m

Mit 21 Tafeln und 2 Holzschnitten.

\

SH BER W Yi ORE

BOTA A\NICAL GARDEN.

BREMEN. ®; Ed. Müller. f 1382.

Inhalts-Verzeichniss.

Erstes Heft.

Erschienen December 1SS0.

Fr. Buchenau: Reliquiae Rutenbergianae I (Botanik, Taf. L II) ...... S. A. Poppe: Ueber eine neue Art der Calaniden-Gattung Temora. Baird REES DENT N ER RR Sr N EN Herm. Rehberg: Weitere Bemerkungen über die freilebenden Stiss-

Baer Bopepoden (Tat, IN)... 0.2.2000 ne sn ran Herm. Rehberg: Eine neue Gregarine. Lagenella mobilis n. g. et n. sp. Ta N Le ES RR ar ei Do BEER ocke: Künstliche Pilanzen-Mischlinge.. v.. .................0:.% Fr. Buchenau: Fernere Beiträge zur Flora der ostfriesischen Inseln -, Zweites Heft. | Erschienen April 1881. G. Hartlaub: Beitrag zur Ornithologie der östlich-äquatorialen Gebiete EA VER E D a e uale unle ale König: Verzeichniss der auf der Tieel Borkum gesammelten erinnern W. Hess: Beiträge zu einer Fauna der Insel Spiekeroog.............. J. Huntemann: Zur Flora und Fauna der Insel Arngast im Jadebusen S. A. Poppe: Ueber einen neuen Harpacticiden (Taf. VD)‘.............

H. Fischer: Bericht über eine Anzahl Steinsculpturen aus Costarica

En RR RR) NA RN

W.Müller-Erzbach: Die magnetische Inclination von Bremen im März 1830

Reliquiae Rutenbergianae II (Zoologie, Taf. XI).... ...2......r..22..» Reliquiae Rutenbergianae III (Botanik, Taf. XII) .

- W. Müller-Erzbach: Vergleichende Beobachtungen über ie n Untererhisd

in der Spannkraft des Wasserdampfs bei verschiedenen hygroskopi- a la herein. en een nee W.0.Focke: Die Vegetation im Winter 1880/81 ......2.222.2020e0200..

en BE SE a a REN REREER EN) | SE PRSRR DEE SPEER EEE

Drittes Heft. Erschienen April 1882.

J. G. Fischer: Herpetologische Bemerkungen (Taf. XIV—XVIN el Reliquiae Rutenbergianae IV (Botanik, 2. Fortsetzung, Taf. XVIH)...... F. Könike: Ueber das Hydrachniden-Genus Atax Fabr. .............. R. Copeland: Ein Besuch auf der Insel Trinidad im südatlantischen Oesan. (Taf: NT) ee ee W. 0. Focke: Geognostische Beobachtungen bei Stade und Hemelingen EEE DO OR REN ERS ..--.; W. 0. Focke: Das ältere marine Alluvium .......uee.eceanccaeecenne S. A. Poppe: Zur Säugethier- Fauna des nordwestlichen Deutschland. K. Martin: Ueber das Vorkommen eines gemengten Diluviums und anstehenden Tertiärgebirges in den Dammer Bergen, im Süden

Oldenbures (mit 2 Holzschnitten) .2..2.2.2...2..2...2. 2... 2 een Reliquiae Rutenbergianae V (Botanik, 3. Fortsetzung, Taf. XXI)........... W220: Rocke: Variation von Primula, elatier 2... 2... !.. 2... a

W. 0. Focke: Die Jahresmittel, Maxima und Minima aus den bisher zu Bremen angestellten thermometrischen und barometrischen Beob- achtunpend. nal 2 ee are ee een an

Fr. Buchenau: Gefüllte Blüten von Juncus effusus L. .....-.........

“UL! LO IYIV

Reliquiae Rutenbergianae.

I. (Hierzu Taf. 1 und eine Karte.) LIBRARY NEW YO Ä ö BOTANICAL Einleitung. GARDEN.

Im August 1878 wurde Dr. med. Christian Rutenberg aus Bremen auf Madagaskar von seinen, dem Volke der Sakkalaven angehörenden, Dienern und Reisebegleitern ermordet. Eine junge, frische Kraft, auf welche die wissenschaftlichen Kreise unserer Stadt mit Recht grosse Hoffnungen setzten, war damit schnöder Habgier zum Opfer gefallen, seine Familie durch den Tod des einzigen Sohnes und Bruders in tiefe Trauer versetzt worden! Erst im folgenden Winter kam die Unglücksbotschaft nach Bremen, anfangs nicht oder nur mit Widerstreben geglaubt, dann aber leider nur zu sicher bestätigt. Die kaufmännischen Geschäfte zu Helleville auf Nossi-Be, sowie die dortigen französischen Behörden gaben sich grosse Mühe, die genaueren Umstände von Rutenberg’s Tod zu ermitteln und von seiner Hinterlassenschaft namentlich die Tagebücher und die gesammelten Naturalien zu retten. Der Vater Rutenberg’s veranlasste den bekannten Afrika-Reisenden J. M. Hilde- brandt, auf einer eigenen Expedition den Spuren Rutenberg’s nach- zugehen und die Stätte seines Todes zu besuchen. So lichtete sich denn allmählich das Dunkel, welches anfangs über der argen That gelastet hatte.

Während des Jahres 1879 kamen mit anderen Gegenständen aus Rutenberg’s Hinterlassenschaft auch die von ihm gesammelten Naturalien nach Bremen. Der Vater des Verstorbenen hatte die Güte, dieselben dem städtischen Museum zu übergeben. Hier über- nahm Herr Director Dr. H. Ludwig die Durchsicht und Bestimmung der (wenigen) Thiere und Thierreste, während ich mich selbst. der ersten Bearbeitung der botanischen Gegenstände unterzog. Diese bestanden aus einigen Früchten und drei Packeten gut getrockneter Pflanzen. Schon die erste Durchsicht zeigte, dass dieselben mancherlei Auffallendes und Beachtenswerthes enthielten.”) Die Redaction

e) Eins der Packete enthielt Pflanzen aus Süd-Afrika, meist schr bekannte Arten, welche Rutenberg offenbar lediglich als Andenken mitgenommen hatte; sie sind daher in der folgenden Arbeit nicht mit berüc ksichtigt. Pflanzen von Mauritius befanden sich nicht darunter und müssen dieselben, da Ruten- berg doch wohl unzweifelhaft auf dieser schönen Insel botanisirt hat, verloren gegangen sein.

November 1880. vnı

2

dieser Abhandlungen ging freudig auf den Gedanken ein, in diesen _ Blättern eine Aufzählung der Pflanzen zu geben und damit Dr.

Rutenberg ein wissenschaftliches Denkmal zu setzen. Die Be- arbeitung der Pflanzen machte zuerst die Uebersetzung der kurzen, denselben in stenographischer Schrift beigefügten Notizen über Fundort, Blütenfarbe, Fundzeit u. s. w. nothwendig; dann wurden sie mit vollständigeren Etiketten versehen und soweit thunlich nach den natürlichen Familien auseinander gelegt”) Es zeigte sich nun aber bald, dass die weitere Bearbeitung der meisten Pflanzen hier in Bremen nicht möglich war. Dazu ist unser städtisches Herbarium noch lange nicht reich genug. Es fehlt namentlich das in vielen Fällen unumgänglich nothwendige Vergleichsmaterial von der afrikanischen Ostküste und aus den bekannteren Gegenden von Mada- gaskar, sowie überdies mehrere der unentbehrlichen Werke, in denen malagassische Pflanzen abgebildet oder beschrieben sind. Es musste desshalb meine Aufgabe sein, für die meisten Pflanzen-Familien geeig- nete Bearbeiter zu finden; ich selbst konnte mir nur die Vergleichung und Bestimmung einiger kleineren Familien und die Redaction der einlaufenden Arbeiten vorbehalten. Auf diese Weise ist die nach- stehende Arbeit entstanden, der hoffentlich in nicht zu ferner Zukunft weitere Beiträge folgen werden.

Gerne würde unser Verein in diesen Blättern auch eine längere Biographie von Dr. Rutenberg veröffentlicht haben. Da indessen bereits von Seiten eines Jugendfreundes, des Herrn Dr. H. Neuling, das Leben Rutenberg’s an anderer Stelle eine eingehende Darlegung erfahren hat, welcher wir doch nichts Neues hinzufügen könnten, so beschränken wir uns hier auf einen kurzen Lebensabriss und auf die Aufzählung derjenigen Publikationen, in welchen man Näheres über Rutenberg und seine Reisen: findet.

In Betreff der gesammelten Pflanzen ist es nothwendig, noch Folgendes vorherzuschicken. Dr. Rutenberg reiste weder als geographischer Forscher noch als Botaniker, welcher die Fiora des durchstreiften Landes vollständig zu sammeln und wissenschaftlich zu bearbeiten beabsichtigte; er reiste aus Wissensdurst und Wander- lust, um zu eigener Belehrung die Erde und ihre Bewohner kennen zu lernen. Er hatte daher keine speciellen botanischen Vorstudien gemacht und war nur mit wenigen Mitteln für die Conservirung von Naturalien versehen. Aus diesen Gründen kann seine Sammlung von Pflanzen z. B. nicht verglichen werden mit der seines Nach- folgers J. M. Hildebrandt, welcher seit Jahren die Flora von Ost- afrika (jetzt auch von Madagaskar) planmässig erforscht und mit allen Hülfsmitteln der neueren Technik ausgerüstet ist. Rutenberg sammelte Pflanzen mehr als Andenken und zur Illustration seiner

*) Hierbei wurde ich vielfach durch verehrte Freunde, nämlich Herrn Dr. W. ©. Focke hierselbst, sowie während eines mehrtägigen Aufenthalts in Berlin (Mai 1880) wohin ich einen Theil der Pflanzen mitgenommen hatte, durch die Herren Professor Dr. A. W. Eichler, Professor Dr. P. Ascherson, Professor Dr. A. Garcke und Dr. Fr. Kurtz unterstützt, denen allen ich hiermit herzlichen Dank sage.

u

ar Statt Nude Sure De Sl Ta

3

Reise-Notizen. Wenn trotzdem seine Sammlung so viel Schönes und Beachtenswerthes enthält, so erklärt sich dies daraus, dass Rutenberg durch eifriges Botanisiren in der Jugend seinen Blick geschärft und das Verfahren, Pflanzen zu trocknen, kennen gelernt hatte, und dass ferner die Flora von Madagaskar so reich an merkwürdigen Pflanzen ist. -

Diedrich Christian Rutenberg wurde als einziger Sohn des Baumeisters Lüder Rutenberg geboren zu Bremen am 11. Juni 1851. Seine Schulbildung erhielt er auf dem hiesigen Gymnasium, welches er ım März 1870 nach wohlbestandenem Abiturienten-Examen ver- liess, um sich dem Studium der Medicin zu widmen. Schon auf der Schule zeichnete er sich‘ durch Wanderlust und grosse Liebe

für die Natur, namentlich für die Pflanzenwelt, aus. Bereits als

Tertianer machte er allein eine Reise nach Kopenhagen und Süd- schweden. In der Flora unserer Gegend hat er sich durch die Auffindung der bei uns so seltenen Schuppenwurz (Lathraea squamaria) am Waldrande zwischen Scharmbeckstotel und Baren- winkel 14. April 1868 ein bleibendes Denkmal gesetzt. Er bezog zunächst die Universität Jena, meldete sich aber, als im Juli 1870 unerwartet der deutsch-französische Krieg ausbrach, zum Hospitaldienst und war eine Zeit lang als ärztlicher Gehülfe in Forbach thätig. Von dieser Zeit an datirt seine Vorliebe für Chirurgie, aus der sich später besondere Neigung zur Augenheil- kunde entwickelte. Er studirte, theils als immatriculirter Student, theils als junger Doctor (seine Promotion erfolgte am 20. October 1875 zu Heidelberg) in Jena, Würzburg, Heidelberg, Leipzig, Berlin, Strassburg und Wien. Von Jena aus machte er im August und September 1872 mit Professor Häckel und einigen Ereunden eine Reise nach Tirol, Dalmatien und Montenegro, welche ihm besonders lebendige Erinnerungen zurückliess. Als während seines Aufent- haltes in Wien von Serbien aus der Hülferuf um deutsche Aerzte erschallte, (Juli 1876) stellte sich Rutenberg rasch entschlossen dem serbischen Kriessministerium zur Verfügung und diente drei Monate lang in den serbischen Hospitälern. Nach seiner Rückkehr aus Serbien wandte er sich von Neuem seinen ophthamologischen Studien zu und ging im November 1876 nach London, um die Anfertigung einiger neuer, von ihm erdachter Instrumente zu über- wachen. Dort, auf dem „Markt der Welt“ ergriff ıhn von Neuem die Wanderlust. Er schiffte sich am 9. April 1877 nach Lissabon und Madeira ein, ging von dort nach der Capstadt und durchreiste in 2%/; monatlicher Reise (31. Mai bis 13. August 1877) Süd-Afrika. Aın 23. August verliess er Durban und landete am 3. September auf Mauritius, wo er die Schönheit der Tropennatur in vollen Zügen genoss. NEndlich, am 27. September 1877, schiffte er sich nach Madagaskar ein und landete am 3. October in Vohemar. Seine Reisen auf Madagaskar, welche uns hier natürlich besonders inter- essiren, gliedern sich folgendermassen :

7. October 13. October 1877. Reise von Vohemar bis Fassi (Durchkreuzung der Nordspitze von Madagaskar).

1*

4

17. October 23. October. Aufenthalt in Helleville auf Nossi-Be. 23. October 1877 18. März 1878. Reise von Helleville zur See nach Madjunga, von da nach dem Alaotra-See, Antanana- rivo (8. 17. December), dem Itasi-See uud zurück.

18. März 2. Mai 1878. Aufenthalt auf Nossi-Be.

2. Mai 1878 17. (?) Juli 1878. Reise zu Lande, längst der Westküste nach Madjunga.

26. Juli 1878 25. August 1878. Reise von Madjunga bis zu dem Ufer des Flusses Maningaza, wo er sein Ende fand.

Ehre seinem Andenken !

Literatur über Dr. Rutenberg und seine Reisen.

1) „Weser-Zeitung“ 1879, April. Dr. Chr. Rutenberg, Nekrolog und Mittheilung aus seinen Briefen von Dr. H. Neuling, (als Separat- Abdruck in Broschüren-Form unter dem Titel: Zur Erinnerung an Dr. Christian Rutenberg).

2) „Globus“ 1879, XXXV, pag. 299—304. Dr. H. Neuling, Dr. Chr. Rutenberg’s Beisen in Süd-Afrika und Madagaskar.

3) „Weser-Zeitung“ 1880, Februar 22, 23. März 2, 4, 18, 20. April 8, 9, 10, 17, 20, 22, 25. Dr. H. Neuling, Mittheilungen aus dem Tagebuche von Dr. Chr. Rutenberg. (Diese Mittheilungen sind wieder abgedruckt im 2. und 3. Hefte des 3. Bandes der deutschen geographischen Blätter, 1880, pag. 49—63 und 115—159; ausser- dem sind sie mit einem Bilde des Dr. Rutenberg, einer von E. Debes in Leipzig nach dem Tagebuche und den Skizzen Ruten- berg’s gezeichneten Specialkarte des nördlichen Theiles von Mada- gaskar (derselben Karte, welche auch diesem Hefte unserer Ab- handlungen beigegeben ist) und mit einer Vorrede von Dr. H. Neuling unter dem Titel: Zur Erinnerung an Dr. med. Christ. Rutenberg, zu einer für die Verwandten und Freunde bestimmten Broschüre zusammengestellt worden).

4) „Berliner Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde“, Bd. XV, pag. 81—131. J. M. Hildebrandt, West - Madagaskar;

Reiseskizze. (Expedition zum Besuche der Todesstätte Rutenberg’s

und zur Aufsuchung etwaiger Reliquien von ihm). 5) „Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik von Dr. Arendts,“ 1879, pag. 423. Nekrolog. Dr. Chr. a von W. Wolkenhauer.

Von Dr. Rutenberg selbst sind im Drucke erschienen:

„P. Börner’s deutsche Med. Wochenschrift“, Bd. XIX, 1876. „Ueber Abkühlung des Körpers vom Darme aus.“

„Deutsche Zeitschrift für praktische Medicin,“ 1876. „Ein Blasenspiegel beim Weibe“.

„Dr. Wittelhöfter’s Wiener Medic. Wochenschrift“, 1876, No. 33, 34, 35. „Ueber Gaumenspaltnaht und Erzielung einer reinen (nicht näselnden) Sprache durch Vorlagerung der hinteren Schlundwand.“

Fr. Buchenau.

A S

5

Ranunculaceen*). Bearbeitet von Herrn J. Freyn in Wien.

Die Gesammtausbeute an Arten dieser Familie war gering und beschränkte sich auf fünf Nummern, welche sämmtlich aus dem mittleren, gebirgigen Theile von Madagaskar zwischen dem 18—19° südlicher Breite herstammen. Die fünf Nummern der Sammlung gehören zu vier verschiedenen Arten, die alle als neu beschrieben werden mussten. Mit Ausnahme der Clematis, welcher im selben Gebiete übrigens zwei bereits bekannte, habituell ähnliche Arten zur Seite stehen und die wie diese zu einem besonderen, sehr kleinblättrigen Typus gehört, sind die gefundenen Ranunkeln habituell sehr wenig ausgezeichnet, sogar recht unansehnlich und dies wohl der Grund, warum sie bisher nicht gefunden zu sein scheinen. Die bisher ausserordentlich zerstreute Literatur über Madagaskar ist wohl in Europa nirgends ganz beisammen, da auch Werke existiren, die in Madagaskar selbst gedruckt und verlegt sind. So zeigen denn selbst die so reichen Bücherschätze Wien’s für dieses Gebiet empfindliche Lücken, und die wirklich vorhandenen Werke, soweit sie Botanisches enthalten, erwähnen meist, keiner einzigen Ranunculacee. So verhält es sich mit den beiden Arbeiten von Aubert du Petit-Thouars, mit Ellis, three visits to Madagaskar, dann mit den Publikationen von Bory und Bojer. Ebenso lieferten die Werke über die Nachbarfloren meist nur negative Resultate. Der übrigens bereits bekannte stark entwickelte Endemismus der Flora von Madagaskar lässt auch nicht erwarten, dass diese Vege- tation mit den Nachbargegenden eine zu nahe Verwandtschaft bekunden wird, es sei denn mit dem tropischen Afrika. Indien und das Capland werden wohl kaum in näheren Vergleich kommen, wenigstens ist es bei den Ranunkeln so der Fall, deren Beschreibungen hier angeschlossen sind.

1. Clematis longipes n. sp. |Sect. Flammula DC.) Kletter- strauch ”“) Blühende Zweige, krautig, gerillt, zerstreut weichhaarig, in sehr entfernten Abständen beblättert. daselbst zottig und aus denBlattachseln langästig. Blätter beiderseits zerstreut behaart, unterseits auf den Nerven gegen den Blattgrund zu dichter steifhaarig, entgegengesetzt, im Verhältniss zu den langen Inter- nodien sehr klein; das unterste Paar an der Abzweigungsstelle des blühenden Zweiges situirt, winzig; die beiden andern Paare ungleichmässig entfernt, beträchtlich grösser als das unterste, im Umrisse fast rundlich, dreizählig. Segmente des mittleren Paares breit eiförmig, am Grunde stark unterschnitten und etwas keilförmig, übrigens mehr oder weniger tief dreischnittig mit dreischnittigem Lappen und doppelt-zweischnittigen und gezähnten, breit-länglichen, spitzen Abschnitten, diese durch keilförmige Buchten getrennt, sich

*) Die Reihenfolge der Familien ist im Ganzen nach Bentham und Hooker, Genera plantarum.

**) Die vorliegenden Exemplare sind abgebrochen; die Bruchstelle zeigt, dass sie jedenfalls Zweige eines, wahrscheinlich kletternden, Stammes sind,

6

nicht berührend. Das obere Paar Stengelblätter grösser als das mittlere, mit langgestieltem eiförmigem Mittel-Segment und sitzenden schiefeiförmigen oder fast rhombischen Seiten - Segmenten; die Segmente tief dreischnittig oder dreitheilig. Die Zipfel des Mittel- Segmentes rhombisch, eingeschnitten und mit wenigen grossen Zähnen; jene der seitlichen Segmente länglich, über der Mitte des Randes jederseits mit einem lanzettlichen und einigen dreieckigen kleineren Zähnen. Seiten-Zweige aufrecht, lang, aber kürzer als der Hauptzweig, mit einem etwas’ unter der Mitte situirten Blattpaar.”) Diese Blätter rhombisch-eiförmig, tief dreispaltig mit rhombisch-länglichen gezähnten und etwas eingeschnittenen Lappen. Blüten einzeln aufsehr verlängerten, oberwärts dicht gelb- lich-weiss-zottigen Blütenstielen, nickend, ansehnlich, blumen- blattlos. Kelchblätter 4—6, violett (?) eilanzettlich bis länglich- eiförmig, zugespitzt, manchmal kurz zweispaltig, aussen, besonders auf den Nerven, mehr oder weniger dicht weichhaarig, innen kahl. Staubgefässe mehrmal kürzer als die Sepala; die Antheren anfänglich etwa so lang als deren Träger, zuletzt fast doppelt kürzer; Staubfädenimoberen Theile flach, etwas verbreitert und kahl, unterwärts schmäler, nach aussen dicht- und lang- zottig, innerseits wenigstens am Grunde kahl. Fruchtknoten- köpfchen über die Staubgefässe hinausragend, dichtzottig. Früchte eiförmig, seitlich stark zusammengedrückt, aber dennoch deutlich convex, oben und unten spitz, überall dicht rauhhaarig, von dem vielmal längeren, bleibenden, lang rauhhaarigen Griffel seschwänzt.

Auf grasigem Berge in der Nähe von Antananarivo, 7. De- cember 1877.

Maasse. Blühender Zweig 42 cm lang. Abstand des mittleren Blattpaares von der Abzweigungsstelle 3,5 cm, des oberen Blattpaares 19,5 cm. Untere Blätter etwa 2,5 cm lang, 3 cm breit, auf fast 1 cm langem, scheidig erweitertem Blatt- stiele; obere Blätter 5 cm lang und breit. Unteres Aeste- paar (sammt Blütenstiel) 24 cm, das obere 13 cm lang. Blüte etwa 6,5 cm im Durchmesser (ausgebreitet); Staubgefässe ‚(ausgewachsen) 0,9 cm lang, wovon 0,3 cm auf die Antheren kommen ; Frucht 0,4 cm lang, 0,2 cm breit, der breiteste Theil wenig oben der Mitte. Fruchtschweif etwa 3,5 cm lang.

Diese Art besitzt nur zwei nahestehende Verwandte und zwar beide auf Madagaskar und beide durch so sehr entfernt stehende kleine Blätter ausgezeichnet, nämlich C. trifida Hook. und C. olisophylla Hook. Von beiden hat C. longipes manches an . sich, so zwar, dass es gerade nicht unmöglich wäre, dass alle drei nur Formen einer und derselben Art seien. Ein entscheidendes Urtheil hierüber zu fällen ist aber so lange nicht möglich, als nicht ein reicheres Vergleichsmaterial vorliest. Die von Hooker gegebenen

*) Dieses Blattpaar begrenzt eigentlich Seitenzweig und Blütenstiel. Deutet man aber den seitlichen Spross in seiner ganzen Länge als Blüten- stiel, so würden diese Blätter als Involuerum anzusehen sein.

7

Beschreibungen sind nämlich überaus kurz und den Abbildungen, die offenbar nach Bruchstücken angefertigt sind, wurden keine Analyse: beigegeben, so dass sie den Mangel an Exemplaren nicht ersetzen können. Da nun die im Folgenden hervorgehobenen Unterschiede constatirt werden können, so bleibt vorläufig nichts übrig, als daran festzuhalten.

C. trıfida Hook. (lIcones Plantarum, I, (1837.) tab. 79!) unterscheidet sich hauptsächlich durch unverzweigte nur einblütige Zweige und durchaus sehr kleine Blätter, deren allergrösste nur etwa 3 cm lang und 25 cm breit sind und die auch fast alle keil- förmig, verkehrt-eiförmig; dreilappig mit gezähnten oder ganzrandigen Lappen dargestellt sind. Nur ein Seitenzweig zeigt ein einziges ‚sehr kleines, einfach gefiedertes Blättchen. Dagegen ist die Blüte srösser-ausgebreitet, etwa 10 cm im Durchmesser, welcher Umstand ım Zusammenhalte mit den viel kleineren Blättern ein habituell allerdings sehr verschiedenes Bild ergiebt. C. oligophylla Hook. l. e, tab. 80! ist ebenfalls unverästelt; die Blätter sind dreieckig, 2,5—3 cm lang und breit, doppelt - gefiedert, mit spitzen, lanzett- lichen oder länglichen Abschnitten; der Blattstiel ist etwa 0,8 cm lang, die Blüte klein, hat etwa 6 cm im Durchmesser (ausgebreitet).

Alle anderen Arten dieser Gruppe sind der C. longipes sehr unähnlich.

2. Ranunculus madagascariensis n. sp. (Sect. Euranun- culus Gr. Godr.) Ausdauernd. Schmächtig. Wurzel büschelis, faserig Blätter von fast anliegenden, kurzen, weissen Steifhärchen in der Jugend ziemlich dicht behaart, im Alter kabler; die grund- ständigen lang-gestielt; der Stiel kahl oder ‘mit einigen zerstreuten Borstenhaaren besetzt, am Grunde mit häutiger, schiefabgestutzter, oberwärts kaum gewimperter Scheide umfassend ; die Blattspreite im Umrisse dreieckig oder länglich-dreieckig, dreitheilig oder doppelt dreitheilig mit stets sehr lang gestieltem Mittelsegmente und viel kürzer gestieiten Seiten-Abschnitten, deshalb wie gefiedert aussehend. Abschnitte letzter Ordnung im Umrisse fast rhombisch, mit keil- förmigem Mittelfelde und schief abstehenden länglichen oder lanzett- lichen spitzen Zähnen. Stengel aufrecht, stielrund (?) hohl (?) kahl oder zerstreut-abstehend-behaart, unterhalb der Mitte schwach verästelt, unter jedem der aufrechten Aeste, sowie diese selbst an ihren spärlichen Verzweigungsstellen je ein Blatt tragend. Die Stengelblätter ähnlich gestaltet wie die grundständigen, nur allmählich kleiner werdend, die unteren gestielt, die oberen lineal- ungetheilt, deckblattartig und auf der Scheide sitzend. Blüten- stiele schwach strichelhaarig, lang, dünn, die fruchttragenden fast fädlich und wenigstens im getrockneten Zustande oberwärts deut- lich gefurcht. Knospen kugelig. Blüten klein. Kelchblätter erst abstehend, zuletzt zurückgeschlagen, länglich-eiförmig, spitz, in der Mitte grün, kahl oder mit einzelnen Steifhaaren, am Rande gelblich, häutig. Blumenblätter gelb, länglich, kaum genagelt und am Grunde mit einem sehr kleinen, von einer halb- kreisförmigen Schuppe gedeckten Honiggrübchen. Staubgefässe

4

8

im Anfange länger, während der Anthese so hoch als das Frucht- knotenköpfehen. Früchtchen klein, verkehrt-eiförmig, stark zusammengedrückt, mit gewölbten, zerstreut-warzigen Seitenflächen und scharfem Rande, an der Spitze kurz ge- schnäbelt. Der Schnabel (Griffelrest von !/ı bis '/s Karpellen- länge) schief aufgesetzt, aus dreieckigem Grunde etwas pfriemlich, zuerst gerade, dann mehr oder weniger stark

auswärts gekrümmt. Fruchtboden ellipsoidisch, steifhaarig, ‚Torus kahl.

An einem Graben in der Nähe von Antananarivo, 18. De- cember 1877. 5 i

Maasse (nach einem Individuum und etlichen Bruchstücken) in Centimetern: Stengel 20 bis 25; grundständige Blätter von 2 Länge auf 1,2 Breite an bis 5 Länge auf 3 Breite, in letzterem Falle der Stiel des Mittelsegmentes 3, jene der Seiten- Abschnitte 0,4 lang. Blüte 1,2 im Durchmesser. Blumen- blätter 0,6 lang, 0,25 breit, die breiteste Stelle etwas über der Mitte. Fruchtköpfchen 0,6 im Durchmesser, kugelig. Karpellen sammt Schnabel 0,2, ohne diesen 0,15 lang, bei 0,15 Breite.

Diese in der Tracht etwa an R. sardous Cz. erinnernde Pflanze kann wegen der stark gewölbten Seitenflächen der Früchtcehen nur mit R. pubescens Thunbg. und R. Wallichianus Walk. et Arn. verglichen werden, welche aber beide sonst in jedem Stücke verschieden sind. Beide sind robuste Pflanzen, die erstere (nach der Beschreibung) auch diffus mit breiten Blatt-Segmenten; die letztere |Wight, Icon. fl. Ind. t. 957!] niederliegend und an den Gelenken wurzelnd, mit anders gestalteten Blättern, viel grösseren Blüten und Früchten u. s. w. R. pinnatus Poir. Encyel. VI. (1812) pag. 126! hat nach der Beschreibung nicht zurückgeschlagene Kelchblätter und fast gerade Fruchtschnäbel. Es ist nicht leicht zu erklären, warum Harvey et Sonder Flora Capensis I. (1859—60) pag. 6! den R. pubescens Thunbg. Prodr. Fl. Capensis II. (1800) pag. 94! ihrem R. pinnatus, zu dem sie „Poiret“ citiren, als Synonym unterordnen, denn selbst wenn sich beide Namen wirklich auf ein und dieselbe Ptlanze beziehen würden, hätte der von Thunberg gegebene die ausgesprochene Priorität. Allein die Identität ist wirklich sehr unwahrschemlich. Denn erstlich begründete Poiret seinen R. pinnatus auf eine von Sonnerat in Indien gesammelte Pflanze, nennt auch kein anderes Vaterland, als Indien, zweitens nennt er den Kelch zurückgeschlagen und entwirft ein Habitusbild, welches sich jenem in den Flora Capensis gegebenen nicht sehr anschliesst. Die Angabe, dass R. pinnatus im Caplande vorkomme, basirt offenbar auf Hooker et Thomson’s Flora Indica I, (1855) pag. 38—39! woselbst aber nur die Vermuthung ausgesprochen wird, dass eine im Herbar Hooker’s befindliche südafrikanische Ranunkel mit gefiederten Blättern der echte R. pinnatus sei, im Gegensatze zu der von With so benannten Art, welche dem R. Wallichianus entspricht; übrigens hatte schon DeCandolle (Systema I. pag. 300!) die indische und afrikanische Pflanze für identisch

)

erklärt. Da sich der R. plebeius Härvey et Sonder. 1. c.! [an R. Br.?] von R. pubescens Thunbge. [= R. pinnatus Harv. Sond.] durch zurückgeschlagene Kelche unterscheidet, so wäre die Vermuthung näher gelegen, in dieser Pflanze den R. pinnatus Poir. zu suchen, denn absolut unmöglich ist es doch nicht, dass eine indische Art auch im Caplande wiederkehren jmöchte; allein die Frage lässt sich auf Grund der nicht erschöpfenden Beschreibungen eben nicht entscheiden.

3. Ranunculus Rutenbergii n. sp. [Sect. Euranunculus Gren. Godr.| Ausdauernd, 1 bis mehrstenglig, vielblütig, schlank. Wurzel büschelig-faserig; Blätter beiderseits sammt den Blatt- stielen und den Stielen der Theilblättehen in der Jugend dichter und mehr behaart, später sehr zerstreut, rauhhaarig, etwas glänzend; die grundständigen wenig zahlreich, dreieckig-eiförmig, lang gestielt, dreizählig, mit sehr lang gestieltem Mittel- und kurz gestielten Seiten-Lappen; der mittlere wieder in gleicher Weise getheilt (das Blatt deshalb wie gefiedert aus- sehend) ;seine Lappen breiteiförmig oder schiefeiförmig, kurz zwei- bis dreilappig mit sparsam gesägten Läppchen; die zwei unteren Haupt- Segmente des Blattes rundlich-eiförmig oder etwas schief, am Grunde gestutzt oder etwas herzförmig, dreilappig mit ungleich ein- geschritten-gesägten Läppchen. Stengel aufrecht, (hin und her gebogen ?) hohl, gerillt, fast ganz kahl, nur mit einzelnen zerstreuten, abstehenden Haaren, vom Grunde an entfernt-beblättert und ästig. Die Stengelblätter den grundständigen gleichgestaltet, nur etwas kleiner, gestielt, die obersten sitzend, weniger getheilt. A este aufrecht oder spreizend, lang und dünn, an ihren Verästelungs- stellen beblättert und diese Blätter von der Gestalt der grund- ständigen und Stengelblätter, die obersten sitzend, dreitheilig mit breiten, eiförmigen bis eilanzettlichen Lappen. DBlütenstiele dünn, fast fädlich, endlich gefurcht; Knospen kugelig-eiförmig ; Blüten klein; Kelch von der Mitte an zurückgeschlagen, fast kahl, nur die Mitte der Blättchen zerstreut steifhaarig; die Blättchen elliptisch, grün, gelblich - berandet; Blumenblätter sich nicht berührend, gelb, länglich - elliptisch, sehr kurz genagelt und am Grunde mit einem sehr kleinen, von einer verkehrt- eiförmigen Schuppe gedeckten Honiggrübchen ; Staubgefässe sehr zahlreich, kürzer als das Köpfchen der Fruchtknoten; Frucht- köpfchen klein, etwas elliptisch, vielfrüchtig; Karpellen drei- eckig-verkehrt-eiförmig, flach-zusammengedrückt, an den Seitenflächen mit zerstreuten Wärzchen, am Rande rund- um scharf berandet und doppelfurchig, an der Spitze in einen dreieckig-lanzettlichen, breiten, zurückgekrümm- ten Schnabel auslaufend, der !/; Karpellenlänge erreicht; Frucht- ‚boden länglich, wie der Torus kurzzottig.

An einem Graben bei Ambatondrazaka, 24. Nov., und an einer Waldlichtung ebendort, 27. Nov. 1877.

Maasse. Stengel über 50 cm hoch; grundständige

10

Blätter 10 cm lang und an der, wenig über dem Grunde be- findlichen breitesten Stelle wenig schmäler, auf 10 cm langem Blattstiele. Blüte 1 cm im Durchmesser; ein Blumenblatt 0,5 cm lange, 0,25 cm breit, der breiteste Theil in der Mitte; Fruchtköpfchen sammt den Schnäbelchen 0,7 cm im Durchmesser, ohne die Schnäbelchen 0,55 cm. Karpelle 0,15 cm breit, ohne Schnabel 0,2 bis 0,233 cm, mit dem Schnabel 0,3 bis 0,325 cm lang,

In der Tracht aufrechten Formen des R. repens L. ähnlich, von dem die Pflanze jedoch durch ihre sonstigen Merkmale, nament- lich die Frucht, sehr abweicht. Letztere erinnert mehr an jene des R. sardous Üz., der aber sonst ebenfalls gänzlich verschieden ist. Von R madagascarıensis m. durch die anders gestalteten Früchte scharf geschieden, in der Tracht aber nicht unähnlich. Die bereits oben erwähnten indischen und afrikanischen Arten sind habituell und in den Früchten ganz verschieden. 4. Ranunculus udus.n. sp. !Sect. Euranunculus Gr. Godr.] Dem R. Rutenbergii sehr nahe verwandt, aber niederliegend, kleiner, kahl, kaum hie und da mit einzelnen Steifhaaren; Blätter viel kleiner, nur 2,5 cm lang und 2 cm breit, obwohl ähnlich ge- staltet; deren Nerven oberseits auch an den Trocken-Exemplaren deutlich versenkt; die Blattscheiden länger, öhrchenförmig vorgezogen, an der Spitze mit einzelnen Wimperhaaren (bei R. Rutenbersii dicht gewimpert); Blüthen grösser, 1,5 cm im Durchmesser ; Kelch ganz kahl; Fruchtköpfehen kleiner, (aber nur wegen der wenigstens im Jugendzuztande mehr aufrechten Griffel) nur 0,55 cm im Durch- messer ; sonst wie R. Rutenbergii.

Im Sumpfe bei Antananarivo, 17. Dec. 1877.

Vielleicht nur Varietät des R. Rutenbergiü, was sich aber nach den nur zwei Individuen, welche mir vorlagen, nicht beweisen lässt, weshalb ich beide lieber aus einander halte,

Nymphaeaceen. Bearbeitet von Herrn Prof. Dr. Rob. Caspary zu Königsberg.

1. Nymphaea Lotus L. I. lata. B. glabra Casp. (asp. in Miquel Annales Musei botanici Lugduno-Batavi 1566 II, p. 248. Mazamba-Ufer, 2. November 1877. Eine Blüte und ein Blatt. Kommt in Aegypten und Ungarn vor. Einige haarartige fremde Körper sitzen dem Blatt hie und da unten auf.

2. Nymphaea madagascariensis Planchon. Ann. sc. nat. III ser. Tom. XIX (1853) p. 40. (Die grössere von Perrotet und Goudot gesammelte Form.) Andranovaka; 9. October 1877.

Nach dem unvollständigen und meist schlecht erhaltenen Material, das wir in Europa von den madagaskarischen blaublütigen Nymphaeaceen, die nie lebend bisher eingeführt wurden, haben, können die Arten dieser nicht sicher festgestellt und von den ver- wandten abgegrenzt werden. Frucht und Samen sind durchweg un- bekannt. Einführung der lebenden Pflanzen thäte vor Allem Noth.

en. ne Ai

Br 11

' Obgleich mir nur ein Blatt und eine Blüte der von Rutenberg sesammelten Pflanze vorliegen, will ich sie näher vielleicht zu künf- tiger Verwendung beschreiben, zumal Planchon 1. c. keine Beschrei- bung siebt und die der Nymphaea madagascariensis DC., die zwerg-

artis ist und nur sehr wenig Blütentheile entwickelt hat, für die

grösseren Formen der von Perrottet und Goudot gesammelten Pflanze Planchons, deren Originale ich einst in herb. Mus. parisiens. sah, nicht zutreffend ist.

Blatt kreisrund-elliptisch, ausgeschnitten-herzförmig, das vor- liegende etwa 160 mm lang, 155 mm breit, zahnig-buchtig, Zähne stumpf, Lappen etwa 70 mm lang, spitz, vorgezogen. Schildbreite wegen schlechter Pressung nicht bestimmbar, scheint sehr gering zu

sein, 7 seitliche Hauptnerven jederseits. Auf der linken Blattseite die Hauptmasche zur halben Blattbreite = 35 mm:63 mm, also

sehr kurz. Blatt unbehaart, unten grün, ungefleckt. Nerven unten

‚erhaben, die stärkeren kanalıkulat, etwa bis in den neunten Grad

verzweigt. Blüte etwa 100 mm im Durchmesser. 4 Kelchblätter, lineal-lang-Jänglich, stumpf oder spitzlich,

ungefleckt, am Grunde mit 135—15 kaum eingesenkten Nerven; Br.:Lg. = 12 mm: 47 mm (äusserstes); = 12!/» mm: 47 mm (linkes).

15 Blütenblätter, umgekehrt-eiförmig, lang-länglich, fast lanzettlich, spitzlich, Br.: Lg. = 14 mm: 46 mm (bei einem äussersten) blau.

Mehr als 60 Staubblätter noch vorhanden. Längstes Staubblatt: Blütenblatt (äusserstes) = 27 mm:46 mm, also länger als die halbe Länge der Blumenblätter. Filament der längsten etwa doppelt so breit als die Anthere in ihrer Mitte, bei den kürzesten lineal und so breit als die Anthere. Anhang der längsten lanzett- lieh, Br.:Lg. = 1:5, der kürzesten = 1:1?/>, dreieckig.

Fruchtblätter etwa 10. Stigmatische Scheibe schmal, nur etwa 8 mm im Durchmesser. Strahlen Br.:Lg. = 1:3!/s, freier Bel Br.>1e. 1:1; freier ‘papillöser Theil Br.:Lge. = 1:ja, breit gerundet auf der Spitze. Fortsatz Br.:Lg. = 1:°/ı—1, drei- eckig, kurz, spitzlich.

Die vorliegende Pflanze kann Nymphaea berneriana Planch. (l. e. 39) nicht sein, weil diese hat „stamina exteriora quam petala plus duplo breviora;“ kann Nymphaea emirnensis Planch. (l. c.) nicht sein, weil diese eingesenkte Blattnerven und in den äussersten Staminibus filamenta valde dilatata haben soll. Kann Nymphaea stellata Andr., die ich lebend im hiesigen botan. Garten noch in der alten Einführung, die Andrews benutzte, ziehe, nicht sein, da die Stamina für die Grösse der Blüte zu zahlreich sind.

Crueiferen. Bestimmt von Fr. Buchenau.

1) Nasturtium officinale R. Br. In der Nähe des Itasi-

12

Sees, December 1877. Zwei kleine Exemplare dieser so weit über die Erde verbreiteten Pflanze, im Beginne der Blütezeit gesammelt.

2) Dentaria spec. Ambatondrazaka, 27. November 1877. Eine Dentaria von Madagaskar ist, soviel isch habe ermitteln können, noch nicht beschrieben, doch ist das vorliegende Material nicht vollständig genug, um darauf eine Diagnose begründen zu können.

Dilleniaceen. Bearbeitet von Fr. Buchenau.

1) Tetracera Rutenbergii n. sp. Frutex vel arbor, ramis erectis, teretibus, in statu juvenili adpresso-hirsutis, pilis griseo- lutescentibus. Folia breviter (/;—1 cm) petiolata; lamina lan- ceolato-oboyata, obtusiuscula vel acuta, plerumque distinete mucro- nata, margine remoto-denticulata (dentibus perparvis), basi sensim- attenuata, penninervis, supra laevis pilis sparsis adpressis, subtus (praecique in costa nervisque) pilis frequentioribus griseis obsita. Flores pauci vel singuli in apieibus ramulorum, breviter pedun- culati. Sepala 3 vel4, late-ovata, obtusa, coriacea, ciliata et facie interna dense Iuteo-pilosa. Petala calyci subaequalia, membranacea, glabra, aurantiaca (?) decidua. Stamina omnia fertilia, filamenta apice dilatata. Carpella 4 (vel 5°), libera, matura folliculatim dehiscentia, fulvido-hirsuta ; styli liberi graciles, apice non incras- sati. Matambato, Ze October 1877.

Diese schöne Pflanze steht der T. senegalensis DC. (Prodr. I, p. 65), sowie der T. Boiviniana Baillon*) nahe. Von der erstge- nannten unterscheidet sie sich sofort durch die Anwesenheit der sehr kleinen und entfernt stehenden, aber doch deutlichen Zähnchen am Blattrande, von T. Boiviniana (welche in Zanzibar und Monbassa gefunden wurde, ihr also geographisch benachbart ist) durch die sehr geringe Behaarung der Blattunterseite und die viel schwächere Bezahnung (T. Boiviniana hat nach Baillon folia subtus albido- villosula, margine aequali crenato dentatove). Ich habe meine Diagnose thunlichst im Anschlusse an die Baillon’sche aufgestellt, um die Vergleichung mit derselben zu erleichtern.

Capparidaceen. Bestimmt von Fr. Buchenau.

1) Polanisia icosandra (L) Wight & Arn. Nossi-B&, März 1878.

2) Cleome aff. asperae, differt fructibus longioribus, lon- gıus stipitatis etc. „Blüten hellrosa“. Mahazamba, 3. März 1878.

3) Cleome —aff. tenellae, diftert foliolis petiolo brevioribus, fructibus stipitatis ete. „Blüten gelb“. Auf Sandboden unfern _ Marsadabo im untern Stromgebiet des Mahazamba, 5. März 18X8.

*) H. Baillon, Sur un Tetracera de l’Afrique orientale, in Adansonia, 1867, VII, p. 299 et Tab. VII.

en | 13

(Identisch mit Perville, Ambobo 1841, No. 641). Diese beiden sehr zierlichen, einjährigen Arten dürften vielleicht neu sein, doch verzichte ich zunächst darauf, sie zu beschreiben, da mir kein

genügendes Material zur Vergleichung zu Gebote steht.

Violaceen. Bestimmt von Fr. Buchenau.

1) Jonidium linifolium DC. (Viola linifolia Juss.) Auf den Wiesen in der Nähe von Ambohitsua (gemein), 4. December 1877; in der Nähe von Antananarivo, 18. December 1877; im Grase am Bergabhang des Ikiopa-Ufers, 23. Februar 1878. „Unterlippe sehr gross, hellviolett.“ Eine auf Madagaskar weitverbreitete Wiesenpflanze.

Caryophylliaceen. Bestimmt von Fr. Buchenau.

1) Polycarpaea eriantha Hochst. Nossi-Be, März 1878. Ein einzelnes, etwa 10 cm hohes Exemplar dieser der P. racemosa Lam. nahestehenden Art, welches sehr wohl mit der Schweinfurth’schen No. 755 (Flora von Callabat; Umgegend von Matamma) übereinstimmt.

2) Polycarpaea corymbosa Lam. Mangali, 10. März 1878. Eine kräftige, fast verholzende Pflanze; das vorliegende Exemplar ıst über der Erde etwa 75 cm hoch; die Blätter sind kahl. Dieselbe Art ist in der Sammlung von J. M. Hildebrandt (No. 1237) von der Sansıbar-Küste enthalten ; sie ist auch ın Indien weit verbreitet. Die Abbildung bei Wight (Icones pl. Ind. or. Tab. 712) entspricht diesen afrikanischen Exemplaren sehr wohl, nur ist der Blütenstand in der Abbildung noch weit mehr ausgebreitet als bei unseren Pflanzen. (Andere indische Pflanzen, welche man unter demselben Namen in den Sammlungen findet, sind niedriger, mit krautigen Stengeln und kürzeren Blüten, ihre Zugehörigkeit mag zweifelhaft sein.) Ich habe lange gezweifelt, ob nicht beide Pflanzen (die Hildebrandt’sche und die Rutenberg’sche) als P. linearifolia DC. (Prodr. III, pag. 374) zu betrachten sind, indessen widerspricht der Blütenstand dieser Art, welcher „cymis in capitula terminalia subrotunda densa congestis”, characterisirt wird.

Guttiferen. Bestimmt von Fr. Buchenau.

1) Calophyllum InophyllumL. Vohemar; 7. October 1877. Ein prächtiger Baum, der einen Hauptschmuck der Küsten- waldungen bildet und häufig zu Balken und Dachsparren verwendet wird. Sowohl Ellis als Sibree erwähnen ihn als besonders orna- mental. Nach Sibree wird er von den Eingebornen Varönga, nach Flacourt und Goudot: Fooraha oder Foura genannt. Eine junge, fast kugelrunde Frucht bestätigt die Zugehörigkeit des Ruten- berg’schen Exemplares zu C. Inophyllum. Das auf Isle de France

14

‚und Bourbon vorkommende (für Madagaskar sehr zweifelhafte) C. Tacamahaca hat eine nach oben allmählich verschmälerte Frucht (vergl. darüber: Planchon et Triana, Memoire sur la famille des Guttiferes, pag. 258).

Ochnaceen. Bestimmt von Fr. Buchenawu.

1) Gomphia an angulata DC.? Mandanavatsy, 5. Dec. 1877. Die Pflanze steht der G. angulata, wie DeCandolle sie in seiner vortreftlichen Monographie des Ochnac6ees et Simarubees (Ann. du Mus. d’hist. natur., 1811, XI, Tab. VII) abgebildet hat, sehr nahe, unterscheidet sich aber durch kürzere, stumpfere Laubblätter (die längsten sind kaum 7 cm lang, gegen 20 bei DeCandolle), stumpfere, an der Basis weniger herzförmige Laubblätter und, wie es scheint, spitzdreieckige Nebenblätter; vielleicht dürfte daher die Rutenberg’- sche Pflanze als neue Art zu betrachten sein.

Anacardiaceen. Bestimmt von Herrn Prof. Dr. A. Engler zu Kiel.

Gluta Turtur (L) Marchand. Rev. Anacard , 187. Vohe- mar; 7. October 1877.

Meliaceen. Bearbeitet von Fr. Buchenau.

Turraea Fockei Buchenau. Turraea, e sectione Quivi- siopsis (C. DC.)

Folia brevissime petiolata, e basi cuneata late obovata obtusa, integerrima, supra subnitida, subtus opaca, utrinque sparsim (in costa et venis superficiei inferae dense) lutescente-villosa. Imflores- centiae e gemmula ligno ortae, vix stipitatae, 2-,. rarıus 3-florae. Flores sessiles, ca. 50 mm longi. Calyx brevissime cylindraceus, ca. 4 mm longus, breviter 4-dentatus, laciniis obtusis, extus dense lutescenti-hirsutus. Petala 4, ca. 40 mm longa, spathulato-linearia. Stamina 8; antherae brevissime apiculatae; tubus 40 mm longus, inferne cylindricus, superne urceolatus. Ovarıum hirsutum, 8-locu- lare. Stilus filiformis, apice regione exserta 6-7 mm longa, clavato- incrassatus.

Frutex. Rami teretes, cortice fuscato longitudinaliter ruguloso, in statu juvenili pubescentes. Petiolus ea. 2 mm longus; lamina 40-50 mm longa, 21—530 (raro 55) mm lata. Petala rubra, m dorso (plerumque in apicibus) lutescenti-hirsuta.. Tubus ruber, (vel griseo-ruber ?) apice inter antheras appendices lineares 1is breviores gerens. Stilus ruber. Fructus ignotus.

Maevasamba, Nordwest-Madagaskar, 2. Juni 1878.

Ich widme diese ausgezeichnete Art meinem verehrten Freunde Dr. W. O. Focke, der mir auch bei der Bearbeitung dieser Pflanzen

3

#

E

15

mit seinem Scharfblicke zur Seite stand, und möchte durch den

Namen zugleich an den hochverdienten Vorsitzenden unseres natur- wissenschaftlichen Vereins, den verstorbenen Herrn Dr. Gustav Woldemar Focke, erinnern.

Die Pflanze gehört in die kleine Section (Quivisiopsis, bei deren Arten die Antheren fast (wie es bei Quivisia völlig der Fall ist) auf dem äussersten Rande der Filament- Röhre (also nicht deutlich auf der Innenseite) inserirt sind. Sie ist sowohl der T. Pervillei Baillon, als der T. Boivini Baillon nahe verwandt; von jener unterscheidet sie sich durch zu 2—3 zusammengerückte (nicht einzelständige) und dabei wesentlich grössere Blüten, acht- fächerigen Fruchtknoten und die Anwesenheit von Anhäneseln an der Spitze des Staminal-Tubus; von der T. Boivini ist sie leicht durch die Viergliedrigkeit der Blüten (welche bei T. Boivini ebenfalls einzeln stehen sollen!) und die Anwesenheit der Anhängsel auf dem Staminal-Tubus zu unterscheiden. (Auf die Kleinheit der Laubblätter bei T. Boivini ist m. E. kein Werth zu legen, da Baillon selbst hinzufügt: folia adulta haud nota.)

2) Turraea Kindtii Buchenau. Turraea e sectione Eutur- raea, affınıs T. maculatae Sm.

Frutex vel arbor. Rami teretes, glabri, rubescentes, longi- tudinaliter rugulosi. Folia modice petiolata, elliptica, integerrima, basi angustata, apice cuspidata, utringue glabra, superne viridia, subtus pallidiora, distincte reticulato-venosa. Inflorescentiae laterales, plerumque biflorae. Flores modice pedunculati, magni. Calyx ca. 3 mm longus, campanulatus, laciniis 5 linearibus acutissi- mis, glaber. Petala 5, ca. 7 cm longa, linearia, obtusa, rubra, marginibus luteis, in alabastro apicibus externe subvillosa. Tubus petalis brevior, ca. 6 cm longus, cylindraceus, apice antheras 10 apiculatas et appendices lineares 20, quam antheras longiores, gerens. ÖOvarıum glabrum, subsphaericum, 12—13 loculare. Stilus fili- formis, ca. cm longus, apice sphaerico-incrassatus. Fructus ignotus.

Petioli ca. 5, pedunculi ca. 7 cm longi; lamina 55—70 mm longa, medio ca. 25 mm lata.

Andranovaka, zwischen Vohemar und Fassı, 9. October 1877.

Diese prächtige Pflanze steht, wie auch Herr Professor Casimir DeCandolle, der Monograph der Meliaceen, welcher unsere beiden Meliaceen mit seinen Materialien zu vergleichen die Güte hatte, hervorhebt, der T. maculata Sm. und der T. producta Baillon nahe, unterscheidet sich aber von ihnen doch leicht und bestimmt. Bei der T. maculata sind die Blütenstiele 2 cm lang, die Kronblätter 8,5 cm lang und spitz, die Laubblätter nicht zugespitzt und die Narbe ellipsoidisch (nicht kuglig); T. producta hat behaarte jüngere Zweige, nur 153 mm breite Laubblätter, ein zwanzigfächeriges ÖOvarium und 10—12 cm lange Kronblätter.”) Die Kronblätter *) Auf pag. 443 der Monographie der Meliaceen in DeCandolle, Mono- graphiae Phanerogamarum I, findet sich neben verschiedenen andern Druckfehlern der sehr sinnstörende, dass Z. 3 v. u. Petala 10—12 mill. longa, statt, wie es heissen muss, 10—12 cent. longa steht. i

16-

der T. Kindtii sind roth gefärbt, mit ganz schmalem, gelbem Rande; die Innenseite scheint gelblich und sammetig-papillös zu sein.

Ich benenne diese Art nach dem verstorbenen ersten Vor- sitzenden unseres naturwissenschaftlichen Vereins, Herr G. C. Kindt, der besonders auf dem Felde der Chemie sehr ausgebreitete Kenntnisse besass und sich um die Pflege der Naturwissenschaften in Bremen grosse Verdienste erworben hat. (Ueber sein Leben siehe die Skizze in diesen Abhandlungen II, pag. 191.)

Rosaceen. Bestimmt von Herrn Dr. W. OÖ. Focke zu Bremen.

1) Rubus pinnatus Willd. In der Nähe des Itasi-Sees, 19. December 1877.

(Die Bestimmung einiger von Rutenberg gesammelten Alche- milla-Arten muss vorbehalten bleiben, bis wir Gelegenheit gehabt haben werden, Bojer’s Arbeiten über die Flora von Madagaskar einzusehen.)

Cunoniaceen. Bearbeitet von Herrn Prof. Dr. A. Engler zu Kiel.

1) Weinmannia Rutenbergii Engl. Ramulis teretiusculis, cinereo-pilosis; foliis coriaceis, supra glabris et nitidulis, subtus atque petiolo supra plano cinereo-pilosis, trifoliolatis vel impari- pinnatis, 2-jugis, foliolis sessilibus oblongis vel obovato-oblongis, margine crenato-serratis, nervis atque venis dense reticuläatis subtus prominulis; pseudo-racemis in axillis foliorum superiorum trifoliolatorum paniculam compositam efformantibus, cinereo-pilosis; pedicellis tenuibus flores aequantibus; calycis lobis ovato-triangu- larıibus quam petala oblonga duplo brevioribus; staminibus fili- formibus quam petala duplo longioribus, cum disci glandulis obtusis alternantibus; ovario ovoideo, cinereo-tomentoso, stylis glabrescenti- bus; capsula anguste cylindrica, dilute tomentosa, stylis triplo brevioribus ad dimidium usque coalitis coronata.

Frutex humilis, ramulorum internodiis 0,7—1,2 em longis. Folia majora 4—6 cm longa, interstitio interjugo 5—8 mm longo; foliola lateralia terminali paullo breviora, 1,5—2,5 cm longa, 8—12 mm lata. Pseudoracemi 4—5 cm longi, bracteolis minutis plerumque deciduis; pedicelli 3 mm longi. Calycis lobi 0,7 mm longi. Petala 15 mm longa, latitudine dimidium aequantia. Staminum filamenta 3 mm longa; antherae breves subcordatae. Ovarium 1,5 mm longum, stylis 1 mm longis superatum. Capsula - 4-5 mm longa, 2 mm crassa. Semina nondum matura.

Auf grasigen Bergen, Antsampandrava, 14. November 18%77;. Mandanavatsy, 5. December 1878. Diese Pflanze würde in meinem monographischen Versuch der Gattung Weinmannia (Linnaea, neue Folge II, (1870) ihren Platz S. 642 nach W. comorensis Tul. haben, wiewohl sie mit dieser Art weniger Aehnlichkeit hat, als mit der

17

ebenfalls auf Madagaskar vorkommenden W. eriocarpa Tul. Von der letzteren unterscheidet sie sich namentlich durch längere Blütenzweige, gestielte, nicht sitzende Blätter, spitze Kelchabschnitte und cylindrische Kapseln.

Droseraceen. Bestimmt von Fr. Buchenau.

1) Drosera madagascariensis DC. Umgegend von An- tananarivo; 7. December 1877 und 10. Januar i878. „Blüten hell- roth“.

Die einzige bis jetzt bekannte Drosera-Art von Madagaskar. Die Rutenberg’schen Exemplare stimmen sehr gut zu den Bemerkungen, welche Planchon in seiner Monographie der Droseraceen (Ann. d. se. natur. 1848, 3e ser., IX) bei dieser Pflanze macht.

Halorrhagidaceen. Bestimmt von Fr. Buchenau.

1) Serpicula repensL. (Laurembersia repens Berg.) Anta- nanarivo; 7. December 1877. Schöne Exemplare dieser auch am Cap vorkommenden Pflanze mit ziemlich reifen Früchten. Ihr Vor- kommen auf Madagaskar wurde bereits von L. R. Tulasne (Ann. d. sc. nat. de. ser., 1856, VI, p. 125) constatirt.

Rhizophoreen. Bestimmt von Fr. Buchenau.

1) Rhizophora mucronata Lam. Fassi an,der Westküste; 13. October 1877 ; ein Zweig mit Blütenknospen. Diese Art von Mangle-Baum ist vom tropischen Afrika über die Maskarenen, Östindien und Neuholland bis Polynesien verbreitet. Tulasne führt sie bereits für Madagaskar auf (Ann. sc. nat. 1856, 4e ser, VI, p. 109).

«ombretaceen. Bestimmt von Fr. Buchenau.

1) Poivrea coccinea DC. (Combretum coccineum Lam.) Matambato und Andranovaka zwischen Vohemar und Fassi; 7. und 9. October 1377.

Die vorliegenden Zweige mit Blüten und Früchten stimmen recht wohl mit der Beschreibung, welche L. R. Tulasne in den Annales des sciences natur., 1856, VI, p. 77 von dieser Pflanze gegeben hat und mit der Abbildung in Lam. Enceyel. Taf. 280, Fig. 2; nur finde ich die Blätter zum Theil länger zugespitzt, als dort angegeben (zum Theil stimmmen sie ganz überein); ebenso sind die Kelche aussen nicht kahl, sondern sehr fein gelbgrau- weichhaarig ; doch schwindet offenbar diese Behaarung später. Die

November 1880. vn 2

18

nahe verwandte Art: P. violacea (Tul. ibid. p. 79) unterscheidet sich durch bracteae anguste lanceolatae, sublineares, 8-12 mm longae, acutae v. cuspidatae, während bei unserer Pflanze die Bracteen ausserordentlich klein sind oder ganz fehlen. I. M. Hildebrandt sammelte die Poivrea coccinea im Juli 1879 mit geöffneten Blüten auf Nossi-Be (No. 3061; auch No. 3284 und 3266 sind nahe verwandte Combretaceen) und bemerkt dazu: „in Gebüschen kletternd“.

Barringtoniaceen. Bestimmt von Fr. Buchenau.

1) Butonica caffra Miers (Barringtonia caffra E. M. mser.; Barringtonia racemosa Oliv., non Bl.) Narendy; 12. März 1878. „Aeste sehr elastisch“.

Nach der schönen Monographie von Miers über die Barring- toniaceen (Transactions of the Linnean Society, 1875, 2e ser., I, pas. 78) gehört diese Pflanze zu der von Rumph begründeten Gattung Butonica. Miers führt neben der Butonica caffra eine Butonica apiculata Miers von Madagaskar (leg. Perville) auf, welche sich durch schmalere, etwas länger gestielte und scharf zugespitzte Laubblätter, sowie einen weit kürzeren, gedrängteren Blütenstand unterscheidet und vielleicht nur eine Varietät der B. caffra ist. Gerade in den erwähnten Punkten entspricht aber die Rutenberg’sche Pflanze nicht der Diagnose von B. apiculata. Wahrscheinlich gehört zu Butonica cafira auch die auf Nossi-Be gesammelte No. 3135 von J. M. Hildebrandt, von der mir nur Laubblätter und einzelne Staubblatt-Bündel vorliegen.

Lythrariaceen. Bestimmt von Herrn Dr. E. Koehne zu Berlin.

1) Rotala nummularia Welw. mscr. et Hiern; v. E Koehne in Engler’s botanischen Jahrbüchern, 1880, I, pag. 177.

Antananarivo; 17. December 1877.

2) Ammania multiflora Roxb. (Amm. madagascariensis Bovin) Feuchte Wiesen, unweit Maevasamba, 3. Juni 1878.

Tulasne hat diese Pflanze von Madagaskar (Ann. des sc. nat., de ser., 1856, VI, pag. 129) unter dem zuerst von Bovin verwendeten Namen als neue Art beschrieben, indessen ist sie von der indischen A. multiflora nicht zu trennen. Herr Dr. Koehne machte mich namentlich darauf aufmerksam, dass die von Tulasne für A. multiflora hervorgehobenen Merkmale: eaulis filiformis subsimplex, acutissime- tetragonus (angulis oculo armato subdentato-scabris), anthemia graciliora et depauperata, durchaus inconstant und für die Begrenzung der Arten nicht geeignet sind. Die Rutenberg’sche Pflanze ist eine durch besonders kurzen Griffel ausgezeichnete Form; die Länge des Griffels ist aber bei dieser Art überhaupt sehr schwankend; durch das Vorhandensein der Kronblätter und die Blattform ist

Er. £

3 ö 2 By /

} , #

19

sie von A. baccifera, durch die Kleinheit der Früchte von A. sene- salensis immer mit Sicherheit zu unterscheiden. Vergl. Koehne in Engler’s botan. Jahrbüchern, 1880, I, pag. 247.

Onagrariaceen. Bestimmt von Herrn Professor C. Haussknecht zu Weimar.

1) Epilobium salignum Hausskn. (C. Haussknecht in

Oesterreich. botan. Zeitung, 1879, pag. 90). Blüte röthlich - weiss.

An einem Graben in der Nähe von Antananarivo, 6. Dechr. ; nördl. vom Ankaratra- Gebirge, 18. December; am Wasser in der Nähe des Itasıi-See’s, 20. December 1877.

Professor Haussknecht beschrieb diese Art nach Exemplaren, welche Bojer aufMadagaskar in derselben Gegend gesammelt hatte.

Er bemerkt zu unseren Pflanzen Folgendes: „E. neriophyllum Hausskn. ex Africa austr. cui valde affıne, differt caulibus suftruticu- losis ramosissimis multifloris manifeste pubescentibus, foliis angustiori- bus rigidioribus utrinque longe angustatis acutis nec obtusis, minus dentieulatis, capsulis brevioribus valde pubescentibus, seminibus minoribus apice magis attenuatis.“

„Diese beiden bilden nebst den gleichfalls südafrikanischen

_ E. Mundtei Hausskn., E. Natalense Hausskn. und E. Capense

Buchinger eine kleine Gruppe von Arten der Sect. Lysimachion Abth. Synstigma, welche von den europäischen Arten namentlich in Bezug auf die Blattstellung abweichen ; hier sind nur die untersten Laubblätter des Hauptstengels sowie die untersten der Zweige opponirt, allein an der Basis stossen ihre Ränder am Hauptstengel nicht zusammen, während dies bei den europäischen Arten der Fall ist; alle übrigen sind spiralig alternirend. Durch dieses Ver- halten bilden sie entschieden einen Uebergang zu der Sect. Chamaenerion, bei welcher die Blattstellung durchaus nicht immer eine zerstreute oder spiralig alternirende ist, wie dies namentlich an manchen amerikanischen Formen des E. latifolium L. deutlich zu sehen ist, deren Blattstellung sich in nichts von der der Sect. Lysimachion unterscheidet.*

Die Bestimmung mehrerer andern Onagrariaceen (namentlich aus der Gattung Jussieua) muss vorbehalten bleiben, da die

Materialien unseres städtischen Herbariums zu diesem Zwecke

nicht genügen. Ficoideen. Bestimmt von Fr. Buchenau.

1) Mollugo glinoides A. Rich. (Glinus Mollugo Fenzl.) Ambatondrazaka. 27. Nov. 1877. Eine nur an den jüngeren Theilen behaarte, später kahl werdende Pflanze, mit länger gestielten Blüten ; Frucht dreiklappig. Samen sehr stark warzig, rauh, dunkel- kastanienbraun gefärbt.

2) Mollugo glinus A. Rich. $ virens Fenzl. (sub Glino.) Mit der vorigen Art. Eine nicht sehr stark behaarte Form, welche

2#

20

schon aus Madagaskar und Ostindien bekannt war. Von ihren zahlreichen Synonymen führe ich an: Glinus lotoides Loeftl., Pharna- ceum pentagonum Roxb., Physa madagascariensis Du-Petit-Thouars. Die Samen dieser Pflanze sind hell kastanienbraun, glänzend und fast ganz glatt; die Frucht ist nicht fünfklappig (wie Walpers, Annalen I, p. €65 angiebt) sondern dreiklappig, wie es auch in der Original-Diagnose von Du-Petit-Thouars angegeben wird.

Umpbelliferen. Bestimmt von Herrn Dr J. Urban zu Berlin.

1) Hydrocotyle verticillata Thbg. var. pluriradiata Urb., ad var. Bonariensem (Lam.) valde accedens. Am Gehölz nördlich von Ambatondrazaka; 17. November 1877.

2) Hydrocotyle ranunculoidesL. var. genuina Urb. In der Umgegend des Itasi-Sees; 20. December 1877.

Observ. Haec varietas hucusque ex orbi vetere nondum obser- vata est. - - 8) Sanicula europaea L. Gegend von Vondruzona; 24. Nov. 1877.

4) Peucedanum capense Sonder var. lanceolatum Sond. Ambeloma, an Bergabhängen; 14. Januar 1878.

Zwei andere Umbelliferen, darunter eine sehr merkwürdige Form mit lockeren, armblütigen Blütenständen, müssen für jetzt, da sie keine Früchte besitzen, und die Pflanzen im Königl. Her- barium zu Berlin nicht vorhanden sind, unbestimmt bleiben.

Campanulaceen. Bestimmt von Fr. Buchenau.

1) Wahlenbergia Bojeri DÜ. Aus der Gegend von Antana- narivo, 7. December 1877; (Blüten und ziemlich reife Früchte); nördlich vom Ankaratra-Gebirge, 18. December 1877.

Die vorliegenden Exemplare stimmen sehr wohl zu der Original- Diagnose von DC. Prodr. VII, p. 435. Die Art ist der W. gracilis nahe verwandt. Wenn der letzteren wirklich eine so enorme Va- 'riabilität zukommt, wie G. Bentham ihr in der Flora australiensis IV, p. 137 zuschreibt, dann würde ‚unsere malagassische Pflanze wohl kaum als Art von ihr getrennt werden können; dann ist aber auch die ostindische W. agrestis mit W. gracilis zu vereinigen.

2) Sphenoclea zeylanica Gaertn. Aufsumpfigem Boden ge- mein. Marovay, 2. November 1877. a

e Hydroleaceen. Bestimmt von Fr. Buchenau.

1) Hydrolea glabra Schum. (H. guineensis Choizy.) Gemein auf feuchten Wiesen bei Maevasamba, 3. Juni 1878. Nach längerem Vergleichen und Erwägen glaube ich, die von

e" BET... - R

9 Es ı h.

21

Rutenberg gesammelten Pflanzen zu dieser von Guinea und aus Süd-

Amerika bekannten Art, welche mit H. zeylanica Vahl nahe ver- wandt ist, zählen zu müssen. Dafür spricht die völlige Kahlheit der ganzen Pflanze, sowie die Armblütigkeit der sehr kurzen, fast doldigen, nur selten mit kleinen Laubblättern versehenen Blüten- stände, ferner die den Kelch nicht überragende Corolle und die sebogenen Griffel. Bennet schreibt freilich in seiner Review of the senus Hydrolea (Journ. Linn. Soc. 1871, XI, p. 266 ff.) der H. glabra folıa lineari-lanceolata und sepala ovato-lanceolata zu, während H. zeylanica folia lanceolata und sepala lineari-lanceolata haben soll, was Beides auf die Madagaskar-Pflanzen besser passt, indessen beschreibt Choizy (DC. Prodr.) die Laubblätter der H. glabra gleich- falls als lanceelata und die Kelchblätter zeigen an dem Rutenberg’- schen Materiale so viele Schwankungen in der Breite, (von lanceo- lata-linearia bis fast ovato-lanceolata) dass ich darauf keine neue Arttrennung begründen mochte, um nicht vielleicht die schon über- reiche Synonymie dieser Pflanzen noch zu vermehren.*) H. zeylanica und glabra bilden eben tropische Typen von grosser Variabilität. Es ıst mir übrigens sehr wahrscheinlich, dass die Rutenberg’sche Pflanze identisch ist mit derjenigen, welche Aubert du Petit-Thouars im Jahre 1806 (Genera nova Madagascariensia) als Hydrolia mada-

- gascariensis beschrieben hat. Dieser Autor schreibt der Hydrolia

(welche unzweckmässige Namensbildung!) namentlich: „Stamina corollae lobis inserta“ zu. Wäre dies begründet, so müsste die Pflanze wohl in einer ganz anderen Familie ihren Platz finden; bei der Rutenberg’'schen Pflanze (anscheinend der ersten Hydrolea,

‚welche seit Aubert du Petit-Thouars von Madagaskar bekannt wird)

stehen aber die Staubblätter ebenso wie bei den andern Hydrolea- ceen vor den Einschnitten der Krone. Demnach liest also wahr- scheinlich ein Beobachtungsfehler vor, und es ist nur zu wünschen, dass die schattenhafte Existenz von Hydrolia (vergleiche darüber Choizy 1. c. p. 182, Bennet 1. c. p. 267 und Bentham & Hooker, genera pl., II, p. 832) endlich beendigt werden könnte.

Cordiaceen. Bestimmt von Fr. Buchenau.

1) Cordia subcordata Lam. Nossi-Be, 17. October 1877. Dieselbe Art sammelte J. M. Hildebrandt im April 1879 im Urwalde von Nossi-B€E (No. 2909) und fügt als Grössenangabe: „Baum von etwa 4 m“ hinzu. Die Laubblätter der Rutenberg’schen Pflanze sind bis 10 cm breit und (einschliesslich des Stieles) 13 cm lang, und dabei fast lederartig; an den Hildebrandt’schen Pflanzen sind sie nur 6 cm breit, 10 cm lang und bemerklich zarter; hiernach

_ scheinen die Laubblätter im April erst kürzlich entfaltet zu sein.

2) Cordia Myxa L. Andranovaka, 9. October 1877. „Hoher Baum“. (Vielleicht angepflanzt? B.)

*) Bennett macht darauf aufmerksam, dass Choizy ohne allen Grund den Schumacher’schen Namen: H. glabra in H. guineensis umgeändert hat.

22

Herr Professor Alph. De Candolle in Genf hat diese beiden Arten verglichen und erklärt sich mit ihrer Bestimmung einverstanden.

3) Cordia spec. Eine ziemlich kleinblütige und kleinblättrige Cordia, deren Bestimmung ich vorbehalte, da wohl zu hoffen ist, dass wir durch Hildebrandt reichlicheres Material derselben Art erhalten werden. Nossi-Be, Mai 1878.

Solanaceen. Bestimmt von Fr. Buchenau.

1) Solanum affın. S. erinitipedi Dun. Im Walde zwischen Antsampandrava und Amparafaravola, 14. Nov. 1877.

Ein vielleicht neues Solanum, dessen sichere Bestimmung mir ' nicht gelungen ist. Es ist eine anscheinend verholzende Pflanze mit dicht gestellten, dünnen, vfriemlichen Stacheln, zwischen denen sich an dem einen Stengel auch einzelne stärkere, schwach hakig nach unten gebogene Stacheln finden. Sämmtliche Achsentheile, die Laubblätter und die Aussenseite der Kelchblätter, ja selbst der Krone, sind dicht mit einem rostfarbenen Sternfilze bedeckt (auch die pfriemlichen Stacheln endigen in der Jugend anscheinend an der Spitze stets sternartig). Die Laubblätter sind eiförmig, spitz, ungelappt und ganzrandig, am Grunde herzförmig, die Blütenstände armblütig, die Blüten viergliedrig; Krone vierspaltig; Griffel länger als die cylindrischen Staubbeutel. Frucht ziemlich kuglig mit glatter, kahler, glänzender Oberfläche, am Grunde von dem stehen- bleibenden Kelche umgeben. -

2) Capsicum longum DC. (?) Vohemar, 7. October 1877. Bruchstück einer vermuthlich cultivirten oder verwilderten Pflanze, welche ich wegen der abwärts gerichteten Früchte nicht zu C. annuum, sondern nur zu C. longum rechnen kann.

3) Nicandra physaloides Gärtn. In einer Hecke bei Vuhit- sara, 17. November 1877. In der wärmeren Zone weit als Gartenpflanze verbreitet und oft der Cultur entflohen.

4) Physalis angulata L. Nossi-Be, 5. März 1878.

5) Physalis peruviana L. Vohemar, 8. October 1877; Ambatondrazaka auf Schutt, 2. December 1877. In den wärmeren Gegenden der Erde vielfach wegen der essbaren Früchte angepflanzt und häufig verwildert; wird auf Mauritius und Madagaskar Cape Gooseberry genannt. Rutenberg bemerkt von ihr, dass sie zu wohlschmeckenden Suppen verwandt werde.

Amarantaceen. Bestimmt von Fr. Buchenau.

1) Amärantus spinosusL. Ufer des Manambato, Octbr. 1877 (Früchte meist schon völlig reif); Efitra November 1877 (ein Exemplar mit Früchten, ein anderes noch mit jungen Blütenständen).

2)Gomphrena globosaL. Nossi-B&, im Grase auf sumpfigem Boden, Eine von Indien bis China, Japan und zu den Gesellschaftts-

HE ae en en, >

Veh 0 a ne

23

inseln weitverbreitete Pflanze (vielleicht auch in Amerika zu Hause, bekanntlich auch eine beliebte Zierpflanze). Das vorliegende Exemplar ist eine kräftige, stark-verzweigte Pflanze mit kugligen,

- hellpurpurrothen Blütenständen.

3)Achyranthes aspera L. Antsampandrava, 13. Novbr. 1877.

Rutenberg sammelte an der bezeichneten Stelle zwei verschiedene

Formen; die eine mit kurzhaarigen, dunkel sraugrünen, lang-zuge- spitzten, die andere mit dicht weichhaarigen, hell graugrünen, stumpfen Laubblättern; die letztere muss als var. # indica bezeichnet werden; sie wurde auch von Hildebrandt auf Sansibar gesammelt (No. 1150) ; die erstgenannte Form ist offenbar viel seltener, als die letztere.

Chenopodiaceen. Bestimmt von Fr. Buchenau.

1) Chenopodium ambrosioidesL. Andranovaka, 9. Oc- tober 1877. Diese Pflanze ist in den wärmeren Strichen aller fünf Erdtheile heimisch. Es liegen zwei Stengelspitzen vor; die eine sehört der Hauptform mit verlängert-lanzettlichen Laubblättern an, die andere nähert sich der auf Madagaskar bereits von Goudot

gesammelten var. p angustifolium. (mit linealischen Laubblättern) an, ‘ohne sie aber völlig zu erreichen

Podostemaceen. Bestimmt von Fr. Buchenau.

1)Hydrostachys multifida Adr. Juss. Westküste, 28. Febr. 1578; auf Steinen in strömendem Wasser: Fluss Mafiıno, März 1878; Marovata, 23. Juni 1878.

„Männliche und weibliche Blüten über das Wasser hervor- tretend. Weibliche Blüten mit kirschrothen Narben.“

Von dieser Pflanze sammelte Dr. Rutenberg reichliches und schönes Material; die im März und Juni eingelesten Exemplare besitzen wohl-entwickelte Blüten- und Fruchtstände. Ueber die Bestimmung bleibt insofern ein Zweifel bestehen, als nach Decaisne’s Abbildung bei Delessert (III, Taf. 95) und Tulasne’s Monographie (Arch. du Museum d’hist. nat., 1852, VI, pag. 55 et 56) die Blütenstengel nur ganz unten mit Papillen versehen, oben kahl sein sollen, während sie bei Rutenberg’s Pflanzen bis oben hin dicht mit kleinen Warzen bedeckt sind. Dies Merkmal würde eher dafür sprechen, die Pflanzen als H. plumosa Adr. Juss. aufzufassen ; doch sollen bei dieser Art die Bracteen der Blüten auf dem Rücken

‚glatt sein, während sie bei unsern Pflanzen nahe unter dem oberen,

Rande mehrere stark hervortretende Warzen besitzen, was auf die Diagnose von H. multifida passt.

2) Hydrostachys imbricata Adr. Juss. var. Thuarsiana Tul. Mervyata, 23. Juni 1876.

Ein aus drei Laubblättern bestehender Trieb dieser überaus merkwürdigen Pflanze. Die Blätter zählen an jeder Seite etwa

24

30 Fiedern und sind ca. 30 cm lang; ihre ganze Oberfläche ist dicht mit den bräunlich-grünen, spitzen Schuppen besetzt, weiche für diese Pflanze und speciell für die Varietät (bei der var. « cystiphora sind sie schlauchförmig und hohl) charakteristisch sind. Die var. « ist von J. Decaisne in Delessert, Icones, 1837, II, Tab. 92 gut abgebildet worden. Ob die Hydrostachys polymorpha Klotzsch (Peters, naturwiss. Reise nach Mozambique, Botanik, 1864, Il, Tab. 52 et 53) von dieser Art verschieden ist, erscheint sehr zweifelhaft. Die Entscheidung hängt wohl von der Wieder-Entdeckung dieser Pflanze im Bove-Distriecte ab (das Peters’sche Material ist im Klotzsch’schen Nachlasse verloren gegangen).

Ueber eine Species Hydrostachys bemerkt J. M. Hildebrandt in seinem neuesten Berichte: Ausflug zum Ambergebirge in Nord-. Madagaskar (Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, 1880, XV, pag. 285):

„Es ist Alles eigenartig stille hier umher, weder Mensch noch Thier zu gewahren. Aber der Tengäne tano takatza, wie der Oberlauf des Buba-Kilanda heisst, plätschert munter dahin. Auf Steinen in seinem Bette, da, wo das Wasser am stärksten fliesst, fand ich ein äusserst zierliches Gewächs, eine Hydrostachys der Botaniker, Tsemberaväry (i. e. Reis des vielen [reissenden] Wassers) der Eingeborenen. Die auf's zierlichste zerschlitzten Blätter lassen sich nur mit einigen Moosformen vergleichen. Sie sind in Rosetten gestellt, aus deren Mitte eine einfache, dünne Aehre hervorragt. Beim Oeffnen der wohlriechenden Blüten streckt sie sich über Wasser. Die Wurzeln sind ‚dick und ganz kurz; sie kleben fest auf dem glatten Stein und halten die Pflanze selbst beim stärksten Wasserdrange.“

3) Diecraea spec. Auf Steinen in einem Bache an der Westküste; Mai 1878. Leider steril und daher nicht sicher‘ zu bestimmen.

Euphorbiaceen.‘) Bearbeitet von Herrn Professor Dr. J. Müller Arg. zu Genf.

Trib. Phyllantheae Müll. Arg.

1) Phyllanthus (sect. Menarda) capillaris 8 genuinus Müll. Arg. in DC. Prodr. XV, 2, p. 338, in Madagascaria ad Vo- hemar: Rutenberg; d. 7. Octobr. 1877.

-— y purpurascens Müll. Arg., omnia ut in prae- cedente sed calyx foem. purpurascens v. roseus. Flores masc. (in specimine unico) quidem non observati sunt, sed reliqua omnia adeo cum specie quadrant ut specifice differe nequeat. In Mada- gascaria prope lacum Alaotra: Rutenberg, d. 14. Novembr. 1877.

*) Wir übersandten Herrn Professor Müller ausser den Euphorbiaceen von Rutenberg auch diejenigen in unsern Besitz gelangten Arten dieser Fa- milie, welche J. M. Hildebrandt in den Jahren 1873—79 in verschiedenen Ge- eenden von Ostafrika sammelte. Herr Professor Müller hat diese Pflanzen mit in die folgende werthvolle Abhandlung aufgenommen, worauf wir zur Vermei- dung von Missverständnissen hier besonders hinweisen wollen.

25

dparvifolius Müll. Arsg., folia late subrhombeo-

_ obovata, 4—9 mm longa, 3—7 mm lata, olivaceo-virentia. Reliqua

ut in var. ß genuina. In insula Sansibar: Hildebrandt n. 1042, d. 6. Novembr. 1873.

2) Phyllanthus (s. Euphyllanthus) sepialis Müll. Arg., ramı lignosi teretes superne angulosi apice abortivo ramulos flori- geros copiosos breves herbaceos proferentes, ramuli filiformes disti- chophylli parvifolii; stipulae inaequilateraliter lanceolatae acutae basi non semicordatae hinc obsolete lacinuligerae virides demum subscariosae; limbus foliorum obovatus membranaceus parvus margine planus; flores masc. fasciculati subcapillaceo-pedicellati, pedicelli calycem evolutum aequantes; laciniae calycis masc. ovatae, exteriores paullo majores; glandulae disci liberae orbiculares subconcavae integrae; cclumna staminalis 3-fida; antherae suborbiculares trans- versim aperientes.

Habitus satis ad Phyllanthum capillarem accedit, sed flores triandri et stamina haud libera, pedicelli foem. caeterum ignoti. Rami 2 mm crassi, apice subherbacei ibique a ramulis florigeris distinete superati. Ramilli vulgo 4—5 cm longi et tenelli ut in Phyll. lathyroide, sed minus dense foliosi. Folia fere sessilia, 5—9 mm longa, 5—6 mm lata, valde tenuia. #Calyx masc. evolutus 1?/s mm Jlongus. Flores verisimiliter dioici, foeminei saltem in specimine caeterum valde floribundo non oceurrunt. Prope Phyll. Melleri inserendus videtur. Crescit prope Kitui in Ukamba ubi sepes format et hoc pro usu colitur: Hildebrandt; m. Majo 1877.

Trib. Acalypheae Müll. Ars.

3) Caperonia Rutenbergii Müll. Arg., caules herbacei iner- mes superne pilis simplicibus fere hyalinis subadpressis sericei sed setulis cellularibus destituti; folia angusta laxe penninervia; spicae basi foemineae superne masculae; calyx foem. 6-partitus, laciniae exteriores paullo minores; petala utriusque sexus evoluta, florum foem. aequalia calyci aequilonga, florum masc. valde inaequalia, duo calyce multo longiora, quam religua tria subduplo longiora; stylorum pars basilaris integra obovata laciniis subtriplo brevior; carpidia dorso sparse echinata.

Species nulli nisi Cap. Senegalensi Müll. Arg. arcte accedens et similis at major, folia longiora, caules superne setulis cellulosis

- destituti, calyx foem. tantum 6-partitus et flores masc. alio modo

anisopetali, petala duo reliquis tribus multo longiora (nec tria' reli- quis duobus longiora) et capsulae aliter parcius vestitae. Planta videtur 2-pedalis et ultra. Caules erecti, circ. 5 mm crassi, costato- multistriati glabri, undique parce foliosi et arrecto-ramuligeri. Limbus foliorum eirc. 8 cm longus, summorum 4—5 cm longus. Inflores- centiae caeterum quoad formam et structuram partium cum laudata

. specie quadrant, sed calyces foem. extus parce tantum setulis alı-

quot cellusosis apice iterum incrassatis ornati sunt, Semina non visa, Habitat in paludosis Madagascariae occidentalis: Ruten- berg; d. 28. Febr. et 12, Mart, 1878.

26

4) Tragia (sect. Tagira) Hildebrandtii Müll. Arg., caules subrecti; petioli limbo multoties breviores; limbus foliorum angustus utroque latere oblique 3—7-costatus firme membranaceus; spiceae oppositifoliae pedunculatae; flores foem. in quaque inflorescentia 1— 3 subsessiles, masculi numerosi; bracteae ovato-lanceolatae flores masc.'superantes; calyx foem. satis regulariter 6-partitus accrescens, laciniae subaequales pectinatim pinnatipartitae, lacinulae utroque latere 3— 7, pars rhachialis late linearis; ovarium strigoso-hispidum; flores masc. 3-andri; antherae colorato-subaiatae; disculus intrastaminalis depresso-subobsoletus.

Post Trag. involucratam inserenda est, valde distineta, primo intuitu Caperoniam subsimilans. ÜCaules fere recti quidem, ex speci- mine. unico, at longo tractu aequilati et verisimiliter scandentes, graciles, teretes, superne tamen subangulosi. Stipulae 3—5 mm longae, subrecurvo-patentes, anguste lanceolatae. Limbus foliorum 5—10 em longus, 6—13 mm tantum latus, anguste lanceolatus, parce serrato- dentatus v. inferne parce inciso-dentatus, cum reliquis partibus pilis aliquot albis nitidis parvulis at rigidulis adspersus. Spicae 5—6 cm longae. Calyx fructiger horizontaliter apertus 10 mm latus, parce stimuloso-hispidulus, lacinulae laciniarum diametro partis rhachialıs paullo longiores, paullo adscendentes. Capsulae et semina haud visa. Crescit ad Mombassa Africae orient: J. M. Hildebrandt n. 2041; m. Aug. 1877.

5) Acalypha villicaulis A. Rich. Müll. Arg., in DC. Prodr. XV, 2, p. 845, v. minor Müll. Arg., tota omnibus partibus. vegetativis minor, folia angustiora. Caules fere pedales, inferne

patenter ramosi, basi vix crassitie pennae corvinae. Petioli 4—7 mm longi. Limbus foliorum 2!/a—4 cm longus, 6--16 mm latus, sensim acuminatus, basi obtusus v. leviter cordatus. Bracteae florum foem. demum ovarıum distincte superant, laciniae earum inferne et non- nihil intus lacinulis subulatis 1--3 inaequalibus auctae sunt. Reliqua bene congruunt cum forma nermali speciei. Habitat in locis sterilibus prope Kitui in Ukamba: Hildebrandt n. 2689; m. Majo 1877.

6) Acalypha reticulata e urophylla Müll. Arg. in Linnaea XXXIV, p. 32 et m DC. Prodr. XV, 2, p. 852, ın silvis primmavis umbrosis insulae Nossibe: Rutenberg prope Lukube, m. Apr. 1878, et Hildebrandt n. 2914, m. Apr. 1879.

7) Acalypha neptunica Müll. Arg., stipulae triangulari- lanceolatae fusco-subscariosae majusculae; petioli limbo 6—-10-plo breviores, limbus folorum oblongo-obovatus acuminatus basi acutus penninervius, costae secundariae utroque latere circ. 5—7; spicae omnes axillares breviusculae aut omnino masculae aut inferiores basi foemineae sessiles; bracteae foem. 1--3-nae approximatae 1-fHorae capsulam multo superantes reniformes concavae Y-dentatae, dentes triangulares, terminalis major sed vix productior; calycis foem. lacimiae orbiculari-ovatae obtusae parvae; ovarıum hirto-pubescens st superne breviter muricatum, styli breviusculi rigidi tota longi- tudıne longiuscule circ. 18-lacinuligeri; semina laevia.

Species juxta Acal. Cunninghamii (inter $ 18 Cuspidatas in

27

DC. Prodr.) inserenda est. Frutex metralis, erectus, dense ramosus

denseque foliosus. Rami et ramuli fusci v. fuscescentes, subteretes

et glabri. Stipulae 5 mm longae, erectae, dorso subcarinatae. Petioli

4-15 mm longi, cum summitatibus ramulorum puberuli. Limbus foliorum 4—7 cm longus, 2!,—5!/; cm latus, subdistanter obtuse dentatus, coriaceo-membranaceus, virens et glaber, pellucido-puncti- eulatus. Spicae evolutae cire. 1—1!,, cm longae. Bracteae evolutae 5 mm longae et fere duplo latiores quam longae, rigidulae, parce pilosae et ciliatae. Calyces masc. nonnihil tetragastrici. Antherae obtuse fusco-apiculatae, ceterum pallidae. Capsulae hispidae, 2°/; mm longae. Semina 2!/ı mm longa. Habitat im campis sterilibus corallino-calcareis Kidosi in insula Sansıbar: Hildebrandt n. 1146; m. October 1873.

8) Acalypha Buchenavii Müll. Arg., caules suffruticosi; stipulae parvae lanceolatae; petioli limbo 3—6-plo breviores, limbus parvulus rhombeus acuminatus bası acutus integer v minute dentatus breviuscule trinervius firme membranaceus; spicae terminales et axillares breviter pedunculatae omnes androsynae inferne bracteas foem. 3— laxe dispositas gerentes parte mascula tenellae; bracteae . foem. 1-tlorae reniformes circ. ”—9-dentatae, dentes triangulares pro parte minuti; calycıs foem. laciniae ovato-lanceolatae acuminatae; ovarium pubescens et superne breviter v subobsolete muricatum; styli parvuli superne circ. 7-lacmuligeri.

Post Acal. phleoidem inserenda est. Planta forte vix pedalis, sed summitates tantum adesse videntur. Tota adpresso-puberula, parva, obscure viridis v. subfuscescenti-virens. Limbus foliorum 1!/—2!/ı em longus, S—13 mm latus, utraque facie subconcolor. Spicae totae 3—4 cm longae, parte fere dimidia inferiore laxe foe- mineae. DBracteae foem. 2 mm longae et subduplo latiores quam longae, capsulas paullo superantes. Capsulae pubescentes. Semina 1?/; mm longa, laevia. Antherae totae pallidae, connectivum haud

. peculiariter prominens nec colore distinetum. DBracteae foem.

laxae quidem ut in Oligogynis, at numerosiores, et spicae pr. p. terminales (quales inter Oligogynas non oceurrunt). Valde distincta, "habitu nonnihil ad Acal. parvulam et Acal. chamaedrifoliam accedens, sed pars foem, spicarum angustior et insigniter laxa, fere -ut m Acal. indica. Ülarissimo Prof. Dr. Buchenau, qui has Euphor- biaceas mihi tradidit, species haec grato anımo dicata est. Habitat in Madagascarıa prope Antananarivo: Rutenberg; d. 18. Decembr. 1877.

9) Acalypha indica L., Müll. Arg. m DC. Prodr. XV, 2, pag. a in insula Nossihe, ubi herba infestans: Hildebrandt n. 2915; April. 1879.

'10) Acalypha Somalium Müll. Arg., caules herbacei pumili; stipulae lineares exiguae; petioli limbo dimidio distincte

longiores ; limbus rhombeus membranaceus; spicae axillares breviter

pedunculatae parvae hracteas foem. 3-—-7 laxe dispositas et juxta bracteam foem. superiorem flores mase. paucos aggregatos gerentes; bracteae foem. 2—3-tlorae reniformes obtuse et inaequaliter 9-—13-

28

dentatae, dentes triangulares puberuli non ciliati nec glanduligeri; ovarıum hirtellum; styli superne subtlabellatim longe 4—5-lacinu- ligeri, lacinulae parte rhachiali longiores flaccidae;, semina laevia.

Sımilis Acal. fallaci indicae, at spicae non longe pedunculatae, parte mascula aliae, bracteae magis dentatae et 2—3-florae. Ab Acal. crenata autem, ad cujus latus inserenda est, differt partibus omnibus magis tennellis magisque membranaceis, stylorum lacinulis elongatis (ut in citata Acal. fallace), seminibus omnino laeyibus et dein bracteis paucioribus distantibus et paullo aliter dentatis sc. dentibus minus regularibus, minus rectis et prominentibus saepeque basi late subcon- fluentibus. Flores masc. visi facile praetervidendi at dispositio normalis eorum verisimiliter nondum observata est. Quoad folıa et habitum specimina simulat parvula javanicae Acal. boehmerioidıs. Specimina visa integra, absque radice tantum 6 cm longa, ramosa, caules et rami et petioli pubescentes, folia autem fere omnino glabra, limbus 12—22 mm longus, 9—13 mm latus, serrulato- dentatus, parte inferiore cuneiformi autem integer. Bracteae fructi- gerae 3 mm longae et multo latiores quam longae. Habitat ın Somali-Land alt. 809 m hinc inde in convallibus humidis: Hildebrandt nal m Aprıl 71879.

11) Mallotus oppositifolius « genuinus Müll. Arg. in DC. Prodr. XV. 2. pag. 976; in Madagascarıa ad Marovay: Rutenberg; d 2. Nov. 1877.

Trib. Dalechampieae Miill. Arg.

12) Dalechampia subternata Müll. Arg., caules volubiles; stipulae lanceolatae mox refractae; petioli limbo foliorum fere aequi- longi; limbus 3-foliolatus, foliola sessilia indivisa lanceolato-ovata acuminata serrata firme membranacea; involucri generalis magni folia pallida ultra medium 3-fida, lobi ovati breviter acuminati serrati; flores foem. 3; calyx foem. 10-laciniatus, laciniae ambitu ovatae acuminatae pinnatipartitae, lacinulae utroque latere ”—9 valde patentes, terminalis reliquis paullo longior ceterumque consimilis late linearis, reliquae diametro partis rhachialis late linearis subduplo longiores; columna stylaris breviuscula valida apice modice trigono- urceolaris.

Juxta proximam Dalech. ternatam inserenda est, a qua differt involucri foliis profundius 3-fidis et calycis foem. laciniis aliter divisis. Ramuli incano-fusci, puberuli. Stipulae cire. 5—7 mm longae. Petioli ceirce. 3 cm longi. Foliola 3—4!/; cm longa, in specimine viso semper tria, usque ad basin discreta, sed non petiolulata, evoluta 2 cm lata, sensim acuminata, lateralia basi semicordata, subobscura, supra parce, subtus densiuscule adpresso- pubescentia. Involucri folia 3!/s em longa et fere 4!/, cm Jata. Capsulae et semina ignota. Habitat in Madagascaria ad Ambo- himara prope Fassi: Rutenberg, d. 9. Octbr. 1877.

13) Dalechampia pseudotriphylla Müll. Arg., caulis volubilis; stipulae lanceolato-lineares mox recuryae; petioli lim- bum bene semiaequantes; limbus tere usque ad imam basin

39

trıpartıtus (spurie triphyllus), laciniae ovatae acuminatae indivisae obsolete serrulatae; involucri phylla magna pro !/s longitudinis 3-fida pallida, lobi simpliciter acuti; flores foem. 3; calycis foem. laciniae 7—9 obovatae pinnatifidae, lacinulae utroque latere 4-6

lineares apice capitato-incrassatae patentes hirtellae, terminalis

paullo longior; columna stylaris cylindrica subgracilis apice truncato haud dilatata.

Post Dalech. clematidifoliam Baill. locanda est, ubi foliolis spuris basi confluentibus valde distineta est, foliola hae autem longe minus inter se connata sunt quam laciniae in speciebus sub B. in DC. Prodr. XV, 2, p. 1242 enumeratis et prima fronte

libera videntur ut in Dalech. triphylla v. saltem in Dalech. ternata,

sinus enim inter foliola spuria s. segmenta circ. 1—1!; mm ab ipsis costis confluentibus remoti sunt. Üaules graciles, teretes, inferne glabrati, superne incano -tomentelli. Petioli subincani et.tenues. Segmenta foliorum 5—6 cm longa, 21/);—2°/ı cm lata, lateralia basi profunde semicordata, omnia subtus prominenter at tenuiter transverse venosa. Involucri folia 21/,—3 cm longa, 31, 31/e cm lata. Capsulae et semina ignota. Habitat in Madagas- caria prope Narendy: Rutenberg, d. 12. Mart. 1878.

14) Dalechampia longipes Müll Arg., caules volubiles; stipulae ovato-lanceolatae obtusae refractae; petioli limbum sesqui v. fere bis aequantes; limbus foliorum omnium 3-partitus, laciniae arrectae ovatae acute acuminatae denticulatae membranaceae, sinus basilaris latissime apertus; pedunculi longissimi; involucri folia ultra medium 3-fida virenti-pallida, lobi ovati acute acuminati arrecti; calycis foem. laciniae circ. 10 ambitu ovatae retrorsum com- paginatae utrinque pectinatim 8—-10-lacinulatae, lacinulae lineares crebre stimuloso-hispidae, pars rhachialis late linearis triente supe- riore nuda; columna stylaris gracilis cylindrica apice leviter annu- lari-incrassata. | Species petiolis et pedunculis longissimis, sinu foliorum latis- sime aperto et involucro amplo distincta et prope Dalech. nata- lensem Müll. Arg. inserenda est. Caules et petioli minute puberuli, primo intuitu subglabri. Stipulae 6—7 mm longae. Petioli 10—13 em longi, limbus 5'/,—10 cm longus, supra glaber v. subglaber, subtus adpresso-pubescens. Involucrum 4—5 cm longum et toti- dem latum, minute parciuscule puberulum. Capsulae et semina

_ ignota. Habitat in insula Nossibe locis humidis: Hildebrandt

2. 2892. m. April. 1879. 15) Dalechampia anisophylla Müll. Arg., caules volu-

- biles; stipulae lineari-lanceolatae; petioli limbum dimidium bene

_ aequantes; limbus foliorum 3-partitus v. summo indivisus et sessilis, lobi ovati acuminati serrati rigide membranacei; pedunculi medio- cres; involucri phylla parvula pallida 3-fida, lobi acuminati; calycis

_ foem. laciniae 10—12 lanceolatae parte dimidia inferiore utrinque pectinatim 8—-1O-lacinuligerae demum valde accrescentes, lacinulae late lineares apice glanduloso-incrassatae, pars rhachialis superne longe integra late linearis crebre calloso-tuberculata; antherae juni-

30

ores apice barbellatae ; columna stylaris gracilis apice leviter annü- lari-incrassata.

Juxta Dalech. tamifoliam Lam. locanda est a qua differt folis multo pallidioribus raro indivisis, indivisis sessilibus et subtriplo minoribus, calycis foem. laciniis superne longe nudis, fructigeris valde accrescentibus et scaberrimis. Folia 3-partita eirec. 7—9 cm longa, laciniae divergentes, sinus basilaris angustus. Involucra 2!/s cm longa. Calycis fructigeri laciniae 2 cm longae, rigidae, parce et bre- viter stimuloso-piligerae. Semina 4—5 mm longa, subglobosa, laevia et marmorato-maculata‘ Habitat ad ripas Manambato Madagas- cariae: Rutenberg, d. 8. Octobr. 1877.

Trib. Euphorbieae Boiss,

16) Euphorbia pilulifera L., Boiss. in DC., Prodr., XV, 2, . 21, in insula Nossibe, herba infestans, m. April. 1879, Hildebrandt n. 2916. 17) Euphorbia thymifolia Burm., Boiss. in DC. 1. ce. 47, prope pagum Maevasamba, Madagascariae, Rutenberg, d. . Juni 1878. 18) Euphorbia prostrata Ait., Boiss. in DC. ]. c. p. 47, ininsula Nossibe ad vias frequens, Hildebrandt, n. 2913, m. April. 1879. 19) Euphorbia segetalis L., Boiss. in DC. 1. c. p. 145, in Madagascarıa ad lacum Itasi: Rutenberg; d. 19. Decembr. 1877. (specimen visum capsulis et seminibus destitutum, caeterum bene congruens, non est Euphorbia Terracina L. (quo habitu subinde etiam valde accedit, ob folia involucralia integra et cyathium non prominenter costato-angulosum et stylos multo brevius bifidos, nec Euphorbia borbonica Boiss. m DC. 1. ce. p. 156, quo jam foliorum magnitudine et praesertim forma involucrorum longius distat.)

nS)

vg

Alismaceen. Bearbeitet von Fr. Buchenau.

1) Lophiocarpus cordifoliaMigq. var. madagascariensis Buchenau. Culmo elato, pluri-(usque quinque-)verticillato ; fructieulis parvis (ca. 2 mm longis) minus cristatis. (Sagittaria cordifolia Roxb.) |

Maroway (mit Nymphaeen zusammen wachsend) 2. Novbr. 1877, Sumpf in der Nähe des Itasi-See’s, 18.—20. Dec. 1877.

Die vorliegenden Pflanzen können meiner Ueberzeugung nach nicht als Art von L. cordifolius getrennt werden, obwohl sie durch die die Laubblätter überragenden Blütenstengel und die kleinen, wenig gezackten Früchte von den mir vorliegenden indischen und nubischen Exemplaren abweichen. Bei der ausserordentlichen Varia- bilität dieser Wasserpflanzen wird man hierauf keinen allzugrossen Werth legen dürfen. Loph. cordifolia ist von Nubien (Kotschy, No. 423) über Indien (Roxburgh u. A.), Java (von Hasselt), Sumatra (Korthals) bis Hongkong (Bentham, flora Hongkongensis) verbreitet. Wahrscheinlich ist aber mit ihr auch Lophiocarpus Lappula Mig.

31

- (Sagittaria Lappula Don) zu vereinigen, in welchem Falle dann

der Don’sche Species-Name voranzusetzen wäre. Ueber die Gattung Lophiocarpus Migq. ist zu vergleichen, was ich in den Abh. naturw. Ver. Bremen 1871, II, pag. 501 gesagt habe.

2) Lim nophyton obaikoltırm Migq. (Dipseudochorion sa- gittifolium Buchenau). In der Nähe des Mahazamba-Flusses, 2. März 1878, (ein Laubblatt, zwei blütentragende und ein frucht- tragender Stengel).

Ueber die verwickelte Synonymie dieser Pflanze habe ich mich im 2. Bande der Abhandlungen des naturwissenschaftlichen Vereines zu Bremen (1869) p. 41 ausführlich ausgesprochen und darf daher hier auf jene Stelle verweisen.

Die Pflanze, welche‘\habituel eine grosse Aehnlichkeit mit

unserem europäischen Pfeilkraute (Sagittaria sagittifolia) hat, wurde

bereits vor Rutenberg auf Madagaskar gesammelt (herb. Kew). Das Vorkommen auf Madagaskar ereänzt in erfreulicher Weise die bis dahin bekannten Sandorie. als solche sind mir folgende be- kannt geworden:

a) Senegal (Perrottet, No. 307); b) Ansina, Nupe (E. Barter, 0.1532; Baikie's Niger-Expedition 1858); ce) Arasch-Cool, Cor- dofan (Kotschy, No. 169): d) Abyssinien (Schimper) ; e) Vorder- indien (Rheede tot Drakestein, Roxburgh, Miquel); f) Ceylon (Thwaites, No. 2317).

3) Caldesia parnassifolia Parlatore (Alisma parnassi- folıum Bassi, Alisma reniforme Don). Auf dem Boden eines Grabens wachsend ; die Laubblätter fluthend, der Stengel aus dem Wasser hervortretend: Ambatomainty, 7. December 1877. (Es liegen vor: eine nahezu vollständige Pflanze und zwei abgebrochene Stengelspitzen).

Ueber die Synonymie dieser Pflanze habe ich mich in meinen: Nachträgen zu den kritischen Zusammenstellungen der bis jetzt beschriebenen Butomaceen, Alismaceen und Juncaginaceen (Abh. Brem. naturw. Ver. 1871, II, p. 482 ff.) ausführlich ausge- sprochen und darf mich daher auf jene Nachweise beziehen. Rutenberg’s Pflanze hat mässig grosse Laubblätter, wie etwa die europäischen Pflanzen, während die indischen Pflanzen meist weit

- grössere Laubblätter besitzen. Die Verbreitung dieser Pflanze

ist eine sehr weite. Sie beginnt mit sporadischen Vorposten in Litthauen, Mecklenburg, der Mark Brandenburg und Frankreich und erstreckt sich dann von Ungarn und Italien über Egypten (Bahr -el-Gasal, Schweinfurth) nach Ostindien, (Simla, Edgeworth, Panjab, J. D. Hooker fil. und Thomson, Khasia - Hills, J. D. Hooker,)

- Nepal (Don) und Australien (vielfach gesammelt), Bentham

(Flora australiensis 1878, VII, p. 214) hat den von mir bereits

- 1871 geführten Beweis der Identität von Al. parnassıfolium und _ reniforme nicht gekannt; er kann sich nicht zur Vereinigung beider

Arten entschliessen, obwohl er erwähnt, dass „Micheii, who has

been studying the order with great care“ letztere für eine Varietät

erklärt habe.

on

Butomaceen et Juncaginaceen fehlen in Rutenbere’s Sammlung.

Potamaceen. Bearbeitet von Fr. Buchenau.

1) Potamogeton natansL. Andranovaka, 9. Octob. 1877. Es liegen zwei Stengelspitzen vor, die eine mit einem Blüten-, die andere mit einem Fruchtstande. Ihre Zugehörigkeit zu dem weit verbreiteten P. natans scheint mir keinem Zweifel zu unter- liegen. Die (schwimmenden) Laubblätter sind breit - elliptisch, 45—55 mm lang, am Grunde und an der Spitze verschmälert und von ziemlich derber Textur; die Stiele sind oben schwach rinnig.

2) Potamogeton parvifolia Buch. n. sp. Pot. e sectione Bathyphyllon (alternifoliorum), aff. Pot. hybridae et spirillae.

Caulis tenuis, ramificatus. Folia submersa linearia tenuia, natantia petiolata, ovalia vel lanceolata, petiolo plerumque lamina breviore, ab ochrea libero (?); lamina 12—18 mm longa et 4--6 mm lata, obtusiuscula vel subacuta, superne laevis inferne distincte quinque-vel septemnervia, nervis impressis. Inflorescentia spicata, ca. 8—-10 flora, cylindracea, stipitata, stipite inflorescentia ca. duplo longiore. Fructus parvi, a latere compressi, dorso carinati, basi bituberculati, semiorbiculares facie interna recti, pericarpio Crasso, duro.. Embryo hippocrepicus.

Antanararivo, 17. December 1877. Khasia-Hills, 5—6000°, Vorderindien (Hooker und Thomson).

Dieses niedliche Potamogeton erinnert auf den ersten Blick sehr an die beiden nordamerikanischen Arten: P. hybrida Michx. und spirilla Tuckermann. Es hat mit ihnen den sehr zarten Wuchs, die kleinen elliptisch-geformten, oben glatten, unten eingedrückt- nervigen Laubblätter, die schmal-cylindrischen Blütenstände auf schlanken (oben nicht verdickten) etwa doppelt so langen Stielen gemein. Es ist daher begreiflich genug, dass Exemplare dieser Art von den Khasia-Hills (gesammelt von Hooker und Thomson) Seitens des Kew-Herbariums mit der Bestimmung: Pot. hybrida Mchx. ? ausgegeben wurden; sie stimmen aber, wie ich sogleich bemerken will, durchaus mit der Pflanze aus Madagaskar überein. Die nähere Vergleichung der Pflanzen aus der neuen Welt mit denen von Madagaskar ergiebt nun folgende Unterschiede:

a) Die zweite Art von Blütenständen (untere, kurz-gestielte, sehr armblütige) welche ein ausgezeichnetes Merkmal der nord- amerikanischen Arten sind, scheint bei Pot. parvifolia zu fehlen; die unteren Blütenstände sind nur etwas kleiner und kürzer gestielt als die oberen.

b) Bei P. hybrida und spirilla ist die Fruchtschale sehr dünn und stark von der Seite her zusammengedrückt; der Embryo ist so stark spiralig zusammengedreht, dass er fast anderthalb Windungen bildet. Ein Früchtchen dieser Arten erinnert durch die flache Form und die schon äusserlich, auf der Samenschale selbst, sicht-

33

baren Windungen des Samens durchsus an die Schale eines kleinen Planorbis. P. parvifolia dagegen hat Früchtehen mit holziger, dicker

Schale; der Samen ist nur stark hufeisenförmig gekrümmt und

nicht von aussen erkennbar. Ueberdies ist aber auch der Umriss der Früchtehen ganz verschieden. Die von P. hybrida und spirilla sind nahezu kreisrund (mit ein paar Ausbuchtungen), der ausser- ordentlich kurze Griffel sitzt auf der Mitte der Krümmung. Die Früchtehen von P. parvifolia dagegen sind fast halb- kreisförmie (etwas halb-herzförmig), inwendie gerade abgeschnitten, mit dem Griffel über der Innenkante und an der Basis mit zwei seitlichen Höckern.

Ob die Lamina der untergetauchten Laubblätter etwas mit der Blattscheide verwachsen ist (wie bei P. hybrida und spirilla), darüber bin ich nach dem vorliegenden Materiale nicht sicher seworden; die Schwimmblätter zeigen keine solche Verwachsung.

3) Ouvirandra Bernieriana Desne. Zwei Laubblätter und vier Blütenstände, leider ohne nähere Bezeichnung des Fundortes, wahrscheinlich aber zwischen Antananarivo und dem Itasi-See

an zwei verschiedenen Stellen gesammelt. Mit der schönen Ab-

bildung von Decaisne (Delessert Icones, 1837, IH, Tab. 100) sehr wohl übereinstimmend. Die Lamina des einen Laubblattes ist 32 cm

Jang und bis 6'/; cm breit, die des andern 25 cm lang und 4 cm

breit; die Spitze ist abgerundet-stumpf und auch die Basis stumpf gegen den Stiel abgesetzt; die Textur ist zart; die Quernerven sind dicht-gestellt und sehr zart; ihre Zwischenräume von gleich- mässigem, zartem Parenchym erfüllt (also nicht gefenstert). Laub- blätter der Bernier’schen Pflanze von Madagaskar, welche ich im Herbarıum meines verehrten Freundes, des Herrn Professor Dr. Eichler, sah, sind nur 3 cm breit und 28 cm lang, dabei sehr viel derber, als die Blätter der Rutenberg’schen Pflanze, indessen variiren bekanntlich diese Wasserpflanzen gerade in diesen Beziehungen ganz ungemein. Die mir vorliegenden Blütenstengel tragen sämmtlich zwei Aehren*); dieselben sind ringsherum mit Blüten besetzt (unterscheidendes Merkmal der Gattung Ouvirandra von Aponogeton!) und zur Blütezeit an der Spitze stark hakig zurück- gekrümmt. Die Blüten scheinen auf den ersten Blick gelb gefärbt gewesen zu sein (wie es für die Ouvirandra Heudelotii Desne. aus Senegambien angegeben wird), doch zeigt die genauere Be- trachtung, dass die gelbe Farbe nur von dem massenhaft auf den geöffneten Antheren liegenden Blütenstaube herrührt; wahrscheinlich waren die Blüten im frischen Zustande blass-violett, wie diejenigen von ©. fenestralis und ©. Hildebrandtii (vergl. die schöne Abbildung der letztgenannten Art von Eichler und Kurtz in der Monatsschrift des Vereins zur Beförderung (des Gartenbaues in den königlich- preussischen Staaten, Januar 1879). Die Blütenstände unserer Pflanzen (anfangs etwa 3 cm, zur Fruchtzeit aber bis 8 cm lang)

*) Decaisne schreibt der O. Bernieriana 2—3 Aehren, Hooker (Botanical Magazine, Tab. 5076) deren 5—5 zu, doch schwankt die Zähl auch bei Ö, fenestralis, sowie bei O. Hildebrandtii von 2 bis 3.

December 1880. VL3.

34

sind ziemlich dichtblütig,*) nieht wie Decaisne angiebt und abbildet, remotiflorae. Gegitterte Ouvirandra (die ächte „Fensterpfanze“) hat Rutenberg auf Madagaskar nicht gefunden.

Typhaceen. Bestimmt von Fr. Buchenau. 1) Typha angustifolia L. Vohemar, 7. October 1877.

Palmen. Bestimmt von Herrn Prof. Dr. OÖ. Drude zu Dresden.

1) Hyphaene spec. Andranovaka, 9. Octobr. 1877. Von dieser Pflanze liegen leider nur einige Stücke des männlichen Blütenstandes vor. Von H. thebaica, der einzigen Art dieser Gattung, deren männliche Blüten genau beschrieben sind, unter- scheidet sich die Pflanze durch einblütige (bei H. thebaica zweiblütige) Alveolen; ferner ist die Corolle etwas anders geformt, die Petela haben keinen Mittelnerv, sondern ein feines System “zahlreicher Nerven, die Antheren haben tiefer pfeilförmige Antheren, und die Blüten besitzen ein Pistillrudiment. Vielleicht gehören diese Blütenstände zu H. crinita Gärtner?

Es ist dies unter den aus Rutenberg’s Hinterlassenschaft: geretteten Pflanzen die einzige Palme.

Smilaceen. Bestimmt von Fr. Buchenau.

1) Smilax Goudotiana A. DC. Nossi-B&, März 1878. Ein Zweig mit geöffneten Staubblatt- Blüten. Herr Prof. A. De- Candolle, der Monograph der Familie, erklärte die Bestimmung für richtig. Dieselbe Pflanze sammelte J. M. Hildebrandt im September 1879 gleichfalls blühend auf Nossi-Be „im Gesträuche

kletternd,“* (No. 3159.)

Eriocaulaceen. Bearbeitet von Herrn Prof. Dr. Friedr. Körnicke in Bonn.

1) Mesanthemum Rutenbergianum Kcke. Foliis, peduncu- lis, vaginis fere glaberrimis; bracteis involucrantibus interioribus tlores paullo superantibus, perigoniis exterioribus olivaceo-nigris ; femineo quam interius breviore, germen plus duplo superante. Mahamba, nahe dem Alaotra, 18. December 1877.

Folia lineari-lanceolata, obtusa, prima juventute apice pilis arrectis albis barbulata, ceterum glaberrima, nervoso-striata, im- pellucida, rigido-herbacea, in sicco conduplicata et margine invo-

*) Doch berühren sich die Blüten zur Blütezeit nicht wirklich, sondern haben noch immer ein deutlich erkennbares Achsenglied zwischen sich.

35

luta, flavido-viridia, usque 10 pollices (26 cm) longa. Pedunculi elongati, teretes, infra capitulum puberuli ceterum glaberrimi, 10 costati, parum torti, flavo-virides, usque 20 pollices (53 cm) longi. Vaginae arctae, oblique truncatae, lamina ongiuscula acumi- nata rigidula integra, in angulo oris ciliatae ceterum glaberrimae, flavo-virides, usque 7!/s poll. (19 cm) longae. Capitula hemisphaerica, summitate plana et albo-villosa, 6—7 lineas (13—15 mm) lata. Bracteae involucrantes ovatae, obtusae, leviter puberulae et breviter eiliatae, cito glabriusculae, nervoso-striatae, rigidae, flavo-virides; exteriores breviores, interiores et intimae interdum acutae; intimae angsustiores, oblongae, intus versus apicem pilis albis appressis dense vestitae, flores paullo superantes. Bracteae flores stipantes filiformi-Ineares, superne sensim dilatatae, obtusissimae, apıice utrinque pilis arrectis densissimis vestitae, ceterum glabrae, pallıde fuscescertes versus basim albidae, floribus breviores. Receptaculum nigrescenti-pilosum. Flores masculi centrales, breviter pedicellati. Perisonii exterioris partes 3, ima basi connatae, cuneato-obovatae obtusissimae, versus apicem ciliatae dorsoque pilis comatae, navi- culares, membranaceae, olivaceo-nigrae. Perigonii interioris partes 3 ın tubum perigonio exteriore parum longiorem ‘oblongo-campanu- latum ima basi faretum ceterum cavum et subspongiosum utrinque praeter marginem glabrum albidum connatae, infra medium glandula lineari fusca apice hyalina instructae, limbo membranaceo non involute brevissime trilobo, lobis truncato-obtusissimis dense cıliatis. Stamina 6 parum exserta, tria lobis opposita parum longiora, an- theris oblongis flavescentibus, filamentis versus basim perigonio adnatıs, ceterum liberis. In centro pistilli effioeti rudimentum fus- cum triplex. Flores feminei marginales, sessiles. Perigonii exterioris partes 3 liberae spathulato-oblongae vel obovatae, obtusae, versus apicem saepe irregulariter dentatae, summa apice pilis arrectis dense ciliatae ceterum glabrae, naviculares, membranaceae, olivaceo- nigrae, germine plus duplo longiores. Perigonii interioris partes 3 illis longiores, versus apicem connatae inferne liberae, spathulatae, rotundato-obtusissimae, apice ciliatae, extus versus apicem pilis comatae, intus infra medium versus basim pilis longissimis flexuosis densissimis olivaceo-nigrescentibus vestitae paullo supra medium glandula lineari fusca apice hyalina instructae, subspongiosae apice membranaceae, inferne fuscescentes superne albidae. (Germen tricoccum, sessile. Stylus germine paullo longior. Stigmata 3

simplicia, appendicibus nullis. Pili acutiusculi, intus laeves, receptaculi et perigonii feminei interioris versus basim positis olivaceo-nigrescentes, reliqui albi. Non memini, in ulla specie

hujus familiae pilos nigrescentes vidisse.

Differt a M. pubescente Kcke. proximo et Rn insulae cive bracteis involucrantibus interioribus discum superantibus, perigoniis exterioribus olivaceo-nigris, pilis quibusdam olivaceo- nigrescentibus; foliis summo apice excepto, pedunculis, vaginis glabrs. A M. radicante Kceke. dignoscitur floribus masculis breviter pedicellatis, perigoniis exterioribus nigris, femineo germen

gi

36

plus duplo superante, perigoniorum interiorum glandula profundius inserta, stylo breviore, pilis quibusdam nigrescentibus, foliis summo apice excepto, pedunculis, vaginis glabris. M. Prescottianum Kcke. praeter alia bracteis involucrantibus interioribus flores longe superantibus herbaceis albidis, bracteis flores stipantibus glabris valde alienum.

Juncaceen fehlen in Rutenberg’s Sammlung.

Uyperaceen. Bearbeitet von Herrn Otto Böckeler zu Varel. I. Kyllingia.

1) K. exigua nov. spec. Plantula 3—1pollicaris pallide viridis; radieis fibrillis capıllarıbus e culmi basi leviter bulboso- inerassata ortis; culmo setaceo striete erecto triangulari striolato basin versus multifoliato ; foliis vix pollicem longis remotiusculis patentibus rigidulis perangustis (vix '/s lin. lat.) acuminatis acute carinatis, superne marginibus carinaque subtiliss. spinulosis ; capıtulo singulo suborbiceulari 2!/s lin. diam.; imvolueri foliolis 3 patentissi- mis 7—3 lin. long. ; spiculis laxiuscule dispositis albidis concoloribus valde compressis ovato-lanceolatis vix sesquilineam longis, 2/s lin. lat., bifloris, floribus utroque fertilibus; squamis membranaceis

acuminato-ovatis, acumine rectis, plurinerviis; caryopsi minuta ,

oboyato-oblonga lentieulari- biconvexa, vertice obtuso apıculata, obsolete subtiliter reticulata, ochracea; filamentis subtilibus anthe- risque minutis cum squamis concoloribus; stylo longe exserto subtili atro-fusco breviuscule bifido. Species in viciniam K. bracheilemae Steud. locanda.

Ambatondrazaka, 27. Novbr. 1877.

2) K. aurata N. ab E. Nahe Antananarivo, 7. Dechr. 1877.

Forma humilis, eulmo subtripollicarı pertenui, vaginis modo supremis laminiferis.. Ambatondrazaka, 27. Novbr. 1877.

II. Cyperus. Sect. 1. Pycreus.

3) C. lanceolatus Poir. Forma normalis inflorescentia rite evoluta: umbella explicate simplici 4radiata (non ut in Poiretii planta capitato-contracta).

In der Nähe von Antananarıvo und bei Ambaravambato, 6. und 7. Dechr. 1877.

Sect. 2. Eucyperus.

4) C. obtusiflorus Vahl c. forma e capitulo prolifico- ramosa. Häufig zwischen Vohemar und Fassi, 7. 13. Octbr. 1877; nahe der Küste, 13. März 1878.

5) C. difformis L. Zwischen Vohemar und Fassi und am Matambato-Ufer, 6.—8. Octbr. 1877.

se Pr

37

6) C. denudatus Vahl «. Triqueter: forma umbella proli- fera depauperata. Matambato-Ufer, 6. Octbr. 1877.

7) C. aequalis Vahl «. Culmo trigono.

Zwischen Vohemar und Fassi, 11. Octbr. 1877.

8) C. microcarpus nov. sp. Culmo strieto firmo acute triquetro compresso validulo (lineam diam.), haud punctato, parte suppetente abscissa subpedali plane nudo; imvolucro monophyllo culmum exacte continuante eoque omnino conformi stricto abbreviato (9—1V lin. longo); umbella semicomposita multi-(15—24-)radiata, radiis strietis patentissimisque setaceis valde inaequalibus, longi- oribus apice pauciramulosis pollicem circ. longis; spiculis purpur- ascentibus ternis pluribusve confertis divergentibus lineari-oblongis oblongisve compressis apice acutiusculis, 3—2 lin. long., ®/s—!/a lin. lat., 12—-10—8 floris; squamis chartaceis omnino adpressis oblongis infra apicem obtusum vix evidenter denticulo munitis, prope carınam concolorem enervem sulcatis, disco sanguineo- purpureis nitidis, margine angusto pallidioribus; caryopsi (im- matura) minutissima compresso-triquetra ovali ima basi attenuata apice obtuso mutica, laevi pallida; stylo subtili parum exserto profunde trifido. Cypero adenophoro Schrad. brasiliensi proxime affınis. Ankaratra-Gebirge (?) 18. Dechr. 1877.

9) C.articulatus L. Zwischen Vohemar und Fassi, 8. Oct. 1877.

10) €. corymbosus Rottb. Häufig auf Madagaskar; Na- rendy, 12. März 1878.

11) C. rotundus L. Specieller Fundort fehlt.

12) C. dubius Rottb. Zwischen Vohemar und Fassi, 7—13. Octbr. 1877.

III. Heleocharis.

13) H. sphacelata R. Br. Antananarıvo, 7. Debr. 1877.

IV. Seirpus. Sect. 1. Euscirpus.

14) S. supinus L. y. Elatior (digynus) Beklr. = 5. juncoides Roxb. S. timorensis Kunth. Antananarivo, 7. Dechr. 1877.

15) S. madagascariensis nov. sp. -Culmo valido durius- culo perfecte tereti multistriolato (parte superiore suppet. subpedali 1'/.—1?/s lin. diam.); anthela 6—--7ramosa, ramis valde inaequa- libus validis, compresso-angulatis striatis margine scabriusculis, infimis duobus subbipollicaribus, sequentibus gradatim decrescentibus, centrali sessili; involucro monophyllo culmum exacte continuante perbrevi (10-9 lin. longo) spathiformi subulato-acuminato ; spicu- lis numerosis in ramorum apice dense fasciculato-capitatis oblongo- lanceolatis acutis 4—3 lin. long.; squamis membranaceis quinque- farıis adpressis apice recto patulis, carinato-convexis late ovato- sublanceolatis e carina mucronatis fuscescenti-stramineis apice non raro mucroneque brunneis; caryopsi parvula squamae partem tertiam parum superante subrotunda basi cuneato-attenuata, com- presso-triangula mucronulata laevi brunnea lucida, perigonio desti- tuta; stylo pertenui elongato longe exserto profunde trifido; stamin.

38

3 longe persistentibus membranaceis latiusculis ferrugineis.

Seirpo supino proxime affınis. Sumpfboden in der Nähe von An- tananarivo, 7. Decbr. 1877.

Sect. 2. Oncostylis.

16) S. oligostachyus Bcklr. (in Linnaea) Fimbristylis minima Hochst. Nähe von Antananarivo, 7. Dechr. 1877.

17) 8. filamentosus Vahl. Isolepis filamentosa R. et S.

Specieller Fundort fehlt. V. Fieinia.

18) F. ciliata nov. spec. Glauco-virens ; rhizomate descen- dente tenui lanuginoso stolones tenues emittente ; culmo singulo va- lido (lineam fere® diam.) firmo obsolete triangulo > poll. alto basi plurifoliato ; foliis confertis culmum longe superantibus (9—6 pollie.) rigidulis subcanaliculatis longe angustato-acuminatis obtusius- culis lineam et ultra latis, margine praecipue apicem versus denti- culatis; vaginis brevibus apertis haud truncatis membranaceo-mar- ginatis vix coloratis; capitulo terminali magno (8—7 lin. diam.) compacto e spicularum fasciculis compositis numerosis bracteatis structo globoso-ovali v. subhemisphaerico, bracteis nonnullis foliaceis interpositis; involucro 4—3 phyllo, phyllis patentissimis reflexisve valde elongatis (6—5—2 pollie.); bracteis fasciculorum squamı- formibus chartaceis adpressis late ovalibus striatis e carina viridula

valide mucronatis lateribus pallide castaneis nitidulis margine.

piloso-ciliatis; spiculis densiss. fasciculatis 2 lin. circ. long. ob- longis compressis plurifloris; squamis ferrugineis membranaceis lineari-oblongis striolatis carinato-navicularibus mueronatis margine ciliatis; ovario perminuto oblongo sensim in stylum elongatum tenuissimum breviter trifidum (W. interdum profunde bifidum) attenuato. Species in vieciniam F. striatae Kunth ponenda. Antundrazana, 4. Novbr., 1877.

VI. Fimbristylis. Sect. 1. Eufimbristylis.

19) F. dichotoma Vahl. Specieller Fundort fehlt.

20) F. madagascariensis nov. sp. Glaucescens; radıce fibrosa stolonifera; culmo 1'/s—1 pedali firmo rigido obsolete angu- lato striato ac sulcato parte superiore compressiusculo, laevi, basi plurifoliato; foliis erectis (subfalcatis) longis (11—9 pollie.!) rigidis exacte linearibus rotundato-obtusis none canalıculatis superne planis lineam et supra latis striatis marginibus remote denticu- latis, latere interiore basin versus hirsutis; vaginis fissis, facıe antica membranacea cinnamomeis ore oblique truncato hirsuto- ciliatis; umhella semicomposita 8—-Tradiata, radıis patentibus valde inaequalibus validis rigidisgue compressis 1Y/a—!/» poll. longis, centrali sessili, longioribus apice 5—-3ramosis, reliquis simplieiter spiculatis; involucro diphyllo umbella saepiss. multo breviore, phyllis 1—1°/—!s poll. long. latis rigidis planis ex

nn Me Th E

39

apice obtuso oblique acutatis, margine superne spinuloso-scabris; spieulis solitariis ovato-oblongis oblongisve acutis multifloris 3—3'/» lin. long.; squamis rigidulis ovato-orbiculatis carinato-convexis infra apicem obtusum breviss. mucronatis haud striatis, perfecte glabris pallide castaneis nitidis; caryopsi parva squamae partem tertiam vix superante albida sessili late ovali v. obovata lenticulari longitudin. striolata transverseque subtiliter lineolata tubereulisque conspersa. Species ex affın. F. castaneae, F. spadiceae. Nahe Antananarivo, 7. Decbr. 1877.

Sect. 2. Trichelostylis. 21) F. miliacea Vahl. Efitra.

VII. Fuirena. 22) F. pubescens Kunth. Specieller Fundort fehlt. 23) F.glomerata Lamck. Kunth. In der Nähe des Meeres, Nordwestküste, 29. Mai 1878. 24) F. umbellata Rottb. forma minor glaucescens. Anrute, 8. November 1877. VIII. Hypolytrum.

25) H. mauritianum N. ab E. Vohemar, 6. Octbr. 1877.

IX. Platylepis. 26) P. capensis Kunth. Antananarivo, 7. Dechr. 1877.

X. Rhynchospora.

27) R. glauca Vahl. Forma tenuis: R. laxa R. Br., non Vahl. Ohne speciellen Fundort.

28) R. candida Bcklr. (in Linn.) Psilocarya candida N. ab E. (Cyperac. brasil.) Efitra.

XI. Baumea.

29) B. flexuosanov. spec. Glaucescens;; culmo striete erecto ancipiti, superne (infloresc. rhachi) valde attenuato canaliculato- subangulari, parte suppetente c. infloresc. tripedali; foliis culmeis strietis coriaceo-rigidulis lineari-ensiformibus acutiusculis utrinque perfecte planis laeviss., inferioribus subsesquipedem longis 2’/a lin. lat.; panicula composita aut semidecomposita elongata (sub- bipedali) perlaxa; ramis primariis valde elongatis, superioribus ternatim-, inferioribus binatim-approximatis aut singulis (c. pani- cula secundar. pedem et supra longis), omnibus flexuosis canali- culatis ad angulos subtiliss. serratis; bracteis primariis foliaceis basi vaginantibus, inferioribus elongatis, superioribus valde decres- centibus; bracteis seeundariis ochreiformibus brevibus et angustis cuspidatis pallide ferrugineis scabridis; spieularum fasciculis 3—2 stachyis perremotis sessilibus obovatis; spieulis parvis oblongis obtusis (statu florescenti 1Y/;—1?/ı lin. long.) subunifloris; squamis confertis pallide ferrugineis ovali-oblongis obtusiuseulis hirtellis carına scabris, marginibus ciliatis ; stylo exserto breviuscule trifido,

40

bası subsemiglobosa rugosa glabra fusca ; staminibus 3 et paucioribus. ÖOceurrit forma abnormis spiculis solummodo staminiferis. Baumeae iridifoliae madagascariensi proxima. Nossi-Be, Luku-Be, Octbr. 1877.

XII. Carpha.

30) C.elongata Bceklr. (in Linn.) Schoenus elongatus W. hb ex parte. Asterochaete elongata Kth. Machaerina melicoides Bory in Boiv. pl. Borbon. Ambatondrazaka, 6. Decbr. 1877.

XIII. Sceleria.

31) S. hirtella Swartz. Var. y. car. tuberculata = C. inter- rupta Richard. Nähe des Itasi-Sees, 3. Jan. 1878.

Ejd. var. forma melanotricha: S. melanotricha Hochst.

32) S. margaritifera Willd. Kunth Nees. Nossi-B£, Octbr. 1877.

33) S. Rutenbergiana nov. sp. Culmo elato (parte suppet. c. infloresc. bipedali) valido, 2 lin. diam., paucifoliato triquetro, latere uno canaliculato, multistriolato ad angulos scaberrimo ; foliis remotis patentibus latis longisque herbaceo-rigidis planis lineari-lanceolatis, margine nervisque duobus validioribus denticulato- scabris, superioribus 135—8 poll. long., 9—5 lin. Jlat.; vaginis perangustis 1°/ı—1 poll. long., ligula viridi abbreviata rotundato- obtusa hirsuta; paniculis 3 compositis laxis triangularıbus 4—3° poll: alt., supremis approximatis, sequenti parum remota, inferi- oribus pedunculatis bractes longa (8 -6pollic.) munitis; ramıs patentibus patentissimisque validis rhachique communi acutangulis scabris hirtulisque, bracteis capillari-setaceis perscabris ipsis multo brevioribus fultis; ramulis subsessilibus ; spieulis pallide testaceis : masculis ovali-obilongis obtusis bilinealibus plerisque in ramorum apice ternatim v. binatim confertis sessilibus, reliquis paueis solitariis pedunculatis; foemineis in ramulorum basi. binatis v. rarjus singulis; squamis rigidulis lato-ovatis e carina viridula mu- cronulatis; caryopsi grandiuscula, bilineali, longe exserta late ovali basi haud truncata, obsolete trigona vertice umbonata, laevissima, lactea v. pallide cinerea, nitida; perisyniis conjunctis testaceis im fructu persistentibus: inferiore spongioso -crasso obtuse trilobo, superiore adpresso cartilagineo trilobo, lobis apice pl. m. cristato-

dentatis. Species in viciniam S. Hookerianae et S. Junghuhnianae locanda. Nossi-Be, im Gehölz von Luku-Be, April 1878. XIV. Carex.

34) C. Rutenbergiana nov. sp. Culmo strieto 20—15 poll. alto, ®/ı lin. diam., perrigido obtuse triangulo laevi pauci- (3-) foliato; foliis culmeis (basilar. non adsunt) distantibus perrigidis linearibus longe angustato-acuminatis apice triquetris, acute carinatis multi- striolatis margine recurvis, superne ad marsines serrulato-scabris, 9—4 poll. long., basi 11/g —2 lin. lat.; vaginis bipollicaribus rigidis parum ampliatis ore truncato v. emarginato pietis; spicis duabus

x di

braeteatis in culmi apice parum distantibus atro-brunneis v. atro- purpureis compactis- e spicularum fasciculis densis constructis: ter- minalı oblongo-cylindriea rotundato-obtusa (sub anthesi 13—11 lin. longa, 5 lin. lata) bractea lineari-setacea basi dilatata amplectente 11); —1 pollicari suffulta, secunda minori longiuscule pedunculata bractea vaginante subtripollicari munita; spiculis confertis andro- gynis apice masculis, ovatis acutis submultifloris, 3—3"/2 lin. long. ; squamis chartaceis nitidulis densis eonformibus et concoloribus carınulato-convexis lanceolato - acuminatis submucronatis margine interdum pallidis; utrieulo (adhuc juvenili) parum exserto (2 lin. long.) plano-convexo oblongo sensim in rostrum sublineare ore pro- funde bifidum attenuato, nervato spinuloso superne picto; stylo ex- serto profunde trifido. Species peculiaris et insignis, C. nubige- nae et C. Bonplandii parum affinis.

Ankaratra-Gebirge, hoch am Berge Tsias, 21. Dechr. 1877.

35) C. elatior nov. spec. Üulmo elato (parte suppet. sub- bipedali) pertenui rigido triangulo lateribus sulcato, laevi pauci- (bi-) foliato; foliis rigidulis distantibus perlongis et angustis (16—12 poll. long., 1!/s lin. lat.) e. bracteis inflorescentiam longe superan- tibus, longiss. angustato-acuminatis carinatis, marginibus reflexis . carinaque serrulatis; paniculis partialibus 4 solitariis parvis (pol-

licem eire. alt.) pedunculatis triangulis simpliciter quinquespiculatis, superioribus approximatis, infima remota; spiculis androgynis apice masculis remotis patentissimis ovato-lanceolatis paucifloris 4 lin. long. ; squam ispellucido-rufulis concoloribus: foemineis magnis late ovato-lanceolatis longe scabro-aristatis (sine arista 1?/a Mn. long.), masculis angustioribus evidenter breviaristatis; utrieulis flavo-viren- tibus erectis squamam aequantibus 2 lin. long. rectis ellipsoideis obsolete trigonis nervatis laevibus sensim in rostrum breviusculum valıdum apice bilobum ad margines serrulatum attenuatis. (Ü. amoenae Boott proxime affınis.

Nahe Antananarivo, 7. Decbr. 1877.

Gefässkryptogamen. Bearbeitet von Herrn Dr. Christ. Luerssen zu Leipzig.

Seit dem Erscheinen von Kuhn’s sorgfältig und kritisch ge- arbeitetem Werke über die gesammten afrikanischen Gel ässkryp- togamen (Filices Africanae. Lipsiae 1868), in welchem auch ME ie skar die gebührende Berücksichtigung fand, sind nur wenige Abhandlungen zu verzeichnen, welche der Farnflora dieser grossen Insel speciell gewidmet wurden. Im Jahre 1876 veröffentlichte Baker einen ersten grösseren Beitrag unter dem Titel: On a col- lection of ferns made by Mr. William Pool in the interior of Madagascar (Journal of the Linnean Society, Botany, XV. 411--422), dem 1877 eine zweite Abhandlung folgte: On a col- leetion of ferns made by Miss Ilellen Gilpin in the interior

42

of Madagascar (Journal of the Linnean Society, Botany, XVI. 197— 206). Beide Arbeiten des bekannten Pteridographen ent- halten, wie sich das voraussehen liess, eine nicht unbedeutende Anzahl neuer Arten. Endlich hat Kuhn in der 1879 erschienenen „Botanik von Ostafrika (Separatabdruck aus dem 3. Bande von v. d. Decken’s Reisen) auf Seite 62—68 eine kritische Zu- sammenstellung aller bis dahin von Madagaskar bekannten Gefäss- kryptogamen gegeben, die um so werthwoller ist, als ihr die Auf- zählung der auf Mauritius und Bourbon vorkommenden Arten parallel geht. Nach dieser Liste stellte sich die Zahl der bisher auf Madagaskar gesammelten Arten auf 262, von denen 67 endemisch sind. Rutenberg’s zwar nur 49 Arten umfassende, aber dennoch sehr interessante Sammlung, deren Studium mir durch Professor Buchenau’s Güte ermöglicht wurde, vermehrt die Zahl der augen- blicklich von jener Insel bekannten Gefässkryptogamen auf 271, da sie 9 bis jetzt dort nicht gefundene Arten enthält, nämlich: Adiantum aethiopicum L., Actiniopteris dichotoma Mett., Pteris dubia Kuhn, Asplenium rutaefolium Mett., Aspidium Thelypteris Sw. var. squa- muligera Schlecht., Polypodium Rutenbergii Lssn., Polypodium parvulum Bory, Taenitis niphoboloides Essn. und Ophioglossum fibrosum Schum. Von diesen 9 Arten waren 2 überhaupt noch nicht beschrieben; es sind: Polypodium Rutenbergii Lssn. und Taenitis niphoboloides Lssn., durch welche die Zahl der endemischen Formen auf 69 vermehrt wird.

Zu der in der folgenden Aufzählung eingehaltenen Umgrenzung der Gattungen erlaube ich mir nur noch eine Bemerkung. Entweder ziehen wir die namentlich seit dem Erscheinen von Mettenius’ classischem Werke über die Farne des Leipziger botanischen Gartens besonders unter den deutschen Pteridographen üblich gewordenen grossen Gattungen noch mehr zusammen, ein Verfahren, das der an und für sich schon vorhandenen Künstlichkeit des Systems nur noch weiteren Vorschub leisten dürfte. Oder aber, wir versuchen weniger umfangreiche Gattungen zu gründen, ohne dabei jedoch in die Fehler von Presl, F&e u. A. verfallen zu wollen. Der leztere Weg scheint mir derallein natürliche zu sein, und Mettenius selbst hat ihn späterhin auch eingeschlagen, Kuhn in der letzteitirten Arbeit weiter verfolgt. Freilich wird es noch vieler Studien be- dürfen, um zu dem angestrebten Ziele zu gelangen, Studien, die bei dem in allen Sammlungen zerstreuten und oft so schwer zu- gänglichen, häufig dazu noch ungenügenden Material grosse Schwierig- keiten bieten. Wie viel besser würde es z. B. um unsere Kennt- niss der Oyatheaceen stehen, würden wir statt der meist allein in unsere Sammlungen gelangenden Blattfetzen die zwar zerschnittenen, doch in ihrer Zusammengehörigkeit bezeichneten Blätter sammt den Stämmen oder doch wenigstens Stammstücke mit Notizen über Höhe, Wuchs etc. erhalten! Aehnliches gilt auch für andere Ord- nungen; immer wieder müssen wir den Sammlern, leider bisweilen sogar den Botanikern von Fach, zurufen: schafft uns Besseres!

45

I. Filiecinae. 1. Filices.

1. Hymenophyllaceae. 1. Hymenophyllum Sw.

1) H. sibthorpioides Mett. (Kuhn, Filices Africanae p. 41.) Wald von Ambatondrazaka, 6. Dechr. 1877.

2) H. ciliatum Sm. (Kuhn, Fil. Afrie. 35.) Zwischen Moos auf Baumstämmen im Walde von Ambatondrazaka, 6. Decbr. 1877. Urwald von Vondruzona.

Dolly proldiitarere/are.

2. Lindsaya Dryander.

>) L. ferruginea Kuhn, Fil. Afrie. 68. Alabe, Mitte Juni 1578. 4) L madagascariensis Baker, Journal of the Linnean Society, Botany XVI. 198. Ivondruzeri. Der Baker’schen Diag- nose kann hinzugefügt werden: Rhizom kriechend, kaum 1 mm im Durchmesser, gelbbraun, mit kurzen, gegliederten, gelbbraunen Spreuhaaren bedeckt; Blattstiel ca. 17 cm lang, kastanienbraun,

‚an der Basis mit spärlichen Resten ebensolcher Haare, wie sie das

Rhizom besitzt. Der Rand der fructificirenden Fiedern der Ruten- berg’schen Pflanze ist noch weiter über den Sorus hinaus vorgezogen, als Baker angiebt, nämlich bis zur doppelten Breite des am Rande unregelmässig-lappig-gezähnten Indusiums.

5) L. chinensis Mett. (Kuhn, Fil. Afric. 67.) An einem Bache; Matambato-Ufer, 7. Novbr. 1877. Rutenberg’s Exemplare gehören zu jenen schmalfiederisen Formen, wie sie namentlich auf den hinterasiatischen und polynesischen Inseln vorkommen.

3. Lonchitis L.*)

6) L. polypus Baker, Journ. of the Linn. Soc. Bot. XV. 414. In der Nähe von Ambohizunhari (Gegend des Alaotra-See’s), 25. November 1877. Das vorliegende Fragment ist die „Spitze eines Segmentes zweiter Ordnung,“ nach welcher zu urtheilen die Blätter bedeutende Grösse erreichen müssen. Die Fiedern dritter Ordnung sind fast durchgängig deutlich gestielt, die Stiele bis ca. 4 mm lang, so dass die Blätter völlig dreifach gefiedert und da- durch von denjenigen verwandter Arten leicht unterscheidbar sind. thachis, Stiele una Mittelrippe der Fiederchen zeigen auf der Ober- seite kräftiger als unterseits die kurze, rostige Behaarung; auf der Unterseite sind die Haare bleicher bis nur gelblich und fast nur über den Nerven vorhanden, während sie in den Areolen so gut wie fehlen. Trotzdem zweifele ich nicht an der Zugehörigkeit der wutenberg’schen Pflanze zu genannter, bis jetzt nur von Madagaskar bekannter Art.

*) Kuhn, Botanik von Ostafrika 8. 107.

44

4 Adhartum DB.

7) A. lunulatum Burm. (Kuhn, Fil. Afrie. 65.) Häufig in schattigem Gebüsch bei Mangali, 11. März 1878. | 8) A. aethiopicum L. (Kuhn, Fil. Afrie. 62.) Mischiaka- Quellen, 10 Jan. 1878. Ueber den Formenkreis des A. aethiopicum L. herrscht in den pteridolosischen Werken noch grosse Ver- wirrung. Hooker et Baker (Synopsis Filieum, edit. II. 123) ziehen ausser dem zu dieser Art gehörenden neuholländischen A. assimile Sw. auch das A. thalietroides Willd. herb. (Schlechtend. Adumbrat. Fil. 53, tab. 33. Kuhn, Fil. Afric. 66. Keyserling, Adiantum 39) hierher, worin ihnen Moore (Index Filicum 19) gleich steht; ferner rechnen sie dazu das A. emarginatum Bory (in Willd. Spec. pl. V. 449) und eine Anzahl amerikanischer Formen, welche zum A. chilense Kaulf. (Enumer. Filic. 207) gehören. Das A. emarginatum Bory wird von Kuhn (Fil. Afric. 64) als eigene Art, von Moore (Ind. Fil. 21) als var. d des A. Capillus Veneris be- trachtet und auch Keyserling (Adiant. 37) zieht dasselbe zu letzterer Art. Ich mag darüber nicht entscheiden, da ich letztgenannte Form zu wenig kenne. Was dagegen das A. thalietroides Willd. betrifft,

für welches Kuhn den älteren Namen des A. crenatum Poir. vor-

anstellt (Fil. Afric. addend. 206; Beiträge zur mexikan. Farnflora in Abhandl. d naturforsch. Gesellsch. zu Halle XI. 29; Bot. v. Ostafrika S. 12), so möchte ich vor der Hand mit Kuhn (und Keyserling, 1. c.) dasselbe von dem A. aetliopicum L. trennen. Kuhn Beitr. z. mex. Farnfl.) giebt als Unterschiede: A. aethiopieum L. Nervi pimnularum sterilium apicem dentium adeuntes; glandulae sporangiis admixtae und A. crenatum Poir. Nervi pinnularum ste- rılium sinus crenarum adeuntes; glandulae sporangiis admixtae nullae. Aehnlich hebt Keyserling das Verhalten der Nerven her- vor. Allerdings muss zugegeben werden, dass Fälle vorliegen (und ein solcher ist in der Rutenberg’schen Pflanze gegeben), in welchem der Fiederrand kaum gezähnt genannt werden kann und es schwierig wird, überall sicher zu bestimmen, ob das Nervenende in den Zahn oder die Bucht verläuft. Wo indessen die Zähne an einzelnen Fiederchen schärfer hervortreten, wird man nicht mehr ım Zweifel sein, ob die Nerven im Zahne endigen (wie bei Rutenberg’s Pflanze) oder nicht. Zudem kommt bei der Rutenberg’schen Pflanze das Vorhandensein von Drüsenhärchen zwischen den Sporangien hinzu. Ich ziehe daher, da ich bezüglich der Constanz der Merkmale an den von mir untersuchten Formen Kuhn (Bot. von Ostafrica 15) beistimmen kann, die vorliegende Pflanze zu A. aethiopicum L. Darnach wäre dasselbe für Madagaskar als bestimmt eigen nach- gewiesen, da Kuhn für diese Insel noch neuerdings nur das A. crenatum Poir. aufführt (Bot. v. Ostafr. 65). Baker giebt im Journ. of the Linn. Soc. Bot XV. 414 zwar das A. aethiopicum als von Pool auf Madagaskar gesammelt an, doch ist nach dem oben Ge- sagten nicht zu entscheiden, ob er die typische Art oder das A, crenatum Poir. memt.

EEE EEE U

45

5. Pteridella Mett.*)

9) P. viridis Mett. (Kuhn a. a. O. 16. Pteris viridis Forsk., P. hastata Sw.) Abeloma, 13. Januar 1878.

10) P. angulosa Mett. (Kuhn, a. a. O. 15. Pteris angu- losa Bory in Willd. Sp. Pl. v. 377. Kuhn, Fil. Afrie. 75.) ‘Unter schattigen Bäumen am Matambato (Aurute?), 8. November 1877. Steril, doch wohl hierher gehörend. Rutenberg’s Pflanze stimmt besser mit den von Sieber auf Mauritius gesammelten Exemplaren (Synopsis Fil. no. 77), als mit der verwandten, mir von Bourbon (Boivin leg.) vorliegenden Pteridella dura Mett. (Kuhn, a. a. O. 14). Die Fiedern der Sieber’ schen Exemplare stehen genau rechtwinkelig ab und zeigen sehr scharf die charakteristische Gliederung an der Basis der Spreite, während die Fiederstellung der Rutenberg’ schen Pflanze die der Hooker’schen Abbildung (Spec. Fil. II. tab. 126 A) der synonymen Pteris articulata Kaulf. zeist und die Articulation wenig deutlich hervortritt, aber vorhanden ist, wie auch abgefallene Fiedern beweisen. Durch diese undeutliche Gliederung steht die Rutenberg’sche Pflanze der erwähnten Boivin’schen (Herb. Filic. Luerssen. no. 9366) nahe, mit der sie auch die im unteren Drittel glänzend schwarze Fieder-Mittelrippe theilt, die indessen bei letzterer Pflanze der ganzen Länge nach schärfer auf der Unterseite hervortritt, während bei Rutenberg’s Exemplare das nicht der Fall ist, ähnlich wie bei Sieber’s no. 77, bei welcher hingegen die Rippen- basis wieder nicht schwarz gefärbt erscheint (wenigstens bei meinen Exemplaren nicht). Wenn ich Rutenberg’s Pflanze dennoch zu P. angulosa ziehe, so geschieht dies besonders der breiteren Fiedern wegen, in denen beide übereinstimmen. hhizom sehr kurz kriechend, mit schmal-lineallanzettlichen, lang und fein zugespitzten, am Rande fein und unregelmässig gesägten, hell-rothgelb-braunen Spreuschuppen dicht bedeckt. Blätter im starken Bogen aufsteigend, die äusserste Basis mit den Spreuschuppen des Rhizomes, die jedoch später verloren gehen.

6. Actiniopteris Lk.

11) A. dichotoma Mett. (Kuhn, Bot. v. Ostafrika, S. 18.) Ankaratra-Gebirge, an steilen Felsen, Ende Decbr. 1877. Es ist die var. australis Hook. (var. elongata Mett.), welche vorliegt. Die in Afrika, auf Zanzibar, den Mascarenen und Seychellen verbreitete, auch im tropischen Asien häufige Art ist für Mada- gaskar neu.

7) Doryopteris J. Sm. 12) D. concolor Kuhn, Bot. v. Ostafrika 19. Abeloma, 13. Januar 1878. Die von Rutenberg gesammelte Pflanze gehört der typischen Form au. Bezüglich der cheilanthoiden Form des - Cheilanthes Kirkii Hook. (Second Century of Ferns, tab. 81; Hooker et Baker, Syn. Fil. edit. II. 132) stimme ich ganz dem

*) In Kuhn, Bot. v. Ostafrika 13.

46

von Kuhn (Bot. v. Ostafrika 19) Gesagten bei. Auch ich besitze sowohl capenser als auch brasilianische Pflanzen, welche die Blätter von Cheilanthes Kirkii mit den typisch-fructificirenden blättern von Doryopteris concolor auf demselben Rhizome tragen. Baker erwähnt im Journ. of the Linn. Soc. Bot. XV. 415 eine von Pool auf Madagaskar gesammelte Pteris pedata L. als „a variety with free veining“. Sollte das nicht D. concolor sein?

8. Pteris L. 13) P. dubia Kuhn, Bot. v. Ostafrika, S. 71. Luku- Be, 20.

Octbr. 1877. Es liegen mir nur Fragmente vor, die allerdings der P. biaurita L. sehr nahe stehen, allein durch die von Kuhn angegebenen Merkmale („Ex affinitate Pteridis biauritae, sed defectu spinularum in superficie laminae, lacinulis ultimis apice profunde serrulatis satis distinctum“) von derselben abweichen. Die in meiner Sammlung befindliche Hildebrandt'sche Pflanze von den Comoren (auf welche die Art begründet wurde), ist allerdings robuster, als die Madagaskarpflanze, die Nervatur bei ersterer in Folge dessen ein wenig lockerer, und bei Hildebrandt’s no. 1763 ist die gesägte Spitze der Segmente länger ausgezogen, doch auch an den Rutenberg’schen Blättern sehr ungleich verlängert. Das Alles können lokale Verschiedenheiten sein, wie ja die ganze Gruppe der P. biaurita so ungemein variabel ist und noch sehr der Auf- klärung bedarf. Ob man auf das Vorhandensein der Borsten an der Basis der Fiedersegmente, resp. deren Mittelrippe, ein so grosses Gewicht legen soll, ist auch noch fraglich. Die Borsten verschwinden bei den verschiedenen Formen von P. biaurita und zwar sowohl bei den typischen, als auch bei den zur var. quadri- aurita (P. quadriaurita Retz. vgl. Luerssen, Fil. Graeff. in Schenk und Luerssen, Mittheil. aus d. Gesammtgeb. d. Bot. I. 126) gehörenden ganz allmählich, sind oft nur durch kaum merkliche Protuberanzen angedeutet und stellenweise garnicht vorhanden. Es bliebe mithin für obige Art dann nur noch die gesägte Segment- spitze als Character. Für Madagaskar wäre die Pflanze neu.

9. Chrysodium Fee.

14) C. aureum Mett. (Kuhn, Fil. Afric. 50.) Andranumalaza, auf Sumpfboden, Mai 1878.

10. Asplenium L.

15) A. Nidus L. (Kuhn, Fil. Afric. 108.) Gegend von Von- druzona, 24. Novbr. 1877.

16) A. ereetum Bory. (Kuhn, Fil. Afrie. 102.) var. sub-

bipinnatum Hook. Sp. Fil. III. 127. Antsampandraya, 14. No- vember 1877.

17) A. gemmiferum Schrad. (Kuhn, Fil. Afric. 103.) Ant- sampandrava (Gegend des Alaotra-See’s), 14. Novbr. 1877.

18) A. anisophyllum Kze. (Kuhn, Fil. Afric. 96; Bot. v. Ostafrika 28.) Gegend von Vondruzona, 24. Novbr. 1877.

N te - U aa

AN

19) A, praemorsum Sw. (Kuhn, Fil. Afrie. 111; Bot. v. Ostatr. 33.) Am Matambato, unter schattigen Bäumen, 8. Novbr. 1877. Eine Form, welche mit der von Hildebrandt bei Mombassa auf der Zanzibarküste gesammelten no. 1958 ziemlich übereinstimmt, habi- tuell an gewisse Formen des A. splendens Kze. und A. cuneatum Lam. erinnert.

20) A. Sandersoni Hook. (Kuhn, Fil. Afric. 116.) var. subcoriacea Lssn. Fiedern kürzer, meist mit weniger (häufig nur 3) Kerbzähnen, die fructificirenden mit nur 2 Sori, alle von derberer , krautig-fleischiger, trocken fast lederiger Beschaffen- heit. Ausser der Abbildung in Hook. Spec. Fil. III. tab. 179 liegen mir die von Hildebrandt auf der Comoren-Insel Johanna sesammelten Exemplare no. 1776 zum Vergleiche vor. Rutenberg’s Pflanzen stimmen habituell mit einem kleinen Exemplare der Comoren-Pflanzen überein; ich halte sie für eine an sonnigem Standorte gewachsene Form, obgleich keine speciellere Angabe als „auf Baumstämmen häufig bei Antsampandrava, 14. Novbr. 1877* vorliegt.

21) A. auritum Sw. Antsampandrava (Gegend des Alaotra- See’s) 14. Novbr. 1877.

22) A. rutaefolium Mett. (Kuhn, Fil. Afric. 115.) Antsam- pandrava, 14. und Gegend von Vondruzona, 24. Novbr. 1877. - Es ist eine kleinblätterige (var. b Mett.) und eine grossblätterige Form (var. ce Mett. Asplen. no. 60) vorhanden. Die Art ist für Madagaskar neu.

23) A. viviparum Pr. (Kuhn, Fil. Afric. 119.) Gegend von Vondruzona, 24. Novbr. 1877.

11. Athyrium Roth.

24) A. scandicinum Fee. (Kuhn, Bot. v. Ostafrika 25. Asplenium aspidioides Schlecht. Adumbr. 24, tab. 13. Kuhn, Fil. Afrıc. 97.) Am Berge Abeloma, 13. Januar 1878.

12. Aspidium Sw.

25) A. Bergianum Mett. (Kuhn, Bot. v. Ostafrika 39.) Antsampandrava, 14. Novbr. u. Ambatondrazaka, 6. Dechbr. 1877. Trotz des etwas unvollständigen Materiales glaube ich die vorlie- genden Exemplare doch hierher rechnen zu dürfen. Es stimmt besonders die grössere der beiden Formen der Rutenberg’schen Sammlung gut mit Pflanzen meines Herbars überein, welche Gueinzius in Natal sammelte. Für Madagaskar wäre die Art dann neu.

26) A. Filix mas Sw. (Kuhn, Fil. Afric. 132.) Bei Vohemar, 8. Octbr. 1877. In der Sammlung findet sich eine junge, sterile Pflanze (mit ca. 25 cm langem, 10 cm breitem Blatte) und das Fragment eines grossen, fructificirenden Blattes, welches der var.

elongatum Hook. angehört. 27) A. Thelypteris Sw. var, squamuligera Schlecht. (Kuhn, Fil. Afric. 142.) Auf Sumpfboden im Grase am Matam- bato-Ufer, 8. Novbr. 1877. Für Madagaskar neu.

48

28) A. molle Sw. var. violascens Mett. (Kuhn, Fil. Afric. 136; Bot. v. Ostafrika 41.) Quellgebiet des Manumbatumbe, an Bächen, 6. Novbr. 1877.

13. Polypodium L.*)

29) P. (Eupolypodium) Rutenbergii Lssn. n. sp. Rhi- zom sehr kurz, an den grössten Exemplaren ca. 6 mm lang und (inel. der Spreuschuppendecke) kaum 1 mm dick, aufsteigend bis aufrecht, mit eilanzettlichen, zugespitzten, ganzrandigen, dünn- wandig-netzigen, hell-rothbraunen Spreuschuppen dicht bedeckt, seine Wurzeln sehr dünn, fadenförmig, bis 55 mm lang, einfach oder verzweigt, schwarzbraun, mit zarten Wurzelhärchen wenigstens in der Jugend besetzt. Blätter dicht auf einander folgend, etwas lederig, zungenförmig bis lineal- oder lanzett-zungenförmig. 25 50 mm lang und 1!/; bis kaum 3 mm breit, am oberen Ende abge- rundet, vom oberen Drittel ab nach abwärts ganz allmählich ver- schmälert, ohne Stiel, der Rand ganz und trocken meist nach unten umgerollt, die Oberseite mit äusserst kurzen, dem unbewaffneten Auge eben noch sichtbaren, pfriemlich-borstigen, einzelligen, weissen,

serade abstehenden Härchen ziemlich dicht besetzt, später oft fast

kahl, die Unterseite nur selten hie und da mit einem vereinzelten Haare. Nerven einfach, aufrecht -abstehend, an der trockenen Pflanze nicht sichtbar. Sori auf den grössten Blättern zu 7-9 jederseits, bei kleineren Pflanzen weniger (bis nur 1 auf jeder Seite unter der Spitze), oblong (auf den grössten Blättern ca. 1 mm lang und '/; mm breit), in flache Gruben ziemlich dicht neben der unterseits gewölbt vortretenden Mittelrippe etwas eingesenkt und

letzterer parallel oder ein wenig schräg nach vorne und auswärts

gerichtet, ohne Paraphysen. Sporen radiär, fast kugelig, mit dünner, farbloser, unregelmässig-kleinwarziger Membran und Chlorophyll. Wald von Ambatondräzaka, zwischen Moosen, 6. Dechbr. 1877.

Die kleine, zierliche Art ist mit P. Gilpinae Bak. und P. synsorum Bak. (beide auf Madagaskar Baker, Journ. of the Linn. Soc. Bot. XVI. 205), sowie mit dem auf Borneo heimischen P. minimum Bak. (Journ. of Bot. new ser. VIII. 41) verwandt. Die Blätter des P. synsorum sind jedoch kahl und seine Sori besitzen Paraphysen. Bei P. Gilpinae, welches nach Baker’s Diagnose eine ähnliche Behaarung wie P. Rutenbergii besitzt, stehen die Sori median zwischen Mittelrippe und Blattrand. P. minimum hat nur unterseits behaarte Blätter. Alle drei Arten besitzen ferner runde, oberflächliche Sori, während bei P. Rutenbergii die Fruchthaufen oblong und in seichte Gruben etwas eingesenkt sind.

*) Baker beschreibt unter den von Miss Gilpin gesammelten Mada- gaskar-Farnen ein Polypodium (Eupolypodium) torulosum (Journ. of the Linn. Soc. Bot. XVI. 204), Ein anderes Polypodium (Phymatodes) torulosum von Sumatra wird von Baker im Journ. of Bot. new ser. IX. 215 als neu diagnosirt. Da dem Namen der Madagaskarpflanze die Priorität gebührt, so schlage ich für: die von Beccari auf Sumatra gesammelte Art den Namen Polypodium Bakeri vor, ö

DE m En m m m a

49

Taf. 1, Fig. 1 und 2. Eine der grössten und eine der kleineren. Pflanzen in natürlicher Grösse, 1a und 2a die Blattenden vergrössert.

30) P. moniliforme Lag. var. major Mett. (Kuhn, Fil. Afrie. 150.) Felsen am Gipfel des Berges Tsiafakafo, 21. Decbr. 1877.

31) P.parvulum Bory. (Kuhn, Fil. Afrie. 150.) Alabe, Mitte Juni 1878. Neu für Madagaskar.

32) P. lanceolatumL. (Kuhn, Fil. Afrie. 147.) Tsiafakafo, 20. Decbr. 1877. |

33) P. Phymatodes L. (Kuhn, Fil. Afric. 151.) Vohemar, gemein, 6. und 7. Octbr. 1877.

34) P. Willdenowii Bory. (Kuln, Fil. Afric. 154.) Alabe, Mitte Juni 1878.

14. Taenitis. Sw. Metten.

35) T. (Drymogslossum) niphoboloides Lssn. n. sp. Rhi- zom weit kriechend, sparsam verzweigt, ca. 1 mm dick, mit hell- selbbraunen, sparrig abstehenden, eilanzettlichen bis ovalen oder oblongen, selten fast kreisrunden, nahe der Basis oder in der Mitte schildförmig angehefteten, dünnwandig-netzigen, am Rande dicht urd lang, aber unregelmässig gewimperten Spreuschuppen sehr dicht besetzt. Wurzeln meist nicht über 1 cm lang, in der Regel viel kürzer, schwarz, mit dichtem Haarfilze. Blätter in Ent- fernungen von 1—2!/; cm, die sterilen und fertilen von verschiedener Form, alle lederisg, beide Flächen in der Jugend sehr dicht, später locker mit sitzenden, gelblichen, leicht abspringenden Sternhaaren besetzt bis fast kahl, ihr Stiel sehr kurz, 2—5 mm lang und dicht mit Spreuschuppen bedeckt, welche denen des Rhizomes ähnlich, doch sämmtlich nahe der Basis angeheftet sind. Sterile Blätter oblong, oblong-lanzettlich bis lanzettlich, 35—48 mm lang, 10—13 mm breit, stumpf bis breit abgerundet, am Grunde keilförmig ziem- lich rasch in den Stiel verschmälert, ihr Rand ein wenig nach unten umgebogen. Fertile Blätter lineal-lanzettlich, 100—150 mm lang und ca. 6 mm breit, stumpf-gespitzt bis stumpf, nach ab- wärts ganz allmählich in den Stiel verschmälert, wie die sterilen Blätter mit gieich undeutlicher, derjenigen von T. piloselloides ähnlicher Nervatur, die nur den Mittelnerven stellenweise und be- sonders im Blattgrunde eben vortreten lässt. Sori auf sehr schmalem, wulstig-leistenförmig über die Blattfläche vorspringendem, fast randständigem Receptaculum als schmale, randständige Linie, doch bisweilen unterbrochen und im unterm Theile sogar in mehrere polypodiumartige Sori aufgelöst; die Sporangien mit zahlreichen lang gestielten, gelbbraunen Sternhaaren gemischt und in der Jugend von letzteren vollständig bedeckt. Sporen bilateral, mit zahlreichen dieken, halbkugeligen bis kurz-kegelförmigen, stumpfen, grossen und dazwischen sehr kleinen Warzen dicht besetzt, hellgelbbraun, chlorophylllos. Alabe, auf Baumstämmen kriechend, Mitte Juni 1878.

Diese neue Art steht sowohl habituell, als auch in verschiedenen Einzelmerkmalen der Taenitis piloselloides Mett. (Fil. Hort. bot. Lips. 28.

December 1880. 1.4

50

Drymoglossum piloselloides Pr. Tent. Pteridogr. 227. Hook. Spec. Fil. V, 190) ausserordentlich nahe. Sie theilt namentlich mit ihr die Sternhaare der jugendlichen Blattflächen, die selbst an alten Blättern von T. piloselloides fast immer noch vereinzelt zu finden sind, an jugendlichen Blättern der letzteren Art ebenfalls häufig auftreten. Letzterer Umstand mag hier deshalb besonders betont werden, als neuerdings von Clarke in den Transactions of the Linnean Society, 2. Ser. Botany I. 576 (A Review of the Ferns of Northern India), auf Grund der von Beddome in den Ferns of Southern India tab. 185 gegebenen Figur von Niphobolus num- mulariaefolius Bedd., eine neue Art, das Drymoglossum Beddomei Clarke, aufgestellt wurde, die sich gerade durch ihre Sternhaare und durch abweichende Spreuschuppen des Rhizomes unterscheiden soll. Der Name des letztcitirten Farnkrautes wurde später von Beddome selbst in Drymoglossum piloselloides verbessert (vgl. auch Cesati, Felci e specie nei gruppi affıni raccolte a Borneo dal Sig- nor O. Beccari, pag. 51). Die Gestalt der Spreuschuppen der Beddome’schen Pflanze bietet aber wohl nicht Grund genug zur specifischen Abtrennung. Einmal finden wir derartige in der Mitte schildförmig angeheftete oder wenigstens äusserst ähnliche Formen auch an dem Rhizome anderer Exemplare von T. piloselloides, und ebenso treten sie an dem Rhizome von T. niphoboloides zwischen den meist häufigeren eilanzettlichen auf. Ferner kommt dann noch der Umstand hinzu, dass mit dem Alter des Rhizomes die Spreu- schuppen bezüglich der Gestalt des Randes sich ändern können. Die aus einzelnen haarartig auswachsenden Randzellen gebildete Bewimperung wird im Laufe der Zeit bald defect, indem die langen, verwitternden Haare abgestossen werden, die kurzen gewöhnlich bleiben und die Spreuschuppe dadurch bei flüchtiger Betrachtung unter der Lupe ein ganz anderes Aussehen gewinnt. Solche halb verwitterte und daher abweichend erscheinende Spreuschuppen findet man auch an allen Rhizomstücken von T. niphoboloides und diese sind bei oberflächlicher Betrachtung den am Rande meist nur mit kurzen und oft verbogenen Spitzen besetzten Spreuschuppen der T. piloselloides sehr ähnlich. Umrissfiguren von Spreuschuppen ohne weitere Angaben, wie Beddome sie bietet, sind daher zu einer Entscheidung derartiger Fragen gänzlich ungeeignet. Ab- gesehen aber von den meist lang gewimperten Spreuschuppen des Rhizomes bietet unsere neue Art ein wichtiges Unterscheidungs- merkmal in der Ausdehnung des Receptaculums. Wie Mettenius (Fil. Hort. bot. Lips. pag. 28, tab. X, Fig. 8) bereits richtig be- schreibt und in seiner Figur darstellt, bildet sich bei T. piloselloides ungefähr über der Mitte der äusersten Maschenreihe der Nerven des fertilen Blattes die dem Recevtaculum eigenthümliche Anasto- mose aus. Das Receptaculum selbst aber erstreckt sich nach rechts und links von dieser Anastomose über die ganze Maschenreihe, erscheint daher als ein breites aber flaches submarginales Polster, (vgl. Fig. 7 unserer Tafel). Bei T. niphoboloides dagegen tritt das Receptaculum in der Nähe des Blattrandes als ein sehr schmaler,

51

scharf und weit vorspringender, leistenförmiser Wulst auf, dessen _ freie Kante anschwillt, so dass ein Blattquerschnitt denselben in der in Figur 6 der Tafel I dargestellten Form zeigt. Auch sonst geben sich im Baue des Blattes beider Pflanzen, z. Bde Epider- mis, Verschiedenheiten zu erkennen, die hier indessen nicht speci- eller erörtert werden sollen. Dagegen mag noch auf die Sporen der T. piloselloides hingewiesen werden, welche in Grösse, l'arbe und allgemeiner Form mit denjenigen von T. niphoboloides über- einstimmen, jedoch zwischen den zahlreichen unregelmässigen Wärz- chen des Exospors sehr grosse, schlank kegelförmige, fast geschwänzt zu nennende, stachelartige Verdickungen tragen, deren stumpfliche Spitze häufig mehr oder weniger gekrümmt ist.

Tafel I, Fig. 5 und 4, Pflanzen in natürlicher Grösse, die fruchtbaren Blätter noch nicht ganz reif; später breitet sich der Sorus der geöffneten Sporangien wegen scheinbar weiter über die Blattfläche aus, jedoch den grössten Theil derselben freilassend. 4a Sternhaare der Blattfläche und 4b solche des Sorus. 5 und 5a Spreuschuppen des Rhizomes (jung) in fünfzehnfacher Vergrösserung. 6 Querschnitt des fructificirenden Blattes, ca. siebenfach vergrössert ; r. Receptaculum. 7 Querschnitt des fertilen Blattes von T. pilo- selloides zum Vergleich, ca. siebenfach vergrössert; r. Receptaculum.

15. Nephrolepis Schott. 36) N. biserrata Schott. (Kuhn, Fil. Afrie. 155.) Wald von Ambatondrazaka, 6. Dechr. 1877. 16. Arthropteris J. Sm. 37) A. albopunctata J. Sm. (Kuhn, Bot. v. Ostafrika 55. As- pidium albopunctatum Bory.) Gegend von Vondruzona, 24. Nobr. 1877.

17. Davallia Sm.

38) D. denticulata Mett. (Kuhn, Fil. Afric. 157.) Alabe; Mitte Juni 1878. Zwei Blätter der Rutenberg’schen Sammlung sind den Formen der var. elata Mett.. ähnlicher, als den afrikanischen der var. intermedia Mett. Ist bei dem kleineren, incl. Stiel ca. 32 cm langem Blatte das Indusium schon länger (1!/; mm lang im Mittel, die breitesten dabei ca. 1 mm breit, der freie Rand nur wenig vorstehend, abgerundet), wie bei den mir bekannten Afri- kanern, so tritt dies noch auffallender bei dem srösseren Blatte hervor, dessen Indusien oft kaum Y/g mm Breite bei etwa 1!/a mm Länge zeigen und dabei zum grössten Theile die mehr oder minder stark vorgezogene, abgerundete, abgestutzte oder bisweilen fast dreieckige Lippe besitzen, wie in der var. elata Mett., zu welcher ich wenigstens dieses eine Blatt ziehen möchte. Bei den Polynesiern der letztgenannten Varietät, wie ich sie z. B. von Samoa besitze, ist die Lippe des Indusiums auch nicht immer ausgeprägt deltaförmig, sondern oft sehr stark abgerundet.

3. Schizaeaceae. 18. Schizaea Sm.

39) Sch. dichotoma Sm. (Kuhn, Fil. Afrie. 170.) Nähe von Ambohizunhari, 25. Novbr. 1877.

I. 4*

52

19. Mohria Sw.

40) M. caffrorum Desv. (Kuhn, Fil. Afric. 171.) Am Berge Abeloma, 13. Januar 1878. 20. Lygodium Sw. 41) L. Kerstenii Kuhn (Fil. Afric. 28. 169. Bot. v. Ost- afrıka 58, Taf. 2.) Marovay, 2. Novbr. 1877. 42) L. lanceolatum Desv. (Kuhn, Fil. Afric. 169.) Vohemar; 6. Octbr. 1877. Insel Nossi-Be, 18. Octbr. 1877.

4. Osmundaceae.

21. OsmundaL. |

43) O. regalis L. var. brevifolia Desv. (Kuhn, Fil. Afrie. 173. var. obtusifolia Milde, Fil. Eur. 179.) Ohne Fundorts- angabe; 1877.

5. Ophioglossaceae. 22. Ophioglossum L.

44. OÖ. fibrosum Schumacher. (Kuhn, Fil. Afrie. 176.) Marokira, auf Sandboden im Grase; 28. Febr. 1878. Diese schöne Pflanze wird bis jetzt ausser vom afrikanischen Festlande nur von der Insel Nossi-Be erwähnt (Kuhn, Bot. v. Ostafrika 61, 69); sie ist daher für Madagaskar neu.

2. Rhizocarpeae. 6. Salviniaceae. 23. Salvinia Mich. 45) S. mollis Mett. (Kuhn, Fil. Afrie. 201.)? Auf dem Alaotra-See, häufig; 18. Novbr. 1877. Kleines, steriles Pflänzchen, das ich nur mit ? hierher stelle. Mit Salvinia mollis Mett. theilt es die stumpfe und kurz zweilappige Blattspitze, sowie die sehr kurzen und dichtstehenden Haare der Blattoberseite und die Nervatur. Dagegen unterscheidet es sich von genannter Art durch die deutlich herzförmige Blattbasis und die langen, schwarzbraunen Haare, welche die Blattunterseite dicht bedecken. Durch das letztere Merkmal ist die Rutenberg’sche Pflanze mit der S. nigropunctata Al. Br. (Kuhn, Fil. Afrie. 201) verwandt. Ob die Pflanze eine neue Art repräsentirt, müssen künftige Untersuchungen zeigen; ich wage eine solche auf Grundlage des spärlichen Materiales nicht aufzustellen. I. Lycopodinae. 3. Lycopodiaceae. 24. Lycopodium L. 46) L. carolinianum L. (Kuhn, Fil. Afric. 183.) Gegend von Antananarivo, 18. Dechr. 1877. 47) L. clavatum L. var. inflexa Spring. (Kuhn, Fil. Afrie. 184.) An Gräben häufig, iv der Gegend von Ambohizunhari; 25. Novbr. 1877.

48) L. cernuum L. Kuhn, Fil. Afric. 183.) Matambato- Ufer, an einem Bache; 7. Novbr. 1877.

53

4. Selaginellaceae. 25. Selaginella P. Beauv. 49) S. Pervillei Spring. (Kuhn, Fil. Afrie. 191.) Matambato- Ufer ; 7. Novbr. 1877. Insel Nossi-Be; 22. Octbr. 1877.

Im Anschlusse an das Verzeichniss der Madagaskar-Farne sollen noch die Bestimmungen der von Dr. Chr. Rutenberg in Südafrika von Anfang Juni bis 23. Aug. 1877 gesammelten Gefässkryptogamen gegeben werden.

1) Adiantum aethiopicum L. (vergl. oben S. 44.) Riotal nahe Bosigo.

2) Choristosoria pteroides Mett. (Kuhn, Bot. v. Ostafrika 13. Cheilanthes pteroides Sw.) Mitchello-Pass, auf den Bergen vor Ceres.

3) Pteridella quadripinnata Mett. (Kuhn, Bot. v. Ostafrika 16, Cheilanthes quadripinnata Kuhn, Fil. Afric. 74.) Thal Bosigo. Sehr robuste Form, wie sie Kuhn von Natal etc. erwähnt.

4) Pteridella hastata Mett. (Kuhn, Bot. v. Ostafrika 14. Pteris hastata Thbg.) Bloomfountain.

5) Cheilanthes auriculata Lk. (Kuhn, Fil. Afric. 69.) Mitchello-Pass auf den Bergen vor Üeres.

6) Cheilanthes hirta Sw. (Kuhn. Fil. Afrie. 72.) Thal Bosigo ; eine vielleicht in Folge des Standortes etwas weniger behaarte Form. Quaqua Mountain, Lefika.

7) Blechnum australe L. (Kuhn. Fil. Afric. 91.) Thal nach dem Malappas place.

8) Blechnum punctulatum Sw. (Kuhn, Fil. Afric. 93.) Auf den Bergen vor Üeres.

9) Asplenium monanthemum L. (Kuhn, Fil. Afric. 107.) Thal nach dem Mallappas place.

10) Asplenium praemorsum Sw. (S. 47.) Mitchello-Pass auf den Bergen vor Üeres.

11) Ceterach cordatum Kaulf. (Kuhn, Bot. v. Ostafrika 36. Gym- nogramme cordata Schlecht.; Kuhn, Fil. Afric. 60.) Matellas.

12) Aspidium aculeatum Sw. (A. lobatum Sw.) Quaqua-Mountain, Lefika. Malappas place.

13) Gleichenia polypodioides Sm. (Kuhn, Fil. Afric. 167.) Nasse Felsen in einer Thalschlucht bei Mitchello.

14) Todea barbara Moore. (Kuhn, Fil. Afric. 172, Bot. v. Ostafrika 58.) Mitchello-Pass. Steriles Blatt einer sehr jungen Pflanze.

15) Lycopodium cernuum L. (S. 52.) Zwischen Durban und Ceres.

Lichenes.

Bearbeitet von Herrn Forstrath Dr. A. v. Krempelhuber in München.

Die Flechten-Vegetation der Insel Madagaskar ist noch sehr wenig bekannt und daher jeder Beitrag zur näheren Kenntniss der- selben für die Wissenschaft hoch willkommen. Die von Dr. Rutenberg gesammelten Flechten sind folgende:

1) Usnea spec.; leider steril und überhaupt zu unvollständig, als dass eine nähere Bestimmung möglich wäre. Näherer Fund- ort nicht angegeben.

2) Oladonia spec. Wald von Ambatondrazaka, 6. Dechr. 1876. Für diese gilt dieselbe Bemerkung wie für No. 1.

3) Cladonia leporina Tr.? (Determinatio apotheciis (eoceineis) deficientibus non omnino certa!) Ohne nähere Angabe des Fundortes.

4) Peltigera polydactyla Hoffm. v. dolichorhiza Nyl. Syn. meth. pag. 327. Wald von Ambatondrazaka, 6. Dechr. 1877,

54

5) Parmelia sphaerospora Nyl. Syn. meth. Antsampan- drava, nahe dem Alaotra-See an Baumrinden, 14. Novbr. 1877.

Die Bestimmung ist nicht ganz sicher, da alle Apothezien an den zwei vorliegenden Exemplaren dieser Spezies weder Sporen noch Schläuche besitzen. Parmelia sphaerospora Nyl. ist haupt- sächlich daran kenntlich und von verwandten Arten unschwer zu unterscheiden, dass ihre Sporen kugelrund (diam. circ. 0,008 mm) sind, was ich bei den vorliegenden Exemplaren, die, wie gesagt, sämmtlich gänzlich sporenlos sind, nicht constatiren konnte.

6) Sticta Rutenbergii Krphbr. sp. n. Thallus glaucescens lineari-laciniatus, laciniis varie plerumque dichotome ramosis, elon- gatis angustis, vix 4,5 mm latis, bifurcatis, apicibus rotundatis, subcanaliculatis, laevibus vel passim leviter foveolato-inaequalibus, subtus fuscescentibus, tomento rhizineo parco vel nullo, cyphellis (vel pseudocyphellis punctiformibus, excavatis, minutissimis albis vix visibilibus. Apothecia mediocria, lat. circ. 2,5 mm, marginalia, disco atrofusco plano a margine fusco tenui proprio crenulato cincta, sporae Snae, hyalinae, fusiformes, 1—3 septatae, long. 0,036— 40, crass. 0,006—008 mm; paraphyses capillares, longae, flexuosae, bene distinetae. Wald von Vondrazona, 22. Novbr. 1877 und Mahazamba, an Bäumen, 2. März 1878.

Sehr ähnlich der Stieta demutabilis Krphbr. von den Savai Samo-Inseln (vid. v. Krempelhuber, Beitrag zur Kenntniss der Lichenen-Flora der Südsee-Inseln im Journal des Museum Godeffroy, Heft IV, 1870, pag. 98), welche sich durch ihre vorragenden schnee- weissen Pseudocyphellen, constant diblastische oder 1-septirte, olivenbraune Sporen von unserer St. Rutenbergii unterscheidet. Zur leichteren Vergleichung mag hier die Diagnose der Stieta demu- tabilis Krphbr. von den Samoa-Inseln Platz finden.

Thallus nubile glaucescens vel pallide cervinus, lineari-lacini- atus, laciniis sinuato-subpinnatifidis, nonnunquam intricatis, saepe elongatis, apicibus retusis vel bifurcatis, superficie nitidiuscula et impresso-punctata aut laevis, subtus fuscescens, ochräaceus, tomento rhizineo parco, fere nudus, pseudocyphellis numerosis albis promi- nulis; apothecia mediocria, marginalia, sparsa, primum cupuliformia, receptaculo fusco extus anguloso inflexo, disco concaviusculo atrofusco, dein plana, receptaculo subevanescente; sporae 8 nae, fusiformes,olivaceae vel fuscae, constanter 1-septatae, long. 0,026—030, crass. 0,008 mm.

‘) Stieta Canariensis Bory; Nyl. Syn. meth. pag. 356. Wald von Ambatondrazaka, 6. Decbr. 1877.”)

8) Sticta crocata Ach. Urwald von Vondrazona, 22. Nov. 1877.

9) Sticta variabilis Ach., Nyl. Syn. meth. pag. 357. Wald von Ambatondrazaka.

10) Sticta tomentosa (Sw.) Ach. Nyl. Syn. meth. pag. 343. Wald von Ambatondrazaka, 6. Dechr. 1877.

*) Ferner sammelte Rutenberg Sticta aurata Ach. auf den Quaqua-Mountains, Süd-Afrika, Juni 1877.

N,

Ueber eine neue Art

der Calanıden-Gattung Temora, Baird. VonS.A.Poppe. (Hierzu Tafel ID}

Temora affinis, nov. sp. Das Weibchen ist ohne die Furcalborsten 1,5 mm lang, seine grösste Breite beträgt 0,5 mm. Der Cephalothorax besteht aus 6 Segmenten (Fig. 1), von denen das letzte jederseits in einen spitz zulaufenden Flügel, der an seinem Ende einen feinen Dorn trägt, ausgezogen ist. Der Kopf läuft an seinem vorderen Ende in 2 Stacheln aus.

Das Abdomen besteht aus 3 Segmenten und der Furca (Fig. 2). Das erste Abdominalsegment ist das längste, das zweite ist nur unbedeutend kürzer als das dritte. Die Furca, ohne die Borsten, ist so lang wie das zweite und dritte Abdominalsesment zusammen genommen. Das letzte Abdominalsegment ist tief ein- gekerbt und auf der Rückenseite wie die Furca mit einer Menge feiner Dornen besetzt. Diese trägt an ihrem Ende 4 starke ge- fiederte Borsten, die so lang sind wie sie selbst, und eine kleine schwache Borste. Sie ist an den Innenrändern mit feinen Haaren besetzt und trägt jederseits am Aussenrande etwas unter dem zweiten Drittel eine lange befiederte Borste.

Die Antennen des ersten Paars (Fig. 3) sind 24 gliederig und reichen angelest fast bis zum ersten Abdominalsegment. Ihre Glieder, an der Basis kurz und breit, werden nach dem Ende hin allmälich länger und schmäler. Das achte und neunte Glied sind nicht vollständig getrennt, das vierundzwanzigste ist an seiner Spitze mit einem blassen abgerundeten Anhang und 6 Borsten ver- sehen. Alle anderen Glieder tragen eine oder mehrere Borsten und viele (so das I. II. III. V. VII. IX. XI. XI. XIV. XVI. und XIX.) auch lancettförmige Cuticularanhänge.

Die Antennen des zweiten Paars (Fig. 4) bestehen aus zwei in ein gemeinsames Basalglied eingelenkten Aesten (a u. b), deren längerer (b) aus sieben Gliedern zusammengesetzt ist, während der kürzere (a) aus zwei Gliedern besteht. Das erste Glied des kürzeren Astes (a) trägt zwei kurze Borsten, das längere Endglied am Seitenrande neun, an der Spitze sieben befiederte Borsten. Der längere Ast (b) hat an seinem Eindgliede vier, an den anderen Gliedern zusammen acht befiederte Borsten,

56

Die Lippe (Fig. 5) besteht aus drei abgerundeten, mit feinen Haaren besetzten Platten.

Die Mandibel (Fig. 6) zerfällt in einen Kautheil (a) und einen zweiästigen Fühler (b). Der Kautheil (a) ist mit acht Zähnen besetzt, von denen der grösste, am einen Ende stehende, durch eine Lücke von den übrigen sieben getrennt ist, während das andere Ende in einen gekrümmten, mit feinen Haaren besetzten, Anhang ausläuft. Der Hauptast des Fühlers (b) besteht aus drei Gliedern, einem grossen Basalgliede, in welches an einer Seite der Nebenast eingelenkt ist, während die andere Seite drei Borsten träst, einem mit vier Borsten versehenen Mittelgliede und einem acht Borsten tragenden Endgliede. Der Nebenast ist viergliederig und trägt an der Spitze drei Borsten, an den anderen Gliedern je eine.

Der basale Theil der Maxille (Fig. 7) besteht aus vier Theilen, von denen die Lade (a) und die beiden Fortsätze (b u. c) nach vorne, ein breiter Lappen (d) aber nach hinten gerichtet ist. Die Lade (a) ist mit neun starken. und vier schwächeren behaarten Borsten besetzt und jeder der Fortsätze (b u. c) trägt vier, der Lappen (d) aber neun besonders starke befiederte Borsten. Das Mittelstück trägt einen, mit neun befiederten Borsten besetzten, nach hinten gerichteten Nebenast, den Fächer (e). Das Endstück (£) besteht aus vier, an der Innenseite beborsteten Abschnitten und zwar trägt der erste fünf, der zweite vier, der letzte sieben Borsten.

Am oberen (äusseren) Kieferfuss (Fig. 8) sind am Aussen- rande drei Haupt-Abschnitte zu erkennen. Der erste derselben (a) trägt am Innenrande eine Borste und zwei fingerförmige Ausläufer, von denen jeder mit einer kürzeren und zwei langen befiederten Borsten besetzt ist; der zweite (b) ebenfalls zwei solcher, in gleicher Weise beborsteter, Ausläufer. Der dritte (c) zerfällt in einen grösseren und einen zweitheiligen Endabschnitt, von denen der erstere einen fingerförmigen Ausläufer mit einer kurzen und zwei längeren befiederten Borsten, der letztere sechs befiederte Borsten trägt.

Der untere (innere) Kieferfuss (Fig. 9) besteht aus drei Hauptgliedern (a, b u. c), von denen das Basalglied (a) am Innen- rande drei fein behaarte Vorsprünge trägt, von denen der unterste und mittlere mit zwei, der oberste mit drei befiederten Borsten versehen ist. Das Mittelglied (b) besitzt ebenfalls am Innenrande einen behaarten, mit drei befiederten Borsten versehenen, Vorsprung. Das Endglied (c) besteht aus vier schmalen Gliedern, von denen jedes am Innenrande zwei befiederte Borsten trägt und aus einem mit sechs befiederten, nach dem Aussenrande hin allmälich an Grösse abnehmenden, Borsten besetztem Endeliede.

Die vier ersten Paare der Schwimmfüsse (Fig. 10 u. 11) bestehen sämmtlich aus zwei Basalgliedern, auf deren letztem zwei Aeste eingelenkt sind. Der äussere Ast (Fig 10a u. 11a) besteht bei allen vier Paaren aus drei Gliedern, von denen die beiden ersten kürzeren am Aussenrande je einen kräftigen Dorn mit einem kleinen Nebendorn, am Innenrande je eine befiederte Borste tragen,

57

während das letzte langgestreckte am Aussenrande einen Dorn mit Nebendorn und an der Spitze einen sehr starken und einen halb so langen Dorn und einen Nebendorn trägt und am Innenrande mit fünf befiederten Borsten versehen ist. Der innere Ast ist beim ersten Paar eingliederig und mit sechs langen befiederten Borsten besetzt (Fig. 10 b), a den drei folgenden Paaren zweigliederig (Fig. 11 b) und am gestreckten ersten Gliede mit drei, am halb so langen Endgliede beim zweiten und dritten Paar mit sechs, beim vierten mit fünf befiederten Borsten versehen. Das vierte Paar reicht angelest fast bis zum Ende des zweiten Abdominalsegments.”)

Das fünfte Fusspaar (Fig. 12) besteht aus einem gemein- samen Basalgliede und jederseits einem einfachen dreigliederigen Aste. Das erste Glied desselben ist etwas breiter als lang und trägt an der Aussenseite einen Dorn; das zweite, am stärksten entwickelte, ist an der Innenseite in einen mächtigen, dornartigen Fortsatz ausgezogen und trägt an der Aussenseite einen sehr kleinen

und zwei grössere Dornen. Das ovale Endglied ist das kleinste

und trägt am Ende eine lange, sehr fein befiederte, Borste, etwas unterhalb derselben an der Aussenseite einen Dorn und zwischen beiden einen sehr kleinen Dorn.

Die Eier bis zu 35 werden in einem einzigen Eier-

sack unter dem Abdomen getragen und eben daselbst habe ich

bis zu fünf Spermatophoren von länglicher Form befestigt gefunden.

Das Männchen ist ohne die Furcalborsten 1,5 mm Tune und 0,4 mm breit. Der Gephalothorax besteht, wie beim Weibchen, aus sechs Segmenten, von denen das letzte jedoch nicht tlügelförmig ausgezogen, sondern abgerundet ist.

Das Abdomen besteht aus fünf Segmenten und der Furca. Von den Segmenten ist das vierte das kürzeste, die anderen sind ziemlich von gleicher Länge. Die Furca ist so lang wie die drei letzten Abdominalsegmente zusammengenommen.

Die rechte Antenne (Fig. 13) ist in ein Greiforgan umge- wandelt und besteht aus zwanzig deutlich getrennten Gliedern. An der Basis ziemlich breit, verschmälern dieselben sich bis zum eilften Gliede. Mit dem zwölften beginnt wieder eine Verbreiterung, die beim vierzehnten und fünfzehnten am stärksten ist. Von da an werden die Glieder wieder schmäler und länger bis zum zwanzigsten, das an seiner Spitze mit einem blassen, abgerundeten Anhang, vier

) Claus (Die freilebenden Copepoden, pag. 193) sagt in der Gattungs- ok von Temora: pedum primi paris ramus internus uniarticulatus, was für Temora finnmarchica, Gunner, bei der der innere Ast zweigliederig ist, nicht zutrifft. Ebenso Boeck (Ove rsigt over de ved Norges Kyster . jagttagne Copepoder, pag. 15). Brady (A Monograph of the free and semi- en: Cope- poda of the British Islands, Vol. I, pag. 36 et 54) verfällt in den entgegenge- setzten Fehler, indem er die Gattungsdiagnose nach Temora finnmarchica,

Gunner entwirft und sagt: inner branch of the first pair of feet two-jointed. Besser wäre wol Temora - finnmarchica, Gunner in eine neue Gattung zu stellen, besonders wenn Temora inermis, Boeck, die ich nicht kenne, ebenso wie Te-

mora velox, Ljbg. und affınis, am innern Ast des ersten Paares ebenfalls nur ein Glied haben sollte,

58

Borsten und einem lanzettförmigen Cuticularanhang, in der Mitte mit drei, nach dem unteren Ende hin mit zwei Borsten versehen ist. Die anderen Glieder tragen eine oder mehrere Borsten und verschiedene (so das I. II. IM. V. VII. VII. IX. XIV. XV. XVI und XVII.) sind mit Cuticularanhängen versehen. Am zehnten und eilften Gliede steht je ein kleiner, am dreizehnten ein sehr starker Dorn; auch das neunzehnte Glied ist mit einem Dorn versehen. Die Glieder siebenzehn, achtzehn und neunzehn tragen auf Chitinleisten kammartige Dornen; am siebenzehnten Gliede tritt diese Leiste über das Glied frei hinaus. Vom zwölften bis zum neunzehnten Gliede er- streckt sich ein grosser, starker Muskel und ein kleinerer vom achtzehnten zum zwanzigsten. Dieselben dienen zur Beusunsg, respective Streckung des Kniees der Antenne.

Das fünfte Fusspaar (Fig. 14) besteht jederseits aus einem einzelnen, in einen Greiffuss umgewandelten Zweige. Der rechte Fuss (a) ist dreigliedrig ; das erste kräftig entwickelte Glied, länger als breit, trägt am Innenrande einen Dorn; das zweite Glied ist ebenso lang, aber sehr schmal und am Innenrande, nahe dem Ende, mit einem Dorn besetzt; das dritte Glied ist an seiner Basis breit, verschmälert sich aber von der Mitte, biegt sich nach innen und trägt in der Mitte einen Dorn und beim letzten Drittel an der Innenseite einen zapfenartigen Fortsatz. Der linke Fuss ist gleichfalls dreigliederig (Fig. 14b). Das erste Glied, an der Basis sehr breit. nach seiner Spitze hin stark verschmälert, trägt am Aussenrande zwei Dornen. Das zweite, etwas längere, aber bedeutend schmälere, trägt aussen zwei. innen einen Dorn. Das dritte, an seiner Basis sehr schmal, ist nach dem Ende hin keulenartig ver- diekt und nach der Innenseite zu einer behaarten Spitze (c) aus- gezogen, während es sich an der Aussenseite in zwei lappige, mit kleinen Dornen besetzte, Anhänge theilt, die in der Figur über einander liegen, so dass nur einer sichtbar ist.

Unsere Art ist der Temora velox, Liljeborg (W. Liljeborg, De Crustaceis ex ordinibus tribus, pag. 177, Taf. XIX, Fig. 9, 10. Taf. XX, Fig. 1—b) nahe verwandt,*) von derselben jedoch durch die Gestalt der flügelartigen Anhänge des letzten Thoracalsegments des Weibchens, die hier mehr gerade verlaufen, die Gestalt und

*) Nach sorgfältiger Vergleichung der von Hoek (De vrylevende Zoetwater- Copepoden der Nederlandsche Fauna, pag. 23, Taf IV und V) aufgestellten Art Temora Clausii aus dem Bremer Stadtgraben mit Temora velox, Liljeborg, aus England, die ich der Güte des Herrn Professor G. S8. Brady verdanke, bin ich zu der Ueberzeugung gelangt, dass beide Arten identisch sind. In ihrer Grösse, im Verhältniss der Länge zur Breite, in der Gestalt des letzten Abdovimalsegments des Weibchens, dessen Dorn in Liljeborgs Ab- bildung ebenso wie das fünfte Fusspaar des Männchens schlecht dargestellt ist, in der Gestalt des füntten weiblichen Fusspaars und im Verhältniss der Breite zur Länge der Furcalglieder (1:4) stimmen beide vollkommen überein. Zudem habe ich Temora velox (Clausii) bei Dangast nicht nur in einer kleinen Lache der grossen Sandgrube, die bei hohem Wasserstande Salzwasser enthält, im Juli dieses Jahres aber in Folge starker Regengüsse mit Süsswasser gefüllt war, sondern auch im Salzwasser des Jadebusens in Menge gefangen. Demnach wäre T. Olausii Hoek als Art zu streichen.

59

Bedornung des fünften Fusspaars des Weibchens und das Verhältniss der Breite der Furcalglieder zu ihrer Länge, das hier 1:7, bei T. velox aber nur 1:4 beträst, gut unterschieden. Von Temora inermis, Boeck (A. Boeck, Oversigt over de ved Norges Kyster iagt- tagne Copepoder, pag. 16) unterscheidet sie sich durch die Stellung der Borste am Aussenrande der Furca, die bei T. inermis der Mitte näher steht und durch die Gestalt des fünften Fusspaares des Weibchens, das bei T. inermis nur aus zwei Gliedern besteht, von T. armata Claus (Claus, die freilebenden Copepoden, pag. 195, Taf. XXXIV, Fig. 12. 13.) durch die Länge der Antennen, die Gestalt des letzten Thoracalsegments und die des fünften Fusspaars.

Das Thier ist farblos, zu Zeiten jedoch mit sehr intensiven Schmuckfarben (violett, blau und roth) versehen, die aber nie constant an bestimmten Stellen haften. Am häufigsten fand ich die Basalglieder der Schwimmfüsse gefärbt, doch erstreckte sich die Färbung öfter bis ın die Borsten derselben und fand sich auch an den Kieferfüssen, den Thoracalsegmenten und der Furca ; bei einigen weiblichen Exemplaren aus der Weser waren sogar die Antennen und zwar bis zum zwölften Gliede dunkelblau gefärbt. Im Juli in der Jade gefangene Exemplare zeigten eine Menge rother Fett- kügelchen im Innern, so dass sie, eng zusammengedrängt, dem unbewafineten Auge als roth gefärbt erschienen.

Vorkommen: Temora affınis wurde mir zuerst von Herrn Lehrer Huntemann in Dangast zugesandt, der sie im Mai dieses Jahres neben Temora longicornis, Gr. Dias longiremis, Ljbg. Centro- pages typicus, Kr. Centropages hamatus, Ljbg. im Salzwasser des Jadebusens wie auch zusammen mit Dias longiremis, Ljbhg. im Brackwasser des Vareler Hafens und der Nordender Leke in Menge gefangen hatte. Ich selbst fing sie im Juli in der Ems bei der Emdener Schleuse und bei Petkum mitten im Strome zusammen mit Dias longiremis, Ljbg., im September im Brackwasser der Weser etwas unterhalb Bremerhaven im Weddewardener Siel und im October bei Bremerhaven in der Weser. Auch der von F. Richters (Abhandlungen des Vereins für naturw. Unterhaltung zu Hamburg) als neue Anomalocera des Süsswassers erwähnte Calanide ist, wie ich mich durch Untersuchung des mir von Herrn Dr. Richters gütigst zur Verfügung gestellten Materials überzeugt habe, mit Temora affinis identisch und kommt noch jetzt, wie einige von Herrn Lehrer F. Könike für mich gefangene Exemplare zeigten, bei Altona im Süsswasser der Elbe vor. Für den Rhein hat M. Weber diese Art als Mageninhalt der Alausa vulgaris nach- gewiesen (Ueber die Nahrung der Alausa vulgaris, im Archiv für Naturgeschichte. 42. Jahrgang. 1876. pag. 169 ff.), wie die Abbil- dung des fünften Fusses des Weibchens (Taf. VII, Fig. 4), die freilich ein Glied zu viel aufweist, deutlich zeigt, hat sie aber ‚fälschlich für Temora velox Ljbg. gehalten. Sein Schluss, dass Alausa vulgaris im Rhein nicht frisst, weil ihre Nahrung aus ma- rinen Entomostraceen besteht, ist, da Temora affınis auch in Brack- und Süsswasser der Flüsse vorkommt, nicht unbedingt richtig.

60

Die Gattung Temora weist also zwei Arten (velox Ljbg. und affınis mihi) auf, die nicht an das Salzwasser gebunden sind, sondern die Flüsse hinauf durch das Brackwasser bis in das Süss- wasser steigen, was, so viel ich weiss, bisher nur von Diaptomus castor Jur., einer Süsswasserform, die Münter in der Ostsee ge- funden hat, bekannt ist.

Bremen, October 1880.

gg

Erklärung zu Tafel III.

Umriss des © von Temora affınis. a) Flügelförmiger An- hang des letzten Abdominalsegments. Vergrösserung: 50/1. Letztes Abdominalsesment und Furca. Vergrösserung: 22/1.

I. Antenne des ©. Vergrösserung: 320/1.

II. Antenne. a) Kurzer, b) langer Ast. Vergrösserung: 320/1. Lippe. Vergrösserung: 320/1.

Mandibel. a) Der Kautheil, b) der zweiästige Fühler. Ver- grösserung: 320/1.

Maxille. a) die Lade, b u. c) die Fortsätze, d) der Lappen des Basaltheils, e) das Mittelstück, f) der Endabschnitt. Vergrösserung: 320/1.

Oberer (äusserer) Kieferfuss. a) Erster, b) zweiter, c) dritter Abschnitt. Vergrösserung: 320/1.

Unterer (innerer) Kieferfuss. a) Basalglied, b) Mittelglied, c) Endglied. Vergrösserung: 320/1.

Ein Schwimmfuss des I. Paares. a) Aeusserer, b) innerer Zweig. Vergrösserung: 320/1.

Ein Schwimmfuss des IV. Paares. a) Aeusserer, b) innerer Zweig. Vergrösserung: 320/1.

V. Fusspaar des Weibchens. Vergrösserung: 320/1. Rechte I. Antenne des Männchens. Vergrösserung: 320/1. V. Fusspaar des Männchens. a) Rechter Fuss, b) linker Fuss, c)innere Spitze, d) lappiger Anhang. Vergrösserung: 320/1.

KAANANAAIIIITTI Hann

Weitere Bemerkungen

über die freilebenden Süsswasser-Copepoden. Von Herm. Rehberg in Jena. (Hierzu Tafel IV. Fig. 1-8.)

Während ich anfangs bemüht war, die Nomenclatur der Süsswassercopepoden etwas zu läutern, suchte ich in letzterer Zeit auf Grund der morphologischen Eigenthümliehkeiten in den ver- schiedenen Entwicklungsstufen der einzelnen Arten, deren Namens- verwandschaft genauer zu ermitteln, bin jedoch so oft im Verfclgen der Entwicklungsgeschichte einiger Arten gestört, dass ich mich . vorläufig begnüge, einige Resulte im Allgemeinen mitzuteilen. Vor allem war mir gleich auffällig, dass nicht diejenigen Arten, die eine gleiche Anzahl von Antennengliedern haben, in ihren ersten Entwicklungsstadien am meisten übereinstimmen, sondern diejenigen, die in der Fussbildung sich im ausgewachsenen Zustande gleichen, viele Merkmale in ihren Jugendzuständen gemein haben. Doch ‚auch diese Angabe hat nur eine beschränkte Richtigkeit. Von allen mir bekannten Arten weicht C. affinis Sars schon, nachdem er aus dem sogenannten Nauplinsstadium heraustritt, am bedeutend- sten von den Jugendzuständen der übrigen Arten ab. Während die meisten Arten zu Anfang fünfgliedrige Antennen zeigen, hat diese nur viergliedrige. Die zweiten Antennen sind dreigliedrig und die Theilung zum vierten Gliede ist bereits angedeutet. Die Furca ist ebenfalls ziemlich vollkommen ausgebildet und die für diese Art charakteristische Bedornung auf derselben schon vor- handen. Von den Schwanzborsten ist die zweitinnere nicht länger als die übrigen. Das vordere Fusspaar ist in diesem Stadium bereits zweigliedrig, während das letzte eingliedrig ist. Die Grösse beträgt 0,3564 mm ohne Schwanzborsten, mit denselben 0,589 mm.

Eine zweite natürliche Gruppe bilden die drei Arten C. fimbriatus Fischer, ©. Poppei Rbg. und C. phaleratus Koch und sind sie die einzigen, die in ihren ersten Entwicklungsstadien voll- kommen übereinstimmen und durch das Auftreten von einer Stachelreihe zwischen der Fussbedornung leicht kenntlich sind.

Die übrigen Arten zeigen eine so grosse Verwandtschaft unter einander, dass, um eine genauere Angabe darüber machen zu können, es zuvor noch sorgfältigerer Beobachtungen bedarf, als ich solche bisher machen konnte, doch fand ich schon, dass einige

62

Arten in einer stufenartigen Ausbildung und Verwandtschaft stehen (Cyclops rubens (Jur.) und Cyelops elongatus Claus), andere dagegen his zu einem gewissen gemeinschaftlichen Stadium und dann eine mehr nebengeordnete Entwicklung zeigen. Als Beispiel für den letzteren Fall führe ich C. albidus (Jur.) und C. fuscus (Jur.) an, die bis zur letzten Häutung in ihren embryonalen Stadien nicht zu unter- scheiden sind und erst nach der Häutung die charakteristischen Merkmale zeigen, ohne dass dieselben einen Uebergang der einen Art in die andere in irgend einer Weise erkennen liessen.

Hieran schliesse ich einige synonymische Bemerkungen, auf die ich durch einige bei Bremen erst in diesem Jahre gefundene Individuen geführt wurde. Ich fand nämlich einen Cyclops mit deutlich geringelten Antennen und einige andere, bei denen einige Segmente auffällig dunkel gefärbt waren. Diese merkwürdig ge- färbten Exemplare kamen in Gemeinschaft mit Cyclops tenuicornis Cl. vor und liessen sich nicht von dieser Form trennen. Ich er- blickte in diesen Individuen die von Koch beschriebenen Arten C. annulicornis und bistriatus, weil aber Sars C. annulicornis Koch neben C. tenuicornis Claus aufführt, hielt ich meine Ansicht zurück, bis mir Herr Professor G. O. Sars selbst mittheilte, dass auch er jetzt C. annulicornis nicht mehr als Art anerkenne. Es muss diese Art also ganz fallen, führt aber zu einer nomenclatorischen Aen- derung, die mir Veranlassung giebt, auch die Jurine’schen Varietäter- namen heranzuziehen und zu Artnamen zu erheben, womit denn alle brauchbaren ältern Namen wieder zu Ehren kommen. Es wäre dann zu setzen:

Cyclops albidus (Jurine) für C. annulicornis und bistriatus Koch und C. tenuicornis Claus.

Cyclops fuscus (Jurine) für C. signatus Koch und C. coro- natus Ulaus.

Cyclops rubens (Jurine) für ©. strenuus Fischer und brevi- caudatus Qlaus.

Cyclops gigas Claus dürfte ebenfalls besser als Art schwinden und zu C. brevicornis gestellt werden, da als erstere Form grosse Individuen von letzterer beschrieben sind.

Die Abbildung von Cyclops obsoletus Koch stimmt am besten mit C. simplex Poggenpol überein, doch bedarf es erst des Auf- findens dieser Art um Regensburg, um der Deutung eine gewisse Sicherheit zu geben. Ferner habe ich zu Diaptomus caeruleus (Müll.) noch Glaucea rubens und caesia Koch (Heft 35, 4, 5 u.) nachzutragen. In Glaucea caerulea, hyalina und ovata Koch (Heft 35, 6, 8, u. 9) erkenne ich Diaptomus gracilis Sars und so würde diese Art nach gewissen Prioritätsrechten als Diaptomus hyalinus (Koch) zu bezeichnen sein.

Cyelops pulchellus Koch und Cyclops helgolandicus R.

Auf die im Zoologischen Anzeiger”) bekannt gemachte, sehr interessante Uyclopsform aus einem Brunnen auf Helgoland, komme

. *) Zoologischer Anzeiger, 187, p. 301—303.

63

ich schon deshalb zurück, weil ich noch einige Mittheilungen über diesen merkwürdigen Fund hinzufügen kann. Schon in dem er- wähnten Aufsatze sprach ich die Vermuthung aus, dass Cyclops helsolandicus von C. pulchellus Koch nach den erwähnten Gründen abstammen werde, welche Vermuthung ich jetzt bestätigen kann. Um zu wissen, wie weit die beiden Formen übereinstimmen, studirte ich die Entwicklungsgeschichte von C. pulchellus Koch und fand, dass dieser nach der dritten Häutung vollkommen (die Bildung der Fiersäcke natürlich ausgenommen) mit dem ausgewachsenen C. helgolandicus übereinstimmt und so hege ich nicht den geringsten Zweifel darüber, dass diese Form durch Atavismus entstanden zu betrachten ist. Als Grund dieser Erscheinung glaubte ich den von dem Einfluss des Meeres herrührenden Salzgehalt im Brunnen, der nach den Untersuchungen des Herrn Medicinalchemikers Dr. Janke beiläufig bemerkt 0,743 °/o beträgt, ansehen zu müssen, doch dieser scheint eine mehr nebensächliche Rolle zu spielen. Mein geehrter Freund, Herr A. Poppe in Bremen, liess sich Wasser aus Cisternen des ÖOberlandes von Helgoland schicken und fand hierin neben Cypris ornata und Daphina pulex ebenfalls den Cyclops helgolan- dicus. Dass nun der Brunnen nicht der alleinige Fundort ist, be- stätist um so mehr meine Auffassung dieser Form als Art, während ich um eine Erklärung des hier zur Geltung kommenden Atavismus in _Verlegenheit bin.

Die im helgolander Brunnen vorkommende Milbe habe ich als Trombidium fuciculum Brady“) bestimmen können. Herr Dr. Fries in Göttingen hatte die Freundlichkeit, mir sein früher in genanntem Brunnen gefangenes Material zur Untersuchung zu lassen und finde ich in diesem Material ebenfalls C. helgolandicus, dann eine kleine, am nächsten mit Daphina pulex M. verwandte, Cladocere und zwei jugendliche Gammarusexemplare. Den Pleuroxus puteanus habe ich nicht darin gefunden, er wird sich aber sicher ebenfalls in grösserer Menge finden lassen. Ich gebe hier nochmals die Diagnosen der beiden umgebildeten Brunnenformen und eine Abbildung der ersten Antenne des Weibchens von C. helgolandicus, Taf. IV, Fig. 5.

Pleuroxus puteanus.

Der Körper ist durchsichtig, länglich eiförmig, nach hinten verschmälert. Der nach unten geneigte Kopf verlängert sich in einen verhältnismässig kurzen Schnabel, der mit dem herausgetretenen Lippenanhange gleiche Länge hat. Das Auge viermal so gross, als das dicht vor diesem liegende Nebenauge. Der Lippenanhang ist verhältnismässig gross, deutlich eingekerbt, so dass er als aus zwei stumpfen Lappen bestehend erscheint. Der hintere Schalen- rand gerade abgestutzt. Der Unterrand ist mit einem dichten Besatz feiner Borsten bekleidet und zeigt am Hinterrande einen deutlichen

*) Es sei hier beiläufig bemerkt, dass nicht Brady zuerst, sondern schon Labolböne (Ent. de France) vor ca. 30 Jahren sog. Meeresmilben beschrieb und dass einige Arten der beiden Autoren identisch sind.

64

Dorn. Die Schalenoberflache ist glatt. Das Postabdomen ist breit, ziemlich kurz und erst ım letzten Drittel, woselbst sich an der Unterseite acht Doppelzähne befinden, verschmälert. Am Grunde der nur wenig gebogenen Schwanzkrallen befindet sich ein kurzer und ein längerer Basaldorn. Länge 0,33 mm, Höhe 0,25 mm.

Cyclops helgolandicus, Taf. IV, Fig. 5.

Die vorderen Antennen sind vierzehngliedrig und ragen, dem

Körper angelegt, ziemlich genau bis zum Ende des ersten Körper- segmentes. Das 1. uud 3. Glied derselben sind einander an Länge gleich, ebenso das 4. und 7. Die beiden letzteren betragen zu- sammen etwa die Länge des 1. oder 8. Antennensegmentes. Die zweiten Antennen sind viergliedrig, von denen das Grundglied das längste ist. Das Auge ist deutlich vierkantig und roth oder roth- braun. Das letzte Glied am äussersten Zweige des 4. Fusspaares trägt aussen zwei Dornen, oben Dorn und Borste und innen drei ' lange Borsten. Das rudimentäre Füsschen besteht aus einem kurzen, breiten Basalgliede, welchos nach aussen eine lange Borste trägt, und aus einem schmalen Endgliede, an welchem sich ein Dorn und eine lange Borste befinden. Von den schlanken Abdominalsegmenten ist das letzte das kürzeste und mit feinen Wimpern am Hinterrande besetzt. Die Furca ist viermal so lang als das letzte Abdominal- segment. Die seitliche Furcalborste steht, vom Abdomen an gerechnet, im dritten Fünftel der Furca. Die Furcalborsten verhalten sich in ihrer Länge zu einander wie (von der äusseren Borste gerechnet) 1:5:9:2. Die Eiersäcke enthalten 12—20 Eier, sind rundlich und werden vom Abdomen abstehend getragen. Länge mit Furcal- borsten 1,66 mm.

Cyclops agilis Koch und Cyclops longicornis Vernet.

Schon in meinem ersten Aufsatze über die Süsswassercopepoden erwähnte ich (1. c. p. 535) einige nach meiner Ansicht rückgebildete Formen, unter denen sich auch solche von Cyclops agilis Koch befanden. Eine solche rückgebildete Form glaube ich in dem von H. Vernet”) als Cyclops longicornis beschriebenen Thiere zu erkennen. Die Unterschiede zwischen C. longicornis und C. agilis beruhen nur auf einer Grössenverschiedenheit und einer angeblichen Ab- weichung der Vulva Um nun zu sehen, wie sehr C. agilis Koch in der Grösse und den Formverhältnissen varlirt, nahm ich eine Menge Messungen an Exemplaren von den verschiedensten Fund- orten vor, von denen ich die hauptsächlichsten Abweichungen mittheile.

Stehender Graben Nach bei Bremen

Lesum Torfkanal | x ar a, Vernet

| 2 »)

Exempl. aus | I klein | Les von Ex. aus dem

| Wasser Länge des Körpers von (.| | agilisK. ohne Schwanzb.| 1,600 mm 1,416 mm 1,166 mm 1,136 mm | 0,853 mm || 0,55 mm

Länge der Schwanzborsten (0,666 0,666 , 0163328, 2 0:5332,00 10153022 n Antennen‘... . 0,853: 0,833 „. | 0,666. 110,585 10,655 n DrBurca 0,211 |

0,200 , 0,183 0116 [0,102

Ka |

*) H. Vernet, Observations anatomiques et physioloques sur le genre Cyclops. Geneve (pag. 44).

N

RN

x

65

Diese Massangaben dürften schon ausreichen, um zu zeigen, dass die von Vernet angegebenen Messungen nicht hinreichen, um C. longicornis von C. agilis Koch getrennt zu halten. Die Vulva habe ich nicht so merkwürdig gebogen gefunden, wie sie H. Vernet (l. e. Taf. I, Fig. UI) zeichnet, doch ist sie ebenfalls sehr veränderlich, weshalb sie schwerlich als sicheres Artmerkmal verwendbar sein wird.

C. affınis Sars.

Der in meinem Beitrag zur Kenntniss der Süsswasser-Cope- poden“) als neu beschriebene Cyclops pygmaeus gehört wahrschein- lich zu dieser Art, jedenfalls zum Theil. Ich legte zur Uuterscheidung des EC. pygmaeus von C. affinis Sars ein grosses Gewicht auf die Furcalbedornung, die nach einer brieflichen Mittheilung des Herrn Prof. Sars auch C. affınis besitzt. Wenn ich nun den Namen (l. e. p. 547) C. pygmaeus auf die von Brady als Cyclops affinis 5? abgebildete Species bezog, so geschah es in dem Glauben, dass wir es hier mit einer von Ü. u Sars verschieden Form zu thun haben, was ich jedoch jetzt bezweifle.

Canthocamptus trispinosus Brady. Tafel WIYFig. 1—3 und 7 und 8.

Canth. trispinosus, Brady, A Monograph of the free and -semi-parasitice Copepoda etc. Vol. II. 1880, p. 55, Taf. 45, Fie. 15—22.

Der hyaline Körper ist schlank, und von ziemlicher Grösse. Die vorderen Antennen sind achtgliedrig, schlank und ragen, dem Körper angelegt, nicht ganz bis zum Ende desersten Körperabschnittes. Der scheidenartige Anhang derselben entspringt am vierten Gliede, ist ziemlich breit und ragt etwas über das siebte Glied hinaus. Das zweite Glied der zweiten Antennen ist lang und trägt neben einer Bewimperung nach vorn einen Dorn und eine kurze Borste und am Ende sechs verschieden lange Borsten. Das Grundglied des Innenastes vom ersten Schwimmfusse ist ebenfalls wie bei Canthocamptus minutus sehr verlängert, ragt jedoch nur bis zur Hälfte des dritten Gliedes vom äusseren Aste. Die übrigen Fuss- paare zeigen grosse Uebereinstimmung mit denen von 0. minutus (0. F. Müller) und nur das rudimentäre Füsschen zeigt einige Ab- weichungen. Das Grunglied desselben ist neben dem Endgliede beim Männchen mit zwei kurzen Dornen, beim Weibchen mit einem kurzen Dorn und zwei langen Borsten, die auf einer unbedeutenden Erweiterung des Grundgliedes inserirt sind, besetzt. Das Endglied trägt in beiden Geschlechtern fünf kräftige Dornen oder Borsten. Die Abdominalsegmente sind breit und kurz und am Hinterrande fein gezähnelt. Die Furca ist sehr kurz, etwa so breit als lang, nach hinten abgerundet und ausser eimer Bewimperung an der Aussenseite und am Ende mit je drei Borsten besetzt. Von den drei Caudalborsten ist die mittlere sehr lang und steht mit der

äusseren im Längenverhältniss wie 3:3.

*, Abhandlungen des Naturw. Vereins zu Bremen. VI, Bd., pag. 533 —554. 5

December 1880, VL!

66

Grösse: 9 = 1,20 mm mit-den Schwanzborsten, ohne die- selben 0,666 mm. 5 = 1,64--1,72 mm mit den Schwanzborsten, ohne dieselben 0,100 mm.

Aufenthalt: In grossen, klaren Teichen zwischen Wasserpflanzen ziemlich häufig. Bei Bremen, Walle, Lesum und an vielen anders Orten.

Weil Brady die vorderen Antennen von Canthocamptus trispinosus als neungliedrig angiebt, glaubte ich anfangs, die um Bremen gefundene Form davon trennen zu müssen, finde aber im Uebrigen eine solche Uebereinstimmung mit seiner Beschreibung, dass die Theilung des achten Antennensesmentes zur Arttrennung zu unwesentlich erscheint. Als neuntes Glied fasst Brady ‘den Theil auf, der oberhalb einer Einschniürung und der Insertion mehrerer Borsten am achten Antennensegmente liest. Es findet jedoch bei den Exemplaren aus der Umgend Bremens keine durch- gehende Trennung statt, und so könnte Brady durch die Insertions- stelle mehrerer Borsten und die erwähnte Einschnürung getäuscht sein.

Canthocamptus fontinalis n. sp. Taf. IV, Fig. 4 und 6.

Die vorderen Antennen sind achtgliedrig, dünn und so lang als das erste Körpersegment. Das dritte Antennenglied trägt den schmalen, scheidenartigen Anhang, welcher fast bis zum Ende des letzten Antennensegmentes reicht. Die zweiten Antennen sind_ ver- hältnissmässig breit und an Länge, die Borsten mitgerechnet, den vorderen gleich. Der Anhang am Grundgliede der zweiten Antenne ist nach dem Ende hin regelmässig erweitert und wie bei den übrigen Arten an der Spitze mit drei Borsten versehen. Der Innenast des ersten Schwimmfusses ist reichlich doppelt so lang wie die beiden Grundglieder des Aussenastes. Beide Aeste sind dreisliedrig und tragen am Ende der Aussenseite jedes Gliedes eine lange Borste, ausserdem trägt das Endglied des Innenastes zwei, das des Aussenastes drei Borsten an der Spitze. Die drei folgenden Fusspaare stimmen ziemlich mit denen der vorher be- schriebenen Species überein. Ganz abweichend ist der fünfte Fuss beim Weibchen gebildet. Das Grundglied trägt auf einer starken Erweiterung sechs verschieden lange Borsten, deren Grössenver- hältniss aus Taf. IV., Fig. 6 ersichtlich ist. Das Endglied dagegen trägt nur eine lange und drei kürzere Borsten an der Spitze. Sehr charakteristisch ist für diese Species besonders die Furca. Dieselbe ist fast vierkantig, etwas länger als breit und an der Innenseite bogig erweitert. Die Aussenseite derselben trägt drei verschieden lange Borsten (Taf. IV, Fig. 4) und die Spitze eben- falls drei, von denen die äussere zur inneren im Verhältniss wie 2:5 steht. Nur die vier letzten Abdomimalsegmente sind im letzten Drittel des Hinterrandes mit deutlichen Dornen versehen. Die einzelnen Körpersegmente sind weit übergreifend. Die Eiersäcke sind länglich und gewöhnlich mit zwölf Eiern gefüllt. Die Grösse be- beträgt beim Männchen 0,50 mm (mit Schwanzborsten 0,76 mm), beim Weibchen 0,66 mm (mit Schwanzborsten 0,93).

67

Ich kenne nur einen einzigen Fundort für diese Form, näm- lich die Quelle der Garte in Weissenborn bei Göttingen, in der sich doch eine ziemliche Menge von Individium vorhanden.

Diese Art zeigt uns wieder einmal recht deutlich, wie ver- ändernd das Auffinden neuer Formen auf die generische Trennung einwirken kann und wie schwankend (und auch provisorisch) die- selbe ıst, so lange wir nicht geradezu erschöpfende Untersuchungen der einzelnen Formen vor uns haben. Brady stellt nämlich das Genus Attheyella (A Monograph of the free and semi-parasitic Copepoda. Vol. H, p. 58) auf Grund der Eingliedrigkeit des Innen- astes am vierten Fusspaare und einer derartigen Bildung des ersten Fusses, wie er bei Canthocamptus fontinalis beschrieben ist, auf. Nach diesem letzteren Merkmale müsste diese Art zum Genus Attheyella zu rechnen sein, während sie nach der Zweigliedrigkeit des Innen- astes am vierten Fusse nicht von Canthacamptus getrennt werden kann. Wir haben hier also eine Mittelform zwischen den genannten Gattungen und ıch denke, diese wenigen Worte werden genügen, um das Genus Attheyella (auch Sars trennte die dahin gehörige Form C. pygmaeus nicht generisch) als in dieser Form unhaltbar zu bezeichnen.

Erklärungen der Abbildungen. Taf. IV.

Fig. 1. Canthocamptus trispinosus Brady. Abdomen 235 X. Re: ,2. Fe , I IN Russ 2939,

Fig. 3. = Vordere Antenne 235 X.

Fig. 4. Canthocamptus fontinalis. Rbg. Furca 235 X.

Fig. 5. Cycelops helgolandius Rbg. Vordere Antenne 235 X.

Fig. 6. Canthocamptus fontinalis Rbg. V Fuss 440 x.

Fig. 7. trispinosus Brady. II Antenne 440 x.

Fig. 8 % Y A I Fuss 235 X.

VIL5*

Eine neue Gregarıne.

Lagenella mobilis n. g. et n. sp. Von Herm. Rehberg in Jena. (Hierzu Tafel IV, Fig. 9—13.)

Schon im vorigen Jahre erresten bei meinen Untersuchungen über die Süsswassercyelopiden einige parasitische Thierchen, welche sich lebhaft in dem Darm und in der Leibeshöhle eines Cyclops rubens Jur. bewegten, meine Aufmerksamkeit. Als ich in diesem Frühjahr erstaunliche Mengen solcher Organismen in Cyclopiden, welche ich aus einem durch Regenwasser gebildeten Graben ge- sammelt hatte, erhielt, konnte ich dieselben zum Gegenstand be- sonderer Beschäftigung machen. Nach der parasitischen Lebens- weise und da Olaus”) und Haeckel’”) Gregarinen bei der Gattung Saphirina beobachtet haben, glaubte ich in dem in Rede stehenden Geschöpfe eine Gregarine zu erkennen, um so mehr als H. V ernet‘””) über die Parasiten der Süsswasser-Cyclopiden sagt: „Les gregarines sont plus rares. J’en ai vu quelquefois sur des cyclopes; elles se tiennent dans l’estomac ete. Elles ont une forme qui rappelle une bouteille, et ne sont composees que d’une seule cellule, par consequant elles rentrent dans la famille des Monocystidae.“ Sehr wahrscheinlich hat H. Vernet ganz dasselbe Thier vor sich gehabt, über welches ich jetzt einige Notizen gebe. Anfangs glaubte ich ın diesen Thieren ein Monerenstadium einer Gregarina, wie E.v. Beneden”“7) ein solches von Gregarina gigantea E. v. Ben. nennt, gefunden zu haben, bis ich durch einige umständliche Ver- suche zu anderen Ansichten kam. Um gewiss zu sein, dass ich es hier mit einem ausgebildeten Organismus zu thun hatte, nahm ich meine Zuflucht zu folgendem Experimente. Ich holte mir mehrere Cyclopiden, um die man bei Bremen nie in Verlegenheit kommt,

*) Claus, ©. Die freilebenden Copepoden mit besonderer Berücksich- tigung der Fauna Deutschlands, der Nordsee und des Mittelmeeres. 1863.

**, Haeckel, Ernst, Beiträge zur Kenntniss der Corycaeiden. Jenaische Zeitschrift für Medicin und Naturw. 1863,

”==*) Vernet, H. Observations anatomiques et physiologiques sur le genre Cyclops p. 46.

"<+) E, van Beneden. In Memoires couronn6s de l’Acad. de Bru- xelies. 1869.

RT

69

aus einem Teiche, untersuchte dieselben sorgfältig, und nachdem ich davon überzeugt war, dass dieselben von keinen Parasiten be- wohnt wurden, setzte ich je ein Exemplar in ein kleines, mit destillirtem Wasser gefülltes Gläschen. Zur weiteren Nahrung der Cyelopiden setzte ich in die Gläschen einige getödtete, von Parasiten freie Cyclopiden. Dann überführte ich mittelst eines Pinsels in die Gläschen einige Protoplasmakörpercheu, die ich von zerplatzten Gregarinen erhalten hatte, um dadurch in dem para- sitenlosen Thiere Gregarinen zu erzeugen. Das Experiment gelang, und so durfte ich wol mit Recht diese Parasiten für selbständige Organismen ansehen. Merkwürdiger Weise erreichten die neu erzeugten Parasiten nie die Grösse der sonst beobachteten, eine Erscheinung, die ich dadurch erkläre, dass der Darm der fast nahrungslosen Cyclopiden keine neue Zufuhr von Protoplasmamasse den Gregarinen zur Weiterbildung bot. Durch dieses Experiment lernte ich neben der Fortpflanzung auch die Entwicklung der Gregarinen genauer kennen.

Die Vermehrung scheint auf verschiedene Weise möglich zu sein. Die gewöhnliche Art ist wol die, dass Plasmakörperchen ab- sestorbener Gregarinen, die schon hinreichen, um neue Individuen zu bilden, von Cyclopiden aufgenommen werden. Bei Exemplaren der Gregarinen, die ich aus dem Cyclopsdarm glücklich heraus- gedrückt hatte, beobachtete ich nämlich Folgendes. Eine frei- gewordene Gregarine, nachdem sie sich einige Zeit hastig im Wasser hin und her bewegt hatte, bildete eine Kugelform und blieb so einige Zeit ruhig liegen. Dann setzte sich das Protoplasma in Bewegung und wurde beim Zerplatzen der Membran frei. Die Plasmakörperchen schienen sich etwas vergrössert zu haben, doch war die Veränderung so gering, dass ich nicht an eine Vergleichung derselben mit. den Pseudonavicellen der sonstigen Gregarinen denken kann. Der ganze Vorgang hat eine grössere Aehnlichkeit mit der von Weisse”) geschilderten Vermehrung des Chlorogonium euchlorum Ehrbg. Die zweite Art der Vermehrung scheint durch Theilung möglich zu sein. So sah ich bei Individuen, die etwa die Länge des Darmrohres erreicht hatten, eine Abschnürung der seit- lichen Pseudopodien, die als selbständige Organismen weiter lebten. Dieser Theilungsprocess ist doch mehr künstlicher als natürlicher Art. Die Abschnürung erfolgte nämlich nur mit Hülfe der plötzlichen Contraction des Magens oder dann, wenn ich einen leichten Druck auf das Deckglas ausübte. Wiewohl ich auch eine natürliche Theilung glaube gesehen zu haben, so kann ich hierauf kein Gewicht legen, da ich sehr leicht getäuscht sein kann. Die grosse Menge der Gregarinen, die in den verschiedensten Höhen des meistens mit dunklem Inhalte gefüllten Darmes in steter Be- wegung sind, lässt eine sichere Beobachtung nicht zu.

Von sehr jungen Individuen sah ich ein solches, welches aus

*) Weisse, J. F,, Ueber die Vermehrungsweise des Ohlorogonium euchlorum EB. (Wiegmann’s Archiv für Naturgeschichte. Jahrg. 14, p. 65).

70

nur fünf onen (Tan Tv, Pie, 9), die mit einer verhältnissmässig grossen Menge der hellen Masse (Exoplasma) umgeben waren al deren weitere Entwicklung durch stete Auf- nahme von Plasmamassen, ohne besondere Entwicklungsstufen zu zeigen, geschah. Die Ernährung, die ja nur durch Endosmose möglich ist,: scheint sowohl durch die peristaltischen Bewegungen des Darms der Cyclopiden, als auch durch die stete Bewegung der Gregarinen begünstigt zu werden. Am lebhaftesten bewegen sich die jungen Individuen, ohne gerade ihren Aufenthaltsort zu ver- lassen, während alte ruhig an einem bestimmten Orte nach dieser oder jener Richtung ihre Pseudopodien ausstrecken. Die Bewegung selbst geschieht dadurch, dass das Thier die Membran rüsselartig ausstreckt (Taf. IV, Fig. 11 u. 12), während das Plasma in einer oder je nach der Grösse der Individuen in zwei oder drei kugeligen Erweiterungen zurückbleibt. Durch Contraction der kugeligen Er- weiterung wird das Plasma in den Rüssel gedrängt, or. dieser erweitert wird und nicht mehr als solcher erschemt. Kaum hat das Plasma den neuen Platz eingenommen, so tritt die Membran schon wieder rüsselartig hervor und so sind manche Individuen in kurzer Zeit im Darmrohr auf und abgewandert. Ist das Thier nicht im Stande, in der gewohnten Richtung weiter zu kommen, so bildet es an einer beliebigen Stelle den Rüssel aus, um in anderer Richtung eine Weiterbewegung zu versuchen. Doch beschränken sich nicht alle Thiere auf ihren Aufenthalt im Darm, sondern durch- bohren denselben, um in der Bauchwand oder im Abdomen ihren Platz zu nehmen, eine Beobachtung, die auch Frantzius”) an anderen Gregarien machte.

Die Geschwindigkeit der Bewegung solcher Organismen suchte ich dadurch zu bestimmen, dass ich sie aus dem Cyelopsdarm her- ausdrückte und nun das Gesichtsfeld im Durchmesser passiren liess, wobei ich fand, dass jüngere Individuen zum Durchmessen des Ge- sichtsfeldes des Hartnack’schen Systems VIII bei ausgezogener Kammer 18, dagegen ältere bis 30 Secunden gebrauchten.

Erwähnenswerth erscheint mir die oft gemachte Beobachtung, dass aus ältern Individuen grüne Körperchen, über deren Deutung ich nicht sicher bın, ausströmen. Ich möchte dieselben für Chloro- phylikörperchen halten, von denen manche Individuen so sehr an- gefüllt sind, dass sie intensiv grün erscheinen.

Während ich es nach vielen Bemühungen aufgegeben hatte, bei dieser Gregarine den Nucleus zu finden, zeigte sich derselbe sehr deutlich an einem schönen, heller Individuum, welches ich aus der Darmhöhle eines Cyelops macrurus Sars hier in Jena er- halten hatte. Doch verdanke ich es den Bemühungen des Herrn Professors R. Hertwig, welcher mir beim Nachweis des Nucleus behülflich war. Derselbe tödtete das erwähnte Exemplar mit Ueberosmiumsäure und behandelte es dann mit Beale’schem Carmin

*) Frantzius. A. v. Einige nachträgliche Bemerkungen über Gregarinen. p. 192 in Troschel’s Archiv für Naturgeschichte. 1848, 14. Jahrg.

1

und Glycerin, wodurch der Nucleus auf’s Deutlichste zur Anschauung gebracht wurde.

In Bezug auf die Stellung dieser Gregarine im System lässt sich vor der Hand nichts Entscheidendes sagen, da dieselbe durch das Vorhandensein einer contractilen Blase und durch den einfachen Entwicklungsgang von den übrigen abweicht Unter den von Aime& Schneider*) beschriebenen Gattungen scheint Lagenella noch den Gattungen Urospora und Dufouria Schneider (ein schon unter den Pflanzen, Ramalinen, und den Insekten vergebener Gattungsname) am nächsten zu stehen. Nach der von B. Gabriel**) vorgeschlagenen Classification der Gregarinen würde sich Lagenella an die sogenannten Üysto- plasten am engsten anschliessen.

Als physiologisch interessant scheint mir noch die Beobachtung erwähnenswerth, dass beim regelmässigen Bewegen der Gregarine, sobald die contractile Blase auftritt, sich an der Spitze des Rüssels zwischen der Cuticula und der contractilen Blase stets zwei, bei unregeimässigen Bewegungen auch mehrere Protoplasmaklümpchen finden, die sehr wahrscheinlich schon irgend welche Functionen zu verrichten haben. Die Grösse beträgt 0,102—0,163 mm.

Jena, den 1. December 1880.

Erklärung der Abbildungen. Taf. IV, Fig. 9—13. 440—750malige Vergrösserung.

Fig. 9. Lagenella mobilis n. g. et n. sp. Ein jugendliches Exem- plar ohne contractile Blase.

Fig. ı0. Lagenella mobilis n. g. et n. sp. Ein Exemplar dicht vor dem Zerplatzen der Membran.

Fig. 11u.12 Zwei in der Bewegung befindliche Exemplare, bei welchen sich die contractile Blase in den Rüssel ein- schiebt und vorn zwei deutliche Protaplasmakörperchen zeigt.

Fig. 13. Lagenella mobilis n. g. et n. sp. Ein altes, in Ruhe be- findliches Exemplar.

*) Aim@ Schneider, Contributions a V’histoire des Gregarines ete. (Archiv de Zoologie experimentale et generale. Tome IV, p. 498).

**, B. Gabriel, Zur Olassifieation der Gregarinen, Zoologischer Anzeiger, 3. Jahrg., No. 69, p. 569,

Künstliche Pflanzen-Mischlinge. Von W. O. Focke.

Folgende von mir durch künstliche Bestäubung erzeugte Pflanzen-Mischlinge sind bis jetzt (1580) in meinem Garten zur Blüte gelangt:

Raphanus sativus © X raphanistrum &, erste und zweite Gene-

ration. Melandıyum album © x rubrum g, seit 1872 durch Selbstaussaat fortgezüchtet.

Geum Japonicum © X rivale gJ. Rubus Idaeus @ X oceidentalis gZ. Idaeus © X caesius 9g. .Bellardi © x caesius g. gratus © X bifrons g. Epilobium montanum © X roseum g. montanum © X obscurum g. Anagallis (arvensis) phoenicea © >< coerulea g, erste und zweite (seneration. (arvensis) coerulea © x phoenicea Jg. [Primula elatior © X (officinalis) hortensis g; durch künstliche Befruchtung, aber Selbstaussaat entstanden |

Nicotiana rustica © X paniculata 95, dreimal erzeugt, auch in

erster und zweiter Generation.

|Nicotiana (rustica © X paniculata J) © x rustica g, durch

spontane Bestäubung entstanden|.

Nicotiana (rustica @ X paniculata J) @ > Langsdorffi g. alata © x Langsdorffii g, auch in zweiter Generation. = Langsdorfii © > alata, auch in zweiter Generation.

Digitalis lutea © > purpurea g, mehrmals.

purpurea © x lutea g, mehrmals. purpurea © x ambigua g. Iutea © X ferruginea Jg.

Fernere Beiträge zur Flora der ostfriesischen Inseln.

Von Franz Buchenau.

Die Herausgabe meiner in wenigen Monaten im Verlage von Hermann Braams, Norden, erscheinenden „Flora der ostfriesischen Inseln“ wird naturgemäss ferneren floristischen Studien über die Inseln einen festeren Halt gewähren, zugleich aber weiteren Publikationen nach dieser Richtung vorläufig Einhalt thun. Unter diesen Umständen halte ich es im Interesse der Forscher, welche sıch eingehend mit der Fiora der Inseln beschäftigen wollen, für geboten, in diesen Blättern (in welchen so ziemlich Alles niedergelest worden ist, was während der letzten zwölf Jahre über die Inseln publicirt wurde), noch in aller Kürze über die Beobachtungen der letzten Jahre, namentlich des Sommers 1880, zu berichten.”)

Mein Manuscript über die Inselflora wurde im Wesentlichen während des Winters 1879 —80 ausgearbeitet. Alle bei dieser Aus- ‘arbeitung bemerkten zweifelhaften Punkte wurden im März 1880 in sieben nach den Inseln geordneten Verzeichnissen zusammengestellt und dieselben mit der Bitte um besondere Beachtung auf den Inseln bekannt gemacht, auch die Hülfe solcher botanischen Freunde, welche die Inseln im Sommer 1880 zu besuchen beabsichtigten, erbeten. In Folge davon erhielt ich für mehrere der Inseln sehr wichtige Beiträge, über welche ich bei jeder derselben näher berichten werde. Ich selbst besuchte während der Monate Juli und August die vier Inseln Borkum, Juist, Norderney und Langeoog, um dort zu botanisiren. Selbstverständlich wurde durch diese vielseitigen Bemühungen die Anzahl der einzelnen Standorte ver- mehrt (bei der grossen Veränderlichkeit der Inseln werden übrigens die Standorte sich immer in einem gewissen Flusse befinden!), da aber nur zwei Pflanzen (Gnaphalium luteo-album und Juncus filiformis) für die Inseln neu aufgefunden, eine andere schou früher bemerkte (Carex extensa) richtig erkannt wurde, so darf man wohl annehmen, dass nur wenig Wesentliches von den Gefässpflanzer der Inseln den Wahrnehmungen entgangen sein wird.

I. Borkum. Die grösste Veränderung, welche die Flora von >orkum in den letzten Jahren erfahren hat, und welche voraussichtlich in den nächsten Jahren noch weiter um sich greifen wird, ist durch die Verkleinerung des „Langen Wassers“ bedingt. Beim Baue der zum Transporte des Materiales für die Strandbauten erforderlichen Eisenbahn ist der grösste Theil dieser Wasser-Ansammlung zu-

*) Diejenigen Pflanzen, welche bisher von der betreffenden Insel noch

nicht bekannt waren, sind in dem nachstehenden Verzeichnisse durch ein vor- gesetztes 7 bezeichnet.

74 geschüttet worden, und wahrscheinlich wird sie in den nächsten Jahren ganz verschwinden, um in Gemüsegärten verwandelt zu werden. Im Sommer 1880 konnte übrigens die Anwesenheit der dort wachsenden seltenen Pflanzen noch constatirt werden.

Auf Borkum verweilte ich selbst vom 21.—28. Juli 1880; einige Beobachtungen erhielt ich auch von den Herren Grenzaufseher Ahrens auf Borkum, Lehrer M. E. Briese auf Borkum und Lehrer L. F. Scherz zu Eilsum. Ganz besonders bin ich aber Herrn Prof Dr. A. Voss zu Danke verpflichtet, der während eines etwa sechswöchentlichen Aufenthaltes im August und September die Insel nach allen Richtungen durchstreifte und dabei die Pflanzen besonders beachtete.

Chelidonium majus L.; scheint nach allen Wahrnehmungen der letzten Jahre auf Borkum nicht (nicht mehr ?) vorhanden zu sein.

Cardamine pratensis L. Auf der Binnenwiese, beim Deiche, auf dem neu gewonnenen Lande u. s. w. häufig, wird aber durch den Frühjahrs-Weidegang des Viehes regelmässig abgeweidet.

Nasturtium officinaleR. Br. Gräben der Kiebitzdelle und ım der Nähe von Upholm nicht selten, gelangt aber spärlich zur Blüte.

Trifolium hybridum L. Auf Kunstwiesen im langen Wasser, sowie auf der Sumpfwiese links vom Uebergange des Fahrweges über den Deich; überall angesäet (Voss).

fAlchemilla arvensis Scop. Auf ein Paar Aeckern des Ostlandes, wohl erst kürzlich eingeschleppt (Voss und Briese).

Potentilla procumbens Sibth. Häufig auf einigen Aeckern in der Nähe von Upholm und hinter der Schanze, im September reichlich blühend (Voss.)

Geranium pusillumL. Einzeln im Dorfe, seltener als G.molle.

Berula angustifolia Koch. Massenhıft an einigen feuchten Stellen der Bandjedelle und Waterdelle.. Ueberall eine grosse Form, welche zweifellos von Herm. Meier für Sium latifolium ge- gehalten worden ist.

T Erigeron canadensis L. Diese Wanderpflanze, deren bis- heriges Fehlen sehr auffallend war, hat sich jetzt in grosser Menge auf der Coupiruug angesiedelt.

Bidens tripartitus L. Einköpfige Zwergexemplare von wenigen cm Höhe am Deiche (Voss).

i Gnaphalium luteo-album L. Nur in einer Dünen-Ein- senkung auf dem Ostlande in der Vogel-Colonie, unfern des Wärter- häuschens einziger Standort der ostfriesischen Inseln (Voss).

Cichorium Intybus L. 1880 ein einzelnes Exemplar auf einem Acker des Westlandes.

Hypochoeris glabra L. Aecker des Ostlandes, in ziem- licher Menge, aber erst spät im Sommer entwickelt (Voss).

Leontodon hispidus L. Am Fahrwege nach der Rhede unfern des Ueberganges über den Deich. Die höchst auffallende Aehnlichkeit dieser Pflanze mit Thrincia hirta Roth drängt immer wieder die Frage nach ihrem genetischen Zusammenhange auf. Identisch, oder nur als grosse und kleine Form verschieden, wie

765)

Kuntze annimmt, sind beide sicher nicht, denn Thrincr.. hat auf den äusseren Früchten einen rein mauerkronenförmigen Pappus, während bei Leont. hispidus der Pappus aus kurzen und langen Strahlen gemischt ist. Es verdient gewiss untersucht zu werden, ob etwa durch Kreuzung von Thrincia hirta und Leontodon autum- nalıs Formen entstehen, welche mit Leont. hispidus übereinstimmen.

tLinaria vulgaris Mill. Auf einem Acker des Westlandes, am Nordrande des Dorfes unfern der Wohnung des Schuhmachers. (Voss). Sehr merkwürdig ist es, dass diese Pflanze auf den Wiesen, auf den Dünen sowie in den Dünenthälern fehlt.

Veronica scutellata L. Sumpfige Wiese links vom Ueber- gange des Fahrweges über den Deich (Voss).

rLyeopus europaeus L. An einer sehr beschränkten, nur bei ungewöhnlich trockenem Wetter zugänglichen Stelle in der Mitte der Waterdelle.

Pıngsuicula vulgaris L. Auf dem neuen Anwuchse in der Nähe der Coupirung am östlichen Fusse der Bandje-Dünen.

Samolus Valerandi. Waterdelle, Kielstucksdelle.

Littorella lacustris L. In allen nassen Dünenthälern, oft in Menge bei einander.

Polygonum Hydropiper L. Nicht selten in Gräben des Ostlandes, bei Upholm und auf der Binnenwiese (viel später sich entwickelnd als die verwandten Arten und daher bis jetzt vielfach übersehen).

Atriplex laciniata L. Nach den Studien meines Freundes, des Herrn Professor Ascherson zu Berlin, muss die an der Nordsee- küste mehrfach vorkommende, wenn auch nirgends häufige Pflanze, welche ich (Abhandlungen, 1877, V, p. 518) früher als A. rosea betrachtete, den Namen A. laciniata, L. führen; zu ihr gehört auch die Pflanze von der Helgolander Düne (A. maritimum Hallier) und die von Nöldeke und Pape auf Norderney gesammelte Pflanze.

Liparis Loeselii Rich. Auf dem neuen Anwuchse in der Nähe der Coupirung am östlichen Fusse der Bandje-Dünen. Interessant ist, dass diese Orchidacee, von der man nach dem Baue ihrer Knollen glauben sollte, dass sie nur schwer wandert, sich bereits auf den höheren Theilen des südlich der Coupirung entstandenen Grünlandes angesiedelt hat; sie muss also doch wohl leichter aus Samen keimen, als man dies von Orchidaceen anzunehmen geneigt ist.

Luzula multiflora Lej. Dodemannsdelle in den Gebüschen des Seedorns.

Juncus supinus Mch. Upholm zwischen den beiden Deichen.

7Juncus filiformis L. Aufden sumpfigen umwallten Wiesen (von Dyk’s-Land) links vom Fahrwege nach der Rhede, vor dem Uebergang über den Deich. Erster Standort auf den Inseln. (Auf jenen Wiesen ist auch Platanthera hbifolia und Ophioglossum vulgatum nicht selten.)

Scirpus maritimus L., var. leptostachys Meyer; einzeln zwischen der Hauptform, z. B. in den Gräben der Wiese.

f Seirpus pungens Vahl. Ausläufer der Kiebitzdelle und

76

der Bandjedelle gegen die Aussenweide. Schon vor einer längeren Reihe von Jahren von Herrn Dr. H. Koch dort beobachtet, dann im Jahre 1878 von den Herren Dr. Dreier und Professor Hennig wieder entdeckt; jetzt an den bezeichneten Stellen nicht selten.

Carex acutaL. Kielstucksdelle des Ostlandes; dort dichte, hohe Rasen bildend, in welchen Salıx repens in einer steil-aufrechten Form wächst; zarte Formen in der Delle, wo Equisetum variegatum wächst. (Dass die Pflanze früher übersehen wurde, erklärt sich wohl daraus, dass sie ihre Früchte ziemlich früh abwirft.)

Carexextensa Good. In feuchten Dünenthälern sowie auf der Wattwiese zerstreut. Die Pflanze wurde bereits in den Jahren 1877 und 78 von Herrn Dr. Joh. Dreier gesammelt, aber erst in diesem Jahre von uns als für die Inseln neue Art erkannt. Sie dürfte wohl auch auf den östlichen Inseln vorkommen. Von C.lepi- docarpa, der sie meist im Wuchs und Vorkommen ähnlich ist, ist sie leicht durch die graugrüne Farbe der ganzen Pflanze, die rinnen- förmigen Laubblätter, sowie durch die aufrecht-abstehenden Frucht- schläuche zu unterscheiden (C. lepidocarpa ist gelbgrün, die Laubblätter flach, die Fruchtschläuche sparrig, oft senkrechti-abstehend).

Hierochloa odorata Whlnbg. Einzeln auf den höheren Stellen der Aussenweide zwischen den Rasen von Juncus maritimus; häufig in der Bandjedelle und der Waterdelle; besouders massenhaft aber auf dem Ostlande rechts und links von dem gewöhnlichen Wege nach den Häusern.

Avena caryophylles Web. Auf Erdwällen bei den Höfen des Ostlandes.

Agrostis canina L. Habe ich jetzt auch auf der Binnenwiese, in der Watterdelle und Kielstucksdelle gefunden.

Equisetum variegatum Schleich. In einem Dünenthale des Ostlandes in grosser Menge. (Die Stelle ist sehr leicht zu finden, da sie nahe links vom Wege liegt, da, wo man zuerst der Häuser des Ostlandes ansichtig wird.)

Ophioglossum vulgatum L. Auf den feuchten umwallten Wiesen (van Dyk’s Land) links vom Uebergange des Fahrweges über den Deich nicht selten; auf der Binnenwiese zerstreut.

II. Juist. Eine grosse für den Botaniker sehr schmerzliche Aen- derung hat die Flora dieser Insel durch die Umbrechung der grossen Bill zu Ackerland erfahren. Nur einige Randparthien dieses schönen Dünenthales haben noch ihren Character bewahrt, aber auch ‘sie dürften bald dem Pfluge erliegen. Unberührt sind dagegen die unter dem Namen der kleinen Bill bekannten Dünenthäler geblieben ; sie lieferten denn auch eine mehrfach interessante Ausbeute, welche für die Verwandschaft der Flora mit derjenigen von Borkum neue Belege bietet. Für die weitere Durchsuchung von Juist geschah im abgelaufenen Sommer sehr viel. Herr Gymnasiallebrer Dr. Eggers verweilte wiederholt längere Zeit auf der Insel, wesentlich, um dort zu botanisiren; Herr Eduard Albrand, Primaner des hiesigen Gymnasiums, sammelte während eines fast vierwöchentlichen Aufenthaltes eifrig Pflanzen; Herr Lehrer Buss bemühte sich be-

77

sonders um die Erforschung der Frühjahrs-Flora ; ich selbst ver- weilte mehrere Tage (vom 28.—31. Juli) dort, welche ich gleich- falls ganz der Pflanzenwelt widmete. Unter diesen Umständen sind die neuen Auffindungen für Juist zahlreicher und interessanter als für die andern Inseln. Sie lassen die Verwandtschaft der Flora von Juist mit derjenigen von Borkum nur noch deutlicher hervortreten.

7 Thalietrum minus L. Sehr selten, aber im Jahre 1880 doch noch einzeln vorhanden.

r Ranunculus sceleratus L. Beim Loog und auf der Bill.

Nasturtium officinale R. Br.; jetzt wohl verschwunden.

Cochlearia danica L. Aussenweide nach dem Kalfamer zu (Eggers).

Viola tricolor L. var arvensis. Mehrfach beim Loog.

i Melandryum album Garcke. Im Dorfe.

7 Cerastium tetrandrum Curt. Nicht selten.

iLepigonum rubrum Wahlbg. In der Nähe des Loog (Eggers) iPolygala vulgaris L., sehr spärlich beim Dorfe und beim Loog. | 7 Malvasilvestris L. Im Dorfe spärlich ; wohl angepflanzt.

7 Oxalis strieta L. In Gärten (Eggers). Es wird interessant sein zu beobachten, ob die Pflanze sich hält, was bei ihrer starken vegetativen Vermehrung sehr wahrscheinlich ist.

j Ononis repens L. Spärlich auf der Bill (Eggers).

Lotus uliginosus Schk. Das Fehlen dieser Pflanze auf Juist ist sehr auffallend.

7 Medicago lupulina L. Beim Loog.

Vıeia hırsuta EL. Bill

7 Vicia lathyroides L. Auf begrasten Stellen nicht selten.

i Vicia sativa L. Vereinzelt in Gärten (Eggers).

7 Vicia angustifolia L. Auf Grasplätzen östlich vom Dorfe (Eggers).

Myriophyllum spicatum L. Bill (Eggers).

+ Callitriche stagnalis Scop. Bill (Eggers).

7 Epilobium angustifolium L. Im Osten der Hauptinsel.

Epilobium palustre L. Bill.

7 Epilobium parviflorum Retz. Dünenthäler der Bill; 1880 auch ein einzelnes Exemplar in den südlichen Dünen am Östende des Hammerich.

7 Epilobium chordorrhizum Fries. Im Hauptthale der Bill (Eggers).

7 Parnassia palustris L. In einem Dünenthale der Bill massenhaft, im Osten der Insel nur sehr spärlich.

7 Scandix pecten Veneris L. Bill, wohl sicher erst neuer- dings eingeschleppt.

Eryngium maritimum L. war im Jahre 1880 auf den südlichen Dünen der Hauptinsel und der Bill, sowie auf dem Hammerich und dem Kalfamer nicht selten.

18

+ Galium Mollugo L. Häufig.

+ Galium Mollugo x verum. Nicht selten.

+ Galium uliginosum L. Beim Dorfe (Eggers).

+ Eupatorium cannabinum L. In dem östlichen feuchten Dünenthale der kleinen Bill an einer feuchten Stelle in ziemlicher Menge.

+ Tussilago farfara L. Auf der Hauptinsel und der Bill mehrfach zerstreut.

+ Inula Brittanica L. In geringer Menge auf der Wattwiese bei der Bill, sowie in den Abzugsgräben der Felder.

Chrysanthemum Leucanthemum L. Beim Hauptdorfe und beim Loog.

+ Bidens tripartitus L. Zerstreut auf der Bill und beim Loog.

+rArtemisia vulgaris L. Spärlich im Dorfe.

rAchillea Ptarmica L. Beim Loog selten (Eggers).

Cichorium Intybus L. Wird auf der Bill im Grossen gebaut und ist bereits mehrfach verwildert.

+ Myosotis intermedia Lk. Beim Dorfin Gärten (Esgers).

+ Myosotis versicolor Pers. Beim Dorf in Gärten (Eggers).

+ Myosotis hispida Schlecht. var. dunensis Buch. Ebenso verbreitet wie auf den andern Inseln.

Veronica Ghamaedrys L. Besonders viel beim Loos, dann aber auch auf der Bill unfern des Hofes und in einer Mulde beim Hauptdorfe unfern des Rettungsboot-Schuppens.

Linaria vulgaris Miller. Sehr spärlich.

+ Mentha arvensis L. Als Unkraut mehrfach vorhanden.

7 Euphorbia helioscopia L. Spärlich.

7 Salix fragilis L. Bill (Eggers).

Typhba latifolia L. Spärlich im feuchteren Theile der kleinen Bill.

+ Typha angustifolia L. Mit der vorigen.

Alisma Plantago L. In dem noch nicht cultivirten Theile des grossen Thales der Bill.

+ Orchis latifolia L. In der kleinen Bill.

j Potamogeton natans L. Bill (Eggers).

Carex extensa Good. Auf den Wattweiden häufig; ausserdem massenhaft in dem Dünenthale der Hauptinsel unfern des Rettungsbootes

Carex flacca Schreb. Auf der Bill nicht selten, spärlicher auf der Hauptinsel.

rCarex trinervis Degl. Dünenthäler der Bill und der Hauptinsel. |

rHierochloa odorata Whlnbg. Häufig an der kleinen und am Rande der grossen Bill.

+Anthoxanthum odoratum L. Nicht selten, aber aus Versehen noch nicht notirt.

i Festuca arundinacea Schreb. Beim Loog an feuchten Stellen zwischen den Gemüseländereien. j Bromus secalinus L., beim Loog (Eggers).

Ber

79

7Hordeum murinum L. Bill; bei dem Hofe.

7 Lolium festucaceum Lk. (Festuca elatior = Lolium perenne). Einige Exemplare beim Loog (Ed. Albrand).

y Nardus strieta L. Nicht häufig.

7 Juniperus communis L. Eimige Sträucher beim Loose.

III. Nordermey. Auf Norderney botanisirte ich selbst während Tage vom 30. Juli bis 2. August 1850, theilweise unter freundlicher Füh- rung des Herrn Gartenmeisters Lampe ; einige Beobachtungen erhielt ich auch von Herrn Lehrer Börner aus Wernigerode. Norderney, wie ich im Voraus bemerken möchte, ist im Allgemeinen weit trockener als Borkum; es findet sich kein wirklich sumpfiges Dünenthal, und so suchte ich denn z. B. auch Hierochloa vergebens.

Ranunculus Ficaria L. Massenhaft in den Gehölz-Anlagen beim Conversations-Hause.

Nasturtium silvestre R. Br. Jedenfalls sehr selten, falls überhaupt noch vorhanden.

Erysimum Alliarıia L. Mehrfach in den Gehölzen beim Conversations-Hause angesiedelt.

j Stellaria glauca With. Im Schilfe bei der Schanze (Lampe). 7 Vicia hırsuta Koch. In einigen Dünenthälern zwischen der Windmühle und dem Rupertsberge (W. Börner).

Hydrocotyle vulgaris L. In den Gräben der Polder beim Conversations-Hause.

Lonicera PerielymenumL. In den angepflanzten Gebüschen und Wäldchen mehrfach.

Achillea Ptarmica L. Sowohl in den Gräben des bebauten Landes, als auf den Wiesen in der Mitte der Insel.

Pirola rotundifolia L.; durch Herrn Gartenmeister Lampe in der Kiefernschonung beim Conversations-Hause angepflanzt; gedeiht dort vortrefflich.

Echium vulgare L. Scheint längst verschwunden zu sein; von Herrn Gartenmeister Lampe nie gesehen.

Hippophaäös rhamnoides L. Ist noch immer nur sehr spärlich vorhanden, dürfte aber wohl mit der Zeit häufiger werden, da Herr Gartenmeister Lampe ihn mehrfach angepflanzt hat.

Obione pedunculata Moq. Tand. Spärlich auf den Watt- wiesen. (Die Pflanze kommt wohl auf. allen Inseln vor; sie wird aber leicht übersehen, da sie erst spät im Jahre sichtbar wird.)

Salix caspıca Pallas; von Herrn Gartenmeister Lampe vielfach (u. A. beim Schiessstande und bei der Schanze) angepflanzt.

7 Luzula multiflora Lej. Auf den Wiesen in der Mitte der Insel nicht selten. (Die Exemplare sind zarter und stehen der L. campestris näher als die auf Borkum und Langeoog gesammelten.)

SchoenusnigricansL. Aufdem Lüttjen-Eilande sehr spärlich.

Carex extensa Good. Häufig auf dem Lüttjen-Eiland und den Wattwiesen in der Mitte der Insel.

7Catabrosa aquatica P. B.; spärlich in den Gräben des Gemüselandes zwischen dem Orte und der Schanze.

+Avena caryophyllea Web. Am alten Deich zwischen der Marienstrasse und dem neuen Polder.

Festuca arundinacea Schreb. An Hecken in den Gemüse- ländereien mehrfach.

Lycopodium clavatum L. Trotz der sorgfältigsten Nach- forschungen von Niemand auf Norderney gefunden; ich vermuthe daher, dass Meyer’s Angabe (Hannov. Magazin 1824, pag. 155 und Chloris Hannov.) auf einer durch einen Schreibfehler bedingten Ver- wechselung mitL. inundatum beruht, welche Pflanze bei Meyer. c. fehlt.

Polystichum spinulosum DC.; mehrere Exemplare im Gehölze beim Conversations-Hause, eingeschleppt.

Polypodium vulgare L. Im Gehölze beim Conversations- Hause mehrfach, eingeschleppt.

IV. Langeoog. Eine Verletzung des Fussgelenkes, welche ich mir am zweiten Tage meines Aufenthaltes (5. Aug. 1580) auf Langeoog zuzog, verhinderte mich, die Insel so vielfach zu durchstreifen, als ich gewünscht hatte; indessen konnte ich doch mit mehrseitiger freund- licher Unterstützung folgende neue Daten sammeln.

Im Allgemeinen trat mir die Armuth der Flora von Langeoos, verglichen mit der von Borkum, sehr scharf entgegen. Die von mir schon früher beklagte Austrocknung des Westendes (Abhandl. IV, pag. 222) hat eher noch zugenommen und bedroht noch manche interessante Pflanze mit Aussterben. Ganz auffallend. ver- mehrt schien sich auf den Dünen der Wundklee zu haben.

Im Einzelnen trage ich Folgendes nach:

+ Epilobium palustre x chordorrhizum? 1880 ein ein- zelnes Exemplar am westlichen Rande der Binnenwiese von West- ende Langeoog; wohl zufällig angeflogen.

7Scleranthus perennis L. W. Spärlich auf den nördlichen begrasten Dünen.

+ Antennaria dioicaL. Am Fusse der Dünen beim nörd- lichen Kap. (Lehrer W. Tongers.)

Gnaphalium uliginosum L. Auch auf der Binnenwiese.

Hieracium Pilosella L. Auf niedrigen Hügeln der Wiese und des grossen Dünenthales des Westendes häufig.

Stachys silvatica L. 1880 ein einzelnes Exemplar am Rande der Binnenwiese unfern des Leiss’schen Wirthshauses. (Reallehrer Tern.)

Atriplex littorale L. 1880 auch ın den Vordünen des Westendes nicht selten.

Polygonum HydropiperL. Im Westdorfe in einem feuchten Graben unfern der Kirche.

y Hippophaös rhamnoides L. W.; auf einer Düne im Nordosten (am Ende des grossen Dünenthales) in Menge und in kräftigen Exemplaren. Nach der Ansicht sachkundiger Insulaner erst vor wenigen Jahren durch Aussaat dorthin gelangt.

iEmpetrum nigrumL. W.; im östlichen Ende des grossen Dünenthales im Norden an ein paar Stellen.

Sl

7 Luzula multiflora Lej. Exemplare von enormer Grösse (bis 70 em Höhe) im grossen nördlichen Dünenthale.

+ Carex acutaL. Im grossen nördlichen Dünenthale des West- endes, sowie im Hauptthale der Melkhören. Die Pflanze muss bei meinen früheren Besuchen von Langeoog wohl nicht geblüht haben, da sie, wenn sie Früchte trägt, an beiden Stellen nicht wohl zu übersehen ist.

Agrostis canina L. Bereits von Lantzius - Beninsa für Langeoog angegeben, habe ich jetzt auch und zwar in dem grossen nördlichen Dünenthale gefunden.

+ Festuca ovina L. Ich kann jetzt die frühere Angabe von Dr. W. ©. Focke, dass dieses Gras auf Langeoog wachse, bestätigen, obwohl es mir sehr viel seltener zu sein scheint, als auf den anderen Inseln. Es wächst auf schwach begrasten Dünen mit Weingärtneria zusammen. Die Exemplare waren auffallend weiter entwickelt (überreif und kaum mehr zu kennen) als die ziemlich gleichzeitig auf den anderen Inseln gesammelten.

Equisetum arvense L. Nur wenige Exemplare am obern Rande der Weide in der Nähe des grossen nördlichen Dünenthales gefunden. |

Ophioglossum vulgatum L. Ueber die Wiese zerstreut, nach der Heuernte leicht, wenn auch nur in abgeschnittenen Exem- plaren zu finden; auch auf den Wiesenflecken beim Leiss’schen Wirthshause ; M., im grossen Dünenthale mehrfach.

+ Polystichum spec. Im Brunnen des Fährschiffers Leiss fand sich im August 1550 merkwürdiger Weise ein kleines, noch nicht sicher bestimmbares Farnkraut, welches leider ausgenommen und mir übersandt wurde.

V. Spiekerooge. Auf Spiekerooge sammelte in den Jahren 1878 und 80 eifrig Herr Dr. W. Hess, Professor an der polytechnischen Hochschule zu Hannover. Er hatte die Freundlichkeit, mir ein Ver- zeichniss der gefundenen Pflanzen aufzustellen und mir Proben der meisten zu übersenden. Aus diesen Mittheilungen ergeben sich folgende neue Beiträge für die Flora von Spiekerooge.

tPolygala vulgaris L. Spärlich auf der Weide südöstlich vom Dorfe.

Drosera rotundifolia L. Im Friederikenthal spärlich.

+ Arenaria serpyllifoliaL. In der Nähe des Dorfes mehrfach.

7 Lycopodium inundatum L. Auf der Weide rechts vom Badewege, 1880 ein Exemplar.

VI Wangerooge. Das letzte Verzeichniss der Pflanzen von Wangerooge ist das von Herrn Dr. L. Häpke nach einem Aufenthalte vom 6.—15. Juli 1874 aufgestellte und im IV. Bande dieser Abhandlungen, pag. 218—220, publicirte. Nach jener Zeit haben Herr Professor Dr. Liebe im Jahre 1878 und Herr Lehrer H. Ahrens aus Neugarmssiel bei Tettens im Jahre 1880 eifrig auf Wangerooge botanisirt und den Nachweis geliefert, dass sich dort ein weit grösserer Rest der specifischen Inselflora gehalten hat, als man nach jenem (vielleicht in einem ungünstigen Sommer aufgenommenen?) Verzeichnisse

December 1880, V11.6

82

annehmen durfte. Ich führe im Nachstehenden namentlich diejenigen Pflanzen auf, welche überhaupt noch nicht von Wangerooge bekannt waren. Diese sowie die neu bestätigten sind natürlich in meiner Flora der ostfriesischen Inseln sorgfältig berücksichtigt.

+ Ranunculus sceleratus L. Einzeln in einem Thale süd- östlich der Saline. | + Batrachium spec. Mehrfach in der Niederung westlich vom Friedhofe.. (Exemplare daher konnte ich nicht vergleichen !)

Polygala vulgaris L. Mehrfach im Rasen der Niederungen.

Malva neglecta Wallr. Einzeln im Westen in einem Thale südlich vom Deiche, dem Thurme gegenüber.

Potentilla silvestris Necker. Namentlich am Wege auf dem Deiche, wohl mit Moorsoden vom Festlande hierher ge- langt; wuchs übrigens nach Koch und Brenneke schon früher auf Wangerooge.

fi Peplis Portula L. Vielfach in der Niederung westlich vom Friedhofe.

+ Hydrocotyle vulgaris L. Mehrfach in der Niederung westlich vom Friedhofe und anderwärts.

fBupleurum tenuissimum L. Einzeln im Grase bei nie- drigen Hügeln am südlichen Rande der Niederung, unfern der Salıne.

Succisa pratensis Mch. Einzeln am Piade auf dem Deiche, wohl mit Rasensoden hierhergebracht.

7 Galium saxatile L. Bereits von Koch und Brenneke angegeben; die jetzt vorhandenen Exemplare am Weg auf dem Deiche, sind wahrscheinlich mit Moorsoden eingeschleppt.

7Erigeron canadensis L. Mehrfach bei der sog. Klingelbude.

iTanacetum vulgare L. Ebenso.

TAchillea Ptarmica L. Zerstreut in Vogt Hanken’s Garten und sonst.

Erica Tetralix L. Auf dem Deiche, durch Grassoden von Moorboden dahin gelangt.

rLimosella aquatica L. Mehrfach in der Niederung westlich vom Friedhofe.

Pedicularis palustris L. Einzeln am Fusspfade auf dem Deiche; wohl mit Erica zusammen eingeschleppt.

Littorella lacustris L. Vielfach in der Niederung westlich vom Friedhofe und anderwärts.

7 Seirpus uniglumis Lk. Mehrfach in den Niederungen.

rAlopecurus agrestis L. Mehrfach in Gärten und beim Leuchtthurme.

t Glyceria fluitans R. Br. Einzeln in dem Graben links am Wege nach dem Kap.

Molinia coerulea Mch. Mehrfach am Pfade auf dem Deiche, wohl eingeschleppt.

7 Hordeum murinum L. Einzeln beim Leuchtthurm.

TFestuca arundinacea Schreb. Einzeln an Pfadwegen und Umzäunungen in den Gärten.

Buchdruckerei von C. Hilgerloh, Bremeu.

Beitrag zur Ornithologie der östlich-

äquatorialen Gebiete Africas. Von Dr. G. Hartlaub.

Nach Sendungen und Noten von Dr. Emin Bey in Lado. Hierzu 1 Karte (Taf. V).

Im Laufe des Jahres 1880 wurde der ornithologischen Ab- theilung der naturgeschichtlichen Sammlungen unserer Vaterstadt ein ebenso reicher und interessanter als völlig unerwarteter Zuwachs zu Theil. Herr Dr. Emin Bey, zur Zeit Gouverneur der äqua- torialen Provinzen Aesyptens und in Ladö residirend, richtete an den Verfasser dieser Mittheilung zwei Sendungen vortrefflich präparirter Vögelhäute nebst darauf bezüglichen Noten und dem Wunsche, nach bestem Ermessen darüber im Interesse der Wissenschaft ver- fügen zu wollen. Es gereicht mir nun zu besonderem Vergnügen, diesem Wunsche unverzüglich nachkommen zu können. Denn schon die Lokalität, zum Theil sehr unvollständig durchforscht, zum Theil, ornithologisch betrachtet, absolut jungfräulicher Boden, verleiht diesen Sammlungen einen ganz ungewöhnlichen Werth. Heuglin’s für die nordöstlichen Gebiete Africas so überaus erfolgreiche Thätigkeit reicht bekanntlich nicht weit über Gondokoro (4° 47’ N. Br.) hinaus und dasselbe gilt für die Sammlungen Brun Rollet’s, Antinori’s und Beccari’s, während sich das Forschungsfeld Emin Bey’s von 01° bis N. Br. erstreckt und die unmittelbaren Umgebungen des Victoria und Albert Nyanza einbegreift. Und gerade diese südlichsten der von Emin Bey durchforschten Gegenden sind es, welche eine Anzahl neuer Arten und selbst ganz neuer Formen geliefert haben. Sie sind es, wo wir neben bisher als ausschliess- lich südafricanisch betrachteten Arten, wie Emberiza tahapisi, Cisticola obscura, Acrocephalus baeticatus und Euplectes taha den wohlbekannten vaterländischen Gestalten unseres grauen Fliegen- schnäppers, des Wiesenschmätzers, des Weissschwanzes, des Sumpf- rohrsängers, des Teichrohrsängers, des Fitislaubvogels, der Garten- grasmücke und der schwarzköpfigen Bachstelze begegnen, die wir hier in ihren Winterquartieren überraschen.

Emin Bey schildert den eigentlichen Mittelpunkt seiner Thätig- keit als Naturforscher wie folgt: Ladö, die Hauptstadt der äqua- torialen Provinzen Aegyptens, liegt auf O1‘ 33“ N. Br. und 31° 49° 35° O. L. in der Höhe von 1550 Fuss über dem Meere. Der Fluss, welcher hier eine plötzliche Biegung nach Osten macht,

Februar 1881, Ino%

54

umfasst eine Menge kleiner schlammiger Schilfinseln, die nicht zu betreten sind. Sandbänke fehlen. Dafür giebt es eine Menge Regenlachen (Chor’s) und Einbuchtungen, in deren Nähe sich eine im Ganzen nur geringe Anzahl von Wasser- und Stelzvögeln aufhält. In leichter Hebung steigt das Land nach dem Innern an. Weite sandige, mit vereinzelten Bäumen bestandene Strecken wechseln mit lichtem Buschwalde und undurchdringlichen Dorndickichten. Rother Eisenboden liegt weiterhin zu Tage und bekleidet sich zur Regenzeit mit einer üppigen Gramineenflor. Näher und ferner erheben sich blaue Berge und Hügel. Die grössere Feuchtigkeit bedingt mannichfachen Pflanzenwuchs: Tamarinden, Dahlbersia, Kigelia, Butyrospermum, Sycomoren,Acazia, Sarcocephalus, Desanium, Zizyphus und Balanites, endlich hohe Euphorbien sind die am häufigsten auftretenden Bäume. Auffällig ist das Fehlen der Borassus- palme, die erst in 08° N. Br. wieder auftritt, während Hyphaene thebaica mit etwa 30° N. Br. ihre Südgränze erreicht hat. Die Regenzeit beginnt im März, dauert etwa 2 Monate in einzelnen Schauern, pausirt dann einen Monat und erreicht ihr Maximum zu Ende Juli und Anfangs August. Nur die Monate November, December und Januar sind regenlos, obwohl für den letzten Monat Ausnahmen bekannt sind. Niederschläge sind stets reichlich. Die Temperatur ist eine ziemlich constante zwischen 20 und 34° Cels. Ein Sinken des Quecksilbers auf 18° Cels. gehört zu den grössten Seltenheiten.

Soviel zur Terrainkenntniss. Leider liessen sich nicht alle Momente so ausnutzen, als dies wünschenswerth wäre. Eine er- staunliche Menge von Löwen und Leoparden macht beim Betreten der Dickichte besondere Vorsichtsmaassregeln nöthig. Andererseits fehlt der dichte Buschwald und die offenen Stellen sind viel zu frequentirt, als dass sie immer reiche Ausbeute liefern könnten. Aber trotzdem ist noch genug zu machen und Emin Bey klast nur, dass ihm viel Schönes verloren gegangen sei, weil er aus Mangel an leichten Schroten mit Glasperlen schiessen musste.

Auf seiner letzten officiellen Reise gen Süden, die ihn noch über das Gebiet des Albert Nyanza hinausführte, sammelte und beobachtete Emin Bey auf den folgenden nur zum Theil astrono- misch festgestellten Stationen :*)

Station Djur: Halcyon chelicutensis, Palaeornis torquata, Tehitraea melanogastra, Eurystomus afer.

Station Redjaf (4° 44° 25” N. Br. 31° 42° O. L.): Megalaema chrysocoma, Aegithalus parvulus, Nectarinia acic, Pogonorhynchus leucocephalus, Oriolus Rolleti, Sycobius melanotis, Lamprocolius chloropterus.

Station Kiri (4° 18° 10“ N. Br. 31° 40° 28“ O. L.): Oriolus auratus, Prionops poliocephalus, Pogonorhynchus Rolleti, Nectarinia azic, Corvinella affınis, Zosterops senegalensis, Irrisor erythrorhynchus.

*) Viele der nachstehend genannten Vögel wurden als zu schwer durch den Schuss verletzt nicht mit eingesandt. Umsomehr glaubten wir sie nach den Noten Dr. Emin Bey’s hier anführen zu müssen.

: 85

Emberiza tahapısiı, Sycobius melanotis, Dilophus carunculatus, Tur- dus icterorhynchus, Nectarinia cuprea, Antreptes orientalis, Pogo- norhynchus leucocephalus, Anthus Gouldii.

Station Muggi (4° 18° 40° N. Br.): Picus obsoletus, Coceystes slandarius, Sycobius melanotis, Nigrita Arnaudii, Sylvia hortensis, Falco semitorquatus, Platystira senegalensis, Macronyx croceus, Coracias naevia, Textor alecto, Parus leucopterus, Tricholais fla- votorquata.

Syaiuon, Labore + (40.551 48° N. Br. 31° 51° 24% 02 E% Dryoscopus gambensis, Ptilostomus senegalensis, Crateropus plebejus, Buceros abyssinicus, Corythaix leucolophus.

Station Chor Ajec: Buceros cristatus paarweise auf Sycomoren.

Station Dufile (3° 34° 35“ N. Br. 320 48“ O. L.): Lobi- vanellus senegalensis, Buceros habessynicus, Falco ardosiacus.

Station Bora: Haliaetos vocifer, Merops frenatus, Urobrachya axillaris, Myrmecocichla nigra, Pratincola rubetra.

Station Wadelai: Dei polyzonus, Phyllopneuste trochilus, Acrocephalus palustris, Campephaga xanthornoides, Spizaetos occi- pitalis, Colias leucotis.

Station Fatico: Lamprocolius ar lieh, L. chalcurus, Telephonus minutus. | . Station Magungo (2° 14‘ 42“ N. Br. 31° 45° 0. L.: Besonders reicher an dem Nordende des Albert Nyanza gelegener Standort, der die meisten Novitäten lieferte: Lobivanellus senegalensis, Ardea atri- capilla, Hyphantornis badia, luteola und crocata, Coccystes glandarius, Ispidina picta, Noctua perlata, Euplectes franciscanus, Nectarinia erythroceria, Pratincola ruvetra, Cisticola hypoxantha, Eminia lepida, Melocichla mentalis, Trichophorus Havigularis, Telephonus trivirgatus, Phyllopneuste trochilus, Acrocephalus arundinaceus, Sylvia hortensis, Campephaga phoenicea, Plalystira orientalis, Muscicapa infulata, Tehitrea melanogastra, Pogoniorhynchus bidentatus, Spermestes cucul- latus, Merops albicollis, Drymocichla incana, Pyrenestes albifrons etc.

Station Mahagi am westlichen Ufer des Albert -Nyanza: (2° N. Br.) Coturnix Delegorguei, Turnix lepurana, Francolinus icterorhynchus, Treron nudirostris, Macronyx croceus, Ortygometra egregia, Ortygom. nigra, Lanius excubitorius, Halcyon chelicutensis etc. Nistcolonie von Coryphegnathus albifrons.

Dann nennt Emin Bey noch eine hochsüdliche Station Macraca, wo die westliche Nectarinia cuprea häufig war und wo ihm Elminia zuerst aufstiess.

Ueber 100 Arten stammen aus der näheren und weiteren Umgegend von Ladö und man begegnet unter diesen neben zahl- reichen gewöhnlicheren Repräsentanten der Vögelfauna Nordost- africas mancher ausgezeichneten und seltneren Form, wie Falco alopex, Irrisor Cabanisi, Cichladusa guttata, Argya rubiginosa, Cassinia semipartita, Lanius excubitorius und isabellinus, Sycobius melanotis, Nigrita Arnaudii, Pogonorhynchus diadematus, Trachy- phonus Arnaudi. Als unbeschrieben erwiesen sich in dieser Sendung von Ladö ein Dryoscopus, eine der haematocephala verwandte

86

Hyphantica und eine besonders interessante neue der südafricanischen Gattung Crithologus, Cab. zunächst stehende Fringillidenform : Sorella.

In ihrer Bedeutung für die geographische Zoologie bestätigen diese Sammlungen Emin Bey’s die bereits von Heuglin constatirte Wahrnehmung, dass mit dem Vorrücken in äquatorialer Richtung die faunistische Annäherung an Westafrica und selbst an die eigentlich südlichen Gebiete des Welttheiles zunimmt. In Magungo, also zwischen dem zweiten und dritten Grade N. Br. wurden rein westliche Arten erlangt, wie Melocichla mentalis, Telephonus minutus, Myrmecoecichla nigra, Trichophorus flavigularis, Nectarinia cuprea, Spermestes cucullatus, Lamprocolius chalcurus or. und L. auratus or.”) Auch gewisse in unveränderter Gestalt angetroffene südafricanische Arten, wie Falco semitorquatus, Televhonus trivirgatus, Acrocephalus baeticatus, Euplectes taha und Emberiza tahapisi scheinen den vierten Breitengrad in nördlicher Richtung nicht zu überschreiten. -Bei letztgenanntem Vogel ist es sehr bemerkens- werth, dass sich sein Wohngebiet unmittelbar an das einer ihm zum Verwechseln ähnlichen und in der That fast allerseits irrthümlich mit ihm confundirten Art, der Emberiza septemstriata Rüppell’s anschliesst.

Wir wissen längst, dass-Africa das winterliche Asyl für zahl- reiche Zugvögel Europa’s ist. Aber es muss für den überraschten Ornithologen, der hier arbeitet, ein immer erneuter Reiz darin liegen, auf diesen entlegensten Binnen-Gebieten des dunkeln Welt- theils neben den farbenprächtigen Formen der Tropen, wie Papa- geien, Nectarinien und Bucconiden heimischen Gestalten von so bescheidenem Gepräge wie unsere Muscicapa grisola, Sylvia hortensis, Saxicola oenanthe, Pratincola rubetra, Phyllopneuste trochilus, Acrocephalus palustris und arundinaceus, Motacilla melanocephala und Caprimulgsus europaeus zu begegnen.

Ueberwiegend an Zahl der Species und noch mehr an Menge der Individuen sind in diesen beiden Sendungen Emin Bey’s die Frinsilliden, die wir mit 27 Arten und zum Theil sehr eigenthüm- lichen Formen reich und mannigfaltig vertreten finden. Es folgen die ebenfalls vielgestaltig und artenreich repräsentirten Sylviaden. Das gänzliche Fehlen der Lerchen sowie die äusserst schwache Vertretung der Steinschmätzer und Ammern lässt sich aus den Terrainverhältnissen jener östlich-äquatorialen Gebiete einigermaassen genügend erklären, bleibt aber dennoch bemerkenswerth, wenn wir die bedeutende Rolle ins Auge fassen, welche die genannten Familien auf so vielen und so umfangreichen andern Gebieten im Norden, Süden, Osten und selbst, wenn auch in weit geringerem Maasse, im Westen Africas spielen.

*) Wie noch andere Arten. so weichen die beiden letztgenannten Glanz- staare durch constante Merkmale von der westlichen Form ab, die zunächst als rassenunterschiedliche aufgefasst werden mögen. In verstärktem Grade gilt dies z. B. noch von Anthreptes Longuemarii der Westküste, einer Art, deren östlicher Vertreter kaum noch als Rasse gelten kann.

87

Die Gesammtzahl der uns von Dr. Emin Bey übersandten Bälge beträgt circa 500, die der Arten 154.

Wir sind in der systematischen Anordnung den Huxley- Selaterschen Principien gefolgt und glaubten uns darauf beschränken zu dürfen, nur die wichtigsten neueren der auf die nordöstlichen und östlichäquatorialen Gebiete bezüglichen Schriften zu citiren, wo der tiefer Eingehende jede gewünschte Auskunft finden wird. Die eminente Bedeutung von Heuglin’s grossem Werke über die Ornithologie N.-O.-Afrikas kann hier in der That nicht stark genug betont werden und wir thun das um so mehr, als dieses Werk das einzige war, aus dem Emin Bey Belehrung schöpfen konnte. Genügen mochte dies allerdings nicht immer und so manches Frage- zeichen in seinen schriftlichen Beigaben scheint zu beweisen, dass der eifrige und gewissenhafte Forscher, dem bei der entlegenen Abgeschlossenheit seines Wohnsitzes im tiefsten Innern des Welt- theils oft längere Zeit hindurch jede Zufuhr aus Europa, ja selbst die so nothwendige Fühlung mit Aegypten abgeschnitten war, in mehr als einem Falle die Unmöglichkeit zu beklagen hatte, durch Vergleichung noch anderweitigen wissenschaftlichen Materials den nöthigen Grad von Sicherheit für die Bestimmung der erlegten Vögel zu erzielen.

Nun, die gewaltige Barre, die Jahre hindurch den Nil gesperrt gehalten hatte, ist, Dank sei den erfolgreichen Anstrengungen Ernst Marno’s, endlich hinwesgeräumt, und auch Ladö ist dadurch wieder frei und für den Verkehr mit der Civilisation zugänglich geworden.

Die citirten Werke sind die folgenden:

1) Th. v. Heuglin: Ornithologie Nordost-Africas, der Nil- quellen und Küstengebiete des rothen Meeres und des nördlichen Somal-Landes. 2. B. (1838 S.) Cassel 1869— 74.

2) O0. Finsch u. G. Hartlaub: Die Vögel Ost-Africas. Vierter Band von Baron Carl Claus von der Decken’s Reisen in Ost-Africa. 1 Bd. 8°. (897 8.) Leipzig und Heidelberg 1870.

3) 0. Finsch: Ona collection of Birds from North-Eastern Abyssinia and the Bogos Country. With notes by the colleitor William Yesse: Transact. Zool. Soc. Lond. vol. VII. p. 197. (1870.)

4) W.T. Blanford: Observations on the Geology and Zoology of Abyssinia made during the progress of the British Expedition etc. 1 vol. 8°. London 1870. Aves p. 285.

5) Th. v. Heuglin; Reise in das Gebiet des Weissen Nil und seiner westlichen Zuflüsse in den Jahren 1862—64. 1B. 8°. Leipzig und Heidelberg 1869. Vögel S. 331.

6) A. L. Brehm: Erlebnisse einer Reise nach Habesch ete. 1 vol. 8°. Hamburg 1863.

7) Th. v. Heuglin: Reise in Nordost-Africa. Schilderungen aus dem Gebiete der Beni Amer und Habab nebst zoologischen Skizzen etc. 2 B. Braunschweig 1877. Vögel Band 2. p. 141— 20.

8) Orazio Antinori: Catalogo descrittivo di una collezione di uccelli fatta etc. nell’ interno dell’ Afrika centrale nord. Milano 1864, 117 5.

88

9) Tommaso Salvadori: Rivista critica del catalogo descrittivo etc. de Orazio Antinori: Atti della R. Academ. delle Science di Torino vol. V. p. 719—46.

10) F. de Filippi: Fragment d’une lettre a son Altesse le Prince Ch. L. Bonaparte: Rev. et. Mag. de Zool. 1853. p. 289—91. (Nach den Sammlungen Brun Rollet’s am weissen Nil bis zu N.Br.)

11) Tommaso Salvadori: Studio intorno al lavori orni- thogici del Prof. Filippo de Filippi: Atti della R. Acad. delle Sc. di Torino 1868, p. 276.

12) O. Antinori e. J. Salvadori: Catalogo degli uccelli raccolte nel Viaggio al mar rosso e nell’ Africa oriental. da Beccari e A. Issel. Genova 1874.

13) C. Sundevall: Foglar fran Nordöstra Africa: Oefvers. af Kongl. Vetensk. Acad. Förhandl. 1850, p. 125—133. (Nach den Sammlungen Hedenborg’s.)

I. Passeres.

1. Turdus ieterorhynchus, Herz. v. Würtenb.

Heugl. Ornith. N.-O.-Afr. p. 383, t, XIV (T. pelios Bp.) Finsch Coll. Yesse, Abyss. p. 242 Seeb. Proc. Zool. S. 1879, p. 804 ete. Nichols. Proc. Z. S. 1878, p. 129. Antin. Catal- p. 42. Antin. u. Salv. Viagg. Ueccell. p. 92. Heugl. Reise N.-O.-Afr. II. p. 188.

1 © von Ladö. Iris perlgrau; Füsse gelblich ; Schnabel hellorange.

H. Seebohm hat nachgewiesen, dass Bonaparte’s T. pelios sehr wahrscheinlich zusammenfällt mit T. hortulorum Scl., einer chinesischen Drossel, jedenfalls aber nicht zu beziehen ist auf den hier in Rede stehenden Vogel Africas.

2. Myrmecocichla nigra, (Vieill.)

Traquet commandeur, Lev. Afr. pl. 189. Sundev. krit. Framst. p. 45. Reichen. Cab. Journ. O. 1877, p. 30. Hartl. Westafr. p. 65. Barb. Decim. non. list. p. 13 (Öaconda).

1 © von Station Bora.

Von ganz besonderem Interesse. Bis vor Kurzem blieb das von Perrein in Malimbe gesammelte Originalexemplar Levaillant’s das einzig bekannte. Dasselbe zählte zu den Schätzen der Leydener Sammlung. Wiederaufgefunden wurde der Vogel von der Preuss. Expedition nach der Loango-Küste und jetzt begegnen wir ihm auf den höchsten Nilgebieten! Das sehr alte Exemplar Perrein’s ist stark ins Bräunliche verblichen. Eine kurze Beschreibung des frischen Vogels wird willkommen sein: Foem. ad. Tota splendide nigerrima, excepta macula alari magna tectricibus minoribus for- mata sericeo-alba; rostro et pedibus nigerrimis. Long. tot. circa 175 mm, rostr. a. fr. 15, ab. 100 mm, caud. 62 mm, tars. 29 mm.

3. Saxicola oenanthe, (Z.)

Heugl. 1. ec. p. 347. Antin. e Salvad. Viagg. Uccell. p. 90. Finsch Yesse Coll. Abyss. p. 236.

89

Ein altes © von Ladö, nicht unterscheidbar von norddeutschen Exemplaren in der Färbung.

Herr J. W. Handford sammelte. unsern Weissschwanz auf der Insel Mombas und Capt. Shelley besitzt ein Exemplar desselben von den Ufern des Panganiflusses, jedenfalls das südlichste bis jetzt constatirte Vorkommen dieses Steinschmätzers.

4. Pratincola rubetra, (ZL.) Heugl. 1. c., p. 338.

Zwei jüngere Männchen von St. Bora und Stat. Magungo: 20 14° N. Br.

5. Cisticola hypoxantha, n. sp. Hartl. Proceed. Z. Soc. Lond. 1880, p. 624.

Obenher röthlich- olive, undeutlich dunkler längsgefleckt; untenher einfarbig blassgelb; Bürzel etwas röthlicher; innere Flügeldecken weisslich; Armschwingen und Deckfedern der Flügel braunröthlich gerandet; Steuerfedern braun, röthlich gesäumt und vor der helleren Spitze dunkel überlaufen ; Schnabel hell mit dunklerem First; Iris dunkel, Füsse hellfleischroth.

Ganze Länge 100 mm, First 8 mm, Flügel 44 mm, Schwanz 38 mm, Lauf 20 mm.

| Auf der Unterseite tritt die Zeichnung der Steuerfedern viel schärfer hervor.

Wir beschreiben das einzige Exemplar der zweiten Sendung Dr. Emin Bey’s, ein ausgefärbtes J von Magungo: 14° 42 N Br. 31°. 31°:45 OL:

6. Cisticola tenella, Cab.

Cab. v. d. Decken, Reis. Ostafr. III. p. 23, t. 2, Fig. 1.— Cab. Journ. Orn. 1868, p. 412. Reich. Cab. Journ. 1877, p. 30.

Ein 9 von Ladö. Iris orangebraun, Füsse fleischfarbig. Nicht selten in dichtem Gestrüpp. Singt angenehm und laut.

7. Cisticola cantans, Heugl. Heugl. 1. c., p. 252. Jd. Ibis 1869, p. 96.

Zahlreiche Exemplare beider Geschlechter von Ladö. Iris schwarz.

8. Cisticola obscura, Sundev. Sundev. Oefvers. Kong]. ete. Vetensk. 1850, p 108.

Dr. Reichenow fand unser Exemplar übereinstimmend mit einem von Wahlberg bei Natal gesammelten und von Sundevall identificirten Vogel der Berliner Sammlung.

Einzeln um Ladö. Iris orange.

9. Cisticola marginalis, n. sp. Cab. Reich. Orn. Centr. Bl. 1881, p. 12.

Scheitel olivenbräunlich mit sehr undeutlicher dunkler Längs- fleckung und schwachen Spuren röthlicher Beimischung am Hinter- kopf, ein weisslicher Zügellleck verlängert sich bis über’s Auge; Rkücken mit grossen, schwarzbraunen Längsflecken auf dunkel-

90

grauem Grunde; Unterrücken und Bürzel ungefleckt; grosse Flügel- deckfedern und Armschwingen dunkelbraun, mit hellfahler Randung;; Handschwingen, die erste ausgenommen, hellzimmtröthlich gerandet; unterseits fahlgelblich, Kehle und Bauchmitte weisslich ; Steuerfedern hellbraun, mit grossem schwärzlichen Fleck vor der hellen Spitze; innere Flügeldecken fahl, untere Schwanzdecken weisslich; Schenkel hellbraunröthlich; Füsse hell; Schnabel braun, Unterkiefer nach der Basis zu hell.

Ganze Länge 120 mm, First 12 mm, Flügel 50 mm, Schwanz 43 mm, Lauf 21 mm.

Ladö. Iris hellbraun; Füsse fleischroth.

Wir waren vergebens bemüht, diese Cisticola in den Werken von Sundevall, Heuglin, Antinori u. s. w. beschrieben zu finden. Sie ähnelt Heuglin’s ©. scotoptera und noch mehr C. isodactyla, Pet., welche beide Arten aber unter Anderen durch rothbräunliche Scheitelfärbung von ihr abweichen.

10. Phyllolais pulchella, (Riüpp.)

Prinia pulchella, Rüpp. Atl. t 35. a. Drymoeca pulchella, Heugl. 1. c., p. 243. Blanf. Abyss., p. 374. Antin. Viage. Uccelli., p. 172. Ladö. Iris gelbbraun; Füsse röthlich; Schnabel fleischroth, mit’ dunkler Spitze. Sehr aberrant und in Schnabelbau wie Fär- bung an Phyllopneuste erinnernd, bilde dieses zarte Vögelchen die: Gattung: Phyllolais.”)

11. Camaroptera brevicaudata, (Rüpp.)

Heugl. ]. e. p. 281. Finsch u. Hartl. Ostafr. p. 241. Finsch Coll. Yesse Abyss. p. 231. Blanford Abyss. p. 376. Sundev. Oefvers. k. Vetensk. etc. Förh. 1850, p. 102 (NB:). Antin. e Salv. Viagg. Uccelli p. 173.

Um Ladö nicht häufig. Singt sehr angenehm. Weit verbreitet über Africa, bietet diese Form nicht unerhebliche individuelle sowohl als lokale Differenzen dar, die zu Spaltung in mehrere Arten ver- leiten konnten und geführt haben. Näheres in den oben citirten Werken. Die vorliegenden Exemplare von Ladö wird man z. B. in Heuglin’s Beschreibung kaum wiederfinden, da sie vielmehr der äquatorialen Syncopta tincta Cassin’s entsprechen: Obenher grau, unterseits heller, Flügel olive; Bauchmitte weisslich; Flügelbug und Schenkel gelb; innere Flügeldecken weiss, gelblich gemischt.

*) Char. gen. Schnabel gerade, mittellang, sehr zierlich, ungezahnt, comprimirt, scharf gekielt; First im Spitzentheil leicht herabgekrümmt ; Dille in der Spitzenhälfte kaum merklich ansteigend; Nasenlöcher offen, länglich- oval; Bartborsten obsolet.

Flügel ziemlich kurz, die Hälfte des Schwanzes nicht erreichend; die erste Hand- -Schwinge unächt, die dritte bis fünfte gleichlang, und am längsten, die zweite und sechste gleichlang und nur wenig kürzer.

Schwanz ziemlich lang und etwas abgestumpft; die Steuerfedern sehr schmal.

Füsse sehr klein, schwach und zierlich; die innere und äussere Zehe fast gleichlang; der Daumen nur wenig kräftiger; Nägel klein, schwach und stark gekrümmt.

a

12. Eminia lepida, n. sp. Hartl. Proceed. Z. S. of Lond. 1880, p. 625, pl. LX. Fig. 1.

Eminian. g.

Schnabel ziemlich lang, schlank, gerade, gekielt, ungezahnt, eomprimirt ; Oberkiefer leicht gekrümmt, Dille in der Spitzenhälfte schwach aufwärts gebogen; Nasenlöcher in einer grösseren Grube liegend, spaltenartig, offen. Bartborsten obsolet.

Flügel kurz, convex, die Mitte des Schwanzes nicht erreichend; 1. Schwungfeder sehr kurz, 5—9. die gleichlängsten.

Schwanz ziemlich lang, zugerundet, weich. Steuerfedern schmal, weich.

Füsse gross. Lauf beschildet. Zehen lang, schlank. Hinter- zehe besonders kräftig mit grossem stark gekrümmten Nagel.

E. lepida, n. sp. Oberseits hellgrünlicholive, Schwungfedern braun, olive gesäumt; am Flügelbug ein intensiv zimmtröthlicher Fleck; innere Flügeldecken okergelblich und rothbraun gemischt; Scheitel reingrau, nach der Stirn zu etwas weisslicher; ein scharf- begränzter, schwarzer Zügelstreifen zieht sich breiter werdend über die Augengegend hinaus und vereinigt sich zu einer das Hinterhaupt sehr breit umgebenden Binde; Wangen und ÖOhrgegend silber- weisslich. Unterseite hellgrau, Bauchmitte weisser, Kinn weisslich; auf