenden Gesellschaft. Erste Ab¬ teilung: Wiopulocera , Heterocern (Sphingen et Bombyces). Mit 7 chromolithographischen Tafeln. Frankfurt a. M. 1884. Tm Selbstverläge der Gesellschaft. 40 Mk. Berichtigung. Heft 2, Seite 56. Zeile 24 v. u. lies „fast alle“ anstatt „einige“. 18 v. u. „ „Männchen“ „ „Weibchen“. Nachdruck verboten. i»ri»ck von MahlftH & YVftldsckmidt. Frankfurt a. M. Zeitschrift für Beobachtung, Pflege und Zucht der Tiere. Herausgegeben von der „Neuen Zoologischen Gesellschaft“ in Frankfurt a. M. Redigiert von Professor Dr. F. C. Noll. Verlag von Mahl au & Waldschmidt in Frankfurt a. M. No. 9. XXV. Jahrgang. September 1884. In Sä all. Eine Augenoperation an einem Lämmergeier des Zoologischen Gartens in Hamburg; von Dr. med. und phil. 1.. Kotelmann, Augenarzt in Hamburg. — Texas und seine Tierwelt; von H. Nehrling. (Fortsetzung.) — Die wissenschaftlichen und die praktischen Aufgaben hei der Aufstellung unserer Naturaliensammlungen; von Leopold Martin in Stuttgart. (Fortsetzung.) — Das Fliegen der Fledermäuse am Tage; von Pfarrer Jäckel in Windsheim. — Die Springmäuse: nach Lat aste. — Bericht über den Zoologischen Garten zu Dresden über das Geschäftsjahr vom 1. April 1882 bis 31. März 1883. (Schlufä.) — Zur Ornithologie Jamaika’s ; von Damian Gronen. — Miscellen. Eine Augenoperation an einem Lämmergeier des Zoologischen Gartens in Hamburg. Von Dr. med. und phil. L. Kotelmann, Augenarzt in Haipburg. Im Mai 1879 ging dem Zoologischen Garten in Hamburg von einem Handlnngshause in Malaga ein aus der Sierra Nevada stam¬ mender Lämmergeier ( Gypaetos barbatus L.) zu. Das schöne Tier war dadurch beträchtlich entstellt, daß es auf dem linken Auge an einer Verschwärung der Hornhaut ( ’ulcus corneae) litt. Da solche Geschwüre oft traumatischen Ursprungs sind, so wird man auch hier an eine während des Transportes zugezogene Verletzung denken dürfen. Von einer augenärztlichen Behandlung konnte in diesem Falle nicht die Rede sein. Denn feuchte Wärme, wie man sie bei ulcus corneae in Form von Kompressen appliziert, um die gesunkene Ernährung der Hornhaut zu heben, ließ sich unter den obwaltenden Verhältnissen nicht zur Anwendung bringen. Ebenso war aber auch das therapeutische Hauptmittel, schwefelsaures Atropin, das in ein¬ prozentiger wässriger Lösung in das Auge eingeträufelt wird, durch Zoolog'. Gart. Jalirg-. XXV. 1884. 17 258 den eigentümlichen Bau der Vogel -Iris ausgeschlossen. Dieselbe besitzt nämlich in ihrer bindegewebigen Grundlage nicht wie die Säugetier - Iris glatte, sondern quergestreifte Muskelfasern, welche letztere auf Atropin 'nicht reagieren. Diese bereits anderweitig fest¬ stehende Thatsache*) ließ sich auch durch Kontrollversuche an jungen Eulen nachweisen, bei denen selbst die stärksten Atropinlösungen keine Erweiterung der Pupille bewirkten. So mußten wir den Läm¬ mergeier seinem Schicksal überlassen und uns auf eine Beobachtung des Verlaufes der Krankheit beschränken. Dieselbe endete, wie zu erwarten stand, mit einem großen Leukom, welches das ganze Pupillargebiet der Hornhaut einnahm. Damit war natürlich das Sehvermögen erloschen und da eine Wiederherstellung durch Auf¬ hellung des Narbeugewebes nicht erwartet werden konnte, so ließ sich nur noch eine kosmetische Verbesserung des Auges vornehmen. Ich wandte dazu die zuerst von Wecker in Paris vorgeschlagene Tätowierung der Hornhaut an. Dieselbe wurde mit schwarzer chine¬ sischer Tusche ausgeführt, die ich in dickflüssigem Zustande auf das mit 3 Nadeln versehene Tätowieruugsiustrument vermittels eines Pinsels auftrug. Trotzdem die Einstiche in die Hornhaut ziemliche Schmerzen erregen, setzte uns doch das von einem Wärter am Leibe und von Herrn Direktor Bo lau am Kopfe gehaltene Tier keinen bemerkenswerten Widerstand entgegen. Da eine Operation nicht genügte, um die weiße Narbe hinreichend dunkel zu färben, so wiederholten wir dieselbe nach etwa 8 Tagen noch einmal. Irgend welche stärkere Reaktion trat nach keinem der beiden Eingriffe ein und so ergab sich als Endresultat eine auf die Hornhaut tätowierte schwarze Pupille, die sich bis zum heutigen Tage, also 5 Jahre hindurch wohl erhalten hat. Der „stattliche Lämmergeier hat da¬ durch bedeutend an Wert gewonnen, da die künstliche Pupille von dem Beschauer kaum als solche erkannt werden dürfte. *) A. Nu lm, Lehrbuch der vergleichenden Anatomie. Heidelberg 1878, S. 597. 259 Texas und seine Tierwelt. Von H. Nehrling. (Fortsetzung.) Daß wir uns im Süden befinden, zeigen die allerwarts auf dem Boden und an Bäumen umberlaufenden Eidechsen. Sehr häufig ist die grüne Eidechse (. Anohus carolinensis Cuv .), ein sehr munteres, harmloses, schönes Tierchen, welches je nach dem Gemütszustände seine grüne Farbe in ein metallisches Grau verwandeln kann. Es ist fast immer in Bewegung, klettert an den Baumstämmen empor, den Asten entlang, durch’s dichteste Gebüsch und hält sich eigent¬ lich wenig auf dem Boden auf. Da es nur von Insekten lebt, so ist es sehr nützlich. Besonders häufig findet man diese Eidechse in den Gärten, an den Gebäuden und Fenzen. Selbst in die Häuser kommt sie, wo sie über Betten, Stühle, Tische und anderes Hausge¬ räte den Insekten nacheilt. Sie läuft an den glattesten Wänden geschickt hin und her. — Sehr zahlreich und fast noch schöner ist die gestreifte Eidechse ( Ameiva sex-lineata Cuv.), welche sich jedoch immer nur auf oder uahe am Boden umhertreibt und nie an Wänden und Baumstämmen emporklettert. Oft sieht man Dutzende sich auf dem warmen Boden sonnen, aber sobald sie gestört werden, laufen sie überraschend schnell in ihre Erdhöhlungen oder unter Steine und alte Baumstämme. Den Winter verbringen sie in ihren selbstgegrabenen, etwa einen Fuß unter der Oberfläche des Bodens liegenden Erdhöhlungen. — In den feuchteren Grasebenen des siid- östlichen Texas lebt eins der eigentümlichsten unter unseren Reptilien, nämlich die gehörnte Eidechse ( Phrynosoma cornutum Gray), der »Hornfrosch« der Ansiedler. Nie sah ich sie in trockenen Gegenden, selbst in der Region des Hügellandes traf ich sie nie, während sie in der Küstengegend allerwarts zahlreich war. Sie ist ein durchaus harmloses Tier, welches man ohne Gefahr mit der Hand vorn Boden aufnehmen darf. Ihre Bewegungen sind merkwürdigerweise durch¬ aus nicht eidechsen- sondern entschieden krötenartig. Sie bewegt sich nur langsam und unbeholfen. Ihre Nahrung besteht aus allerlei Insekten, welche sich wie sie auf dem Boden aufhalten. Dies eigen¬ tümliche Tier fällt auch sonst achtlos an der Natur vorübergehenden Alltagsmenschen auf und häufig schickten Reisende es, in eine kleine Schachtel verpackt, ihren im Norden wohnenden Freunden zu. Als ich noch in Chicago wohnte, sah ich eine gehörnte Eidechse in dem 200 Garten des Herrn Apotheker Mönch, eines für die Schönheiten der Natur außerordentlich begeisterten Liebhabers und Naturfreundes. So lange es in einem Garten nicht an Insekten mangelt, bleiben diese Tiere gesund und beweglich, sobald sich aber kaltes Wetter einstellt, gehen sie regelmäßig ein. In allen größeren Sümpfen, in Teichen, Flüssen und Bayous findet man noch in großer Anzahl den Alligator {Alligator vnissis- sippiensis Gray). Ich fand ihn im ganzen südöstlichen Texas in allen geeigneten Orten zahlreich, selten dagegen im Hügellande, obwohl er auch da früher gemein gewesen sein soll. Man sieht oft Dutzende sich am Baude der Ufer und auf alten im Wasser liegenden Baum¬ stämmen sonnen ; andere halten nur den Kopf über den Wasser¬ spiegel empor, noch andere durchschwimmen das Wasser, den Schwanz als Ruder benutzend. Selten trifft man sie im Wald und auf der Prairie, denn sie verlassen ihr schützendes Element nie ohne die dringendste Not. Nur durch Nahrungsmangel werden sie oft zur Wanderung nach einem benachbarten Gewässer gezwungen. Ihre Bewegungen auf dem Lande sind sehr langsam und unbeholfen, und man kann sie dann sehr leicht, ohne daß man Gefahr läuft, mit der Axt oder einem starken Knüppel töten. Sehr große Exemplare verstehen es, mit ihrem Schwänze, welcher anscheinend die kräftigste Waffe des Tieres ist, wuchtige Hiebe nach allen Seiten hin auszu¬ teilen, wenn man sich aber immer vor dem Kopfe des Tieres befindet, so ist mau vor diesen Schwanzschlägen sicher. Kommt mau in die Nähe der am Wasser sich sonnenden, so flüchten sie meist sogleich in ihr nasses Element. Als ich im Februar 1882 mit der Eisenbahn durch das südliche Louisiana fuhr, sah ich oft 3 bis 6 Stück ganz dicht am Bahngeleise still und regungslos daliegen, ja sie schienen den an ihnen vorübersausenden Zog kaum eines Blickes zu würdigen. — So langsam und feig der Alligator auf dem Lande ist, so schnell, lebendig, dreist, ja gefährlich ist er im Wasser. Kälber, Schweine, Hunde und andere Tiere, welche sich hineinwagen, fallen ihm oft zur Beute und selbst Menschen müssen da, wo diese Tiere häufig sind, auf ihrer Hut sein. Man sagt ganz allgemein im Süden, der Alligator zeige eine ganz besondere Vorliebe für Negerfleisch, ver¬ schone aber in der Regel den Weißen; ein solches Unterscheidungs¬ vermögen traue ich aber diesen Tieren nicht zu. Die Fabeln und Jagdabenteuer, welche man sich vom Alligator erzählt und welche ganz allgemein fest geglaubt werden, würden Bände füllen. Die Hauptnahrung dieser Tiere besteht aus Fischen und Schlangen. Den 261 auf im Wasser stehenden Sträuchern brütenden Reihern und anderen Vögeln scheinen sie nicht gefährlich zu werden; ich fand oft Hunderte von Reiher- und Bootschwanznestern in einem Sumpfe, iu welchem auch Alligatoren vorkamen. Wo sie zahlreich sind, hört mau bald nach Anbruch der Nacht ihr dumpfes, tiefes Gebrüll, und wenn mau sich in der Nähe befindet, vernimmt mau auch das Geräusch, welches sie durch das Peitschen des Wassers mit den Schwänzen hervorbringen. Die Eier, welche von einer sehr zähen, harten Schale bedeckt sind, haben eine weißliche Farbe und eine länglichrunde Gestalt. Man findet sie, oft zu Dutzenden, iu anscheinend sorgfältig gewählten Örtlichkeiten, meist uuter dichtem Gebüsch, etwas abgelegen vom Wasser. Als Unterlage dient ihnen altes Gras, Blätter und Moos; diese in Fäulnis übergehenden Stoffe erzeugen die zur Zeitigung der Eier nötige Wärme. In der Regel sind die Eier zngedeckt und ent¬ gehen auf diese Weise vielfach der Beobachtung. Bei Houston au der Buffalo-Bayou beobachtete ich schon Mitte Mai ausgekrochene Junge und Mitte April etwa trifft man dort hie und da Nester mit Eiern. Daß das alte Weibchen in der Nähe des Nestes liegen und Wache halten soll, habe ich nicht beobachtet; ich habe nie einen Alligator in der Nähe der Eier gesehen. Doch muß ich hierbei be- merken, daß ich Eier und Junge nur bei Houston, wo die alten Tiere Verfolgungen ausgesetzt sind, gefunden habe. In anderen abgelegeneren Örtlichkeiten, wo das Tier den Menschen noch nicht kennen gelernt hat, wird es sich wohl ganz genau so verhalten, wie dies unser Audubon beschreibt. In allen größeren Teichen, Flüssen und Bayous ist die Schn ap p- oder Alligatorschildkröte ( Meter oclemmys lacertina Ag.) noch zahlreich. In größter Anzahl findet man sie in duukelen, schlammigen Gewässern, in mit faulendem Wasser angefüllten Tümpeln, in Mühl¬ teichen u. s. w. Sie ist ein sehr gehaßtes und gefürchtetes Tier. Wo mehrere in einem Teiche leben, werden in kurzer Zeit alle jungen Enten und Gänse ihre Beute und besonders große Exemplare gehen auch alten Enten und selbst Gänsen zu Leibe. Sie schwimmen unter dem schlammigen Wasser bis zu ihrer Beute herau und ziehen diese an den Füßen unter das Wasser, wo sie dieselben verzehren. Man sieht sie oft den Kopf aus dem Wasser tauchen; solche Gelegenheiten benutzen die Ansiedler, um ihr eine wohlgezielte Kugel durch den¬ selben zu jagen. Ist einmal einer dieser Räuber jedoch mit dem Leben davon gekommen, so ist es fast eine Unmöglichkeit, des schlauen, nun äußerst scheuen Tieres habhaft zu werden. Im Wasser ist die 202 Alligatorschildkröte sehr geschickt und schnell. Ihre Hauptnahrung sind Fische, Frösche und andere Tiere, welche sich in’s Wasser wagen. Man sagt, daß große Exemplare im Wasser selbst Menschen augreifeu und ihnen sehr große und gefährliche Wunden beibringeu können. Wenn man einer Gefangenen einen Stock oder irgend etwas vorhält, so springt sie förmlich darnach und beißt sich daran fest; fiugerdicke Stöcke durchbeißt sie mit Leichtigkeit, an größeren hängt sie so fest, daß man sie mit sich fortschleppen kann. Sie ist ein sehr bos¬ haftes, wütendes Tier, dessen äußere Gestalt, namentlich der häßliche Kopf mit den tückischen Augen, überaus abschreckend wirkt. Junge Schildkröten dieser Art sieht man häufig auf dem Markte in Houston, wo sie leicht Abnehmer finden, da mau sie gut zur Herstellung der beliebten Schildkrötensuppe ( Turtle Soup) verwenden kann. Auch Alte werden trotz des ihnen anhaftenden Bisamgeruches sehr gern von Negern gekauft. Ich habe manchmal 70 bis 80 Pfund schwere, in der Buffalo- Bayou gefangene gesehen; gewöhnlich waren die in kleineren Gewässern beobachteten nicht schwerer als etwa 20 bis 30 Pfund. Als eine ganz besondere Delicatesse gelten die Eier dieser Schnappschildkröte. Man findet sie zu 30 bis 40 Stück im Sande eingescharrt, ganz in der Nähe des Wassers. — Häufig ist auch die w ei c h s c h a lig e Schildkröte ( Trionyx ferox; SoftsheUecl Turtle). Man fängt sie öfters an Fischangelu, muß daun aber beim Abnehmeu derselben sehr vorsichtig sein, da sie sehr bissig ist und gefährliche Wunden beibringeu kann. Sie liefert das schmackhafteste Fleisch und ist deshalb besonders gesucht. Auch sie richtet unter jungen Enten und Gänsen arge Verheerungen an. Sie bewohnt mit Vorliebe klares Wasser, in welchem Wasserlilien, Pfeilkraut und andere Wasserpflanzen wachsen. — Es finden sich in Texas noch verschiedne andere Schildkröten, aber es würde an dieser Stelle zu weit führen, näher auf deren Lebensweise einzugehen. Zahlreich ist die Moschusschildkröte ( Ozotheca odorata Ag.), sehr häufig die gemalte Schildkröte (Emys pseudogeographica Holbr.) — Die Flüsse, Bayous und alle Wassertümpel in ganz Texas sind voller Fische, aber sie sind im allgemeinen nicht so schmackhaft wie in den nördlichen Landesteilen. In Houston bietet man meist Seefische aus dem mexikanischen Golf zum Verkauf aus. In der Buffalo-Bayou wurde oft ein merkwürdiger, der Gattung Lepidosteus (Gar-Fish und Gar-Pike) augehöriger Fisch gefangen, dessen Fleisch nur von den Negern gegessen wird. Sehr zahlreich ist auch eine Art Katzenfisch ( Pimelodus spec?) in allen texanischen Gewässern. 263 . - So voll auch das Wasser von Fischen ist, so habe ich doch keine grobe Artenzahl verzeichnen können. Kein Zweig der texanischen Natur erinnert so an die Tropfen wie die Welt der Insekten. In der heißen Jahreszeit wird sie dem Menschen überaus lästig, ja gefährlich. Mehr als irgend eine der angeführten Giftschlangen fürchtet man die auf Feldern, in Gärten, namentlich aber auf Prairieen häufigen Taranteln. Diese sehr großen, dicht behaarten Spinnen leben in etwa 4 bis 5 Zoll tiefen, selbstgegrabenen Erdlöchern, aus welchen die Augen wie grüne Edel¬ steine hervorleuchten; wie ein Blitz schießt das wütende Tier aus der Höhle hervor, wenn man mit einem Stöckchen hineinlangt. Ihr Biß verursacht wochenlang die schrecklichsten Schmerzen und führt bei ganz kleinen Kindern manchmal sogar den Tod herbei. Als ich an der West-Yegua zum erstenmal die nächste Umgebung meiner Wohnung einer genauen Untersuchung unterwarf, fand ich mehr als zehn Taranteln, kaum einige Schritte vom Hause. In einer sehr großen, schön gezeichneten Wespenart, die ich Tarantel wespe ( Pepsis elcgans ) genannt habe, findet diese gefürchtetste Spinne ihre größte Feindin. Ich habe oft beobachtet, wie diese Wespe, welche einen sehr penetranten iibelen Geruch verbreitet, sich einige Schritte vor der Wohnung der Tarantel niederließ, schnell auf dieselbe zukroch, dann dieselbe umkreiste und plötzlich in ihr verschwand. Ob sie die Tarantel durch ihren Stich tötet oder durch eine starkriechende Flüssigkeit betäubt, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. That- sache ist es, daß sie nach kurzer Zeit mit der überwundenen toten Feindin vor dem Eingänge erscheint und dieselbe dann halb fliegend, halb schleppend in ihr Nest trägt. Diese Wespe ist in ihren Be¬ wegungen auf dem Boden sehr schnell, und beim Kriechen hebt sie fortwährend die Flügel in die Höhe und legt sie dann wieder nieder. — In den Häusern und Ställen, im Holz, an Maiskolben u. s. w. ist der Skorpi on ( Buthus spinigerus ) sehr häufig. Des Abends und Nachts spaziert er über Betten, Tische, Bücher und an den Wänden entlang. Sobald man ihn berührt, schlägt er schnell mit dem Schwänze, an welchem sich der Stachel findet, nach dem mit ihm in Berührung gekommenen Gegenstand. Ich bin oft gestochen worden, selbst nachts im Bett. Der Stich ist sehr schmerzhaft, aber nicht gefährlich. Eine Einreibung mit Salmiakgeist (Spirit of Ilartshorn) beseitigt fast so¬ fort den Schmerz. — Sehr gefürchtet ist auch der Skolopender ( Scolopendra spec .?), der »Tausendfuß« der Deutsch- oder Centipede der Anglo-Texaner. Man findet 8 bis 10 Zoll lange Exemplare in 264 altem Holz, unter Steinen, unter halbverfaulten Baumstämmen, unter Häusern, Ställen und anderen dunklen Örtlichkeiten. Oft werden die Stellen, wo er mit seinen Füßen das Fleisch berührt, wund und eiterig. In allen Ecken und Winkeln, an die Wände und Bücher, in Rockärmel und Kleidungsstücke baut die Stahlwespe ( Pelopaeus ccieruleus ) ihre oft faustgroßen, aus verschiedenen Zellen bestehenden sehr festen Lehmnester. Für die Larven trägt sie jede Zelle voll kleiner glänzend schwarzer, oft auch grünlicher Spinnen und verklebt den Eingang zu denselben. Ich habe oft 150 bis 200 solcher Spinnen in einem Neste gezählt. Sie wird in Häusern sehr lästig. — Auf Böden, in Ställen und dergleichen Örtlichkeiten baut eine ziiumet- \ braune Wespe (wahrscheinlich Polistes rubriginosa) ihre großen papierartigen Nester. Man sieht sie oft scharenweise an alten Brettern, Schindeln und Pfosten nagen. Dieses abgenagte Material wird zu einem dicken Brei gekaut und daraus die festen papierähn¬ lichen Nester hergestellt. Diese Art sticht sehr gern, namentlich wenn man in die Nähe ihres Nestes kommt, und ihr Stich ist sehr schmerzhaft. Sehr reich ist Texas au Ameisen. Die schlimmste Art ist die wegen ihres Bisses gefürchtete Rostameise ( Myrmica malefacie%ß) die mau auch die »ackerbautreibende« genannt hat. Trotz jahre¬ langer Beobachtungen habe ich nichts von dem ihr zugeschriebenen Ackerbau beobachtet, obwohl sich etwa 20 Nester, teils sehr dicht an meiner Wohnung an der West Yegua befanden. Es ist wahr, daß sie ihre Nester im Umkreis von 6 bis 8 Fuß völlig frei von jeglicher Vegetation halten und es ist ferner wahr, daß sie alle Grassämereien, welche sich in der Nähe finden, in ihre Nester tragen, daß sie aber selbst säen und das gepflanzte Gras von Unkraut frei halten, habe ich nirgends beobachtet. Wenn ich meinen Zebrafinken und Kanarienvögeln des Morgens Futter gegeben hatte, so war gewöhnlich nach zwei Stunden auch kein Körnchen Kanariensamen und Hirse mehr vorhanden. Die Ameisen kommen scharenweise, um es in ihre Erdhöhlungen zu tragen. Wenn man unversehens auf ihre Wohnungen o O o tritt, beißen sie sich in großer Anzahl im Zeug fest, viele kriechen am Körper empor und verursachen durch ihre Bisse entsetzliche Schmerzen. Namentlich haben Kinder, welche im Freien spielen, viel von diesen Tieren zu leiden. Nur durch schnelles Waschen mit Salmiak wird der unerträgliche Schmerz etwas gelindert. Kleine Gänse, Enten, Hühner und Truthühner werden sehr oft durch die BisSe der Tiere gelähmt und getötet. Ich habe durch nichts, weder durch Gift, noch durch Feuer, noch durch Ausgraben die in meinem Garten befindlichen Nester zerstören können. Wenn man auch einige Wochen nichts von ihnen sah, so erschienen sie doch bald in noch größerer Zahl als vorher. Eine ganz eigentümliche Art ist die Nachtameise ( Oecodomo texana). Ihre Nester legt sie vorzugsweise gern in sandigen Feldern an. Sie haben in der Regel eine halbe und oft auch eine ganze Meile im Umpfaug. Nichts gedeiht auf den Ameisenstrecken, und Tiere sinken, da d*er Grund unterminiert ist, tief ein. Mau nennt diese Art »Nachtameise«, weil sie oft in einer Nacht nicht nur Pfirsich- und Birnbäume, soudern auch größere Waldbäume völlig entblättert. Millionen ziehen auf glatten Straßen, jede ein Blattstückchen über den Rücken haltend, hin in das Nest, während andere Millionen auf einer Nebenstraße hin zum Baume ziehen, um das Zerstörungswerk fortzusetzen. Viele verlieren ihr Blattteilchen, denn die ganze glatte, zum Nest führende Straße ist mit solchen bedeckt. Etwa zwanzig Stück lassen sich auf einem Blatte nieder, zerschneiden dies mit ihren scharfen Scheren und tragen die einzelnen Teile fort. Ich habe noch am Abend schön belaubte Bäume gesehen , die am andern Morgen völlig kahl waren. Die Farmer suchen sich auf alle Weise dieser schädlichen Plagegeister zu entledigen, denn sie verwüsten auch, oft in einer Nacht, ganze Baumwollenstrecken. Man wendet zu ihrer Vertilgung eine Maschine an, durch welche man Schwefel¬ dämpfe in die Höhlungen dringen läßt. Es gehört im Sommer ein großer Enthusiasmus für die Natur dazu, um in den Wald zu gehen und Beobachtungen zu machen. Wenn man zu Hause wieder angekommen ist und nachsieht, so findet man in der Regel, daß sich auf dem Körper Holzböcke ( Wood- Ticks) in großer Anzahl eiugebohrt haben, welche nur schwer und nicht ohne Schmerzen wieder zu entfernen sind. Am schlimmsten sind jedoch die fast mikroskopischen sogenannten »Red-buys«, welche sich zu Tausenden durchs Zeug bohren und am ganzen Körper ein unangenehmes, ja unausstehliches Jucken verursachen. Nur dadurch, daß man sich mit Petroleum einreibt, wird man diese fast unsicht¬ baren Quälgeister einigermaßen los. — In den Monaten April und Mai sind besonders die Flöhe sehr zahlreich, und des Nachts lassen die Wanzen, von denen es in den meisten Holzhäusern wimmelt, den Schläfer nicht leicht zur Ruhe kommen. Im südlichen Texas muß man sich wegen der Moskitos ganz besonders einrichten. 266 Die Betten müssen dort ganz von sogenannten Moskitosnetzen um¬ schlossen sein, sonst ist man morgens mit kleinen, durch die Bisse dieser Quälgeister verursachten Beulen bedeckt. Doch, man wird auch diese Plagen bald gewöhnt und kehrt sich endlich mit stoischer Ruhe nicht mehr an sie; nur wenn man schlafen will und einige unter das Netz geratene Moskitos singen im schönsten Diskant ihre Schlachtgesänge, dann ist es mit der stoischen Ruhe vorbei. (Fortsetzung folgt.) Die wissenschaftlichen und die praktischen Aufgaben bei der Aufstellung unserer Naturaliensainmlungen. Von Leopold Martin in Stuttgart. (Fortsetzung.) Vögel mit a us g eb r eit et e n Flügeln. Einen jedeu Natur¬ freund berührt es schmerzlich, wenn er bei Betretung einer Vogel- sammluug die Beweglichkeit und Vielgestaltigkeit der Vogel weit ver¬ mißt, die in Wald, Garten und Flur uns überall entgegen treten. Brett um Brett, Schrank um Schrank dieselbe Monotonie und Gleichförmigkeit der Ständer und Brettchen und der daraus entspringenden Stellungen der Vögel wiederzufinden, wirkt in kurzer Zeit ermüdend auf den Be¬ schauer ein, und weil sich ihm keine anderen Bilder darbieten, verläßt er meist früher, als beabsichtigt wurde, die Sammlung. — Fragen wir nun nach den Ursachen dieser trostlosen Erscheinung, so ist die Ant¬ wort der Platzmangel, an welchem unsere Sammlungen von jeher gelitten haben. Dieser fortwährende Platzmangel liegt aber in der Ungenügsamkeit, welche dem Egoismus des Menschen entstammt und ihn zum Anhäufen von Schätzen bestimmt. Die Sucht, möglichst viele Exemplare selbst von einer Art zu besitzen, versagte dem besseren Wissen und Können den Raum u. deshalb mußte das Aufstellen der Vögel mit ausgebreiteten Flügeln unterbleiben. Es wird mir nun obliegen, das Fehlerhafte dieses Systems nachzuweisen. Bekanntlich sind die Flügel die Hauptbewegungsgliedmaßen der Vögel und sie werden als solche bei der Diagnose ganz be- sonders herbeigezogen, denn die Zahl, Länge und Form der einzelnen Schwungfedern, die Zeichnungen und Farben geben für besondere Arten und Familien wesentliche Anhaltspunkte für deren Erkennung, wozu noch der Schwanz und andere Partien des übrigen Körpers * 267 kommen. Zu diesen Untersuchungen und Vergleichungen wäre es wünschenswert, immer einen frischen Vo^el zu haben, welchen aber bei Exoten meistens der Balg ersetzen muß. In streng wissenschaft¬ lichen Sammlungen, wo fortwährend gezweifelt und behauptet wird, fehlt es in der Regel an den erforderlichen Beweisstücken und da müssen denn die ausgestopften Vögel ihre Haut willig selbst zu Markte tragen. Diese Aermsteu, welche ihr Leben dem Interesse der Wissen¬ schaft geopfert haben, werden bisweilen noch öfter herbeigezogeu, um zerbrochen und zerfetzt und schließlich durch die unfehlbaren Gummikuren wieder geheilt entlassen zu werden. Würde man bei der Anlage der Sammlungen nicht gar so engherzig gedacht und mit dem Raum weniger gegeizt haben, so hätten freiere und beweglichere Stellungen und somit auch Vögel mit ausgebreiteten Flügeln früher Platz gegriffen und was sich jetzt als eine notwendige Aufgabe der Zeit herausgestellt, würde sich damals gleichsam von selbst ein- gefuuden haben. Wer sich übrigens von dem hier Gesagten eine eingehende Belehrung verschaffen will, der braucht nur das reich¬ haltige und darum von den meisten Zoologen hoch gefeierte Museum in Leyden zu betrachten, wo man dem herrschenden Platzmangel da¬ durch abgeholfen hat, daß man die Vögel in jüngster Zeit in Kolonnen aufgestellt, ihnen gleichen Schritt und Tritt gegeben und jedesmal denselben Flügel einer Seite ausgebreitet hat, wodurch sie dicht zu¬ sammengeschoben einer Kompagnie Rekruten ähnlicher sehen als Vögeln der freien Natur. Wie erfinderisch der Menschengeist außer¬ dem noch ist, um den Schein aller Naturähnlichkeit vollends zu ver¬ decken, das sehen wir an den Spechten der gleichen Sammlung, deren rauhe Äste manjeutweder aus einem landesüblichen Verschönerungssinn oder aus jBesorgnis, dieselben für echt zu halten, mit einem kreide¬ weißen Anstrich versehen hat. So sehen wir denn, zu welchen Fort¬ schritten uns der Geschmack der Zeit schließlich noch führen kaun ! — Schwebend dargestellte Vögel. Haben wir uns bei den bisher betrachteten Vögeln von der großen Notwendigkeit überzeugt, einzelne derselben nicht nur mit gelüfteten, sondern auch viele mit ganz ausgebreiteten Flügeln zur Anschauung zu bringen, so tritt bei vielen auch noch das Erfordernis zu Tage, sie schwebend betrachten zu können. Dies gilt z. B. für manche große Papageien, Nashorn¬ vögel, viele Langhänder, wie Nachtschwalben, Schwalben und Kolibris und schließlich für die meisten Raben. Es sind nun mehr denn 30 Jahre, als ich an der Küste des Hafens von Puerto Cabello auf der Ruine eines alten spanischen 268 Kastells mich niedergelassen hatte, von dessen eisenharten Mauern ich eine unvergleichliche Fernsicht genoß. Vor mir das weite un¬ endliche Meer, mit seiueu in grauer Ferne verschwindenden niedrigen Pelekaninseln und unter mir die blaue glitzernde Wogenflut mit ihrem donnerähnlichen und immer gleichmäßig wiederkehrendeu .. o o Gebrüll. Uber mir auf der Ruine hatte eine Schar Hühnergeier sich niedergelassen und streckte die kahlen Köpfe neugierig nach mir hinab, um zu sehen, was mich wohl veranlaßt haben mochte, das sonst von Wenigen gestörte Heiligtum ihrer Brutstätte zu betreten. Aus den endlosen und mit Urwald dicht bedeckten hohen Bergen, welche sich der Ruine seitwärts auschlossen, zogen, zumeist paarweis schwebend, beutegierige Raubvögel kreisend durch die Luft, unter welchen sich eine kleine Schar elegant geformter und durch mäch¬ tigen Gabelschwanz ausgezeichneter Schwalbenweihen in den zier¬ lichsten Schraubenlinien in der klaren Himmelsbläue bewegte. Nicht weit von diesen, doch dem Meere näher, zogen einige dunkle Ge¬ stalten auf mächtig ausgestreckten Schwingen ebenfalls ihre präch¬ tigen Spiralen durch die Luft und trieben dieses oft stundenlange Spiel ohne Unterbrechung in gleicher Ergötzlichkeit fort. Es waren Fregatten, meist 5 an der Zahl, deren Brutstätten auf den vorhin erwähnten kleinen Inseln liegen. Neben und unter diesen nistet auch der kleine graue Pelekan, der das diesseitige Ufer gleichfalls besucht und dessen Flugbild ich in meiner »illustrierten Naturge¬ schichte« niedergelegt habe. (Siehe das Flugbild auf Seite 563). Bei Betrachtung dieser gleichzeitig mit noch mehreren anderen Vögeln beobachteten Flugweise fiel mir trotz mannigfacher Ab* weichungen dennoch der Umstand auf, daß die Raubvögel sowohl wie die Pelekane dasselbe Kreisen in der Luft zeigen, was ich später auch bei vielen anderen Sumpf- und Wasservögeln wiederfand. Dieses gleichmäßige Verhalten zwischen Raub- und Wasservögeln machte damals schon den Gedanken rege, daß hier eine verwandt¬ schaftliche Beziehung zwischen diesen, sich scheinbar so fern stehen¬ den Vögeln liegen müsse. Dieser Gedanke wurde aber lange Zeit durch, tausendfache andere Vorkommnisse zurückgedrängt, und je weniger ich Zeit bekam, ihn zu verfolgen, desto eifriger verfolgte er mich. Zunächst wurde mir klar, daß die Raubvögel, deren Junge mit einem dichten Dunenkleide bedeckt sind, weder an die Spitze, noch weniger aber beliebig zwischen die anfänglich nackten Vögel zu stellen sind und daß sie mithin in das Bereich der gleich mit Dunen bekleideten Vögel gehören. Nachdem ich hierüber im reinen war, galt es der 209 Frage, wohin dort? Die schönen Spiralen der Raubvögel und Störche, denen ich schon seit meinen Kinderjahren so gern zugeschaut, wurden durch meine Erinnerungen ans Amerika immer von neuem wachge¬ rufen und ich fand, daß die Stellung der Raubvögel in unmittelbare Nähe der gleichfalls raubenden Sumpf- und Wasservögel gehöre, zu welchen sogar die Brücke im Sekretär und Cariama noch besteht. Es wäre unüberlegt von mir, wenn ich erwarten wollte, daß gleich alle meine Leser auch meines Glaubens sein müßten, denn bekanntlich gilt ja der Glaube in der Wissenschaft nichts, sondern nur die nüchternste Überzeugung und zu dieser gehört oft lange Zeit ! — (Siehe meine illustrierte Naturgeschichte, Vögel, Seite 492.) Haben wir uns von der Zusammengehörigkeit aller Raubvögel ohne Ausnahme überzeugt, so finden wir bald auch noch weitere Veranlassungspunkte, unter welchen der Nahrungserwerb die wichtigste Rolle spielt. Bekanntlich zählen sie alle zu den längsten Nesthockern unter den Vögeln, weil sie die ausgebildetsten Flügel besitzen, deren Wachstum lange Zeit erfordert, weil sie den Stürmen des Meeres, der Hochgebirge und der Wüste in gleicher Weise zu trotzen haben. Sobald sie selbständig werden, fangen die Sorgen des Lebens an und diese bestehen im Aufsuchen der Nahrung, welche der Raub¬ vogel, vom Adler und Bussard bis zum Geier, vom Storch bis zum Reiher, der Fregatte und dem Tropikvogel, und von der Möwe bis zum Albatroß durch langsames Schweben und Kreisen in der Luft sich auszukundschaften sucht. Es wird nicht schwer zu beweisen sein, "daß gerade diese Momente aus dem Vogelleben hauptsächlich verdienen, dargestellt zu werden. Wie sehr nun aber unsere Vor- oänger darin gefehlt haben, geht daraus hervor, daß sie aus Spar¬ samkeitsrücksichten dieselben gänzlich übersehen und statt fliegende und schwebende Vögel darzustelleu die Decken unserer Sammlungen mit Walfischen und deren Skeletten, Robben, Krokodilen, Rieseu- schildkröten u. d. mehr zu zieren trachteten, wodurch schließlich eine gänzlich »verkehrte Welt« entstand. Ich will hier an einige in der Praxis begangene Fehlgriffe unseres Sammelwesens erinnern. Bekanntlich ist es eine anerkannte Erfahrungssache, daß Jäger, Forstleute und Landwirte, von denen es verlangt wird, daß sie die nützlichen und schädlichen Raubvögel ihrer Gegend genau kennen, diese fast nur in den betreffenden Fachsammlungen studieren, welche nach den Mustern der großen wißenschaftlichen Sammlungen an¬ gelegt sind ! Weil dort fast alle Raubvögel mit geschlossenen Flügeln aufgestellt werden, richten sich auch die Fachsammlungen darnach 270 und die betreffenden Schüler haben keine Gelegenheit, die ihnen fast nur fliegend begegnenden Raubvögel nach ihren Formverhält¬ nissen im Fliegen kennen zu lernen, woraus folgt, daß fortwährende Verwechselungen, selbst von sonst sehr tüchtigen Leuten begangen werden, und Habichte für Bussarde anzusprechen, zu den Vor¬ kommnissen des Tages gehört. Welcher Schaden hieraus entsteht, das ist erfahrenen Forst- und Landwirten hinlänglich bekannt. — Noch viel schlimmer als dieseu ergeht es dem großen Publikum, dem alle Vorstellungen über das Wesen der Raubvögel fehlen. Diese sind dutzendweise hinter Glas und Rahmen gebracht, sie spielen die Ritter von der traurigsten Gestalt, und nicht selten hört man die Frage aufwerfeu : »ob das wohl die wirklichen Raubvögel seien? Mau hätte sich dieselben mutiger, kampflustiger und be¬ weglicher gedacht und nicht geglaubt, daß sie so friedfertig neben einander sitzen können !« — Hier fehlt eben dem Laien das Vor¬ stellungsvermögen der Wissenschaft; da, wo alle Anregungspunkte fern liegen, lassen sich auch keine eigenen Bilder durch Phantasien hervor¬ zaubern, und deshalb bleibt der beabsichtigte Effekt wirkungslos. — Wenn nun aber ein Maler, Zeichner, Bildhauer, Modelleur den Auftrag erhält, einen Geier, Adler oder sonst einen Raubvogel mit ausgebreiteten Flügeln nachzubilden, und um die Erlaubnis in einem Museum nach¬ sucht, sich die Sache anzusehen, dann entstehen die Verlegenheiten, denn unter den 99 Raubvögeln der Sammlung fiudet sich vielleicht kaum einer, welchem die Freiheit gestattet worden, seine Schwingen etwas lüften, schwerlich aber ganz ausbreiten zu dürfen und wenn ja, in welcher Weise und Form? — Zum Schluß sei noch die Bemerkung erlaubt, daß dieses Zwangsjackensystem der Wissenschaft selbst oft gefährlich werden kann, indem wichtige Charaktere der Flügel dadurch über¬ sehen und unbeachtet bleiben können. Einen derartigen Fall habe ich au einem Stein- und Goldadler in meiner illustrierten Naturge¬ schichte dieser Vögel S. 512 abbilden lassen. (Das Spezielle, die Be¬ handlung dieser Vögel, siehe in meiner »Praxis der Naturgeschichte« I u. II. Weimar bei Voigt.) Flugbilder der Vögel. Sobald Vögel sich in größerer Anzahl vereinigt haben u. einem gemeinsamen Ziele entgegenfliegen, hört die plastische Nachahmung auf u. die bildliche muß an deren Stelle treten. So bekannt dieser Gegenstand auch ist, so ist er in wissenschaftlicher Hinsicht noch wenig beachtet u. in nur wenigen Fällen zur Darstellung gebracht worden. Haben unsere Vorgänger dadurch gesündigt, daß sie Seehunde und Krokodile an den Decken 271 aufhingen, wo fliegende Vögel hingehört hätten, so wußten sie auch nichts mit den leeren Wänden neben u. über den Schränken unserer Sammlungen anzufangen, die uns jetzt wie plötzlich aufge¬ fundene Schätze erscheinen müssen. Wer wird heute nicht, wo jede Konkurrenz freisteht, von der Wissenschaft verlangen, daß sie da, wo ihre plastische Technik aufhört, nicht auch mit andern Mitteln ihre Ziele zu erreichen sucht, wenn sie es vermag ? Die Malerei versteht es, mit wenigen Strichen das bildlich darzustellen, wozu das Wort u. die Feder oft lange Zeit erfordern und doch jene Klarheit nur selten erreichen. Um so wirksamer wird der Eindruck, wenn die Farben dazu kommen, deren Deutung jedes Kind zu fassen versteht. Bei den Nackt vögeln sehen wir, daß ihr Flug zwar häufig in großen Massen ausgeführt wird, jedoch noch nicht jene Regelmäßig¬ keit erlangt hat, die wir bei den meisten Dunen vögeln bewundern. Diese Verschiedenheiten sind es, welche unser ganzes Interesse in An¬ spruch nehmen. Ich werde zunächst die Nacktvögel kurz u. dann die Dunenvögel etwas ausführlicher besprechen. Wer die Tropen zu sehen Gelegenheit hatte, _dem werden die oft zahllosen dichtge¬ drängten Scharen der verschiedenartigen Papageien noch in lebhaf¬ ter Erinnerung sein, wenn sie in früher Morgenstunde in tausend¬ stimmigem Geschrei und mit rauschendem Flu^ffe aus dem nahen Ur¬ wald kommend auf ihre Futterplätze nach den Plantagen fliegen. Schon ein solches Bild muß packend auf den Beobachter wirken. Denken wir an die Segler u. Schwalbenarten u. schließlich au die Kolibris, deren Flugweise uns so reichen Stoff darbietet, was wir von dem zahlreichen Geschlecht der Singvögel weniger erwarten dürfen. Bei den Raben finden wir schon eine schwache Neigung, die Raubvögel nachahmen zu wollen, indem sie zu gewissen Zeiten vorübergehend kreisen. — Die Dunenvögel bieten durch ihre Filmbilder ein hohes Interesse dar, womit sie schon im Altertume ein großes Aufsehen erregten u. zu verschiedenen Deutungen Veran¬ lassung gaben. So übte der Kranichflug bei den Völkern des Alter¬ tums dieselbe Wirkung aus, wie es noch heute geschieht, und die winterlichen Schneegänse lassen erkennen, daß noch kalte Tage bevor¬ stehen. Fast jede Vogelart gruppiert sich in bestimmten Linien hinter und nebeneinander, an welchen Figuren sie der aufmerksame Jäger schon aus weiter Ferne erkennt. Auf dem von meinem Sohn gezeichneten Flugbild »stoßtauchende Vögel des karaibischen Meeres« Seite 562 in meiner illustrierten Naturgeschichte habe ich die Art 272 ihres Benehmens darzustellen versucht u. glaube damit einen nicht unwesentlichen Beitrag zu der Kenntnis dieser merkwürdigen Vögel geliefert zu haben. Gerade die Dunenvögel sind in dieser Beziehung ansnehmend reich und bieten somit eine fast unerschöpfliche Fülle der wichtigsten Thatsachen dar, welche unsere bisherigen Samm¬ lungen aber mehr oder minder alle verschweigen. Wie ungemein lehrreich und zugleich geschmackvoll könnten wir unsere Volks¬ sammlungen ausstatten, wenn wir genügsamer in der Aufstellung von Dubletten und Tribletten und umsichtiger in der Benützung des übrigen leeren Raumes sein wollten. Denken wir uns die kahlen Wände über unseren Schränken mit großen Bildern aus dem Vogelleben geschmückt; wie hier ein Flug Kraniche im bekannten Dreizack durch die Luft eilt; wie dort eine Schar Ibisse ihre langen Ketten formiert, in welcher Form sie über das Wasser setzt; wie Regenpfeiffer oder Sandhühner gleichfalls horizontal aber mit schnelleren Flügelschlägen vorübereilen: wie Wild- gänse und Schwäne dem eisigen Boreas enteilen und wärmere Land¬ striche aufsuchen; schwimmtauchende Pelekaue sich zum Halbkreis bei dem Fischfänge ordnen, während stoßtaucheude (siehe das Bild in meiner Naturgeschichte) ihre geregelte Flugbahn taktmäßig inne¬ halten. So können sich die Flugbilder durch alle Erdengürtel bis an die Pole in fast unzähliger Weise abändern und endlich in den polaren Vogelbergen ihren vielbewegten Abschluß finden. — Jch habe den Darstellungen aus dem Vogelleben absichtlich einen umfangreicheren Raum gestattet, weil die Vogelwelt offen¬ kundiger als die anderen Tierklassen sich zeigt, weshalb sie auch unsere größere Teilnahme verdient. Bei dergleichen Entwürfen muß man aber auch auf andere Gebiete den Blick werfen, und da finden wir denn, daß auch Bilder aus der Lebensgeschichte anderer Tiere, wenn sie dem Leben wirklich abgelauscht sind, fast überall ihre passende Verwendung finden werden. Wenn daher ein Ichthyologe oder Herpetologe ähnliche leere Räume über den Schränken seines Gebietes in gleicher Weise zu benützen gedenkt, so wird er dadurch des Dankes des großen Publikums in (Beicher Weise versichert sein. Dem Entomologen wird es nicht schwer fallen, bemerkbare Lebenserscheinungen der Insektenwelt bild¬ lich zur Darstellung zu bringen. (Schluß folgt.) 273 Das Fliegen der Fledermäuse am Tage. Von Pfarrer Jäckel in Windslieim. Die Chiropteren halten sich den Tag über an dunklen, doch trockenen, vor Regen und Wind geschützten Orten auf, aus denen sie, die einen früher, bald nach Eintritt der Dämmerung, die andern spät bei anbrechender Duukelheit zum Vorschein kommen. Nur einzelne Arten sieht man auch hie und da, gewöhnlich an dunkeln Orten, doch auch an Sommer- und Herbsttagen im hellsten Sonnen¬ schein umherfliegen und nach Insekten jagen. Ziemlich spät, erst bei anbrechender Dunkelheit, erscheinen die Hufeisennasen, Rhinolophus ferrum equinum und hipposideros , Bechsteins Fledermaus, Vespertilio JBechsteinii , sehr spät die spätfliegende Fledermaus, Vesperugo sero- tinus , die große Speckmaus, Vespertilio murinus , die gefranste Fledermaus, Nattereri und die Teich- Fledermaus, dasy erlerne ; ziem¬ lich frühe mit Beginn der Dämmerung die Mops-Fledermaus, Synotus barbastellus , die zweifarbige Fledermaus, Vesperugo discolor, die Bart-Fledermaus, Vespertilio mystacinus uud die Wasser-Fledermaus, V. Daubentonii , mitunter schon vor Beginn der Dämmerung die schien¬ haarige Fledermaus, Vesperugo Natliusii und die Zwerg -Fledermaus, Vesperugo pipistrellus ; am frühesten die kleine Speckmaus, Ves¬ perugo Leisleri und die friihfliegeude Fledermaus, Vesperugo noctula. Letztere ist unter allen deutschen Arten am wenigsten lichtscheu und kommt während des ganzen Sommers schon vor Sonnenunter¬ gang, zuweilen schon um 3 bis 5 Uhr nachmittags, wenn die Sonne hoch am klaren Himmel steht und heiß brennt, aus ihren Verstecken hervor, und zwar nicht einzeln, sondern in großer Anzahl, um hoch in der Luft stundenlang sich umherzutreiben. So frühe bemerkte ich sie über dem Lande nur sehr selten, gewöhnlich nur über stehen¬ dem Wasser, nassen Wiesen und trocken liegendem Weiherlaude an Waldrändern. Nur einmal, Ende Juni 1878, sah ich eine einzelne fern von allem Wasser bei grellem Sonnenschein und tiefblauem Himmel in Gesellschaft von Mauerseglern, Rauch- und Stadtschwalben abends zwischen 5 und 6 Uhr über dem hohen Turme der Kilians¬ kirche dahier längere Zeit fliegen uud Herr Gott lieb von Koch bewahrte sie am 23. November 1870 nachmittags 3 Uhr hoch über Heidelberg. Dagegen flogen am 27. September und 1. Oktober 1856 und am 20. April 1857 schon nachmittags zwischen 3 und 4 Uhr, am letztgenannten Tage bei herrlichstem Wetter wohl 50 bis 60 Stück Zoolog. Gart. Jahrg. XXV. 1881. 18 / 274 über den Weihern bei Neuhaus und Buch im südlichen Oberfrankeu. Sie jagten da turmhoch in schwalbenähnlichem Fluge und in raschen kühnen Wendungen nach Flor- und Köcherfliegen und kamen in, mit staunenswerter Schnelligkeit ausgeführten Abstürzen nach diesen Insekten so tief herab, daß ich das Knirschen ihrer Zähne bei dem Verzehren ihrer Beute deutlich hören konnte. Am 21. Juni 1856 betrieb eine einzelne ihre Jagd, die untergehende Sonne stand noch am Himmel, in dem dortigen Weiherland über einer hoch in der Luft eifrig ihre Kreise beschreibenden und mäckernden Bekas¬ sine; am 27. desselben Monats und am 1. Oktober traf ich wieder in den frühen Nachmittagsstunden etliche Hunderte über allen Weihern der Ortsfluren Nenhaus, Gremsdorf und Buch au und am 13. September gegen Sonnenuntergang eine Anzahl von 15 bis 20 Stück über dem Mühlweiher bei Neuhaus , woselbst zu glei¬ cher Zeit eine kleine Schar junger schwarzer Seeschwalben herum¬ strich. Ein prächtiger Anblick: über der spiegelglatten, vom Abendrot beleuchteten Wasserfläche die zierlichen, schmalfliigeligen Gestalten der leichtbeschwingten, nach Nahrung niedersteigenden See¬ schwalben und über ihnen die fluggewandten, mächtige Haken schla¬ genden Fledermäuse, die ganze Scene im Wasser scharf reflektiert. Ein naher Verwandter der friihfliegeuden Fledermaus, Vesperugo noctala , ist die kleine Speckmaus, Vesperugo Leisleri, ebenfalls ein ausgezeichneter Luftsegler, den Blasius in dunkeln Wäldern etliche Male schon um die Mittagszeit fliegen sah. Die kleine Hufeisennase, Rhinolophus hipposideros, kommt im Freien erst bei einbrechender Dunkelheit zum Vorschein, verläßt aber ihre Ruhestelle oft schon früher, um in dunkeln Räumen alter Burgen , Schlösser und unbewohnter Gebäude nach Dipteren und Motten zu jagen. Ein Stück flatterte am 14. September 1858 bereits früh 10 Uhr in der düsteren Kapelle des Schlosses zu Neu¬ haus im südlichen Oberfranken umher, flog von da in den Schloss¬ hof, wieder zurück, die dunkle Wendeltreppe hinauf zu dem im ersten Stocke des Turmes befindlichen Burgverließ, liess sich dort wieder herab in den geräumigen einstigen Hundestall, zurück in die Kapelle und schließlich durch eine runde, im Boden befindliche Öffnung in den darunter gelegenen Keller, wo ich es fing. In derselben Kapelle und ganz unter denselben Umständen er¬ beutete ich bei trüber regnerischer Herbstwitterung am 20. Oktober 1860 morgens 10 Uhr eine dort schwirrende langohrige Fledermaus, Plecotus auritus , eine Art, die in den Wintermouaten nach einge- t 275 tretenem Tauwetter öfter ihre Hibernierungsplätze verläßt und am hellen Tage auf Speichern und in Häusern, geeignetere Aufenthalts¬ orte suchend, umherfliegt. Am 7. Juni 1857 erhielt ich eine schienenhaarige Fledermaus, Vesperugo Nathusii , die im Dorfe Neuhaus bei großer Hitze (25° K. im Schatten) und blendendem Sonnenschein nachmittags 3 Uhr in der Nähe meines Hauses auf einem großen freien Platze lange Zeit hin und her flog, bis es einem Knaben gelang, sie mit der Peitsche aus der Luft herabzuholen. Die Zwerg-Fledermaus, Vesperugo pipistrellus, erscheint mitunter schon vor Beginn der Dämmerung. Im milden November 1881 beobachtete Herr Lehrer A. Wiedemann eine Zwerg-Fledermaus nachmittags 3*/2 Uhr bei etwas bewölktem Himmel und milder Tem¬ peratur in Augsburg, wie sie auf einem Lechkanal nach Insekten jagte. Ich selbst bemerkte öfter in den ersten Nachmittagsstunden Zwerg-Fledermäuse, die offenbar nicht aufgescheucht oder an ihren Ruheorten sonstwie beunruhigt worcten waren, was öfter geschieht, wenn Fensterläden, hinter denen sie gern ein Tagesversteck suchen, bei dem Heran nahen von Gewittern oder heißem Sonnenschein ge¬ schlossen werden. Solche zufällig aufgescheuchte Fledermäuse suchen in eiligster Flucht einen bergenden Schlupfwinkel und sind schnell aus dem Gesichtskreis entschwunden. Dagegen strich am 4. April im Nürnberger Reichswalde unfern von den Steinbrüchen in Wen¬ delstein eine Pipistrelle nachmittags 3 Uhr über einer jungen Föhren - dickung bei klarem Himmel, warmer Witterung, aber ziemlichem Winde über eine Viertelstunde, Nahrung suchend, umher und lag diesem Geschäfte noch ob, als ich wegging. Andere flogen am 10. Juli und 18. August nachmittags zwischen 2 und 3 Uhr im Dorfe Neuhaus bei großer Hitze und wolkenlosem Himmel, von denen eine anscheinend aus Übermut einen Schmetterling, Baumweißling, verfolgte, nach dem sie mehrere Male stach, den sie leicht hätte fangen können, wenn es ihr Ernst gewesen wäre, den sie aber wohl nicht verfolgt hätte, wenn sie aufgescheucht selbst auf der Flucht ge¬ wesen wäre. Von der zweifarbigen Fledermaus, Vesperugo discolor , fing ich ein Stück, das am 14. Februar 1878 nachmittags gegen 4 Uhr auf dem hiesigen Marktplatze flog. Die Wasser-Fledermaus, Vespertilio Daubentonii , kommt oftmals schon auf ihre Jagdgebiete, wenn die Sonne eben erst unter den Horizont hinabgesunken ist, der westliche Himmel im feurigen Abend- 276 rot glüht und noch Tageshelle herrscht, so daß mau auf eine Ent¬ fernung über Schußweite ihr Thun und Treiben noch scharf beob¬ achten kann. An einem solchen Abend, es war der 18. Oktober 1864, flog eine kleine Anzahl spannenhoch über dem Wasserspiegel eines großen Teiches und nahm nach Art der Schwalben die oben schwimmenden, sich erheben wollenden Wasserinsekten weg. Andere gewahrte ich bei eben untergegangener Sonne, während hoch über ihnen Vesperugo noctula jagte. Das Fliegen der Fledermäuse am hellen Tage ist demnach kein so höchst seltener Fall, als es H. Schacht im Hefte 6 des heurigen Jahrgangs des Zoologischen Garten dargestellt hat, im Gegenteil gehört es sogar zu den specifischen Eigenschaften einer Art der¬ selben, die davon den Namen der früh fliegenden trägt, schon vor Sonnenuntergang und sogar oft schon nach den ersten Nachmittags¬ stunden im Sonnenschein ihrer Nahrung nachzugehen. Auffallend ist es, daß Schacht am hellen Tage zweifelhaft darüber sein konnte, ob er den Zwerg pipistrellus oder noctula , die zweitgrößte europäische Fledermaus, einen Riesen gegen jene, vor sich habe. Die Springmäuse. Nach Lataste. *) Außer den beiden aus Algier schon bekannten Arten der Springmaus, Dipus hirtipes Licht. {D. deserti L.) und 1). aegyptius Hass. (I). mauritani- cus Duv) wurde neuerdings eine dritte Art aufgefunden und von Lataste als Dipus Dcirricarrerei beschrieben. Der Autor hatte Gelegenheit, mehrere In¬ dividuen der drei Arten in der Gefangenschaft zu halten. Die Springmäuse sind echte Nachttiere; sie schlafen den ganzen Tag hindurch. Mit Eintritt der Nacht beginnt ihre Thätigkeit und dauert 2 — 3 Stunden ; gegen 10 Uhr legen sie sich zur Ruhe nieder und erwachen wieder gegen Mitternacht oder um 1 Uhr morgens. Nach etwa 2 Stunden schlafen sie neuerdings ein, um morgens vor Tagesanbruch nochmals rührig zu sein. Nach ihrem Erwachen machen sie Toilette, essen und tummeln sich herum. Wenn die Tiere von Dipus liirtipes nicht frei im Zimmer sich be¬ wegen können, dann beginnen sie in ihrem Käfig einen sehr monotonen Tanz ; nach 4 oder 5 Schritten längs der Glaswand springen sie in die Höhe und beginnen dann wieder in entgegengesetzter Richtung ihren Lauf. Stundenlang hört man das regelmäßige Geräusch der auf den Boden aufschlagenden Nägel. Man hört dieses aber nicht, wenn sie frei in dem Zimmer herumspriugen, *) Annali del museo civico di storia naturale di Genova. Bd. 18. 18S3. 277 weil die Nägel alsdann in dem dichten Pelz versteckt sind. Pas von den Tieren mit den Hinterfüßen gemachte Geräusch soll nach der Meinung des Autors den Kameraden als ein Signal dienen, wie es bei den Frettchen der Fall ist welche bei dem Heraustreten aus ihrem Bau ebenfalls derartige Zeichen geben. Auch bei anderen Springmäusen, ( Pachyuromys Duprasii L und Meriones Shawi Duv.) werden ähnliche Meldungen wahrgenommen. Die Stimme ist rudimentär, ein Mittelding zwischen Schnauben und kurzem Husten, und scheint ein Ausdruck des Zornes zu sein. Dipus aegyptius und Darricarrerei sind sehr laut, während D. hirtipes weniger zornig und fast immer stumm ist. Die ägyptische Springmaus ist leicht zu halten , sie ist sehr sanft und beißt nicht, ja sie wird sogar ermüdend durch ihre Vertraulichkeit. Mit ihren Mitgefangenen verträgt sie sich dagegen nicht. Noch zutraulicher ist die rauhfiißige Springmaus, D. hirtipes, und sie lebt auch mit ihren Kame¬ raden in Frieden. Nur einmal sah Lataste den Frieden gestört, als eine Wanderratte, Mus decumanus, zu ihnen in den Käfig gesetzt wurde. Da wurde ihr Zorn rege, sie schnaubten, benahmen sich wie besessen und sprangen auf den Eindringling los. Als die Ratte aus dem Käfig entfernt wurde, dauerten die Zornausbrüche noch einige Zeit fort, dann aber wurde der Friede wieder hergestellt. Dipus Darricarrerei war dagegen in den letzten Tagen der Gefangen¬ schaft noch eben so scheu wie in den ersten. Wenn die anderen Arten ihre Freude zeigten und mit Lataste spielten, stand diese mit wachsamem Auge in einiger Entfernung, sprang erschrocken auf, wenn er sich näherte, und rannte so stürmisch umher, daß sie an allen Möbeln anstieß. Waren die rauhfiißigen Springmäuse von ihren Sprüngen ermüdet, dann ließen sie sich sehr leicht fangen und in ihren Käfig legen. Wurde dies versäumt, dann nagten sie mit großer Ungeduld am Käfig herum, sprangen auf den Käfig hinauf und versuchten sich an dem Metalldeckel durch Nagen eine Öffnung zu machen. Die ägyptischen Springmäuse konnten durch eine Seitenthüre von selbst in ihren Käfig gelangen, der immer offen stand. Dipus Darricarrerei versteckte sich dagegen stets in Winkel oder unter ein Möbel und sprang umher, sobald man ihn fangen wollte. Die Wirkung des Feuers lernt die ägyptische Springmaus bald erkennen, denn wenn sie sich demselben einmal so sehr nähert, daß sie ' sich den Bart verbrennt, daun hütet sie sich dem Feuer zu nahe zu kommen. Die rauh* fiißige Springmaus nähert sich mit Vorsicht; glaubt sie sich ohne Gefahr, dann scheut sie sich nicht, sich in der warmen Asche herum zu rollen. D. Darricarrerei ist weniger vorsichtig; er legt sich in die warme Asche und bleibt darin, bis sein Flaar da und dort anfängt zu brennen. Sehr lobenswert ist die Reinlichkeit der Springmäuse. Man muß ihnen Sand in ihren Käfig geben, da sie nur in diesem ihren Unrat absetzen. Selu- vorteilhaft ist es, dem Sande fein pulverisiertes Blanc de Meudon zuzusetzen, damit das Haar immer schön weiß bleibt. Die Tiere geben sehr wenig Geruch von sich und Urin lassen sie fast niemals. Wie die meisten Wüstentiere sind sie sehr mäßig; es ist nicht nötig, ihnen Wasser zu reichen, wohl aber zur anderen Nahrung auch Grünes, z. B. Salatblätter. Sie leben von Mais, Gerste, Hirse, Buchweizen, Hanfsamen, 278 Kanariensamen, sie nehmen wohl auch andere Dinge wie Brot, Obst, Mandeln u. dergl., sind aber nicht lüstern danach. Heu gl in hat Unrecht, indem er angiebt, daß sie auch gern Aas fressen, denn Fleisch ist ihnen nicht ange¬ nehm. Man vergesse nicht, in ihrem Käfige Sepia aufzuhängen; sie nagen von Zeit zu Zeit daran, wie sie auch sehr gern Kochsalz naschen, das. ihrer Gesundheit sehr zuträglich ist. A. Senoner. Bericht über den Zoologischen Garten zu Dresden über das Geschäftsjahr vom 1. April 1882 bis 31. März 1883. (SchlußJ Gewinn- und Verlnst-Conto für 1882/83. Debet. Mk An Saldo-Vortrag von 1881/82 . 9938.26 „ Betriebs-Ausgaben: Mk. Gehalte des Direktors und Secretärs .... 5970. — Gehalte der Officianten an den Eingängen . 2335. — Löhne für Abwartung der Tiere . 11560. — Löhne für Nachtwachen . 655.20 Fütterung der Tiere . 35451.01 Unterhaltung und Material zur Reinigung der Käfige 1236.68 Heizung und Beleuchtung . 1621.98 Konzertspesen und div. kleine Ausgaben . . 2260.29 Inserate, Plakate und Säulenanschlag . . . 2196.94 Druckkosten für Eintrittskarten, Geschäftsbe¬ richte etc. 352.60 Bureauaufwand, einschließlich Porti .... 390.31 Wasserzins . 525.60 Arzt und Medikamente . 168.70 Gratifikationen und Trinkgelder . 154.85 Wärter- und Arbeiter-Jupen . 270. — Unterhaltung der Bauten . 4815.92 do. der Gartenanlagen . 3772.70 do. der Straße . 60. — do. der Gerätschaften und Mobilien 567.41 Pacht und Entschädigung an die Bauverwalterei 1026. — Abgaben . 959.90 Prüfung des Rechuungswerks . 120. — Kosten der Generalversammlung und Gerichts- kosten 144.15 76605.24 ab Mehrbestand an Vorräten . 112.76 Transport . . . 76492.48 279 Transport An Provision und Kourtage . „ Hypotheken-Zinsen . n Zinsen an Darlehn-Konto . „ do. an Unterstützungsfond . . „ Tierwirtschaft, Verlust . „ Abschreibungen auf Mobilien und Immobilien . . Kredit . Per Betriebs-Einnahmen: Mk. Eintrittsgelder . 62498.10 Zehnerkarten . 5454. — Abonnement . 7277. — Reitkasse . 3140.20 Gebühr bei Erneuerung der Eintrittskarten . 5952. — Umschreibegebühr . 417. — Pacht der Restauration . 6600. — do. für Futterverkauf im Garten .... 150. — Jagdpacht . 16.81 Erlös aus verkauften Führern . 185.48 „ „ „ Programmen .... 414.80 „ „ „ Bälgen, Cadavern, Eiern etc. 972.05 » n „ Eis . 250.— Zinsen von Effekten . 1125.40 „ Konto für Beitrag der Stadtgemeinde. Verwilligter Beitrag von der Stadtgemeinde per 1883 . 10000.— Davon zurückgestellt für die Zeit vom 1. April bis 31. Dezember 1883 7500.— „ Saldo- Vortrag auf neue Rechnung . Bilanz am 31. März 1883. Mk. 76492.48 1.75 11743.87 349.80 44.05 2057.11 3273.55 103900.87 Mk. 94452.84 2500.— 6948.03 103900.87 j^.Tct'b'VCL' Mk An Kassa-Konto . 663.81 „ Effekten-Konto . 17550. — „ Debitoren . 2335.30 „ Aktien-Konto . Mk. 1050. — . . . . „ Zinsen-Konto der Süddeutschen Boden-Kreditbank .... 2693.25 „ Tier-Konto . 84410.35 „ Bauten-Konto . 509243.01 „ Gerätschaften-Konto . 4807.47 „ Mobiliar-Konto . 3458.37 „ Grundstücks-Konto . 87721.45 „ Maschinen-Konto . 1315.02 „ Betriebs-Konto . 1487.13 „ Bibliothek-Konto . 200. — „ Gewinn- und Verlust-Konto . 6948.03 722833.19 Passiva . Per Aktien-Kapital-Konto . » Süddeutsche Boden-Kreditbank zu München » Darlehn-Konto noch nicht ausgeloste Darlehnscheine ein¬ schließlich Zinsen . » Amortisations-Darlehn-Konto ausgeloste, aber noch nicht erhobene Darlehn¬ scheine . » Unterstützungsfond-Konto . » Dresdner Bank hier Saldo vom 31. März 1883 . ” Uonto für Beitrag der Stadtgemeinde erhobener Beitrag von der Stadtgemeinde für ^ die Zeit vom 1. April bis 31. Dezember 1883 » Vogelhaus-Konto Baargeschenke bis 31. März 1883 7 Aktien der Gesellschaft (Geschenk) . . . Mk. 1050. _ Mk. 450000.— 238780.50 14507.70 2573.70 1145.37 4675.92 7500.— 3644.— Dresden, am 31. März .1883. 722833.19 Der Verwalt' mgsrat. Justizrat Dr. Stein, Alfred Bach, Vors. stellv. Vors. Baumeister .Schreiber. Rechtsanw. Dr. Wolf II. Zur Ornithologie JaniK Von Damian Gronen. Man könnte wohl vermuten , daß auf Cuba und Jamaika, die ziemlich in gleicher Entfernung von Nord- und Südamerika liegen, gleich viel Repräsentanten aus diesem, wie jenem Teile des amerikanischen Kontinents aufträten ; ein solcher Schluß würde aber, namentlich da unsere Kenntnis der Ornithologie des Fest¬ landes uoch keineswegs abgeschlossen ist, mit einer Menge Täuschungen behaftet sein, wie ihm auch jetzt schon durch die Erfahrung widersprochen wird, indem unter den auf den Inseln auftretenden Vögeln, soweit diese bekannt sind,, die Hälfte derselben zugleich dem nordamerikanischen Festlande, dagegen kaum ein Fünftel dem südlichen Teile der neuen Welt gemein ist. Fast alle- Vögel, die Mexiko und den Vereinigten Staaten eigen sind, treten auch auf Jamaika auf, wie dieses zugleich einzelne Species besitzt, die Swainson nur Mexiko eigentümlich glaubte, und wieder andere, welche man für auf Nord¬ amerika beschränkt hielt, geradezu tropisch oder westindisch sind, so daß sie¬ dort nur als vorübergehende, in vielen Fällen sogar nur als zufällige Besucher anzusehen sind. Die Columba Zena'ida wird in den Vereinigten Staaten nur äußerst sparsam gefunden, während sie in Jamaika der gewöhnlichste Vogel ist und als solcher auch schon von Sloane augeführt wird. Denny giebt folgenden Katalog der Vögel, die er während eines Auf¬ enthaltes von sechs Jahren auf Jamaika kennen lernte, und die er meist nach Wilson ’s Bestimmung anführt: Vögel, die Jamaika, Cuba und den Vereinigten Staaten zugleich eigen¬ tümlich sind. Cathartes aura. Sylvicola pusilla. Buteo borealis. — — americana. Circus americanus. — — canadensis. Haliaetus niger. — — minuta. Accipiter pensylvanicus. — — pensilis. Pandion haliaetus. — — coronata. Strix flammea. — — maculosa. — asio. Vermivora solitaria. Hirundo fulva. Fringilla tristis. Caprimulgus carolinensis. — Zevanna. — — americanus. Dolichonyx oryzivorus. Alcedo alcyon. Sturnella magna. Tyrannus intrepidus. Icterus versicolor. Muscicapa ruticilla. Corvus ossifragus. — — virens. Picus carolinensis. — — fusca. Certhia maculata. — — crinita. Columba leucocephala. -- — vireo-olivacea. — passerina. Merula minor. Ortyx marylandus. — mustelinus. Tyrannula Saga. Orpheus polyglottus. Trichas personatus. Columba carolinensis (Cuba allein) Vögel, die auf Jamaika und Cuba, wie auf dem Festlande auftreten, Nord-Amerika aber unbekanut sind: Sarcoramphus papa (nur gelegentlich). Icterus dominicensis. Polyborus brasiliensis. Trochilus furcatus. Circus rutilans. Muscicapa ferox. Crotophaga aui. Vögel, welche den westindischen Inseln eigentümlich sind, dagegen selten in Nordamerika oder dem südlichen Festlande gefunden werden : Jamaika und Cuba. Accipiter fringilloidcs. Merula dominicus. Falco sparveroides. — rubripes. Hirundo thalassina. Sylvicola domiuica. — Tapera. Pyrrhula nigra. — albicollis. — collaris. — melanogaster. Fringilla Zena. _ ? — noctis. Caprimulgus jamaicensis. — jamaicensis. Todus viridis. — bicolor. Merula jamaicensis. — fusca vel leucophthalma (?). — lepida. Carduelis mexicana. 282 Icterus bonand. — cucul latus. — mexicanus. — brasiliensis. — xanthornis. — baritus. Leistes bumeralis. Corvus jamaicensis. Trogon teranurus. Psittacus leucocephalus. — aestivus. Psittacara nana. Picus carolinus. — percussus. Colaptes auratus. — Fernandina (Cuba allein). — superciliaris (Cuba). Cuculus vetula. — pluvialis. Certhia flaveola. — maculata. Cynanthus polytmus. — minimus. Lampornis mango. Columba Caribbaea. — inornata. — montana. — jamaicensis. — leucoptera. — minuta. — sylvestris. — martinica. — cyanocephala (Cuba allein). — Zena'ida. Numida maculipennis. Tanagra gularis. Sitta jamaicensis. Pipillo maculata. W aldvögel. Die folgenden Species scheinen, mäßig über die Vereinigten Staaten, zu sein: Ardea virescens. — ludoviciana. — caerulea. — alba. — exilis. — candidissima. — herodias. Nyctocorax violacea. — Gardenii. Botaurus minor. Platalea ajuga. Phoenicopterus ruber. Ibis rubra. — alba. Tantalus loculator. Scolopax gallinago. — grisea. — minor. Totanus macularis. — chloropygius. — flavipes. — semipalmatus. mit einer oder zwei Ausnahmen, gleich- Mexiko, Jamaika und Südamerika verteilt Tringa rufescens. — pectoralis. — minutella. — pusilla. Numenius longirostris. Charadrius semipalmatus. — cocciferus. — apricarius. — monellus. — pluvialis. — melodus. Squatarola cinerea. Himantopus melanopterus. Rallus minutus. — jamaicensis. — virginianus. Aramus scolopaceus. Parra Ja9ana. — variabilis. Gallinula Galatea. — martinica. 283 Dendronessa sponsa. Boschas fera. — crecca. — discors. — discors occident. Dafila caudacuta. Chauliodus streperus. Anas clypeata. Mareca americana. Anas (?) fistularis. Fuligula rnarita. — cristata. Anas (?) jamaicensis. — (?) spinosa. Schwimmvögel. Anas (?) dominica. Podiceps cristatus. — auritus. Pelecanus fuscus. Pachypetes aquilus. Larus atricilla. — argentatus. — parasiticus. Sterna fuliginosa. — minuta. — stolida. Thalassidroma pelagica. — — Wilsonii. Wenn in diesem Verzeichnisse mehrere Species fehlen, die von anderen Autoren als auf Jamaika heimisch aufgeführt werden, so sind diese nur ausgelassen worden, weil Denny keinen Vogel aufnehmen wollte, den er nicht selbst als heimisch hatte kennen lernen ; aus demselben Grunde hat er auch die Orni¬ thologie von Domingo ausgeschlossen, die, nach Vieillot, allerdings viel aus¬ gebreiteter zu sein scheint als die von Cuba und Jamaika. Jedenfalls ist dieses Verzeichnis ein wichtiger Beitrag zur Charakteristik der ornithologischen Region der westindischen Fauna. M i s c e 1 1 e n. Geburt eines Yak - San ga- Bastard es.*) Durch die in dem Haustiergarten des Landwirtschaftlichen Instituts der Universität Halle aus¬ geführten Paarungsversuche zwischen Yak und verschiedenen Rassen des europäischen Hausrindes ward die von H. v. Nathusius- Hundisburg in seinen »Vorträgen über Viehzucht und Rassenkenntnis« vermutete Artidentitä,t beider nicht bestätigt; die männlichen Bastarde erwiesen sich als völlig steril sowohl bei Paarungen mit weiblichen Yakbastarden, wie bei Paarung mit weiblichen Tieren einer der Stammarten. Selbst noch ein einviertelblütiger Yakbastard¬ bulle zeigte sich, wie neuerdings konstatiert werden konnte, völlig unfruchtbar. Damit ist aber die spezifische Verschiedenheit von Yak und europäischem Hausrind zweifellos sicher erwiesen. Ks blieb jedoch noch wünschenswert, das Verhältnis zwischen Yak und dem Zebu oder dem asiatisch-afrikanischen flausrinde festzustellen. Dies ist nicht, wie eine eingehendere Untersuchung trotz der entgegenstehenden Annahme vieler Autoren ergiebt, von unserem europäischen Hausrinde spezifisch verschieden, sondern kann nur als Unterart einer gemeinsamen Grundform angesehen werden. Immerhin könnte aber in dem Zebu eine so weit vorgeschrittene Variation gegeben sein, daß bei der *) Vergl. Bd. XXTI., 1881, Seite 35^. 284 Paarung mit dem Yak ein abweichendes Verhalten sich zu zeigen vermöchte- Eine solche Vermutung ist in der That von Sanson, einem der ausgezeichnet¬ sten Forscher Frankreichs, ausgesprochen worden. Um auch hierüber Klar¬ heit zu gewinnen, paarte ich eiue rot und weiß gefleckte Kuh der langhörnigen, afrikanischen Zeburasse, die unter dem Namen Sanga bekannt ist, mit einem weißen Yakbullen. Die Kuh gebar am 28. Februar d. J., und zwar glücklicherweise ein Bullenkalb, so daß jene noch offene Frage bald ihre Entscheidung finden wird. Erweist sich dieser männliche Bastard fruchtbar, so würde das von Sanson vermutete abweichende Verhalten des Zebu be¬ stätigt sein; im entgegengesetzten Falle wären freilich noch weitere Versuche erforderlich. Die Tragezeit währte 261 Tage und entspricht damit genau dem Mittel von 17 Geburten bei Paarungen von Yak mit dem europäischen Hausrind. Das Gewicht des Jungen betrug bald nach der Geburt 17,5 Kilo oder ca. 1 /as vom Lebensgewicht der Mutter; es begann schon eine Stunde nach der Geburt kräftig zu saugen und ist lebhaft in seinen Bewegungen. Die Grundfarbe des Kalbes ist weiß, an den Seiten sind die weißen Haare reichlich mit rotbraunen Haaren gemischt, ebenso an einem Streifen beider Vorderbeine. Die rotbraun gefärbten Ohren sind kurzbehaart, im übrigen sind alle Teile des Körpers lang-, nur weniger kraushaarig, wie bei Yak¬ kälbern; die Kopfform stimmt völlig mit der reinblütiger Yakkälber überein. Von einer Andeutung des Widerristhöckers der Mutter ist nicht eine Spur vorhanden. Dies auffallende Vorwiegen des Einflusses des Yakblutes auf die Körperbildung und insbesondere auf die Kopfform des Jungen bildet einen interessanten Gegensatz zu der Beschaffenheit eines 14 Monate alten Bastardes desselben Muttertieres, bei welchem ein Gayalbulle verwandt wurde. Auch hier macht sich der väterliche Einfluß vorwiegend geltend in der breiten platten Stirn, der weiten Zwischenhornlinie, und in der dem Gayal ähnlichen eigentümlichen Hornbildung. — Übrigens bestätigt sich auch in dem vor¬ liegenden Falle die Unabhängigkeit der Fortpflanzungsfähigkeit der Tiere vou Veränderungen der äußeren Verhältnisse, wie sie in der Beschaffenheit des Klimas, in Ernährungs- und Haltungsweise ihren Ausdruck finden. Diese sollen, wie man nicht selten meint, »solche Organismen, welche lange Zeit an gewisse gleichförmige Lebensbedingungen im Naturzustände gewöhnt waren, in Bezug auf ihre Fruchtbarkeit oft ungünstig beeinflussen.« Hier sehen wir aber ein weibliches, direkt aus seiner Heimat, der tropischen Zone Afrikas nach hiesiger Örtlichkeit versetztes Tier bei angemessener Behandlung unge¬ schwächt fruchtbar sich erweisen, das einer Rasse angehört, die seit vielen Jahrtausenden gleichförmigen Lebensbedingungen ausgesetzt war, auch in ihren Formen völlig gleichförmig sich erhielt. Und zwar zeigte sich die Fortpflanzungsfähigkeit trotz so bedeutender Veränderung der äußeren Ver¬ hältnisse, wie sie bei dem Vertauschen der Weiden des Sudan mit dem aus schließlichen Stallaufenthalte in dem Haustiergarten zu Halle gegeben sind, gleich günstig, mochte das Tier, wie es zuerst geschah, in Reinzucht mit einem Zebubullen gepaart, oder mochte es gekreuzt werden mit einem aus Hinter¬ indien direkt importierten Gayalbulleu, oder mit dem Yak, dessen Heimat die centralasiatischen Hochlande sind. Halle, den 2. März 1884. Prof. Dr. Julius Kühn. 285 S trauß en zu ch t in Südafrika. Die Leichtigkeit und Einträglichkeit dev Straußenzucht hat dieselbe im Kaplande in wenigen Jahren zu hoher Blüte gebracht. Im Jahre 1846 wurden nur 1827 Pfund Federn wilder Strauße — nur solche kannte man damals — im Werte von £ 8000 = rund M. 160 000 aus dem Kaplande ausgeführt. Im Anfang der 60er Jahre begann man mit der Straußenzucht, zählte 1S65 erst 80 zahme Vögel, während man 10 Jahre später, also 1875 bereits 82 247 Stück besaß. Dem entsprechend stieg der Wert der aus dem gesamten Südafrika ausgeführten Federn im Jahre 1866 bereits auf £ 75661 = M. 1518220 und im Jahre 1874 auf £ 205 640 = M. 4 112 800. Diese Zahlen sprechen hinreichend für die Bedeutung dieser Riesenvögel auch in wirtschaftlicher Beziehung. H. B. Verluste in Indien, durch wilde Tiere verursacht. Einem in der Amtszeitung von Calcutta veröffentlichten Ausweise zufolge wurden im Britischeu Indien während des Jahres 1882 nicht weniger als 22 125 Menschen durch wilde Tiere und Schlangen getötet, gegen 21,427 im Jahre 1881, und zwar 895 durch Tiger, 278 durch Wölfe, 207 durch Leoparden. 859 durch Hyänen, 202 durch Alligatoren und 19 579 durch Schlangen. — Im gleichen Zeiträume wurden auch 46 707 Stück Hornvieh das Opfer wilder Tiere und Schlangen, gegen 44 669 im Jahre 1881. Die Indische Regierung zahlt be¬ kanntlich für jedes getötete schädliche Wild eine Belohnung. Im Jahre 1882 wurden 18 591 wilde Tiere und 322 421 Schlangen erlegt, und die dafür von der Regierung gezahlten Belohnungen bezifferten sich insgesamt auf 283 866 Deutsche Reichsmark. Nachrichten aus dem Hamburger Zoologischen Garten. Unter den zahlreichen, dem Garten in der letzten Zeit zugekommenen Tieren sind als die hervorragendsten zu bemerken; 1 Paar Jaguare, Febis onca, 1 Schopf¬ gazelle, Cephalophus coronatus, Gray, 1 Zwerggazelle, Nesotragus moschatus, Dob., 1 Cbirnpanse, Troglodytes niger, Geoff, 1 Potto, Perodicticus potto , Gm. 1 Nacktaugen-Kakadu, Cacatua gymnopis Sch, 2 chinesische Spottdrosseln^ Pterocyclus canorus L., 1 Schlangensperber, Polyboroides typus Smth., 1 Guinea- * Uhueule, Scotopelia bouvieri Shrp., 1 Habichtsgeier, Gypohiernx angolensis Gm., 1 Paar Somalistrauße, Struthio molybdophanes Reh. Ferner 2 Warneidechsen. Von Pelikanen sind eben 4 Arten im Garten lebeud, der gemeine Pelikan, Pelecanus onocrotalus L., der Krauskopf-Pelikan, P. crispus Brch., der Schopf¬ pelikan, P. mitratus Lchtst. und der kleine braune Pelikan, P. rufescens Gml. Von Ende Juli ab wird in dem Garten eine Walfis ch au sstel 1 u ng statt¬ finden. Fanggeräte, Schiffsmodelle, Abbildungen von Grönlandsfahrern und Scenen aus dem Lehen der Walfischfänger; Präparate zur Naturgeschichte der Wale; — Fischbeinfabrikate, Thranproben, konserviertes Walfisch fleisch und anderes hierher gehörige wird auf der Ausstellung vertreten sein, zu der sich eine rege Beteiligung kund gibt. 286 Über Eintagsfliegen teilt der Prediger J. C. Atkinson in dem Journale »Zoologist« folgende interessante Beobachtungen mit , die wir uns nicht versagen können, hier annähernd wiederzugeben. Am Ufer des Whitadder. Gewaltige Wolken von kleinen, ganz hellblauen^ beinahe milchfarbenen Eintagsfliegen erhoben sich in die Luft. Im Laufe des Abends stiegen dergleichen von Zeit zu Zeit aus dem Flusse, und jede nach¬ folgende schien dicker zu sein, als die vorhergehende. Die ungeheure Zahl der Insekten läßt sich unmöglich, selbst annähernd, bestimmen, doch wird man sich einigermaßen eine Vorstellung davon machen können, wenn ich sage, daß die Schwärme so hoch reichten, als der Blick ihnen folgen konnte, sich über die ganze Breite des Flusses, wenigstens 60 Fuß, erstreckten und l1/ 2 bis über 2 Minuten brauchten, um sich, indem sie langsam der Richtung des Flusses folgten, an mir vorüber zu bewegen. Dabei waren sie so dicht, daß sie die Luft verduukelten und man die Gegenstände am gegenüber liegenden Ufer nur undeutlich erkennen konnte. Ich bemerkte die Eintagsfliegen zuerst zwischen 7 und 8 Uhr. Damals waren sie in großer Zahl vor'handen, jedoch nicht in größerer als die, in welcher manche andere Species des Abends häufig Vorkommen ; man sah sie zerstreut in allen Richtungen, und sie bildeten noch keine eigentlichen Wolken; als diese erschienen, verminderte sich die Zahl der einzelnen umherschwärmenden Eintagsfliegen nicht, welche vielmehr bis um 10 Uhr, wo ich mich entfernte, immer zahlreicher wurden. Ich wurde zuerst dadurch auf sie aufmerksam, daß sie sich auf meinen Kleidern niederließen ; 11m 8 Uhr saßen deren Hunderte auf meinem Hut, Rock und meiner Weste. Bald darauf sah ich, außer den Insekten selbst, eine An¬ zahl Häute auf meinem Ärmel. Dies veranlaßte mich, sie genau zu beobachten, und bald überzeugte ich mich davon, daß sie sich niederließen, um sich zu häuten. Bald nachdem sich ein Insekt gesetzt hatte, erhob es den Schwanz ein wenig, breitete die Borsten weit von einander und bewegte das Körperende 1 — 2 Minuten lang heftig hin und her. Zugleich bewegte sich das Insekt rück¬ wärts und klammerte siclj dabei fest an das Tuch meines Ärmels. Als die Be¬ wegung des Schwanzes aufhörte, näherten sich die Borsten einander, und das Insekt verhielt sich einige Sekunden lang ruhig. Bis dahin hatten sich die Flügel in horizontaler Lage befunden, und zwar so ausgebreitet wie die eines Schmetterlinges, wenn derselbe sich auf dem Boden sonnt; aber nun begannen sich dieselben erst ein wenig zu heben und dann so stark als möglich zu senken, in einer durchaus ähnlichen Weise, wie es jemand machen würde, der seinen Rock auf dem Rücken zersprengen möchte. Diese Bewegungen hatten auch, nachdem sie 2 — 3mal wiederholt worden, den Erfolg, daß auf dem Rücken ein schmaler Riß in der Haut entstand. Durch die fortgesetzte Bewegung der Flügel ward dann der Riß bald weiter, so daß der glänzend braune Rücken zwischen der mattbraunen alten Haut sichtbar wurde. Der Kopf hatte nun eiue sehr tiefe Lage, der Rücken war dagegen sehr gehoben und gekrümmt, während zugleich die Flügel zum Stillstand gelaugten. Der nächste Teil des Häutungsprozesses schien ohne Schwierigkeit und An¬ strengung von statten zu gehen. Der Spalt erweiterte sich immer mehr, und der Körper trat, mit dem obersten Teile des Rückens zwischen den Flügeln 287 beginnend, stätig heraus. Die noch in ihrer horizontalen Lage befindlichen Flügel wurden allmählich zurückgezogen, so daf3 deren vordere Bänder einen immer kleineren Wiukel mit den Seiten bildeten und zuletzt mit diesen parallel strichen. Alsdann ward der Kopf frei uud hob sich. Es traten konvulsivische Bewegungen des Körpers und Schwanzes ein, und plötzlich waren die Flügel und Beine gehäutet. Nun war aber noch der lästigste Teil des Häutungsprozesses, nämlich die Auslösung und Streckung der Schwanzborsten zu bewerkstelligen. Vor dem Häuten waren diese nicht über Zoll, bei den meisten nur '/i 2 Zoll lang, während sie nach demselben durchschnittlich */2 Zoll, ja manche 5/s Zoll maßen und nur bei wenigen Exemplaren die frühere Kürze beibehielten. Dieser Teil des Prozesses war, wie gesagt, weit schwieriger als der vorhex-gehende, wenigstens dauerte er meistens 3 bis 4mal so lang, und in vielen Fällen mußte das Insekt mit der noch an den Borsten hängenden Hülle fortfliegen. Während sich die Borsten häuteten, kam dem Insekte die feste Anheftung mit den Füßen sehr zu statten, denn es bedurfte dazu offenbar der gesamten ihm inwohnenden Körperkraft. Die Borsten sträubten sich gegen das Hei'aus- ziehen aus ihrer Scheide wie ein Aal, dem man die Haut abzieht. Ihre völlige Auslösung hing davon ab, daß die Füße nicht von ihrer Unterlage abglitten. Geschah dies, so blieb die Hülle an jenen sitzen, und das Insekt ward dadurch natürlich im Fluge sehr behindert. Denn sie flogen fast sämtlich unmittelbar nach dem Häuten fort. Vom ersten Erscheinen des Risses dauerte die Häutung in der Regel l1/2 — 2 Minuten. Als ich nach Hause ging, war meine Kleidung mit mehreren Hunderten dieser Häute bedeckt, die so fest an derselben hingen, daß sie noch daran saßen, als ich in meiner Behausung anlangte, obwohl ich einen Teil des Weges durch Gebüsch zurückgelegt hatte. D. Gronen. Ein achtbeiniger Laufkäfer, Carabus cancellatus F. aberr. odopes. Das zweite Bein an der rechten Seite dieses, bei Recklinghausen gefangenen und vom Herrn Oberlehrer Uedinck eingesandten Käfers ist sonderbar monströs verbildet. Das Vorderbein und das Hinterbein dieser Seite ist normal ; zwischen ihnen scheinen von ein und demselben Punkte , an Stelle des einen normalen mittleren Beines 3 Beine eingelenkt zu sein. Für alle drei Beine ist eine einzige gemeinsame Gelenkpfanne vorhanden. Ebenso findet sich für alle 3 Beine nur eine gemeinsame Hüfte (coxa) vor, welche nach oben und außen, abweichend von den übrigen Hüften, ein sehr kleines unbewegliches Cbitinzäpfchen trägt. Die Artikulation ist also für alle 3 Beine gemeinschaftlich. Die 3 Scheukelringe der 3 Beine sind untereinander verwachsen, biegen sich jedoch rechtwinklich, zwei zusammen nach vorn, einer nach hinten. Die übrigen Teile der Beine sind ziemlich normal und gleich gestaltet. Jedes der drei Beine besitzt einen Schenkel ( femur ), eine Schiene ( tibia ) und einen fünfgliedrigen Fuß ( tarsus ). 288 Die Schenkel der zwei überzähligen und nach vorn gerichteten Beine sind an ihrer Einlenkungsstelle unbeweglich, parallel anliegend mit einander ver¬ wachsen, im übrigen frei; Schienen und Tarsen beweglich. So gewährt denn dieser achtbeinige Käfer einen recht sonderbaren Anblick. Wir übergaben dieses Exemplar der Provinzialsammluug der zoolo¬ gischen Sektion. Prof. Dr. H. Landois. Überwinternde Amphibienlarven. Es ist wiederholt beobachtet worden (vergl. Zoolog. Anzeiger von Carus, VII. Jahrg. No. 167, 19. Mai 1884), daß Larven von Pelobates, Knoblauchskröte, und Tritonen den Winter überdauert haben. So auch jüngst in dem warmen Teiche unweit Kiesekamps Dampf¬ mühle. Es wäre höchst wünschenswert, in eigens zu diesem Zwecke kon¬ struierten Aquarien die hierher bezüglichen Bedingungen zur Erhaltung des Larvenstadiums auszuforschen. Prof. Dr. H. Landois. Die Produktion der Korallen ist in Folge besonderer Verhältnisse in den italienischen Meeren nicht- sehr reichlich, aber dieselben bilden in Italien einen sehr wichtigen Handelsartikel; — bei Beginn der günstigen Jahreszeit laufen ganze Flotillen von Barken aus den italienischen Häfen aus; — von Torre del greco über 300, von Livorno 60, aus Sardinien und den ligurischen Küsten über 100 Barken u. s. w.; wohl über 4000 Matrosen finden bei dem Korallenfang ihren Lebensunterhalt; wohl über 160,000 Kilo. Korallen in einem Werte von 10 000000 L. werden alljährlich erbeutet, in Italien bestehen 60 und mehr Ateliers, in welchen mit 6000 Arbeitern die Korallen bearbeitet werden. Nach Caneptrini wurden von den alleinigen drei Korallenbänken von Sciacca in den Jahren 1875 — 1880 nicht weniger als 67 116 Quint (1 Quint gleich 100 Kil.) im Werte von 57 003 190 L. gesammelt. In den Monaten, März bis Oktober 1883 war in den Gewässern von Sciacca2) in Bezug auf Qualität der Korallenfang nicht am günstigsten, denn alle von den unten angeführten ausgelaufenen 322 Schiffen (mit 1997 Mann und 22 800 L. Kosten) eingebrach- ten 9760 Quint. Korallen im Werte von 3 172 000 L. (zu 3 L. 25 Cent Mittel¬ preis) waren schwarz und der größte Teil von Schlamm augefressen. Aus Torre del greco (Neapel) waren ausgelaufen 180 Schiffe; jedes mit 8 Tonnen Gehalt, mit 11 Mann, mit 9100 L. au Spesen für Geräte, Lohn und Kost — erbeutet wurden 40 Quint Korallen. Am Pin za und Vertotone (Gaeta und Neapel; gingen aus 4 Barken, jede mit 8 Tonnengelialt, 11 Mann; Auslagen (wie oben bei Torre del greco). Sie erbeuteten ebenfalls 40 Quint. Sciacca (Porto Empedocle) gab 100 Barken, mit 9 Mann per Barke, 37* Tonnengehalt, für jede beliefen sich die Kosten aut' 1600 L. und jede Barke erlangte 12 Kilo Korallen. Aus Trapani liefen 40 Schiffe aus, jedes mit 5 Tonnengehalt, 9 Mann und für jedes Schiff mit 3000 L. Kosten. Die Ausbeute betrug 30 Quint. Korallen. _ Sr. *) Marcliesetti. J. Coralli. Trieste 1883. **) llollettino di natizic agraric. R. Ministero d'agric. com. ed. ind. Roma 1883. Dccembre Nachdruck verboten. Drude von Maiiluu ä W&ldschmidt. Frankfurt a. M. Der Zoologische Garten. Zeitschrift für Beobachtung, Pflege und Zucht der Tiere. Herausgegeben von der „Neuen Zoologischen Gesellschaft“ in Frankfurt a. M. Redigiert von Professor Dr. E. C. Noll. Verlag von Mahl au & Waldschmidt in Frankfurt a. M. No. 10. XXV. Jahrgang. Oktober 1884, Inhalt Haftapparate bei Wirbeltieren ; von Gr. Siramermaclier. — Die wissenschaftlichen und die praktischen Aufgaben hei der Aufstellung unserer Naturaliensammlungen; von Leopold Martin in Stuttgart. (Schluß.) — Ein liypneumatischer Sperling ; von Prof. Dr. H. L an d o i s. — Namen einiger asiatischer Wildschafe; von Dr. B, Langkavel. — Die Zwergschleiche, Ab/c pharus pannonicus Fitzinger) in der Gefangenschaft; von .1 oh. von Fischer. — Miscellen. — Eingegangene Beiträge — Bücher und Zeitschriften. — Haftapparate bei Wirbeltieren. Von G. Simmermacher. Gelegentlich einer Arbeit über Haftapparate bei Insekten fand ich in der Litteratur einzelne Notizen, welche mich darauf hin¬ wiesen, daß bei Wirbeltieren die Fähigkeit, sich an glatten und senkrechten Flächen festzuhalten und zu bewegen, ziemlich ver¬ breitet ist. Einer der ersten Aufsätze welcher mir darüber bekannt wurde, war der von Dr. M. Braun »über die Haftzehen der Geckos«, worin er betonte, daß die bekannte Fähigkeit dieser Reptilien, an senk¬ rechten oder wagrecht überhängenden Flächen hinzulaufen nicht, wie vielfach angenommen wurde, auf Absonderung eines klebrigen Sekrets, sondern auf der Bildung luftleerer Räume zwischen den die Fußsohlen fraglicher Tiere bedeckenden Lamellen beruhe. Daran anknüpfend möchte ich mir erlauben, in folgendem eine Zusammenstellung solcher und ähnlicher Einrichtungen zu geben, welche es verschiedenen Wirbeltieren ermöglichen,' sich an senkrechten und glatten Flächen festzuhalten oder vorwärts zu bewegen. — Zoolog. Gart. Jahrg, XXV, 1884, 19 290 Zweck dieser aus den weit zerstreuten Notizen und Abhandlungen der zoologischen Litteratur gesammelten Zusammenstellung ist, zu zeigen, daß die Geckonen in Bezug auf die Fähigkeit, sich mit Hülfe von Luftdruck festzuhalten, durchaus nicht vereinzelt dastehen, sondern daß (ganz abgesehen von Wirbellosen, unter denen Saug¬ apparate ja bei den verschiedensten Abteilungen und in den ver¬ schiedensten Formen Vorkommen,) diese Fähigkeit sehr vielen und zwar sehr entfernt von einander stehenden Wirbeltieren, natürlich in sehr verschiedenem Grade zukommt. Die Wirbeltiere, bei welchen bis jetzt solche Hafteinrichtungen an den Gliedmaßen bekannt wurden, gehören folgenden Klassen, respektive Ordnungen au: Amphibien, Reptilien, und unter den Säugetieren den Yielhufern, Flossenfüßlern (?) Fledermäusen, Halb¬ affen und Affen. Je nach der Beschaffenheit und Wirkungsweise derartiger Ein¬ richtungen haben wir zif unterscheiden zwischen solchen, welche infolge Herstellung eines wirklichen Vakuums wirken, und solchen, welche ein Haften infolge von Adhäsion ermöglichen. Wir wollen unsere Betrachtung mit den ersteren, als den häufiger vorkommenden beginnen, und dabei von den im System tiefer stehenden zu den höher stehenden Tieren fortschreiten. Zuerst haben wir uns demnach zu beschäftigen mit den betreffenden Tieren aus der Klasse der Reptilien. Die einzelnen Zehen der Geckonen und der Arten der Gattung Auolius sind bekanntlich durch symmetrische Hautsäume verbreitert. Die Unterseite dieser auffallenden Zehen ist mit parallelen, senkrecht stehenden Lamellen bedeckt, und nach den Untersuchungen Brauns*) *) Dr. M. Braun. a. b. Humboldt. Monatsschrift für die gesamten Naturwissenschaften. 1888. 2 pag. 184.: »Über die Haftzehen der Geckos.« Arbeiten aus dem zool.-zoot.- Institut, Wüvzburg. 1878. IY. Zur Bedeutung der Kutikular- borsten auf den Ilaftlappen der , Geckotiden. Über die ITaft- lappen an der Unterseite der Zehen von Ano- , lius. c. Arbeiten aus dem zool.-zoot.- Institut, Wurzburg. 1879. V. 291 und Cartiers*) sitzen auf der Unterfläche dieser Lamellen eine Menge mikroskopischer, feiner elastischer Härchen, welche (abgesehen von der Rolle, welche sie bei der Häutung spielen,) den doppelten Zweck haben, in alle Unebenheiten der senkrechten Flächen, an welchen sich die Tiere bewegen, einzugreifen und gleichzeitig die Elastizität der Lamellen zu erhöhen. Die Wirkung der Härchen und der Lamellen ist nun eine sehr einfache. Durch Niederdrücken des Fußes werden die Lamellen auseiuandergeschoben und damit die zwischen ihnen befindliche Luft ausgetrieben ; beim Rückziehen des Fußes kehren die Lamellen in ihre alte Lage zurück, d. h. sie werden wieder aufgerichtet, so daß zwischen ihnen eine Reihe luft¬ leerer Räume entsteht und der ganze Fuß durch den Druck der umgebenden Luft festgehalten wird. Drüsen zur Absonderung des früher angenommenen klebrigen Sekrets sind im Fuß überhaupt nicht zu finden. Der Ansicht, die Geckonen klebten sich beim Laufen an Wänden und Deckeu an ihre Unterlage an, wurde schon 1830 von Wagler widersprochen. Er sagt in seiuem natürlichen S}rstem der Amphi¬ bien,**) daß es den Plattzünglern durch Aufdrücken ihrer Füße an ihre Standebene gelingt, »einen luftleeren Raum zu erzeugen und sich so selbst in senkrechter Stellung den glättesten Gegenständen anzuheften.« Am Schluß seines Werkes sagt er in seinen »Zusätzen« nochmals ausdrücklich : »Es ist zufolge neuerer Beobachtungen un¬ gegründet, daß die plattzüngigen Echsen aus ihrem Körper, oder auch nur aus ihren Fußsohlen einen Saft wie die Kröten und Sala¬ mander absondern. — Trotzdem finden wir noch bei Klaus (Lehr¬ buch der Zoologie) über die Geckonen die Bemerkung »mit klebrigen Haftlappen an den Zehen«. Die Geckonen und Auolius-Arten sind die einzigen mit Haft¬ füßen versehenen Reptilien ; wir gehen daher über zur Klasse der Säugetiere, bei welchen die Fähigkeit, unter den Fußsohlen ein Vakuum zu bilden, häufiger ist. — Ein durchgreifender Unterschied zwischen den diesbezüglichen Bildungen der Säugetiere, gegenüber *) 0. Cartier. Arbeiten aus dem zool.-zoot. -In¬ stitut, Würzburg. 1874. I. Untersuchun¬ gen über die Häutung der Reptilien. pag. 284 1830 **) Joh. Wagler: Natürliches System der Amphibien etc. und 342. (Bei Wagler ist die Trennung der älteren Klasse »Amphibien« in die heute allgemein angenommenen Klassen Amphibien und Reptilien noch nicht vorgenommen.) . 292 denen der Reptilien besteht darin, daß bei ihnen meist durch elas¬ tische Polster oder Pelotten ein einziges Vakuum, und nicht, wie zwischen den Lamellen der Geckoneu eine Reihe luftleerer Räume hergestellt wird. Die Tiere, welche wir zunächst zu besprechen haben, sind die im System bis jetzt noch eines ganz sicheren Platzes entbehrenden Klippschliefer (Hyrax). • — Erwähnt ist die Fähigkeit dieser Tiere, sich au Felsen gewissermaßen anzusaugen, von Mohnike, auf dessen eingehende Abhandlung ich später zurückzukommen haben werde. Ausführlich besprochen ist das Haften der Klippschliefer an Felsen von Schweinfurth in seinem Reisewerk von 1874.*) Die merkwürdigen Tiere halten sich auf den »bizarren Gneisfelsen« Abessiniens auf, und wie weit sie in ihren »pfeilschnellen« Bewe¬ gungen auf den glatten Felsen durch die eigentümliche Gestaltung ihrer Füße unterstützt werden, wird am besten durch die eigenen Worte Schweinfurth’s veranschaulicht werden. »Abdu, der Verwalter von Moolo, ein im Dienste vieler Europäer zum eifrigen Jäger, Ausbalger und halben Naturforscher ausgebildeter Mann, hatte mich eigens auf die interessaute Jagd aufmerksam gemacht, zu welcher die hart an der Thür der Seriba umher schlüpfenden Klippschliefer verlockten, zugleich hatte er von mir eiue Erklärung der merkwür¬ digen Erscheinung verlangt, nach welcher die Tiere befähigt wären, über jähe, fast senkrechte Felsplatten hin und herzuklettern. Ich weiß nicht, woher es kommt, wiederholte er, hat man einen ge¬ schossen und will ihn packen, so haftet er mit seinen Füßen im Todeskampf am glatten Fels, als sei er angewachsen.« — Weiter unten bemerkt Schweinfurth von einem, von ihm selbst erlegten Exemplar: »Der Granit war so eben wie die Platten eines Trottoirs, und dennoch mußte ein gewisser Widerstand überwunden werden, um den im Genick gepackten Körper von demselben aufzuheben; er haftete, wie mit Vogelleim angeklebt, am Boden.« — Die Er¬ klärung dieser auffallenden Erscheinung und des sicheren Kletterns über schroff geneigte Felswände wird am besten durch Schweiufurth’s eigene Worte gegeben: »Die Sohlen dieser Tiere sind nämlich schwärzlich, elastisch wie Kautschuk, und tragen mehrere, durch tiefe Spalten getrennte Schwielenpolster. Diese Einrichtung befähigt sie , was bei allen *) Im Herzen von Afrika, Reisen und Entdeckungen etc. v. Dr. Georg Schweinfurth 1874. I. pag. 418—420. 293 Säugetieren und Warmblütlern überhaupt unerhört ist, sich beim Gehen, vermittels beliebiger Einziehung uml Ausdehnung der centralen Schwielenspalte, mit einer gewissen Festigkeit an die glatte Ober¬ fläche des Gesteins anzusaugen und einen Teil ihrer Schwere über¬ winden zu können.« — Jedenfalls haben wir in dieser eigentümlichen Funktionsfähig¬ keit der Füße der Klippschliefer eine sehr interessante Anpassungs- erscheinung an den Aufenthaltsort der Tiere, die glatten Felsen, vor uns. Daß dies aber bei den Warmblütlern nicht unerhört ist, wird sich aus den später zu besprechenden Untersuchungen und Beobachtungen Mohnike’s über verschiedene Affen ergeben. Die Gewandtheit und Sicherheit, mit der die Klippschliefer auf den Felsen ihr Wesen treiben, fiel schon Brehm auf und erinnerte ihn an die Kletterkünste der Geckos (Illustriertes Tierleben I.). Die eigentümliche Sohlenbildung einer Hyrax - Art muß schon dem Reisenden Bruce aufgefallen sein, denn er giebt in seinem 1790 er¬ schienen Werke*) neben dem Bild des Klippschliefers selbst eine Zeichnung des Fußes von unten gesehen, und bemerkt ausdrücklich, daß die weiche Sohlenfläche sich stark zu beiden Seiten der Falten emporhebt. Die Zehen des plump gebauten Fußes mit der »cen¬ tralen Schwielenspalte« entbehren der Nägel und »tragen nur hornartig verdickte Hautstellen.« Eine genauere histologische Unter¬ suchung der Füße von Hyrax dorsalis wurde 1876 von Dobson**) vorgeuommen. Derselbe fand, daß die Sohlenhaut außerordentlich reich an Schweißdrüsen ist. Er zählte auf einen Quadratzoll 40,000 solcher Drüsen (15mal mehr als auf der gleichen Fläche der Fußsohle des Menschen), und es ist einleuchtend, daß durch diese, Feuchtigkeit absondernden Drüsen die Sohlen der Tiere weich und geschmeidig, also zur dichten Anlage an das Gestein geeignet erhalten werden. Bei der Aufzählung der Wirbeltiergruppeu, bei welchen sich Hafteinrichtungen fänden, nannte ich auch weiter vorne die Flossen¬ füßler, setzte jedoch ein Fragezeichen dahinter. Ich fand nämlich bei Wagler (1. c. pag. 234 Anmerkung) die mich frappierenden Worte: »ja selbst die Walrosse heften sich durch den Druck der Atmosphäre unter ihren Hinterfüßen an steilen Felswänden an, indessen bleiben ihre Stoßzähne die eigentlichen *) Bruce: Travels to discover the Source of the Nil; V. Edinburg 1790. **) Proceedings of the Zoological Soc. of London 1876. pag. 526—535. 294 Hebel ihrer Fortbewegung auf solclieu Stellen.« Aus einer weiteren Äußerung von Wagler gellt hervor, daß er in der Fälligkeit mancher Geckonen, ihre Klauen in eine Scheide zurückziehen zu können, und der Thatsache, daß die Nägel an den Hinterfüßen des Walroßes die Spitzen der Zehen nicht überschreiten, Mittel zu demselben Zweck erblickt, uämlich die Herstellung eines luftleeren Raums zu begünstigen. — Die von Wagler ausgesprochene Ansicht über die Fähigkeit des Walroßes, sich mit den Hinterfüßen anzusaugen, schien mir jedoch aus mancherlei Gründen zweifelhaft. Zunächst schien mir sogleich beim Lesen der Waglerschen Worte ein auf solche Weise gewonnener Halt bei dem bedeutenden Gewicht des Tiers nicht ausreichend, dann fiel mir ein, daß, wenn auch die Füße in dieser Weise Halt gewähren sollten, dies nicht mit Hülfe der Hinter- sondern der Vorderfüße geschehen müßte, und endlich schienen mir bei Betrachtung eines ausgestopften Exemplars doch beide Fußpaare nicht dazu geeignet, saugnapfartig zu wirken. Da Wagler seine Ansicht über das Walroß direkt an eine Bemer¬ kung über die Haftlappen der Fliegen anknüpft, so glaube ich keinen Fehlschluß zu tlmn, wenn ich annehme, daß er sich in seiner An¬ sicht nach Home gerichtet hat, welcher wenige Jahre vorher die Hinterfüße des Walroßes mit den Haftlappen der Fliegen verglichen und sie diesen in der Wirkung gleichgestellt hat.*) Die Sache schien mir indessen doch der Verfolgung wert, und ich fand, daß die Ansicht Home’s durch K. E. v. Baer in seiner eingehenden Ab¬ handlung »Anatomische und Zoologische Untersuchungen über das Walroß (Trichechus JRosmarus)**) u. s. w. wenn auch nicht geradezu widerlegt, so doch sehr in Zweifel gestellt war. v. Baer, welcher selbst Gelegenheit zur Beobachtung eiues lebenden jungen Walroßes hatte, sah zwar, daß dasselbe fähig war, au schief gestellten Brettern in die Höhe zu gelangen, schreibt diese Fähigkeit aber der durch die runzlige Haut und die lappigen Füße erzeugten Reibung zu. Deu von mir gehegten Zweifel, daß die Hinterfüße erfolgreichen Halt auf der schiefen Eisfläche gewähren könnten, auch wenn sie saug¬ napfartig zu wirken vermöchten, spricht schon v. Baer aus: »Für das Hinankriechen könnten Saugnäpfe nur daun wirksam sein, wenn sie am vorderen Ende des Körpers sich befanden. Würde das Tier beim Hinankriechen nur durch die Saugkraft der Hinterfüße ge- *) Philosopliical transactions 1824. **) Memoires de’ l’Academie Imperiale des Sciences de St. Petersbourg. 1838. Serie VI. Tome II. pag. 98. 295 halten, so müßte es sich umkehren.« Vorher sagte er schon: »Home ist daher auf den Gedanken verfallen, daß dieses Tier seine Hinter¬ füße als Saugnäpfe gebrauche, um sich mit ihnen festzuhalten. Ich muß gestehen, daß ich nichts gesehen habe, was zur Annahme solcher Eigentümlichkeit nötigte, ja ich sehe die Möglichkeit nicht einmal ein. Damit die Hinterfüße, welche Home unbegreiflicher¬ weise den Füßen der Stubenfliege sehr gleich gebildet findet, wie Saugnäpfe wirken könnten, müßte wenigstens der gesamte Rand des Ruderfußes vom Walroß eng angedrückt werden können, nicht bloß die Enden der Zehen, sondern auch die zwischen ihnen liegende Schwimmhaut. Durch welche Mittel aber das Tier dies bewirken sollte, ist mir nicht verständlich, besonders, da ich die in der Schwimmhaut liegenden Fasern, welche Home zum Teil wenigstens für muskulös zu halten scheint, nur für Sehnenfasern anseheil kann. Mir scheint vielmehr, daß die große Friktion, welche durch die runzlige Haut und die breiten lappigen Füße hervorgebracht wird, und welche ungeheuer vermehrt werden kann, wenn das Tier die ganze Bauchfläche auf dem Boden ruhen läßt, im Stande ist, die Last desselben auf einer geneigten Fläche zu erhalten. Auch mag sich Home die Eisblöcke und Eisfelder wohl allzuglatt und eben denken.« In der Litteratur konnte ich über diesen Punkt nichts weiter finden. Hat nun auch die Betrachtung über die Fähigkeit des Walroßes, sich mit seineu Füßeu anzusaugen, zu einem, wie es wohl scheint, negativen Resultat geführt, so hielt ich die Sache, da nun einmal eine solche Meinung aufgestellt war, immerhin der Besprechung an dieser Stelle wert. — Ich glaube annehmen zu dürfen, daß die von Home ursprünglich angegebene Ähnlichkeit zwischen den Haft¬ lappen der Fliegen und den Hinterfüßen des Walroßes von Wagler gerne angenommen wurde, da er es offenbar liebte, im Sinn der naturphilosophischeu Schule Parallelen und Ähnlichkeiten zwischen den entfernt stehendsten Tierklassen aufzustellen. (Siehe z. B. seine Vergleiche zwischen Nagern und Heuschrecken — Schwalben und Libellen — Spitzen des Hahnenkamms mit den Enden des Hirsch¬ geweihs u. s. w. pag. 100 und 246). — — Einer wohlausgebildeten Hafteinrichtung begegnen wir dagegen bei einer brasilianischen Fledermaus, Thiroptera tricolor , Spix. Die¬ selbe vermag sich mittels eines Saugnäpfchens, ähnlich dem au den Armen der Cephalopoden (Tintenfische), an steilen und glatten Orten aufzuhängen. — Eine Abbildung des Tiers (leider keine vergrößerte 296 des Saugnäpfchens allein) findet sich in dem Werk von Spix : Simianwt et vespertilionum Brasilien skim species novae. Tafel XXXVI. 9. — Eiue eingelieude Besprechung dieser merkwürdigen Einrich¬ tung soll sich finden im Zoological Record 1870, doch kann ich leider hierüber nichts angeben , da mir fragliches Werk nicht zur Verfügung stand. Worauf Mohuike seine Vermutung gründet, daß noch eine andere Fledermaus, Cheiromeles torquatus Horsf. von den Sunda-Inseln die Fähigkeit besitzt, sich mit Hülfe von Luftdruck Halt zu verschaffen, kann ich nicht sagen. Jedenfalls ist dies Vermögen bei den Fledermäusen sehr selten, dagegen ist es nach den neuesten Untersuchungen und Beobachtungen Mohnike’s*) verhältnismäßig häufig bei Affen und wahrscheinlich auch Halbaffen. Durch direkte Beobachtung der Tiere und naehherige Prüfung der inneren Handfläche konstatierte Mohuike bei 3 Arten aus der Gruppe der Meerkatzen, bei Inuus speciosus Cuv. in Japan, bei Inuus nemestrinus Lin. auf Summatra und Borneo und bei dem auf allen indischen Inseln außer den Molukken häufigen Cercopitliecus cynomolgus die Fähigkeit, steile und glatte Flächen zu erklimmen. Die erste Gelegenheit zu seinen Beobachtungen hatte Mohuike 1849 in Japau. Er sah, wie ein ihm durchgegangener Inuus specio¬ sus ein »ca. 18 Fuß langes, ungefähr 1 1/2 Fuß breites, glatt ge¬ hobeltes Brett aus Fichtenholz, welches gegen die Wand in einem Winkel von kaum 12° angelehnt war, schnell und ohne alle Mühe hinauflief, wodurch ihm das Erreichen des weit vorspringenden Daches möglich wurde.« — Nachdem der Affe wieder eingefaugen und an eine Kette gelegt war, ließ ihn Mohuike wiederholt an be¬ sagtem Brett hinauflaufen. Aus der alsdann vorgenommenen Be¬ trachtung der inneren Handfläche ergab sich, daß die Fähigkeit, an solch steiler glatter Fläche hinaufzulaufen, auf demselben Prinzip beruht wie bei den vorhin besprochenen Klippschliefern. Auf der Innenseite der Vorder- und Hinterhände des Inuus speciosus findet sich nämlich je ein »Daumenballen«, daun ein Ballen an der »Klein¬ fingerseite,« und außerdem 3 kleinere Ballen, von welchen der eine *) Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie 1879. XXXII. pag. 391. 0. Mohnike: Über das Vermögen verschiedener Säugetiere sich mittels des atmosphärischen Drucks an glatten, mehr oder weniger senkrechten Flächen festhalten und aufwärts bewegen zu können. 297 dem kleinen Finger, der mittlere den 2 Mittelfingern, der äußerste dem Zeigefinger angehört. Bei seiner Rückkehr nach den indischen Inseln beobachtete Mohuike vielfach die Art der Bewegung der einheimischen Affen- arten und verglich die Hände mit denen von Inuus speciosus. Am stärksten entwickelt fand er die »5 oben erwähnten Polster oder Pelotten bei Cercopithecus cynomolgns ; bei diesen sind auch nicht, wie bei Inuus speciosus , bloß die letzten Phalangen der Vorder- und Hinterhände, sondern alle, an ihrer Volarseite, mit stark hervorragenden kissenförmigen Pelotten versehen. Ganz ähnlich sind auch die inneren Handflächen bei Inuus ncmestrinus auf Sumatra und Borneo ge¬ bildet.« Um sich über die Richtigkeit seiner Annahme, daß die frag¬ lichen Affen sich mit Hülfe des Luftdrucks beim Klettern festhalten, zu vergewissern, verglich Mohnike wiederholt die Art und Weise ihrer Kletterbewegungen mit denen anderer Tiere, indem er erst Katzen und daun seinen Cercopithecus cyn. an glatten Palmstämmen hinauflaufen ließ. Dabei beobachtete er, daß letzterer den Stamm nie mit seinen Extremitäten umfaßte, sondern nur seine Hände an den Stamm andrückte. Sich durch Einschlagen der Krallen in die Rinde Halt zu verschaffen, wie es die Katzen thun, ist ihm unmög¬ lich, da seine breiten, ähnlich wie beim Menschen gebildeten Nägel die Fingerspitzen kaum überragen. — Eine histiologische Unter¬ suchung der Hand hat zwar Mohnike nicht vorgenommen. Er giebt aber an, daß die iunere Handfläche bei Inuus speciosus »nicht nur immer eine niedrigere Temperatur als der übrige Körper, ja selbst eine gewisse Kälte empfinden läßt.« Man muß wohl aunehmen, daß diese Kälte auch auf Anwesenheit zahlreicher Schweißdrüsen in der Haut, bezüglich auf rascher Verdunstung eines flüchtigen Sekrets derselben beruht, welches, wie bei den Klippschliefern, die innere Hand weich und geschmeidig erhält. Mohnike hält es ferner »für wahrscheinlich, fast für gewiß,« daß außer den genannten Meerkatzenarten auch noch Inuus ecaudci- tus Kühl in der Berberei und auf den Felsen von Gibraltar, meh¬ rere der typischen afrikanischen Cercopithecus- und Cynoceplialus- Arten, Cynoceplialus niger Gray (nur auf Celebes und der Insel Batjan (Molukken), sowie die meisten Lemurideu und die Arten der Gattung Tupaia, Horsfield, sich mit Hülfe von Luftdruck an glatten Flächen zu bewegen vermögen. 298 Seine Vermutung über die diesbezügliche Fähigkeit der Paviane (Cynocephalus- Arten) gründet Mohuike auf eine »Abbildung der inneren Handfläche eines Pavians bei Alix« und die Thatsache, daß diese Affenarten meist nicht Baumtiere sind, sondern zum großen Teil felsige Gebirgsgegenden bewohnen, wo sie mit größter Schnellig¬ keit steile Felsen erklimmen. Nach dem, was wir bereits bei den Klippschliefern gesehen, hat Mohnike’s Vermutung jedenfalls eine große Wahrscheinlichkeit. (Die Abbildung von Alix ist mir nicht bekannt.) Uber Aufenthalt und Kletterfähigkeit der Paviane auf Felsen siehe Brehm’s Tierleben. Was Mohnike’s Vermutung über die Le¬ muren betrifft, so kann ich nur bemerken, daß Gipsabgüsse von den langfingerigen Händen dieser Tiere ähnliche Falten und Wülste zeigten, wie wir sie bei Inuus und Cercopithecus kennen lernten. Wir wären somit mit der Betrachtung solcher Einrichtungen, welche auf Bildung eines wirklichen Vakuums beruhen, zu Ende und hätten zur Besprechung solcher Bildungen zu gehen, welche in Folge der, zwischen 2 aufeiuandergelegten Flächen verursachten Adherenz wirken. Diese Bildungen, die wir als Haftscheiben bezeichnen wollen, sind viel seltner als die seither besprochenen. Ganz sicher als Haftscheiben wirkende Organe kennen wir nur an den Fingern der Laubfrösche, wahrscheinlich dienen aber auch als solche die scheiben artigen Erweiterungen an den Fingern des auf einigen asiatischen Inseln, besonders Amboina heimischen, aber in seiner Lebensweise noch wenig bekannten »Gespenstmaki«, Tar- sius spectrum Geoff'r. Betrachten wir zunächst die Haftscheibeu der Laubfrösche ( Dyscodactylia , Scheibenfinger). Daß die Laubfrösche au jeder senkrechten Glasscheibe hinaufzuklettern und sich beim Sprung gegen dieselbe sofort zu halten vermögen, ist bekannt. Dieses Haften beruht indessen nicht, wie auch schon angenommen wurde, auf einem Ankleben des Tiers, sondern nur auf einer innigen Adherenz zwischen den Haftscheibeu und ihrer Unterlage, nachdem erstere der letzteren durch die Wirkung der Muskeln angepreßt sind. Diese Adhäsion der weichen Haftscheiben wird allerdings nach den eingehenden Untersuchungen v. Wittich’s in Königs¬ berg durch ein, aus zahlreichen Drüsen der Haftscheiben aus¬ tretendes, dünnflüssiges Sekret begünstigt. Daß diesem aber nicht 299 die Eigenschaft der Klebrigkeit zukommt, geht aus den Versuchen von Wittich’s hervor, daß ein Laubfrosch unter gewöhnlichen Um¬ ständen an einer Glasscheibe zu haften vermochte, daß er aber her¬ unterfiel, wenn unter die Haftscheiben eine konzentrierte Gummi¬ lösung gebracht wurde. »Die Gummiarabikum - Lösung übertrifft das Sekret der Haftlappen gewiß an Klebrigkeit und dennoch reicht letztere nicht hin, jene zu fixieren, wenn sie in zu dicker Schicht zwischen ihnen und der Glasfläche liegt . Aus alledem geht also hervor, daß kein physikalischer Grund der Annahme entgegen¬ steht, daß dies Haften der Zehenglieder durch eine innige Adherenz bewirkt wird, die zunächst ihren Grund in dem Niederdrücken der Endphalanx und dem damit verbundenen Anpressen der Haftballen, daun aber in der durch die Sekretschicht erregten Kapillarattrak- tiou hat.«*) Vermutlich haben nun die scheibenförmigen Erweiterungen an den Fingern des noch wenig bekannten »Gespeustmaki« den Zweck, demselben das Klettern zu erleichtern resp. seine Sicherheit in der Ausführung weiter Sprünge zu erhöhen. — Es ist dies freilich nur eine Vermutung, welche sich auf die Ähnlichkeit der Finger von Tarsius mit denen der Laubfrösche gründet. Beobachtungen sind hierüber noch keine gemacht, selbst über das Freileben dieses sel¬ tenen und lichtscheuen Tiers ist noch wenig bekannt. Alles, was ich über seine Lebensweise finden konnte, ist, daß es sich am Tag unter Wurzelwerk, besonders dem der großen Bambusstauden auf¬ halten und nachts weite Sprünge von fast zwei Fuß ausführen soll. **) Mit dem Aufenthalt zwischen den glatten Bambusstäinmeu und der Ausführung solcher Sprünge stände dann die Deutung der eigentümlichen Fingerbildung im Einklang. Bis jetzt haben wir bei der Besprechung von Haftapparaten, d. h. von Einrichtungen, welche den Tieren bei ihren Bewegungen Halt gewähren, ohne daß dieser durch ein einfaches Umfassen mit den Händen oder Füßen oder durch Einschlagen von Krallen bewirkt wird, nur solche Einrichtungen berücksichtigt, welche sich an den Extremitäten der Tiere finden, und demnach als Wirbeltier¬ klassen, bei welchen solche Einrichtungen Vorkommen, die Amphibien, Reptilien und Säugetiere aufgeführt. *) Archiv für Anatomie und Physiologie 1854. v. Wittich : Der Mechanismus der Haftzehen von Hyla arborea. **) Archiv für Naturgeschichte, V, p. 427 : Neue Notizen aus dem Gebiet der Natur und Heilkunde 1839, Nr. 210, pag. 785. 300 Berücksichtigen wir nun auch ähnliche Apparate, welche sich an anderen Körperteilen als an den Extremitäten finden, so haben wir auch noch die Fische in die Reihe der Wirbeltierklassen zu stellen, bei welchen solche Einrichtungen auftreteu. Abgesehen von dem Saugrnund der Cy clostomen (Myxiniden und Neunaugen), fiuden wir einen großen durch Verwachsung der Bauchflossenstrahlen entstandenen Saugnapf beim sogenannten Seehasen, Cycloptcrus lumpus. Einen oder zwei solcher bauchständigen Saugnäpfe haben ferner die dem Seehasen nahe stehenden Glieder der Gattungen Lepadogaster (Schildbäuche) und Leparis (Fettscheibler) ; zuletzt bleibt dann noch zu nennen die eigentümlich und zierlich geformte Saugscheibe auf dem Kopfe der SchifFshalter ( Echeneis ). — (Unter den Amphibien haben die Froschlarven bekanntlich eine zeitlang einen Saugmund.) Alle diese genannten eigentümlichen Bildungen bei den Fischen ermöglichen denselben einen mehr oder weniger durchgeführten Parasitismus an anderen Wassertieren, eiue mühelose Ortsverände¬ rung oder ein willkürliches Auf halten an nahrungsversprechenden Stellen. Die Myxinoiden {Myxine ' glutinös ci L. und JB dellostoma heptatrema Joh. Müller) leben parasitisch an anderen Seefischen, ja dringen selbst in die Leibeshöhle von Dorsch, Stör und anderen Fischen ein. Die Petromyzonten saugen sich mit ihrem Mund sowohl an Steine wie an lebende Fische an. An erstere heften sie sich, um in schnell strömendem Wasser zeitweise ausruhen zu können, au letztere teils um sich in ihr Fleisch einzubohren und sich davon zu nähren, teils um sich in der Laichzeit stromaufwärts schleppen zu lassen. Der plumpgebaute Cydopterus saugt sich mit seinem bauch- ständigen Saugnapf an nahrungsreichen Stellen im Meere an Steine fest und läßt sich seine Nahrung sozusagen in den Mund spülen. Daß er sich sehr wohl auch an stark bewegten Stellen, wohin gerade durch die Wellen viele kleinere Seetiere geführt werden, zu halten vermag, das zeigt die Thatsache, daß bei einem 8zölligen Exemplar ein Gewicht von 78 Pfund erforderlich war, um ihn von seiner Haftstelle loszubringen. Die SchifFshalter {Echeneis) haben ihren Namen daher, daß sie sich in Menge an die Schiffe ansaugen, jedenfalls um die von dort kommenden Nahruugsabfälle zu erhaschen ; außerdem saugen sie sich an Haifische fest und werden auf diese Weise mühelos durch 301 clie See getragen. -- Über die Schwimmfähigkeit der Schiffshalter läßt sich schwer arteilen ; daß aber die sich mit dem Mund fest¬ saugenden Cyclostomen mit ihrem unpaaren Flossensaum und feh¬ lenden Brust- und Bauchflossen, sowie die plumpgebauten Cyclopterus und die Liparis- und Lcpaüogaster- Arten keine guten Schwimmer siud, ist klar. Wir haben also wohl alle diese köpf- wie bauchständigen Saug¬ apparate als Anpassungsbildungen auzusehen. In demselben Sinne haben wir jedenfalls die verschiedenen vorn besprochenen Modifikationen aufzufassen, welche die Extremi¬ täten einzelner Wirbeltiere erfahren haben. Den Laubfröschen wird nur durch ihre eigentümlichen Haftscheibeu der Aufenthalt auf Pflanzen ermöglicht ; den Geckonen ist jedenfalls durch ihr Klettervermögen ein, anderen Reptilien unzugängliches Jagdgebiet eröffnet und zugleich die Möglichkeit gegeben, sich Gefahren zu entziehen. Der mit einer Saug-einrichtung versehenen Fledermaus ist jedenfalls die Möglichkeit gegeben, sich an steilen, wenigstens anderen Vierfüßlern unzugänglichen Orteu auszuruhen. Die Klipp¬ schliefer erlangen durch die eigentümliche Bildung ihrer Sohlen eine große Gewandtheit in ihren Bewegungen auf ihrem eigentümlichen Wohngebiet, und den mit ähnlichen pneumatisch wirkenden Fu߬ sohlen versehenen Halbaffen und Affen leisten diese beim Klettern an glatten Asten und noch mehr über steile Felsen dieselben Dienste, sowohl beim Erlangen von Nahrung als auf der Flucht vor Gefahr. Wir haben daher wohl alle Ursache, die sämtlichen, in Vor¬ stehendem besprochenen Haftein richtungeu als im Lauf der Zeit erhaltene, durch die natürliche Zuchtwahl mehr oder weniger ver- vollkommnete Bildungen anzusehen. 302 Die wissenschaftlichen und die praktischen Aufgaben hei der Aufstellung unserer Naturaliensammlungen. Von Leopold Martin in Stuttgart. (Schluß.) 2. Universalmuseen der Natur. Auf einem übersichtlichen Raum die bemerkenswertesten Gebilde der Erde nach ihrer Zeitfolge und Entwickelung passend zu vereinen, ist eine der erhabensten Aufgaben, die wir dem Interesse der Mensch¬ heit an der Natur schuldig sind. Dieses Ziel kann aber nur erreicht werden, wenu wir die Kluft, welche wir zwischen der Urwelt und Gegenwart mehr künstlich gezogen haben, angemessen zu überbrücken suchen, denn eine vollständige Trennung ohne Über¬ gänge von sonst zu jetzt besteht nicht. Vielmehr weist die Erd¬ geschichte eine fortlaufende Entwickelung ihrer Geschöpfe durch alle Perioden nach und gerade dieses darzuthuu, muß die Aufgabe des Universalmuseums sein. Bei den ältesten Kulturvölkern, den Indiern und Ägyptern und in der neuen Welt bei den Mexikanern und Peruanern haben wir gefunden, daß dieselben in den Tempeln ihrer göttlichen Ver¬ ehrung zugleich auch ausgebreiteten Naturdienst getrieben haben, indem ihnen nicht nur die Sterne des Himmels heilig waren, die sie mit den Handlungen denkwürdiger Menschen verwebten, sondern auch Hainen und Bäumen ihre Ehrfurcht zollten, Tiere in die Tempel brachten und die Seelenwanderung erdachten, die Leichen der Tiere einbalsamierteu u. a. m. Ähnlich wie in der alten Welt, fanden die herrschsüchtigen Eroberer Amerikas den Naturdienst in der neuen Welt, und bei den Peruanern ging die Schonung des Wildstandes mit einer unsere heutige Jägerei beschämenden Vorsicht zu Werke. Die Vogelhäuser der Mexikaner besaßen Ausdehnung und Verpflegung, die gleiche Einrichtungen unserer heutigen Tier¬ gärten weit übertrafen. Dank dieses Naturdienstes waren Achtung o O und Liebe zur freien Natur ebenfalls groß und ihre Wälder und der Wildstand erfreute sich unter solch sanfter Gesinnung eiues üppigen Gedeihens. Völlig entgegengesetzt benahmen sich die alten Römer, deren Freude im Vernichtungskrieg gegen das freie Naturleben bestand, von dem die scheußlichen und grausamen Tierkämpfe Zeugnis geben und in welchen Brutalitäten die Jugend aufgezogen wurde. 303 Dieser Mißachtung der alten Römer gegen die freie Natur ist auch der Stumpfsinn zuzuschreiben, welcher sich in den Rechts¬ begriffen derselben, in den Lehren der Schule und der späteren Kirche noch bis znm heutigen Tage zeigt und die wir trotz unserer vorgeschrittenen Bildung doch noch nicht vollständig abstreifen können. Umsomehr haben wir alle Ursache, unsere ganze Sorge auf die Entfaltung derjenigen Institute zu legen, welche als ge¬ heiligte Tempel der Natur uns Achtung und Liebe für dieselbe erwecken sollen. Wie bereits erwähnt, haben schon in den ältesten Zeiten die Gestirne als die Sinnbilder der Ewigkeit gegolten und wurden der Erinnerung bildlich vorgeführt. Um wie viel mehr liegt es nahe, dieselben auch in unseren modernen Naturtempeln einzuführen, wo sie vom Gewölbe eines Kuppeldaches herabstrahlend, ihren ergrei¬ fenden Eindruck nicht verfehlen werden, und gerade dieser ist es, den wir mit unseren einfachen Mitteln zu erzielen suchen müssen, während nichtssagende kahle Wände uns immer unbefriedigt lassen. Der Mensch bedarf nun einmal solcher geistigen Anregungen, um ihn für den Zweck seiner Handlungen zu begeistern uud deshalb blieben die nüchternen Bemühungen früherer Zeit ziemlich erfolglos, weil sie sich dieser Mittel nicht bedienten. Ein Universalmuseum kann daher der Beihülfe durch Malerei und Plastik nicht entbehren und muß durch diese bildlich ersetzen, was in Wirklichkeit nicht mehr zu erreichen ist. Dahin gehöreu die entschwundenen Perioden unserer Erde, dereu organische Schöpfungen teils durch Malerei, teils plastisch nachzubilden sind, wobei auch die Aufstellung wirk¬ licher Fossilreste nicht ausgeschlossen ist. Denken wir uns die seltsame Pflanzenwelt der jungen Erde, welche mit den ebenso seltsamen Tierformen das laue Sumpfwasser belebten und denken wir an die Wälder der Steinkohlen zeit, deren unermeßliche Schätze wir heute ausbeuten, so habeu wir schon einen Gegenstand von immenser Tragweite erreicht, der Millionen von Meuschen zum Nachdenken an regt und wo wäre der geeignete Ort passender für die Darstellung solcher Wälder gewählt als hier? Welches wunder¬ bare Tierleben müssen nicht die Sümpfe jener Wälder beherbergt haben, von welchen uns die damaligen Riesenfrösche Kenntnis geben ? Nicht minder seltsam müssen die Wähler der riesigen Schachtelhalme gewesen sein, in deren Sümpfen geharnischte Kroko¬ dile kämpften und die Luft von fliegenden Drachen beherrscht wurde. — Denken wir an jene Zeit, wo das Wasser wieder die 304 Oberhand genommen und die fetten Leiber der Fischdracheu sich darin wälzten, bis sie das Kreidemeer vergrub. Erst seit wenigen Jahren kennen wir den Greif von Solenhofen und die Zahnvögel des amerikanischen Kreidemeeres, welche uns so überraschende Be¬ lehrung über die Abstammung der Vögel verschafft haben und deshalb besonderer Darstellung wert sind. Die der Gegenwart näher liegenden Zeiten des Eocens und der folgenden Epochen bringen die riesenhaften Vielhufer, unter denen das Dinotherium das Selt¬ samste ist, die Riesenvögel der Strauße u. a. m. Diese Andeutungen dürften genügen, um die Notwendigkeit urvveltlicher Darstellungen in unseren Sammlungen darzuthun, deren Möglichkeit in der Malerei und Plastik hinlänglich gegeben ist. Wenn wir daher an diese mehr künstliche Nachbildung die Gebilde der gegenwärtigen Schöpfung anschließen, so vollziehen wir damit nur einen Akt der notwendigen Ergänzung von sonst zum voll- kommueren Jetzt, wodurch wir das Interesse des allgemeinen Ver¬ ständnisses wegen nur steigern, nicht aber verringern werden und in diesem Sinne wird meine gedrängte Darstellung aufzufassen sein. Mit solchen Gedanken beschäftigte ich mich, als ich im Sommer 1852 durch den genialen und leutseligen Direktor des Berliner Zoologischen Museums, Geheimrat Lichtenstein, für dasselbe engagiert wurde. Das Feld meiner dortigen Thätigkeit war ausnehmend groß und darum nicht geeignet, meinen Lieblingsplänen für die Gründung eines Universalmuseums der Naturkunde besonders nachgehen zu können. Vor allem war es notwendig, mir die Zuneigung meines stets wohlwollenden Chefs zu erhalten, um dann erst nach Jahren mit meiner bisher noch geheimen Absicht gelegentlich hervorzutreten. Als der erste Schritt meiner Kundgebungen ist die Gründung einer höchst nötigen und damals noch gänzlich fehlenden Konservator¬ schule zu bezeichnen, welche durch Lichtensteins Bemühungen auch vom damaligen Ministerium gerne genehmigt wurde. Während nun dieses junge Institut sich kaum zu entwickeln begaun und Lichten¬ stein eine Ferienreise nach der Ostsee unternommen hatte, traf aus Kiel die erschütternde Kunde vom plötzlichen Tode des allverehrten Vorstandes in Berlin ein. An die Stelle des Verewigten wurde der einst¬ weilige Mitdirektor des Museums, Dr. Wilhelm Peters, ernannt, zu dessen nächster Obliegenheit die Aufhebung der kaum entstandenen Konser¬ vatorschule gehörte, welchen Akt ich als den Ausfluß einer persön¬ lichen Opposition gegen mich erkannte und deshalb um so geneigter war, einem Ruf an das Naturalienkabiuet in Stuttgart Folge zu leisten, in welcher neuen Stellung- ich einige Jahre wirksam war, bis König Wilhelm von Württemberg, der um das Wohlergehen seines Volkes und namentlich um dessen Landwirtschaft so hoch¬ verdiente Monarch, die Absicht hatte, die Hauptstadt seines Landes noch vor seinem Ende mit einem großartig angelegten Acclimati- sationsgarten zu beschenken, mit dessen Ausführung ich betraut wurde. Leider erlebte der greise König dieses Ziel nicht mehr und starb, als dieser Garten halbfertig und schon mit einigen Tieren besetzt war. So überwältigend dieses traurige Ereignis auch für mich war, so fand ich doch bald einigen Trost in der Beschäftigung mit den Fossilresten dieses schöueu Landes, und was mir die Gegenwart zu verweigern suchte, erstand mir in dem Umgang mit einer viel- tausendjährigen Vergangenheit. Die Tierwelt der »Schachtelhalme des Jurameeres,« welche Scheffel so meisterhaft besingt, nahm mich gefangen und nach ihren uralten Gebeinen formte ich lebensgroße Gestalten; Schlangendrachen, Gaviale und Flugdrachen kamen zu den Fischdrachen und halfen so den Kreis unveltlicher Ungeheuer bilden. Vieles Aufsehen erregte ein riesiges Krokodil aus der Trias¬ zeit, dessen Schuppenpauzer unter den jetzt lebenden Sauriern nichts Ähnliches mehr zeigt aber ahnen läßt, welche furchtbaren Kämpfe jene Kolosse einst auszufechten gehabt haben müssen. Uuter den Tieren des Tertiär befanden sich riesige Höhlenbären und Löwen etc., deren Größe schon mächtig wirkte, zwischen denen aber ein Mammuth von 5 Meter Höhe durch seine Gewaltigkeit alles andere überbot. Ein Teil dieser Tiere wurde vor einigen Jahren nach Amerika ver¬ kauft, soll aber gelegentlich ersetzt werden. Bisher waren die Zoologen immer noch in der glücklichen Lage, den Bedarf ihrer Sammlungen teils in frischen Tieren, teils in Häuten oder Bälgen beziehen zu können, aber sehr bald wird die Zeit eintreten, wo das nicht mehr stattfinden kann. Die Urwelt greift in die Gegenwart immer tiefer ein, denn der Fortschritt der Zeit sorgt dafür, daß ganze Tiergeschlechter der Ausrottung unter¬ liegen. Die Zahl der schon erlegenen Tiere ist nicht gering und wird zusehends sich vergrößern und ich will nur an einige, in noch geschichtlicher Zeit ausgerotteten Tiere erinnern : der Scheich oder Riesenhirsch, der Urstier, der schweizer Steinbock, die stellersche Seekuh, der Riesenalk, der Moa u. a. m. Dem Aussterben nahe sind : der Auerochs, der Wiesent, der Bison, das Elch, verschiedene Robben und Wale und manche oceanische Säugetiere und Vögel. Zoolog. Gart. Jahrg. XXV. 1884. 20 306 Diesem allgemeinen Vernichtungskrieg zuvorzukommen uud zu retten, was noch zu retten ist, hat Milne Edwards sich in der Akademie der Wissenschaften erhoben und bewirkt, daß eine Expedition nach Kap Horn ausgesendet wurde, um dort Wale und Robben etc. für die Wissenschaft zu sampeln, welches Unternehmen nicht hoch genug auzuschlagen ist. — Aus diesen kurzen Andeutungen werden wir die Größe der Gefahr für unsere Sammlungen erkennen uud finden, daß viele dieser Tiere bereits gänzlich verschwunden sind, somit der Urwelt angehören und nicht anders als in restituierten Modellen aufzustellen sind, an welchen Zustand wir uns gewöhnen müssen ; wirklich stellt sich heraus, daß die Riesentiere , wie große Wale, Robben, Seekühe, See-Elefanten und die riesigen Vielhufer als Modelle schönere und naturgetreuere Nachbildungen gestatten, während ihre Häute mehr oder minder nur defekte, kostspielige und unvollkommene Resultate liefern. Betreffs des bedauernswerten Anteils an der Tiervernichtung, welches die Wissenschaft selbst sich schuldig macht, möge nur an die Zerstörung der letzten Bruten des Riesenalks durch gewinnsüchtige Eiersammler erinnert sein. Ganz der gleiche Fall spielt sich gegenwärtig mit dem Kiwi, dem Nestor- und Eulenpapagei auf Neuseeland ab, wo einige spekulative Manchestermänner nach Kräften bemüht sind, mit diesen dem Aussterben verfallenen Vogelarten gründlich aufzuräumen. Es werden nämlich nach Art der Sardinen ganze Blechkisten voll dieser Vögel nach England verschickt, von wo sie wie eine fabrik¬ mäßige Ware in den Handel gebracht werden, die jeden Augeublick in beliebiger Anzahl wieder nachgeliefert werden kann und willige Käufer findet. So bedauernswert solche Erscheinungen sind, so werden dieselben aber immer wieder von neuem versucht werden. Rechnen wir die nach vielen Tausenden zählenden Verluste hinzu, welche jährlich die zoologischen Gärten und die Volieren der Lieb¬ haber zu ersetzen haben, so ergiebt sich die Zahl der wissenschaft¬ lich geopferten Tiere auf eine erschreck bare Höhe, mit welcher die¬ jenige noch konkurriert, die der Putzsucht der Mode zum Opfer fallen. Für die geeignetste Aufstellung eines Universalmuseums der Natur denke ich mir einen großen und hohen Mittelbau mit Kuppel und Oberlicht; das Deckengewölbe mit Sternbildern und die Wände mit Darstellungen urweltlicher Epochen und gegenwärtiger Land¬ schaftsbilder geziert. Diesen Mittelbau hätten die Tiere und Pflanzen der Urwelt, teils in gemaltem und teils iu modelliertem Zustand uud an diese gereiht die der gegenwärtigen Schöpfung auszufüllen. 307 Rings um diesen Mittelbau würden in zwei Etagen gallert¬ artige, schmälere Räume mit Seitenlicht sich anschließen, welche kleinere Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische, Spiri¬ tuosen, Insekten etc. enthielten. Über alle diese Punkte bitte ich den zweiten Teil meiner »Praxis der Naturgeschichte«, 2. Auf!., Weimar 1880, nachlesen zu wollen. Den vollständigen Plau eines derartigen Museums schon hier folgen zu lassen, dazu ist der Raum gegenwärtiger Arbeit nicht ausreichend, weshalb ich ihn, der neben anderen wichtigen Fragen hier nur andeutungsweise besprochen werden kann, lieber für eine spätere Auflage meines Werkes Vorbehalte, Forst- und landwirtschaftliche Sammlungen. Durch die Teilung der wissenschaftlichen Arbeit in streng gesonderte Fächer sind im Laufe der Zeit eine Menge spezieller Fachsammlungen entstanden, deren Zahl sich immer noch vergrößern wird. Zu den ältesten gehören die des Bergfaches, des Forstwesens und der Landwirtschaft. Was ich eingangs über fliegend dargestellte Vögel gesagt habe, bezieht sich hauptsächlich auf die Forstsammlungen und zum Teil auch auf die der Landwirtschaft. In den meisten dieser Sammlungen werden die Raubvögel nach althergebrachtem Stil noch mit geschlossenen Flügeln dargestellt, wodurch der große Nachteil entsteht, daß der Lernende nur ruhig dasitzende Vögel kennen lernt, die durch die mächtig ausgebreiteten Schwingen sehr veränderten Formen des fliegenden Vogels aber fast gar nicht zu den so wichtigen Ver¬ gleichen mit anderen Arten zu sehen bekommt. Eine Folge dieser Einseitigkeit sind die häufigen Irrtiimer und Verwechselungen zwischen nützlichen und schädlichen Raubvögeln, welche selbst erfahrenen Jägern noch bisweilen Vorkommen. Auf die Wichtigkeit dieser Thatsachen fußend, verweise ich auf meine illustrierte Natur¬ geschichte, Leipzig, bei Brockhaus 1884, wo ich diesem Gegenstände eingehende Beachtung gewidmet habe. Nicht nur die Flugbilder der Raubvögel, sondern auch die mancher Hühner und Laufvögel, sowie der Bartenschnäbler dürften dem Jäger von ganz besonderem Interesse sein, und auch der umsichtige Landwirt wird sie nicht ohne Nutzen betrachten. Fliegend oder schwebend dargestellte Vögel haben aber nur dann einen wirklichen wissenschaftlichen Wert, wenn sie in ihren Proportionen genau nach den Maßen die großen Schwingen und die Schwänze normal gestellt, das heißt in den Spitzen gespreizt oder geschlossen 308 dargestellt werden. Diese Erfordernisse werden gewöhnlich ganz übersehen, zumal dann, wenn ein minder Geübter die Bearbeitung ausführt, weshalb nur ganz korrekten Arbeitern dergleichen Vögel übertragen werden sollten. Schlechtes und Mittelmäßiges haben wir leider noch viel zu viel, nur das Gute ist merkwürdig selten ! Der A n s c h a u un gs u n t e r r i c h t bildet wohl in allen Schulen das Abc derselben, denn nur ganze und womöglich lebende Tiere werden vom Kinde anerkannt un4d begriffen, während einzelne Teile desselben noch nicht verstanden werden. Als die nächsten Ergänz¬ mittel dienen ausgestopfte Tiere, wobei aber leicht Fehlgriffe be¬ gangen werden, indem man gewöhnlich mit schlecht aufgestellten Tieren sich behilft, wodurch das gesunde Auge des Kindes irre geleitet wird und das Karrikierte sich als Norm für die wirkliche Gestalt einprägt. Es kann daher nicht genug betont werden, auch zum ersten Unterricht schon exakt geformte Tiere auszuwählen. Erst in zweiter Reihe sind kolorierte Abbildungen zu empfehlen, die, wenn verständnisvoll behandelt, ihrem Zweck ebenfalls ent¬ sprechen. Leider ist dieses aber nur selten der Fall, denn in den meisten Fällen erheben sich nur wenige über das Niveau gewöhn¬ licher Bilderbogen, verstoßen entweder in der Richtigkeit der Zeich¬ nung, der Größenverhältnisse, worauf es sehr ankommt, oder in der Farbentreue, wodurch das Kind wieder irre geführt werden muß, und was sich später bitter rächt. Die Wandtafeln für den ersten Anschauungsunterricht sollten daher npr von durchaus gewissenhaften und geübten Zeichnern und Malern ausgeführt werden. Wie schon bemerkt, sollte man in der Auswahl der Objekte für den Anschauungsunterricht sehr streng sein und fehlerhaft auf¬ gestellte Tiere gänzlich vermeiden, weil sie zu irrigen Vorstellungen führen, zudem sind dergleichen Dinge oft höchst tadelnswert ge¬ arbeitet uud dabei ebenso fehlerhaft konstruiert. Bald folgt dann Mottenfraß. Mau sollte sich darum durch Billigkeit der Objekte nicht verführen lassen. Seit der Einrichtung der Schulsammlungen sind eine Menge geschäftsmäßiger »Lehnnittelhaudlungen« und auch solche »fliegender« Natur entstanden, welche umher reisen. Mit der Empfehlung solcher Anstalten macht man oft die trübsten Erfahrungen, indem viele von ihnen das gute Zeugnis nicht ertragen und von da ab schlechte Ware liefern. Unter den Zuverläßigsten, die ich kenne, möge die Lehrmittelhandlung von V. Fric in Prag besonders erwähnt sein, deren Objekte mir schon seit Jahren höchst vorteilhaft bekannt sind. Auch die Naturalien-' handlang von G. Umlauf? zu St. Pauli, Spielbudenplatz 8, in Hamburg, zeichnet sich durch ihr reiches Lager au Skeletten, Konchylien etc. aus. Für so viele oft geringfügigere Gegenstände giebt es Ausstellungen. Dürfte die Jugend nicht auch ein liecht haben, darnach zu fragen, welche Auswahl man unter den Mitteln zu ihrer Belehrung trifft? Ein hyperpneumatisclier Sperling. Von Prof. Dr. H. Landois. Das Luftfüllungsvermögen d. h. die Fähigkeit der Tiere, Luft in verschiedene Körperorgane hineinzutreiben, hat sich nach ver¬ schiedenen Richtungen sehr mannigfaltig ausgebildet. Ich möchte einen dreifachen Typus unterscheiden, je nachdem das Aufblähen von dem Verdau ungstraktus, von dem Atmungssystem oder von den Choaueu und der eustachischen Trompete aus erfolgt. Ebenso ver¬ schieden ist auch der Zweck des Aufblähens. Die gereizten Kröten erreichen bei demselben mehr als das Doppelte ihres Körperumfanges, wobei sie eine schreckhaftere Gestalt annehmen und auch dem Verschlungenwerden von Seiten anderer Tiere einen größeren Wider¬ stand entgegensetzen. Puff- und Kreuzottern werden durch Auf¬ blähen gewiß keine angenehmere Erscheinung abgebeu. Die männ¬ lichen Tauben blasen ihren Kropf auf, um in dieser Gestalt ihren Weibchen mehr zu gefallen. Der Krippeusetzer verschluckt Luft in Mau-en und Gedärme, sodaß der Reiter den Sattel auf einer solchen Rosinaute nicht festzuschnallen im Stande ist. Eudlich steht die Einführung von Luft in den Körper bei den Insekten und Vögeln unzweifelhaft mit dem Flugleben dieser Geschöpfe in innigster Be¬ ziehung. Bei den meisten Vögeln werden sogar die Knochen hohl ; bei manchen finden sich größere blasig umschlossene Räume zwischen den Eingeweiden, sowie unter und in der Haut. Alle diese Hohl¬ räume können dann mit Luft gefüllt werden. Man bezeichnet diese Eigentümlichkeit im allgemeinen mit Pneu matizität. Die 310 Entwicklungsgeschichte zeigt uns, wie im embryonalen Leben ein¬ zelne Lungenbläschen sich erweitern, sich zwischen die Eingeweide drängen und in die Knochen hineinwachsen. Das Mark wird resor¬ biert und au dessen Stelle werden dann die Knochen mit Luft ge¬ füllt. Die Schädelknochen erhalten die Luft nicht von der Lunge, sondern von den Choanen und der eustachischen Trompete aus. Es wird bei den Vögeln lediglich durch ihre Pneumatizität die Er¬ leichterung des spezifischen Gewichtes bewirkt, während das Lungen¬ höhlensystem außerdem bei der Atmung eine Rolle spielt. Die Pneumatizität geht mit der Ausbildung des Luftlebens be¬ züglich des Flug Vermögens gleichen Schritt. Die nestjungen Vögel haben noch Mark in den Knochen, sind sie flügge, dann wird dasselbe von der Luft verdrängt. Anderseits sind flugunfähige Vögel, wie die Strauße, nicht pneumatisch, während bei den besten Fliegern die Pneumatizität den höchsten Grad der Ausbildung erreicht. Nach diesen Vorbemerkungen mag die Beschreibung eines höchst sonderbaren und seltenen Falles hier eine Stelle finden. Am 4. Juli 1884 erhielt ich von Donnsteinfurt ein kleines Postpacket von Herrn Edmund Hartmann, Uhrmacher, Gold- und Silberwaaren- haudlung, nebst nachstehender Bemerkung: ». . . übersende hierbei einen jungen Sperling, welcher in demselben aufgeblähten Zustande, wie er sich jetzt befindet, heute Morgen 7 Uhr noch lebte. Er ist auf dem Gehöfte des Herrn Kulhoff im hiesigen Kirchspiel gefangen. Da es aller Wahrscheinlichkeit nach etwas höchst seltenes ist, wird er Ihnen hiermit als Geschenk übersandt.« Der vorliegende Sperling ist ein flügges Nestjunges, von der Schnabelspitze bis zum Schwanzende 12 cm. lang. Der ganze Vogel ist normal gebildet bis auf die ungeheure luftig-blasige Auftreibung der Haut über Kopf und Hals. Im Nacken liegt die Haut 3 cm. hoch aufgetrieben. Dadurch erhält der Vogel ein überaus dick¬ köpfiges Ansehen. Die Kopf- und Halshaut ist an diesen Stellen außerordentlich dünn, an einigen nicht befiederten Stellen glasartig durchsichtig, sodaß man durch die Haut den Umriß von Schädel und Hals deutlich sehen kann. Ob und wie diese luftige Hautauftreibung mit der sonstigen Pneumatizität in Verbindung bezüglich Beziehung steht, kann nicht entschieden werden, bis eine anatomische Untersuchung stattgefundeu haben wird, welche ich deswegen noch nicht gern anstellte, um deu höchst sonderbaren Vogel intakt zu erhalten. 311 Es war ein ziemlich schweres Metallgewicht nötig, um, an die Miße gebunden den Vogel in dem Präparatenglase, mit Alkohol ge¬ füllt, unterzutauchen. Schließlich mögeu hier noch einige vorhin nicht erwähnte Maßangaben ihre Stelle finden: Firste 9 mm; Mundspalte 11 mm; Dillenkante 7 mm; Flügelbreite 22 mm; Flügellänge 50 mm; Schwauzlänge 23 mm ; Oberschenkel 27 mm. laug, 8 mm. dick ; Tarsus 19 mm; Mittelzehe ohne Nagel 11 mm; Hinterzehe 9 mm., dessen Nagel 5 mm. Namen einiger asiatischer Wildschafe. Von Dr. B. Langkavel. Prof. Dr. Julius Kühn, Direktor des landwirtschaftlichen Iustituts der Universität Halle, schreibt in seinen Bemerkungen über den cyprischeu Million im »Ausland« 1883 S. 159: Es muß stark bedenklich erscheinen, nach der Hornbeschaffenheit eines oder weniger Exemplare neue Arten aufzustellen, wie dies selbst noch in neuerer Zeit geschehen ist. Eine genauere Untersuchung wird wahrscheinlich die bis jetzt angenommenen 22 oder 23 Wildschafspecies auf einige wenige Arteu zurückführen u. s. w. Durch die nachstehende Zusammenstellung der Namen einiger Wildschafarteu hoffen wir darthun zu können, wie überaus schwankend und unsicher noch deren Deutung ist. Das Wildschaf im allgemeinen sollen folgende Ausdrücke be¬ zeichnen : kuch, koch nach Vigue, Travels in Kashmir II 278. koch (masc.), mesh (fern.) in Asadabad nach Bellew, from the Jndus to the Tigris 353. kiik, eigentlich : wildes Tier, dann auch Wildschaf; in Zusammen¬ setzung mit andern Wörtern die einzelnen Species bezeichnend z. B. tagh — kiik=Berg — kiik für Ovis Polii. Zeitschr. d. Ges. f. Erdkunde. Berlin. XVII. 448. ’urfu in Gilgit, Chilas, Dilail; Hunza, Nagar ; yet, hal in Yassin; rhan in Chitral. Journal of the R. Geogr. Soc. London XLI. 18. gud im Himalaya. Transactions of the Bombay Geogr. Soc. XVII. 305. gad (fern.), khar (masc.) in der Bralioe Sprache. Beilew a. a. 0. 484. uriar, het, kharr in Amauullah ; buz, bakhta in Persien, ebenda 88. 312 artik in Armenien. Müller in: Sitzungsberichte der Wiener Aka¬ demie B. 88 hist.-pkil. Abth. S. 12. arkar für mittelasiatisches Wildschaf bei Sewerzow in Peterm. Ergäuzungsheft 43 S. 11. für Ovis argali finden sich folgende Namen : arkar bei SeAverzow in Peterm. ebenda S. 16. archar Peterm. Mitth. 1868 S. 197. arkali Ritter, Asien III 312. argali (türk. u. tatar.) Ritter a. a. 0. VII 457. Journal of the R. Geogr. Soc. London XLtV 80. [argali bedeutet auch »Kamel¬ mist« bei Kreitner. Im fernen Osten 580]. argalei (fern.), ugoldse (masc.) bei Mongolen nach Prschewalski, Reisen in der Mongolei 120. ugulde bei S’ojoten und Buräten; ukir bei Birar-Tungusen. Radde, Reisen im Süd. v. Ostsibirien I 238. mouoga bei Jukagiren. Bulletin de l’Acad. Imp. des Sc. de St. Petersbourg XVI 386. jaman in Kamtschatka. Zeitschr. f. Ethnologie II 375. dikoi barauu in Nord-Sibirien. Pallas, Neue Nord. Beitr. II 122. ling-yaug in China. Ritter, Asien VII 457; pan-jan, ebenda nach Prschewalski a. a. 0. 120; (vgl. Armand David, Journal de mon 3ieme voyage I 175: pang-yang ici (Iukiapo) cumme a Long-gau-fou ; on donne au Budorcas ce nom qui indique au nord l’Argali). rchjan bei Tanguteu, Prschewalski a. a. 0. 333. gusfende kuhi, persisch, bei Polak, Persien I 112. baran, um die Kowimaquelle. Sauer, Reise nach d. nördl. Geg. von russ. Asien 98. für Ovis Polii : tagh-klik vgl. oben: Wildschaf. kachkar in Badakshan und Chitral. Cunningham, Ladak 198. katschgar. Sewerzow in Peterm. Erg. 43 S. 10, 16, 18, 20, 28. Erg. 42 S. 50. kashghar. Gordon, Roof of the World 81. kutch-kar. Wood, Journey to the source of the R. Oxus 241. Peterm. Mitt. 1866 S. 269: türkisch = snow sheep. kuch-kar v. Hügel, Kaschmir IV. 2. 570. Journal of the R. Geogr. Soc. XLII. 440. 470. arkar (masc.), goolja (fern.) Shaw, Visits to High Tartary 425. ghuldsha Peterm. Erg. 52 S. 67. 313 kuldja v. Richthofen, China I 220. rass Vigne, Travels in Kaslimir II 278. Yule, the buok of Marco Polo I 166. Peterin. Erg. 43 S. 20; vgl. Zeitsclir. cl. Ges. f. Erdk. Berlin V 157. rang, takki, mesh Journal of the R. Geogr. Soc. XLII 440. arkharas Geographical Magazine IV. 49. weißbr listiges Argali Prscliewalski a. a. 0. 419 und in Peterm. Mitt. 1876 S. 169. für Ovis Ammon: bhoral, burrell iu Tibet. Journal etc. XX 201. XLII 337 ; vgl. Geogr. Magazine III 145. baral, barak, -gliurer, kliaker in Tibet. Ritter, Asien III 665. 669. 1002. 1037. burrul im Himalaya. Fraser, Reise nach und in Khorasan II 372. gnau am Donkia Pjisse. Hooker, Himalayan Journals 264. nuang in Tibet. Adams, field and forest rambles etc. of Canada 70 nyau in Tibet. Cuuningham, Ladak 198. dschengel in 35° — 36° N. und 81° — 82° O. v. Gr. nach Peterm. Erg. 52 S. 20. raos ? ebenda 8. 67. kuch-kar. Vigne, Travels in Kaslimir II 278. archar bei Kirgisen. Fiusch , Reise nach Westsibirien 77; vgl. Russische Revue XIV 454. für Ovis montaua: sha, sha-ba (masc.), sha-rno (fern.) in Tibet. Cuuningham 198. tschubukun in Kamtschatka. Bulletin de l’Acad. Imp. des Sc. de St. Petersbourg. XIII 127. Ferd. Müller, Unter Tungusen und Jakuten 207. tschubukä in Pallas, Neue Nord. Beitr. II 8. ktepadl’gin bei Tschuktschen. Nordenskiöld, Die vvissensch. Ergehn, der Vega Exped. I 221. für Ovis Burcheli : die Kuh Nordmanns ? Koch, Reisen durch Rußland II 70. für Ovis Karelini: arkar. Sewerzow in Peterm. Erg. 42 S. 10. 19. 50; vgl. Geogr. Magazine V 155. für Ovis Gmelini: kotch, yaban köyun in Kleinasien. Mor. Wagner, Reise nach Persien II 71. Proceedings of the Zoolog. Soc. London 1877. S. 276. 314 f für Ovis nigrimontaua: arkar. Sewerzow in Peterm. Erg. 42. S. 17. für Ovis Vignei: sha in Klein-Tibet bei Hügel a. a. 0. 580, Vigne a. a. 0. 280; vgl. 0. montana. kachkär in Yule, the book of Marco Polo I 154. für Pseudois Nahnr: na, sna bei Yigue 280, Cunningham, Ladäk 198. rnaa bei Tanguten nach Prscliewalski a. a. 0. 333. kuku-jama (Blaubock) bei demselben S. 219, Peterm. Erg. 53 S. 19. Petermauu’s Mitt. 1873, 93; 1875, 36; 1876, 101; 1883, 346. Ausland 1876, 111. barhal in Peterm. Mitth. 1870, 9. Hunter, tlie Indian Empire 520. Die Zwergsclileiclie (A blepharus pannonicus Fitzinger) in der Gefangenschaft. Yon Joh. von Fischer. Die Zvvergscbleicbe lebt in Ungarn, von dem sie den mittleren Teil bewohnt, in ganz Griechenland, in Süd-Rußland und Persieu. Sie liebt grasige Hügel. Man findet sie aber auch häufig au san¬ digen Orten vor. Sie hält sich mit Vorliebe unter Steinen, trockenem Laub, Baumstämmen etc. auf. Ihr Fang, der nicht leicht ist, ge¬ lingt nur dann, wenn man sie auf dem Wege, unter einem großen Steine etc. überrascht. Im Grase ist sie, vermöge ihrer geringen Körpergröße, nur äußerst schwer zu fangen, indem sie sich den Blicken des Fängers bald entzieht und im Grasgewirr verschwindet. Sie schlängelt sich auf dein Boden ungemein rasch fort und vermag auch rauhe Wände mit Leichtigkeit zu erklimmen, indem sie sich ihrer äußerst zarten Füße weit mehr bedient, als die sehr verwandte Erzschleiche (Seps chalcides.) Sie muß in temperierten, trockenen Terrarien gehalten werden und gedeiht vortrefflich in Gesellschaft von Sandschlüpfern ( Psammo - dromus hispancius ) und jungen Stachelfiugern (Acanthodactylus vul¬ garis), da ältere sie unbarmherzig verzehren würden. Größere Tiere darf mau ihr nicht beigesellen, denn sie würde, vermöge ihrer ge¬ ringen Körpergröße, bald überwältigt werden. 315 Sie versteht es sehr gut, sich im Saude, zwischen Moos, unter Steiuen etc. zu vergraben und kommt nur mit Vorsicht aus ihrem Versteck heraus. Minuten-, oft viertelstuudeulang ragt ihr Kopf unbeweglich aus ihrem Schlupfwinkel hervor, ehe sie sich entschließt, denselben zu verlassen und ganz herauszukriechen. Eine eckige Bewegung, ein fremder Gegenstand, ein ungewohntes Geräusch und die Erzschleiche verschwindet unter die ihr Schutz gebenden Gegenstände. Beim Fang bricht der gebrechliche Schwanz ziemlich leicht ab, ersetzt sich aber nach wenigen (4 — 6) Wochen. Ihre Bewegungsart ist ein ungemeiu gewandtes Schlängeln und da das Tier äußerst glatt und außerdem sehr dünn ist, so ent¬ schlüpft es oft gerade in dem Augenblick, wenn man es zu halten glaubt. Aus diesem Grunde fängt man diese Schleiche nur schwer, um so mehr, da ihr ein jeder Gegenstand, ein Loch eines Regen¬ wurmes, eine Erdspalte oder eine Steinritze genügende Verstecke bieten. Knauer sagt an mehreren Orten, daß die Zwergschleiche, die er Johaunisechse (warum?) nennt, die Sonne liebe. Ich muß von meinen Gefangenen sowohl, als von den in der Freiheit auge- troffeneu Individuen gerade das Gegenteil behaupten. Nie ist eine Zwergschleiche von mir bei brennendem Sonnenschein gesehen worden. Gegen 4 Uhr nachmittags, im Sommer gegen 6 Uhr, ver¬ lassen meine Gefangenen ihre Verstecke, um ihrer Nahrung nach¬ zugehen. So lauge die Sonne voll scheint, sind und bleiben sie unsichtbar. Gegen Dämmerungszeit laufen oder schlängeln sie sich viel im Behälter herum, lecken die au den Grashalmen anhaftenden Wasser¬ tropfen auf, fassen hier einen kleinen Wurm, dort ein Insekt, um es unter heftigem Schütteln erst zu betäuben und darauf zu verzehren und verkriechen sich wieder gegen Einbruch der Nacht. Direkte Nässe ist ihnen höchst unangenehm, obschon das Wasser auf ihrem metallglatten Körper gar nicht anhaftet. Sie fliehen sie, wahrscheinlich, weil die Verdunstung das ihnen unange¬ nehme Gefühl von Kälte verursacht. Die Wassernäpfe, die man ihnen reicht, müssen kleiu und ganz flach sein, da sie, vermöge ihrer geringen Körpergröße, in größere leicht hereinfallen und, vermöge der Kürze ihrer Extremitäten, sich aus tieferen nicht heraushelfen können. Ich verwende als Wasser- und als Futternäpfe seit Jahren mit Erfolg flache Muschelschalen. 316 Ihre geringe Körpergröße macht sie sehr furchtsam, und sie werden selbst von größeren Mauereidechsen (von anderen Lacerteu w ill ich gar nicht reden) verfolgt und gefressen. Daher darf man ihnen nur Tiere von ihrer ungefähren Größe zugesellen. Verteidigungsmittel besitzen sie, außer der Flucht, nicht. Er¬ griffen, suchen sie sich nur unter heftigen Krümmungen zu eutwin- den, wobei sie den Kopf, nach Gongylus-Art, kräftig gegen die Hand stemmen. Die Flucht gelingt ihnen auch fast immer, dank der Glätte ihrer Körperoberfläche. Ihr Auge ist besser als ihr Gehör, die andern Sinne sind von untergeordneter Ausbildung. In der Freiheit frißt die Zwergschleiche kleine Gewönne, allerlei Larveu, Mücken, Fliegen und andere kleine Insekten, sowie kleine Asseln und Nacktschnecken. Wenn Schreiber sagt, daß die Zwergschleiche in der Ge¬ fangenschaft nur schwer fortzubringen sei, so muß ich meinen Er¬ fahrungen nach das Gegenteil behaupten. Ich habe nie Mühe ge¬ habt, meine Zwergschleichen am Leben zu erhalten. Im Gegenteil, meine Gefangenen, die unter den denkbar ungünstigsten Bedingungen (zwischen Maiskörnern z. B.) verpackt und versandt waren, fraßen und tranken am Tage nach ihrer Ankunft und befinden sich noch heute wohl und munter. Das beste Futter für die Zwergschleichen sind Fliegen, die mau, ehe man sie reicht, betäuben muß, indem man den Fliegensack gegen den Boden schlägt und dann erst im Terrarium umstülpt, die be¬ täubten Fliegen umherstreuend, wo sie von den Zwergschleichen auf¬ gelesen werden. Oder man giebt gauz kleine Mehlwürmer, die mau in einer flachen, aber glatten Schale reicht. Bei dieser Nahrung und genügendem Wasser, das man ihuen in Tropfenform reicht, indem mau das Moos, die Blattpflanzen oder die Steine mit dem Zerstäuber besprengt oder flache Wassernäpfe aufstellt, hält sich die Zwergschleiche jahrelang. Schließlich sei erwähnt, daß die Zwergschleiche eierlegeud ist. Leider ist mir bis jetzt jeder Ausbrütungsversuch der äußerst zart- schaligen Eier, die unter den Fingern federn, da die Hülle perga¬ mentartig ist, gänzlich fehlgeschlagen, indem die Eier entweder ver¬ trockneten oder verfaulten. Die Zwergschleiche ist im Handel äußerst selten und nur zu¬ fälligerweise zu erhalten, dann aber auch hoch im Preise. 317 Miscellen. Aus dem Berliner Zoologischen Garten. Uber dem Raubtierhause schwebte in vorigem Jahre ein Unstern. Es wurden zwar viel und vielerlei Junge geboren, deren Aufzucht indes größten¬ teils mislang. Besonders die Rachitis raffte das Jungvieh hin, trotz aller Anstrengung es zu erhalten. Jetzt wird wieder Phosphor dagegen angewendet und anscheinend mit Erfolg. Von den 4 Löwen sind zwei dieser Krankheit erlegen, von den beiden des zweiten Wurfes leidet der eine an derselben. Das Pumaweibchen, Felis concolor , brachte 6 Junge. Davon gingen 2 bald nach der Geburt ein, ein drittes starb, nachdem es über katzengroß war, an Rachitis und auch die übrigen 3 scheinen nicht aus aller Gefahr zu sein. Tiger und indischer Panther verwarfen. Ein junger schwarzer Panther be¬ rechtigte zu den schönsten Hoffnungen, als er eines Tages am Gitter herauf¬ kletterte, herunterfiel und mehrere Tage darauf krepierte. Das Netz war ge¬ rissen und die Gallenblase geplatzt. Ein junger Wolf, welchen man bei dem hohen Alter der Eltern gar nicht mehr erwartet hatte, starb wahrscheinlich an einer Funktionsstörung des Verdauungsapparates. Erfreulicheres ist aus dem Hundezwinger zu berichten. Von dem zahl¬ reichen jungen Volk, welches ihn belebt, erwähne ich nur die englischen Setter und die russischen und arabischen Windhunde als die vorzüglichsten und gesuchtesten. 1 Javaneraffe, Macacus cynomolyus, 1 Bastard von Cynocephalus Hama- dryas masc. und C. Babuin fern. Dieses ganz am Ende des Jahres geborene Tier ist ein Bruder des 1882 geborenen weiblichen Bastardes. Schießlich wurde noch am 17. Oktober ein Mandrill, Cynocephalus mormon , geboren, der wohl einige weitere Notizen wert ist, da ein solches Ereignis zu den größten Seltenheiten gehört. Brehm spricht in der 2. Auflage seines Tierlebens wohl von jungen Mandrills, doch scheinen dieselben wild eingefangen zu sein. Andernfalls hätte er sie wohl genauer beschrieben. Iu der im zweiten Jahr¬ gang dieser Zeitschrift befindlichen Liste der in der Gefangenschaft sich ver¬ mehrt habenden Tiere ist der Mandrill nicht aufgeführt , ebenso fehlt er in der Übersicht der Geburten im Londoner zoologischen Garten von 1848 bis 18(i7. Der im Zoologischen Garten zu Hamburg geborene und von Herrn Sigel auf Seite 235 des vorigen Jahrganges beschriebene scheint überhaupt der erste zu sein, der in der Gefangenschaft zur Welt kam.*) Der Vater unseres jungen Mandrills lebt schon 15 Jahre im Garten, und man sprach ihm, da er leidenschaftlich der bekannten Ausschweifung fröhnte, überhaupt schon die Zeugungsfähigkeit ab. Das Weibchen machte einen solchen unscheinbaren Eindruck, daß man es kaum für reif halten konnte, und erst wenige Wochen vor ihrer Niederkunft wurde man eines besseren belehrt. Sie hatte ihre frühere Munterkeit verloren und eine geringe Schwellung des *) „List of the vertebrated animals now or lately living in tlie gardens of the ZoologieM Society of London“ führt in der 8. Ausgabe 1883, S. 26 einen weiblichen Bastard zwischen dem Mandrill fein, und dem Java- Affen, Macacus cynomolyus masc. auf, der am 13. Oktober 1878 in dem Garten zur Welt kam. N. 318 Leibes ließ darauf schließen, daß sie in anderen Umständen sich befinde. Die Geburt brachte dem jungen Tier die erste Gefahr. Die Mutter gebar auf einer 3/4 m. über dem Boden angebrachten Stange stehend, doch kam das Junge, ein Männchen, ohne Schaden genommen zu haben, unten an und die Alte, wohl merkend, welcher Art der Neugeborene sei, nahm sich seiner so an, wie es Affenliebe nur möglich ist. Das junge Tier einer genauen Messung zu unterziehen war unmöglich, seine Länge vom Scheitel bis zur Schwanz¬ wurzel schätzte ich auf ungefähr 12 cm. Der Kopf fiel durch seine relativ un¬ geheuren Dimensionen, die Extremitäten durch ihre außerordentliche Länge auf. Auch der Schwanz war relativ sehr lang — er mag 2 — 3 cm. gemessen haben — so daß er fast die definitive Länge besaß. Doch kann dies kein Wunder nehmen, hat doch seihst der Mensch auf einer gewissen Entwicklungs¬ stufe einen solchen. Er bleibt beim weiteren Wachstum des Tieres einfach zurück. So auch hier, wo ich innerhalb dreier Monate kein Längenwachstum an demselben konstatieren konnte. Die Haut des eben geborenen Tieres war pigmentlos und sehr spärlich mit feinen weißen Haaren bedeckt. Nur Hinter¬ kopf und Scheitel trugen eine dichtere und dunkle Haarbedeckung. Feine Striche neben der Nase deuteten die Hautfalten an. Im übrigen war der Kopf glatt, von Knochencristen keine Spur. Mitte Dezember war die Haut blau geworden und mit dichterem Haar¬ kleid bedeckt, das am Körper noch farblos war. Am Schädel bemerkte man die Anfänge der Knochenleisten, besonders an der Stirn und um die relativ sehr großen Augen. Auch schienen die Zähne durchzubrechen. Die Alte war sehr besorgt um ihr Junges und ließ es nur selten los. Der junge Mandrill, dessen Nahrung noch die Muttermilch ist, mag Mitte Jauuar 1884 ungefähr eine Größe von 20 cm. erreicht haben. In seiner Färbung gleicht er fast genau der Mutter. Die Haare auf dem Kopf, dem Bücken und der Außenseite der hinteren Extremitäten sind dunkel seiden¬ glänzend auf Brust, Bauch und Innenseiten der Extremitäten fast weiß. Kinn¬ bart und Kehle sind rotgelb. Die Außenseite der vorderen Gliedmaßen und ein Streifen rings um das Gesicht tragen Haare, die am Grunde und an der Spitze oliven grün, in der Mitte schwarz sind. Hinter den Ohren befinden sich dreieckige, fast kahle Stellen, welche die blaue Haut erkennen lassen. Die Nase und Oberlippe sind matt fleischrot, ebenso die Gesässschwiele. Das übrige Gesicht ist hell graublau und zeigt deutliche Falten auf den Backen, wie auch die Cristen bedeutend ausgeprägter sind. Die Iris ist schmutzig- grau, neigt sich aber mehr und mehr zu einer bestimmten Farbe. Die Zähne sind durchgebrochen. Das Scrotum dehnt sich nicht, wie z. B. bei den Java- neraffen ganz zwischen den Hinterbeinen aus, sondern ist mehr auf die Mittellinie beschränkt. Im übrigen ist das Tierchen sehr munter und ge¬ währt dem ausharrenden Beschauer viel Vergnügen. Die Alte läßt ihm seinen Willen, so lange er sich im Bereich ihrer Arme befindet. Will er am Gitter hinauf, so begleitet sie ihn oder zieht ihn rechtzeitig wieder herab. Hoffent¬ lich ist es mir möglich, an dieser Stelle über die weitere Entwicklung des kleinen Pavians noch Mitteilungen machen zu können. L. Wunderlich. 319 Der Wildstand Skandinaviens. Das Elchwild ist dank den vor¬ züglichen Jagdgesetzen in Schweden und Norwegen in starker Zunahme be¬ griffen. Es hat 11 Monate Schonzeit und darf nur im September geschossen werden. Durchschnittlich werden in Schweden jetzt wohl 1000 Stück Elchwild jährlich geschossen. Die Jagdresultate im Königreiche überhaupt waren in den letzten Jahren folgende: Getötete Kaubtiere. 1870 1871 1872 1873 1874 1875 1876 1877 1878 1879 1880 1881 Bären .•■... 65 68 45 61 38 47 66 •81 52 52 48 37 Wölfe .... 32 61 23 33 37 75 47 17 40 43 36 42 Vielfraße . . . 93 104 98 113 68 122 120 124 144 135 128 105 Luchse . . . 76 95 88 116 118 108 103 67 70 67 27 25 Füchse . . . 3589 6402 6789 7683 8758 11353 10233 9823 11566 12251 14876 13112 Marder, Iltisse, Wiesel . . . ? 164 ? 168 Otter .... — — — — — — — — — — ? 12 ? 39 Seehunde — — — — * — — 2189 1936 1824 1554 434 316 Adler .... Taubenhabichte 2179 1895 1651 2285 2575 2899 12158 1152817014 18760 13295 10786 Uhu .... Krähen . . . — 25148 40025 1851/55 1856/60 1861/65 1866/70 1871/75 18 1 6/S Bären . 602 632 532 494 258 299 Wölfe . 768 713 523 227 229 182 Vielfraße . 533 611 546 695 506 616 Luchse . 699 868 679 525 536 334 Von Raubtieren getötete Haustiere. 1876 1877 1878 1879 1880 1881 Pferde . 3 1 3 — 2 — Rinder . 49 24 29 21 34 19 Schafe, Ziegen . 11157 9635 9053 10056 8268 Renntiere . 2334 2156 2190 2824 2704 2204 Schweine . — — — — 30 34 Federvieh . 32334 32996 32291 36469 41198 39931 Taxirter Schaden in Kronen 89828 89092 90928 93383 104523 94815 (Nach Dr. R. Blasius.) * Betragen man n 1 ic h er Wölfe gegen die Jungen. Es ist hin¬ reichend bekannt, daß die alten männlichen Hunde sich um ihre eigene Nachkommenschaft auch nicht im geringsten bekümmern. Nicht so stiefväter- lich betragen sich die alten Wölfe. Am 19. Mai 1884 warf die Wölfin unseres Zoologischen Gartens 5 Junge, 2 Männchen und 3 Weibchen. Im Alter von 320 etwa 4 Wochen verließen dieselben die Schlucht und spielten vor derselben umher. Dabei ereignete es sich nicht selten, daß das eine oder andere Junge durch das Eisengitter kroch, welches den mütterlichen Wolf von dem alten Männchen trennte. Der alte männliche Wolf erfreute sich sichtlich über den Besuch; er leckte das Junge, spielte mit demselben und trug es gern im Maule zärtlich durch den ganzen Käfig. Diese Spielerei dauerte so lange, bis das Junge wieder durch das Gitter zu seiner Mutter gelangte. Prof. Dr. H. L a n d o i s. • * Ein zweifüßiger Fuchs. In der Nähe von Albachten wurde auf der Treibjagd ein Fuchs erlegt, dem der rechte Vorderfuß und der linke Hinter¬ fuß völlig fehlte. Trotzdem war er noch ziemlich gut genährt. Prof. Dr. H. Landois. Eingegangene Beiträge. J. v. F. in B. : Briefliche Antwort nebst bestem Dank. — K. M. in K.: Die Schriftclien sind g-nt angekommen. Dank dafür. Über die Reise demnächst Näheres. — E. F. in B. : Zahlreiche Mitteilungen; danke herzlich! — B. L. in H. — E. II. in W.: Wir haben leider den Raum nicht, um eingehende Schilderungen aus dem Leben der Insekten geben zu können und danken darum für Ihr freundliches Anerbieten. — F. S. in Z. : Der Aufsatz wird Ihnen zugekommen sein. — A. W. in E. : Herzlichen Dank für die freundliche Auskunft. — Bücher und Zeitschriften. Jahrbücher der deutschen Malakozoologischen Gesellschaft nebst Nachrichts¬ blatt. Redig. von Dr. W. Ivobelt. 11. Jahrg. 1884. Heft III. Frankfurt a. M. Mor. Diesterweg. 1884. R. von Schmiedeberg. Der deutsche Vorstehhund. Mit Abbildungen von Beckmann u. Sperling. Leipzig. E. Twietmeyer. 1884. 4°. 02 Seiten. 2,25 Mk. Prof. Ohr. Brügger. Zoologische Mitteilungen. (Die Flattertiere Graubündens). Sep.-Abdr. Jahresber. ü. Naturf. Gesellsch. Graubündens. 27. Jahrgang. Jahresbericht der Vorsteherschaft des Naturhistorischen Museums in Lübeck für das Jahr 1883. Dr. Alfr. Walter. Palpus maxillaris Lepidoptcrorum. Sep.-Abdr. Jen. Zeitsehr. f. Naturwissen¬ schaft. 18. Band. .Jena. Gustav Fischer 1884. A. Ilarrach. Der Käfersammler. Prakt. Anleitung zum Fangen, Präparieren, Aufbewahren und zur Aufzucht der Käfer. Weimar. B. F. Voigt. 1884. 3 Mk. Zoologischer Garten in Basel. Elfter Geschäftsbericht des Verwaltungsrates. Fr. Arnold. Illustrierter Kalender für Vogelliebhaber und Geflügelzüchter. München. Fr. Arnold. 1885. 8°. 80 S. 1 Mk. Dr. Karl Ruß. Die Webervögel und Widafinken. Mit 3 Holzschnitten. Magdeburg. Creutz’sche Buch- und Musikalienhandlung. 1884. gr. 8°. 218 Seiten. 3 Mk. Erstes österreichisch ungarisches Lehr- u. Lernmittel-Magazin. 2. Jahrg. Juni 1884. Graz. Prof. Ludw. Büchner. Der Fortschritt in Natur und Geschichte im Lichte der Darwinschen Theorie. Stuttgart. E. Schweizerbart. 1884. gr. sn. 38 Seiten. 1,20 Mk. Insekten-Börse. Central-Organ zur Vermittelung von Angebot, Nachfrage und Tausch, l. Jahrg. 1884. E. Wartwig. Leipzig 1884. Gustav P r ü t z. Illustriertes Mustertaubcn-Buch. Enthaltend das Gesamte der Taubenzucht. Mit Pracht-Farbendruck-Blättern. Lieferg. 5 7 ä 1,20 .Mk Hamburg. J. F. R ichter 1884. Humboldt. Monatsschrift für die gesamten Naturwissenschaften. .Herausgeg. von Prof. Dr. G. Krebs. Juli— Septbr. 1884. Stuttgart Ferd. Eneke. Zeitschrift fürNaturwissen schäften. Herausgeg. von dem naturwissenschaftl. Verein für Sachsen und Thüringen. 57. Band. 3. Heft. Halle a. S. Tausch & Grosse. 1884. Zur Nachricht: Wegen meiner fast dreimonatlichen Abwesenheit von hier sind allerlei Störungen und Verzögerungen in dem Betriebe unserer Zeit¬ schrift eingetreten, wofür ich um Entschuldigung bitten muß. Prof. Dr. Noll. Nachdruck verboten. Druck von Milli 1 uh & Waldschmidt. Frankfurt a. M. Der Zoologische Garten. Zeitschrift für Beobachtung, Pflege und Zucht der Tiere, Herausgegeben von der „Neuen Zoologischen Gesellschaft“ in Frankfurt a. M. Redigiert von Professor Dr. F. C. Noll. Verlag von Mahl au & Waldschmidt in Frankfurt a. M. N°- 11. XXV. Jahrgang. November 1884. InhaU. Luftgeschwülste bei Vögeln; von Dr. Max Schmidt. — Einiges über die Tiermärkte in Bahia und Rio de Janeiro; von Alexander von Sver tschkoff. — Neues aus der Tier¬ handlung von Karl Ilagenbeck, sowie aus dem Zoologischen Garten in Hamburg; von Dr. Th. Noack. (Fortsetzung). — Der gemeine Stachelfinger (Accmthodactylus vulgaris Dum. u. Bibron) in der Gefangenschaft; von Joh. v. Fischer. — Korrespondenzen. — Miscellen. — Litteratur. — Todesanzeigen. — Eingegangene Beiträge. — Bücher und Zeitschriften. — Luftgeschwülste hei Vögeln. Von Dr. Max Schmidt. Die Mitteilung des Herrn Professor Dr. Landois im 10. Heft des XXV. Jahrgaugs des »Zoologischen Gartens« über einen hyper- pneumatiseheu Sperling veranlaßt mich, hier über eine Beobachtung ähnlicher Art zu berichten, welche vielleicht geeignet ist, über die Entstehungsursache derartiger Luftgeschwülste einiges Licht zu verbreiten. Mittels eines Schreibens vom 1. Februar d. J. benachrichtigte mich ein Herr aus Stockholm, daß unter etwa 80 in seinem Besitz befindlichen Rebhühnern, welche im Herbst zum Zwecke der Über¬ winterung eingefangen worden waren, eine Krankheit ausgebrochen sei, welche bereits eine Anzahl dieser Tiere getötet habe. Der sehr eingehend und klar gehaltene Bericht ergab bezüglich des Aufenthaltes und der Pflege der Tiere keinerlei Anhaltspunkte bezüglich der Entstehungsursache der Krankheit, sondern ließ viel¬ mehr erkennen, daß allen nötigen Anforderungen auf das beste Zoolog. Gart. Jahrg. XXV. isst. 21 322 Rechnung getragen war. Bezüglich der Krankheitserscheiuungen war nur gesagt, daß am Kopfe und zwar am Scheitel eine Art Hornbildung anfange, die sich nach und nach bis an die Augen fortsetze, worauf dann der Tod einzutreten pflege. Im übrigen wurde ich auf einige an dieser Krankheit gestorbene Exemplare verwiesen, welche mir zum Zwecke näherer Untersuchung zugesendet werden sollten. Am 8. Februar erhielt ich die drei in Aussicht gestellten Feldhühnerleichen und beeilte mich, eine genaue Untersuchung der¬ selben vorzunehmen. Zu meiner nicht geringen Überraschung fand ich aber bei keinem dieser Vögel eine Spur von der Anschwellung am Kopfe, welche nach dem oben mitgeteilten Berichte doch eine sehr wesentliche Krankheitserscheinung gebildet haben mußte. Es fanden sich zwar kleine Narben älteren Datums auf den Köpfen der Feldhühner, die darauf hinwiesen, daß die Tiere sich durch gelegentliches Anfliegen gegen harte Gegenstände dort leichte Ver¬ letzungen zugezogen hatten, aber diese konnten unmöglich tyirz vor dem Tode der Vögel nochmals Anschwellungen veranlaßt haben. Ich nahm nun an, daß die Geschwülste durch Ansammlung von Flüssigkeit veranlaßt gewesen seien, deren Inhalt durch Ver¬ trocknen während des Transportes verschwunden sein müsse. Um die Mitte des April erhielt ich zwei weitere tote Feld¬ hühner, von denen nur das eine hier weiter in Betracht kommen kann, da das andere infolge einer Mißbildung beider Schnabelhälften an der Nahrungsaufnahme derart verhindert war, daß es infolge ungenügender Ernährung verendete. Bei dem anderen Vogel fand ich dagegen endlich die gesuchte Anschwellung. Es war eine weiche elastische Auftreibung an der linken Kopfseite hinter dem Auge in der Nähe der Ohröffnung. Sie bestaud aus zwei zusammen¬ hängenden Teilen, welche hinsichtlich ihrer Form und ihres Umfangs an eine kleinere und eine größere Linse erinnerten und hatte ein glasiges Aussehen, als ob sie mit einer wasserhellen Flüssigkeit gefüllt sei. Ich begann nun die Kopfhaut vom Nacken her auf das sorgfältigste abzulösen, um den Inhalt der Anschwellung nicht zu verlieren, aber es fand sich, daß derselbe aus Luft bestand, welche austrat, sobald das Messer den Hohlraum berührte, worauf die Geschwulst sofort zusammensank. Was nun die bei den vier hier in Betracht kommenden Feld¬ hühnern sonst noch gefundenen krankhaften Veränderungen betrifft, so waren dies mit auffallender Gleichmäßigkeit folgende : Die 323 Lungen waren am hinteren Ende und am unteren Rande stark geschwellt und von dunkelroter Färbung und beim Einschneiden ergab sich, daß dieser Zustand durch Infiltration einer blutig ge¬ färbten Masse, welche teils flüssig, teils dick, wie geronnen erschien, veranlaßt worden war. Die erkrankten Stellen betrugen etwa V5 bis % der ganzen Lunge und waren für die Luft vollständig unzugänglich. Das Brustfell war gerötet und mit einem dunkel¬ roten Exsudat, von ähnlicher Beschaffenheit wie die Infiltrations¬ masse der Lungen, bedeckt. Diese Erscheinung (Lungen-Brustfell- Entzündung) fand sich bei allen Exemplaren. Daß die Krankheit den Tod der Tiere herbeigeführt, kann bei der Ausdehnung derselben keinem Zweifel unterliegen und daß der Verlauf derselben ein akuter war, bewiesen die mit Körnern gehörig gefüllten Kröpfe und der gute Ernährungszustand der Tiere. Der Sektionsbefund erklärt die Entstehung der Luftgeschwulst am Kopf zur Genüge. Der durch die teilweise unwegsam gewordene Lunge hervor- gerufeuen Atembeschwerde suchte der Vogel durch angestrengtes Einatmen entgegenzuwirken, allerdings ohne Erfolg. Ein Teil der aufgenommeuen Luft wurde nun hierbei aus den Luftbehältern des Kopfes durch deren häutige Wandungen oder die porösen Knochen nach außen unter die Haut gedrängt und sammelte sich dort in der oben angegebenen Weise an. Wir werden wohl nicht irren, wenn wir bei dem von Herrn Professor Dr. Landois beschriebenen Sperling eine ähnliche Ver¬ anlassung dieser auffallenden Erscheinung annehmen und möchten eine sorgfältige Untersuchung der Atmungsorgane dieses Vogels empfehlen. Einiges über die Tiermärkte in Baliia und Rio de Janeiro. Von Alexander von Svertschkoff. In ersterer Stadt befindet sich der Tiermarkt gegenüber den Hauptlandungsstufen der unteren Stadt; er besteht aus einem Quadrate, das durch zwei enge und schmutzige Straßen im Kreuze durchschnitten wird. Die Läden sind meist klein und gegen die Straße zu tagsüber offen ; nachts werden sie mit Läden, in denen sich einige Löcher befinden, geschlossen ; auch an Sonn- und Feier¬ tagen befinden sich die Tiere, wenigstens des nachmittags, so gut wie in absoluter Dunkelheit. Uber die Käfige läßt sich nicht viel 324 sagen; Sittige befanden sich in Drahtkäfigen, große und mittelgroße Papageien sind meistens auf Ständer angekettet, Rohrkäfige werden viel für kleine Vögel, Alfen etc. angewendet; sie sind jedenfalls die praktischsten, da der Boden auch aus Stäben besteht und so die Reinhaltung, mit der es im Ganzen recht schlecht bestellt ist, sehr erleichtert. Die Fütterung der Thiere ist sehr einfach. Papageien erhalten einen Teig von Maismehl und sehr wenig Wasser; diese Fütterung ist gewiß oft am Eingehen der Vögel schuld, der Teig wird leicht sauer, und selbst wenn frischer gereicht wird, nützt es nicht viel, denn an ein Reinigen der Futtergefäße denkt in Brasilien niemand. Am besten sind ohne Zweifel die Körnerfresser und kleinen Sittige daran; Glanz- und ungehülster Reis bilden sehr einfaches, aber doch wenigstens meist unverdorbenes Futter. Taugaren, Tukane, Mar- mosettaffen bekommen nichts anderes als Bananen und nicht immer von den allerbesten. Die große Hinfälligkeit hauptsächlich der Tan- garen ist jedenfalls auf diese Fütterung zurückzuführen ; so lange es Bananen giebt, geht es ihnen gut; sowie aber der Vorrat au dieser Frucht sich erschöpft hat, sterben die meisten; die wenigsten Leute denken daran, die Vögel schon bei Zeiten an eine andere Kost zu gewöhnen, was wohl keine großen Schwierigkeiten bieten und den Import dieser schönen Vögel sehr erleichtern würde, denn gegen kühles Wetter, so lange sie vor Feuchtigkeit und Zug geschützt sind, sind die Tiere Brasiliens lange nicht so empfindlich, wie man wohl im Allgemeinen annehmen mag. Ich will jetzt noch mit einigen Worten der Tiere erwähnen, die ich auf dem Markte in Bahia sah und die Preise, für die dieselben verkäuflich waren, anführeu. (Verlangt wird am Anfänge immer zwei bis drei mal so viel als später genommen wird und muß man sich vor dem Handeln ja nicht scheuen.) Blaue und gelbe Araras 35 — 60 Mark. Rotriickenarara 5 Mark. Amazonen 3 — 20 Mark (rohe Vögel jedoch nie mehr als 6 Mark). Gras- und Mondsittige 3 Mark, Rotkappensittige 15 Mark, Weißolir- sittige 12 Mark das Paar, Tukane 7 — 14 Mark, Sperlingspapageien, Tangaren und kleine Körnerfresser 1 — 3 Mark, kleine Tauben 50 Pf. bis 3 Mark, Marmosettaffen 2 — 3 Mark, größere Affen 10 — 20 Mark, Riesenschlangen 10 — 30 Mark das Stück. Käfige werden mit 1 bis 2 Mark, Papageienständer gar nicht berechnet. Das größte Geschäft wird in Bahia mit Amazonen gemacht ; ein jedes Schiff, das nach Europa oder Nord-Amerika zurückfährt, wird von Booten, die mit 325 Papageien ungefüllt sind, umzingelt, und jeder Matrose sowie auch die meisten Passagiere nehmen sich einen oder mehrere der hübschen Vögel mit, meistens um sie wieder zu verkaufen und ein Geschäft zu machen, welches wohl in vielen Fällen nicht sehr brillant sein dürfte. Die meisten Papageien kommen in Bahia mit dem Dampfer, der alle zwei Tage über die Bucht fährt, an, und das Ausschiffen und Verkaufen derselben bietet ein recht reges Bild dar. Auf dem Schiffe befinden sich die Vögel in Körben, in der Stadt werden sie auf den Rand großer flacher Körbe gesetzt und dort mit Bindfaden am Beine befestigt. Als ich das erste Mal einen Neger mit solch einem Korbe auf dem Kopfe daherkommen sah, hielt ich den Inhalt desselben für Gemüse oder Gras, und erst bei näherem Betrachten bemerkte ich, daß die grüne Ladung eine dichtgedrängte Reihe von 40 — 50 Amazonen war. In Rio de Janeiro existiert kein Tiermarkt in dem Sinne wie in Bahia, es sind meist Geflügelhändler, die sich nebenbei noch mit Arogelhandel befassen ; ich habe bei ihnen fast ganz dieselben Tiere gefunden wie in Bahia, nur waren die Preise wenigstens um das Doppelte höher; das einzige Neue waren Maximilians-Langflügel- pagageien, von denen ich einen für 6 Mark erstand. Grassittige, Tangaren, Tueane etc. habe ich in Rio de Janeiro vielfach tod für die Küche verkaufen sehen; eine Gruppe dieser Vögel macht auch ein recht schönes Stillleben, welches aber den Tierfreund doch schmerz¬ lich berührt, selbst wenn er in Betracht zieht, daß es in Brasilien noch viele Länderstrecken giebt, wo die Vögel von allem unbelästigt im schönen Urwald friedlich leben und auch lange noch leben können. Es ist vielleicht von einigem Interesse, wenn ich mitteile, daß es mir geglückt ist, von den Tieren, die ich mit nach Europa nahm, alle lebend herüber zu bringen; es waren; 9 Marmosettaffen, 2 Tu- cane (Ariel), 2 Weißohr-, 3 Mond- und 2 Grassittige, 1 Langflügel¬ papagei und ein rotrückiger Arara. Ich habe nichts anderes gethan als sie regelmäßig gefüttert, vor Zug und Nässe bewahrt und die Käfige rein gehalten. Ich bin überzeugt, dass mit geringer Mühe Tiere importiert werden können ohne große Verluste, wenn mau nur die richtige Jahreszeit wählt und etwas rationell verfährt. Gut wäre es jedenfalls wohl auch, wenn die Tiere vor ihrem Transporte erst einige Zeit in der Gefangenschaft gehalten und dort für den Futter¬ wechsel vorbereitet würden. Beiläufig sei noch bemerkt, daß mein Aufenthalt in Brasilien auf den dortigen Winter, d. h. Juli und August fiel. 326 Neues aus der Tierhandlung von Karl Hagenbeck, sowie aus dem Zoologischen Garten iu Hamburg. Von Dr. Th. Noack. (Fortsetzung.) Im Anschluß an früher (IV, S. 100 ff.) von mir gemachte Mit¬ teilungen erlaube ich mir, über einige fernere Studien aus der Tierhandlung von Herrn Karl Hagenbeck in Hamburg, sowie aus dem dortigen Zoologischen Garten zu berichten. Herr Hagenbeck hat, wie ich früher erwähnte, in den letzten Jahren sehr bemerkenswerte Tiersendungen aus dem Somalilaude erhalten. Der dorthin gesandte Herr J. Menges hat von Berbera aus weite Gebiete der Nord-Ostecke von Afrika durchforscht und wie seine in den Petermaun’schen Mitteilungen (z. B. V, S. 162 ff, 1884) veröffentlichten geographischen Berichte von bedeutendem Interesse sind, so hat er auch die Kenntnis der ostafrikanischen Tierwelt durch bis dahin unbekannte Formen bereichert. Zu diesen gehört außer dem von mir beschriebenen Wildesel eine in diesem Frühjahre Herrn Hagenbeck übermittelte Wildkatze, die meines Wissens bisher unbekannt ist und für welche ich den Namen Felis llagenbcclcii vorschlage. Dieselbe steht der von Büppel entdeckten Felis maniculata nahe, insofern ihre Proportionen uud ihr Gesamthabitus jener außerordentlich gleichen ; selbstverständlich habe ich das Tier nicht messen können, habe auch Felis maniculata noch nicht lebend gesehen, kann aber die Ähnlichkeit nach mir bekannten Abbil¬ dungen, Skeletten und Bälgen von F. maniculata bestätigen. Ihre Körperlänge wird auch ca. 50 cm, die Schwauzlänge etwa 25 cm betragen, sie hat dieselbe Form des Kopfes und der großen Lauscher, dieselben zarten Pfoten, dagegen in der Färbung weicht sie von der Falbkatze erheblich ab. Die Somalikatze ist nämlich einfarbig gelbgrau, genau wie das wilde Kaninchen, hat also ober¬ flächlich Ähnlichkeit mit Felis catus fcrus , doch fehlt jede Streifung und Bänderung auf dem Rücken, an den Seiten und Schenkeln. Nur au der Innenseite der Vorderbeine zeigt sich oben eine dunkel¬ braune Bänderung, ein Band ist wie bei Asinus taeniopus somaliensis viel dunkler markiert. An der Außenseite der Vorderbeine ist eine zarte Bänderuug bemerkbar. Hinten ist dieselbe kaum wahr- zuuehmen. Die Vorderbeine und Pfoten sind unten gelbbraun, die 327 - Hinterbeine unten dunkelbraun gefärbt, der dünne, schlanke, zu¬ gespitzte Schwanz, der länger ist als bei unserer Wildkatze und kürzer, als bei der Hauskatze, zeigt die 7 dunklen Ringe und die schwarze Spitze von catus ferus. Kehle und Brust der Somalikatze sind gelb, Weichen und Hauch heller gelbgrau wie der Rücken, zwischen den Schulter¬ blättern mehr rostgelb, Nase gelbrot wie bei catus ferus , vom äußeren Augenwinkel zieht sich ein dunkleres Band, aber nicht so intensiv wie bei Felis maniculata, nach der Ohrwurzel ; unterer Augenrand hellgelb, Iris gelbbraun, Schnurrhaare weiß mit schwarzer Wurzel, Ohren innen stark behaart. Die Katze, welche ich in der Zeit von vier Wochen mindestens Gmal beeobachtet habe, saß apathisch im Käfig, vielleicht weil sie nicht mehr ganz munter war, auch zum Zweck der Zeichnung aufgestöbert, zeigte sie keinen Unwillen, nahm auch die Nahrung nur zögernd ; jedenfalls war ihr Naturell ein friedfertiges, gänzlich abweichend von dem -unserer Wildkatze, die im Käfig bis zum letzten Atemzuge eine tückische Bestie bleibt ; freilich kann man nach dem einen bekannten Exem¬ plar nicht wissen, ob das Naturell der Somalikatze immer so harm¬ los ist, denn ich habe an einem halben Dutzend gefangener Ozelots bemerkt, daß sich die einen sehr harmlos und zuthunlich, die anderen genau wie unsere Wildkatze benahmen. Indessen scheint die harmlose Natur der Somalikatze doch in Übereinstimmung zu stehen mit ihrem zarten Körperbau , so daß keine bisher be¬ kannte Wildkatze, auch Felis maniculata nicht, unserer Haus¬ katze so nahe steht wie die neue Art. Ich füge übrigens aus¬ drücklich hinzu, daß nach der Versicherung von Herrn Hagenbeck das Tier eine echte Wildkatze und nicht etwa eine Hauskatze der Somali ist. Zwei aus dem Somalilande importierte Fettsteißschafe (Ovis arics steatopyga) wichen im Körperbau und in der Färbuug nicht von der bekannten ostafrikanischen und asiatischen Form ab, denn auf das wenig ausgebildete Fettpolster unter dem Schwänze und die kaum bemerkbare Wamme unter der Kehle kann mau kein großes Gewicht legen, wohl aber zeigten sie anderweitig eine erheb¬ liche Differenz unter einander, das eine Tier besaß nämlich das schlichte straffe Haar , das diese Scfiafrasse auszeichnet, bei dem anderen dagegen, welches sonst eben so gefärbt war (weißgrauer Leib, schwarzer Kopf und Hals), war das Haar zu einer kurzen, aber sehr wohl erkennbaren Wolle umgebildet, das wollige Schaf r 328 wurde mir sogar als die echtere Somalirasse bezeichnet, während sonst in Afrika und Asien Ovis steatopyga keine Wolle trägt. Drei junge, etwa 5 Monate alte Karakal ( Lynx caracal) des Somalilandes unterschieden sich nicht von der afrikanischen Art, interessierten übrigens durch ihr lebhaftes munteres Wesen, was mit der bekannten Bösartigkeit des erwachsenen Karakal nicht im Widerspruch steht, da z. B. junge Leoparden sich in den ersten Monaten gerade so anziehend betragen, bis später die Tücke durch¬ bricht. Eine Kollektion von Perlhühnern ( Numida cristata ) aus dem Somalilande wich durch hellgrauere Färbung des Rückens von der bekannten ostafrikanischeu Art ab, doch muß icli unentschieden lassen, ob hier eine wirkliche Differenz vorliegt. Leider wird Herr Hagenbeck die Expeditionen nach dem Somali¬ lande, vielleicht nach Ostafrika überhaupt fernerhin aufgeben müssen, da der Aufstand der Sudanesen unter dem Mahdi heute den Verkehr nach Suakim und Massaua unmöglich macht und die neuen Tier¬ arten von der Somaliküste nicht die großen Unkosten decken. Der von mir beschriebene Wildesel des Somalilandes z. B. war nach länger als einem Jahre noch nicht verkauft. Auch sonst finden öfter die wertvollsten Tiere keine Abnehmer ; so besaß Herr Hagenbeck vor einigen Jahren vier Exemplare der Chionia alba von Kerguelen, von denen ein Vogel verkauft wurde, während die drei übrigen schließlich zu Grunde gingen. Um so erfreulicher ist es, daß sich jetzt an der westafrika¬ nischen Küste neue Bezugsquellen für das Studium der Zoologie eröffnen. Aus der Gegend der Biafrabai hat Herr Hagenbeck in diesem Sommer ein Hausrind erhalten, welches wohl zum erstenmale lebend nach Europa gekommen ist. Das Tier, eine etwa 10 Monate alte Kuh, gehört der afrikanischen Kurzhornrasse an, die von dem bekannteren Songarinde sehr verschieden ist. Die Höhe des Tieres betrug etwas über 1 Meter und wenn dasselbe auch noch nicht ganz ausgewachsen war, so beweist doch das wohlentwickelte Euter, daß das Rind nicht, sehr viel größer werden wird, also, wie auch das mir bekannte nubische Songarind, kleiner ist als unser europäisches Hausrind. Der Körper ist kräftig und wohlgebildet, ebenso die verhältnismäßig schlanken Füße, der Hals kurz und kräftig, sehr faltig, die Wamme nur wenig entwickelt ; der Kopf klein und elegant, das Auge groß und dunkel, die kleinen etwa 7 cm langen 820 Hörner in flachem Bogen nach vorn, außen und oben gebogen, Stirnleiste zwischen den Hörnern ziemlich hoch, die aufrecht ste¬ hende Ohrmuschel ist sehr klein und zierlich, nach der Wurzel zu außerordentlich lang behaart, dadurch an das Ohr des Kafterbüffels erinnernd, ein Buckel fehlt, doch besitzt das Tier vom Nacken bis zur Mitte des Rückens eine ziemlich starke Mähne, Schwanz mittel- lang, an der Wurzel stärker, nach unten dünn mit stark ent¬ wickelter Quaste ; Euter mit vier stärkeren und einer schwachen Zitze. In dem Rinde steckt als freilich sehr entfernter Ahn das indische Zeburind, wie eine Vergleichung mit 2 ungefähr gleich¬ altrigen Zeburindern bewies, die Herr Hagenbeck zufällig auch besaß. Die Körperverhältnisse sind denen des Zebu sehr ähnlich, ebenso der zierliche Kopf und das kleine Ohr, welches übrigens keineswegs bei allen Zebus herabhängt, die Stirn aber ist breiter als beim Zebu, welches auch der Haarwucherung an der Ohr¬ muschel entbehrt; die Mähne auf dem noch etwas erhöhten Wider¬ rist möchte ich als letzten Rest des einst vorhandenen Buckels betrachten, besonders aber unterscheiden sich die Hörner, welche beim Zebu wie beim Songarinde nach oben, nicht nach vorn und außen streben. Auf die Färbung kann man kein großes Gewicht legen, doch will ich sie erwähnen, weil der Grundton auch mit dem Kolorit des Zebu übereiustimmt. Kopf, Hals, Schultern, Bauch, Vorderseite der Beine waren tief dunkelbraun gefärbt, Rücken, Seiten, Kreuz und Schwanzwurzel hellumbragrau, hinten an den Schenkeln eine leichte Querbänderung, Mähne schwarz, von den Schultern his zum Kreuz an jeder Seite unter dem Rückgrat ein dunkler, darüber ein heller Läugsstreifen, Stirn, Stirnleiste und Genick gelbrot, Lippen weißgrau, Muffel schwarz. In Bezug auf das Zebu füge ich die vielleicht nicht bekannte Notiz hinzu, daß Herr Hagenbeck seit einer Reihe von Jahren Zebubullen nach der Westküste von Südamerika schickt, wo die Chilenen ihre heimischen Rassen durch Zebublut verbessern. Neben dem Guinearinde möchte ich das Guineaschaf be¬ sprechen , welches als Geschenk des Herrn Woermann sich in drei Exemplaren, die auch Junge ~eworfen haben, im Zoologischen Garten in Hamburg befindet. Las Tier entspricht der Große nach unseren kleineren Landschafen ; charakteristisch sind die starke Ramsnase, die ziemlich hängenden Ohren, die stark entwickelte Unterlippe, der halblange Schwanz, der wohl nicht gestutzt ist. Der Bock besitzt kleine in einer halben Windung nach unten und vorn 330 geringelte Hörner, an Kehle und Brust eine schwärzliche Mähne ; bedeckt sind die Tiere mit einem kurzen straffen Haare ohne jede Neigung zur Wollbildung ; der Bock und ein Schaf sind dunkel¬ rotbraun gefärbt mit schwarzem Kopf und Nacken, desgl. Beineu und tief schwarzem Bauche, ein Schaf und ein Junges sind gleich¬ mäßig tiefschwarz. Das Wesen ist eben so harmlos und zuthunlich, wie bei unseren Hausschafen. Diese Schafrasse hat am meisten Ähnlichkeit mit Ovis aries syenitica oder catotis, welches sich schon auf den jüngeren ägyptischen Denkmälern findet und noch heute in Ostafrika neben steatopyya gezüchtet wird, übrigens auch mit Haaren bekleidet ist. Demnach dürften Guineariud und Guineaschaf aus Rassen entstanden sein, die einst aus Ostafrika ihren Weg quer durch den Erdteil bis an die Küste des Atlantischen Ozeans gefunden haben. Ich glaube, daß besonders seit dem 7. Jahrhundert der Islam dazu beigetragen hat, neue Haustierrassen nach dem Westen Afrikas zu verbreiten. Ich erwähne ferner unter den Haustieren einen Bastard - bock von Angoraziege und Heidschnuckenbock, den Herrn Hagen beck kurze Zeit in diesem Sommer besaß. Das Tier stand nach Körperdimensionen und Habitus in der Mitte zwischen der Angoraziege und dem Heidschuuckenschaf, erreichte also die Größe eines mittleren Landschafs, doch war es vielleicht noch nicht ganz ausgewachsen und die eigentliche Körper¬ form läßt sich bei dem sehr langen flockigen Vließ schwer be¬ urteilen, doch war der Typus der Angoraziege bei weitem über¬ wiegend. Die Profillinie des Gesichts war die der Ziege mit etwas eingebogener Nase, vorgestreckter Unterlippe, starkem Haarschopf vor der Stirn, unter dem Kinn ein mäßig langer Bart, Ohr breit uud herabhäugend, aber kleiner als bei der Angoraziege, Pupille oval, Iris gelb, Hörner bandartig flach mit scharfen Kanten schwach gereifelt, nach oben, außen und hinten, also dreifach gekrümmt, Längenachse der Hörner im Durchscliuitt ungefähr in der Nasen- und Stirnlinie liegend, Hörnerspitzen um ca. 2,5 Stirnbreiteu von einander entfernt, Beine nur vom Knie- und Sprunggeleuk vor dem langen Vließ sichtbar und weiß behaart. Die Vorder- und Hinterklauen waren ganz verschieden gebildet. Die vorderen kurz und dick, stark spreizbar, wie bei Gemsen und Gebirgsziegen, auch pflegte das Tier beim Liegen ein Bein nach Wildziegenart gerade nach vorn zu strecken, die Hinterklauen waren viel länger uud schmäler, deu Schafcharakter repräsentierend, der kurze Stummel¬ schwanz wenig behaart, nach vorne gekrümmt und nach oben gerichtet. Die Färbung war weißgrau, vom inueren Augenrande zog sich ein dunkler Längsstreifen nach den Nasenlöchern zu, aber nicht ganz bis zu der Oberlippe ; das Vließ, sehr laugflockig, aber gröber als bei der Angoraziege, hing von den Halsseiten über die Schultern bis zum Knie in zwei dicken Wülsten herab, an den Seiten und hinten gleichmäßig tief hiuabreichend. Die lebhafte Freßbegier entsprach mehr dem Charakter der Ziege als dem des Schafs, von den Geschlechtsteilen war vor langer Behaarung nichts zu sehen. Der Bock war in Rotterdam erworben (ob auch dort gezüchtet ?) und wurde nach kurzer Zeit verkauft. Einen anderen, im Jardin des Plantes geworfenen Bastard, nämlich einen Sprößling von Ponystute und Zebrahengst besaß Herr Hagenbeck vor einigen Jahren, der deshalb sehr inter¬ essant war. weil er einem anderen selbständigen Tiertypus außer¬ ordentlich, seinen Eltern verhältnismäßig wenig ähnlich war. Er glich nämlich frappant dem Equus Inemionus , noch mehr Ähnlichkeit aber hat das Tier mit einem von Przewalski entdeckten Wild¬ pferde im Petersburger zoologischen Museum. Ob nämlich Onager, Kulan, Dschiggetai und Kiang dasselbe sind, ist noch keineswegs zweifellos. Hat doch z. B. Przewalski später erkannt, daß der wilde und der zahme Yak, Poephagus mutus und gnmniens getrennt werden müssen. Die Größe und die Körperformen des Tieres waren ganz die des Equus hernionus ; Kopf groß, Ohren mittellang, Hals stark, Beine schlank mit kleinen Hufen, Schwanz mittellang mit starker schwarzer Quaste. Die Färbung war gelbrot, nur am Hals und Nacken fanden sich ein paar ganz matte schwärzliche Bänder, während sonst die Bänderung des Zebra am Körper verschwunden war. Nur quer¬ über die Beine liefen wie bei E. hernionus einige Bänder, die Sprunggelenke waren dunkel ; der über den Rücken laufende dunkle Streifen war allerdings schmäler als beim Dschiggetai. Für die Entstehung der Arten erscheint die Thatsache immerhin wichtig, daß bei der Bastardierung Tierformen entstehen können, welche einer schon vorhandenen Art fast absolut gleichen. Über das von PrzewTalski entdeckte Wildpferd von Central¬ asien, welches mir zuerst nur aus mündlichen Berichten des Herrn Hagenbeck bekannt war, der dasselbe im Petersburger Museum 332 gesehen hatte, liegen jetzt ausführlichere Beschreibungen vor in der deutschen Bearbeitung der dritten Reise Przewalski’s nach Hoch- asieu (Reisen iu Tibet und am oberen Lauf des Gelben Flusses in den Jahren 1879 — 1880 von Przewalski, deutsch von Stein- Nordheim, Jena 1884) und in der englischen Zeitschrift »Nature«, 21. August 1884, S. 391 u. 392. Da mir die deutsche Bearbeitung augenblicklich nicht zur Hand ist, gebe ich nach dem Artikel der »Nature« eine Beschreibung des Tieres, welche durchaus mit den Angaben Hageubecks stimmt und die Ähnlichkeit mit dem Hagen- beck’schen Bastard mehrfach bestätigt. Equus Przevalshii ist zuerst beschrieben und nach dem Entdecker benannt worden 1881 in einer russischen Zeitschrift durch Poliatow und zwar nach dem einzigen Exemplar, dessen Balg der berühmte Reisende glücklich nach Russland gebracht hat und welches in einer Skizze in der * »Nature« abgebildet ist. Dieselbe giebt das Tier bis auf die offenbar zu spitze Schnauze und den zu stark behaarten Schwanz (Fehler am präparierten Balge ?) richtig wieder. Wahrscheinlich ist das Präparat nicht dermoplastisch iu Thon modelliert, wie das gute Präparatoren, z. B. auch unser Braunschweiger Rielke, in hervor¬ ragender Weise verstehen, daher die vertrockneten Schnauzen und Ohren, die dann wieder zu mangelhaften Zeichnungen und Be¬ schreibungen Veranlassung geben. Das neue Wildpferd charakterisiert sich als echtes Pferd durch die Schwielen an den Hinter- und Vorderbeinen (Equus asinus, auch hemionus haben sie bekanntlich nur an den Vorderbeinen, ebenso der oben beschriebene Bastard des Jardiu des Plantes) und durch die breiten Hufe, während die laugen Schwanzhaare wie bei Equus hemionus nicht au der Schwanz¬ basis beginnen, sondern erst von der Hälfte des Schwanzes an (Vergl. die also unrichtige Zeichnung.) Das Tier besitzt ferner eine kurze straffe Mähne ohne Stirnschopf (ähnlich wie Equus hemionus ), entbehrt aber des Rückeustreifens wie Asinus taeniopus somaliensis. Die Statur ist klein, der Kopf stark und schwer, die Ohren kürzer als bei den Wildeseln, also wohl auch kürzer als bei Equus hemionus (nach der Zeichnung scheinen sie am Balge etwas eiu- getrocknet zu sein, weil nicht mit Bleiplatten ausgelegt), die Beine kurz und dick, die Färbung rötlichweißgrau, oben mehr rötlich, unten heller weißgrau, die Beine bis zum Knie rötlich, von da bis zu den Hufen schwärzlich, von einer Bänderung der Beine wird nichts erwähnt. Das Tier bewohnt die dsungarische Wüste zwischen Altai und Thian-Schan und wird von den Tataren »Kertag«, 333 von den Mongolen »Statur« genannt. Es lebt dort in Herden von 5 — 15 Stuten, welche von einem alten Hengste angeführt werden. Mit ausgezeichnetem Gehör, Gesicht und Geruch begabt, sind die Tiere außerordentlich scheu und lassen sich sehr schwer nahe kommen, zumal sie die weiten Salzsteppen als Aufenthalt lieben und, wie es scheint, lange das Wasser entbehren können. Die Jagd auf dies Wildpferd ist von Erfolg nur im Winter, wo der Jäger mit Hilfe von geschmolzenem Schneew7asser in jenen Wüsten leben kann und mindestens einen Monat auf die Jagd verwenden muß. Przewalski begegnete während seines Aufenthaltes in der dsunga- rischen Wüste nur zweimal Herden dieses Pferdes, das erstemal sclioß er vergeblich auf den Hengst, der den Kopf vorgestreckt und den Schweif hoch erhoben wie der Blitz davoneilte, mit ihm die Stuten ; das zweitemal kam er einer Truppe von der Seite nahe, aber auch diesmal bemerkten die Tiere den Jäger früh und waren rasch verschwunden. Ferner ein paar Bemerkungen über Pachydermen. Die mehr als 50 Elefanten, welche Herr Hagenbeck im letzten Jahre besessen hat, gaben Gelegenheit zu Vergleichen, wie mau sie sonst in Europa nie würde anstellen können. Nebeu den vielen indischen Elefanten besaß Herr Hagenbeck einen Elephas sumatranus , meines Wissens das erste lebende nach Europa gebrachte Exemplar. Ich konnte denselben mit mehreren gleichaltrigen indischen Elefanten vergleichen und konstatieren, daß absolut keine Verschiedenheit zwischen E. indicus und sumatranus vorliegt. Die Tiere sind in jeder Beziehung so identisch, daß an der Arteneinheit der asiatischen Elefanten nicht zu zweifeln ist. Wenn Schlegel Abweichungen im Skelett von E. sumatranus gefunden haben will, so können diese höchstens individuell sein, wie individuelle Abweichungen auch beim indischen Elefanten in erheblichem Maße Vorkommen. Herr Hagenbeck besaß im letzten Sommer einen am Körper vollständig und zwar ziemlich lang behaarten indischen Elefanten, welcher beweist, daß die einstige Mamuth-Behaarung als Rückschlag noch nach Jahrtausenden wieder zum Vorschein kommt. Ich entsiuue mich übrigens, vor einer Reihe von Jahren auch ein behaartes Nashorn (wohl das Badacknashorn) iu Berlin gesehen zu haben, welches, wenn ich nicht irre, aus Sumatra stammte. Zwei fleckige Elefanten aus Ceylon würden in Siam für weiß und heilig gehalten worden sein. Die weißgrauen Flecken, welche aussahen, als ob der Elefant au den betreffenden Stellen 334 mit Gips bestäubt wäre, fanden sich besonders an der Stirn, den Ohren, dem Schulterblatt, den Weichen und dem Kreuz, welches bei dem einen Exemplar fast weiß war. Die weißgraue Färbung der Flecke scheint mir dadurch zu entstehen, daß der Epidermis, welche auch an den dunkleren Partien eine etwas hellere Färbung hatte, das dunkelbraune Pigment fehlt. Eine eigentliche Albiuo- bildung war aber nicht vorhanden, insofern die Augen der beiden Elefanten ebenso gefärbt waren wie sonst. Die Tiere unterschieden sich im Wesen gar nicht von den übrigen. Vor einigen Jahren hatte ich Gelegenheit, bei Herrn Iiagenbeck die drei Tapirarten, den Schab racke ntapir und die beid en Alten aus Brasilien und Centralamerika lebend neben einander zu beobachten. Die Differenzen zwischen den beiden amerikanischen Arten konnten einem aufmerksamen Beobachter nicht entgehen, obwohl sie nicht sehr auffällig waren. Bekanntlich weicht der centralamerikanische Tapir von der brasilianischen Ante sowohl anatomisch, wie auch in Bezug auf seine Lebensweise, indem er ziemlich hoch im Gebirge sich findet, ab, doch will ich hierauf nicht weiter eingehen sondern nur die Unterschiede augeben, welche beide Tiere lebend neben einander zeigten. Der ceutralamerikanische Tapir war größer und kräftiger gebaut (beide Tiere waren ausgewachsen) ; der Kopf war schlanker und mehr gestreckt, das Umbraschwarzbraun erheblich dunkler, die Mundwinkel weiß, die weißgraue Kehle weißlich gefleckt, auch oben an den Vorderbeinen befanden sich kleine weiße Flecke, die ich an der brasilianischen Art nie bemerkt habe, da das gefleckte Jugendgewand schon iin zweiten Jahre verschwindet ; doch will ich bemerken, daß eine Hirschkuh von Gervus elaphus , die ich schon 4 Jahre kenne, noch immer matte Flecke auf beiden Seiten zeigt. Das Wesen der beiden Tapire war langweilig und träge, wie alle Tapire in der Gefangenschaft sind. Ein ju nges Warzenschwein ( Phacochocrus africanus ) des Herrn Hagenbeck erscheint mir der Erwähnung wert, weil sich sehr selten Gelegenheit bietet, dieses Tier lebend zu beobachten. Das Schwein war etwa 4 bis 5 Monate alt und so groß, wie ein gleich altes Hausschwein, doch erinnerte besonders der Kopf mehr au ein junges Nilpferd, besonders die kleinen runden Ohren, die weit oben unter den Ohren liegenden von starken Rändern umgebenen rundlichen Augen und der riesig breite Rüssel. Die beiden starken Eckzähne standen schon ca. 2 cm hervor, die beiden Warzen unter den Augen 335 waren schon stark entwickelt. Charakterisiert war das Tier ferner durch eiuen sehr langen weißgrauen Backenbart, der viel länger war, als bei dem erwachsenen Phacochoerus, durch eine sehr dünne weißgraue Behaarung, unter der überall die graue, faltig genarbte Haut hervorschimmerte, und durch einen bindfadenartig dünnen Schwanz mit kleiner Quaste. Das Wesen des Schweins war außer¬ ordentlich ängstlich und scheu, also auch abweichend von anderen Schweinen. Unter den Tieren des Hamburger Zoologischen Gartens inter¬ essierte mich zunächst eine Schopfantilope von Westafrika ( Cephalolophus coronatus ), die mir bis dahin unbekannt war. Die¬ selbe, eiu erwachsener Bock, hat die Größe eines etwa 5 Monate alten Rehs und zeigt den schlanken eleganten Körperbau der Schopf- und Schmuckantilopen, der Kopf ist sehr lang und schmal, die Schnauze spitz mit schwarzer feuchter Muffel, die Augen sehr groß und dunkel, die Thränengruben außerordentlich lang entwickelt mit wulstigen, scharf abgesetzten Rändern, wie sie in der Erregung der Bock von Antilope cervicapra zeigt, der dann aus den Thränen¬ gruben eine schmierige Salbe absondert und die Ränder der Thräuen- grube förmlich auseinander klappt. Der Rand der Augenbrauen ist bei C. coronatus ebenfalls scharf abgesetzt, so daß die Physiognomie des Tieres dadurch eigenartig wird. Die wenig behaarten Ohren sind groß und elegant, außen grauschwarz, innen rötlich durch¬ scheinend, die pfriemförmigen geraden Hörner ca. 7,5 cm hoch, vorn eckig mit scharfer Kante, hinten rundlich, bis zu 2/s Länge schräg gereifelt, Beine lang und sehr schlank, Klauen länglich und spitz, Schwanz kurz. Die Färbung ist ein schwärzlich untermischtes Gelbrot ; Stirn, sowie der kaum 2 cm lange Schopf rostgelb, Nase dunkelschwarzbraun, Oberlippe weißgrau, Kinn, Kehle, Brust und Bauch gelblichweiß, Beine innen weißgrau, Vorderbeine unten dunkler, Füße unten dunkelumbrabraun, besonders hinten, Schwanz oben dunkler gefärbt. Das Wesen des Tieres ist schüchtern und furchtsam, aber zutraulich, wie bei anderen kleineren Antilopen. Ich möchte noch die Bemerkung hinzufügen, daß mir der bei den Ceplialophus- Alten vorhandene Schopf, der doch immer nur eine accessorische Haar Wucherung ist, ein wenig charakteristisches Merkmal für die Artenbestimmung zu sein scheint. Viel wichtiger sind die stark entwickelten Thränengruben und die graden pfriem¬ förmigen Hörner des Gephalophus , sowie die kleine sehr schlanke Statur und die gleiche Lebensweise. 336 H e u 1 w ö 1 f e {Canis latrans), welche der Garten im letzten Sommer aus Mexiko bezw. Centralamerika in mehreren Exemplaren erhielt, erschienen mir bemerkenswert, weil, wenn die Tiere wirklich Canis latrans sind, sie von der nordamerikanischen Art entschieden getrennt werden müssen. Der Heulwolf charakterisiert sich folgender¬ maßen : Er ist viel kleiner und schlanker gebaut, als Canis lupus , Kopf und Schnauze viel schlanker und spitzer, Ohren und Beine viel länger, sonst schon äußerlich wohl als Canis lupus erkennbar, auch durch deu bekannten dunklen Sattel über den Schultern, der für alle Wölfe sehr charakteristisch ist. Färbung gelbrotbraun. Nach meiner Auffassung sind die Tiere am nächsten mit Canis jubatus verwandt oder dasselbe. Jedenfalls nicht mit dem viel kurzbeinigeren Canis latrans aus Nordamerika identisch. Die Raubvögel des Hamburger Gartens haben sich von jeher durch Reichhaltigkeit und Seltenheit der Arten ausgezeichnet, ich möchte hier noch zum Schluß in eiu paar Worten auf einen sehr interessanten afrikanischen Habicht und auf die vortreffliche Eulen¬ sammlung daselbst hin weisen. Der afrikanische Schlangensperber (Polyboroiäes typicus ) ist in der Zeichnung bei Brehm nicht als das Tier, welches im Hamburger Garten lebt, zu erkennen, ebenso wenig stimmt die Beschreibung vollständig. Der Vogel stammt von der afrikanischen Westküste und hat ungefähr die Größe unseres Hühnerhabichts, ist also erheblich größer als unser Sperber. Der Schnabel ist schwarz, stark gekrümmt, die Wangen nackt bis über das Auge nach der Wachshaut hin und bis zum Ohr, die nackte Stelle ist rotgelb gefärbt und scharf gegen das graue Gefieder des Kopfes abgegrenzt. Auge schwarz, auf dem Kopf ein aufrichtbarer Schopf, der bei Brehm III 602 nicht erwähnt ist, Gesamtfärbung blau¬ grau, Schultern und Riickeu rostbraun, Handfedern schwarz, Bauch weißgrau und schwarz gebändert, Oberarmfedern mit einzelnen schwarzen Flecken und Tüpfeln, mir schien aber nicht jede Feder einen schwarzen Fleck an der Spitze zu haben, Füße gelb. Der Vogel saß träge und apathisch auf seiner Stauge, lange Zeit regungslos dieselbe Stellung- einnehmend. Unter den Eulen erschien zunächst bemerkenswert die in Süd¬ europa lebende Zwergohreule ( Scops carniölica ) oder Ephialtes scops , eiu niedliches Eulchen, welches kaum eiue Drossel an Größe übertrifft. Das Gefieder ist am besten gekennzeichnet als dem des europäischen Ziegenmelkers (Capriniulgus europacus ) sehr ähnlich, 337 also grauumbra mit etwas rotbraun, scbwärzlich gewässert mit dunklen Längstüpfeln. Unterseite hellgrau mit etwas rotgelb, grau gewässert, Ohrbüschel klein, Schnabel grünlich horngrau, Iris hell¬ grüngelb, Füße grau, unbefiedert, Stimme ein helles » tüt« , Wesen munter. Von Syrniinae erwähne ich den Guineakauz (ßyrnium nuchale). Der Vogel hat etwa die Größe von Syrnium aluco, Kopf groß, dunkelrostbraun, ebenso Kehle, Gefieder oben dunkelrostbraun mit weißgrauen Tüpfeln, Unterseite rostbraun und weißgrau gewellt, Schnabel dunkelgrau, Auge tiefschwarzbraun, Schwanz kurz. Syrnium torquatum aus Venezuela, erheblich größer als nuchale , sehr auffallend gefärbt. Der große Kopf tiefschwarzbraun, Augen¬ brauen ein breiter weißgelber Streifen, um die Augen ein tief¬ dunkelbrauner Hof, Iris chromgelb, Auge groß, Physiognomie infolge dieser Färbung unheimlich. Schnabel an der Basis dunkelgrau, Spitze hell hornfarben, Gefieder unter dem Schnabel dunkelbraun, Kehle gelb weiß, gegen die Brust durch ein breites dunkelbraunes Baud abgegrenzt, Bauch hellrostrot mit dunkleren Schaftstrichen, Füße gelbrot befiedert, der kurze und spitze Schwanz dunkelbraun und hellbraun gebändert, Rücken dunkelumbrabraun, auf den Schultern zwei hellgelbe Flecke, Flügel innen gelbweiß, Schwung¬ federn habichtartig mit grauen Querstreifen gebändert. Wesen unliebenswürdig, wie beim Uhu. Die Guineauhueule ( Scotopelia Bouvieri ), Kopf gelbbrauu mit dunklen Schaftstrichen, Iris tiefdunkelbrauu, Schnabel hell- horngrau, Brust weißgelb mit braunen Schaftstrichen, Schwungfedern gelbbrauu, Schwanz weiß, Schultern und Füße weißlich, oben an den Schenkeln eine dunklere Feder, etwas kleiner wie Syrnium nuchale , Wesen ruhig, Aussehen wegen der hellen Färbung und der dunklen Augen sehr auffallend. Die mexikanische Oh re ule ( Otus mexicanus ) besitzt etwa die Größe von Otus vulgaris. Ohrbüschel und Kopf scliwarz- brauu, Stirn gelbbraun, über den Augen schwarzbraun mit ocker¬ gelbem Rande, Gesicht weißgrau, Nacken schwarzbraun mit oker¬ gelben Längsstreifen, ebenso der Rücken, Bauch weißgelb mit schwarzen streifigen Tüpfeln, Füße gelbumbra, befiedert, Schenkel gelbbraun mit schwarzen Streifen, Flügel schwarzbraun und gelb gestreift, Schwungfedern oben grau gebändert und gewässert, Schnabel dunkelhorufarben, Iris gelbbraun ; Wesen wohl wie Otus vulgaris. Zoolog-. Gart. Jahrg-. XXV. 1884. 22 338 Am meisten bat mich interessiert ein Pärchen von der tas- manisclien Schleiereule ( Strix castanops). So wenig auch in derselben die Verwandtschaft mit Strix flammea zu verkennen ist, so sehr weicht der Vogel durch Größe und Färbung von unserer Schleiereule ab. Das viel dunkler gefärbte Weibchen über¬ trifft das Männchen erheblich an Größe und giebt unserem Uhu wenig nach, das kleinere Männchen ist immer noch erheblich größer als unsere Schleiereule, das Gefieder ist oben tiefschwarzbraun, unten gelbbraun mit feinen grauen Tüpfeln überflogen, Brust tiefgelb¬ rostbraun mit dunkleren Tüpfeln, der durch einen dunkelbraunen Rand scharf begrenzte Schleier sepiagrau, genau die Farbe, wie die Seiten von Podiceps cristatus, Schultern gelbbraun, ebenso Beine, Füße fleischfarben, Flügel innen weißgrau, oben dunkelbraun, so auch der Schwanz. Schnabel hellhorngrau, Iris tiefdunkelbraun. Im Wesen weicht Strix castanops erheblich von Strix flammea ab, was man schon aus der Größe schließen kann ; die Eule ist lebhaft und reizbar, beim Fressen ziemlich gierig, bläht das Gefieder wie der Uhu auf, die Flügel wie dieser dabei hebend und wackelt in der Erregung hin uud her, wird also auch in der Freiheit viel größere Tiere erbeuten, wie unsere harmlose Schleiereule. Der gemeine Staclielflnger (. Acanthodactylus vulgaris Dum. u. Bibron) in der Gefangenschaft. Von Joh. v. Fischer. Wenn ich vom spanischen Sandschlüpfer ( Psammodromus Jiispa- nicus ) S. 39 ff. gesagt habe, daß er hübsch und zierlich sei, so wird es mir schwer, zu entscheiden, wem von den beiden Sauriern der Vorzug zu geben sei. Die Wahl wird hier schwer. Allerdings steht der Sandschlüpfer in seinem bescheidenen Kleide hinter dem schmucken gefärbten Stachelfinger weit zurück. Mir ist aber ersterer wegen seines zutraulicheren und ruhigeren Wesens fast lieber. Der Stachelfinger ist ein unsteter, scheuer, ungestümer Gesell, der dem bescheideneren Sandschlüpfer gegenüber wie ein über¬ mütiger Stutzer erscheint. Aber sein hübsches Kleid, sein rosen¬ roter Schwanz und sein keckes Wesen bestechen ungemein und ich rate dem, dem die Wahl zwischen den beiden schwer fallen würde, 339 beide Saurier anzuschaffen, umsomehr, da sich beide in einem Behälter, wenn man die Größenverhältnisse untereinander beobachtet, vortrefflich vertragen, dieselbe Lebensweise führen und folglich auch derselben Einrichtung und Pflege bedürfen. Der Stachelfinger bewohnt Spanien und das nördliche Afrika ; da, wo er vorkommt, ist er sehr gemein. Er bewohnt warme, der Sonne ausgesetzte Orte und verbirgt sich bei Gefahr mit Blitzesschnelle unter Steinen oder in Löchern, die er sich im lockeren Boden gräbt. Sein Fang wird daher nicht leicht und sein ganzes Benehmen erinnert sehr an den Sandschlüpfer. Sein Lauf ist ein stoßweiser ; er erhebt sich bei jedesmaligem Stillstehen hoch auf seine Vorderbeine, während die Hinterbeine niedergelegt und ausgespreizt werden. Dadurch wird der gesamte Vorderkörper mit dem Kopf emporgehoben, der Rest des Leibes niedergelegt. Ehe das Tier weiter läuft oder wenn es »sichert«, d. h. späht, ob Gefahr vorhanden sei, sieht man es leicht ein oder auch mehrere Male von oben nach unten »nicken«. Die Stachelfinger lieben das Tageslicht, namentlich das Sonnen¬ licht sehr. Nur wenn die Sonne mit voller Macht in ihren Behälter scheint, fühlen sie sich wohl und sind aufgeweckt. Bei gedämpftem Tageslicht, selbst wenn der notwendige Wärmegrad vorhanden ist, liegen sie oft stundenlang mit geschlossenen Augen und wärmen sich. Bei grellem Tageslicht oder bei Sonnenschein ändert sich ihr Gebahren gewaltig. Sie werden lebhaft, laufen viel umher, wühlen im trockenen Saude herum, verschwinden in den gegrabenen Schlupfwinkeln, um sogleich wieder an irgend einer anderen Stelle hervorzukommen. Sie fliehen die direkte Nässe, müssen aber stets ein Gefäß mit Wasser finden können, denn sie trinken oft und lauge. Ohne Wasser magern sie rasch ab und gehen leicht ein. Sie sind auf jedes, noch so schwache Geräusch höchst auf¬ merksam und stürzen bei verdächtigem Lärm in verzweifelter Flucht davon. Gegen Kälte sind sie äußerst empfindlich und verkriechen sich sofort, wenn die Temperatur zu sinken beginnt. Sie sind frostiger als die Sandschlüpfer, was sich durch die Temperatur ihrer Heimat erklärt, und sie bedürfen daher einer stärkeren Heizung ihres Behälters oder doch eines sonnigeren Standes desselben. Eine der Hauptbedingungen neben der Wärme ist ein heller Stand ihres Behälters, denn sie fressen nur dann, wenn das grellste Tageslicht in denselben hineinscheint. o 340 Meiner Erfahrung nach wird der Stachelfiuger nie zahm, wohl bis zn einem gewissen Grade zutraulich, so daß er z. B. seine Nah¬ rung von der Pincette holt etc., aber nicht weiter. Unter einander sind es äußerst verträgliche Tiere, so lange gleiche Größeuverhältnisse obwalten, denn erwachsene Stachel¬ finger fressen junge und demnach schwächere Individuen ihrer Art oder anderer Eidechsengattungen unbarmherzig auf. So ergriff ein erwachsener Stachelfiuger einst bei mir eine junge Buckelnase ( Eremicis guttulata) aus Tunis, schüttelte sie heftig, schlug sie, um sie zu betäuben, gegen den Boden und hätte sie sicherlich getötet und verzehrt, wenn ich nicht bei Zeiten hinzugespruugen wäre. Und doch war die Buckelnase nur um V3 kleiner als der Stachelfinger ! Ihr Futter besteht in der Gefangenschaft in erster Linie aus Fliegen, kleinen Hymenopteren, die man durch Klopfen des Fliegen¬ sackes gegen den Boden vor dem Reichen erst betäuben muß, und ganz kleinen, frischgehäuteten Mehlwürmern. Große Mehlwürmer verzehren sie zwar auch, geben sie aber meist unverdaut von sich oder würgen sie wieder aus, worauf sie oft eingehen. In der Freiheit fressen sie alles Lebende, was sie bewältigen und verdauen können. Ich habe schon eingangs bemerkt, daß ihnen ein leicht zu erreichendes Wassergefäß nie fehlen darf, denn sie suchen das Wasser, das sie lappeud trinken, häufig und regelmäßig auf. Beim Fressen unterscheiden sie sich vom Sandschlüpfer auf den ersten Blick ; denn während erstere den Verschlingungsakt ziemlich ruhig vornehmen, sind die Stachelfinger ungemein hastig. Sie erfassen ihre Beute unter lebhaften Seitenbewegungen des Kopfes, den sie sofort hoch emporheben und verschlingen ihren Bissen mit fieberhafter Hast, wobei sie die Augen nach allen Seiten spähend richten, denn der Stachel¬ finger vergißt selbst beim Fressen seine angelernte Vorsicht nicht. Trotz der Häufigkeit in seiner Heimat ist der Stachelfinger im Handel, in Deutschland wenigstens, nicht zu erlangen. Man kaun ihn aber aus Frankreich aus dem Laboratoire d’Erpetologie in Montpellier leicht und billig beziehen. Für ein Terrarium, das nur kleinere Echsen enthält, ist er für jedermann eine willkommene Erscheinung, umsomehr, da er weit langlebiger als der Sandschlüpfer ist. Ein trockenes mit Sand gefülltes, temperiertes oder mäßig warmes, dicht an einem Fenster stehendes Terrarium, das reichlich Sonne erhält, ist für diesen schmucken Saurier die beste und natur- gemäßeste Wohnung. 341 Korrespondenze n. Manu heim, 28. Aug. 1884. (Tierbeobachtungen aus dem Mannheimer Stadtpark.) Die Schwäne und Enten zeigen eine psychologisch merkwürdige Eigentümlichkeit, indem sie durch ihr Verhalten zu erkennen geben, dass offensives Vorgehen bei ihnen stets den Sieg verbürgt und von Erfolg begleitet ist. Zur Zeit des Brü¬ tens über einigen Eiern in dem fest untermauerten Geflügelhäuschen inmitten des Parkweihers, nahezu sechs Wochen lang, befand sich der jedesmal übrige und vereinzelte schwarze Schwan fortwährend im Zustand der Defensive oder besser in demjenigen der Flucht vor dem zugleich vorhandenen weissen Schwanenpaar. Mann wie Weib des schwarzen Paars, die einander im Brüten ablösten, widerstanden niemals den boshaften Attacken der weißen Schwäne, zumal des Mannes, sondern wandten sich stets vor dem feindlichen Angreifer zur schleu¬ nigen Flucht und suchten sich so schnell wie möglich auf das flache grasige Ufer zu retten, bis an welches der boshafte Verfolger dicht nachfolgte und dann durch übermütiges Emporrecken des aufgeblähten Halses unter Schütteln des Gefieders und ausgestoßenes Triumphgeschrei den Sieg verkündete, ohne übrigens einen Zweikampf auf dem festen Land durch Betreten des Ufers seinerseits zu versuchen. Oft wurde zumal das brütende schwarze Weib, sobald es einmal ab¬ gelöst war und sich im Weiher nach Nahrung umsah oder sich Erholung gönnen wollte, von dem gerade nächsten der feindlichen weißen Gegner zum Gegenstand des erbosten Angriffs und der hartnäckigsten Verfolgung gemacht, selbst seitens des weißen Weibes, als sei dieses über die Mutterfreuden des schwarzen aufge¬ bracht, da ihm selbst alle Versuche zur Erzielung von Nachkommenschaft fehl¬ geschlagen. Der weiße Schwanenmann zumal war fühllos-brutal genug, das arme schwarze Schwanenweiß mit wütendem Gebahren anzufallen und zur schleunigen Flucht unter ängstlich ausgestoßenen Schreckenstönen zu zwingen. — Als aber das Resultat des Brütens der Australschwäne zu Tage trat und das erste Junge zum Vorschein kam, änderte sich sofort das Verhältnis der streitenden Parteien. Aus dem Zustande schimpflichen Zurückweichens und ohnmächtiger Defensive ging nun das schwarze Schwanenpaar, zumal der Mann, in beherzte Offensive über, als gäbe ihm das Resultat glücklich erzielter Nachkommenschaft sofort das Gefühl der Überlegenheit. Der sonst mutig heranbrausende, mit gesträubten Halsfedern und stierartig gesenktem Kopf angreifende weiße Schwan wurde von dem schwarzen unerschrocken erwartet und von ihm seinerseits in wütender Gegenwehr angegriffen, so daß dem weißen bisherigen Sieger und steten An¬ greifer schnell der Mut sank und man ihn vor dem schrecklichen Verfolger auf schimpflicher Flucht fliehen sah, einen zweiten Hektor auf der Flucht vor dem erzürnten, »unnahbaren« Achill. Wenn nun auch nur ein Junges dem schwarzen Paar erhalten blieb, so spielte doch von da an die schwarze Schwanenfamilie die Herrscherrolle auf dem Weiher und begnügte sich seitdem das weiße Paar mit der zweiten Rolle. Der männliche schwarze Schwan wehrte, wenn das Junge mit der schwarzen Mutter über den Wasserspiegel dahinzog, stets die an¬ deren Schwäne und alle Enten und Ententaucher vor jeder Annäherung ab und bewog schon von weitem die sonstigen Teichbewohner zu respektvollem Aus¬ weichen. Aber auch nahe herankommende Personen suchte der schwarze männ- 342 liehe Schwan in die Flucht zu treiben, indem er mit steif aufgerichtetem, langem, gesträubtem Hals, gesenktem Kopf und gespreizten Flügeln ans Ufer auf sie losstürmte. Seihst am Land, auf der Brückeninsel oder auf einer der Halb¬ inseln, machte der schwarze Schwan plötzlich tückische Angriffe auf Personen, ich selbst mußte mich eines solchen mit dem Wetterschirm erwehren. Jedesmal nachdem der männliche schwarze Schwan einen Gegner auf dem Wasser oder auch eine Person am Ufer zur Flucht oder zum Rückzuge gezwungen, kehrt derselbe mit hochaufgerichtetem Hals zu seiner Ehehälfte und dem Kinde zu¬ rück und stößt mit aufgeworfnem Kopf widrig-gellende Pfeiftöne und sie beglei¬ tende tiefe, trommelnde Brustlaute in die Luft, als wolle er der Familie und jedermann sonst seinen eben errungenen Sieg kundthun. — Aber auch bei sämt¬ lichen Enten kann man die Bemerkung machen, dass stets der mutige Angreifer im Vorteil ist und den andern Teil in die Flucht schlägt, dass von dem ange¬ griffenen kein Versuch gemacht wird, ob es ihm vielleicht nicht gelingen würde, siegreich zu widerstehen. Es ist, als oh es sich von seihst verstehe, dass wer angreift, auch der stärkste sein müsse. Ein und derselbe heute oder eben erst in die Flucht getriebene Wasservogel treibt morgen oder kurz hernach eben seinen vorherigen Angreifer seinerseits mit Erfolg an. Die Offensive giebt sicht¬ lich dem Angreifer stets Vorteil und Überlegenheit über die Defensive. Es ist ja wohl im Krieg der Völker auch nicht anders. — Sehr friedlich und lieblich anzuschauende Vögel sind ein Paar Nonnen- oder Bernickelgänse. Diese leben ganz für sich und finden sich nie in Konflikt mit andern. Ihr frisches Gefieder zieht sehr die Augen auf sich, und auffallend sind ihre öfters ausgestoßenen hundeartig bellenden Töne. In dem letzten Winter wurde der Parkweiher ausgepumpt, um sein Bett von dem angesammelten Schmutz zu reinigen. Nachdem im vorigen Sommer viele Hunderte von abgestandenen Fischen daraus hatten entfernt werden müssen, zeigten sich in dem Wasser-Residuum des so vollständig wie möglich entleerten Weihers eine grosse Menge kleiner, lebender, von. den früher abgestorbenen Fischen herrührender Brutfischen, Karpfen, Weißfische, Bresem u. a. Auch fanden sich noch größere, dem vorjährigen Sterben entronnene Fische, darunter auch Goldfische. Als der Teich dann wieder mit eingepumptem Rheinwasser nach seiner Reinigung gefüllt wurde, setzte mau noch einige Hundert junger Setz¬ karpfen zu und hatte das Vertrauen, hei fortwährendem gleichzeitigen Aus- und Einpumpen des Weiherwassers mittelst der Maschinen, trotz dem Mangel an natürlichem Bodengrund und an Ufer- oder Wassergewächsen, doch Karpfen in demselben züchten zu können. Als sich nun im April und Mai in den verschie¬ denen Wasserbecken und im Weiher des Parks große Massen von Wasserschleich (s. g. Wasserheede, Confcrva ) bildeten, welche nicht nur als schwimmende Watten grosse Strecken des Wasserspiegels bedeckten, sondern gar das Innere des Wassers bis auf den Grund hinab erfüllten, da ereignete sich das Übel, daß eine Menge größerer Fische, Karpfen, darunter auch Goldfische, tot zum Vor¬ schein kamen, indem sie durch festhaftende Überzüge des Wasserschleichs — nach Aussage der Arbeiter »des Mooses« — über den ganzen Kopf, die Augen und Kiemen hinweg, umgekommen und in die Höhe gehoben worden. In einem kleineren Bassin unter dem Wasserfall an dem Felshügel des Parks, das sich gleichzeitig mit einer grünen Conferve (wahrscheinlich C. bombycinci »Seidenheede«, während im Weiher C. afifinis und Oedocjonnm fuscescens!) erfüllte und bedeckte, blieben 343 etliche Dutzend eingesetzter kleiner Goldfische wohl um deswillen wohlbehalten am Leben, weil eine Anzahl Wasserosen ( Nyviphaea und Nuphar ) mit Erdkübeln hinein versenkt waren. Wäre im Weiher natürlicher Bodengrund und allerlei Wassergewächs vorhanden gewesen, so hätte das vorerwähnte Absterben der Fische schwerlich stattgefunden, weil sich die Fische dann ihres Schleichüber¬ zugs über Kopf und Augen hätten entledigen können. In dem Wasser-Bassin fand ich seither nur etlichemal kleine, einzelne Fischleichen vor, denen jedesmal am Bauch Stücke aus dem Körper gebissen waren, wie die Parkgärtner glaubten — in Folge Aufrisses durch einige zugleich darin vorhandene Karpfen — wie ich an den scharfen Verletzungen aber erkannte, ohne Zweifel in Folge Annagens durch nachts !fliegende , eingedrungene Wasserkäfer (Taucher, Dy oticus), wenn nicht, was ich bezweifle, durch Wasserspitzmäuse. Die Goldkarpfen befinden sich übrigens in ihren Becken völlig wohl und bei dem strotzenden Ansehen der größeren weiblichen Tierchen ist von ihnen auch Strich oder junge Brut zu erwarten, wie ich ähnlich solche in den Becken des Heidelberger Botanischen Gartens gesehen habe. Im Parkweiher wimmelt es von solchem, jetzt etwa zoll¬ langem, um die Ufer her sichtbarem von Weißfischen u. dgl. Und die zuletzt im Frühjahr eingesetzten kleineren Zuchtkarpfen vorjährigen Strichs nehmen in dem Weiher trotz dessen ungünstiger Beschaffenheit sichtlich an Volumen zu, da sie sich täglich vieldutzendweise unter der Inselbrücke einfinden, um sich mit Brot- und Weckkrumen füttern zu lassen. Auf einer hohen Ulme des Parks hat im Mai eine Raben krähe vier Junge erbrütet. Vergehens hatte der Gärtner mit einer Vogelflinte die Alten in der ersten Zeit des Nestlehens zum Schuß zu bringen gesucht, um die Raben im Park keinen festen Fuß fassen zu lassen. Als die flüggen Jungen ausgeflogen waren und sich in der ersten Zeit um den Weiher herum an dem Futterplatz und auf dem Geländer der Inselbrücke laut schreiend Tage lang hatten beobachten lassen, ohne daß sie anfangs gestört wurden, hielt man es endlich doch für ge¬ raten, die Schreihälse zu schießen, um sie aus dem Park loszuwerden. Eines Morgens war ich zugegen, wie der Obergärtner an der Inselbrücke eine von den dort wieder versammelten, lärmenden Krähen von einem niederen Baumast herabschoß und den erlegten Vogel an einem Bein angefaßt mit sich forttrug, während die andern Krähen nach allen Seiten auseinanderstoben. Der eine er¬ folgreiche Schuß unter die Tiere hatte die Folge, daß von Stunde an die Vögel nicht wieder erschienen und man keine mehr, wie beabsichtigt wurde, an den vorher gewohnten Tummelplätzen zum Schuß bekam. Die überaus klugen Tiere mußten mit vollem Bewußtsein des Geschehenen den Ort der ihnen augen¬ scheinlich drohenden Gefahr meiden, da sich dieselben nicht wieder im Park einfanden, man sie vielmehr immer nur in dem fernen Schloßgarten und an¬ grenzenden Rheinuferwald noch zu Gehör und zu Gesicht bekommt. Die in einer Felsgrotte mit vergitterter Mündung am Parkhügel gehaltenen Meerschweinchen befinden sich da ausnehmend wohl und vermehren sich rasch. Man erblickt unter den alten kleine und halbwüchsige Junge. Zugeworfene Schnitten von Dickrüben und Möhren munden ihnen vortrefflich. Sie sind aber von den sie besuchenden Personen, zumal Kindern, durch mitgebrachte Brot- und Semmelkrusten schon ganz zutraulich und kirr gemacht und drängen sich Kopf an Kopf an das Gitternetz, wenn man sich ihnen naht, um einander weg¬ stoßend und hellquiekend die Krustenstückchen aus den dar reich enden Fingern 344 zu nehmen. Spröde Fastenbretzeln und harte Zwiebackstückchen sind ihnen besonders willkommen, wie sie auch zarte Grasspitzen mit Vorliebe entgegen¬ nehmen. Daß in diesem Sommer die Schnakenplage im Stadtpark verhältnismäßig gering ist, so daß man sich vielfach darüber lobend äußert, liegt möglicherweise daran, daß der Weiher eine Menge junger Fischchen enthält, die sich begierig von den zarten Schnakenlarven innerhalb stehender Wasser nähren. Auch in dem Fontainenbecken des großen Blumenparterres, das diesen Sommer zum Gaudium des Publikums von einigen abends zur Musik lautquakenden Fröschen bewohnt war, sollte wie dasjenige am Felshügel mit Goldfischen besetzt werden, um darin den Schnakenlarven den Garaus zu machen. Ausgebrütete junge Enten können auf dem Weiher vor den Schwänen nicht aufkommen, da diese sie mit dem Schnabel ergreifen und sie unter Wasser drücken, bis sie ersticken. Die Tauchentchen leben in steter Furcht vor ihnen und retten sich oft nur durch Untertauchen. An dem jetzt überaus reichlich vorhandenen jungen Strich der verschiedenen Fische finden die letzteren, wie wohl auch an Teichkröten-Quappen, im Weiher ihre natürliche Nahrung. Um¬ pflanzung des Teichrandes unmittelbar hinter dem Cement- und Steinrand in dem da stets feuchten Boden mit Bhizomen von überhängenden Seggen und Flutgräsern, wie sie so angezeigt wäre und so leicht ausgeführt werden könnte, ist bis jetzt noch nicht erfolgt. Noch jetzt nagen die Schwäne am Uferrand jede sich zeigende Spur von Basen hinweg, so daß ein ganz kahler Rand um den Wasserspiegel herläuft. Auch hat man versäumt, gelegentlich der Teich¬ reinigung wenigstens stellenweise natürlichen Wassergrund auf 1 bis 2 m Breite um die Ufer einzufüllen, um auch innerhalb des Wassers Vegetation zu ermög¬ lichen. Hier bleibt für die Zukunft noch sehr wesentliches zu thun übrig. Prof. Dr. L. Glaser. Cincinnati, im August 1884. Über Varietäten des schwarzen und des Grizzly Bären, ln der April-Nummer des Jahrgangs 1878 habe ich in eiuer kleinen Abhandlung gezeigt, wie durch Verfärbung aus einem schwarzen ein Zimtbär entsteht, und glaubte das Dunkel gelichtet zu haben, das heute noch den Zimtbären umgiebt. In den zoologischen Werken gilt er immer bloß als eine Varietät des Baribal. Seit zwei Jahren nun hatten wir Gelegenheit, einen echten Zimtbären im hiesigen Zoologischen Garten beobachten zu können. Wenn man auch an dem ungestümen Burschen keine Messungen vornehmen kann so sieht man doch, daß der Schädel beim Vergleiche mit dem des Baribals durch seine größere Stirnbreite und seine spitzige, ganz gerade auslaufende Nase sich unterscheidet, während diese beim Baribal mehr eine Ramsnase re¬ präsentiert. Die Klauen des Zimtbären siud größer als die eines im gleichen Alter stehenden schwarzen Bären, zeigen aber doch nicht die stark gekrümmte Form wie beim Grizzly. Der Fußsohlenrand ist auf den Seiten und nach hinten mit einer dichten Reihe abstehender, zolllanger, steifer Haare besetzt, so daß die Fußspur viel größer erscheint als sie wirklich ist. Dies befähigt ihn auch besser auf dem Schnee zu waudelu, ohne einzubrechen. Der Zimtbär überragt seinen schwarzen Vetter um ein beträchtliches und wird bis zu 1000 Pfund schwer. Unser Zimt¬ bär kam als G Monate altes Baby in den hiesigen Garten, hatte aber, obgleich nur wenige Wochen alt eingefangen, gar nichts von den besseren Manieren der drolligen schwarzen Bärenjungen, zeigte im Gegenteil eine Wildheit, die sich auch nach einem Jahre kaum gelegt hat. Sein Pelz hatte die Zimt¬ farbe, als er eingefaugen wurde, wie seine Schwester, die auch hierher geschickt werden sollte, aber so auf ihren bisherigen Ernährer, der sie in den Versand¬ kasten thuu wollte und deswegen von der Kette nahm, losging, daß er, um sich seiner Haut zu wehren, ihr mit einem Messer Stiche versetzte, die sie kampf¬ unfähig machten und ihn aus ihren Klauen und Zähnen befreiten. Auch die Mutter hatte die Zimtfarbe. Als ich zu verschiedenen Malen Colorado be¬ suchte, zog ich vielfache Erkundigungen ein, und das Resultat ist, daß der Zimtbär unabhängig von dem dort seltenen schwarzen Bären vorkommt, daß er viel größer wird und wilder ist als sein Vetter, daß Zimtbären sich als solche fortpflanzen und junge Zimtbären immer von ein paar alten Zimt¬ bären abstammen und nie einen schwarzen Vater oder Matter haben. Ebenso¬ wenig wurden je junge schwarze Bären bei alten Zimtbären gesehen. Ich selbst hatte das Vergnügen, auf dem Wege von Antilopepark nach Silverton gegen¬ über dem im Thal gelegenen Grassyhillhaus auf einer kahlen Stelle an dem gegenüber liegenden Berge das Spiel von zwei alten Zimtbären durch mein Fernrohr für eine ganze Weile zu beobachten, und ich stehe dafür ein, daß sie ein paar ganz kolossale Bestien waren, welche die verwandten Baribals um ein bedeutendes überragten. Warum man der Gattung den Namen schwar¬ zer Bär gegeben, kann bloß dadurch entschuldigt werden, daß man von den Zimtbären noch nichts wußte, als man die andern klassifizierte und dann aus den einzelnen, seltenen Fällen, die von Pelzjägern in den Handel gebracht wurden, eine bloße Varietät herausstudierte. Jedenfalls würde dem viel stärkeren, schwereren Zweig die Ehre des Namens Ursus americanus gebühren und sollte der schwarze Bär eher als Varietät des Zimtbären aufgeführt werden. Der Zimtbär bewohnt die höchsten und wildesten Gebirge von New-Mexico hiu- auf bis Montana, während der schwarze wohl selten über die niederen Vor¬ berge ins Gebirg sich verirrt. Er ist mehr in der Ebene oder den niederen Gebirgen wie in den Alleghanies oder Adirondacs zu finden. Der Zimtbär hat ein größeres Jagdrevier und wird deshalb nicht so häufig angetroffen wie der schwarze, der auch in der Regel mehr als zwei Junge wirft, während bei dem Gebirgsbären immer nur zwei Junge augetroffen wurden, wie auch alte Trapper versicherten. Aber auch von den Grizzlies giebc es in den San Juan Gebirgen im süd¬ westlichen Colorado eine Varietät, die man wegen der silberweißen Spitzen der sonst schwarzen Haare silvertipped (Silberspitze) nennt. Sie erreichen die gleiche Größe wie die eigentlichen Grizzlies, die einen graubraunen Pelz haben und mehr in der Sierra Nevada und den kalifornischen Bergen zu finden sind. Diese silvertipped bringen wieder silberhaarige Junge zur Welt, ohne je einem anders gefärbten Bären das Leben zu geben. So lange die Grizzlies jung sind, klettern sie prächtig auf Bäume, während sie diese Fertigkeit später entweder ver¬ lernen oder wegen ihrer Schwere nicht mehr ausüben können, oder gar ver- 346 achten, da sie sich stark genug fühlen, jeden Kampf auszufechten und dem Gegner — nie zu weichen, außer wenn sie das Leben verläßt. Ich sah in Antilope¬ park auf einer Rauche ein paar junge silvertips, die angekettet wie sie waren mit großer Geschicklichkeit einen hohen Kasten erkletterten, von dem sie auf mich herabfauchten. Dr. A. Zipperleu. Jena, den 23. September 1884. Abnorme Schnabelbildung eines weiblichen Haus¬ sperlings ( Passer doinesticus). Im Februar dieses Jahres wurde durch den Schulmeister eines thüringischen Dorfes ans hiesige Zoologische Institut ein weiblicher Haussperling ( Vasser domesticus ) eingesandt, dessen höchst monströse Schnabelbildung wohl wert sein dürfte, durch kurze Beschreibung bekannt gemacht zu werden, zumal eine solche sich nicht in der Reihe ähn¬ licher Fälle verzeichnet findet, die bereits in dieser Zeitschrift, namentlich in den Jahrgängen 1864, 1865, 1866 zur Sprache gekommen sind. — In die Rubrik der an verschiedenen Vögeln beobachteten Kreuzschnabelbildung läßt sich unser Fall nicht direkt unterbringen, wohl aber scheint mir derselbe das allmähliche Übergehen in eine solche darzustellen und eben dadurch inter¬ essant zu sein. Sicher haben wir es hier mit einer angeborenen Mißbildung zu thun, da von einer früheren Verletzung, einem späteren unnatürlichen Nachwachsen etc. keine Spur nachweisbar ist. Der fast 8 Centimeter lange gebogene Untersclmabel hat offenbar ursprünglich den um etwa 8 mm kür¬ zeren Oberschnabel als regelmäßig stehende Decke aufgenommen, was aus dem vollkommen ebenen linken Rande des ersteren in der Art, wie der rechte Rand erst nachträglich ausgeschliffen ist, sich schließen läßt. Erst infolge der mühsamen Nahrungsaufnahme scheint dann die leicht schiefe Lage des Oberschnabels entstanden zu sein, der sich nämlich in seinem vorderen Teile an der linken Seite ab- und im Unterschnabel eine tiefe Lücke ausgeschliffen hat, in welcher er nun seitlich über den Unterschnabel vorragt. Während so am Oberschnabel die rechte Seite gleichmäßig mit ziemlich glattem Rande sich zeigt, ist seine linke Seite schon nahe der Basis bis zu fast senkrechtem Abfall eingedrückt, um sich so in die Rinne des Unterschnabels stellen zu können, und an der überbreitenden Spitze vollkommen abgeschliffen. Der Erhaltung des Vogels scheint diese starke Mißbildung des Schnabels wenig Eintracht gethan zu haben, da derselbe zu Ausgang des Winters doch kräftig und selbst wohlgenährt war. Die Zeit seiner Erbeutung (Februar) bezeugt ja schon das Alter von mindestens einem halben Jahre. Dazu strotzte das wohl¬ entwickelte Ovarium bereits von wohl ausgebildeten Eiern. Eine genaue Untersuchung der Eingeweide ließ keinerlei Störung derselben erkennen, nur enthielt der Magen neben einigen Körnerresten mehr und größere Kies- steinchen, als ich gewöhnlich im Magen unserer kleinen Körnerfresser ge¬ funden habe, und dieses ist wohl direkt mit dem mißgebildeten Schnabel in Zusammenhang zu bringen, der jedenfalls das Zermahlen der Nahrung nicht ausreichend besorgen konnte, dieselbe daher mehr als in normalen Fällen erst im Magen vor sich gehen mußte. — Eine in der Form ähnliche Schnabel- 347 monstrosität habe ich an einem mäunlichen Haussperling des Zoologischen Museums zu Kiel gesehen, doch erreicht der Schuabel des dortigen aus¬ gestopften Exemplares kaum die halbe Länge von dem des meinigen. Dr. Alfred Walter, Assistent am Zoologischen Institut. Stolp i. Pommern im Septbr. 1884. Bemerkungen zu dem Artikel Seebohm von Dr. Langkavel im Zool. Garten 1883 p. 360. Herr Dr. Langkavel hat interessante Notizen aus dem Seebohm’schen Werke »Siberia in Asia« gegeben, au die ich noch einige Bemerkungen knüpfen möchte. (Ich folge hier dem Durcheinander der Arten, wie sie in den angeführten Stellen gegeben sind.) Der Nu ßh äh er, Nucifraga caryocatactes , soll nach Seebohm nördlich am 60° B. nisten. Dies ist durchaus nicht allgemein gültig. In Ostpreußen nistet er ganz regelmäßig unter dem 55° B. und es ist wahrscheinlich, daß er durch ganz Rußland in ähnlichen Breiten nistend vorkommt. Über die Bachstelzen, Motacilla dulchunensis und M. alba , werden Zweifel an der Artverschiedenheit erhoben. In Sibirien kommen jedoch mehrere, bestimmt verschiedene Arten vor, wenn auch M. alba gleichzeitig in manchen Lokalitäten auftritt. Sylvia affinis (p. 362) ist nicht die Dorngrasmiicke, auch nistet sie nicht in Sibirien, wo in den südlichen Teilen F. garrula ( curruca ) nicht selten ist. Der Sperlingsammer, Emberiza passerina , ist durch ganz Sibirien ver¬ breitet, wenn auch bisher Nest und Eiernuran einzelnen Orten aufgefunden wurden. Der Himalaya-Kuckuck, Cuculus himalayanus. Ich weiß nicht, was See¬ bohm unter diesem Namen versteht. In Sibirien kommen zwei Cucalus-Avten zahlreich vor, C. aptalus und C. canorus. Beide sind ganz verschieden — auch im Ruf, wie Radde schon berichtet — ■ aber welche Art Seebohm unter seinem Cac. himalayanus versteht, habe ich mit Sicherheit nicht ermitteln können. Zu bemerken ist auch noch , daß C. canorus aus Asien in der Litte- ratur unter verschiedenen Namen*) vorkommt, aber immer derselbe bleibt. Über das Schneehuhn, Lagopus rupestris, welches Seebohm am Je¬ nissei aufgefunden haben will und dessen Artrechte keineswegs allgemein an¬ erkannt sind, möchten noch fernere Untersuchungen wünschenswert sein. Was den Pieper, Anthus Richardi, anbelangt, so war durch frühere Sibirische Reisende, namentlich Radde und Dybowsky, das Vorkommen in den verschiedensten Lokalitäten Süd-Sibiriens konstatiert. Daß diese Art aber in Europa nur zum Herbste erscheine und diesen Weltteil im Frühjahre verlasse, das hat zuerst Herr Gaethke beobachtet und ausgesprochen, dass Anthus Richardi als Brutvogel bisher in Europa noch nirgends beobachtet sei. Herr Seebohm hat dies wohl zu erwähnen vergessen. Die sichere Beschreibung von Picus crissoleucus anbelangend, so ist das ein eigen Ding. Mir ist bisher eine solche nicht zu Gesichte gekommen und mir selbst ist es nicht gelungen, eine feste Grenze zwischen crissoleucus und *) Z. B. Cuculus canorinus Cab. 348 i tridactylus zu ziehen, immer fanden sich Individuen, von denen man nicht wußte wohin? Sehr ähnlich, doch in etwas anderer Weise verhält es sich mit Parus und Sitta. Es sind dies zwei Gruppen — besonders für den Norden der alten Welt — von denen jede für sich eine interessante Arbeit ausmacht und sich nicht mit wenigen Worten erledigen läßt. E. F. von Homeyer. Miscellen. Kampf weise der Edelhirsche mit Hastgeweih. Hirsche, welcho ein neues Geweih aufsetzen, sind an demselben außerordentlich empfindlich ; sie vermeiden ersichtlich mit größter Sorgfalt, sich an dem Bastgeweih zu stoßen und zu verletzen. Während die alten männlichen Tiere mit fertigem Geweih keinen Nebenbuhler in ihrer Nähe dulden und todesmutig mit den Geweihen auf eiuander losgehen, vermeiden sie im Bastgeweih jede Begegnung. Feige lassen sie sich von den Hirschkühen sogar von den Futterraufen ver¬ treiben und magern dann nicht selten stark ab. Und doch erwacht zuweilen in ihnen, selbst im Bastgeweih, die Kampfeslust. Dann aber wird die Art des Angriffes eine ganz andere. So sah ich am 19. Juni 1S84 die beiden Zehnen¬ der unseres Zoologischen Gartens sich gegeneinander auf die Hinterläufe erheben und mit den Vorderläufen auf einander loschlagen. Wer jemals einen Schlag mit dem Vorderlaufe eines Hirsches, auch nur eines Rehes, erhalten hat, weiß, welche Kraft auch in dieser Angriftswaffe liegt. Prof. Dr. H. L a n d o i s. Ameisen. Isabella Bird beobachtete (Der goldene Chersones. Leipzig 1884, S. 218) in Sungei-Udjong eine Ameisenkolouie, die unter einem mäch¬ tigen Baum ihr Heim aufgeschlagen hatte. Dort befand sich eine unter¬ irdische Araeisenstadt mit zwei verschiedenen Eingängen. In dem oberen derselben verschwanden, einer nach dem anderen, Züge von mehreren tausend Ameisen, die iu gleichmäßigen Heeressäulen von je 3 Zoll Breite anmar¬ schierend, zu je 27 neben einander, wohlgeordnet in Reih und Glied mit der Schneidigkeit eines Musterregiments auf dem Paradefelde sich vorwärts be¬ wegten. Zu beiden Seiten befanden sich, Offizieren vergleichbar, größere Ameisen, die sich von Zeit zu Zeit rückwärts wandten, wie um Befehle zu erteilen. Eine Bürde von gelblicher Farbe, nicht zu groß, um sie in ihrer Bewegung zu hindern, wurde von jeder Ameise geschleppt, und ohne dieselbe kehrten die eifrigen Lastträger nach einer Weile aus dem unteren Thor der Stadt wieder ins Freie. Da die hervorkommende Schar stets kleiner war als diejenige, die sich in den Bau begab, so liegt die Vermutung nahe, daß ein Teil zurückblieb, um für die gehörige Unterbringung der eingeheimsten Vor¬ räte zu sorgen. Die Reisende folgte einer solchen ausziehenden Abteilung auf eine Entfernung von etwa 18 Schritten und war Zeuge einer in ihrer Ordnung und Planmäßigkeit wahrhaft bewundernswerten Thätigkeit. Ein 349 Baumstumpf, dessen äußere Rinde entfernt worden, wimmelte von Ameisen, welche damit beschäftigt waren, die mit einer zähen süßen Ausschwitzung bedeckte untere Schicht in winzig kleinen Teilchen loszulösen. Nur die größeren rötlichen Ameisen mit kräftigeren Kiefern bewerkstelligten dies ; sie arbeiteten von unten nach oben und hatten schon mehrere Zoll des 4 — 6 Zoll im Durchmesser haltenden Stammes abgeschält. Um den Fuß desselben schwärmten Myriaden der kleineren Art, welche je nach Erfordernis zu dreien oder vieren über die herabfallenden Stückchen sich hermachten, um dieselben in noch kleinere tragbare zu zerlegen. Beim Herannahen der Dunkelheit stellten die rötlichen Ameisen die Arbeit ein, kamen herunter, stießen die ihnen in den Weg kommenden kleineren, wie es schien, unsanft aus dem Wege und marschierten in Plänklerordnung dem unteren Eingänge der Stadt zu. Ehe sie denselben erreichten, trafen sie eine Abteilung Lastträger, die sich nach dem Arbeitsplatz begeben wollte. Es erfolgte ein Zusammenstoß, die Lastträgerabteilung geriet in Verwirrung, die größeren aber schlossen ihre Reihen und rückten, als ob nichts ihren Vormarsch gestört, der Stadt zu, während die kleineren sich nach und nach ordneten, umschwenkten und als Nachhut folgten. Ehe die völlige Dunkelheit eingetreten, waren alle im unterirdischen Bau verschwunden ; nur eine tote Ameise lag noch draußen. Es dauerte nicht lange, da erschienen 6 kleinere Ameisen mit einer roten als Anführer, zwei packten die tote, die anderen folgten, ln einer Entfernung von etwa 6 Fuß verbargen sie dieselbe unter einem herabgefallenen Baumblatte B. Langkavel. Abändern der Gewohnheit des Großfußhuhnes ( Mega - podius Hueslceri). Nach Wilfred P o w e 1 1 (Unter den Kannibalen Neu- Britanniens. Leipzig 1884, S. 250) verzichten in den vulkanischen Gegenden dieser Insel die Wallnister auf die großen Haufen Blätter und Erde, welche sie gewöhnlich zusammenscharren, um ihre Eier hineinzulegen. Die Vögel legen in solchen Distrikten sie einfach in Höhlungen und Spalten an den Abhängen eines thätigen Vulkans. Die Wärme aus dem Innern der Erde vertritt dann die iu dem Moderhaufen sich entwickelnde Hitze und brütet die Eier aus. B. Langkavel. Ei er legende Säugetiere. Eine der interessantesten Entdeckungen ist die, daß die Kloaken- oder Schnabeltiere eierlegeud sind. Unser Mitarbeiter, Dr. W. Haackc, Direktor des südaustralischen Museums in Adelaide, fand am 25. August a. c. bei einem weiblichen Ameise nigel, Echidna liystrix, in dem mit 2 Ausbuchtungen versehenen Beutel am Leibe (Mammartasche), ein wirk¬ liches Ei von etwa 1,5 — 2 cm Durchmesser mit pergamentartiger Schale, die unter dem Druck der Finger zerbarst und einen in Zersetzung begriffenen dick¬ flüssigen Inhalt hatte. Das Ei war jedenfalls, nachdem es gelegt war, von dem Tiere in die Bruttasche gebracht worden, wie die Beuteltiere es mit den «Tungen machen. Daß das Ei abgestorben war, rührte vielleicht von dem Trans¬ port des Ameisenigels her, der von der Känguruh-Insel gekommen war. 350 Wenige Tage darauf, am 29. August, telegraphierte W. H. Caldwell, der im Aufträge der Balfourstiftung in Cambridge seit einiger Zeit in Australien Forschungen anstellt, aus dem nördlichen Queensland an die British Associa¬ tion in Montreal (Canada), daß sowohl das Schnabeltier ( Ornithorhynchus ) als auch der Ameisenigel Eier erzeugen ( are egg-producing) und nicht lebendige Junge gebären wie die übrigen Säugetiere. Nach dem Zoolog. Anzeiger, 1. Dezember 1884. Kürzlich lief ein Wiesel paar quer über die stets sehr frequentierte Yenloerstraße zu Cöln. Ein des Weges kommender Herr schlug mit seinem Spazierstöckchen nach demselben und traf das Weibchen so unglücklich , daß selbiges nach wenigen Augenblicken verendete. Kaum hatte das andere ge¬ flüchtete Wiesel diesen Vorfall aufrecht sitzend aus seinem Hinterhalte bemerkt, als es schnell herbeieilte, um seine getötete Genossin zu holen. Mit wahrer Todesverachtung und trotz mehrfacher, seitens der umstehenden Personen ent¬ gegengestellter Hindernisse wiederholte das Tier so oft seinen Anlauf, bis es ihm gelang, das Weibchen mit den Zähnen zu fassen und mit kaum glaublicher Eile und unter lautem Geschrei an einen im nebenseitigen Gebüsch liegenden sicheren Ort zu schaffen. D. Grouen. Litteratnr. Aus der Vorzeit der Fischerei. Von Ernst Friedei. Sammlung gemeinverständlicher wissenschaftl. Vorträge herausgeg. von R. Virchow und Fr. von Holtzendorff. 19 Ser. Heft 441/42. Berlin. Carl Habel 1884. 1 Mark. Es ist eine verdienstliche Arbeit, der Entstehung der Fischerei von deren ersten Anfängen an nachzuspüren, und Niemand dürfte für diese Aufgabe ge¬ eigneter sein als der Vorsteher des Märkischen Provinzial Museums in Berlin, unser geschätzter Mitarbeiter. Von den ältesten Höhlenbefunden an durch die jüngere Steinzeit bis in die Eisenzeit verfolgt er die Spuren, die auf den Be¬ trieb der Fischerei hinweisen, beschreibt er die gefundenen Geräte, Speere, Angeln, Netze u. s. w., sowie die aufgefundenen Fischreste und sucht er die Art und Weise darzulegen, wie in der betreffenden Zeit der Fischfang be¬ trieben wurde. Über alle Länder, soweit es überhaupt möglich, dehnt der Verfasser seine Untersuchungen aus und liefert damit ein anziehendes Stück Kulturgeschichte. Paul Mosers Notiz-Kalender als Schreibunterlage für das Jahr 1885. Verlag des Berliner Lithograph. Instituts (J. Moser) Berlin 1885. 2 Mark. Als etwas ungemein Praktisches für den Schreibtisch empfehlen wir unseren Lesern auch dieses Jahr wieder Mosers Notizkalender. Er ist in einer 351 Mappe von Kaliko, auf der einen Seite mit grünem Tuchpapier bezogen, ein¬ geschlossen und enthält ;Notizen über alles, was man etwa bei der Korrespon¬ denz zu wissen nötig hat, Tarife, Bestimmungen, Zeitangaben, Tabellen und dazu eine schöne Eisenbahnkarte vom Deutschen Reiche. N. Todesanzeigen. Leider haben wir den Verlust mehrerer geschätzter Mitarbeiter zu ver¬ zeichnen. Am 22. September a. c. verstarb zu Hietzing bei Wien Dr. Leopold Josef Fitzinger. Er war in Wien am 13. April 1802 geboren, bekleidete viele Jahre hin¬ durch die Stelle als Kustos am k. k. Hofkabinet in Wien und war auch noch nach seiner Pensionierung auf zoologischem Gebiete sehr thätig. Vorzugsweise war er mit Arbeiten über die Systematik der Wirbeltiere beschäftigt. N. Am 13. November starb zu Renthendorf bei Gera, seinem Geburtsorte, Dr. Alfred E. Brehm. Geboren am 2. Februar 1829 als Sohn des berühmten Ornithologen Pfarrer Brehm widmete er sich unter dem Einflüsse eines so ungemein thätigen Beobachters und Forschers ebenfalls der Zoologie. Als junger Mann machte er als Begleiter eine Reise nach Afrika mit und dorthin führte er auch seine junge Frau auf der Hochzeitsreise. Sein Name ist auch in die Geschichte der Zoologischen Gärten eingetragen. Im Januar 1863 trat er als Direktor in den Hamburger Zoologischen Garten ein und blieb daselbst bis zum Herbst 1866. Als am 10. Mai 1869 das Berliner Aquarium eröffnet wurde, geschah dies unter Leitung Brehms. Bis 1871 wirkte er in Gemeinschaft mit Bau¬ meister von Stiickradt, später bis zum 1. April 1874, wo Brehm seine Stelle niederlegte, mit dem jetzigen Direktor Dr. Hermes. Später unternahm er noch eine wissenschaftliche Reise nach Sibirien. Seine Hauptbedeutung hat Brehm als zoologischer Schriftsteller; sein Tierleben, bereits in zweiter Auflage erschienen, hat seinen Namen in der ganzen Welt bekannt gemacht. In den letzten Jahren seines Lebens hielt er in den meisten deutschen Städten Wandervorträge und diese führten ihn zuletzt nach Amerika. Ein Nierenleiden führte das Ende des körperlich stark entwickelten Mannes herbei. N. Am 23. November 1884 starb zu Berlin der Direktor des dortigen Gartens Dr. Karl August Heinrich Bodinus. Er war am 29. Juli 1814 als der Sohn eines Landwirts zu Drowelow bei Anklam geboren, studierte in Greifswalde und Berlin Medizin, wurde dann Arzt in Bergen auf Rügen und später in Greifswalde. Hier lag er fleißig seiner Liebhaberei, der Geflügelzucht ob, gab mehrere Arbeiten darüber 352 heraus und galt bald als Autorität auf diesem Gebiete. 1859 wurde er als Direktor an den neu begründeten zoologischen Garten zu Köln berufen und hier war seine Thätigkeit von solchem Erfolge gekrönt, daß ihm 1869 die nicht leichte Aufgabe übertragen wurde, dem ältesten deutschen zoologischen Garten, dem Berliner, der in eine üble Verfassung geraten war, auf die Beine zu helfen. Wie sehr ihm dies, allerdings mit Aufwendung großer Geld¬ mittel, gelang, ist bekannt; der Berliner Garten ist einer der ersten in der Welt geworden. Bodinus war eine allgemein beliebte Persönlichkeit und dies besonders auch bei seinen Untergebenen. Zu bedauern ist es nur, daß er durch Über¬ häufung mit Geschäften verhindert war, seine reichen Erfahrungen für die Nachwelt niederzuschreiben; docb war er gern bereit, jedem dieselben mit¬ zuteilen. Auf einem Feste, das ihm der Verein Cypria, dessen Vorsitzender er war, zur Nachfeier seines 70. Geburtstages gab, fühlte er sich unwohl; zu Hause angekommen machte ein Herzschlag seinem Leben ein Ende. N. Eingegangene Beiträge. L. W. in B. : Dank für die schöne Arbeit. — A. N. in B.: Das Heft wird Ihnen zugehen. Angenommen. — M. F. in B.: Besten Dank. — L. S. in H. : Wird bald besorgt. — Dir. Dr. H. in A. ('S. A.) — H. G. H. in D. : Angenommen. — L. G. in W. : Leider konnten wir Ihren Bericht erst jetzt abdrucken. Wir haben uns einige Kürzungen erlaubt. — E F. v. H. in St.: Besten Dank für die verschiedenen Mitteilungen, sie werden gern benutzt. — M. K. in 0. — A. .1. in C. — H. L. in M. — Th. N. in B. — E. R. in D. — .T. K. in H. : Herzlichen Dank für die freundliche Auskunft. — M. in B. : Ebenso, — M. S. in F. — Bücher und Zeitschriften. Dr. M. Schmidt. Über die Fortpflanzung des indischen Elefanten in Gefangenschaft Sep.-Abdr. „Kosmos“ 1884, II. Bd. Bericht über den Zoologischen Garten zu Dresden. April 1883—1884. Leunis Synopsis der drei Naturreiche. Erster Teil, Zoologie. 3. Auflage, bearbeitet von Prof. Dr. II. Lud wi g. 2ter Band, 1. Abteilung. Mit vielen Abbildungen. Hannover, Hahn’sche Buchhandlung 1884. 8 Mark. Jahrbücher der Deutschen Malakozoologischen Gesellschaft nebst Nachrichtsblatt. Red. von Dr. W. K ob eit. 11. Jahrg. HeftIV. Mit 3 Tafeln. Frankfurt a. M. Mor. Diesterweg 1384. Paul Mosers Notiz-Kalender als Schreibunterlage für das Jahr 1885. Verlag des Berliner Lithogr. Instituts (J. Moser). 1885. 2 Mark. Carl Schenkling. Die deutsche Käferwelt. Allgem Naturgeschichte der Käfer Deutsch¬ lands. 1. Lieferung. Mit 3 Tat Farbendruck. Leipzig. Oskar Leine r. 1885. Reportof the Museum Director, South Australian Institute, Adelaide, for tlie Nine Montlis euding June 30th, 1884. Dr. L. Wunderlich. Beiträge zur vergleichenden Anatomie und Entwickelungsgeschichte des unteren Kehlkopfs der Vögel. Mit 3 Taf. Inaugural - Dissertation. Sep.-Abdr. Nova Acta der k. Leop;-Carol. deutschen Akad. Bd. XL VTII. Prof. Dr. A. Neliring. Über Kassebildung bei den Inca- Hunden aus den Gräbern von Ancon. Sep.-Abdr. Kosmos 1884. II. Band. Stuttgart. E. Schwei z er bar t. 1884. Dr. E. Ehrenbaum. Untersuchungen über die Struktur und Bildung der Schale der in der Kieler Bucht häufig vorkommenden Muscheln. Inaugural-Dissertation. Mit 2 Taf. Leipzig. Willi. E n g elm ann. 1884. Dr. W. Fischer. Anatom.-histolog. Untersuchung von Capitella Capitata. Beitrag zur Kennt¬ nis der Fauna der Kieler Bucht. Mit 2 Taf. Marburg 1884. E. Friede 1. Aus der Vorzeit der Fischerei. Sammlung gemeinverständl. Wissenschaft!. Vorträge. Herausgeg. v. Virchow und v. Holtzendorff. XIX. Ser. Heft 441 — 442. Berlin. Carl Habel. 1 884. S. CI essin. Deutsche Exkursions -Mollusken -Fauna. _2. Aufl. 3 Lieferungen. Nürnberg Bauer & Raspe. 1884. Nachdruck verboten. Druck von Mahl an & Walilsehmidt Frankfurt a. M. Der Zoologische Garten. Zeitschrift für Beobachtung, Pflege und Zucht der Tiere. Herausgegeben von der „Neuen Zoologischen Gesellschaft“ in Frankfurt a. M. Redigiert von Professor Dr. F. C. Noll. Verlag von Maklau & Waldschmidt in Frankfurt a. M. N°- 12. XXV. Jahrgang, Dezember 1884. I n li a 1 1. Das Nilpferd des Zoologischen Gartens in Hamburg; von dem Inspektor W. L. Sigel. (Mit zwei Abbildungen.) — Ein amerikanischer Olm; von Dr. A. Zipperlen. — Nord¬ grenze des Tigers in Asien; von Dr. B. Langkavel. — Die Treppen- oder Sprossennatter ( Rhinechis scalaria Schinz) in der Gefangenschaft; von Job. v. Fischer. — Die Herstellung von Abbildungen für unsere Zeitschrift; von dem H e r au s g e b e r. — Korrespondenzen. — Miscellen. — Litteratur. — Todesanzeige. — Personal-Veränderungen. — Eingegangene Beiträge. — Bücher und Zeitschriften. — Das Nilpferd des Zoologischen Gartens in Hamburg.*) Von dem Inspektor W. L. Sigel. (Mit zwei Abbildungen.) Eine Gelegenheit, die eigenartige Bearbeitung, welche das Rauh¬ futter, bevor es verschlungen wird, in dem Maule unsres Pfleglings erfährt, kennen za lernen, bot sich uns in den ansgespieenen Heu¬ ballen dar, die namentlich zu Anfang dieses Jahres, wo die für Bachit eigens auserwählte Heusorte vermutlich Stoffe enthielt, die seinem etwas verwöhnten Gaumen nicht behagten, zu den öfteren Vorkomm¬ nissen zählten. Acht Stück solcher Heuballen hatte ich mir nach und nach gesammelt. Alle zeigten bezüglich ihrer Form eine so auffallende Ähnlichkeit untereinander, daß man in ihnen nicht etwa eine zu¬ fällige, sondern eine ganz konstante Wirkung des Kaumaschinismus unsres Tieres erkennen mußte. Wie die beigegebene Skizze veranschaulicht, sind diese Ballen gleichsam aus einem Stiele gebildet, dessen oberes Ende sich durch *) Vergleiche Jahrgang XXV, 2, S. 33. Zoolog. Gart Jahrg. XXV. 1884. 23 354 die es reichlich umschlingenden Halme zu einem rundlichen Knollen gestaltet. Bemerkenswert ist es, daß die sämtlichen mir vorliegen¬ den Objekte nur an dem Knollen¬ ende, und zwar wie abgeschnitten, angefressen waren. Hinsichtlich ihrer Größe variierten die Ballen nicht unbeträchtlich untereinander. Die Maße derselben ergaben im Minimum 20 cm , im Maximum 62 cm als totale Länge, die der größten Durchschnittsbreite der Knollen beliefen sich auf 4 respec- tive 9 cm. Bachits Exkremente, deren ich in meinem ersten Aufsatze bei unserm d. Z. einjährigen Tiere gedachte, haben, abgesehen von der durch den Mehrbedarf au Futter¬ stoffen bedungenen Quantumsver¬ größerung, auch bezüglich ihrer Gestalt Veränderung erfahren. Die früher in ihrer Form dem Pferde- miste nicht unähnlichen Auswurf¬ stoffe werden nunmehr in walzenför¬ migen Ballen ausgeschieden, deren Größe, abhängig von der Konsistenz der Masse, bisweilen geradezu er¬ staunlich ist. So fand ich beispiels¬ weise am 28. Januar d. J. einen Kotballen, der bei einem Umfange von 24 cm eine Länge von 43 cm aufzuweisen hatte. Leider hat sich unser Tier seit Juli d. J. einer, jedoch nur während der Sommer¬ monate beobachteten , wahrhaft Ausgespiener Heubaiien, ’/a der natüri. Gröf3e. ekelhaften Spielerei ergeben, die darin besteht, daß es den Hinter¬ körper aus dem Wasser erhebt und den Kot durch rasches Hin- und Herschlagen mit dem Schwänze nach verschiedenen Rich¬ tungen hin verspritzt. Ob diese Unart vielleicht eine Folge geschlecht- 355 lieber Regung ist, lasse ich dahin gestellt sein. Auffallend ist es aber gewiß, daß Bachit mit dem Auftreten der neuen Erscheinung auch die ersten Zeichen seiner Mannbarkeit erkennen ließ. Uber die in dem Gebisse beobachteten diesjährigen Fortschritte habe ich zunächst des jederseits sowohl im Ober- wie im Unterkiefer erfolgten Durchbruches eines neuen , zwischen dem zweiten Lücken- und ersten Backzähne hervortretenden einspitzigen Zahnes zu erwäh¬ nen, welcher jedoch am 20. August d. J. noch kaum bis zu seiner halben Höhe entwickelt war. Die großen Eckzähne des Unterkiefers, auf denen sich nunmehr die ersten schwachen Rillungen zu erkennen geben, hatten, soweit dieselben frei im Maule stehen, an dem gedachten Tage eine Länge von 11 cm. und an dem Zahnfleischrande eine Breite von 4 cm erreicht. Die beiden mittleren Schneidezähne des Unter¬ kiefers ergaben eine Länge von 3^2, eine Breite von 2 1/2 cm. In dem Grade wie Bachit mit fortschreitendem Wachstume zu einer immer plumperen Erscheinung gediehen, haben auch dessen Bewegungen an Unbeholfenheit zugenommen. Wenn wir jetzt unsern ja immerhin noch jugendlichen Koloß langsamen Schrittes auf uns zukommen sehen, den gesenkten Kopf beständig hin- und herwiegend, den feisten Körper, auf dem sich die Schulter- und Hüft¬ knochen in ihrer wechselnden Beziehung merklich über und unter die Rückgratslinie verschieben, mehr vorwärts wälzend , als diesen tragend, so sollte mau fast glauben, daß ihm eine solche Arbeit recht sauer würde. Weniger schwerfällig erscheint uns Bachit, sobald sich sein Gang zu einem Laufen beschleunigt, iudem alsdann mit der gestreckteren Körperhaltung, wobei auch der Kopf weit weniger ge¬ senkt ist, die schwankenden Bewegungen in den Hintergrund treten. Im Bade ist unser Freund noch immer derselbe geblieben. Hier ist das Phlegma der größeren Wohlbeleibtheit noch nicht gefolgt. Trotzdem Bachit im Allgemeinen der Ruhe sehr ergeben ist, so stellte sich doch auch bei ihm hin und wieder einmal Langeweile ein, die ihn zu der Untugend treibt, solche Gegenstände seines Käfigs, die nicht niet- und nagelfest sind, vermittelst seiner kräftigen Eck¬ zähne zu beschädigen. Die am 23. Oktober d. J. durch solchen Umstaud nötig gewor¬ dene Reparatur seines Holzfußbodens, aus dem er verschiedene Bret- stückchen herausgebrochen, sollte uns einmal wiederum zeigen, daß auch ein Nilpferd Widerwillen oder Furcht vor unbekannten Gerüchen an den Tag legt. Zwecks seiner besseren Haltbarkeit hatte mau nicht versäumt, den neuen Belag mit dünnem Theeranstrieh, auf den man, * 356 um der dadurch hervorgerufenen Schlüpfrigkeit zu begegnen, etwas Sand gestreut, zu versehen. Aber mehr als zehnmal kehrte der nicht nur den Boden, sondern auch die freie Höhe beschnuppernde Bacliit wieder in das Badebecken zurück, bevor er es, durch die ver¬ schiedenen uns zu Gebote stehenden Künste, wie z. B. Belegen des Käfigs mit einer Strohschütte, Hinhalten des gefüllten Futternapfes etc., dazu angeregt, überwinden konnte, den fraglichen Raum ganz zu betreten. Mit größter Hast verschluckte er alsdann sein Mengfutter, um hier¬ nach wieder mit der Untersuchung des Fußbodens, diesen eine Weile lang starr anglotzend, fortzufahreu. Selbst am nächsten Tage hatte sich die Scheu vor dem Theergeruche noch nicht ganz verloren, und es kostete auch hier wiederum Mühe, den Zauderer in das Verdacht erregende Gelaß hineinzulocken. So lange es die Witterungsverhältnisse gestatten, unsre Dick¬ häuter auf die Außenplätze zu lassen, muß Bachit an zwei Tagen in der Woche dem Rhinoceros das Bad auf einige Nachmittagsstunden gönnen. Das will nun aber natürlich unserm verzogenen Burschen gar nicht passen, und er sucht, wie ich seit Anfang dieses Jahres bemerkte, dieser für ihn so störenden Einrichtung auf das möglichste zu begegnen. Gelang es früher einem einfachen Zurufen des Wärters, ihn jederzeit aus dem Bade zu entfernen, so muß er sich jetzt, so lange die Futterstunde nicht geschlagen , meistens erst durch Über¬ listung unsern Wünschen fügen, was trotz seiner Stupidität nicht selten in eine wahre Geduldsarbeit ausartet. Wiederholt haben wir beobachtet, daß, wenn ihn ja einmal die Neugierde aus dem Wasser treibt, er solche in einem Moment befriedigt hat und sich dann mit einer unverkennbaren Eile seinem Lieblingsaufenthalte wieder zu¬ wendet. Im Freien, wo derartige Absperrungsfatalitäten nicht seiner harren, ist er nach wie vor fast immer dazu aufgelegt, den sich mit ihm beschäftigenden Persönlichkeiten auch außerhalb seines Bassins das Geleite zu geben. Bachits Respiration, die ich an dem auf dem Außenplatze liegenden, sich der völligen Ruhe hingebenden Tiere eingehend beob¬ achtet habe, ist, wie man schon aus dem Wasseraufenthalte desselben schließen durfte, auch auf dem Lande eine ebensowohl unregelmäßige wie kräftige. Die sich nicht selten von Minute zu Minute abändernde Zahl der Atemzüge variiert von dreien bis zu sieben in der Minute. Nach der Aufnahme der atmosphärischen Luft verengen oder schließen sich die Nüstern, um sich nach kürzerer oder längerer Pause wieder zu erweitern und die gebildete Kohlensäure unter schwachem und - 357 sehr gedehntem Schnaufen entweichen zu lassen. Je langsamer, je kräftiger die Atmung von statten geht, desto vollkommener sehen wir auch den Nasenapparat seine Fähigkeiten entfalten, der sich sodann während der Einatmung ebenso möglichst ausdehut, wie er sich nach derselben durch festes Zusammenpressen der Nasenränder vollkommen schließt. Wenngleich auch dieser Apparat der Herrschaft des Tieres unterworfen ist, so habe ich es doch niemals einseitig damit arbeiten sehen. Nur bei der oben angegebenen geringsten Anzahl der Atemzüge — also drei per Minute — pflegen dieselben in einem gleichmäßigen Tempo auf einander zu folgen ; wird jene Zahl überschritten, so ist unter ihnen mindestens einer, der die andern an Dauer in bemerkens¬ werter Weise überragt. Wie so manches andere hat sich auch die Textur der äußeren Hautschicht unsres Tieres im Laufe der Jahre verändert. Die früher durchgehends glatte Haut ist jetzt an einem großen Teile der Oberseite schwach chagrinartig genarbt. Auf dem fast völlig darin gedeckten Rücken in größter Ausdehnung hervortretend, ver¬ breitet sich dieses Gebilde au Größe abnehmend auf die Seiten¬ partien des Rumpfes, bis es allmählich zu feinen Rissen auslaufend und schließlich nur noch in Punkten eine Andeutung findend, sich auf der Unterseite ganz verliert. Am Kopfe und Halse, sowie an den Extremitäten stellt sich die Haut nur in den beiden letztgedachten Formen dar ; von einer eigentlichen Narbenbildung konnte ich hier nichts entdecken. Die fortgesetzten Be¬ obachtungen über die in¬ teressanteste Erscheinung an unserm Dickhäuter, die Schweißabsonderung, haben mir wiederum einiges Material zur Vervollstän¬ digung meiner früheren, diesen Gegenstand be¬ treffenden Mitteilungen ge¬ liefert. Die bräunlichen Flecke, mit denen bekanntlich die ganze Oberseite des Nil¬ pferdes wie besäet er¬ scheint, verdanken ihr Eut- o. b e Hautstück aus der rechten Seitenpartie unseres Tieres. (Natürl. Grösse). а. Furchen, welche die Haut bald schwächer, bald stärker markierend, nach den verschiedensten Richtungen hin verlaufen. б. Die aus dem Furchenlauf sich ergehende Felderung. c. Chagrinartige Narbierung auf der Haut, welche an diesem Körperteile die Felderung nur etwa bis zur Hälfte ausfüllt; einige Felder auch ohne Narben. d. Dunkle Flecke, hervorgerufen durch den auf der Haut angetrockneten Farbstoff des Schweißes. e. Kleine Risse, in denen die Schweißporen liegen. 358 stehen lediglich der Schweißabsonderung. Sie sind nichts weiteres als der auf der Haut abgelagerte und angetrocknete Farbstoff des Sekretes und können durch kräftiges Reiben mit dem benäßten Finger ent¬ fernt werden. Die Schweißporen, welche sich an manchen Stellen beim Ausspreitzen der Haut als sehr feine rundliche Ausschnitte zu erkennen geben, haben wir in der Felderung, vereinzelt auch in den Furchenlinien zu suchen. In der Stellung der Poren zu einander waltet, wie sich solches nach dem Schweißausbruche konstatieren läßt, eine gewisse Regelmäßigkeit. Am Kopfe sowohl wie längs der ganzen Rückenlinie stehen dieselben am dichtesten, je weiter dem Bauche zu, je mehr entfernen sie sich von einander. Während wir beispielsweise am Kopfe nur einen Abstand der Poren von etwa 3/ 4 cm beobachteten, belief sich der au den Rumpfseiten auf durchschnitt¬ lich etwa 2lh cm. Unser Tier schwitzt jetzt entschieden leichter als früher. Bis zu einer Temperatur von -j- 15° R. herab habe ich Bachit, wenn er sich auf dem Trockenen befand, fast regelmäßig und dann auch meistens ziemlich kräftig schwitzen sehen. Mit dem Sinken der Temperatur unter -}- 12° R. wird die Transpiration beim ruhigen Verhalten des Tieres, indem sich dann nur ganz vereinzelte Schweißtröpfchen zeigen, zu einer kaum nennenswerten ; doch schon geringe Erregung vermag auch bei dieser Mindertemperatur eine wieder lebhaftere Schwei߬ absonderung hervorzurufen. So habe ich zu verschiedenen Malen, als ich mich mit dem hauttrockenen Tiere beschäftigte, wobei es sich in seiner gewohnten Weise schwerfällig hin und her wälzte, inner¬ halb einer Minute den Schweiß am Kopfe und Rumpfe lebhaft hervorperlen sehen. Der durch das Bad erzeugte Schweiß gedeiht sowohl bezüglich seiner Menge wie auch des Gehaltes an Farbstoff niemals zu einer so hohen Entwickelung wie der sieb bei warmer trockener Haut ab- sondernde. Bei kühlerer Temperatur, unter deren Minimum ich etwa -f* 9—10° R. als die geringste Wärme des Hauses verstehe, ver¬ liert sich derselbe ungefähr innerhalb einer Stunde nach dem Ver¬ lassen des Bades; bei recht warmem Wetter gebt er, nach vorheriger Verminderung, zu dem, wie ich ihn nennen will, Landschweiße über. Der Schweiß reagiert in allen Formen, indem er rotes Lackmus¬ papier sofort intensiv blau färbt, gleich dem Speichel des Tieres stark alkalisch. Au der Hand dieser Beobachtung vermochteich zu konstatieren, daß eine, wenn auch nur äußerst geringe Transpiration jederzeit selbst im Bade stattfindet. 859 Die sehr nahe liegende Frage, ob bei der Verfärbung des Schweißes aus dem fast Wasserhellen bis in das Blutrote sich nicht auch äußere Einflüsse, wie z. B. die atmosphärische Luft, das Licht, geltend machen, ist nach meinen jüngsten Beobachtungen wenigstens nicht ganz zu verneinen, denn der wasserhelle Schweiß, auf Glasplättchen gesammelt oder vermittelst chemisch reinen Filtrierpapiers direkt von dem Körper entnommen, begann sich auf den Versuchsobjekten als¬ bald mehr und mehr zu dunkeln, bis man ihn nach dem völligen Eintrocknen in das bräunlich Lederfarbene umgestaltet sah. Gegen das inteusive Blut- oder richtiger noch Portwein-Rot, nach dem Ver¬ dunsten der Wasserteile tief dunkelbraun verbleibend, in welchem wir den Schweiß in seinem höchsten Stadium gesättigt sehen, ist jedoch jener Grad der Verfärbung nur als ein kleiner Bruchteil, in dem von einem wirklichen Rot auch nicht die Spur zu finden, auzusehen. In der Hauptsache haben wir daher die Umwandlung des Sekretes in der dem Tiere eigenen Farbstoffabsonderung zu suchen. Der bekanntlich keinem Farbeuwechsel unterliegende Schweiß der Lippenteile, mit dem ich gleichfalls in der oben beschriebenen Weise experimentierte, ließ nach seinem Eintrocknen auch keinerlei auffallende Rückstände erkennen. Zum Schlüsse erlaube ich mir noch das Ergebnis der Mes¬ sungen unsres Tieres vom 20. August d. J., dem ich wiederum das des Vorjahres zur Seite stelle, aufzuführen. Länge des Kopfes, von der Schnauzenspitze bis zwischen die Ohren . Breite des Kopfes zwischen der Basis beider Ohren Breite des Kopfes zwischen den beiden höchsten Punkten der Augenbogen . Länge des Nackens zwischen den Ohren bis zum Rumpf . /Die größte Breite i rt *-< S 6h © £ © ®g? • O co w ^ £ ™ ® e'S £ ts u ° b © •r; x o a> a^'5 OJ

30 1,60 1,42 » 1,05 » 94 1,15 1,03 93 87 35 » 32 360 20. August 20. August 1884, circa 1883, circa Entfernung der gesenktesten Stelle des Bauches 3x/a Jahr alt. 27a Jahr alt vom Fußboden . 25 Cm. 22 cm. Weiteste Ausdehnung das Unterkiefers in der Breite . 40^2 38 * Länge der Nasenöffnungen . 61/a » 5J/2 Länge der Ohren . 11 10 Abstand der Mitte beider Nasenlöcher . 15 12 » Den 9. November 1884. Ein amerikanischer Olm. Von Dr. A. Zipperlen. Vor 23 Jahren bekam ich in Chattanooga, Tennessee, einen Proteus. Derselbe war in einem unterirdischen Gewässer einer Höhle im Lookout-Mountain gefangen worden. Die Farbe im Leben war fast weiß, leicht rosa durchschimmernd, mit leichtem gelblich bräun¬ lichem Anflug auf der Rückenseite, hat sich aber im Alkohol all¬ mählich ins Braune verwandelt. Die ganze Länge ist 12 cm, des Kopfes 1 1|2 , des Leibes 4^2, des Schwanzes 6 cm. Die Anzahl der Zehen an den vorderen Extremitäten ist vier, au den hintern fünf. Der Kiemenbüschel sind drei auf jeder Seite. Die Augen sind außerordentlich klein und liegen sehr weit nach vorne gegen die Mundöffnung zu. In den Kiefern sehr kleine spitzige Zähne. Der Kamm des Ruderschwauzes erstreckt sich auf der Rückenseite bis zu den hintern Extremitäten, au der unteren Seite bis zur Hälfte des Schwanzes. Dem Rücken entlang ist als Fortsetzung des Kammes ein fadendünner Streifen. Der Körper und ein Teil des Schwanzes ist durch Einschnitte in Ringe geteilt und sind deren zwischen Kopf und vordem Extremitäten ein Ring, zwischen vordem und hiutern Extremitäten, sechzehn, hinter diesen am Schwänze noch sieb¬ zehn zu zählen, von denen die letztem immer undeutlicher werden. 361 Nordgrenze des Tigers in Asien. Von Dr. B. Langkavel. Die nachfolgenden Reihen beabsichtigen, aus den verschiedenen Notizeu von Reisenden, welche nach den klassischen Abhandlungen Karl Ritters und Brandts niedergeschrieben sind, die Nordgrenze der Verbreitung dieses Tieres genauer zu fixieren ; sie setzen auch die Untersuchungen Otto Schräders (Tier- und Pflanzengeographie) im Lichte der Sprachforschung als bekannt voraus. Nach den Berichten, die v. Sehren ck im Amurlande erhielt, soll der Tiger im Sommer seine Streifzüge bis an die Südküste des ochotskischeu Meeres ausdehnen ; sein Vorkommen auf der Insel Sachalin (Petermanns Mitteilungen 1860, 203) wird jedoch von der Russischen Revue (1882, 104) bezweifelt. Im Amurlande strom¬ abwärts hinter dem von Norden her einmündenden Nebenflüsse Bureja treten südliche Tier- und Pflanzenformen immer deutlicher hervor, die Spuren des Tigers kreuzen sich mit denen des nordischen Vielfraßes (Peterrn. Mitt.. 1862. 262 — 264). Im südlichen Teile des Bureja-Gebirges vernimmt der Jäger bisweilen in Entfernung von wenigen Klaftern das leise Knurren des »Herrentieres«. Da fängt er plötzlich den ihm von der Tigermutter zugeworfenen Blick auf ; er muß ihn ertragen und aushalten, wenn er gerettet sein will. Endlich macht eine schlängelnde Bewegung mit dem Schweife der zögernden Unentschlossenheit ein Ende, sie erhebt sich, um lang¬ samen Schrittes auf dem jenseitigen Ufer des Baches ein anderes Lager zu suchen. Wie der Irbis, so ist auch der Tiger am mitt¬ leren Amur stationär und beide begegnen dort dem Renn und Elen (Baer und Helmersen, Beitr. zur Kenntn. des Russ. Reichs, XXIII, 585; Wenjukow, Die russisch-asiat. Grenzlande, 130; Zeitschr. für Ethnologie V, 94). In der Gegend der Ussuri-Mündung verweilt der Tiger den ganzen Winter hindurch ; die wenigen Pferde, welche in Purmi gehalten wurden, zerrissen die Tiger vor fast zwei Jahr¬ zehnten und seitdem hat man auf die Haltung dieser Haustiere verzichtet (Peterrn. Mitt. 1856, 181 u. Tafel 10; 1861, 318; 1875, 80). Durch Tungusen erhielt R a d d e die Versicherung von dem Vorkommen des Tigers im ganzen Ching-gan - Gebirge. Man macht eifrig Jagd auf ihn, weil er im Winter besonders ihnen Pferde und Rinder raubt ; auch hier folgt er stets den Wildschweinen, seiner Hauptnahrung, auf frischer Spur (Zeitschr. f. allg. Erdk., N. F., 362 VI, 392 ; Journal of the R. Geogr. Soc., London, XXVIII, 420, 424, 440). Infolge der bekannten Notiz A. v. Humboldts in der Zeitsclir. f. allg. Erdk., III, 43, gab S e 1 s k i im ersten Heft der sibirischen Abteilung der Kaiserl. Russ. Geogr. Gesellschaft in Irkutsk ausführlichere Nachrichten über Tiger in Transbaikalien. Sie kommen nach diesem Lande häufiger aus der Mandschurei als aus der Mougolei, weil sie dann durch die Steppe ihren Weg nehmen müßten, und sind dort nur vorübergehende Gäste, die, wenn sie sich längere Zeit dort aufgehalten haben, ein zottiges und glanzloses Fell erhalten. Wie der Tiger, so verirren sich auch öfters der Jak, der Zwerghase und der Flamingo nach jenen Gegenden. In den 1880 erschienenen Briefen A. v. Humboldts an seinen Bruder Wilhelm wird auf S. 199 gleichfalls der Tiger in den Breiten von Irkutsk gedacht und versprengter Exemplare an den Ufern der Lena erwähnt die Zeitschr f. wissenschaftl. Geogr., 1882, 135. Wenn nun nach Transbaikalien die Tiger besonders von Osten her eindringeu und viel seltener aus den wildschweinleeren südlichen Steppen, so darf mau sich nicht wundern, westlich von Irkutsk auf ein Gebiet zu stoßen, das, wenngleich in derselben nördlichen Breite mit dem Baikal und dem Altai, doch von der Plage dieser Tiere befreit ist ; denn erst in dem südlichen Teile obigen Gebirges leben zu gewissen Jahreszeiten Elen, Tiger, Renn und Irbis zusammen (H. v. Schlagintwe.it, Reisen IV, 197). Im Museum zu Barnaul sah Atkinson (Oriental aud Western Siberia, 331) vier Tigerfelle, die von verschiedenen Örtlichkeiten dorthin gebracht waren ; eins stammte von einem, der 76 geogr. Meilen von Barnaul erlegt war; sie sind aber hier so selten, daß die Bauern sie nur dem Namen nach kennen. Am Ufer des Tentek (ca. 81° L. v. Gr. u. 46 ,/2 0 Br.) abwärts hinter den Bergen Tekely, den letzten Anhöhen, welche sich in die Steppe verlieren, traf v. Sehren ck im Sande Spuren, welche die Kirgisen als die eines Tigers erkannten. Diese verirrten werden dann den Herden höchst gefährlich (Peterm. Mitt. 1868, 82 ; Baer u. Helmersen, Beitr. VI, 306). An dem langgezogenen Becken des Baikasch und seiner durch Vertrocknung abgeschiedenen Fortsetzung, dem Becken der beiden Alakul - Seen, erreicht gleichfalls wie im Osten unter manchen innerasiatischen Tier- und Pflauzenformen auch der Tiger eine Grenze seines Verbreitungsbezirks ; denn seine stationären Wohn- 363 platze dehnt er nicht über die Schilfwälder der Balkasch-Niederung aus, wenn er auch bisweilen auf seinen kühnen Streifzügen bis in das Innere des Altai vordringt (Peterm. Mitt. 1858, 352, 353 ; 1868, 196, 399, 404; Wenjukow, 259; Zeitschr. f. allgem. Erdk., IV, 245 ; Finsch, Reise in Westsibirien ; Geographical Magazine, V, 288 : on the shores of Lake Balkash they are now (1878) much rarer than they were). Die Rohrdickichte im unteren Lauf der von Süden her in den östlichen Teil des Seebeckens fliehenden Lepsa scheinen der nördlichste Punkt der Polargrenze dieses Tieres hier zu sein ; wo er weiter nordwärts vorkommt, hat er sich nur verlaufen. Auch hier bilden Wildschweine seine Hauptnahrung. In der Nähe des Forts Kasala am Syr-Darja, nicht weit von seiner Mündung in den Aral - See, traf Kostenko auf seiner Reise von Chiwa her in den berüchtigten Schilfwäldern mit den zahl¬ reichen Rudeln wilder Schweine und vielen Fasanen auch Spuren des Tigers, desgleichen abwärts Chodjei'li (Peterm. Mitt. 1874, 335, 336 ; vgl. Wenjukow, 410 ; Zeitschr. f. allg. Erdk., IV, 180, 187 ; Humboldts Briefwechsel mit Bergbaus, III, 276 ; Journal of the R. Geogr. Soc., XXXVIII, 453 ; XLI, 149 ; Ujfalvy, Expedition fran^aise en Russie, II, 11 ; Petzholdt, Turkestan, 49. Wenn Vambery in seinen central - asiatischen Skizzen S. 121 u. 127 nach den dortigen Ufern Löwen versetzt, so hörte dieselben wohl einzig nur seine ungezügelte Phantasie). Von den an der Südküste des kaspischen Meeres hausenden Tigern streifen viele bei Asterabad umher, gehen bis Dengolan und au den Atrek (Zeitschr. f. allg. Erdk., N. F., XII, 350, 345 ; Polak, Persien, I, 190; Mitt. der Wiener Geogr. Ges., V, 103; Peterm. Mitt., 1880, 337; Yule, Book of Marco Polo, I, 144; O’Donovan, The Merv Oasis, I, 299 ; an der südwestlichen Seite gehen sie bis Lenkoran, wo sie jedoch verhältnismäßig klein, schwächlich und ziemlich harmlos sein sollen (Zeitschr. d. Ges. f. Erdk., XVI, 38; VH, 380; Peterm. Mitt. 1881, 51 u. Ergän¬ zungsheft 36, 35 ; v. Thielmanu, Streifzüge im Kaukasus, 258, 264). Die Chews’uren kennen den Tiger, obwohl er nie, auch nicht als Läufling, den Kamm des großen Kaukasus betrat. Seine nördliche Grenze bleibt hier im Talysch-Tieflande (Radde, Die Chews’uren, 82 ; Jahresbericht d. Ver. f. Erdk., Dresden 1865, 34 ; Ausland 1864, 721 ; Petzholdt, Der Kaukasus, I, 164). Aus dieser Gegend stammt auch wohl der Tiger, der mit Wildschweinen zu einer herrlichen Gruppe vereinigt im zoologischen Museum zu Tiflis auf- 364 gestellt ist (Jahresbericht a. a. 0. 1878, 15). Unter den Bronze¬ funden im Kaukasus, die älter als das siebente Jahrhundert sind, befindet sich auch die Darstellung eines Tigers (Zeitschr. f. Ethn. 1882, 106). Wir möchten im Anschluß hieran an Conzes Wort über die Anfänge der griechischen Kunst in den Sitzungsberichten der Wiener Akademie, LXXXIII, 1873, S. 225 erinnern : In Vorder- Asien und auf denjenigen griechischen Vasen, welche von dorther ihr System der Dekoration tragen, herrschen Löwen und Tiger, seit lange her als feste Schemata gebildet, vor ; sie fehlen aber auf denen alteuropäischer Kunst, weil sie im Norden nicht wie in Vorder- Asien bekannt sein konnten. Daß Tiger am Ararat fehlen, wurde schon in den vierziger Jahren von Ritter (Erdkunde, X, 484) und später von Wagner (Reise nach dem Ararat, 160) nachgewiesen. Dort kommen näm¬ lich wegen des mangelnden Wassers außer Hasen keine pflanzen¬ fressenden Tiere vor ; weil nun, wenn auch aus anderen Gründen, die Ruminantia am Ida fehlen, so glaubte Schliemann (Unsere Zeit, v. Gottschall, 1881, 366), daß ein einstiges Vorkommen dieses Tieres nach Stellen der Ilias höchst unwahrscheinlich wäre. Tchi- hatchef berücksichtigte in seinen jüngsten Bemerkungen über die Tierwelt Kleinasiens (Deutsche Revue, v. Fleischer, 1884, H. 11, S. 199) Schliemanns Ansicht nicht. Die Treppen- oder Sprossennatter (JRhinechis scalaris Schinz) in der Gefangenschaft. Von Joh. v. Fischer. Diese schöne, aber nirgends häufige Schlange bewohnt Italien, Süd-Frankreich, ganz Spanien und das nördliche Afrika. Sie hält sich an absolut trockenen Orteu auf. Namentlich findet man sie zwischen 11 Uhr vormittags und 1 Uhr nachmittags im Sommer während der starken Hitze auf dem Boden, am Fuße eines Strauches oder auf den Zweigen eines solchen im Teller zusammengerollt, sich sonnend, liegen. Sie sucht mit Vorliebe Hecken und Weinberge auf, wo sie geschickt auf Vögel, Mäuse und Eidechsen Jagd macht. Sie ist nicht leicht zu fangen, da sie ungemein scheu und vorsichtig ist und bei der geringsten Annäherung fortgleitet, um 365 im Gezweige des Nachbarbusches oder in einem Erdloch zu ver¬ schwinden. Sie bedarf zu ihrem Gedeihen eines möglichst trockenen, warmen oder doch temperierten und der Sonnenglut ausgesetzteu Terrariums. Meist verbringt sie den größeren Teil ihres Lebens in der Gefangenschaft auf einem Aste, manchmal mit vielen anderen Schlangenarten zu einem Knäuel zusammengerollt, zu, und kriecht nur während der intensivsten Sonnenhitze umher. Auch liebt sie es, unter das Wasserbecken, zwischen Steine etc. zu kriechen, um sich da zu verbergen. Sie variiert nach Alter und Geschlecht sehr. — Allerliebst sind die jungen Tiere, deren von der Elternform gänzlich abweichende Färbung den Laien oft veranlassen kann, dieselben für eine ver¬ schiedene Alt zu halten. Von der schönen braunen Färbung ist noch keine Spur vorhanden. Die einzigen Färbungen sind schwarz und bräunlich - weiß, weshalb die Tiere ungemein buntgefärbt er¬ scheinen und unwillkürlich an das Kleid des Buntspechts erinnern. Erst mit dem zunehmenden Wachstum erscheint nach mehreren Häutungen erst eine braungraue, dann graubraune Färbung mit der charakteristischen Leiterzeichnuug, die mit dem Alter wieder gänz¬ lich verschwindet, und nur noch die zwei äußerst scharf gezeich¬ neten, schwarzen parallel laufenden Längsstreifen bleiben. Dabei färbt sich das ganze Tier in ein schönes gelbbraun oder auch braungelb, welches nur kurz vor der Häutung düsterer wird, um gleich nach derselben in den schönsten Farben zu prangen. Die Sprossennatter ist sehr flink und gleitet mit Blitzesschnelle von Ast zu Ast, von Zweig zu Zweig oder verbirgt sich, wenn auf dem Boden, in dichtem Grasgestrüpp. Sie ist frostiger Natur und verkriecht sich an sonnenarmen Tagen unter große Steine, in hohle Baumstämme, Erdlöcher etc. Nässe liebt sie ebenfalls nicht, dafür aber die brennendste Sonnenglut, in der sie ihren schönen Körper zu durchwärmen liebt. Sie ist ein ächtes Tagtier und verbirgt sich lange vor Sonnen¬ untergang. Ihre einzige Stimmesäußerung ist ein lautes Zischen, das beim Weibchen etwas höher klingt und auch nicht ganz so laut wie bei dem Männchen ist. Sie kann anderen Schlangen gegenüber als durchaus verträg¬ lich bezeichnet werden. Nie sah ich sie eine andere Schlange 366 angreifen oder gar verzehren. Dagegen ist sie dem Menschen gegenüber total unantastbar. Sie ist mutig und dreist, zornig und mißtrauisch. Selbst jahre¬ lang in der Gefangenschaft gehaltene Exemplare lassen sich nicht zähmen und fahren wütend und unter lautem Zischen nach der vorgehaltenen Hand, ja man kann nicht einmal am Terrarium vorübergehen, ohne ihren Jähzorn zu erwecken. Sie fährt gegen die Scheibe oder gegen die Drahtgaze mit wütendem Zischen los und stößt mit der Schnauze nach der sich bewegenden Person zu. Die Folge dieses unsinnigen Gebahrens ist die Verletzung der Nasen¬ kuppe am Drahtgitter der Scheibe, worauf gewöhnlich die schön¬ gestaltete Rostrale abfällt und die Schuauze oft blutrünstig wird. Trotz dieser anscheinend unliebsamen Eigenschaft ist die Sprossenuatter doch ein Kleinod für Terrarien. Sie ist ausdauernd, genügsam und ziert jeden Behälter durch ihre schmucke Gestalt und Färbung im höchsten Grade. Dazu kommt ihre leichte Fort¬ pflanzung in der Gefangenschaft, die sie noch schätzbarer macht. Die Sprossennatter ist als ein vorwiegend nützliches Tier zu bezeichnen ; denn wenngleich sie in der Freiheit hie und da einmal einen Vogel (namentlich sind es die Sperlinge, denen sie nachstellt) verzehrt und gelegentlich ein Nest plündert, indem sie die Jungen verschlingt, so besteht ihre Hauptnahrung aus Mäusen (namentlich Arvicola- Arten) und als Beikost nur aus Eidechsen. Wie ich bereits erwähnt habe, wird meines Wissens diese Art niemals zahm und greift ihren Besitzer selbst nach jahrelanger Gefangenschaft mit derselben Wut an wie am ersten Tage. Ihre Verteidigungsmittel bestehen im Fliehen und im Beißen. Der eränzlich unbedeutende Biß kann schmerzhaft werden, wenn man O 7 den erfaßten Finger oder die erfaßte Hand plötzlich und mit Heftigkeit fortzieht, wobei die Zähne leicht tiefe und lange Risse machen. Selbst junge, kaum 20 cm lauge Tiere beißen lustig drauf los und zischen laut. Die Intelligenz steht unter der der Kielrückennattern ( Tropido - notus), die alle sich leicht an die Gefangenschaft gewöhnen und recht zahm werden. Das Auge ist sehr scharf ; sie sieht bei Tage auf selbst weite Entfernungen vortrefflich ; mit dem Schwinden des Tages jedoch erlahmt auch ihre Sehkraft. Die Nahrung der gefangenen Sprossenuattern besteht in Mäusen, Sperlingen und (namentlich grünen) Eidechsen. Junge Tiere nähren 367 sich von Mauereidechsen, die sie bald auch im toten Zustande zu fressen lernen. Daneben, namentlich in den ersten Lebenstagen, verzehren sie mit Vorliebe Larven der verschiedenen Heuschrecken (Acridium lineatum etc.) und später, wenn sie älter geworden sind, auch das fertige Tier. Wenn man sie mit Eidechsen füttert, so muß man ihnen nur kleine reichen, da sie sie sonst zu schwer bewältigen können und namentlich, wenn das Tier schon lange vorher gehungert hat, es unter heftigem Würgen aus wirft, darauf wieder auffrißt, dann wieder auswirft, um endlich zu Grunde zu gehen. Ein 21 cm langes Exemplar fraß bei mir einst eine 15,5 cm lange Mauereidechse, die vou einer Girondennatter ausgeworfen war. Der Schlingakt dauerte 6 Stunden und das Tier war durch den¬ selben derart erschöpft, daß es bald darauf starb. Die Sprossennatter ist äußerst launischer Natur. Bald geht sie sofort ans Futter, bald weigert sie sich monatelang, irgend welche Nahrung zu sich zu nehmen und zwar oft unter den gün¬ stigsten Bedingungen, denen man sie aussetzt. Die meisten fressen schon zwischen dem dritten und dem dreißigsten Tage ihrer Ge¬ fangennahme. Nur wenige, wenn mau ihnen selbst die natur- gemäßesten Bedingungen bietet, ziehen vor, lieber Hungers zu sterben, als irgend etwas anzurühren. Die Sprossen- oder Treppenuatter bedarf eines Wasserbehälters, denn sie trinkt zwar sehr selten (oft wochenlang nicht), dann aber lange und recht viel. Die Paarung geschieht bei den meisten in der Gefangenschaft ohne viel Umstände und es lassen sich die paarungslustigen Ge¬ schlechter nur schwer bei diesem Geschäft stören. Die mehrmalige Paarung geschieht sowohl in der Gefangenschaft als im Freien stets auf der Erde und dauert aufaugs 8 — 20 Minuten, dann aber meh¬ rere Stunden. Nur äußerst selten sah ich die Sprossennattern ihre ersten Vorbereitungen zur Paarung auf dem Strauch oder künst¬ lichem Gezweige vornehmen. Die erste Paarung geschah bei mir am 8. Juni 1883. Am 22. Juli, also nach 25 Tagen, erfolgte die Ablage von 5 Eiern. Ara nächsten Tage, also am 26. Tage, wurden weitere 4 Eier abgesetzt, demnach bestand das Gelage aus 9 Eiern, also ist die Sprossennatter nicht sehr fruchtbar, woraus sich auch ihre nicht große Häufigkeit erklären läßt, indem sehr viele Eier verunglücken und die überaus schwerfälligen Jungen leicht Beute ihrer Feinde werden. 368 Die Eier waren rein weiß, lederhäutig und langgestreckt. Ihre Dimensionen variierten von 45 mm Länge und 21 mm Breite bis 59,50 mm Länge und 19,50 mm Breite. Zwei von ihnen klebten nach Art der Ringelnattereier aneinander. Die eierlegende Schlange verkroch sich schon tags zuvor unter das Wasserbecken, uuter dem sie nur mit Mühe vertrieben werden konnte, was sie nicht hinderte, sich gleich darauf wieder zu ver¬ kriechen. Sie verblieb darunter bis zur vollständigen Eiablage, worauf sie wieder auf die Aste stieg. Die Eier wurden sofort herausgenommen, in ein weithalsiges Einmachglas mit mäßig feuchtem Sande und Moos gelegt und das Ganze der Sonnen wärme ausgesetzt. Nach drei Wochen öffnete ich ein Ei und fand in demselben ein deutlich erkennbares, lebens¬ kräftiges Schlangenembryo. Leider verunglückten mir die übrigen Eier, indem ein Regenguß sie alle in Fäulnis übergehen ließ, da meine Zuchtterrarien mit Eiern von Hemidactylus , Phyllodadylus und Gymnodadylus u. v. a. überfüllt waren und ich die Ausbrütung im Freien wagen mußte. Die Sprossennatter gehört zu den selteneren Erscheinungen des Tiermarktes, da sie in ihrer Heimat keineswegs häufig ist, außerdem schwer zu fangen ist und selbst von den geübten Fängern ihres jähzornigen und unbändigen Naturells wegen sehr gefürchtet wird. Sie gehört entschieden zu den schönsten und dauerhaftesten europäischen Schlangen und gereicht jedem Terrarium zum höchsten Schmuck. Sie ist keineswegs hinfällig, einige alte störrische Individuen ausgenommen, und überstellt selbst weite Transporte vortrefflich (erhielt ich doch 11 Exemplare von Alicante nach St. Petersburg alle lebenskräftig und gesund!), bedarf aber in der ersten Zeit behufs ihrer Eingewöhnung der größten Ruhe in ihrer Umgebung. Man kann diese Art von Siebeneck iu Mannheim, Geyer in Regensburg, Kurnss in Warmbrunn, noch besser aber direkt vom Laboratoire d’Erpetologie iu Montpellier (Frankreich) beziehen. Aus dem letzten Institut erhält man sie lebenskräftiger, rascher und billiger, und man ist gewiß, nur lebens¬ kräftige Tiere zu erhalten, da selbst schwache Ankömmlinge von dem Institut ohne jede Entschädigung ersetzt werden. 369 Die Herstellung von Abbildungen für unsere Zeitschrift. Von dem Herausgeber. Ziemlich oft werden mit den eingehenden Aufsätzen und Mitteilungen auch Bleistiftzeichnungen eingesandt mit dem Wunsche, daß dieselben als Holzschnitte hergestellt der betreffenden Nummer der Zeitschrift beigegeben werden möchten. Meistens müssen die skizzierten Entwürfe erst umgezeichnet werden, ehe sie auf den Holzstock oder auf die Zinkplatte gebracht werden können; oder fertige Zeichnungen müssen, wenn sie gut ausgefükrt sind, auf das Zink durch Photographie übertragen werden. Diese Verfahren verteuern die Herstellung von Arbeiten so sehr, daß es oftmals nicht möglich ist, die eiugesandten Zeichnungen auszuführen. Es dürfte vielleicht manchem unserer Mitarbeiter erwünscht sein, eine Methode des Zeichnens kennen zu lernen, die es ermöglicht, die Abbildung direkt von dem Originale auf die Zinkplatte Über¬ drucken zu können, und da diese Methode für jeden, der überhaupt zeichnen kann, so leicht ausführbar ist, so möchten wir unsere Herrn Mitarbeiter bitten, sich in vorkommendem Falle derselben bedienen zu wollen. Als Papier nehme man ein dünnes und glattes Papier, am besten gut geglättetes Postpapier. Vor dem Zeichnen empfiehlt es sich, dasselbe mit recht dünnem Kleister oder einer Lösung feinen Leims mittels eines zarten Schwämm¬ chens zu überstreichen. Ist das Papier glatt getrocknet, dann liegen dessen Fasern fest auf und die Feder kann solche nicht mitreißen. Auf diesem Pa¬ piere wird nun mit einer Zeichenfeder und mit lithographischer Tusche die Zeichnung in der Weise ausgeführt, wie sie zum Abdruck gelangen soll. Von den verschiedenen im Handel vorkommendenSorten Tusche sind am meisten die von Lemercier oder van Hymbeck zu empfehlen; sie werden mit Wasser so dünn als nötig angerieben. Buchstaben oder Ziffern, die den Figuren zur Erklärung beigegeben wer¬ den sollen, müssen natürlich von rechts nach links geschrieben werden, weil sie bei dem Drucke umgekehrt kommen. Die so ganz einfach hergestellte Zeichnung wird mit dem Manuskripte eingesandt. Sie kann direkt auf die Zinkplatte übergedruckt werden, worauf letztere nur noch geätzt und auf einem Holzklötzchen befestigt werden muß, um druckfertig zu sein. Da dies die billigste und schnellste Art ist, Illustrationen herzustellen, so kann man um so leichter und häufiger letztere den Aufsätzen beigeben. Korrespo n d e n z e n. Stolp i. Pommern, im Septbr. 1884. Die Adler Livlands. Der Seeadler. Zu den interessanten Mitteilungen des Herrn Baron v. Krüdener über die Adler Livlands *) möchte ich mir einige Bemerkungen erlauben. *) Seite 253 dieses Jahrg. Zoolog1. Gart. Jahrg-. XXV. 1884. 24 370 Vor etwa 50 Jahren erhielt ich aus Neuvorpouimern (im Dezember) einen jungen Seeadler, der auf dem Hofe eines Bauern erlegt war. Die Thatsache wurde uns folgendermaßen berichtet: „Auf ein halbjähriges Schwein stößt der Seeadler. Der Baner verjagt ihn mit einem Knittel; doch der Adler schlägt eine auf einem Baume sitzende Katze und als der Bauer ihn auch dort angreift, schlägt er seine Fänge in die Lenden des Bauern, so daß derselbe sich nur mit Hülfe der Nachbarn befreien kann.“ — Der Vogel war sehr ausgehungert. Der Steinadler. Die in Wien auf dem Kongreß ausgestellte schöne Gruppe von Steinadlern (dem Herrn Grafen v. Dzieduszycki gehörig) kann nicht als Beweis, weder für, noch gegen zwei Arten (Gold- und Steinadler) betrachtet werden, denn die Form eines echten Goldadlers war nicht vertreten. Derselbe ist in den Gebirgen der österreichischen Monarchie, der Schweiz, oder anderen südlichen Gegenden, als Brutvogel noch niemals aufgefunden, mit einziger Ausnahme Griechenlands. In Lappland und auf dem Ural hin¬ gegen ist er wohl allein, mit Ausschluß des Steinadlers vorhanden. Ob Art oder klimatische Varietät, will ich hier nicht entscheiden, muß aber wieder¬ holt bemerken, daß die Naumann’sche Diagnose über beide Arten nicht richtig ist. Der junge Goldadler hat ebensowohl, wie der Steinadler einen an dem Wurzelteile weißen, wie der alte Steinadler einen dunklen Schwanz. Der Schreiadler. Auch mir ist es in meiner langjährigen Erfahrung, wo ich viele Horste beobachtete, niemals vorgekommen, daß ein Vogel drei Eier gelegt hätte, auch hat mir dies kein sicherer Sammler meiner Bekannt¬ schaft berichten können. Auch ich hatte den Schreiadler bisweilen in der an¬ gegebenen Höhe (12 — 15 Fuß) horstend gefunden, nie an der Spitze des Baumes. Es erscheint mir sehr wahrscheinlich, daß auch der Sc hei lädier, Aquila clanga P., in Livland horstet. Gewiß ist, daß derselbe in Ibenhorst (Ostpreußen) bisweilen nistend vorkommt. Ich möchte daher an die dortigen Jagdbesitzer die Bitte richten, darauf gütigst achten zu wollen. Auf Wunsch bin ich auch bereit, in diesen Blättern eine Diagnose beider (sicherer) Arten zu geben. E. F. v. flomeyer. Darmstadt, im September 1884. Eier exotischer Vögel. Die Purpurkr onfinken vou Ecuador (XXIV. Jahrg. No. 12 d. Zeitsehr.) verdienen, daß die Leser noch einmal an sie erinnert werden. Die Eier dieser Vögel, nunmehr an 4 Gelegen fest¬ gestellt, sind rein weiß, in Form und Größe gleichen sie den gewöhnlichen Sperlingseiern und mit diesem einheimischen Finkenvogel hoben die Amerikaner augenscheinlich Fruchtbarkeit wie Sorglosigkeit im Nestbau gemein. — Brutperiode 1884: Vom 9.— 12. April wurde in trockenem Buschwerke ein neues Nest erbaut. Das erste Ei, am 15. April gelegt, zerbrach, jedoch noch am nämlichen Tage ist ein im Nachbargezweig befindliches vorjähriges Webernest besichtigt, beschlagnahmt und rasch ansgebaut. Das erste Junge verließ diese Wiege am 13, das zweite am 14. Mai. Zweites Gelege im unverändert gebliebenen nämlichen Neste: 22. Mai erstes Ei, 24. Mai zweites 371 Ei, 2. Juni erstes Junges, 4. Juni zweites Junges. Am 12. Juni verließ ein Junges das Nest, das andere lag tot in demselben. Drittes Gelege wieder im gleichen Neste 20., 21., 22. Juni wieder je 1 Ei, 1., 2., 3. Juli wieder je 1 Junges, 11., Juli 1 Junges, 12. Juli 2 Junge ausgeflogen. Viertes Gelege im unveränderten Neste 19., 20, 21. Juli je 1 Ei, 30., 31. Juli und 1. August je 1 Junges. Diesjähriges Zuchtergebnis bis jetzt also 9, eigentlich 10 Köpfe, d. h. sämtliche Eier auch befruchtet und ausgekommen, ein Erfolg somit, welcher die kühnsten Erwartungen hinter sich läßt. Fast zu gleicher Zeit, als im v. J. die erste Brut der Purpur krön- finken gemeldet werden konnte, waren auch die Madraswachteln (cot. cam- bayensis) in verschiedenen deutschen Stuben zur finklichen Brut geschritten, nach¬ dem sie vielfach schon durch ihren beispiellosen Eiersegen den erwartungs¬ vollen Pfleger überrascht und ermutigt. Ein von 4 Geschwistern hier allein lebend gebliebenes vorjähriges Männchen hat sich noch nicht vermausert, schlägt aber bereits aus. Die Eltern hatten reichlich 50 Eier geliefert, alle aber un¬ befruchtet, bis auf das letzte Gelege von 5 Stück, und sie alle waren immer in Form und Größe einander genau gleich, aber in der Zeichnung überaus ab¬ weichend bei jedem neuen Gelege. Die allerersten machten noch am ehesten einen „fremdländischen“ Eindruck. Aus 3 verschiedenen Gelegen stammend, waren 19 Eier teils schmutzig weißgelb mit ganz weißen wie erhabenen unregel¬ mäßigen Spritzpunkten und glänzend wie lackiert, teils schmutzig weißgelb mit weniger Spritzpunkten und ohne Glanz, teils rein blaßgelb ohne Glanz und ohne Punktierung. Aus letztgemeinten fielen auch die Jungen. Die Eier hatten einen inneren Poldurchmesser von 30 mm bei 20 mm Mitteldurchschnitt (6 cm dickster Umfang). Neben ihnen sind einheimische Wachteleier heller und dunkler braungelb mit teils sehr dichten kleinen, teils vereinzelten größeren dunkelbraunen Flecken und abweichenden Maßen von 37 — 40 mm Länge, bei 67 — 72 mm Dicke, zusammengesetzt aus 3 verschiedenen Gelegen ganz verschiedener Gegenden. Dem entsprechend sind auch die Größenver¬ hältnisse der beiden Vogelarten zu einander, und wiederum die weit später eingeführte chinesische Zwergwachtel (cot. chinensis ) ist kaum halb so groß wie die Madraswachte], trotzdem sind ihre Eier verhältnismäßig sehr groß, nämlich sie haben eine Länge von 25 mm, einen äußeren Umfang in der Mitte von 19 mm, einen inneren Durchmesser von 16 mm. Überaus an¬ sprechend erscheinen die Eier. Sie haben auf teils einfarbig graugrünem, teils braungelbem Grunde in eigenartigem Farbentone, ähnlich den jetzigen Damenkleidermodestoflen, zarte kaum nur angedeutete dunkelbraune Pünktchen, unregelmäßig verteilt über die ganze übrigens glänzende Schale. Auch die zierliche chinesische Wachtel dürfte bald mehr zur Brut ge¬ langen. Meines Wissens hat zwar erst Fräulein Hagen beck, Hamburg sel¬ ber, der wir auch diese Einführung verdanken, sie glücklich gezüchtet, aber die von ihr hierher gelieferten beiden Pärchen haben beiden Besitzern bereits vorläufig durch Gelege von zusammen 7 Stück die Hoffnung auf Nachwuchs wachgerufen. Einige tadellos präparierte Eier werden vertauscht. 372 Von den Madraswachteleiern suchte Herr Ober-Amtmann Nehr- korn zu Tauschzwecken mit Amerika und Australien bei mir kürzlich bis 50 Stück, und das naturhistorische Institut Linnaea, Frankfurt a. M. teilte mir Ende Juli mit, daß von anderer Seite mehrere Eier bei ihm eingelaufen. Eduard Rüdiger. Schönkirchen bei Kiel, 25. Oktober 1884. Albinismus einer Ringelnatter (Tropidonotus natrix). Ein hier am 18. Oktober d. J. in meinem Garten, wo sich Mistbeete befinden, in denen jähr¬ lich große Mengen dieser Tiere ausgebrütet werden, gefangenes junges Exem¬ plar der genannten Schlange von 17 cm Länge, welches sich lebend in meinem Besitz befindet, ist ein Albino. Die Oberseite ist hell fleischfarbig, die Nacken¬ flecken sind schön orangegelb; die kleinen Flecken längs des Rückens sind durch einen etwas rötlicheren Ton von der Grundfarbe zart abgehoben. Die Farbe der Unterseite geht mehr ins Weißliche und erscheint nur eben röt¬ lich-gelblich angehaucht. Die Eingeweide scheinen blaurötlich durch. Die Augen sind hell kirschrot, die Pupille hebt sich durch ein um ein geringes dunkleres Rot ab. Die weißen Flecken in der Augengegend sind deutlich. Der zarte rötlichweiße Farbenton giebt dem Tiere ein ungemein angeneh¬ mes Ansehen und ich wünsche, daß mir das Aufziehen desselben, welches indeß Schwierigkeiten haben dürfte, gelingen möge. II. F. Wiese, Ingenieur. Bern, den 3. November 1884. Verändertes Benehmen eines Hundes. Eine Beobachtung am Ova- l’ium des Hundes machte mir es wünschenswert, ein solches von einer zum ersten- rnale läufigen Hündin möglichst frisch zu untersuchen. Zu diesem Zwecke wurde im August dieses Jahres eine junge Hündin gekauft, welche indessen erst im Oktober einen Hund zuließ. So wurde das Tierchen längere Zeit beobachtet; es war anfangs scheu, später aber zutunlich; immer war es reinlich, so daß es gut zu halten war. Am 16. Oktober wurde das Tier belegt. Nach Aussage des Wärters — des an der Haltung von Hunden nicht unerfahrenen Dieners der anatomischen Anstalt an der hiesigen Tierarzneischule — wurde von diesem Tag an das Benehmen des Tieres ein ganz verändertes; es wurde unzugäng¬ licher und vor allem unreinlich, derat, daß es nicht mehr im Zimmer ge¬ halten werden konnte. Am 26. Oktober wurde es getötet; es fanden sich 5 Eier im Uterus von etwa Stecknadelkopfgröße, die Befruchtung war also erfolgt. Das Interessante ist die Änderung des psychischen Verhaltens des Tieres, die gewiß mit den Änderungen im Leben schwangerer Frauen verglichen werden darf. Da, wie mir mein Kollege Professor Be r der, Direktor der hiesigen Tierarzneischule mitteilt, bisher ähnliche Beobachtungen nicht verwertet sein sollen, glaube ich, dieselbe hier anführen zu dürfen. Gewiß werden Hundebesitzer und vor allem Züchter ähnliches genug mitzuteilen haben. Prof. Dr. M. Fl e sch. 373 Otterberg Rheiupfalz, November 1884. Pneumaticität beiTritonen. Bezugnehmend auf den Artikel des Herrn Professor Dr. H. Landois in No. 10 der Zeitschrift »Der zoologische Garten« über die Fähigkeit mancher Tiere, Luft in ihre verschiedenen Organe eintreiben zu können, möchte ich der Redaktion einen Fall mitteilen, der meiner Ansicht nach hierher gehört und vielleicht noch weniger beobachtet wurde. Wenn ich nämlich im Frühjahr zum Zwecke der Versendung dieser Tiere Tritonen sammeln lasse, von denen sich oft Hunderte im Verhältnis zu ihrer Zahl in engem Raum herumtummeln müssen, so mache ich öfters die Beobachtung, daß Tiere des gemeinen Triton taeniatus , besonders deren Weibchen, vom Hals bis zur Schwanzwurzel in einer Weise aufgeblasen erscheinen, daß sie etwa den öfachen Umfang ihres normalen Körpers zeigen, dieser in solcher Form straff angetrieben ist und die Füße in den Rumpf förmlich eingesteckt erscheinen, d. h. beinahe unbeweglich abstehen, durch welche Umstände dem Tier seine freie Bewegung völlig unmöglich ist; es liegt auf dem Rücken und der fisch¬ blasenähnlich aufgetriebene Leib schwimmt (auf) über der Wasserfläche. Berührt man nun ein hiermit befallenes Tier, so bewegt es einigemal den Kopf und schnellt dann unter schlängelnden Bewegungen des hiervon unberührten Schwanzes über den Wasserspiegel hin, besonders den Glaswandungen entlang, daß dabei sein Bemühen, aus dieser ungewöhnlichen und lästigen Lage herauszukommen, nicht zu verkennen ist. Natürlich gelingt ihm dies nicht und nach kurzer Zeit schwimmt der erkrankte Molch wieder erschöpft regungslos auf dem Wasser. Von dieser eigentümlichen Krankheit befallene Tiere lebten in diesem Zustand oft noch tagelang, ohne daß ich eine Abnahme ihres abnormen Umfanges wahr¬ nehmen konnte, schließlich aber fand ich sie abgestorben. Ob sich nun auch manche wieder hiervon erholen konnten, war mir leider nicht vergönnt, beobachten zu können. Das Entstehen dieses sicher (?) nur auf dem Eintreiben von Luft in die Eingeweide oder unter die Haut beruhenden abnormen Zustandes dürfte sich vielleicht aus folgendem erklären: Erscheinen im Frühjahr in den das erste Grün zeigenden Wassergräben unserer Wiesenthäler die Tritonen, so bemächtigt sich der hiesigen Jugend, weil sie daraus ihren guten Nutzen zieht, ein fieber¬ haftes Bestreben, mir recht viele dieser Tiere zu übermitteln, und daß sie bei deren Fang nicht gerade sehr schonend mit den harmlosen Geschöpfen ver¬ fahren, ist natürlich. Dieselben werden in Gefäße aller Art gestopft, oft stunden¬ lang in diesen herumgetragen, gerüttelt und geschüttelt, und damit dürfte viel¬ leicht das Eintreten obiger Krankheit ermöglicht sein. Max Kruel. Zusatz des Herausgebers. Ein Triton taeniatus in ähnlichem Zu¬ stande, wie vorstehend beschrieben, wurde mir in diesem Frühjahre, nachdem er gestorben war, überbracht. Bei dem Einschneiden in den Bauch quoll eine bräunliche, körnig getrübte Flüssigkeit aus demselben hervor. Die mikroskopische Untersuchung ergab eine Unmasse brauner kugeliger Körper, die mit Körnern und kleinen Zellen erfüllt waren, Psorospermien, die offenbar durch ihre Ver¬ mehrung und Menge den Tod des Molches herbeigeführt hatten. Von Überfüllung mit Luft war an keinem Organe etwas zu sehen. Es fragt sich also, ob in den obenerwähnten Fällen Pneumaticität der Tiere, die nicht konstatiert worden zu sein scheint, oder eine andere Krankheitsursache die Veranlassung zu dem un¬ gewöhnlichen Leibesumfänge der Molche war. 374 Braunschweig, den 1. Dezember 1884. Zur Fauna des Somalilandes. Herr Joseph M enges veröffentlicht in den P eterm ann’ sehen Mitteilungen (30 Band 1884, S. 401 — 413) einen wertvollen Bericht über seine von Herrn Carl Hagenbeck veranlaßte letzte zoologische Expedition ins Hochplateau der Somalihalbinsel. Da derselbe auch die sehr abweichende, so zu sagen neu entdeckte Fauna jener Gegend an meh¬ reren Stellen bespricht, so möchte ich in ein paar Worten auf seine Angaben hinweisen, durch welche meine früheren Mitteilungen im zoologischen Garten über diesen Gegenstand bestätigt und ergänzt werden. Herr Meng es unter¬ scheidet die Fauna des Küstenstrichs, der Saehel und des eigentlichen Hochpla¬ teaus. Wenn er in dem ersteren Strauße, Wildesel, Beisaantilopen, Ariels, Ga¬ zellen, Hasen, Trappen, Schakale, Fennecke und Hyänen ohne weitere Bemer¬ kungen anführt, so muß man annehmen, daß Strauß und Wildesel durch die von Herrn Dr. Reichen ow und mir beschriebenen Arten Struthio molybdophanes und Asinus taeniopus var. somaliensis repräsentiert werden. Bei dem Somali Strauß erwähnt er außer den schon bekannten Unterschieden als neu und ab¬ weichend noch die Form und Farbe der Eier (in wie fern, ist nicht gesagt). Ebenso ex'kennt er den Wildesel und das Zebra (. Equus Greviji ), als neue Arten an. Wichtig ist ferner die Bereicherung der Klasse der Antilopen durch vier neue Arten. Zunächst finden sich im Somalilande eine Kuhantilope, ( Bubalis . nov. sp .) und eine Elenantilope ( Buselaphas , nov. sp ) , die er zwar nicht lebend gesehen aber nach den Häuten als neue Arten erkannt hat. Sehr interessant sind zwei neue lebend beobachtete Arten. Eine neue Antilope Dama oder vielmehr Soemmeringii (nach Herrn Hagenbecks Ansicht) zeichnet sich aus durch kaffeebraune Farbe und einen 10—15 cm breiten Rücken¬ streifen. Der Hals ist auffallend lang, die kurzen ziemlich starken Hörner sind (ähnlich wie bei Dama) nach hinten geschweift, während die Spitzen sich nach der Mitte und vorn drehen. Das Tier ist lebend nach Hamburg gekommen, ohne von mir gesehen worden zu sein, da es bald eingegangen ist. Die Somali nennen diese Antilope »Gerenuk«, welche auch auf der Hassenstein’sclien Karte zur Reise des Herrn Meng es öfter eingetragen ist und sich nur im Innern, nicht in der Küstenebene findet. Die zweite Art ist eine neue Strepsiceros oder Kuduantilope, von den Somali »Aderio« genannt, die Herr Menges für die schönste aller ihm bekannten Antilopen erklärt. Sie kommt im Somaligebirge neben der bekannten Strepsiceros Kudu, aber häufiger als die große Art vor. Nach Hamburg ist sie bei der bekannten Hinfälligkeit der Kudu meines Wissens nicht lebend gekommen. Sie hat die Größe eines Damhirsches und ist dunkler oder heller grau gefärbt mit einem schmalen weißen Rückenstreifen und 12 — 15 hellen Querstreifen und weißen Tüpfeln in den Weichen, während Kudu viel weniger Querstreifen und keine Tüpfel hat und die Größe der Edelhirsche erreicht. Auch die Hörner des Aderio-Bocks weichen ab, indem sie zwar wie bei Kudu spiralförmig gekrümmt aber viel dünner und zierlicher sind als bei Strepsiceros Kudu, auch ihre Enden, die sich bei Kudu weit entfernen, nahe bei einander stehen. Herr Menges erwähnt noch, daß diese Art den Tragelaphus Spekii , der auch Tüpfel in den Seiten hat, wie Traget, scriptus, sehr ähnlich ist, sich aber durch die Form der Hörner unterscheidet, da den Tragelaphusarten die wiederholte Spirale der Kudu fehlt. Die von Herrn Menges erwähnte Beisaantilope des Somalilandes habe 375 ich in mehreren Exemplaren in Hamburg gesehen, sie in meinen früheren Mit¬ teilungen aber nicht besprochen, weil sie nicht abweicht. Bemerkenswert ist ferner ein kleines Frankolinhuhn des Somalilandes, welches sich aber auch weiter südlich am Djub findet, wo wahrscheinlich über¬ haupt die Somalifauna noch weiter nach Süden reichen wird. Mir ist es nicht zu Gesicht gekommen. Von weiteren (wohl nicht abweichenden) Säugetieren des Somalilandes erwähnt Herr Meng es noch Löwen, Elefanten, Warzenschweine, Stachelschweine und den häufigen Jagdleoparden, der mir durch seine etwas ab¬ weichende Färbung (vergl. meine früheren Mitteil.) auffiel. Dr. Th. Noack. Miscellen. Die Zahl der jungen Alligatoren, welche jährlich in Florida ihrer Haut, Zähne und ihres Öles wegen gefangen werden, beläuft sich auf 6000 Der Preis ist 25 Dollars per Hundert, beim Einzelverkauf 75 Cents bis 1 Dollar per Stück. Zehn bis fünfzehn Fuß lange Exemplare kosten von 25 bis 60 Dollars. D. Gronen. Junge Iltisse. Weder bei Blasius noch bei Altum und Brehm noch sonst irgendwo finden sich Angaben über die Färbung junger Iltisse. Anfangs Juni 1884 erhielt ich einen Wurf eben geborener Iltisse, an denen die Nabelschnur noch nicht trocken geworden, der also eben geworfen sein mußte. Es waren 8 Stück, gefunden in der Nähe der Loddenhaide bei Münster. Ihre Länge beträgt von der Schnauze- bis zur Schwanzspitze gemessen 18,5 cm. Das sonderbarste ist die Färbung ihres Haarkleides. Die Länge der Haare beträgt höchstens 6 mm. Alle diese längeren Haare sind von bläulich¬ grauweißer Färbung. Dadurch erscheinen die Jungen im allgemeinen weiß Zwischen diesen Haaren sprossen jedoch viele kürzere braune Haare hervor. Es liegt nun der Gedanke nahe, daß die weißlichen Haare, die Wollhaare der Nestjungen, bald von den braunen Stichelhaaren überwuchert werden. Die kurzen Tasthaare haben bereits eine braune Färbung. Die Hautfarbe der Schnauze ist grell weiß. Es liegt hier gewiß die Normalfärbung junger Iltisse vor. Ein Fall partiellen Albinismus ist es nicht , da nach Öffnung der Augenlider sich die Augen als dunkelgefärbt ergaben. Vorkommenden Falles bitten wir auf die Färbung nestjunger Iltisse genau acht geben zu wollen. Auch über die Färbung eben geborener Hermelin -Wiesel wissen wir noch nichts. Prof. Dr. H. Landois. 376 - Todesanzeigen. Am 10. Dezember 1884 starb zu Frankfurt a. M. in seinem 91 Lebensjahre Dr. med. Eduard Rüppell. Er war am 20. November 1794 in Frankfurt als Sohn des Gro߬ herzog]. Hessischen Oberpostmeisters Büppel] geboren. Nach dem Tode seines Vaters verließ er das Gymnasium und widmete sich dem Handelsstande. Seine Liebe zu den Naturwissenschaften veranlaßte ihn schon 1817 zu einer Reise nach Egypten. Er lebte dann, wie schon einige Zeit vorher, in Italien. Die Gründung der Senckenbergischen naturforschenden Gesellschaft in seiner Vater¬ stadt (1817) veranlaßte ihn, in Pavia und Genua regelrechte Studien an der Universität zu machen und sich für wissenschaftliche Reisen vorzubereiten. 1822 unternahm er, der erste deutsche Afrikareisende, eine sechsjährige Reise nach Egypten, Nubien und Kordofan, 1832 eine zweite nach Abyssinien und Arabien. Die reichen von ihm mitgebrachten Sammlungen übergab er dem Museum seiner Vaterstadt, dessen Zierde sie noch bilden, seine Werke er¬ freuen sich der allgemeinen Anerkennung. 1840 wurde er von der geogra¬ phischen Gesellschaft in London mit der goldenen Preismedaille gekrönt. N* Personal -Yerämlerungeu. An die Stelle des verstorbenen Dr. Bodinus ist Herr Direktor Max Schmidt, seither Direktor des Zoologischen Gartens zu Frankfurt a. M., zum Direktor des Berliner Zoologischen Gartens ernannt worden. Er übernimmt diese Stellung am 1. Februar 1885. Für ihn tritt Herr Dr. phil. L. Wunderlich, der seit drei Jahren als Assistent im Berliner Zoologischen Garten thätig war, als Direktor in den Zoologischen Garten zu Frankfurt a. M. ein. Bücher und Zeitschriften. Th. N. in B. : Die Abbildungen erfolgen sämtlich mit Dank zurück; sie sind vor¬ trefflich ausgeführt. — A. v. K. in W. bei W. : Die Mitteilung wird gern benutzt. — Eingegangene Beiträge. Ernst Fried el. Erinnerung an die Feier seines 25jährigen Dienstjubiläums. Berlin. Verein für die Geschichte Berlins 1884. Humboldt, Monatsschrift für die gesamten Naturwissenschaften. Herausgeg. von Prof. Dr. Krebs. Dezbr. 1884. Stuttgart. Ferd. Enke. Dr. K. Müllenhoff. Die Größe der Flugflächen. Mit 5 Holzschnitten. Sep.-Abdr. Pflügers Archiv f. d. ges. Physiologie Bd. XXXV. Bonn 1884. + 12. Jahresbericht des Westfälischen Provinzial - Vereins für Wissenschaft und Kunst pro 1833. Münster 1884. Mit Abbildungen. Geschäftsbericht über den Breslauer Zoologischen Garten für das Jahr 1883. Jahresbericht der Ornithologischen Gesellschaft. Basel. 1884. Dr. K. Ruß. Die fremdländischen Stubenvögel. IV. Band, Lehrbuch der Stubenvogelpflege-, Abrichtuns: u. Zucht, 5 Lieferg. Magdeburg. Creutz'sche Buchhandlung. Prof K. Möbius. Die wirbellosen Tiere der Ostsee. Nachtrag. Sep.-Abdr. XIV. Bericht der Kommission zur Untersuchung der deutschen Meere. Kiel 1884. Erstes österreichisch-ungar. Lehr- u. Lernmittel-Magazin. Herausgegv. Nicki, Kmetitsch u. Lochbihler, Graz 1884. III. Jahrg. No. 3. Nachdruck verboten. Druck von Mahlau & WaldschmicU, Frankfurt a. M. / Aal, Fluß- 25.1 Aasgeier, Fütterung 2! 6. Abändern der Gewohnheiten 349. Abbildungen : Brillentaucher 107, Durchlüftungsapparat für Aquarien 195, Futter¬ ballen des Nilpferdes 354, Gebiß des Nilpferdes 35, 36, Goral Hl, Gorilla 52, Haut des Nilpferdes 357, Moschus¬ tier 109, Schopfantilope 104, Tapir 31 , Wachstum des Elefanten 1, Mfalroß 183, Yak 30. Abbildungen, Herstellung von 309. Aberglaube mit der Filz¬ laus 153. Abli pharus pannonicus 314. Abnormitäten s.Mißbildungen. Acantkodactylus vulgaris 338. Acclimatisation des Straußes 62. Aderio 374. Adler, Fisch- 2=4, Gold- 253, Kaiser- 254, Livlands 369, Schell- 370. Schrei- 254, 370, See- 253, 369, Stein- 253, 370. Albinismus s. Leucismus. Alligator 54, missisuppiensis 260, -jagd 375. Alpaka 56. Ameisen 348. Ameise, Nacht- 265, Iiost- 264. Ameisenigel, eierlegend 349. Amn'va sexliveata 259. Ammer, Sperlings- 347. Amsel als Vogelfeind 171. Amsel, Schwarz- 59. Amphibienlarven, überwin¬ ternd 288. Ancistrodon coniortrix 230. Anotius carolinensts 259. Anserunas melanolextca 216. Ante 334. Antilux Vunsire 105. Antilocapru americann 199. Antilope, Berg- 103, dorcas pcr- sica 108, Elen- 2 14, Gabel- 199, Kudu- 56, Maxwellsche Schopf- 104, moutava 103, neue 374, Schopf- 335. Anthus lüchurdi 347. Apparate, Haft- 289. Aquarium, Berlin 52, 156, Frankfurt a. M. 149, 184, Durchlüftungsapparat 1 93. Aquila albicillu 253:chrysactos 253, daruja 370, fulvu 253, haliaetos 253, imperialis 254, naevia 254. Zoolog. Gart. .Jahrg. XXV. Register. Araucanen 125. Ar den egretta 154. Argusfasan 56. Asinus taeniopus ufricamts 101, tarnt opus nomaliensis 101. Atilax Vunsire 105. Aufgaben der Naturalien¬ sammlungen 234, 266, 302. Augenoperation an einem Geier 257. Ausstellung, Walfisch- 285. Austernzucht, künstliche 27. Bachmann, moderne Mikros¬ kope 127. Bachstelze, sibirische 347, weiße 26, 60. Bär, amerikanischer 199, Grizz¬ ly-, Varietäten 344, schwar¬ zer 344, Wasch- 201. Bahia, Tiermarkt 323. ßnlaenojdera muscitlus 60. Bandwurm, Ketten- 254. axtuta 200. Bastarde von Angoraziege und Heid schnuckenschaf 330, von Cynocephalus Hainadryas und C. Babuin 317, von Fuchs¬ ente und ägyptischer Gans 57, von Yak und Sanga 283, von Pony und Zebra 331, Bdellostonia heptr.t rema 300. Beiträge : eingegangene 32, 64, 96, 128, 160, 192, 224, 256, 320, 352, 376. Beobachtungsstationen der Vögel Deutschlands 191, der Vögel Österreichs 19i. Beschädigung des Telegra¬ phen durch Vögel 97. Beutelratte 227. Benehmen, verändertes 372. Biber 54. Bleßbock 56. Boa niurina 51. Bodinus, Dr. f 351. Boihriocephalns latus 254. Brehm, A. f 351. Brillentaucher 106. Buciros bicornis 216. Bücher und Zeitschriften 32, 64, 96, 128, 160, 192, 224, 256, 320, 352, 376. Büffel 198, und Telegraph M O. Bussard als Vogelfeind 164. Buthus sjhnigerus 263. Cants latmns 199, 336, lupus occidentalis rufus 199. Capybara 255. Cambus cunceüatus, aehtbeinig 257. Casaren rutilu 57. Cuthartes utratus 21*h Cephalophus corottahis 3"‘5, Maz- ipellii 104, rufitutus 57. Cercop ithecus cynomolgus , Haft¬ apparat 296. Cervulus Hcecesii 56. Cervus leucurus 2i, macrotis 21, virginiarms 198. Champsa lucius 54. Chauna chavana 250. ClteiromeMs torquahis 296. Chenulope.x aegypiiucus 57. Chile von Ochsenius 128. Chimpanse 26, 53, 185. Columba leuconota 114. Coronella girundica 145. Coturnix cambayeusis 371, chi- ‘n cns is 371. Coyotes 199. Cr ex pratensis 158. Cronau, die Fasanen 223. Crotalophorus tergeminus 230. Crotalus durissus 230. Cuculus aptatus 347, canorus 347, himalayanns 347. Cyclopterus Ivmpus 300. Cynailurus guttutus 103. Cynocephalus mormon 317, niger ' 297. Cyuomys ludoviciamis 228. Cg tupliora proboscideu 27. Dachs als Vogelfeind 141. Dusypus tillosus 86, hybridus 89, septemcinctus 89. Dicotyles torquates 200. Didelphis virginiana 227. Bidnnculus stnyirostris 65. Didus ineplus 65. Dipiis aegyptius 276, Barricar- rerei 276, deserti 27 6, hirtipes 27^, mauritanicus 276. Doppelhornvogel 216. Dronte 65. Durchlüftungsapparat für Aquarien 193 Dromaius Novae- Holland in e 154 Ecken eis 300. Reh Ulna hystrix 349. Eichhörnchen als Vogelfeind 144, fliegendes 230, Fuchs- 230, Luisiana- 230, schwarze 202. Eidechse, gehörnte 259, ge¬ streifte 259, grüne 259, Wie¬ derbelebung einer 251. Eier exotischer Vögel 370. Eier, Hühner-, Bewegung der¬ selben 126. 25 Einfriedigung- der Känguruhs 85. Eintagsfliegen 286. Elchwild 319. Elefant, Wachstum des in¬ dischen 4, indischer 333, weißer 333, See- 27. Elephas suinatruhus 333. Elen 319. Elster als Vogel feind 169. Embiriza passtriuu 347. Emu 154. Emys pseudogeograpbica 262. Ente, Fuchs- 57, Haus- 344, ohne Schwimmhäute 154. Ephialtes scops 336. Eijnus Qrevii 101 , I'rzevulskii 332. Erde und ihre Völker von Hellwa'd 96. Esel, neuer Wild- loi. Eulen als Vogelfeinde 165. Eule, Guineauhu- 337, mexi¬ kanische Ohr- 337, tasma- nische Schleier- 338, Zwerg¬ ohr- 336. Falken als Vogelfeinde 161. Farbe bei Mäusen 58. Fasan, Argus- 56. Fasanen, die, von Cronau 223. Fasten einer Schlange 54. Fauna des Somalilandes 374. Federn, Mißbildung 250. Feinde der Singvögel 137, 161. Felis cutus 326, cu color 200, Hagenbeckii 326, maniculatu 326, oncn 200, pardulis 200, Filzlaus 153. Fink, Buch- 60, Purpurkron- 370. Fisch, Katzen- 262. Fische, Haftorgane 300 v. Fischer, das Terrarium 95. Fischerei, Schwamm- 2.3. Fischzucht in Holstein 254. Fitzinger, L. f 351. Flamingo 362. Fledermaus, brasilianische 295, am Tage 190. Fledermäuse am Tage 273. Fliege, Eintags- 286. Frieclel, Vorzeit der Fischerei 350. Frosch, Gras- 23, Ochsen- 57. Frösche und Kröten als Nacht¬ tiere 50. Fuchs als Vogelfeind 141, amerikanischer 199, Hum¬ melnester plündernd 93, zweifüßiger 320. Fütterung der Tiere im Ham¬ burger Garten 1 , 208. Futtermengen : im Berliner Garten 61, im Berliner Aqua¬ rium 156. fiallinazo 216. Gans, ägyptische 57, Elster- 216, Haus- 152. Gänse als Eierdiebe 216. Gänse und Telegraph 99. Gänserichs Liebe 152. Garten, ornithologischer 60. Gazelle 56, persische 108. Gebiß des Nilpferdes 35, 36. Geburten i. Zoolog. Gärten 26, 56, 87, 154, 157, 158, 190, 214, 220, 317. Geomys bursarius 229, pinctis 229. Gepard 102. Gerenuk 374. Geschichte d. Kölner Gartens 44. Geschwülste, Luft- 321. Gewohnheiten, Abändern 349. Gibbon 53. Giraffe 84. Gopher 229. Goral HO. Gorilla 26, 52. Grus virgo 1 0 ). Gecko, Haftapparat 290. Gulo boreul is 213. Gürteltier, borstiges 86. Habicht als Vogelfeind 163. Haftapparat bei Wirbeltieren 289. Hagenbeck, Tierhandlung 100, 326. Häher als Vogelfeind 168, Nuß- 347, weißer 187. Hai, Engel- 55. Halarachne Halichoeri 186. Halichotrus grypu s- 186. Handlung, Tier-, Hagenbecks 100, 326. ! Hase, Prairie- 230, Maulesel- 230, Schnee- 56, Zwerg- 362. Hausgenossen des Menschen von Hess 159. Haut des Nilpferds 357. Hermelin als Vogelfeind 142. v. Hellwahl, die Erde und ihre Völker 96. Herpestes cmicricorus 113. Heß, Hausgenossen des Men¬ schen 159. ! Hirsch mit Bastgeweih käm¬ pfend 348, chines. Zwerg- 56, Langschwanz- 20, Pudu- 56, Schwarz- 20, virginischer- 198. Uirundo urbini 25. Holzböcke 265. Hornbildung bei Hühnern 1\5. Hornvogel, Doppel- 216. Huhn, Auer- 119, Birk- 121, Fehl- 322, Frankolin- 375, Großfuß- 349. Perl- 27, 328, Hackel- 115, Schnee- 347. Hühnereier, Behandlung 126. Hühner, Mißbildung 155. Hund, Benehmen 372, fliegen¬ der 53. 'Ilydrochoerus capybarn 255. Hydropotes inermis 56. Hyper odoon rostratus 60. Hyrax , Haftapparat 292. / bis melatiopis 56. Igel, Ameisen- 349. Iltisse, junge 375. Indien, Todesfälle durch wilde Tiere 285. Instinkt 185. Inuus nemestrinus 296, speciosus Fußbildung 296. Jaguar 200. Jamaikas Ornithologie 280. Kalmücken 125. Kalong 53. Kanarienvogel von Ruß 64. Känguruh, Pflege 84, Riesen- 56. Kaninchen, amerikan. 230. Karakal 328. Katze, Hagenbecks 326, So¬ mali- 326. Katzen als Vogelfeinde 139. Kaulquappen , überwinternd 288. Kauz, Guinea- 337. Klippschliefer, Fußbildung 292 Korallen, Produktion 288. Krankheiten bei Tieren 83, 309, 321, 373. i Krähen als Vogelfeinde 168. Krähe, Raben- 343. Kranich 28, Jungfern- 57, 100. Kreuzung von Mäusen 58. Kröten als Nachttiere 50. Kuckuck, Himalaya- 347. Kuguar 200., fjagopus rvpestris 347. Larven von Kröten , über¬ winternd 288. Laubenvogel 57. Laubfrosch, Haftapparat 298. Laufkäfer, achtbeiniger 287. Laus, Filz- 153. Lepadcgasler 300. Lepidopteren Madagaskars v. Saalmüller 255. Lepus variabiHs 56, callotis 230 sylvaticios 230. Leucismusbei Auerhahn 119, eines Hähers 187, einer Ringelnatter 372. LeunisSynopsis d.Tierreichs64. Liebe einer Gans 152. Liparis 300. I .ist of vertebrated animals 159. Litteratur 29, 64, 95, 127, 159. 191. 223, 255. Löwe 83. v. Loewis, Reptilien der Ost¬ seeprovinzen 191. j Luchs, Rot- 200. Ludwig, Wirbeltiere Deutsch¬ lands 191. Luftgeschwülste b. Vögeln 321. Lumme 54. Lynx caracul 328, rufus inucula- tus 200. fJiicroc/itiuiiys lacertina 261. Mafuka 185. Maki, Gespenst-, Haftapparat 299. Mandrill 317. Manguste, Krabben- 113. Mannheimer Stadtpark, Tier¬ leben 341. Marder als Vogelfeind 14 1. Markt, Tier- 323. Massasauga 2öu. Mast icaphus 233. Maus, Spring- 276. Mäuse, Kreuzung 58, alsVogel- feiude 145. Mauser, Schnabel- 120. Meerschweinchen 343. Megrpodius Hueskeri 349. Meisen im Dienste der Rosen¬ kultur 221. Melanismus bei Eichhörnchen 202. Mephitis bicolor 227, niesoUucu 226, vuriaus 227. Mikroskope von Bachmann 127. Milbe, Nasen-, der Robbe 186. Milntlus forßcutus 134. Mißbildung- bei einer Ente 154, an Federn 250, bei Hühnern 155, Schnabel- 340. Mokassin 230. Molch, sechsbeiniger 04. Moschus •» wsch/ferus 108. Moschustier l'os. Mosers Notizkalender 350. Mo'acilla alba 347, duhhunensis 347. Mustang 198. Myoxus giis 29. Myrmico. malefacius 264. Myxtne glwtinosa 300. Namen von Wildschafen 311. Nashorn, Erkrankung 85. Natter, Gironden- 145, Ringel- 372, Sprossen- 304, Treppen- 364, Würfel- 28. Naturaliensannnlungen, Auf¬ gaben der 234, 266, 302, populäre 237. Neigung einer Gans 152. Kemorhoedus Goral 110. Nilpferd 33, 353. Nistplatz, sonderbarer 222. Norwegens Raubtiere 155. Notizkalender Mosers 35,0. Nucifroga caryocatactes 347. Numicla cristata 328. Nycticoraa: gristus 154. ©chsenius, Chile 128. Öcodomo texana 265. Ohreule, mexikanische 337, Zwerg- 336. Olm, amerikanischer 360. Operation, Augen-, an einem Geier 257, einer Löwenkralle 83, am Nashorn 85. Ophibolus eplmvus 232, So.yi 233. Opossum 227. Orang Utan 53. Ornithologie Jamaikas 280. Orn ithorhjjK chus eierlegend 350. Otter, Baumwollen- 231, Fisch- 27. Otus niexicanus 337. Ovis aries süatopyga 327, Ammon 313, Argali 312, Gmelini 313, Karelini 313, montan a 313, mgrimontana 314, Pol ei 312, Vignei 314. Ozelot 200. Ozotheca odoraia 262. Panther 200. Posier domesticus 346. Paviane, Klettervermögen 293. Pediculus pubis 153. Pekari 200. Pelodytes punvtatus 177. Pelopaeus cai ruleus 264. Pepsis elegans 263. Perlhühnerzucht 27. Personalveränderung 376. Pfau, Spiegel- 56. Pferd, wildes 198. Pflanzen in Texas 130. Pflege der Tiere 82. Phacochoerus africanus 334. Phrynosoma cornutum 259. Ficus crissol eucus 347. Pieper, sibirischer 347. Pimtlodus 262. Platycercus cornutus 56, uvaeensis 56. Pneumatizität 309, bei Trito- nen 373. Polistes rubriginosa 264. Folgt, oroid.es typicus 336 Polyplectron Germaini 56. Prairiehund 228. Preise der Tiere 324. Procyon lotor 201. Produktion der Korallen 288. Proteus , amerikanischer 360. Psnmmodromus hispiniicus 38, 75. Pseudois Nahoor 110, 247, 314. Psorospermien 373. Pteroniys volucellu 230. Pier opus ednlis 53. Ptil enorhyn chus violaceus 57. Puma 200. Piitorius frenatus 201. Python bicittatus 54, molurus 54. Haben als Vo, eifeinde 168. Rackeihahn 115. Buna ternporaria 23. Ratte, Baumwollen- 229. Raubtiere Norwegens 155. Reli, chinesisches 56. Reiclienow, Vögel der zoolog. Gärten 159. Reiher, Nacht- 154, Silber- 154. Reptilien der Ostseeprovinzen von v. Loewis 191. Bhca imuricanu 56. Rli e in üb er s cli w e m mun g 74. Rh in ec liis scalaris 364. Rhinol oph us- Ar t en 273. Rliniostoma coccinea 234. Rind, afrikanisches 328. Rio de Janeiro, Tiermarkt 323. Robbe, Elefanten- 27, Kegel-, Nasenmilbe 186. Rotschwanz, Haus- 60. Rückblick 1. Ruß, Kanarienvogel 64. Riippel, Dr. f 376. Saalmüller, Lepidopteren Ma¬ dagaskars 255. Salamander 229. Salm im Main 2 b Sammelplatz der Bachstelzen 26. Sammlungen, Forst- 307, Na¬ turalien- 234, 266, 302. Sandschlüpfer, spanischer 38 75. Säugetiere, eierlegeud 349, in Wort u. Bild v. Vogt u. Specht 29. Schaf, Guinea- 329, Fettsteiß- 327. Nahoor- 110, 247. Schafe, Namen 311. Schiffshalier 300. Schildkröte , Alligator- '261, europ. Sumpf- 63, gemalte 262. Moschus- 262, Riesen- Schnapp- 261, weicbschalige 222. Schlammtaucher punktierter 177. Schlange, Eier- 232, Hühner- 232, Klapper- 230, Königs- 233, Kupfer- 230, Mokassin- 230, Riesen- 54, Scharlach- 234, Peitschen- 233. Schlangensperber, afrikan.336. Schlegel, Dr. H. f 160. Schleiche, Zwerg- 314. Schnabelmauser 120. Schnabeimißbildung 316. Schnabeltier, eierlegend 350. Schnakenplage 344. Schreier, gehaubter 250. Schwalben, überwinternde 25. Scliwammfischerei 223. Schwan, schwarzer 341. Schwein, Warzen- 334. Schweiß d. Nilpferdes 37,357. Sciurus ludoviciamts 230, vulpi- nus 230. Scops carnüilica 336. Scotopelia Bouvieri 337. Seehase 300. Sibirien, Vögel 347. Siebenschläfer 29, als Vogel¬ feind 145. Sigmo Bon Berlandicri 229. Singlialesen 125. Singvögel, ihre Feinde 137, 161. Skandinaviens Wildstand 319. Skolopender 263. Skorpion 263. Somaliland 374. Specht u. Telegraph 98. Sperber, Schlangen- 336, als Vogelfeind 162. Sperling, Haus- 346, hyper¬ pneumatischer 309. Spheniscits demersus 106. Springmäuse 276. Squalus squütina 55. Stachelfing r, gemeiner 338. Stadtpark, Mannheimer, Tier¬ leben 341. Star 60, Blumen liebend 222, als Vogelfeind 171. Steinschmätzer 222. Stinktier 226. Strauß, afrikanischer 62, ame¬ rikanischer 56, Somali- 19, 124. Straußenzucht 285. Strepsiceros imberbis 56. Strix caslanops 318. Struthio austrulis 20, camelus 19, molgbdophanes 20, 125, somaliensis 125. Sylvia affin is 347. Synopsis des Tierreichs von Leunis 64. Syrnium, nuchale 337, turquatuni 337. Tapir, amerikanischer 334, Schabracken-334, frißtEnten 215. Tarantel 263. Taube, weißrückige 1 14, Zahn- 65. Taucher, Brillen- 106. 'laurotragus oreas 214. Telegraph und Büffel 190. Telegraph und Vögel 97. Terrarium 51, das, vou v. Fischer 95. Tetra o , Arten 116. Texas, Tierwelt 129, 172, 197, 225, 259. Thiroptera tricolor 295. Tiere, neu eingeführte 100. TierhandlungHagenbeeks 326. Tiermärkte Südamerikas 323. Tierpflege im Hamburger Garten 82, 208. Tierwelt von Texas 129, 172, 197, 225, 259. Tiger in Asien 361. 380 Tigerin, nervöse 208. Todesanzeigen 351, 370. Todesfälle 160, durch wilde Tiere in Indien 285. Tötung eines Adlers 253. Toxicophis pücivorus 231. Trionyx feröx 262. Triton, Krankheit 373, taeuia- tus 373, sechsbeinig 94. Tropidonotus natrix 372, tessel- latvs 28. Tyrann, Scherenschwanz- 134. Überlegung bei Tieren 185. Überschwemmung im Kölner Garten 74. Überwinternde Schwalben 25. Universalmuseum der Natur 302. Urin troile 54. Ursus amerkanus 199, 345. Yansire 105. Verbreitung des Tigers 361. Xespertilio- Arten 273. Vespcrugo, Arten 273. Vielfraß 213. Viverra cibetha nepalensis 113. Vogel, Lauben- 57. Vögel, der zoolog. Gärten v. Reichenow 159, Deutsch¬ lands, Beobachtungsstatio¬ nen .|9l, Luftgeschwülste 321, Österreichs, Beobach¬ tungsstationen 191, Sibiriens 347, und Telegraph 97. Vogelzug 60, 22i. Vogt und Specht. Säugetiere 29. Vorzeit der Fischerei von Friedei 350. Vulpes fulvits argmiaius 199. Wachstum des ind. Elefanten 4, des Nilpferdes 33. Wachtel, chinesische 371, Ma¬ dras 371, Zwerg- 371. Wachtelkönig 158. Wal, Finn- 60 Waldhühner, deutsche 115. Walroß, Fußbildung 294, in Gefangenschaft 187. Weihen als Vogelfeinde 165. Wespe, braune 264, Stahl- 264, Tarantel- 263. Wiederbelebung einer Ei¬ dechse 251. Wiesel als Vogelfeind 141, Benehmen 350. Wildstand Skandinaviens 319. Wirbeltiere Deutschlands von Ludwig 191. Wolf, Betragen 319, grauer 199, Heul- 336, Prairie- 199. Würger als Vogelfeinde 166. Yak 331, 362. Zähne des Nilpferdes 355. Zahntaube 65. Zebra, neues 101. Zebu 329. Zehenstifte der Waldhühner 121. Zibethkatze, amerikanische 200, nepalsche 113. Zoologische Gärten : Berlin 61, 123, 154,155, 317, Bremen 59, Köln 44, 69, 186, 241, Dresden 157, 2 . 7, 278, Frank¬ furt a. M. 1, 148, 18i, Ham¬ burg 26, 33, 65, 82, 100, 158, 208, 257, 285, Hannover 89, Liverpool 94. London 159, Münster 22, 223, Prag 55, Tours Beaujaräin 56. Zoologisches aus Bremen 59, Zucht, Austern- 27, Fisch- 254, Perlhuhn 27, Straußen- 62. 285. Zug der Vögel 60, 221 Zeitschrift Beobachtung, Pflege und Zucht der Tiere, Gemeinsames Organ für Deutschland und angrenzende Gebiete. Herausgegeben von der »Neuen Zoologischen Gesellschaft« in Frankfurt a. M. Redigiert von Prof. Dr. F. C. Noll, Oberlehrer am Gymnasium. XXY. Jahrgang. — No. 1. pwtw» Der Zoologische Garten. Um die Anschaltung der noch vorhandenen früheren Jahrgänge des »Zoologischen Gartens« möglichst zu erleichtern, haben wir uns entschlossen, die Ladenpreise wie folgt zu ermäßigen : Jahrgang I fehlt. » II— TI (1801—1865) ä Mk. 2. — » VII-XVI (1866-1875) » » 3. — » XVII— XXI (1876 -1880) » » 5. - Bei Abnahme der sämintlichen Jahrgänge II— XXI ä Mk. 2. 50 oder zusammen für 20 Jahrgänge nur Mk. 50. — Zu beziehen durch die Verlagshandlung Mahlau & Waidschmidt in Frankfurt a. (VS. Verlag von Quandt & Händel in Leipzig. Naturstudien. Bilder zur Entwickelungslehre. Von Grant Allen. Aus dem Englischen von Dr. E. Hutll. Preis 4 M. 80 Pf. Eine Reihe anregend geschriebener Essays zur Erläuterung der großen biologischen und kosmischen Lehren Darwin ’s. Häckel’s u. A. Z« haben in allen Buchhandlungen. Transportfähige d. h. aii enge Behälter vorher eingewöhnte »wilde Kaninchen“ vom Ostseestrande Deutschlands wünscht behufs Acclimatisations - Versuch zu beziehen und bittet um gefällige Offerten bei Preisangabe und Stellung bis Riga im April 1884. Oscar von Löwis in Meiershof via Riga (Livland). Soeben ist erschienen: Das Terrarium seine Bepflanzung und Bevölkerung Ein Handbuch für Terrarienbesitzer und Tierhändler, eine umfassende Anleitung zur Herstellung, Einrichtung, Bepflanzung und Bevölkerung der Terrarien enthaltend, nebst einer scharfen Diagnose sämtlicher in denselben zu haltenden, bisher im Handel angetroffenen Reptilien- und Amphibienarten von .Toll- von Fischei*. Mit 40 Holzschnitten, 25 Bogen gr. 8°. Brochirt in Umschlag M. 10. — Elegant gefunden M. 12. — Frankfurt a. 31., Januar 1884. «. 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Herausgegeben von der »Neuen Zoologischen Gesellschaft« in Frankfurt a. AI. Redigiert von Prof. Dr. F. C. Noll, Oberlehrer am Gymnasium. NXV. Jahrgang. — No. 3. Frankfurt a. M. Verlag von M a h 1 a u & Waldschmid t. II .. 1884. 6 m | ■ n~.T~.-r, Ts-r. - T, rzu eine Beilage von Philipp Cohen in Hannover, beireifend Br. W. Hess I V • f f n ..n ... w /. n n /I An Al /> *> Ci / 1 1 1 r\ «1 11 v. 4 n .. ,1 /< I ■ > i • „Die Hausgenossen des Menschen unter den ( Der Zoologische Garten. Um die Anschaffung der noch vorhandenen früheren Jahrgänge des »Zoologischen Gartens« möglichst zu erleichtern, haben wir uns entschlossen, die Ladenpreise wie folgt zu ermäßigen : Jahrgang I fehlt. » II— VI (1861-1865) ä Mk. 2. — » VII -XVI (1866 -1875) » » 3. — » XVII— XXI (1876 -1880) » » 5. - Bei Abnahme der sämtlichen Jahrgänge II— XXI ä Mk. 2. 50 oder zusammen für 20 Jahrgänge nur Mk. 50. — Zu beziehen durch die Verlagshandlung Mahlau & Waldschmidt in Frankfurt a. M. Die soeben erschienene No. 2 des III. Bandes der naturwissenschaftlichen Monatsschrift Humboldt^* enthält nachstehende Original -Aufsätze: Professor Dr. J. G. Wallentin: Wanderungen durch die internationale Elektrici- tätsausstellung in Wien. (Mit Abbildungen.) Professor Dr. Samuel: Über die Nervosität. Dr. W. Kaiser: Die Tiersprache in der menschlichen Rede. Fortschritte in den Naturwissenschaften. — Litterarische Rundschau. — Biblio¬ graphie. — Witterungsübersicht für Centraleuropa. — Astronomischer Kalender. — Neueste Mitteilungen. Im Verlage von L. A. Kittier in Leipzig ist erschienen und durch alle Buch¬ handlungen zu beziehen : Die Vögel der Zoologischen Gärten. Leitfaden zum Studium der Ornithologie mit besonderer Berücksichtigung der in Gefangenschaft gehaltenen Vögel. Ein Handbuch für Yogelwirte. Von Dr. Anton Reichenow. In zwei Teilen. Geheftet 18 Mark. In diesem nunmehr complet vorliegenden Werke ist dem Studierenden wie dem praktischen Vogelwirt zum ersten Male ein vollständiges, die gesamte Ornithologie umfassendes Handbuch geliefert. Dasselbe charakterisiert in gemeinverständlicher Dar¬ stellung 17 Ordnungen, 100 Familien und 651 Gattungen. Unter den beschriebenen 2000 Arten sind sämtliche in Europa heimische Vögel enthalten und bildet das Buch daher ein unentbehrliches litterarisches Hülfsmittel für jeden Freund der einheimischen Vogelwelt. Verlage von Mahlau & Waldschmidt in Frankfurt a. M. : Die Spechte und ihr Wert in forstlicher Beziehung. Von E. F. v, Homeyer. Zweite Auflage. Preis M. 1. — Gemeinsames Organ für Deutschland und angrenzende Gebiete, Herausgegeben von der »Neuen Zoologischen Gesellschaft« in Frankfurt a. M. Redigiert yo n Prof. Dr. F. C. Noll, Oberlehrer am Gymuasium. XXY. Jahrgang. — No. 4. Frankfurt a. M. Verlag vöii M A h 1 a u & W a 1 d s c h m i d l 1884. 'irli _ _ J. ,A d^LX-j^jL.^^.dLJ.:JL^L i i - ■ ' Fr. y---, - X -j— v ' ■ii n**ai Verlag von August Hirschwald in Berlin. Soeben ist erschienen: ♦ Lehrbuch der allgemeinen Therapie der Haussäugetiere. Unter Mitwirkung von Prof. Dr. Schütz und Prof. Dr. Siedamgrotzky, bearbeitet und herausgegeben von Prof. Dr. Wr. Ellenberger. I. Teil. 1884. gr. 8. Preis 8 Mark. Der zweite Teil (Schluß) wird noch im Laufe dieses Jahres erscheinen. Offeriere: Priton lielveticus ä Paar 50 Pf. Priton alpestris ä Paar 40 Pf. Priton taeniatus a Paar 10 Pf. Otterberg. Rheinpfalz. Max Kruel. Verlag von Mahlau & Waldschmidt in Frankfurt a. M. : Das Terrarium, seine Bepflanzung und Bevölkerung, von Joh. v. Fischer. Mit 40 Holzschnitten, 25 Bgn. gr. 8°. Brochiert in Umschlag M. 10. Elegant gebunden M. 12. Die soeben erschienene No. 3 des III. Bandes der naturwissenschaftlichen Monatsschrift ^Huiuboldt^ enthält nachstehende Original -Aufsätze : Professor Dr. A. von Lasaulx: Die vulkanischen Vorgänge in (1er Sundastrasse am 20. n. 27. Aug. 1883. (Mit Abbildung.) Professor Dr. Paul Reis: Die 110jährige Periode der Hochwasser und des all¬ gemeinen Witteruugscharaktcrs. (Mit Abbildung.) Dr. W. Kobelt: Die Rolle des Golfstromes. Wilhelm Krebs: Über Amöben uud Gregarmen. Professor Dr. G. Krebs: Füllregulieröfen System Wurmbacli. (Mit Abbildungen.) Ewald Paul: Die Cholera in Aegypten. Fortschritte iu den Naturwissenschaften. — Literarische Rundschau. — Biblio¬ graphie. — Witterungsübcrsiekt für Centraleuropa. — Astronomischer Kalender. Neueste Mitteilungen. Jetzt vollständig erschienen! Verlag üon ft. $. Sßoigt in SBcimar. Die Praxis der aturgeschichte. Ein vollständiges Lehrbuch über das Sam¬ meln lebender und toter Naturkörper ; deren Beobachtung, Erhaltung und Pflege im freien und gefangenen Zustand; Konservation, Prä¬ paration und Aufstellung in Sammlungen etc. Nach den neuesten Erfahrungen bearbeitet von Phil. Leop. Martin. In drei Teilen. Erster Teil: Taxidermie oder die Lehre vom Beobachten, Konser¬ vieren, Präparieren etc. Zweite vermehrte Auflage. Mit Atlas von 10 Tafeln, gr. 8. Geh. 6 Mk. Zweiter Teil: Dermoplastik und Museologie oder das Modellieren der Tiere und das Aufstellen und Erhalten von Naturalien¬ sammlungen. Zweite verrn. und verb. Auflage. Nebst einem Atlas von 10 Tafeln. gr. 8. Geh. 7 Mark 50 Pfg. Dritter Teil: Naturstudien. Die botanischen, zoologischen und Akklima¬ tisationsgärten, Menagerien, Aquarien und Terrarien in ihrer gegenwärtigen Entwicke¬ lung. — Allgemeiner Naturschutz; Einbür¬ gerung fremder Tiere und Gesundheitspflege gefangener Säugetiere und Vögel. 2 Räude, mit Atlas von 12 Tafeln. gr. 8. Geh. 12 Mark 50 Pfg. Preis des kompleten Werkes 26 Mk. Vorrätig in allen 2öudjl)ont>luugeii. vr . SL> - -l'-li-'u.~ui'^k-±~ ■A.'-A^x- A'A. *• - '1-ii^cb: ’1 -Jj-i. - i'Sil'-ic- i - T" 7"T r r "^ -v T -r- T'TfSp»' -_— _ '.A—^-2* - * .* - 4 ^ -St-W0^ 'N Pi I Zeitschrift für Beobachtung, Pflege und Zucht der Tiere. Gemeinsames Organ für Deutschland und angrenzende Gebiete. Herausgegeben von der »Neuen Zoologischen Gesellschaft« in Frankfurt a. M. Redigiert von Prof. Dr. F. C. Noll, Oberlehrer am Gymnasium. XXY. Jahrgang. o. Frankfurt a. M. Verlag von Mahlau & W aldschmidt. 1884. «"N -1 - r«. - vr-,:, ' •-sKCS"f-- -K x- Die soeben erschienene No. 4 des TIT. Bandes der naturwissenschaftlichen Monatsschrift ^Humboldt** enthält nachstehende Original -Aufsätze: Privatdocent Dr. Albrecht Penck: Zeiten der Thalzuscküttung. Professor Dr. P. von Zech: Die Abendröten der letzten Wochen. Professor Dr. C. F. W. Peters: Über intramerkurielle Planeten. Regierungsbaiuneister H. Keller: Elektrisches Licht bei Nebel. Dr. Max Büchner: Über die Fauna des südwestafrikanischen Hochplateaus zwischen 7. und 10. Grad siidl. Breite. Dr. Friedrich Knauer: Die Vierstreifennatter (Elaphis quadnlineatus). Mit Abbildung. Fortschritte in den Naturwissenschaften. — Litterarische Rundschau. — Biblio¬ graphie. — Witterungsübersicht für Centraleuropa. — Astronomischer Kalender. Neueste Mitteilungen. Jetzt vollständig erschienen! Verlaß uon g. i8. Sßoißt in Sörituar. Die Praxis der aturgeschichte. { Ein vollständiges Lehrbuch über das Sam- : mein lebender und toter Naturkörper; deren 1 Beobachtung, Erhaltung und Pflege im freien , und gefangenen Zustand ; Konservation, Prä¬ paration und Aufstellung in Sammlungen etc. Nach den neuesten Erfahrungen bearbeitet von Phil. Leop. Martin. In drei Teilen. Erster Teil: Taxidermie oder die Lehre vom Beobachten, Konser¬ vieren, Präparieren etc. Zweite vermehrte Auflage. Mit Atlas von 10 Tafeln, gr. -8. Geh. 6 Mk. Z w e i t e r T e i 1 : ) Dermoplastik und Museologie oder das Modellieren der Tiere und das | Aufstellen und Erhalten von Naturalien- j Sammlungen. Zweite Term, und verb. Auflage. Nebst einem Atlas von 10 Tafeln. gr. 8. Geh. 7 Mark 50 Pfg. Dritter Teil: Naturstudien. Die botanischen, zoologischen und Akklima- tisationsgävten, Menagerien, Aquarien und Terrarien in ihrer gegenwärtigen Entwiche- i | lang. — Allgemeiner Naturschutz; Einbür¬ gerung fremder Tiere und Gesundheitspflege gefangener Säugetiere und Vögel. 2 Bände, mit Atlas von 12 Tafeln. gr. 8. Geh. 12 Mark 50 Pfg. Preis des kompleten Werkes 26 Mk. tßorrütig in allen 83ud)ljanblungcn. Verlag von August Hirschwald in Berlin. Soeben ist erschienen: Lehrbuch der a 1 1 £ e m einen T h e r ap i e der Haussitngetiere. Unter Mitwirkung von Prof. Dr. Schütz und Prof. Dr. Siedamgrotzky, bearbeitet und herausgegeben von Prof. Dr. W. Ellenberger. I. Teil. 1884. gr 8. Preis 8 Mark. Der zweite Teil (Schluß) wird noch im Laufe dieses Jahres erscheinen. Offeriere: Triton Jielveticus ä Paar 50 Pf. Triton alpestris ä Paar 40 Pf. Triton taeniatus ä Paar 10 Pf. otterberg, Rheinpfalz. Max Kruel. Verlag von Mahlau & Waldschmidt in F r a n k f u r t a. M. : Das Terrarium, i seine Bepflanzung und Bevölkerung, von Joh. v. Fischer. Mit 40 Holzschnitten, 25 Bgn. gr. 8°. Brochiert in Umschlag M. 10. Elegant gebunden M. 12. Xo£Mc : v '■Xi* SaZ^jZZsJEa fl f -I : ^ fl ■?f ix, w G hi fl E|i El El El >■1 i ' El N ! El I ■I * r | : :f: '\V (G) k .(cj tj i h 1: f i ti: E! Eli 9! El El. tf ; r « Der Zoologische Garten. Zeitschrift fiir Beobachtung, Pflege und Zucht der Tiere. Gemeinsames Organ für Deutschland und angrenzende Gebiete. v \ Herausgegeben von der »Neuen Zoologischen Gesellschaft« in Frankfurt a. M. Redigiert VOU Prof. Dr. F. C. Noll, Oberlehrer am Gymnasium. XXV. Jahrgang. — No. 6. Frankfurt a. M. Verlag von M a h 1 a u & Wald sch m i dt. 1884. K~.T. -TTW1 v ' ••<• -^7%TTrTW- Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn in Braunschweig. (Zn beziehen durch jede Buchhandlung.) Soeben erschien: Fleischer, Dr. phil. H Emil, Lehrbuch der Zoologie für Landwirtschaftsschulen und Anstalten verwandten Charakters sowie auch für den Gebrauch des praktischen Landwirtes. Mit 435 in den Text eingedruckten Holzstichen, gr. 8. geh. Preis 7 M. Verlag von Mahlau & Waldschmidt in F r an kf ur t. a. M.: Das Terrarium, seine Bepflanzung und Bevölkerung, von Joh. v. Fischer. Mit 40 Holzschnitten, 25 Bgn. gr. 8°. Brochirt in Umschlag JI. 10. - Elegant gebunden M. 12. — Eine Sammlung ausgestopfter Vögel, inn- und ausländische, nebst eiuer Partie Säugetiere, alles in bestem Zustande, ist billig zu verkaufen. Adresse zu erfahren in der Expedition. Im Verlage von Mahlau & Waldschmidt in Frankfurt a. M. ist erschienen: Das Frettchen. Eine Anleitung zu dessen Zucht, Pflege und Ablichtung nebst einer historischen und kritisch-zoologischen Betrachtung über dessen spezifische Verschiedenheit vom litis, auf Kreuzungsresultaten basiert. Von Johann von Fischer. 6 1 /2 Bogen in Umschlag mit einer Tafel und Abbildungen. M 4. — Die Entstehung dieser Schrift ist durch das Bedürfnis nach einer solchen hervor¬ gerufen. Es sind die Früchte langjähriger Erfahrung und zahlreicher eigener, sowie aus zuverlässigen Quellen geschöpfter Beobachtungen des in der zoologisch-wissenschaftlichen Welt riihmlichst bekannten Forschers, und sind wir überzeugt, daß diese populär gehaltene »Anleitung« großen Beifall findet. Die soeben erschienene No. 5 des IIL Bandes der naturwissenschaftlichen Monatsschrift „ Hum bohlt** enthält nachstehende Original -Aufsätze : Bergrat Dr. A. von Groddeck: Die geologische Geschichte des Harzgebirges. Professor Dr. Paul Reis: Die 110jährige Periode der Hochwasser und des all¬ gemeinen Witterungscharakters, ii. (Mit Abbildungen.) Dr. Friedrich Kinkelin : Die ersten Menschen und die prähistorischen Zeiten. (Mit Abbildungen. Inoenieur Th. Schwartze: Das moderne Beleuchtungswesen. Fortschritte in den Naturwissenschaften. — Litterarische Rundschau. — Biblio¬ graphie. — Witternngsiibersiclit für Centraleuropa. — Astronomischer Kalender. Neueste Mitteilungen. Verlag von Mahlau & Waldschmidt in Frankfurt a. M. : Die Spechte und ihr Wert in forstlicher Beziehung. Von E, F. v. Homeyer, Zweite Auflage. Preis M. 1. — Beobachtung, Pflege und Zucht der Tiere. Gemeinsames Organ für Deutschland und angrenzende Gebiete. Herausgegeben von der »Neuen Zoologischen Gesellschaft« in Frankfurt a. M. Redigiert von Prof. Dr. F. C. Noll, Oberlehrer am Gymnasium. XXY. Jahrgang. — No. 7. Frankfurt a. M. Verlag von Mahlau & W a 1 d s c h m i d t. 1884. c Verlag von Mahlau & Waldschmidt in Frankfurt a. M. Deutschlands Säugetiere und Vögel, ihr Nützen und Schaden. Von E. F. v. Homeyer. JPreix JV1. — . Zu haben in allen Buchhandlungen Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn in Braunsehweig. (Zu beziehen durch jede Buchhandlung.) Soeben erschien: Fleischer. Dr. phil. H. Emil, Lehrbuch der Zoologie für Landwirtäcliaftssehuleu und Anstalten verwandten Charakters sowie auch für den Gebrauch des praktischen Landwirtes. Mit 435 in den Text eingedruckten Holzstichen, gr. 8". gell. Preis 7 M. Selten hat eine Sammlung witziger und geistreicher Aufsätze so viel Beifall gefunden, als das in deu weitesten Kreisen bekannt gewordene Büchlein Fritz Mautliner: „Nach berühmten Mustern“, in denen der Verfasser die Manierirtheit der beliebtesten Autoren verspottet und ihren Stil gar ergötzlich parodiert. Eine Fortsetzung dieser höchlich in¬ teressanten Studien findet sich jetzt in »Schorers F am ilie n bl a tt « ; in den beiden uns vorliegenden Nummern behandelt Mautliner in originellsatirisclief Weise den Franzosen Viktor Hugo und den Amerikaner Bret Harte. Im Verlage von Mahlau & Waldschmidt hi Frankfurt a. M. ist erschienen: Das Frettchen. Eine Anleitung zu dessen Zucht, Pflege und Ablichtung nebst einer historischen und kritisch-zoologischen Betrachtung über dessen spezifische Verschiedenheit vom litis, auf Kreuzungsresultaten basiert. Von Johann von Fischer. Ö'/ä Bogen in Umschlag mit einer Tafel und Abbildungen. M 4. — Die Entstellung dieser Schrift ist durch das Bedürfnis nach einer solchen hervor¬ gerufen. Es sind die Früchte langjähriger Erfahrung und zahlreicher eigener, sowie aus zuverlässigen Quellen geschöpfter Beobachtungen des in der zoologisch-wissenschaftlichen Welt rühmlichst bekannten Forschers, und sind wir überzeugt, daß diese populär gehaltene »Anleitung« großen Beifall findet. Die soeben erschienene No. 6 des TIT. Bandes der naturwissenschaftlichen Monatsschrift ^Humboldt**’ enthält nachstehende Original -Aufsätze: Professor Dr. C. Jessen: Das einheitliche Princip (1er Körperbildung in den Naturreichen. Oberlehrer H. Engelhardt: Ein Besuch in der vulkanischen Eifel. I. Professor Dr. J. G. Wallentin: Über Glasgravierungen mittels elektrischer Ströme. Dr. H. Th. Geyler : Über die fossile Flora Grönlands. (Mit Abbildung.) Professor C. Schmidt: Über Vergleichung der Brust- und Beckenglieder mit be¬ sonderer Hinsicht auf die sogenannte Torsion des Oberarmbeins. (Mit Ab¬ bildungen.) Dr. W. Kaiser: Louis F, de Pourtales, ein „Pionier“ der Tiefseeforschungen. Fortschritte in den Naturwissenschaften. — Literarische Rundschau. — Biblio¬ graphie. — Witternngsübersiclit für Centraleuropa. — Astronomischer Kalender. Neueste Mitteilungen. Eine Sammlung ausgestopfter Vögel, in- und ausländische , nebst einer Partie Säugetiere, Alles in bestem Zustande, ist billig zu verkaufen. Adresse zu erfahren in der Expedition. hl i onn Der Zeitschrift für Beobachtung, Pflege und Zucht der Tiere. Gemeinsames Organ für Deutschland und angrenzende Gebiete. Herausgegeben von der »Neuen Zoologischen Gesellschaft« in Frankfurt a. IU. » Redigiert von Prof. Dr. F. C. Noll, Oberlehrer am Gymnasium. XXV. Jahrgang. — No. 8. Frankfurt a. M. Verlag' von Malilau & Waldschmidt. 1884. Zoologische Garten. M fj 4 fl Im Verlage von Mahlau & YValdschmidt iu Frankfurt a. M. ist erschienen: Die Behandlung des Wildes und der Fische, von ihrem Tode bis zur Verwendung in der Küche, mit einem Aufsatz über den Krebs und deutlicher Abbildung eines Krebs-Männchens und Weibchens. Ein Ratgeber für Jäger, Jagdliebhaber, Köche und Hausfrauen. Von August, P f a f f. Preis M. 1. — Die soeben erschienene No. 7 des III. Bandes der naturwissenschaftlichen Monatsschrift euthält nachstehende Original -Aufsätze: Dr. J. van Bebber: Anomale Witterungsphänomene aus letztverflossener Zeit. (Mit Abbildungen.) Oberlehrer Dr. Traumüller: Der Teakbamu nud seine Verbreitung, insbesondere die Teakwälder auf Java. Dr. Friedrich Heincke: Zur Kenntnis des Herings. I. Damian Gronen: Cuba. Beiträge zur Naturgeschichte dieser Insel, lugenieur Th. Schwartze : Obachs Galvanometer. (Mit Abbildung.) Dr. R. Hilbert : Eine neue Methode Farben zu mischen. Dr. G. Haller: Das Tier- und Pflanzenleben tief unter der Erde. Fortschritte in den Naturwissenschaften. — Litterarisclie Rundschau. — Biblio¬ graphie. — Witterungsübersicht für Centraleuropa. — Astronomischer Kalender. Neueste Mitteilungen. Der deutsche Holzschnitt,. Bis in die neuste Zeit bestand der Bildersclnnuek der Mehrzahl unserer populären Unterhaltungsblätter zumeist aus Holzschnitten, welche in ihrer trockenen, langweiligen Manier weit hinter den Leistungen des Auslandes zurück¬ blieben. Es ist auch bei aus anerkannt, daß die Amerikaner und Franzosen uns auf diesem Gebiet weit überflügelt hatten. Das ist nun anders geworden, nachdem in der verhältnismäßig kurzen Zeit seines Bestehens »Schorers Familienblatt« die deutsche Holz¬ schneidekunst wieder zu Ehren und Ansehen gebracht und sieb selbst eine ganz außer¬ ordentliche Anerkennung und Verbreitung in Deutschland und Oesterreich erobert hat. Nach dem Vorgeben von »Schorers Familienblatt«, das für die Herstellung seiner Bilder etwa 70 000 Mark jährlich aufwendet, sind die übrigen deutschen Blätter diesem mehr oder weniger gefolgt, und das Publikum hat den Vorteil davon. Als Hauptleistungen des neuen deutschen Holzschnitts nennen wir aus dem laufenden Jäbrgan" von »Schorers Familienblatt« vor allem folgende Kunstblätter: Venetianische Schwimmschule. Nach dem Gemälde von W. Kray. — Der Löwe kommt. Nach dem Ge¬ mälde von Franz Verhas. — Der Versucher. Von J. E. Gaisser. — Oedipus und Antigone. Von J. Stallaert. — Elsässische Pilgerinnen. Von M. Feuerstein. — Junge Liehe. Von A. Oberländer. — Polnischer Pferdemarkt. Von A. v. Wierusz - Kowalski. — Musik im Kloster. Von Ed. Grützner. — Die Gefangennahme Friedrichs des Schönen von Österreich in der Schlacht hei Mühldorf. Von H. Knackfuß. — Diese Holzschnitte sind aus den Kunstanstalten von Max Weher in Brüssel; R. Brend’ amour & Co. in Düsseldorf; Richard Bong und G. Heuer & Kirmse in Berlin ; Th. Knesing in München und Paul Krcy in Leipzig. Auch in textlicher Beziehung steht »Schorers Familienblatt« vorn an. Die neuen Romane »Der Gnadenlöhuer« von E. Vely und »Ein Gottesurteil« von E. Werner fesseln die Leser im höchsten Grade. Beobachtung, Pflege und Zucht der Tiere. Gemeinsames Organ für Deutschland und angrenzende Gebiete. Herausgegeben von der »Neuen Zoologischen Gesellschaft« in Frankfurt a. M. » Redigiert Prof. Dr. F. C. Noll, Oberlehrer am Gymnasium. XXY. Jahrgang.- — No. 9. Frankfurt a. M. Verlag von Mahl a u & Wald Schmidt. 1884. f "r- Ts^r-jrS^ - j r . • -"y-'&ie r'i’zu eine Beilage von Paul Parey in Berlin: Die Geflügelzucht von Bruno Dürigen. APOTHEKER HEINRICH. Roman von Hermann Heiberg. Beginnt am 1. Oktober in Schorers Familienblatt. Hermann Heilberg hat sich in kurzer Zeit die Gunst eines ausgedehnten Leserkreises erworben. „ Apotheker Heinrich“ ist eine tiet’ergreifende Erzählung aus dein kleinbürgerlichen deutschen Leben. Ferner erscheinen demnächst folgende besonders erwähnenswerte Beiträge: Ans dem Leben eines Berliner Kriminalbeamten Das Geheimnis der Wiinscbelrnte. von A. Oskar Klaussmau n. von Julius Stinde. Mit Illustrationen. — Höchst interessante Schilderungen aus der Berliner Verbrecherwelt.. Abbildungen. Schorers Faniilieublatt ist die bestillustrierte Unterhaltungs-Zeitschrift Deutschlands und Österreichs; es wird bemüht sein sich diesen Ruf auch ferner zu erhalten. Preis vierteljährlich 2 M. in Wochen- Nummern oder in Heften zu bO Pf. Man abonniert jederzeit in allen Buchhandlungen und Postämtern. Probe-Nummern gratis und franko auch von der Verlag eh imdlantj in Berlin , S. IV., Hessauerstrasse 12. Die im August erschienene No. 8 des IIT. Bandes der naturwissenschaft¬ lichen Monatsschrift „Humboldt44 enthält nachstehende Original -Aufsätze: Postrat C. Grawinkel: Die telephonische Musik- und Gesangübertragung. (Mit Abbildungen. ) Prof. Dr. W. Hess: Die Symbiose zwischen Tier und Pflanze. Oberlehrer H. Engelhardt: Ein Besuch in der vulkanischen Eifel. II. Prof. Dr. G. Krebs: Die Compound-Dynamomaschine. (Mit Abbildungen.) Dr. Friedrich Heincke: Zur Kenntnis des Herings II. Fortschritte in den Naturwissenschaften. — Litterarische Rundschau. — Biblio¬ graphie. — Witterungsiibersiclit für Centraleuropa. — Astronomischer Kalender. Neueste Mitteilungen. Die soeben erschienene No. 9 des III. Bandes der naturwissenschaftlichen Monatsschrift „Humboldt44 enthält nachstehende Original- Aufsätze : Garteninspektor Dr. Edmund Goeze: Das Vaterland der in Europa angebauten Früchte. Dr. Franz Höfler: Das adriatische Meer. Oberlehrer F. Heurich: Über zwei bewährte elektrische Zeigerwerke. I. (Mit Abbildungen.) Oberlehrer H. Engelhardt: Ein Besuch in der vulkanischen Eifel III. Dr. G. Haller: Die Gruppe der Chätognathen oder Pfeilwiinner. Ein ungelöstes biologisches Problem. Fortschritte in den Naturwissenschaften. — Litterarische Rundschau. — Biblio¬ graphie. — Witterungsiibersiclit für Centraleuropa. — Astronomischer Kalender. Neueste Mitteilungen. - > rT-Z^Z- -ä -Z-'j. - • ü Zoologische Garten. Zeitschrift für Beobachtung, Pflege und Zucht der Tiere. Gemeinsames Organ für Deutschland und angrenzende Gebiete. Herausgegeben \ von der »Neuen Zoologischen Gesellschaft« in Frankfurt a. Ni . Redigiert VOll Prof. Dr. F. C. Noll, Oberlehrer am Gymnasium. XXY. Jahrgang. — No. 10. Verlag von Frankfurt a. M. M a b 1 a u & Waldschmid t. 1884. EM B 5> Verlag von Mahlau & Waldschmidt in Frankfurt a. M. Deutschlands Säugetiere und Vögel, ihr Nützen und Schaden. Von E. F. v. Homeyer. F*rei» INI. 3. — Zu haben in allen Buchhandlungen. Im Verlage von Mahlau & Waldschmidt in Frankfurt a. M. ist erschienen: Das Frettchen. Eine Anleitung zu dessen Zucht, Pflege und Ablichtung nebst einer historischen und kritisch-zoologischen Betrachtung über dessen spezifische Verschiedenheit vom litis, auf Kreuzungsresultaten basiert. Von Johann von Fischer. 6 */2 Bogen in Umschlag mit einer Tafel und Abbildungen. M 4. — Die Entstehung dieser Schrift ist durch das Bedürfnis nach einer solchen hervor¬ gerufen. Es sind die Früchte langjähriger Erfahrung und zahlreicher eigener, sowie aus zuverlässigen Quellen geschöpfter Beobachtungen des in der zoologisch-wissenschaftlichen Welt rühmlichst bekannten Forschers, und sind wir überzeugt, daß diese populär gehaltene »Anleitung« großen Beifall findet. Gegen einen zalimeu Rehbock ver- j tausche ich 1 belgischen Riesenkaninchen- j Rammler, isabellenfarbig, 10 Pfund schwer, I 1 Häsin goldgelb, 9 Pfund, belegt, incl. 6 Stück 21/a Monat alten Jungen. Stärkste fruchtbarste Race. Ellinghausen b/Hilgen. — Cöln a/Rh. Hermann Fritz. Verlag von Mahlau & Waldschmidt in Frankfurt a. M. : Die Spechte und ihr Wert in forstlicher Beziehung. Von E, F. v. Homeyer. Zweite Auflage. Preis M. 1. — Der Zoologische Garten. Um die Anschaffung der noch vorhandenen früheren Jahrgänge des »Zoologischen Gartens« möglichst zu erleichtern, haben wir uns entschlossen, die Ladenpreise wie folgt zu ermäßigen : Jahrgang- I fehlt. » II— VI (1861 — 1865) ä Mk. 2. — » VII -XVI (1866-1875) » » 3. — » XVII— XXI (1876 - 1880) • * 5. - Bei Abnahme der sämtlichen Jahrgänge II— XXI ä Mk. 2. 50 oder zusammen für 20 Jahrgänge nur Mk. 50. — Zu beziehen durch die Verlagshandlung Mahlau & Waldschmidt in Frankfurt a. M. Fl kl I k3 n ♦ Kl » I m sä Fl Fl Fi, F| m Fl | g Fl F| hl r i -| 1 ■I N Zoologische Garten. Zeitschrift, für Beobachtung, Pflege und Zucht der Tiere. ^oo< Gemeinsames Organ für Deutschland und angrenzende Gebiete. ! . > ^ ‘ - . - \ $ ■ r . * Ilerausgegeben von der »Neuen Zoologischen Gesellschaft« in Frankfurt a. M. Redigiert Prof. Dr. F. C. Noll,. Oberlehrer am Gymnasium. XXY. Jahrgang. — No. 11. N :K\ f* tj 'S^TT-r Frankfurt a. M. Verlag von M a h 1 a u & W a 1 d s c h m i d t. 1884. + Ä Verkäufliche Zoologischer Garten zu Hannover: 2 canadische Biber, 3ji Jahr alt, im 1 Zebrastute, 6 Jahr alt, Edelhirsche männlich und weiblich. Damwild desgleichen. 2 Zeburind 2 Jahr alt 1 Zebukuh 1/-2 Jahr alt 1 Zwergzebukuh 2 Jahr alt 1 Nilgauantilope, männlich, 3 Jahr Garten geboren, desgleichen. im Garten geboren. alt . u. s. w. *) Die verehrliehen Verwaltungsräte der Zool. Gärten werden um gefällige Angabe Ihrer ver¬ käuflichen Thiere, mit oder ohne Preisangabe gebeten. Die Aufnahme erfolgt gratis. Im Verlage von Mahlau & Waldschmidt in Frankfurt a. M. ist erschienen: Das Frettchen. Eine Anleitung zu dessen Zlicllt, Pflege und Ablichtung nebst einer historischen und kritisch-zoologischen Betrachtung über dessen spezifische Verschiedenheit vom litis, auf Kreuzungsresultaten basiert. Von Johann von Fische r. 6’/2 Bogen in Umschlag mit einer Tafel und Abbildungen. M 4. — i Die Entstehung dieser Schrift ist durch das Bedürfnis nach einer solchen hervor¬ gerufen. Es sind die Früchte langjähriger Erfahrung und zahlreicher eigener, sowie aus zuverlässigen Quellen geschöpfter Beobachtungen des in der zoologisch-wissenschaftlichen Welt rühmlichst bekannten Forschers, und hat diese populär gehaltene »Anleitung« bereits großen 'Beifall gefunden. Verlag von Mahlau & Waldschmidt in Frankfurt a. M. : Die Spechte und ihr Wert in forstlicher Beziehung. Von E, F. v, Homeyer, Zweite Auflage. Preis M. 1. — i ■ \ : ~ ~ " Der Zoologische Garten. Um die Anschaffung der noch vorhandenen früheren Jahrgänge des »Zoologischen Gartens« möglichst zu erleichtern, haben wir die Ladenpreise wie folgt ermäßigt: Jahrgang I fehlt. » II— VI (1801—1865) ä Mk. 2. — » VII- XVI (1866 -- 1875) » » 3. — » XVII— XXI (1876 -1880) . * 5. - Bei Abnahme der sämtlichen Jahrgänge II— XXI ä Mk. 2. 50 oder zusammen für 20 Jahrgänge nur Mk. 50. — Zu beziehen durch die Verlagshandlung Mahlau & Waldschmidt in Frankfurt a. M. ■ >o ::4? * . < IZZ-Z-Z-+ ' r r y r -r "ZJZZZ2ZZ&* ■ ■ f. ■ {; Der Zeitschrift für Beobachtung, Pflege und Zucht der Tiere. Gemeinsames Organ für Deutschland und angrenzende Gebiete. von der »Neuen Zoologischen Herausgegeben Gesellschaft« in Frankfurt a. M. Redigiert von Prof. Dr. F. C. Noll, Oberlehrer am Gymnasium. XXV. Jahrgang. — No. 12. Frankfurt a. M. Verlag von Mahlau & Waldschmidt. 1884. { < - K ft i < ft 7 1 n M. ► i ft |; h ft ) * fr I A ft ft \ 1 ft i: i: T< ft ft 5 -i *; i ft E i? ft 5: I j? 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